Es ist: 27-09-2020, 10:19
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Das verzauberte Puzzelchen
Beitrag #1 |

Das verzauberte Puzzelchen
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Beitrag #2 |

RE: Das verzauberte Puzzelchen
Hi Cisco,

deine Geschichte steht ja schon eine Weile unkommentiert im Forum, und ich hab gesehen, dass du auch im Lyrikbereich was stehen hast. Wir sind hier leider weit mehr User als tatsächlich aktive User, so dass gerade in den weniger gut besuchten Rubriken oftmals Geschichten wenig Beachtung finden. Das ist schade, aber da kann jeder Autor selbst etwas gegen unternehmen.
Zum Beispiel kannst du dich hier vorstellen, ein bisschen was zu dir sagen, warum du schreibst, was du schreibst, wie lange schon … einfach um dem Forum zu zeigen: »Hier bin ich« Icon_wink Und dann ist es natürlich die beste Werbung für die eigenen Werke, wenn man auch selbst aktiv wird und die Geschichten und/oder Gedichte von anderen Usern kommentiert. Die eigene Meinung kann jeder sagen, das muss keine literarisch anspruchsvolle Interpretation sein oder sowas. Zeig einfach, dass du Lust hast, ein Teil dieser Gemeinschaft zu werden, dann wird auch viel eher mal ein Leser bereit sein, seine Freizeit in deine Geschichte zu stecken.

Ich selbst kommentiere dich, oder viel mehr deine Geschichte, aus dem Grund, weil ich mir vorgenommen habe, mich während des Kommentier-Wettbewerbs verstärkt den wenigkommentierten Werken zuzuwenden. Inhaltlich ist es leider überhaupt nicht mein Genre, so eine Mischung aus Märchen und Kindergeschichte, noch dazu von einem Kind erzählt. Nimm meine Meinung also bitte als genau das: eine Meinung von vielen, keine Vorschriften oder allgemeingültigen Aussagen.
[Nachtrag: Ich schrieb den Kommentar vor ein paar Tagen, heute kam noch eine SciFi-Geschichte von dir online, die ich wohl eher gewählt hätte, wenn ich sie schon zur Auswahl gehabt hätte Icon_wink Aber da dieser Kommentar nun geschrieben ist, kriegst du ihn auch]

Nun also zur Geschichte:
Ich hab sie, bevor ich meinen Kommentar anfing, bereits einmal kurz durchgelesen und auch schon eine Nacht drüber geschlafen. Direkt nach dem Lesen war ich gar nicht überzeugt, inzwischen finde ich aber die Grundidee schon irgendwie ansprechend. Ich selbst puzzle sehr gerne, sehe aber das Zusammensetzen einer Figur als etwas ganz anderes an als den Vorgang des Puzzelns. Daher war mir das bissl zu uneindeutig, ob jetzt gebastelt wird oder gepuzzelt. Dennoch könnte daraus eine wirklich schöne, kleine Geschichte werden. Nachfolgend versuch ich zu erklären, warum es eben bei dieser eher seichten Begeisterung meinerseits geblieben ist Icon_wink

Zunächst mal war ich wegen des »Märchens« die ganze Zeit irritiert. Ich bin da kein Experte, aber für mich ist das einfach nur eine kleine Lagerfeuergeschichte, kein Märchen. Dafür fehlt die Bedrohung und die Überwindung ebendieser. Das ging mir die ganze Zeit durch den Kopf, weil es eben groß als »Märchen« angekündigt wurde – besser fände ich da, wenn es einfach drum geht, eine »Geschichte« zu erzählen, ohne Genre-Einschränkung.
Allerdings empfinde ich die ganze »Rahmenhandlung« mit den Kinder als überflüssig. Weder durch die kurze Einleitung noch durch den noch kürzeren Schluss erhält die Geschichte eine zusätzliche Ebene oder auch nur irgendeinen zusätzliche Bedeutung. Genausogut könntest du zum Beispiel anfangen mit:
»Laura ging mit ihren Eltern (wie an jedem Sonntag) im Wald spazieren, als sie einen kleinen Fuß fand.«
Die Geschichte hätte genau die gleiche Aussage und der Leser würde sich nicht fragen, wofür es denn Holger und Fritz und Hans und noch dazu ein Lagerfeuer und Zelte und Mitternach braucht. Das stört die Geschichte (meiner Meinung nach) viel mehr, als dass es ihr irgendwie dient.
Ein weiteres Problem ergibt sich nämlich aus der Rahmenhandlung: Die eigentliche Geschichte wird von einem (kleinen?) Mädchen erzählt, über die es zwar keine Altersangaben gibt, die aber so alt nicht wirkt. Zum Teil spiegelt sich auch in den Formulierungen in der Geschichte eine eher kindliche Art wieder (viele Sätze fangen mit »dann/da/jetzt« an, oft eintöniger Satzbau, kurze Sätze, wenig künstlerische Formulierungen, Wortwiederholungen und einfache Wortwahl) und auch dieses Setting im Zeltlager mit drei Freunden, die sich Märchen erzählen … das lässt Laura in meinem Kopf eher jung sein. Dazu passt mMn aber das Ende überhaupt nicht, mit dem Verlieben in das Männlein und der ewigen Liebe – das ist kein Gedankengang, den ein Kind bei sowas hat.
Außerdem passen dann manche erwachsener klingenden Formulierungen nicht mehr in die Erzählung, so dass sich innerhalb der Erzählung eine sehr unstimmige und schwankende Erzählstimme ergibt.

Ich weiß jetzt natürlich nicht, ob du gewollt einen kindlichen Stil schreiben wolltest und es einfach nicht so recht geklappt hat, oder ob du noch ein unerfahrener Autor bist und deshalb noch nicht so stark gefestigt in deinem Stil und deiner Art zu formulieren … aber in dieser Geschichte als Einheit wirkt es sehr unruhig.

Ich persönlich fände es besser, wenn die Rahmenhandlung wegfällt und du, als Autor, einfach nur die Geschichte von Laura erzählst, die eben diese Puppe findet und zusammensetzt – das kann ja durchaus auch in der Ich-Perspektive geschehen – so dass eben der Fokus ganz eindeutig auf dieser Handlung liegt und nicht von nutzlosem Beiwerk eingerahmt wird.
Und stimmiger fände ich es eben auch, wenn entweder Laura etwas älter wäre (zumindest mal ein Teenager, wobei ich auch da meist die Augen verdrehe, wenn sie von »ewiger Liebe« sprechen), oder das Männlein dann für eine junge Laura eher ein Spielkamerad wäre oder so.

Und nach dieser allgemeinen Einschätzung mach ich noch ein bisschen Textarbeit und geb dir auch ein paar Beispiele, und such Fehler raus Icon_wink

Zitat: Eines schönen Tages saßen Laura, Hans, Fritz und Holger zusammen am Lagerfeuer und erzählten sich Märchen. Nachdem Hans, Fritz, und Holger ihr Märchen zu Ende erzählt hatten, war Laura dran, ein Märchen zu erzählen.
Direkt an den ersten zwei Sätzen hängt so einiges krumm.
»Eines schönen Tages« zum Beispiel ist verkehrt, denn sie sitzen ja nicht tagsüber am Lagerfeuer, sondern nachts.
Dann hast du in beiden Sätzen sowohl jeweils die vier Namen, wie auch beide Male »Märchen«.
Die Doppelungen ließen sich vermeiden, wenn du schreibst:
»In einer besonders dunklen Nacht saßen Laura, Hans, Fritz und Holger zusammen am Lagerfeuer und erzählte sich Märchen. Nachdem die drei Jungen fertig waren / geendet hatten, war Laura an der Reihe.«
(Hab auch mal einen Vorschlag für den Ersatz des schönen Tages eingebaut)
»Laura war dran« klingt sehr umgangssprachlich, da wäre »Laura war an der Reihe« auch ohne die Doppelung von »Märchen« besser.

Zitat:  war Laura dran, ein Märchen zu erzählen. Die vier hatten sich beim Zeltlager kennen gelernt und Freundschaft geschlossen. Es war kurz vor Mitternacht, und die anderen Kinder schliefen schon in ihren Zelten.
Hier springst du ohne erkennbaren Zusammenhang durch die Themen:
Erst geht es darum, dass Laura ein Märchen erzählen soll.
Im nächsten Satz erklärst du, wo die vier sich kennengelernt haben. Aber was hat das damit zu tun, dass Laura jetzt an der Reihe ist?
Und dann wechselst du zur Uhrzeit und den anderen Kindern, was wiederum weder etwas mit Laura zu tun hat, noch damit, wie und warum die vier sich kennengelernt haben.
Da ist es gut, wenn man als Autor bissl Ordnung reinbringt und mehr von einem Gedanken zum nächsten gleitet, statt solche starken Brüche zu machen.

Gut lösen lässt sich das oft mit einer Zoom-Technik, wenn man also erst kurz die Szene beschreibt und dabei immer näher herangeht an das Geschehen. Bei dir wäre das erst der »Blick« auf das Zeltlager unterm Nachthimmel, kurz vor Mitternacht, die meisten Kinder schlafen, doch um das Lagerfeuer sitzen noch vier Freunde, die sich Geschichten erzählen.
Ich würd dir gern einen Bespielanfang schreiben, um das zu verdeutlichen, aber ich hab zur Zeit leider ne kleine Blockade und krieg nichts wirklich Kreatives aufs Papier.

Zitat: tat sie so, als sei sie noch gar nicht müde und fing an
Komma zwischen »müde, und« (weil das Komma den Nebensatz »als sei sie noch gar nicht müde« einschließt)

Zitat: Sie begann mit dem Satz, mit dem fast alle Märchen anfangen: „Es war einmal...“
Vor den Auslassungspunkten muss ein Leerzeichen hin, also:
einmal …“

Hier behauptest du zwar, dass sie mit »Es war einmal« anfängt, aber wenn sie einen Absatz später ihre Geschichte tatsächlich anfängt, merkt man, dass diese Worte gar nicht am Anfang stehen können. Sonst müsste es ja heißen:
»Es war einmal … ich war mit meinen Eltern im Wald spazieren.«
Also entweder muss sie dann wirklich was sagen, was an »Es war einmal« anschließt (Es war einmal, an einem wunderschönen Sommertag, als ein Mädchen mit seinen Eltern spazieren ging) oder das »Es war einmal« muss weg.

Zitat: Hans musste husten. Damit unterbrach er die Spannung, die sich um sie herum aufgebaut hatte.
Wieso sollte sich da Spannung aufgebaut haben, wenn die Geschichte gerade mal drei (bekannte) Worte lang ist? Oder ist die noch von der letzten Geschichte da? Aber das ist ja dann sowieso nicht Lauras Spannung und normalerweise macht man doch zwischen den einzelnen Geschichten zumindest eine kurze Pause, damit es bei allen sacken kann.

Zitat:  Das nutze der Fritz, um in seinem Zelt nach einem Pullover zu suchen. 
»nutzte«
»der Fritz« passt nicht, weil es auch nicht »der Holger« oder »der Hans« ist. Nur »Das nutzte Fritz«
übrigens verstehe ich nicht, was diese »Unterbrechung« soll. Die Geschichte hat ja nichtmal angefangen, da hör ich als Leser eher auf, wenn schon am Anfang solche überflüssigen Dinge erzählt werden, als dass es der Spannung dienlich ist.

Zitat: Nachdem sie wieder alle am Lagerfeuer saßen, schaute Laura sich in der kleinen Runde um, und fuhr fort mit ihrem Märchen.
»Als sie wieder« … (nachdem kann man nur für abgeschlossene Ereignisse verwenden, also »nachdem sie sich wieder alle versammelt hatten« (das Versammeln ist dann abgeschlossen) – sonst würde es hier bedeuten, dass das Sitzen schon abgeschlossen (also vorbei) ist und Laura allein da sitzt, wenn sie ihre Erzählung beginnt)
Kein Komma zwischen »um und«

Zitat: ”Also“, sagte Laura. ”Ich war mit meinen Eltern im Wald spazieren
»Also« würde ich weglassen – sagt man zwar oft, hat aber in einem geschriebenen Dialog (oder einer Erzählung) wenig bis gar nichts zu suchen.
auch »sagte Laura« ist überflüssig, weil du im Satz davor ja schon ankündigst, dass sie fortfährt.
einfach nur »Ich war mit meinen Eltern …« würde hier vollauf genügen.
Allerdings sind dir da die Anführungszeichen am Anfang der wörtlichen Rede jeweils nach oben gerutscht, die müssten aber unten stehen (hast du bei »Es war einmal« richtig, im restlichen Text allerdings falsch. Wörtliche Rede wird immer so eingeschlossen:
 „ … “

Zitat: Meine Eltern waren schon etwas voraus gegangen.
»vorausgegangen«

Zitat: Einige Wolken tanzten um die Sonne herum und hüpften auf sie drauf.
Das ist zum Beispiel eine sehr kindliche Formulierung »hüpften auf sie drauf«
im Gegensatz zu zum Beispiel:
Zitat: Die Müdigkeit fing mich ein und ich fiel in einem tiefen Schlaf. 
in tiefen Schlaf fallen oder von der Müdigkeit eingefangen werden, das zu formulieren erfordert schon ein gewisses Verständnis für Stil, weil man sonst auch einfach sagen könnte: »Ich wurde müde und schlief ein.«

Zitat: Als ich nach ihnen rief, verdunkelte sich plötzlich der Himmel. Einige Wolken tanzten um die Sonne herum und hüpften auf sie drauf. Dann wurde es ganz dunkel, und ich konnte fast nichts mehr sehen. Zum Glück hatte ich eine Taschenlampe mitgenommen.
Im ersten Satz hast du hier einen Zusammenhang zwischen dem Rufen und dem Verdunkeln hergestellt, durch »als«, von dem ich nicht weiß, ob er beabsichtigt ist. Zu erwarten wäre ja eher: »Als ich nach ihnen rief, erhielt ich keine Antwort«, also eine Reaktion auf das Rufen. Stattdessen verdunkelt sich der Himmel.
»verdunkelte« und »dunkel« in sehr kurzem Abstand liest sich nicht so schön.
kein Komma zwischen »dunkel und« (vor einem »und« wird im Normalfall kein Komma gesetzt, außer wenn da ein Nebensatz endet)
Welches Kind geht mit seinen Eltern spazieren und nimmt eine Taschenlampe mit? Kann natürlich sein, weil sie weiß, dass da irgendwo eine kleine Höhle ist und sie will mal reinleuchten, aber es liest sich hier halt so, als hätte sie rein zufällig eine Taschenlampe bei.
(Ich weiß, nachher kommt noch ein magischer Zwerg, aber den sehe ich eben als magisches Element, das sich trotzdem innerhalb der Geschichte logisch einfügt. Das tut die Taschenlampe nicht.)

Und bevor ich dich jetzt vollends vergraule, höre ich mit dem Detailkram auf – ich wollt dir nur aufzeigen, was da für mich noch alles im Argen liegt. Jetzt such ich dir nur noch Fehler raus und rate dir, mal nach Wortwiederholungen zu schaun. »Dann« und »klein« benutzt du zum Beispiel sehr oft.

Zitat: einen Arm, eine Hand noch eine Hand, zwei Augen, einen Mund, 
Komma zwischen »Hand, noch«
(und ich frag mich, wie man den Mund einer Puppe in einem Wald finden will. Wenn schon die Füße klein sind, muss doch der Mund winzig sein. Und die Augen stell ich mir recht gruselig vor. Da könnte man überlegen, ob man nicht Augen und Mund weglässt und sich auf die »normalen« Teile einer Puppe beschränkt, die nicht ganz so seltsam sind, wenn man sie einzeln findet)

Zitat: und schlussendlich auch den Kopf und eine Hose.
Wenn sie hier den Kopf findet, frag ich mich nämlich auch (wegen Augen und Mund), ob sie nicht auch eine Nase und zwei Ohren hätte finden müssen, oder warum die noch am Kopf dran sind, Augen und Mund aber nicht Icon_wink

Zitat:  Es sah aus wie ein kleiner Körper. Jetzt begriff ich, dass er zu den anderen Teilen gehörte
Ich frag mich, warum Laura alle Teile findet, aber dann für den Körper ein Fuchs zur Hilfe eilt.
(ja, ich wollt mich auf Fehler beschränken …)

Zitat: wie bei einem Puzzelspiel zusammen.
»Puzzlespiel« (L und E vertauschen);
das ist auch im Titel falsch, seh ich grad, da müsste es auch »Puzzlechen« heißen, wobei das echt merkwürdig ausschaut. Aber das Hauptwort heißt nunmal »Puzzle«

Zitat: Als das kleine Männlein so da lag, erinnerte es mich an einen kleinen Zwerg, den meine Eltern - als ich noch ein kleines Kind gewesen war - im Garten stehen hatten. Irgendwer hatte damals den kleinen Zwerg aus unserem Garten gestohlen. Ich hatte die Zeit verloren und scheinbar hatte ich mich auch verlaufen.
Der Einschub, dass die Eltern so einen Zwerg im Garten hatten, das ist wieder so ein starker Gedankensprung, also die Hinleitung ist passend, weil Laura sich dran erinnert durch das Männlein, aber wenn es dann vom gestohlenen Zwerg zu »Ich hatte die Zeit verloren« geht, das ist völlig ohne Zusammenhang. Und der Zwergendiebstahl tut eh nichts zur Sache. Spannend ist doch jetzt, dass sie sich verlaufen hat und nicht, dass die Eltern mal nen Zwerg hatten. Zumal das auch später nicht mehr wichtig wird.
Wie fällt ihr auf, dass sie die Zeit verloren hat (»die Zeit vergessen« ist übrigens ein gängigerer Ausdruck)?

Zitat:  Ich wusste nicht mehr, wo ich war und den Weg nach Hause 
Komma zwischen »war, und« (weil es den Nebensatz »wo ich war« einschließt)

Zitat: Der kleine Fuchs saß einige Meter von mir weg und beobachte mich.
»beobachtete«

Zitat: Ich rief, nein schrie, nach meinen Eltern aber es kam keine Antwort zurück. 
Kommasetzung: »Ich rief, nein, schrie«
(»nein« ist hier der Einschub, deshalb muss das Komma nicht hinter »schrie« sondern hinter »rief«)
und ein Komma zwischen »Eltern, aber«

Zitat: Ich schaute nach oben und sah wie der Mond sich von
Komma zwischen »sah, wie«

Zitat: Aufgeregt erzählte ich ihnen was ich erlebt hatte und mein Vater sagte:
Komma zwischen »ihnen, was«
und zwischen »hatte, und«

Zitat: und sah das kleine Männlein wie es mir zuwinkte.
Komma zwischen »Männlein, wie«

Zitat: und alles noch einmal Revue passieren ließ
Das ist auch eine sehr erwachsene Formulierung, finde ich, ein Kind würde da eher sagen »noch einmal über alles nachdachte« oder »mich noch einmal erinnerte« oder sowas

Zitat: kuschelte ich mich unter die Decke und zählte von 1 bis 100. 
Zahlen bis 12 schreibt man im Fließtext aus, und auch bei »übersichtliche« Zahlen (wie hier »hundert«, oder auch tausend, dreißig, zweiundzwanzig) ist das üblich, also »von eins bis hundert«

Zitat: Es war das kleine Männlein vom Wald
»aus dem Wald«

Zitat: zerfiel es in alle Teile wie ein Puzzelspiel.
»Puzzlespiel«

Zitat: Die Müdigkeit fing mich ein und ich fiel in einem tiefen Schlaf.
»einen«

Zitat: Dann träumte ich wie es mich berührte und zu einem Puzzelspiel verzauberte. 
Komma zwischen »ich, wie«
»Puzzlespiel«
ich würde eher schreiben: »und in ein Puzzelspiel verwandelt«, weil ich verzaubern nur kenne im Sinne von »jemanden verzaubern« aber nicht »jemanden in etwas verzaubern«

Zitat: eine Prinzessin in einem Puzzelmärchen. Alle Kinder auf dieser Welt puzzelten uns 
»Puzzlemärchen«
lustigerweise ist »puzzelten« als Verb allerdings so richtig.

Zitat:  Unsere Liebe wurde sobald die Kinder uns zusammen setzten wieder aufs Neue erlebt
Komma zwischen »wurde, sobald« und zwischen »setzten, wieder«
»zusammensetzten«

Zitat: Eine immer wieder kehrende Liebe, die nie endete.
»wiederkehrende« (sonst wäre es eine Liebe, die wieder und wieder kehrt. Mit einem Besen Mrgreen )

Nochmal: ich will die Geschichte nicht zerreißen, nur erklären, wo es mMn noch mangelt und warum es mich nicht begeistern konnte. Vom Kern her kann man da bestimmt eine sehr märchenhafte Geschichte draus machen, aber dafür müsste eben eine klare Linie rein, und gerade das Ende würde ich noch bissl ausarbeiten, wie die Puzzlespiele überhaupt zu den Kindern kommen und ob Laura dann tagsüber ein normales Mädchen ist und nur nachts (im Traum?) ein Puzzlespiel, oder wie das abläuft. Da ist es dann ein schmaler Grat zwischen Märchen und Realität, weil ich mir jetzt zum Beispiel auch denke, dass Laura, wenn sie für immer ein Puzzlemännlein ist, doch sicher ihre Eltern vermissen wird, oder die zumindest sie, und was genau die »Liebe« zwischen den beiden ausmacht, wieso das so toll ist.
Aber es so knapp abzuhandeln (Oh, Männlein unterm Bett, ich werd auch ein Puzzle und alles ist toll), das finde ich auch schade, weil es ja eigentlich der Kern der Geschichte ist. Oder du könntest vorher was einweben, warum das Puzzlemännlein ausgerechnet Laura ausgewählt hat, zum Beispiel, weil sie gerne im Wald ist und mit den Vögeln dort redet, weil sie keine Freunde hat und einsam ist, und das Männlein ihr sanftes Wesen mag oder sowas.
Das würde natürlich viel besser klappen, wenn Laura die Geschichte nicht ihren Freunden erzählt, weil du dann viel stärker auf Lauras Perspektive, ihre Gefühle und Gedanken eingehen könntest.

Die kommen mir nämlich auch viel zu kurz. Man erfährt nichtmal, ob sie Angst hat, als ihre Eltern plötzlich nicht mehr in Reichweite sind, was sie über das Dunkelwerden denkt, oder über das merkwürdige Verhalten des Fuches. Ob sie traurig ist, als das Männlein im Wald weg ist, oder wütend darüber, dass ihr Vater ihr nicht glaubt. Das sind alles Sachen, die bringen dem Leser die Hauptfigur näher, die lassen ihn mitfühlen. In einem Märchen braucht man das weniger, denke ich, aber da müsste dann dafür das Märchenhafte besser ausgearbeitet sein und im Mittelpunkt stehen.

Und bevor ich jetzt doch noch seitenweise labere, verabschiede ich mich mal. Ich hoffe, du kannst die ein oder andere Sache aus dem Kommentar mitnehmen und lässt den Kopf nicht hängen. Gutes Schreiben braucht viel Übung, viel Geduld.
Übrigens noch ein guter Grund, auch selbst zu kommentieren: Wenn du versuchst, fremde Geschichten zu bewerten, lernst du dabei, auch für die eigenen Werke einen kritischeren Blick zu entwickeln, du lernst Techniken von anderen Autoren, setzt dich damit auseinander, was dir warum gefällt und kannst es dann auch besser im eigenen Text umsetzen. So viel dazu Icon_wink

Liebe Grüße
Lanna

»Couldnʼt you crawl into a bush somewhere and die? That would be great, thanks.« (Alistair, Dragon Age)

»You can be anything you want on the internet.
What's funny is how many people choose to be stupid.«
(Zack Finfrock)

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Beitrag #3 |

RE: Das verzauberte Puzzelchen
Liebe Lanna

Danke dir sehr für deine kritische Auseinandersetzung mit einem noch unreifen Text. Ich könnte das nicht!

Schreibe eigentlich nur Bilderbuchgeschichten. Kurz und knapp. Und mit Kriminalromanen komme ich auch besser zurecht. Daher habe ich mich auch dazu entschlossen Märchen auf Eis zu legen.
Wie ich schon WW mitteilte bin ich nicht geeignet andere Texte zu besprechen. Da fehlt mir noch die Erfahrung.

Liebe Grüße
K.Klaasen

P.S. Nochmals Danke für das aufwendige rezensieren. Hoffe, Du kannst wieder schlafen. Icon_smile


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