Es ist: 15-12-2019, 18:45
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Die Löwen von Akkad - Prolog
Beitrag #1 |

Die Löwen von Akkad - Prolog
Icon_smile Anmerkung: Falls Ihr das Gefühl habt, dass es hier einige auffällige Wiederholungen im Text gibt, dann ist es genau richtig.

Edit: Zeilenumbrüche entfernt

Die anderen Teile gibt es hier:

Prolog Nammu
Kapitel 1-Kid
Kapitel 2-Nergal Etir
Kapitel 3 - Tirhu
Kapitel 4-Das Omen

Nammu
„Ama-U-Tu-An-Ki, die erhabene Herrin des gewaltigen Urozeans,
die Mutter, die Himmel und Erde gebar,
begab sich zum heiligen Ki-Nam-Ti-La, den Ort des Lebens,
und betrat das Esh-Ku,
sie betrat die geweihte Stätte des Friedens auf dem heiligen Berg Duku.
Die Göttin des alles umschließenden Meeres, die Kraft der fließenden Ströme,
der Ursprung des reinen Frischwassers,
große Mutter Nammu,
nahm das Gefäß der Bewahrung und setzte sich an die reine, sanft sprudelnde Quelle Abzû,
sie ließ sich nieder am Orte Ki-Ku, wo die reinen Wasser entspringen.
Die Herrin des großen Oben und des großen Unten weihte den Krug mit dem Wasser des Lebens und erhöhte ihn zum göttlichen Krug der Träne.
Die Mutter der Sterne befahl Schweigen und auf dem erhabenen Berge Duku verstummten die Stimmen der Vögel,
es verstummte das Rascheln der Kriechtiere,
es verstummte das Brüllen der Löwen und das Geschrei der Wildesel.
Selbst die heilige Quelle des Abzû verstummte für kurze Zeit und das Wasser in den Strömen des Landes versiegte.
Nammu erhob sich und stellte den Krug der Träne auf den geweihten Altar des Umfassenden Alles,
sie erhob das geheiligte Gefäß auf den Thron des Himmels und der Erde und schloss die Augen.
Der Südwind verstummte und wirbelte kein einziges Sandkorn in die Luft,
die Sonne verbarg ihre Strahlen hinter dem heiligen Berg und gewährte kein Licht,
die Erde brach nicht auf und erschauerte nicht und ließ ihre Kinder nicht wachsen.
Die große Göttin des Lebens sammelte ihre urgewaltigen Kräfte und schuf eine einzige Träne,
die Herrin der Schöpfung ließ aus sich selbst heraus eine goldene Träne wachsen,
die Träne des himmlischen Drachen,
eine reine, durchscheinende Träne aus flüssigem Gold,
von den urgewaltigen Kräften der Wirkmächtigen durchdrungen.
Die geheiligte Träne fing Nammu auf in dem geweihten Krug der Bewahrung und der Krug wurde gefüllt mit der göttlichen Wirkmacht Nammus.
Törichte Drachenfliege,
in anmutigem Flug getragen von schimmernden Flügeln -
getrieben von der Neugier entschlüpfte sie der göttlichen Stille,
Buru-Gal-Edin-Na flog, um Nammus Treiben zu ergründen.
Ama-Utu-An-Ki, die Mutter aller göttlichen Wesen, fing das Flügeltier,
sie erhaschte Buru-Gal-Edin-Na mit ihren silberhellen Augen,
ihr strahlender Blick zwang die Störerin der Stille in die Unbeweglichkeit,
die Drachenfliege bannte der Strahlenglanz wissender Allmacht.
Die Worte der großen Mutter durchbrachen das heilige Schweigen,
die Herrin der Erde sprach einen unsterblichen Spruch, der nicht geändert werden kann und allezeit Bestand hat:
Dein Ungehorsam ist nun dein Schicksal. Denn durch deine Neugier hast du mein heiliges Schweigen verletzt. Sei der Wächter meiner geheiligten Kräfte am Tor der Erkenntnis, bis meine Zeit sich dem Ende nähert. Dein Name sei von nun an Wächterin der Dub Shimati, der Tafel des Schicksals!
Die würdige Nammu senkte das Flügelwesen in die goldene Träne,
sie gab ihm einen Platz der Unvergänglichkeit am Tor der Erkenntnis,
Nammu machte das Libellentier unsterblich bis ans Ende ihrer Tage.
Mit ihrer urgewaltigen Kraft erhärtete die Bewahrerin der Träne das flüssige Gold und machte daraus eine heilige Tafel.
Eine heilige Tafel aus purem, reinem, durchscheinendem Gold erschuf die Erste unter den Göttern und teilte der Buru-Gal-Edin-Na ihr Wächteramt zu.
Die Göttin des Himmels und der Erde sprach ihren Namen,
sie sprach den geweihten Namen der Tafel, Dub Shimati,
die von nun an die Kräfte Nammus, den göttlichen Ursprung und die Bestimmung des Schicksals barg.
Nammu in ihrer glänzenden Pracht sprach ein heiliges Wort, und niemand konnte das Wort verändern oder widerrufen,
einmal ausgesprochen, war es geboren bis zum Ende der Welt:
Dies Artefakt ist mein Vermächtnis. Der soll es besitzen, der in Weisheit die Geschicke der Welt zu lenken imstande ist. In seine Hände lege ich die Bestimmung des Schicksals. Er soll sich der wirkmächtigen Gewalten der Mutter der Schöpfung in Demut erinnern und sie zu seinem Werkzeug machen. Doch wer die göttliche Macht nicht für das Wohl des Landes und seiner Bewohner einsetzt, der wird großes Leid in der Welt erschaffen, bis ihn die Macht verzehrt und vollkommen vernichtet.
Die ehrwürdige Nammu verschloss das Gefäß der Bewahrung,
sie drückte dem Krug ihr unnachahmliches Siegel auf und segnete ihn.
Gepriesen sei deine Weisheit, große Mutter Nammu!
Gepriesen sei dein Schoß der Fülle des Lebens solange die Welt besteht!“
***
NinShubur beendete die Hymne und legte ihre Lyra missmutig beiseite. „Verzeihung, Mutter, es ist ein wenig …“
„… wie unvergorener Wein?“ Nammu nahm den Krug der Träne vom Altar und stellte ihn vor NinShubur auf den Boden. Die Quelle Abzû sprudelte munter in der von vier hohen Säulen umgebenen Zisterne und erfüllte das Esh-Ku mit friedvollem Geplätscher.
„Glaub’ mir, NinShubur, schon nach einem Zeitalter wird diese Hymne so stark verändert sein, dass du deinen Ohren nicht trauen wirst. Fürs Erste ist sie gut genug, um mein Erbe zu verkünden. Dies nun wird deine Aufgabe. Bewahre den Krug für mich und bring’ ihn in die Versammlung der hohen Annuna, wenn diese ihren Wohnsitz auf der Erde begründen. Du bist die Zeugin meiner geheiligten Tat. Singe ihnen die Hymne – du kannst gern noch etwas daran verbessern.“
NinShubur schaute auf in die silbernen Augen ihrer Mutter und wagte kaum zu atmen.
„Aber ich verstehe etwas nicht,“ entgegnete sie unsicher und strich sich das Haar aus dem jugendlichen Gesicht. „Warum gehst du? Warum willst du ihnen deine Macht übergeben? Du bist die Ewige, die Erste unter den Göttern!“
Nammu beugte sich herab, der dichte Schleier ihrer pechschwarzen, bodenlangen Haare umhüllte sie wie ein Kokon, ihre vollkommen geformte Hand strich sanft über die Wange ihrer Tochter. „NinShubur, diese Geschichte wird eine sehr lange, scheint mir. Aber der Anfang einer Geschichte birgt auch ihr Ende in sich. Ewig ist nur die Wandlung. Ich habe meine Ursprünglichkeit in der Schicksalstafel bewahrt, denn auch ich unterliege dem Wandel. In ferner Zukunft mag ich eine Andere geworden sein und die Götter und ihre Geschöpfe mich nicht mehr in meiner ureigensten Bestimmung erkennen. Die Schicksalstafel jedoch wird die reinste und ursprünglichste Kraft offenbaren und helfen, die gegebene Schöpfung zu bewahren.“
Nammu richtete sich hoch auf und trat vor den Altar. Das weiße Gewand aus feinstem Leinen betonte ihre anmutige Gestalt, als sie sich zu NinShubur umwandte. „Tochter, dir ist bestimmt, die Botin der Höchsten zu sein. Erfülle nun deine Aufgabe. Als was auch immer ich zurückkehre, du wirst mich wiedererkennen.“
Nammu verhüllte ihren Körper ganz mit dem Schleier ihrer Haare und wurde still. Ihre Gestalt fing an zu beben. Das Gewand wölbte und spannte sich, bis es nach allen Seiten auseinander barst. Der Rücken streckte sich schlangenartig und aus den Armen und Beinen bildeten sich vier schuppige Extremitäten mit krallenbewehrten Klauen. Schwimmhäute spannten sich zwischen den wulstigen Zehen. Der Haarschleier verwandelte sich in einen schimmernden Schuppenpanzer. Zwei mächtige Flügel wuchsen aus dem Rücken hervor, schlugen unruhig gegeneinander und entfachten einen Wirbelwind.
NinShubur starrte in das schreckenerregende Antlitz eines Wasserdrachen, und nur die Augen, die silbern wie ihre eigenen schimmerten, ließen sie ihre Mutter erkennen. Der Drache erhob sich mit rauschendem Flügelschlag, schäumte das Wasser der Quelle auf und flog mit einer erhabenen Wendung in die Lüfte davon.
NinShubur kauerte sich auf die Erde und wandte das tränennasse Gesicht ab, den Krug mit der Schicksalstafel fest umklammernd. „Wie fremd wirst du sein, wenn ich dich wiedererkenne?“ Sie nahm den Krug und hob die Lyra auf, erbot der heiligen Quelle Abzû ihren Gruß und verließ den Ki-Nam-Ti-La, um niemals hierher zurückzukehren.


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Beitrag #2 |

RE: Die Löwen von Akkad - Prolog
Hallo Slainte,

dann will mich mich doch mal deinem Prolog widmen. Mal schauen, was mich dort so erwartet. Mrgreen

(07-01-2014, 17:27)slainte schrieb: Ama-U-Tu-An-Ki, die erhabene Herrin des gewaltigen Urozeans,
die Mutter, die Himmel und Erde gebar,
begab sich zum heiligen Ki-Nam-Ti-La, den Ort des Lebens,
und betrat das Esh-Ku,
sie betrat die geweihte Stätte des Friedens auf dem heiligen Berg Duku.
Ich gehöre zweifelslos zu der Sorte Leser, die sich nicht daran stören, wenn in einem Prolog oder auch dem Beginn einer Geschichte sich ziemlich viele fremde Namen und Begriffe drängen. Aber ich weiß aus Erfahrung, dass nicht wenige sich genau daran stören - gerade wenn es sich um ungewöhnliche, vom Wortlaut her fremdklingende Namen handelt. Durfte mir da selbst schon bei Namen wie Duncan, Arior, McClary und O'Mordha (kein Witz) anhören, dass ich reichlich komplizierte Namen gewählt hätte. Icon_rolleyes
Daher musst du mal schauen, ob das für andere hier mit den reichlichen Nennungen zu Beginn ein Problem ist oder nicht.
Was durch die vielen Namen aber sicher ist, ist, dass wenn ein Leser diesen Beginn gelesen hat, und du ihn direkt danach fragen würdest, wie lautet der Name der Herrin des gewaltigen Urozeans, es dir mit allergrößter Wahrscheinlichkeit kaum ein Leser wird beantworten könnte.
Bleibt natürlich die Frage, ob das für dich wichtig ist? Also ob sich der Leser an die Namen der Herrin des Urozeans und der der heiligen Stätten erinnern soll. Das musst du enzscheiden. Wie gesagt: Mich persönlich stört es jetzt nicht, aber ich gestehe, dass ich mir die Namen auch nicht behalten hätte.

(07-01-2014, 17:27)slainte schrieb: Die Göttin des alles umschließenden Meeres, die Kraft der fließenden Ströme,
der Ursprung des reinen Frischwassers,
große Mutter Nammu,
nahm das Gefäß der Bewahrung und setzte sich an die reine, sanft sprudelnde Quelle Abzû,
sie ließ sich nieder am Orte Ki-Ku, wo die reinen Wasser entspringen.
Und hier irritierst du (zumindest mich) mit dem Namen Nammu im Zusammenhang mit große Mutter.
Eben noch war bei Mutter von Ama-U-Tu-An-Ki die Rede. Und nun von Nammu? Icon_confused
Gibt es also mehrere, bedeutende Mütter?
Versteh mich bitte nicht falsch. Deine Hymne (hab den Prolog bereits komplett gelesen und weiß daher, dass es eine Hymne ist)ist dir schreiberisch wirklich schön gelungen. Aber durch die vielen Namen und sich ergebenden Fragen stockt man beim Lesen, eben weil man (besser gesagt ich Smiley_emoticons_blush) zu sortieren beginne.

(07-01-2014, 17:27)slainte schrieb: Die Herrin des großen Oben und des großen Unten weihte den Krug mit dem Wasser des Lebens und erhöhte ihn zum göttlichen Krug der Träne.
Die Mutter der Sterne befahl Schweigen und auf dem erhabenen Berge Duku verstummten die Stimmen der Vögel,
es verstummte das Rascheln der Kriechtiere,
es verstummte das Brüllen der Löwen und das Geschrei der Wildesel.
Selbst die heilige Quelle des Abzû verstummte für kurze Zeit und das Wasser in den Strömen des Landes versiegte.
Das hier ist hingegen richtig gut und schön vorstellbar von dir aufgezeigt worden und man kann es sich richtig gut vorstellen.

(07-01-2014, 17:27)slainte schrieb: Nammu erhob sich und stellte den Krug der Träne auf den geweihten Altar des Umfassenden Alles,
sie erhob das geheiligte Gefäß auf den Thron des Himmels und der Erde und schloss die Augen.
Der Südwind verstummte und wirbelte kein einziges Sandkorn in die Luft,
die Sonne verbarg ihre Strahlen hinter dem heiligen Berg und gewährte kein Licht,
die Erde brach nicht auf und erschauerte nicht und ließ ihre Kinder nicht wachsen.
Auch hier wieder sehr schön dargestellt.

(07-01-2014, 17:27)slainte schrieb: Die große Göttin des Lebens sammelte ihre urgewaltigen Kräfte und schuf eine einzige Träne,
die Herrin der Schöpfung ließ aus sich selbst heraus eine goldene Träne wachsen,
die Träne des himmlischen Drachen,
eine reine, durchscheinende Träne aus flüssigem Gold,
von den urgewaltigen Kräften der Wirkmächtigen durchdrungen.
Ebenfalls sehr schön, wobei ich mich hier gerade frage, wie eine Träne aus flüssigem Gold durchscheinend sein kann? Grübel. Icon_confused

(07-01-2014, 17:27)slainte schrieb: Die geheiligte Träne fing Nammu auf in dem geweihten Krug der Bewahrung und der Krug wurde gefüllt mit der göttlichen Wirkmacht Nammus.
Schöne Formulierung, gefällt mir.

(07-01-2014, 17:27)slainte schrieb: Törichte Drachenfliege,
in anmutigem Flug getragen von schimmernden Flügeln -
getrieben von der Neugier entschlüpfte sie der göttlichen Stille,
Buru-Gal-Edin-Na flog, um Nammus Treiben zu ergründen.
Schmunzel ... "töricht" scheint eine doch sehr beliebte Bezeichnung zu sein. Eine meiner Sidhes verwendet sie auch ganz gerne und natürlich darf man hier nicht Tolkiens "Du törichter Tuck" vergessen. Mrgreen

(07-01-2014, 17:27)slainte schrieb: Ama-Utu-An-Ki, die Mutter aller göttlichen Wesen, fing das Flügeltier,
sie erhaschte Buru-Gal-Edin-Na mit ihren silberhellen Augen,
ihr strahlender Blick zwang die Störerin der Stille in die Unbeweglichkeit,
die Drachenfliege bannte der Strahlenglanz wissender Allmacht.
Die Worte der großen Mutter durchbrachen das heilige Schweigen,
die Herrin der Erde sprach einen unsterblichen Spruch, der nicht geändert werden kann und allezeit Bestand hat:
Ebenfalls wieder sehr schön.
Nur ... stimmt bei "der nicht geändert werden kann und allezeit Bestand hat" wirklich die Zeit? Da wechselst du naämlich von der Vergangenheitsform in die Gegenwart. Absicht?

(07-01-2014, 17:27)slainte schrieb: Dein Ungehorsam ist nun dein Schicksal. Denn durch deine Neugier hast du mein heiliges Schweigen verletzt. Sei der Wächter meiner geheiligten Kräfte am Tor der Erkenntnis, bis meine Zeit sich dem Ende nähert. Dein Name sei von nun an Wächterin der Dub Shimati, der Tafel des Schicksals!
Japp, ein Störenfried zu sein, war noch nie besonders empfehlenswert. Mrgreen Icon_ugly
Aber auch wieder sehr schön und vor allem bildhaft aufgezeigt.

(07-01-2014, 17:27)slainte schrieb: Die würdige Nammu senkte das Flügelwesen in die goldene Träne,
sie gab ihm einen Platz der Unvergänglichkeit am Tor der Erkenntnis,
Nammu machte das Libellentier unsterblich bis ans Ende ihrer Tage.
Mit ihrer urgewaltigen Kraft erhärtete die Bewahrerin der Träne das flüssige Gold und machte daraus eine heilige Tafel.
Eine heilige Tafel aus purem, reinem, durchscheinendem Gold erschuf die Erste unter den Göttern und teilte der Buru-Gal-Edin-Na ihr Wächteramt zu.
Die Göttin des Himmels und der Erde sprach ihren Namen,
sie sprach den geweihten Namen der Tafel, Dub Shimati,
die von nun an die Kräfte Nammus, den göttlichen Ursprung und die Bestimmung des Schicksals barg.
Nammu in ihrer glänzenden Pracht sprach ein heiliges Wort, und niemand konnte das Wort verändern oder widerrufen,
einmal ausgesprochen, war es geboren bis zum Ende der Welt:
Auch hier kann ich mich nur wiederholen, dass du dass alles sehr schön und bildhaft dem Leser aufzeigst.

(07-01-2014, 17:27)slainte schrieb: Dies Artefakt ist mein Vermächtnis. Der soll es besitzen, der in Weisheit die Geschicke der Welt zu lenken imstande ist. In seine Hände lege ich die Bestimmung des Schicksals. Er soll sich der wirkmächtigen Gewalten der Mutter der Schöpfung in Demut erinnern und sie zu seinem Werkzeug machen. Doch wer die göttliche Macht nicht für das Wohl des Landes und seiner Bewohner einsetzt, der wird großes Leid in der Welt erschaffen, bis ihn die Macht verzehrt und vollkommen vernichtet.
Dieser "Der" Beginn will mir nicht so richtig gefallen. Vor allem, weil es sich ja kurz darauf wiederholt. Die Bezeichnung "Der" hat für immer etwas von "Der steht im Stall und die daneben" und das, finde ich, passt nicht so recht zu einer so mächtigen Herrin. Vielleicht "Derjenige"? Dann wäre dieses "Der" zumindest ein wenig abgemildert.

(07-01-2014, 17:27)slainte schrieb: Die ehrwürdige Nammu verschloss das Gefäß der Bewahrung,
sie drückte dem Krug ihr unnachahmliches Siegel auf und segnete ihn.
Gepriesen sei deine Weisheit, große Mutter Nammu!
Gepriesen sei dein Schoß der Fülle des Lebens solange die Welt besteht!“
Das unnachahmliches Siegel sieht wie aus? Würde ich mir an dieser Stelle gerne ein Bild von machen können. Zumindest eine vage Vorstellung.

(07-01-2014, 17:27)slainte schrieb: NinShubur beendete die Hymne und legte ihre Lyra missmutig beiseite. „Verzeihung, Mutter, es ist ein wenig …“
„… wie unvergorener Wein?“
Nammu nahm den Krug der Träne vom Altar und stellte ihn vor NinShubur auf den Boden. Die Quelle Abzû sprudelte munter in der von vier hohen Säulen umgebenen Zisterne und erfüllte das Esh-Ku mit friedvollem Geplätscher.
Schmunzel .... stimmt.

(07-01-2014, 17:27)slainte schrieb: „Glaub’ mir, NinShubur, schon nach einem Zeitalter wird diese Hymne so stark verändert sein, dass du deinen Ohren nicht trauen wirst. Fürs Erste ist sie gut genug, um mein Erbe zu verkünden. Dies nun wird deine Aufgabe. Bewahre den Krug für mich und bring’ ihn in die Versammlung der hohen Annuna, wenn diese ihren Wohnsitz auf der Erde begründen. Du bist die Zeugin meiner geheiligten Tat. Singe ihnen die Hymne – du kannst gern noch etwas daran verbessern.“
Das glaube ich auch, schon alleine, weil sicher viele mit den ganzen Namen durcheinander kommen werden. Icon_wink

(07-01-2014, 17:27)slainte schrieb: NinShubur schaute auf in die silbernen Augen ihrer Mutter und wagte kaum zu atmen.(Hier muss der Zeilenumbruch weg)
„Aber ich verstehe etwas nicht,“ entgegnete sie unsicher und strich sich das Haar aus dem jugendlichen Gesicht. „Warum gehst du? Warum willst du ihnen deine Macht übergeben? Du bist die Ewige, die Erste unter den Göttern!“
Ja, warum? Würde mich auch interessieren.

(07-01-2014, 17:27)slainte schrieb: Nammu beugte sich herab, der dichte Schleier ihrer pechschwarzen, bodenlangen Haare umhüllte sie wie ein Kokon, ihre vollkommen geformte Hand strich sanft über die Wange ihrer Tochter.
Hier hast du Nammu dem Leser sehr schön aufgezeigt.

(07-01-2014, 17:27)slainte schrieb: „NinShubur, diese Geschichte wird eine sehr lange, scheint mir. Aber der Anfang einer Geschichte birgt auch ihr Ende in sich. Ewig ist nur die Wandlung. Ich habe meine Ursprünglichkeit in der Schicksalstafel bewahrt, denn auch ich unterliege dem Wandel. In ferner Zukunft mag ich eine Andere geworden sein und die Götter und ihre Geschöpfe mich nicht mehr in meiner ureigensten Bestimmung erkennen. Die Schicksalstafel jedoch wird die reinste und ursprünglichste Kraft offenbaren und helfen, die gegebene Schöpfung zu bewahren.“
Schöner Abschnitt, der mir gut gefallen hat.

(07-01-2014, 17:27)slainte schrieb: Nammu richtete sich hoch auf und trat vor den Altar. Das weiße Gewand aus feinstem Leinen betonte ihre anmutige Gestalt, als sie sich zu NinShubur umwandte.(Hier muss der Zeilenumbruch weg)
„Tochter, dir ist bestimmt, die Botin der Höchsten zu sein. Erfülle nun deine Aufgabe. Als was auch immer ich zurückkehre, du wirst mich wiedererkennen.“
Ebenfalls schön.

(07-01-2014, 17:27)slainte schrieb: Nammu verhüllte ihren Körper ganz mit dem Schleier ihrer Haare und wurde still. Ihre Gestalt fing an zu beben. Das Gewand wölbte und spannte sich, bis es nach allen Seiten auseinander barst. Der Rücken streckte sich schlangenartig und aus den Armen und Beinen bildeten sich vier schuppige Extremitäten mit krallenbewehrten Klauen. Schwimmhäute spannten sich zwischen den wulstigen Zehen. Der Haarschleier verwandelte sich in einen schimmernden Schuppenpanzer. Zwei mächtige Flügel wuchsen aus dem Rücken hervor, schlugen unruhig gegeneinander und entfachten einen Wirbelwind.
Uih, sehr schön die Verwandlung in einen Drachen dargestellt.

(07-01-2014, 17:27)slainte schrieb: NinShubur starrte in das schreckenerregende Antlitz eines Wasserdrachen, und nur die silbernen Augen ließen sie ihre Mutter erkennen. Der Drache erhob sich mit rauschendem Flügelschlag, schäumte das Wasser der Quelle auf und flog mit einer erhabenen Wendung in die Lüfte davon.
NinShubur kauerte sich auf die Erde und wandte das tränennasse Gesicht ab, den Krug mit der Schicksalstafel fest umklammernd. „Wie fremd wirst du sein, wenn ich dich wiedererkenne?“ Sie nahm den Krug und hob die Lyra auf, erbot der heiligen Quelle Abzû ihren Gruß und verließ den Ki-Nam-Ti-La, um niemals hierher zurückzukehren.
Ein sehr schönes Ende von deinem Prolog.

Fazit:
Von den vielen unterschiedlichen Namen, zu denen ich zu Beginn ja schon genügend angemerkt habe, einmal abgesehen, hat mir dein Prolog wirklich gut gefallen.
Die Hymne erscheint mir noch nicht so wirklich als solche ... wie sagte Nammu so schön „… wie unvergorener Wein?“ Ja, ich denke, das trifft es wirklich. Sicher von dir auch so beabsichtigt, sonst hättest du wohl kaum diese Stelle in deinem Prolog drinnen. Icon_wink

Ich habe deinen prolog jedenfalls gerne gelesen und bin da natürlich auch auf die Fortsetzung gespannt.

Liebe Grüße

Xhex

Das Schönste, was wir erleben können, ist das Geheimnisvolle!

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Beitrag #3 |

RE: Die Löwen von Akkad - Prolog
Hallo Xhex,

vielen Dank für Deinen lieben Kommi, das freut mich sehr, dass es Dir gefallen hat. hurra
Ja, die Hymne -seufzz- Ich gebe hier mal ein Beispiel einer sumerischen Hymne an den Gott Shamash (Sonnengott):
Zitat:Mit seinen reinen, lautern Wassern reinigen ihn die Anunnaki,
selbst die großen Götter.
Vor ihnen wird er rein sein. Der Wächter des Reinen von Eridu,
der Herr Usmu, der Bote, der lautere Wächter von Eridu,
die Herrin Usmu, die Machthaberin, die lautere Wächterin vonEridu,
Beschwörer der Tiefe, feierlich ausgestattet, bekleidet mit Linnen von Eridu, feierlich ausgestattet;
im Hause der Waschungen zum Könige des Gottes Ea stellen sie sich.
Auf Befehl des Warnas, des großen Herrn von Himmel und Erde,
Leben, Wohlergehen als Geschenk will ich ihm verleihen!
König, Sprößling einer glänzenden Kuh,
wenn du eintrittst in das Haus der Waschungen, ...
So sehen die aus, diese Hymnen. Ich wollte eine an die Göttin Nammu schreiben, über die so gut wie nichts bekannt ist, außer dass sie die erste große Göttin war und selbst alle männlichen Gottheiten erst danach folgten. Hier geht es eigentlich nur um die Schicksalstafel, die ist das Thema. NinShubur und Nammu spielen untergeordnete Rollen, Nammu ist aber für das Ende meines zweiten Buches unverzichtbar.
Ich wusste, dass ich das nicht perfekt schreiben kann, und deshalb stammt die Hymne eben von NinShubur, die damit nicht zufrieden ist. Die Frage ist, ob der Leser bis zu dem Teil durchhält - bei Dir hat es funktioniert, wie schön. Ich habe versucht, eine Sprache zu finden, die ein wenig Anklang an diese für mich chaotischen Originale hat, und trotzdem wollte ich hier die wichtigen Informationen mit unterbringen. Eine Hymne aus Sumer war ja nicht dazu gedacht, den Leuten Infos zu vermitteln, sondern ein Ritual, dessen Umstände allen bekannt waren. Das macht es so schwer.

Die Namen sind von mir direkt im Text übersetzt, aber das weiß natürlich erstmal niemand, so heißt Ama-U-Tu-An-Ki eben nichts anderes als die erhabene Herrin des gewaltigen Urozeans,
Ki-Nam-Ti-La bedeutet wörtlich Ort des Lebens, Esh Ku heißt einfach geweihte Stätte, Duku ist der heilige Berg. So halte ich es auch in den Kapiteln, wenn fremde Namen dort auftauchen, dann sind sie meist im gleichen Satz erklärt.
Der Name der großen Göttin ist Nammu.

Zitat:Ebenfalls sehr schön, wobei ich mich hier gerade frage, wie eine Träne aus flüssigem Gold durchscheinend sein kann? Grübel.
Das stimmt, vielleicht lieber schimmernd Icon_smile

Zitat:die Herrin der Erde sprach einen unsterblichen Spruch, der nicht geändert werden kann und allezeit Bestand hat:
Nur ... stimmt bei "der nicht geändert werden kann und allezeit Bestand hat" wirklich die Zeit? Da wechselst du naämlich von der Vergangenheitsform in die Gegenwart. Absicht?
Ja, das ist Absicht. Denn der Spruch wurde gesprochen, aber Gültigkeit hat er immer.

Zitat:Dies Artefakt ist mein Vermächtnis. Der soll es besitzen, der in Weisheit die Geschicke der Welt zu lenken imstande ist.
Vielleicht "Derjenige"? Dann wäre dieses "Der" zumindest ein wenig abgemildert.
Hmm, ja, guter Einwand, was hälst Du von "Jener soll es besitzen, der .."?

Zitat:Das unnachahmliches Siegel sieht wie aus? Würde ich mir an dieser Stelle gerne ein Bild von machen können. Zumindest eine vage Vorstellung.
Das weiß ich leider selbst nicht, wie das wohl aussieht, aber es spielt für die Handlung überhaupt keine Rolle, und so fürchte ich, dass ich es hier nicht unterbringen kann. Aber ich denke mal drüber nach, vielleicht an anderer Stelle Icon_confused

Die Zeilenumbrüche werde ich sofort entfernen - hach, manche Dinge scheine ich einfach nicht zu lernen Icon_rolleyes

Na, die Feuertaufe hat der Prolog jetzt mal hinter sich, war eine Zitterpartie für mich, weil eben doch sehr abgehoben. Ich bin glücklich, dass er Dir gefällt, und wünsche mir, dass er anderen Lesern auch gefällt.
Das erste Kapitel ist schon überarbeitet und folgt.
Vielen Dank für's kommentieren und Dir noch einen schönen Nachmittag.

Icon_bussimusic


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Beitrag #4 |

RE: Die Löwen von Akkad - Prolog
Hallo Slainte,

jetzt hab ich einmal Zeit gefunden, um mich mit Deinem Prolog hier zu beschäftigen.
Schauen wir mal was mir so dazu einfällt:

Deine Hymne klingt tatsächlich nach der alten, zwar nur schwer verständlichen, dafür aber realistischen Schreibweise, doch dieser Satz stört mich doch:
Zitat:Nammu machte das Libellentier unsterblich bis ans Ende ihrer Tage.
Libellentier klingt mir nach einer zu modernen wissenschaftlichen Umschreibung eines alten Wortes! Da kommt mit die eben solche Umschreibung Marduktier in den Sinn. So etwas benutzen Archäologen, weil sie nichts mehr über den realen Hintergrund von damals wissen. Da wir hier quasi live dabei sind denke ich, dass ein Phantasiename hier besser angebracht wäre.
Was meinst Du dazu?

Mir gefällt die Szene mit NinShubur und ihrer göttlichen Mutter. Auch die Verwandlung von Nammu durch ihre göttliche Kraft kann ich mir gut vorstellen.
Und das von ihr erschaffene heilige Artefakt der goldenen Tafel könnte noch eine ziemliche Bedeutung bekommen.
Irgendwie muss ich dabei auch an die mächtige Bundeslade denken, doch das ist ja eine ganz andere Geschichte.
Resümee: Dein Prolog macht durchaus Lust zum Weiterlesen, und man darf gespannt sein was die Welt der Menschen daraus macht...
lg El Lobo

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Beitrag #5 |

RE: Die Löwen von Akkad - Prolog
Hallo El Lobo,

danke für Deinen Kommentar. Dieser Prolog war der erste, den ich zu dieser Geschichte geschrieben habe. Es gibt inzwischen einen zweiten, der entstanden ist, nachdem ich das Ende entwickelt habe, sozusagen als logische Konsequenz. Ich kann derzeit nicht entscheiden, welchem ich den Vorrang gebe und ob überhaupt einer davon wirklich in der Geschichte landet. Das werde ich wohl erst wissen, wenn diese fertig entwickelt ist. Den anderen Prolog kannst Du hier lesen, falls es Dich interessiert:
http://www.literatopia.de/forum/thread-8...#pid117704
Zitat:Libellentier klingt mir nach einer zu modernen wissenschaftlichen Umschreibung eines alten Wortes!
Okay - von der Seite habe ich das bisher nicht gesehen. Ich denke drüber nach. Falls dieser Prolog Bestand haben sollte, muss ich da sowieso noch mal ran.
Zitat:Resümee: Dein Prolog macht durchaus Lust zum Weiterlesen, und man darf gespannt sein was die Welt der Menschen daraus macht...
Icon_ugly Das ist die Hauptsache. Dafür mache ich diese Texte, obwohl sie tatsächlich derzeit vor Allem für mich eine Übung darstellen, um meinen Stil zu entwickeln und zu erfahren, wie was ankommt. Ich bin selbst sehr gespannt, wie die Story am Ende aussieht und ob ich rüberbringen kann, was mir wichtig ist. Auf jeden Fall, den Leser bei der Stange zu halten. Aber da muss ich noch gaaaanz viel lernen.

Danke fürs Lesen.

Liebe Grüße von slainte music


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Beitrag #6 |

RE: Die Löwen von Akkad - Prolog
Oh, das mit dem Windmagier ist auch ein Prolog dafür, obwohl er ganz anders wirkt.
Ich habe den schon längst gelesen und sogar kurz kommentiert, wie ich gerade gesehen habe.
Auch dieser Prolog ist durchaus interessant.
Und Du hast recht - eine endgültige Version zu wählen ist sehr sehr schwierig, weil man auch ständig"bessere" Ideen entwickelt Icon_smile

ebenso liebe Grüße von El Lobo

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