Es ist: 08-04-2020, 02:50
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Eine verspätete Weihnachtsgeschichte. Protagonisten: Ratte, Katze, Weihnachtsmann.
Beitrag #1 |

Eine verspätete Weihnachtsgeschichte. Protagonisten: Ratte, Katze, Weihnachtsmann.
Eine Weihnachtsgeschichte

Das Jahr neigte sich dem Ende. Im Licht der Straßenlaternen wirbelte der Schnee im Abendwind. In den Häusern funkelten Lichterketten und Kerzen warm und gelb. Was für ein Kontrast zwischen kalt und warm und weiß und gelb, während eine seidig blauschwarz schimmernde Ratte den Rinnstein entlang tapste und der Schnee leicht, ganz leicht unter ihren Füßen knirschte. Sie war ja selbst so leicht. Und ein bisschen schwer, wie immer zum Jahresende. Manchmal lief und lief sie die ganze Nacht, weil sie innerlich gar keine Ruhe mehr fand, auch wenn sie in ihrer Schwärze im Schnee nun wirklich leidlich schlecht getarnt war. Weiße Flocken schmolzen auf ihrem seidigen Fell. Ihre Vorfahren waren zur See gefahren. Deren Heimat war unterwegs. Auf den Meeren, in den Häfen, überall und nirgendwo. Vielleicht kam es daher. Die Gene. Manchmal krochen ihr die Einsamkeit und die Sehnsucht nach dem Meer regelrecht in die Knochen und bemächtigen sich ihrer. Dann lief sie, und zum Jahresende wurde es kalt und schlimmer.
Wenn sie schlief, träumte sie von Schiffen. Dort war es warm und gemütlich, wie in den Häusern. Das Schiff stampfte durch die Wellen. Sie saßen zusammen und aßen, tranken lachten und sangen. Kerzen flackerten und Töpfe klapperten, das Holz war warm und roch so lecker zusammen mit der salzigen Meeresluft. Es fühlte sich an wie Heimat.
Plötzlich füllte ein Rauschen die Luft und Sid, die Ratte, blickte auf zum Himmel. Im Schneegestöber erschien am Himmel so etwas wie ein.. Zug? Er flog eine lange Kurve und nahm einen Landeanflug auf die Straße. Oh. Kein Zug. Ein Schlitten mit Rentieren, Glocken und einen großen Mann mit rauschendem Bart, der riesenhaft unter dicken Decken saß und die Zügel hielt. Sid war so überrascht, dass er überhaupt nicht reagierte, sondern mit offenem Mund in der Bewegung innehielt, bis der Schlitten neben ihm zu stehen kam. Die Rentiere atmeten schwer, ihr Fell war nass, der Schnee knirschte unter ihren Hufen. „Dich habe ich gesucht. Wie schön!“ dröhnte eine dunkle Stimme durch den Schnee. Der Mann lächelte freundlich und ehe Sid sich versah, saß er in seiner riesigen Pranke, direkt vor dem roten freundlichen Gesicht des Mannes. Der pustete ihm den Schnee aus dem Fell und sagte: „Prächtig!“ Sid sagte erst einmal lieber gar nichts. Vielleicht wollte der Mann ihn einfach fressen? Neben dem Mann saß ein alter Kater, eingewickelt in eine Decke. War er vielleicht als Weihnachtsbraten für ihn gedacht? Der Kater sah aber ganz zufrieden und freundlich aus. „Das ist Charlie“, brummte der Mann. „Ein Kater, aber er tut Dir nichts. Ihr werdet Euch mögen. Ich habe einen Auftrag für Euch“.
Er lenkte den Schlitten in ein nahes Waldstück. Der hintere Teil hatte eine Art Koje, dort saßen sie nun im Warmen zusammen. Der Mann schenkte heißen Glühwein aus, der herrlich nach Zimt schmeckte und von innen wärmte. Sid knusperte dazu an einem fantastischen Lebkuchen. Was für eine merkwürdige Runde. Heimelig. „Charlie kenne ich schon seit Jahren. Immer ist er Weihnachten alleine und hockt in einer alten Ruine im Westen der Stadt. Träumt von alten Zeiten, wilden Kämpfen und trauert um Fiendchen, seine alte große Katzenliebe, die vor Jahren unter die Räder eines Autos kam. Dich kenne ich auch, ohne dass Du davon weißt. Ich kenne Viele. In diesem Jahr mochte ich es nicht mehr mit ansehen und hatte eine Idee. Da gibt es noch einen Dritten, einen Menschen, der Weihnachten immer recht einsam ist. Er hockt alleine in seinem riesigen Haus vor dem Kamin und wartet dort, bis alles vorbei ist. Es wird Zeit, dass er wieder in Gesellschaft kommt und mal wieder lacht, aber mit den Menschen hat er es nicht so“. Er machte eine kurze Pause, nahm einen Schluck von dem Glühwein und brummte zufrieden. Sid vermutete, dass es sicher nicht der Erste an diesem kalten Tag war, und fragte sich, wo das hinführen sollte. „Das ist mein Plan“, dröhnte die dunkle Stimme des Mannes in der kleinen Koje des Schlittens, während draußen immer mehr Schnee fiel.
Unter der Bank zog er einen kleinen Schlitten hervor. Ein rotes Kostüm für Sid mit einem weißen Bart, ein paar Hörner für Charlie. Ein Sack voll Zauberstaub fürs Fliegen. Auf einem Anhänger einen kleinen Ballon aus roter Seide und darunter eine schwarze Schachtel mit einer roten Schleife. Die Augen des Mannes funkelten vor diebischer Freude. „Ich erkläre Euch jetzt alles....“. Sid nahm noch einen großen Schluck vom zuckersüßen Glühwein.
Kurz darauf waren sie auf dem Weg. Charlie trug Rentierhörner und das Geschirr und zog den Schlitten, Sid saß als Weihnachtsmann auf der Bank. Beide waren ein bisschen betrunken. Na ja, beim Fliegen ist das nicht so schlimm, wenn man Schlangenlinien fliegt. Sie erreichten das Haus des Mannes, das von einer riesigen Mauer umgeben war. Sie überflogen diese und landeten auf einer Terrasse im ersten Stock. Von dort konnten Sie ihn sehen. Er saß in einem großen leeren kalten hallenartigen Raum, in einem Sessel vor einem Kamin unter dicken Decken. Außer dem Sessel und einen flauschigen Teppich vor dem Termin gab es nichts. Durch eine offene Tür glitten sie hinein und landeten mit klingelnden Glöckchen auf dem Teppich. Mit leeren Augen blickte der Mann auf und es passierte für eine Sekunde nichts. Alles stand still. Sid stieg ab. Angesichts der Stille, sprach er sein „Ho-Ho-Ho“ mehr vorsichtig, fast fragend, als dass er es rief und auch Charlie war sich nicht mehr sicher, ob alles klappen würde. Dann kam Leben in die Augen des Mannes, sein Gesicht hellte sich auf. Ein Ausdruck von Erstaunen. Sid reichte ihm das kleine Paket mit dem roten Ballon. Er öffnete es schweigend und las den Brief, der darin lag. Er seufzte, holte tief Luft und blies 11 Mal in den roten Ballon und dann ein weiteres Mal in das Paket, streute Zauberstaub darauf und der Ballon machte sich auf den Weg, hinaus aus dem Fenster, hinauf in den Nachthimmel, bis er in der Ferne im Schneegestöber verschwand. Das Gesicht des Mannes änderte sich. Alles Maskenhafte fiel ab. Er blickte auf die Beiden: das zahnlose Kater-Rentier und eine schwarze Ratte, die als Weihnachtsmann verkleidet war. Dann begann er zu lachen, immer lauter und lauter. Alles Schwere und alle Einsamkeit schienen mit dem Ballon in die Luft gestiegen zu sein und er fühlte sich zum ersten Mal seit Jahren leicht. Er mochte nicht mehr aufhören zu lachen und spürte, wie das Leben zurück in seinen Körper strömte. Was soll ich sagen. Es wurde eine lange, lange Nacht. Ein weiterer Beutel Zauberstaub deckte eine Tafel voller Köstlichkeiten und Wein und Kerzen. Sid und Charlie blieben, sie zogen ein und wurden beste Freunde. Oft sitzen sie jetzt gemeinsam am Kamin und erzählen sich Geschichten. An Weihnachten passieren manchmal ungewöhnliche Dinge.
(Boris Lamour)

(Die Geschichte soll im zweiten Band von "Das Atmen der Schatten" im kommenden Jahr erscheinen und ist noch nicht lektoriert - ich freue ich also sehr über Feedback! Boris P.S: Wer mehr über unsere Kunst-Projekte erfahren möchte: http://www.facebook.com/GebruederLamour )


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Beitrag #2 |

RE: Eine verspätete Weihnachtsgeschichte.
Hi Boris,

nun stolpere ich auf meiner Suche nach unkommentierten Geschichten mal über eine von dir, die noch nicht veröffentlicht ist, wo du als Autor also Feedback tatsächlich auch umsetzen kannst. (Falls ich nicht doch schon zu spät bin Icon_ugly )Bei den veröffentlichten fand ich es irgendwie überflüssig, weil sie ja eben eh schon veröffentlicht sind und nicht mehr verändert werden – denk ich mir zumindest.
Allerdings möcht ich gleich anmerken, dass es hier im Forum üblich ist, sich auch selbst bissl einzubringen. Alle Autoren hier wollen Meinungen hören (oder gar kostenloses Lektorat erhalten), aber damit das funktioniert, sollte eben auch jeder selbst seinen Beitrag leisten und hin und wieder mal was zu den Geschichten von anderen sagen.
Ich will dir nichts unterstellen, aber gerade dein Nachsatz »und ist noch nicht lektoriert«, der klingt schon bissl nach »macht ihr das mal«. Falls du damit lediglich sagen wolltest, dass die Geschichte, bzw. du noch für alle Änderungsvorschläge offen bist, hab ich natürlich nix gesagt Icon_wink

Deine eigene Zurückhaltung könnte auch ein Grund sein, warum diese Geschichte hier so lange unbeantwortet blieb. Das passiert ja nicht selten hier im Forum, dass man sich als Kommentator Mühe macht und nichtmal ein Dankeschön bekommt, weil der Autor nur alle drei Monate mal reinschaut oder so.

Nun aber zur Geschichte.
Ich muss ehrlich sagen, ich war überrascht, wie gut sie mir gefallen hat. Ich bin kein Fan von Weihnachtsgeschichten, aber du erzählst das sehr sympathisch und vor allem Sid find ich total putzig Mrgreen
Inhaltlich gibt es mMn keine Längen, da rutscht alles gut in einem Anlauf durch und auch deine Formulierungen klingen sicher und nach Schreiberfahrung. Auf Logik hab ich nun freilich nicht geachtet, sondern die Geschichte einfach so hingenommen, aber das fiel eben auch nicht schwer, weil du das richtige Maß an Beschreibung, Dialog und Handlung hast und eine positive »Moral« vermittelt wird. Ich fang da jetzt nicht groß an, was reinzuinterpretieren.

Eine nette Geschichte, die mich in längerer Form zwar nicht bei der Stange halten könnte, die mir so in ihrer Kürze als Schmankerl zwischendurch aber gut gefallen hat.

Ich bin über ein paar Fehler gestolpert, die ich dir gleich noch raussuche, und negativ aufgefallen sind mir die häufigen Wortwiederholungen. Deine Sprache hier ist recht einfach und schlicht, auf den Punkt gebracht, aber die Wiederholungen waren für mir persönlich ein Dorn im Auge. Bin da allerdings auch recht empfindlich.
Ich nehm mal die, die am meisten stören, mit in meine Liste, ist dann natürlich aber an dir, zu entscheiden, ob du sie drin lässt oder beseitigst.
Oh, und ein paar Absätze mehr (vor allem bei wörtlicher Rede) würden dem Text guttun.

Zitat: In den Häusern funkelten Lichterketten und Kerzen warm und gelb. Was für ein Kontrast zwischen kalt und warm und weiß und gelb
das erste »warm und gelb« könnte man mMn getrost weglassen

Zitat: während eine seidig blauschwarz schimmernde Ratte den Rinnstein entlang tapste 
»entlangtapste«

Zitat: ganz leicht unter ihren Füßen knirschte. 
fällt mir jetzt beim zweiten Mal lesen auf: statt »Füßen« vielleicht eher »Pfoten«? Würde für mich besser zu einer Ratte passen

Zitat: Ihre Vorfahren waren zur See gefahren. Deren Heimat war unterwegs. Auf den Meeren, in den Häfen, überall und nirgendwo. Vielleicht kam es daher. Die Gene. Manchmal krochen ihr die Einsamkeit und die Sehnsucht nach dem Meer regelrecht in die Knochen und bemächtigen sich ihrer. Dann lief sie, und zum Jahresende wurde es kalt und schlimmer.
Der Absatz gefällt mir sehr gut, da schwingt das Fernweh förmlich in den Worten mit. Pro

Zitat: Dort war es warm und gemütlich, wie in den Häusern. Das Schiff stampfte durch die Wellen. Sie saßen zusammen und aßen, tranken lachten und sangen. Kerzen flackerten und Töpfe klapperten, das Holz war warm und roch so lecker 
Gerade weli im ersten Absatz schon das »warm« doppelt war, fällt es hier nochmal mehr auf. Das erste könnte man mMn streichen, denn »gemütlich« impliziert für mich auch »warm«; ob das Holz auf einem Schiff wirklich so warm ist … ja, von innen vielleicht, aber viel wichtiger im Satz ist doch der Geruch, weil der noch etwas Neues reinbringt. Das »warm« könnte man ebenfalls streichen, ohne dass groß was verloren geht, finde ich.
zwischen »tranken, lachten« fehlt ein Komma
»Kerzen flackerten und Töpfe klapperten« hat einen wunderschönen Sprachrhythmus, wie ich finde. Das zergeht richtig auf der Zunge Icon_wink

Zitat: Plötzlich füllte ein Rauschen die Luft und Sid, die Ratte, blickte auf zum Himmel.
Gestutzt habe ich, als die Ratte hier plötzlich einen Namen bekam. Ich dachte gleich: Warum hat sie den nicht von Anfang an? Wobei ich auch sagen muss, dass es mich am Anfang nicht stört, nur »die Ratte« zu begleiten. Und die Stelle zur Einführung des Namens ist auch geschickt gewählt, weil nun der allgemeine, beschreibende Teil mit Blick von außen endet und die tatsächliche Geschichte der Ratte beginnt. Aber so beim Lesen hat es mich halt kurz stocken lassen. Nur zur Info *lach*

Zitat: Im Schneegestöber erschien am Himmel so etwas wie ein.. Zug? 
vor den Auslassungspunkten muss ein Leerzeichen hin und es müssten drei Punkte sein, nicht bloß zwei:
»wie ein … Zug?«

Zitat: und nahm einen Landeanflug auf die Straße.
»nahm einen Landeanflug« ist mir nicht geläufig, das klingt für mich schräg. »setzte zum Landeanflug auf die Straße an«, wäre für mich passender oder eben einfach: »und landete auf der Straße«

Zitat: Oh. Kein Zug.
Das »Oh« würde ich nur durch ein Komma abtrennen, nicht durch den Punkt, weil es ja zu dem Gedanken »Kein Zug« dazugehört.
»Oh, kein Zug.«
man könnte es auch durch »Nein« ersetzen, ist aber Geschmackssache

Zitat: Ein Schlitten mit Rentieren, Glocken und einen großen Mann mit rauschendem Bart, der riesenhaft unter dicken Decken saß 
»einem«
das »großen« würde ich raustreichen, weil du ihn gleich drauf noch als »riesenhaft« beschreibst, was stimmungsvoller als groß ist und das »groß« eben redundant werden lässt.
die »dicken Decken« hast du später im Text nochmal, ist zwar einiges an Text dazwischen, aber weil es so eine klangvolle Kombination ist, ists bei mir hängengeblieben und deshalb auch aufgefallen.

Zitat: Sid war so überrascht, dass er überhaupt nicht reagierte, sondern mit offenem Mund in der Bewegung innehielt,
Ich würd einen der Nebensätze streichen, weil sie im Prinzip das gleiche aussagen. Also entweder:
»Sid war so überrascht, dass er überhaupt nicht reagierte«
oder (was ich besser fände)
»Sid war so überrascht, dass er mit offenem Mund in der Bewegung innehielt« (ist mMn die anschaulichere Beschreibung)

Zitat: der Schnee knirschte unter ihren Hufen. „Dich habe ich gesucht. Wie schön!“ dröhnte eine dunkle Stimme durch den Schnee. Der Mann lächelte freundlich und ehe Sid sich versah, saß er in seiner riesigen Pranke, direkt vor dem roten freundlichen Gesicht des Mannes. Der pustete ihm den Schnee aus dem Fell und sagte: „Prächtig!“ Sid sagte erst einmal lieber gar nichts. Vielleicht wollte der Mann ihn einfach fressen? Neben dem Mann saß ein alter Kater, eingewickelt in eine Decke. War er vielleicht als Weihnachtsbraten für ihn gedacht? Der Kater sah aber ganz zufrieden und freundlich aus. „Das ist Charlie“, brummte der Mann. „Ein Kater, aber er tut Dir nichts. Ihr werdet Euch mögen. Ich habe einen Auftrag für Euch[U]“. 
Ist ein längeres Zitat, aber nur, damit ich alles in einem abhaken kann.
Unterstrichenes sind Fehler:
Komma vor »dröhnte«
»dir« und beide »euch« klein, nach der neuen Rechtschreibung wird nur noch »Sie« als höfliche Anrede großgeschrieben und in Ausnahmefällen das »Du« in Briefen, wenn es Respekt ausdrücken soll. In der Anrede werden aber wohl »du« wie auch »ihr« klein geschrieben.
Der letzte Punkt ganz hinten müsste vor die Anführungszeichen, nicht dahinter Icon_wink

Die ganzen Wiederholungen sind mal fett, ob es dich stört oder nicht, musst natürlich du entscheiden.
das zweite »Schnee« könnte man zum Beispiel ersetzen durch »durch die Kälte / Nacht / das Treiben«, oder das dritte durch »Eiskristalle«; das zweite Mann könnte man hiermit umgehen: »direkt vor einem roten, freundlichen Gesicht«; Die Frage, ob der Mann Sid fressen will, würde ich rausnehmen, die kommt ja einerseits beim Kater nochmal und zudem finde ich sie beim Kater sehr viel logischer. Welcher Mensch frisst schon Ratten? Find ich eher unpassend, dass Sid sich das fragt. Das dritte »freundlich« (beim Kater) könnte man durch »friedlich« ersetzen und die Aussage »Ein Kater« von dem Mann könnte ruhig weg, das ist ja offensichtlich und daher recht überflüssig zu erwähnen. Das erste »freundlich« könnte auch weg, oder ersetzt werden durch »herzlich« oder »sanft« oder sowas

Dann hier an der Stelle mal als Beispiel, wo der Text Absätze vertragen könnte:

der Schnee knirschte unter ihren Hufen. [ABSATZ, weil wörtliche Rede beginnt]
„Dich habe ich gesucht. Wie schön!“ dröhnte eine dunkle Stimme durch den Schnee. [ABSATZ, weil wörtliche Rede und Begleitsatz beendet sind]
Der Mann lächelte freundlich und ehe Sid sich versah, saß er in seiner riesigen Pranke, direkt vor dem roten freundlichen Gesicht des Mannes. [ABSATZ, weil im nächsten Satz neue wörtliche Rede eingeleitet wird]
Der pustete ihm den Schnee aus dem Fell und sagte: „Prächtig!“[ABSATZ, weil die wörtliche Rede vorbei ist und die Kamera wieder vom Mann auf Sid schwenkt]
Sid sagte erst einmal lieber gar nichts. Vielleicht wollte der Mann ihn einfach fressen? Neben dem Mann saß ein alter Kater, eingewickelt in eine Decke. War er vielleicht als Weihnachtsbraten für ihn gedacht? Der Kater sah aber ganz zufrieden und freundlich aus. [ABSATZ, weil neue wörtliche Rede beginnt]
„Das ist Charlie“, brummte der Mann. „Ein Kater, aber er tut Dir nichts. Ihr werdet Euch mögen. Ich habe einen Auftrag für Euch“. 

So ist das ganze gleich viel übersichtlicher und strukturierter, und das Auge hat es leichter.

Zitat: dort saßen sie nun im Warmen zusammen. Der Mann schenkte heißen Glühwein aus, der herrlich nach Zimt schmeckte und von innen wärmte
Ja, schon wieder das »warm« und ja, ich weiß, dass »heiß« und »warm« keine Wortwiederholung ist Icon_ugly aber weil es inhaltlich doch so nah dran ist, hab ich es mal angestrichen. Statt »heiß« schlag ich mal »dampfend« vor, weil das ebenfalls »heiß« impliziert, aber gleichzeitig noch ein bissl visuellen Effekt hinzufügt. Für das »warm« hab ich leider grad keinen Vorschlag, da würd ich eventuell mit einem »wohligen Gefühl« arbeiten, das sich ausbreitet oder so.
(Aber wie gesagt, ich bin bei sowas auch arg pingelig, ich will nur nicht meckern, ohne dann auch Alternativen zu bieten Icon_wink )

Zitat: Dich kenne ich auch, ohne dass Du davon weißt.
»du« klein

Zitat: Es wird Zeit, dass er wieder in Gesellschaft kommt und mal wieder lacht, aber mit den Menschen hat er es nicht so“. 
Hinten der Punkt ist wieder außerhalb der Anführungszeichen, müsste aber innerhalb stehen, direkt hinter »so.«
bei den »wieder« könnte man einfach eins von beiden weglassen, beim zweiten dann natürlich das »mal« auch, sonst klingst schräg *lach*

Zitat: nahm einen Schluck von dem Glühwein und brummte zufrieden. Sid vermutete, dass es sicher nicht der Erste an diesem kalten Tag war
»erste« klein, weil es sich noch auf den Glühwein aus dem Satz davor bezieht.
Bei der fetten Formulierung störe ich mich an dem Widerspruch zwischen »vermuten« und »sicher« … wenn man etwas vermutet, ist man ja gerade nicht sicher, deshalb vermutet man nur. Also entweder »Sid vermutete, dass es nicht der erste ...« oder »Sid war sicher, dass es nicht der erste …«; wobei ich ganz eindeutig zu der ersten Variante raten würde, weil das mit der Wiederholung von »war« bei der zweiten sehr unschön klingt.

Zitat: dröhnte die dunkle Stimme des Mannes in der kleinen Koje des Schlittens, während draußen immer mehr Schnee fiel.
Unter der Bank zog er einen kleinen Schlitten hervor

Den Zusatz »in der kleinen Koje des Schlittens« würde ich einfach weglassen, das ist noch nicht so lange her, dass erwähnt wurde, wo sie sich befinden, da hat der Leser es noch nicht vergessen Icon_wink

Zitat:  „Ich erkläre Euch jetzt alles....“. 
»euch« klein;
vor den Auslassungspunkten muss ein Leerzeichen hin und es ist ein Punkt zu viel (immer nur drei). Außerdem ist der Punkt hinter der wörtlichen Rede zu viel:
»Ich erkläre euch jetzt alles …«

Zitat: Na ja, beim Fliegen ist das nicht so schlimm, wenn man Schlangenlinien fliegt.
das »fliegt« vielleicht durch »zieht« oder »folgt« ersetzen

Zitat: und landeten auf einer Terrasse im ersten Stock. 
Ich kenns nur so, dass »Terrasse« ebenerdig ist, und eine offene Fläche in höheren Stockwerken als »Balkon« bezeichnet wird.

Zitat: Von dort konnten Sie ihn sehen.
»sie« klein

Zitat:  Er saß in einem großen leeren kalten hallenartigen Raum, in einem Sessel vor einem Kamin unter dicken Decken. 
Adjektive im Schlussverkauf? *lach*
also wenn die alle drinbleiben sollen, müssen sie mit Komma abgetrennt werden (großen, leeren, kalten, hallenartigen Raum), aber ich würde dringend empfehlen, zu streichen. Allein aus dem »hallenartigen Raum« kannst du getrost eine »Halle« machen, das »groß« ergibt sich dann auch daraus, weil Hallen normalerweise nicht klein sind, so dass du nur noch »in einer leeren, kalten Halle brauchst« und dabei sogar noch auf das »leer« verzichten kannst, weil du ja kurz darauf beschreibst, dass da nichts drin ist außer Kamin und Mann.
Und dann würd ich die Reihenfolge am Schluss ändern:
»vor einem Kamin in einem Sessel unter dicken Decken« - so hast du einen schönen Zoomeffekt, von der Raumausstattung (Kamin) über das einzelne Möbelstück (Sessel) bis ins Detail (Decken)

Zitat: Außer dem Sessel und einen flauschigen Teppich vor dem Termin gab es nichts. 
»Kamin« Icon_wink

Zitat: Angesichts der Stille, sprach er sein „Ho-Ho-Ho“ mehr vorsichtig
Ich bin mir nicht sicher, ob das Komma da stehen kann, aber ich würde es eher nicht setzen, sagt mir mein Sprachgefühl. Also ohne ist es auf jeden Fall richtig, mit liest es sich für mich komisch.

Zitat: und blies 11 Mal in den roten Ballon
Zahlen bis einschließlich zwölf werden im Fließtext normalerweise ausgeschrieben: »elfmal«

Zitat: Er blickte auf die Beiden: 
»beiden« klein;
ich finde, das klingt nicht so schön, »auf die beiden« … vielleicht eher »Er blickte / besah seine beiden Besucher«?

Zitat:  Was soll ich sagen. 
Das stört mich extrem. Ich mag das auch nicht, wenn ich als Leser angesprochen werde, und hier meldet sich der Autor ja auch zu Wort und reißt mich damit aus der Geschichte. Ich kann nicht genau erklären, wieso ich da so empfindlich bin, aber so eine Einmischung von außen, das find ich einfach schrecklich. Was bringt es der Geschichte, wenn der Satz hier steht? Wenns wenigstens eine Erkenntnis bringen würde oder eine neue Sichtweise, okee, aber einfach so ein belangloses »Was soll ich sagen?« … du bist der Autor, ich bin der Leser. Wenn du mich fragen musst, was du sagen sollst, machst du deinen Job verkehrt Mrgreen Icon_wink

Zitat: Sid und Charlie blieben, sie zogen ein und wurden beste Freunde.
Hier würde ich noch den Mann einfügen (wieso bekommt der eigentlich keinen Namen? fällt mir grad mal auf), also »sie zogen ein und die drei wurden beste Freunde«, weil das sonst so klingt, als würden nur Charlie und Sid Freunde.

Jo, zum Gesamteindruck hab ich ja schon am Anfang was gesagt, das brauch ich ja nicht wiederholen. Ich habs gern gelesen Icon_smile

Liebe Grüße
Lanna

»Couldnʼt you crawl into a bush somewhere and die? That would be great, thanks.« (Alistair, Dragon Age)

»You can be anything you want on the internet.
What's funny is how many people choose to be stupid.«
(Zack Finfrock)

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Beitrag #3 |

RE: Eine verspätete Weihnachtsgeschichte. Protagonisten: Ratte, Katze, Weihnachtsmann.
Hi Lanna,

wenn auch mit Verspätung... herzlichen Dank für die ausführliche und ziemlich gute Rückmeldung! Da waren Sie wieder, die Wiederholungen und Adjektive.. Ich finde außerdem es sind sehr schöne sprachliche Verbesserungen dabei (z.B. die "Pfoten"). Vielen Dank!!

Ich stelle die Geschichten sicher nicht ein, um einfach nur ein kostenloses Lektorat zu bekommen. Durch ein Lektorat laufen eh alle Geschichten vor der Veröffentlichung noch einmal. Ich hatte das nur dazu geschrieben, weil manche davon irritiert waren, dass die anderen Geschichten bereits veröffentlicht und lektoriert waren. Die waren einfach nur als Beiträge gedacht, bei denen ich mich darüber freue, wenn jemand schreibt, ob ihm die Geschichte gefallen hat, was er mag oder nicht mag, ohne das es ewig lang ist.

Wirklich regelmäßig werde ich hier im Forum nicht sein. Ich arbeite selbständig und in der Regel zu viel (vielleicht hat sich so auch der "Termin" an Stelle des "Kamins" im Text eingeschlichten;-), so dass das Schreiben bei mir immer in größeren Abständen und dann in einem Block stattfindet. Ich werde diese Blocks jetzt aber auf jeden Fall nutzen, um hier auch etwas beizutragen.

Wenn Du Lust hast: Am 11.1.15 geht die Homepage von mir und meinem Bruder online (Gebrüder Lamour http://www.gbrl-art.de). Darauf finden sich einige Geschichte, teilweise auch als Hörgeschichten eingesprochen. Außerdem Bilder von meinem Bruder.
Viele Grüße!
Boris


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