Es ist: 13-11-2019, 16:45
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Dead Man's Chest - Tag 1
Beitrag #1 |

Dead Man's Chest - Tag 1
So, hier nun die überarbeitete Version von Dead Man's Chest. Viel Spaß beim Lesen. :)

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Dead Man’s Chest

Tag 1

Der Tag, an dem Mikhail verschwand, war ein heißer, trockener Sommertag. Schon am frühen Morgen brannte die Sonne unnatürlich stark, als wollte sie das ganze Wasser austrocknen, das ihn verschlungen hatte. Mikhail war mein Vetter, angeheiratet und nicht blutsverwandt und für mich mehr Freund als Familie. Aber er war ein teurer Freund, einer von den wenigen echten, die im Umgang mit mir nicht nur an ihr Vergnügen dachten. Keiner von uns konnte sich erklären, warum er verschwunden war. Am Morgen fuhr er wie immer allein hinaus aufs Meer, kam jedoch nicht wie sonst rechtzeitig zum Frühstück zurück. Meine Tante machte sich keine allzu großen Sorgen, denn Mikhail war nie der Pünktlichste gewesen, auch wenn er das Frühstück normalerweise nicht verpasste. Sie wartete eine halbe Stunde, dann eine, dann zwei, und dann begann sie, von Haus zu Haus zu gehen und die Nachbarn zu fragen, ob ihr Sohn denn nicht dort gefrühstückt hatte. Niemand hatte ihn gesehen, geschweige denn zum Essen mit hereingenommen. Auch zu uns kam seine Mutter, denn wir wohnten in derselben Straße und Mikhail kam uns oft besuchen. An diesem Tag jedoch hatten auch wir nichts von ihm gehört.

Als es Nachmittag war, wusste das ganze Dorf darüber Bescheid, dass Mikhail nicht zum Essen erschienen war. Noch schneller verbreitete sich die Nachricht, als gegen vier Uhr sein Boot an den Strand geschwemmt wurde. Es war unverkennbar seins, denn der Name des Bootes – Anastasia – stand gut sichtbar auf beiden Seiten. Es hatte uns alle verwundert, als Mikhail es nicht nach seiner Verlobten, sondern nach seiner längst erloschenen ersten großen Liebe benannt hatte, aber wir haben nie etwas gesagt und nur stillschweigend dabei zugesehen, wie auch Mikhails zweite Beziehung auseinanderfiel und seine Verlobte ihn schließlich verließ, als sie dahinter kam. Er trauerte ihr nicht nach und irgendwann sagte er mir im Vertrauen, dass er sie nie wirklich geliebt hatte. Es war erstaunlich, dass nicht getuschelt wurde, denn normalerweise verbreitete sich Tratsch in unserem Dorf schneller als der Wind an einem stürmischen Tag durch die Straßen fegte.

Die Anastasia war fast leer. Alles, was sich darin befand, war eine kleine verschlossene Kiste, die Mikhail gehört hatte. Einige erkannten sie wieder, obwohl Mikhail sie immer gehütet hatte wie seinen Augapfel. Niemand wusste, was sich darin befand, das hatte er noch nie jemandem gezeigt. Zu meinem Bruder hatte er im Rausch einmal gesagt, dass er sie nach Mikhails Tod öffnen dürfe, was beide schnell wieder vergessen hatten. Nun lag diese Kiste da, still und unheilvoll, und von Mikhail keine Spur.

„Er wird gekentert und zum nächsten Ufer geschwommen sein“, sagte jemand, ein Nachbar, oder ein Verwandter. „Wahrscheinlich ist er in einem der Nachbardörfer untergekommen. Morgen wird er zurück sein.“
Viele von uns glaubten dem Mann, weil sie ihm glauben wollten. Tatsächlich jedoch war Mikhail zwar ein guter Schwimmer, aber ein noch erfahrenerer Bootsfahrer und an diesem Tag war der Wellengang so schwach, dass ein Schiffsbruch ausgeschlossen war. Dennoch wurde beschlossen, dass man noch eine Nacht warten müsse, bevor jemand voreilige Schlüsse zog. Meine Tante beruhigte sich für den Rest des Tages und wir warteten. Die meisten Dorfbewohner verblieben noch eine Weile am Strand, tuschelten und starrten das leere Boot an, als könne Anastasia uns die Antworten geben, die wir uns so sehr wünschten. Nach und nach gingen jedoch immer mehr Leute wieder nach Hause, erst die, die nichts mit Mikhail zu schaffen gehabt hatten, dann entferntere Verwandte und Bekannte, bis schließlich nur noch meine Tante, mein Bruder und ich übrig waren. Wir zitterten alle drei ganz erbärmlich, denn es war dunkel und kalt geworden und doch konnten wir den Blick nicht vom Meer abwenden, als erwarteten wir, dass es in einem Moment der Unachtsamkeit Mikhail wieder freigab und wir dann seine Rückkehr verpassen könnten. Aber das Meer blieb still und verschlossen, lediglich das Meeresrauschen wurde stärker, als der Wind zunahm, und alles, was wir sehen konnten, war, wie sich das Mondlicht auf dem schwarzen Wasser spiegelte.

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Tag 2


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Beitrag #2 |

RE: Dead Man's Chest - Tag 1
Ohne dir jetzt hinterher stalken zu wollen Mrgreen, finde ich auch diese Geschichte bzw diesen Geschichten-Teil sehr gelungen. Ich bin schon gespannt wie es weiter geht und was sich in der ominösen Kiste befindet Icon_wink.

Du fragst, warum mein Leben Schreiben ist
Ob es mich unterhält?
Die Mühe lohnt?
Vor allem aber, macht es sich bezahlt?
Was wäre sonst der Grund??
Ich schreib allein
Weil eine Stimme in mir ist,
Die will nicht schweigen?" (Sylvia Plath)

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Beitrag #3 |

RE: Dead Man's Chest - Tag 1
Hallo Lia,
begrüßt haben wir uns ja schon, aber jetzt hab ich doch direkt mal Gelegenheit, einen Text von dir zu kommentieren - auch, weil er so angenehm kurz ist^^

Dazu kommt, dass da nicht mal viel Arbeit mit verbunden ist, denn zu meckern habe ich eigentlich gar nichts. Du scheinst deinen Stil gefunden zu haben und auch wenn man jetzt meckern könnte, dass das alles viel zu allwissend ist, kommt das letztlich auf den eigenen Geschmack an und funktioniert hier (bisher sehr gut).
Die (kursive) Einleitung gefällt mir auch, weil sie gekonnt auf der Linie zwischen Verraten und Fragenaufwerfen balanciert.
Ich bin auf jeden Fall sehr interessiert, wie es weitergeht, auch wenn mich die Einordnung unter "Sonstiges" etwas irritiert. Hätte jetzt Horror erwartet, oder Fantasy, aber letztlich macht mich das nur neugieriger.

Kommen wir zum einzigen Kritikpunkt:
Zitat:Es war unverkennbar seins, denn der Name des Bootes – Anastasia – war erkennbar auf beide Seiten gepinselt worden.
Hier hast du eine Wortwiederholung drin, die nicht sein muss.
Vorschläge:
"Es war unverkennbar seins, denn der Name des Bootes - Anastasia - stand gut sichtbar auf beiden Seiten." Eliminiert nebenbei auch das lästige "gepinselt worden".

Joa, bis die Tage, bin jedenfalls neugierig. Icon_wink

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Beitrag #4 |

RE: Dead Man's Chest - Tag 1
Oh, danke ihr zwei. Icon_smile Das freut mich, dass der Text euch gefällt. :D
@AngelsDust: Freut mich. ^^ Ich glaube, jetzt lade ich den nächsten Teil auch hoch. Ich hatte vorher Hemmungen, weil ich die Community nicht sofort mit allen meinen Werken überschütten wollte, aber jetzt ist genug Zeit vergangen, denke ich.
@Saryn: Auch dir danke ich für dein Lob und für den Hinweis mit der Wortwiederholung. Werde ich gleich editieren.
Würdest du mir glauben, wenn ich dir sagen würde, dass die Geschichte gar nicht repräsentativ für meinen Stil ist? XD Tatsächlich ist das keine, irgendwie habe ich das Gefühl, mein Stil ist bei jeder Geschichte anders. Es kommt eben auf die Charaktere an, aus deren Sicht die Sache geschrieben ist. Aber es freut mich natürlich sehr, dass dir dieser Text gefällt. Icon_smile Dann hoffe ich mal, du magst den nächsten Teil auch.
Übrigens ist die kursive Einleitung eine Kurzbeschreibung. Ich hab die Geschichte auch noch auf einer anderen Seite hochgeladen, wo man eine Kurzbeschreibung angeben kann. Und das ist eine der wenigen, mit denen ich zufrieden bin, deshalb hab ich sie auch noch dazu geschrieben. ^^
lg, Lia

Long live Rock n Roll. Icon_cool

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Beitrag #5 |

RE: Dead Man's Chest - Tag 1
Hallo Lia

Ich treibe mich nicht oft in sonstige herum, aber ich habe mich dunkel an deinen ersten Teil erinnert und dachte, es würde hier schon mehr Kommentare geben. Doch dem ist nicht so. Da ich auf der Suche nach Futter bin, bin ich also hier bei dir gelandet und finde es schade, dass ich erst durch einen Wettbewerb an deinen Strand gekommen bin.

Zitat:Dead Man’s Chest
Wegen Fluch der Karibik hat mich der Titel eher abgeschreckt.

Zitat:Von Toten, die in der Welt verbleiben und Lebenden, die sie schon längst verlassen haben. Von einer Kiste, deren Inhalt jeder kennen und (die) keiner öffnen will. Von einer Familie, die nur von einer Muschel zusammengehalten wird und einem Meer, das alles verschlingt und die Trauer unter seinen Wogen begräbt.
Die Zusammenfassung hmm, bin ich unentschlossen, so eine Vorausschau und "für mich Deutung" mag ich nicht so gerne. Sie ist schön, doch ich finde der Text braucht sie nicht. Er schadet ihm sogar, es ist so ein leiser Text, der genau von den Gefühlen lebt, lass sie mich als Leser doch selbst entwickeln.

Tag 1

Zitat:Der Tag, an dem Mikhail verschwand, war ein heißer, trockener Sommertag. Schon am frühen Morgen brannte die Sonne unnatürlich stark, als wollte sie das ganze Wasser austrocknen, das meinen Vetter verschlungen hatte.

Schöne Betrachtung, sie erinnert sich und wünscht sich die Sonne auf seiner Seite, auch wenn diese genauso hilflos ist wie alle.
Zitat:Es war ein Vetter dritten oder vierten Grades, angeheiratet und nicht blutsverwandt, der mir mehr Freund war als Familie.
Edit: Gleich ist er doch der Sohn der Tante. Wieso also hier angeheiratet und um vier Ecken?
Zitat:Aber er war ein teurer Freund, einer von den wenigen echten, die im Umgang mit mir nicht ihren eigenen Vorteil suchten.
Ist die Stimme den so berühmt? Ich höre ein Mädchen, wohl wegen deinem Namen Lia.
teurer Freund klingt sehr altmodisch, ich werde in der Zeit zurückgeworfen.
Zitat: Keiner von uns konnte sich erklären, warum er verschwunden war. Am Morgen fuhr er wie immer allein hinaus aufs Meer, kam jedoch nicht wie sonst rechtzeitig zum Frühstück zurück. Meine Tante machte sich keine allzu großen Sorgen, denn Mikhail war nie der Pünktlichste gewesen, auch, wenn er das Frühstück normalerweise nicht verpasste. Sie wartete eine halbe Stunde, dann eine, dann zwei, und dann begann sie, von Haus zu Haus zu gehen und die Nachbarn zu fragen, ob ihr Sohn denn nicht dort gefrühstückt hatte.

Schön, wie du die verstreichende Zeit im Text hast und jetzt schon die Gewissheit mitschwingt und die Verleugnung. er verpasst das Frühstück nicht, ist also nicht nur spät dran.
Zitat:Niemand hatte ihn gesehen, geschweige denn zum Essen mit hereingenommen.
Die Verzweiflung deR Mutter, er möge einfach woanders gefrühstückt haben. Es zerreißt einem gleich das Herz.
Zitat:Auch zu uns kam seine Mutter, denn wir wohnten in derselben Straße und Mikhail kam uns oft besuchen. An diesem Tag jedoch hatten auch wir nichts von ihm gehört.
Ein wir, als Distanz zum erlebten, der/die Erzählerin verschwindet hinter dem wir.

Zitat:Als es Nachmittag war, wusste das ganze Dorf darüber Bescheid, dass Mikhail nicht zum Essen erschienen war. Noch schneller verbreitete sich die Nachricht, als gegen vier Uhr sein Boot an den Strand geschwemmt wurde.
Das Dorf immer als Zeuge, als Schutzschild gegen den Schmerz?
Zitat:Es war unverkennbar seins, denn der Name des Bootes – Anastasia – stand gut sichtbar auf beiden Seiten. Es hatte uns alle verwundert, als Mikhail es nicht nach seiner Verlobten, sondern nach seiner längst erloschenen ersten großen Liebe benannt hatte, aber wir haben nie etwas gesagt und nur stillschweigend dabei zugesehen, wie auch Mikhails zweite Beziehung auseinanderfiel und seine Verlobte ihn schließlich verließ, als sie dahinter kam.

Das Motiv seiner Tat.
Zitat:Er trauerte ihr nicht nach und irgendwann sagte er mir im Vertrauen, dass er sie nie wirklich geliebt hatte. Es war erstaunlich, dass nicht getuschelt wurde, denn normalerweise verbreitete sich Tratsch in unserem Dorf schneller als der Wind an einem stürmischen Tag durch die Straßen fegte.
Ja, verwunderlich. Das Dorf schreckte vor der tiefe seiner Gefühle zu Amastasia zurück?

Zitat:Anastasia war fast leer. Alles, was sich darin befand, war eine kleine verschlossene Kiste, die Mikhail gehört hatte. Einige erkannten sie wieder, obwohl Mikhail sie immer gehütet hatte wie seinen Augapfel.

Das Dorf, immer der Kompass des Erzählers. Das erzeugt so eine Dorfstimmung, dieses wo jeder jeden kennt.
Zitat:Niemand wusste, was sich darin befand, das hatte er noch nie jemandem gezeigt. Zu meinem Bruder hatte er im Rausch einmal gesagt, dass er sie nach Mikhails Tod öffnen dürfe, was beide schnell wieder vergessen hatte.(hatten)
Nun nicht wirklich, es ist ja bekannt. Es zeigt, wie nahe diese Wahrheit beiden ging, dieses dahingesagtem wenn ich tot bin, mehr bedeutete.
Zitat:Nun lag diese Kiste da, still und unheilvoll, und von Mikhail keine Spur.
Das still und unheilvoll brauchst du eigentlich gar nicht, das schafft die Kiste allein.

Zitat:„Er wird gekentert und zum nächsten Ufer geschwommen sein“, sagte jemand, ein Nachbar, oder ein Verwandter. „Wahrscheinlich ist er in einem der Nachbardörfer untergekommen. Morgen wird er zurück sein.“
Jemand hat es nicht ausgehalten und erwirkt Aufschub.
Zitat:Viele von uns glaubten dem Mann, weil sie ihm glauben wollten. Tatsächlich jedoch war Mikhail zwar ein guter Schwimmer, aber ein noch erfahrenerer Bootsfahrer und an diesem Tag war der Wellengang so schwach, dass ein Schiffsbruch ausgeschlossen war.
Nicht sehr nett von ihm, so einen Tag zu wählen, seiner Mutter gegenüber ...
Aber vielleicht wollte er, dass man es weiß. dass sie es weiß.
Zitat:Dennoch wurde beschlossen, X man noch eine Nacht warten müsse, bevor jemand voreilige Schlüsse zog.
dass fehlt
Jemand wird es tun müssen, aber nicht ich. Schön, wie die Wahl der Worte in deinem Text mitschwingen, dieses nicht wahrhaben wollen.
Zitat:Meine Tante beruhigte sich für den Rest des Tages und wir warteten. Die meisten Dorfbewohner verblieben noch eine Weile am Strand, tuschelten und starrten das leere Boot an, als könne Anastasia uns die Antworten geben, die wir uns so sehr wünschten.

Das wir, das Versteck.
Zitat:Nach und nach gingen jedoch immer mehr Leute wieder nach Hause, erst die, die nichts mit Mikhail zu schaffen gehabt hatten, dann entferntere Verwandte und Bekannte, bis schließlich nur noch meine Tante, mein Bruder und ich übrig waren. Wir zitterten alle drei ganz erbärmlich, denn es war dunkel und kalt geworden und doch konnten wir den Blick nicht vom Meer abwenden, als erwarteten wir, dass es in einem Moment der Unachtsamkeit Mikhail wieder freigab und wir dann seine Rückkehr verpassten.

verpassen könnten. Sie nehmen den Blick ja nicht vom Meer
Eindringlich wie als Kern die Familie bleibt.
Zitat:Aber das Meer blieb still und verschlossen, lediglich das Meeresrauschen wurde stärker, als der Wind zunahm, und alles, was wir sehen konnten, war, wie sich das Mondlicht auf dem schwarzen Wasser spiegelte.
still und verschlossen, es redet nicht, gibt nicht frei. Im Grunde wie Mikhail seinen Schmerz.

Zu meckern habe ich nichts. Ich finde den Ton sehr schön!

Bis zum nächsten Teil und Liebe Grüße!
von der Pfote

Gewinne und wünsch' dir ein Taschenbuch! Mrgreen

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Beitrag #6 |

RE: Dead Man's Chest - Tag 1
Hey Lia,

dann will ich dich im Zuge des Kommentierwettbewerbs auch mal bedenken.

Zitat:Der Tag, an dem Mikhail verschwand, war ein heißer, trockener Sommertag.

Guter erster Satz. Erregt Neugierde.

Zitat:Meine Tante machte sich keine allzu großen Sorgen, denn Mikhail war nie der Pünktlichste gewesen, auch, wenn er das Frühstück normalerweise nicht verpasste.

"auch wenn"

Zitat:Dennoch wurde beschlossen, man noch eine Nacht warten müsse, bevor jemand voreilige Schlüsse zog.

Da ist dir ein "dass" entschwunden.

Zitat:doch konnten wir den Blick nicht vom Meer abwenden, als erwarteten wir, dass es in einem Moment der Unachtsamkeit Mikhail wieder freigab und wir dann seine Rückkehr verpassten.

In einer Erwartung liegt meiner Meinung nach keine Begründung dafür, dass man etwas nicht kann. Es ist ja auch weniger die Erwartung, dass Mikhail freigegeben wird, die sie nicht wegsehen lässt, sondern mehr die Furcht, dies zu verpassen.

Vorschlag:
doch konnten wir den Blick nicht vom Meer abwenden, als fürchteten wir, seine Rückkehr zu verpassen, wenn es in einem Moment der Unachtsamkeit Mikhail wieder freigab.

Das war's für den ersten Teil. Angenehm kurz. Icon_wink Gefällt mir bis dahin; ich mag deinen Stil, der etwas Ruhiges hat und mich ein wenig an das Meer erinnert. Zum Inhaltlichen kann ich noch nicht viel sagen.

Also bis zum nächsten Teil!

Liebe Grüße,
rex

"Für den Freund der Aufhellung behalten Wort und Begriff des >Volkes< selbst immer etwas Archaisch-Apprehensives und er weiß, dass man die Menge nur als >Volk> anzureden braucht, wenn man sie zum Rückständig-Bösen verleiten will. Was ist vor unseren Augen, oder auch nicht just vor unseren Augen nicht alles geschehen, was im Namen Gottes, oder der Menschheit, oder des Rechtes nicht wohl hätte geschehen können!"
Thomas Mann, Doctor Faustus (1947)

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Beitrag #7 |

RE: Dead Man's Chest - Tag 1
Oh man, das hat ja ewig gedauert. Eigentlich müsste ich jetzt auch lernen, aber ich kann mich beim besten Willen nicht mehr auf Schulzeugs konzentrieren. Also mache ich was, was Spaß macht und schreib mal wieder ein paar Antworten.
Erst einmal bedanke ich mich bei euch beiden, rex noctis und Pfotenabdruck, für eure Kommentare, auch noch bei jedem Kapitel. Ich hab mich riesig gefreut. ^^
So, dann antworte ich mal der Reihe nach.

@Pfote

Zitat:Wegen Fluch der Karibik hat mich der Titel eher abgeschreckt.

Ich habe auch viel mit mir gehadert bei dem Titel, wegen der Piratenassoziation und weil auf einer anderen Autorenplattform, auf der ich unterwegs bin, englische Titel generell nicht so beliebt sind. Aber ich habe mich zu sehr in den Titel verliebt und er passt meiner Meinung nach einfach perfekt, deshalb habe ich beschlossen, ihn zu behalten, auch wenn er auf den ersten Blick andere Erwartungen weckt.

Zitat:Die Zusammenfassung hmm, bin ich unentschlossen, so eine Vorausschau und "für mich Deutung" mag ich nicht so gerne. Sie ist schön, doch ich finde der Text braucht sie nicht. Er schadet ihm sogar, es ist so ein leiser Text, der genau von den Gefühlen lebt, lass sie mich als Leser doch selbst entwickeln.

Da könntest du recht haben. Da wo ich sonst unterwegs bin, muss (oder sollte zumindest) so eine Kurzbeschreibung abgeben, weil das das erste ist, was man von der Geschichte sieht, aber hier werde ich sie wegstreichen.

Zitat:Edit: Gleich ist er doch der Sohn der Tante. Wieso also hier angeheiratet und um vier Ecken?

D'oh! Doh Da hab ich wohl was durcheinandergebracht. Naja, ich hatte erstmal gedacht, den Begriff "Schwager" könnte man auch im weiteren Sinne verwenden, aber das geht wohl nicht. Wie heißt dann eigentlich der angeheiratete Partner eines Cousins? Icon_confused Naja, ich habe die Geschichte inzwischen schon überarbeitet, die überarbeitete Form wird auch in Kürze hier online sein, und da ist er einfach nur angeheiratet. (Was übrigens wichtig ist Icon_wink )

Zitat:Ist die Stimme den so berühmt? Ich höre ein Mädchen, wohl wegen deinem Namen Lia.
teurer Freund klingt sehr altmodisch, ich werde in der Zeit zurückgeworfen.

Hehe, mit mir hat die Erzählerin wenig gemeinsam, aber ja, sie ist eine Frau.
Aber berühmt ist sie nicht, ich habe das umgeändert zu "eigenem Vergnügen". Danke für den Hinweis. Icon_smile

Zitat:Ein wir, als Distanz zum erlebten, der/die Erzählerin verschwindet hinter dem wir.

Stimmt. Icon_shocked Das ist ja lustig. Ich habe beim Schreiben viele Sachen bewusst gesetzt, aber über die Pronomen habe ich nicht wirklich nachgedacht, da habe ich einfach nur nach Gefühl "wir" oder "ich" benutzt. Freut mich, dass das diese Wirkung hat. ^^

Zitat:Das Dorf, immer der Kompass des Erzählers. Das erzeugt so eine Dorfstimmung, dieses wo jeder jeden kennt.
[/quote]

Oh, das freut mich, danke. Smiley_emoticons_blush Als absolutes Stadtkind war ich mir nämlich nicht ganz sicher, ob ich diese Dorfstimmung und Dorfmentalität authentisch rüberbringe.

Danke auch für das Lob und die Hinweise, auf die ich jetzt nicht direkt geantwortet hab, Hinweise sind vermerkt und Lob freut mich sehr. Icon_smile


@rex noctis

Zitat:Guter erster Satz. Erregt Neugierde.

Muchas gracias. Mrgreen

Zitat:"auch wenn"[quote]

Herrje, ich und Kommasetzung. Smiley_emoticons_blush Ist verbessert, danke. ^^
In einer Erwartung liegt meiner Meinung nach keine Begründung dafür, dass man etwas nicht kann. Es ist ja auch weniger die Erwartung, dass Mikhail freigegeben wird, die sie nicht wegsehen lässt, sondern mehr die Furcht, dies zu verpassen.[quote]

Hm, ich bin mir nicht so sicher. Wenn das, was man erwartet (und gleichzeitig fürchtet) etwas so Bedeutsames ist, dass man es unmöglich verpassen kann/will (hier ist das "kann" ja eher als innerer "Zwang" zu verstehen), geht das m.M.n. schon als Begründung durch. Außerdem erwartet sie ja gewissermaßen, dass das Meer ihn genau dann wieder freigibt, wenn sie nicht hinsieht (und benutzt den Konjunktiv nur, um sich zu distanzieren). Meine Erzählerin neigt ja öfter zu magischem Denken.
Aber dein Einwand ist vermerkt. Ich lass mir das noch eine Weile durch den Kopf gehen und ändere die Stelle ggf.

lg, Lia

Long live Rock n Roll. Icon_cool

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