Es ist: 16-12-2019, 08:53
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Die Fährte des Hungers
Beitrag #1 |

Die Fährte des Hungers
Anmerkung: Momentan wird kein weiterer Kommentar benötigt. Ich sitze an der Überarbeitung und es kann noch dauern.



Die Fährte des Hungers



Sie waren den Spuren des Mammuts bereits den ganzen Tag über gefolgt. Und obwohl Krany bereits öfter eines zur Strecke gebracht hatte, waren die unterarmlangen Rückstände, die das Wesen mit jedem Schritt hinterließ, jedes Mal aufs Neue beeindruckend. Furchteinflößend. Zumal dieses Mammut, anders als die geschwächten Exemplare, die sie sonst erlegten, allem Anschein nach kerngesund war. Doch sie waren fünf Männer und ihre Verzweiflung groß. Wenn sie schnell genug waren, hätten sie das Mammut erlegt, bevor es verstand, wie ihm geschah. Krany wusste, wie viel Verantwortung auf ihren Schultern lastete. Das einzige Fleisch, das ihr Dorf in letzter Zeit zu fassen bekommen hatte, waren eine Schneeziege und ein paar Kaninchen gewesen. Und in den letzten Tagen hatten sie ihre Ersparnisse beinahe vollkommen aufgebraucht. In der eisigen Wüste ihrer Heimat war selten viel Leben, doch eine solche Hungersnot hatte es zu Kranys Lebzeiten noch nicht gegeben. Die Kornlager vom kurzen Sommer hatten sich fast geleert und sie hatten keine Aussicht auf ein verfrühtes Ende des Winters. Das war normalerweise kein großes Problem, denn die Kälte machte auch die Tiere schwach und langsam und somit zu einer leichten Beute. Wenn sie eine Schäferhöhle fanden, reichte das Fleisch eines Bären dem ganzen Dorf für mindestens drei Tage. Und hin und wieder erlegten sie ein krankes oder verletztes Mammut, dessen Fleisch nahrhaft war und für viele Tage vorhielt. Anders als im Sommer wurde das Fleisch der Tiere im Winter nicht so schnell giftig und so konnten sie großzügige Reserven für die härtesten Tage anlegen.
Anders dieses Jahr. Nahrung war rar und die Tiere schienen alle verschwunden zu sein. Dazu behaupteten einige noch, ihr Dorf hätte den Zorn der Götter auf sich gezogen.
„Die Spuren werden frischer“, erklärte Rahin, ein harter Mann mit schmalen Zügen und Schatten eines Bartes auf den Wangen. „Nicht mehr lange und wir haben es eingeholt.“
Krany erkannte die Sehnsucht seiner Gefährten. Im Vergleich zum Schrecken des Hungers war die Gewalt eines wütenden Mammuts nebensächlich. Er packte seinen Speer unweigerlich fester. Es war eine gute Waffe. Aus der Eiche, der der lange Stiel entsprungen war, waren auch Teile von Rahins Schleuder, mit der er eine bemerkenswerte Zielsicherheit bewies, und sein Schild, mit dem er die Angriffe von wilden Tieren abzuwehren vermochte, entstanden. Und auch wenn die Fertigung seines Speers einiges Geschick erfordert hatte, waren seine Künste gering im Vergleich zu Rahins, dessen Schleuder einen geschwungenen Griff hatte, der sich in die Hand schmiegte, und dessen Schild sogar Verzierungen aufwies und noch dazu durch verschiedene Holzschichten zusätzlich gefestigt wurde. Krany hatte bereits häufiger vermutet, dass dem Mann die Eleganz seiner Waffe mindestens ebenso wichtig war, wie ihre Zielstrebigkeit. Bei ihm ging vermutlich beides miteinander einher.
„Bleibt ruhig“, ermahnte Sliray, der vor Rahin die Truppe anführte, und blieb kurz stehen. Die tief ins Gesicht gezogene Kapuze hielt seine Haarsträhnen kaum davon ab, über die Stirn zu fallen. „Der schwierigste Teil beginnt, wenn wir das Mammut gestellt haben. Es wird nicht von selbst umfallen und wenn ihr es verjagt, werdet ihr es nicht mehr finden. In diesem Fall könnt ihr vielmehr von Glück sprechen, wenn das Tier dabei niemanden über den Haufen rennt. Das viele Fleisch, das euch ernähren soll, könnte euch auch zum Tod gereichen.“ Er schulterte seinen Rucksack und stapfte weiter.
Seine mahnenden Worte erreichten ihr Ziel nicht wirklich. Zu sehr hatten sich die hungernden Blicke der Frauen und Kinder eingebrannt. Krany dachte an seine Stir. Und ihre gemeinsame kleine Tochter, Armeyda. Seine Frau hatte ein schmales Becken und das liebte er an ihr, doch gleichzeitig führte dies zu schweren Geburten. Ihr erstes Kind war gestorben, als es noch nicht einmal den Atem des Lebens genossen hatte. Auch Armeyda war ein schwere Geburt gewesen, doch sie hatte überlebt und Stir ebenso. Armeyda war bereits zwei Jahre alt und ungewöhnlich lange hatte es gedauert, bis Stir erneut schwanger wurde – so lange, dass Krany nicht wusste, ob er hoffen oder bangen sollte. Denn wie sollten sie dereinst überleben, ohne Kinder, die sie versorgten? Doch gleichzeitig war es nicht immer der Tod im Alter, den er fürchtete.
Aber nun trug Stir wieder ein Kind im Bauch und bald würde sie gebären. Wenn sie dann bereits halb verhungert wäre … die Geburt würde sie nicht überleben.
So weit durfte es nicht kommen.
Er wusste, seine Kameraden plagten ähnliche Sorgen. Doch sie waren nicht allein. Als sie sich heute auf den Weg gemacht hatten, in der Früh, als die Sonne nicht übers Eis gestiegen und der Schnee noch dunkel gewesen war; in dem Moment, in dem sie zusammengetroffen waren, hatten sie einen Teil ihrer Sorgen abgelegt. Während die Angst sie zuvor geschwächt und entmutigt hatte, gab sie ihnen nun, da sie ihr gemeinsam trotzten, Kraft und Tapferkeit. Genug von beidem, um das Dorf zu retten und ein Mammut zu erlegen.
Das hoffte Krany zumindest.
„Das gefällt mir nicht.“
Er blickte auf. Neben ihm lief Rej, den er zuvor auf Jury, den Jüngsten, hinter ihnen hatte einreden hören. In Rejs lange Haare mischten sich graue Strähnen und seine Augen lagen tief in den Schatten. Krany wusste, dass er eine Tochter hatte, die seiner Obhut bereits entwachsen war, um die er sich jedoch weiter sorgte. Ihre Mutter war bereits tot.
„Wir ziehen den Zorn der Götter auf uns.“
„Irgendwie müssen wir doch Essen beschaffen“, entgegnete Krany. „Was kann den Göttern daran nicht gefallen?“
„Ich habe gehört, was ich gehört habe. Sie grollen uns. Das Land spaltet sich und wir sollten uns unter ihrer Wut ducken. Was tun wir stattdessen? Wir ziehen geradlinig dorthin, wo der Donner herkommt.“
Er ignorierte ihn. Lieber stelle ich mich dem Zorn der Götter, als Armeyda weiter darben zu sehen. Was können sie mir anhaben, was der Hunger sich nicht vor ihnen nimmt?
Die Zeit verlor sich in der Routine und während er erst mit dem linken Bein, dann mit dem rechten Bein, erst mit dem linken, dann mit dem rechten, mit dem linken, dem rechten, links, rechts, links voranschritt, stoppte der Trupp auf einmal.
Vor ihnen erhob sich ein kleiner Hügel, der ihnen die Sicht in die Ferne nahm. Knapp über dem Boden trotzte flaches Gebüsch Eis und Kälte und zog sich breit den Hügel hinauf. Auf der anderen Seite wuchs eine einsame Fichte in verdrehtem Wuchs der kalten Sonne entgegen.
„Seht.“ Rahin deutete auf den Boden. „Der Schnee ist kaum auf die Spuren gefallen. Wir sind ganz nah dran.“
„Ob das gut für uns ist?“, grummelte Rej. Niemand antwortete ihm. Niemand wollte sich von seiner Furcht anstecken lassen.
Sliray wandte sich an Krany. „Du kletterst den Hügel rauf und berichtest uns danach, was du gesehen hast. Der Rest wartet hier.“
Er nickte und machte sich auf den Weg. Der lange Marsch hatte ihn ausgelaugt, doch jetzt, wo er dem Ziel so nah war, spürte er, wie die Kraft in ihm von neuem heranwuchs. Langsam zog er sich in der Hocke am Gebüsch zur Spitze des Hügels hoch. Er biss die Zähne zusammen, als sich ein Dorn durch seine Handschuhe bohrte. Bitte, ihr Götter, seid uns einmal gnädig. Lasst die Suche ihr Ende gefunden haben. Unsicher, was ihn auf der anderen Seite erwartete, doch voller Hoffnung spähte er über die Kante.
Der leichte Schneefall erschwerte glücklicherweise nicht die Sicht und so bot sich ihm ein Anblick, der ihn für kurze Zeit Hunger, Kälte und Angst vergessen ließ. Wie eine Wiese aus Eis zog sich vor ihm die Schneefläche in die Höhe, um am Horizont in einen felsigen Berg zu münden. Zarte Eisstängel wuchsen vom Boden herauf wie Pflanzen, die von der Kälte lebten, wie andere von der Wärme. Rechter Hand führte ein verkümmerter Wald einen aussichtslosen Kampf gegen das Eis und linker Hand zogen sich Schneewehen die Fläche entlang wie ein riesiger Wurm, der mal unter die Erde taucht und dann wieder empor ragt. Über die verschneite Wiese stapfte, in gleichmütiger Gewaltigkeit und etwa drei Speerwürfe entfernt, das Mammut. Die riesigen Beine ließen es schneller vorankommen als die ruhige, beinahe schläfrige Gehweise den Anschein machte.
Wie hatten sie sich vorgestellt, dieses Monstrum zu erlegen? Im leichten Schneefall durch das tiefe braune Fell dennoch gut zu erkennen, wirkte das Mammut wie mit der Erde verwachsen. Ein Teil der Natur, der ihr nie und nimmer entrissen werden konnte. Schon gar nicht von fünf verzweifelten Männern, kläglich bewaffnet und kaum gegen die Kälte geschützt.
Doch sie hatten keine Wahl.
Er wollte sich bereits umdrehen und seinen Gefährten Bericht erstatten, als ihm auf einmal ein Schauer den Rücken hinunterstrich.
Etwas war falsch.
Er konnte es nicht näher benennen, doch ein Gefühl wie von Stein, der über Stein fährt, grub sich in seine Schulterblätter und ließ ihn starr werden vor Angst. Einen Moment lang fühlte er sich wie ein Bildnis aus Eis, ein Teil der Landschaft und er verspürte Ehrfurcht. Ehrfurcht vor den gewaltigen Ausmaßen der Natur, der er trotzen wollte. Er verspürte das Bedürfnis, sich in diesen Ausmaßen zu verstecken, sich zusammenzukrümmen wie ein kleines Kind und hier liegenzubleiben, bis er schließlich dem Tod anheimfiel.
Dann schüttelte er sich und drehte sich um. Vorsichtig ließ er sich den Hügel hinunter. Auch wenn dieser nicht besonders steil war, wollte er nicht riskieren, sich jetzt, so kurz vor dem Ziel, noch zu verletzen.
Unten angelangt erstatte er Bericht. „Ich würde vorschlagen, wir nähern uns über die Schneewehen“, ergänzte er schließlich. „Je länger das Mammut uns nicht bemerkt, desto besser für uns.“
Sliray nickte. „Wir dürfen keine Zeit verlieren. Los!“
Nun wagten sie alle sich über die Eiskante. Als er sie zum zweiten Mal erreichte, verspürte er einen Widerwillen, doch er schluckte ihn hinunter. Denk an Stir. Denk an Armeyda. Du kannst es dir nicht leisten zu zögern.
Er packte den Speer fester und nutzte ihn als Stütze beim steileren Abstieg auf der anderen Seite. Nein, er konnte es sich wahrlich nicht leisten zu zögern. Doch er sah in den Blicken anderen dieselbe Furcht, die auch er selbst verspürte. Manchmal half die Gemeinschaft nichts. Manchmal machte das Wissen, dass der Gegenüber ebenso fühlte wie man selbst, alles nur schlimmer.
Also schloss er kurz die Augen, sammelte sich und atmete langsam aus. Er beobachtete, wie der Dampf seines Atems sich verflüchtigte wie eine eisige Rauchwolke. Dann ging er weiter und stellte fest, dass sich die anderen, selbst Sliray, auf einmal hinter ihm versammelt hatten. Ich bin wahrlich der Anführer der Verzweiflung. Wie können die Götter einem so armseligen Trupp nur zürnen?
Er spürte, wie seine Furcht verflog. Was auch immer kommen mochte, das Schlimmste war Vergangenheit. Schmerz bedeutete Leben und Leben bedeutete Überleben. Und selbst der Tod war Erlösung. Hatte er keinen Mut, so doch Kraft gewonnen, zu tun, was nötig war. Schnellen Schrittes bewegte er sich auf die Schneewehen zu. Die harte Eisschicht unter dem Neuschnee machte es ihnen leicht, sich fortzubewegen und schnell hatten sie die Hügel erreicht.
Wehe für Wehe ließen sie entschlossen hinter sich und näherten sich so zügig dem Fleisch, das Überleben bedeutete.
Doch je weiter sie kamen, desto stärker wurde auch der Widerwille in Krany und der Drang anzuhalten und umzukehren. Als er schließlich übermächtig zu werden drohte, schlug etwas um. Das unbestimmte Gefühl, das vorhin in seine Schulterblätter gestochen hatte, durchbohrte ihn plötzlich wie ein Speer und für einen Moment blieb er stocksteif stehen. Das Blut pochte ihm in den Schläfen und kurz fürchtete er zusammenzubrechen. Sein leerer Magen rebellierte. Er schloss die Augen und zwang den Brechreiz hinunter. Als er wieder klar sehen konnte, lief das Mammut vor ihnen weg in Richtung Wald. Panisch.
„Was habt ihr getan?“, zischte er hinter sich. Diese Narren hatten möglicherweise ihre einzige Chance vergeben, Fleisch zu erlegen. Und die Angst, die ihn fast auf den Boden zwang, hellte seine Stimmung auch nicht gerade auf. Er ignorierte ihre Einwände und begann, über die Schneewehe vor ihm zu klettern, um dem Mammut nachzusetzen – was blieb ihm sonst übrig? Dann jedoch, als er den ersten Fuß auf den Hügel setzte, rutschte eine kleine Schicht aus Pulverschnee ab. Er griff mit Händen nach Halt – und fand ihn. Auf eine ganz und gar andere Weise, als er erwartet hätte.
Als er nach oben schaute, sah er, was er nicht hatte fühlen wollen. Er hing an einer leicht aus dem dichten Geflecht ragenden Schuppe. An der Schuppe eines Wesens, das gerade eben noch ein Hügel gewesen war. Zu verschreckt, um zu schreien, ließ er los und stürzte auf den Boden. Fassungslos beobachtete er, wie langsam Leben in den Körper vor ihm zurückkehrte. Tiefe Schwingungen dröhnten in seinen Ohren und er schluckte Schnee, als das Tier sich aufrichtete.
Auf einmal war das Mammut ein Kaninchen und er selbst eine Maus. Kleine stämmige Beine – die dennoch größer waren als Krany selbst – trugen einen breiten Brustkorb, der sich dahinter schnell zu einem langen, dornenbesetzten Schwanz verjüngte.
Das Geschöpf machte einen Satz nach vorn. Es breitete im Sprung Flügel von einer immensen Spannweite aus, die nach und nach immer größer wurden und schließlich das Wesen vom Gewicht eines Dutzends an Mammuts in die Lüfte trugen. Ein träger Flatterer beförderte das Tier nach vorn. Der aufgewirbelte Wind ließ Krany eine Manneslänge nach hinten fliegen und bedeckte ihn mit Schnee. Von Grauen erfüllt, doch lähmend fasziniert, beobachtete er, wie das Geschöpf das Mammut einholte und mit einem Schwung der Pranke zu Boden beförderte. Auf eine Weise, wie er nicht ein Kaninchen, sondern eine Maus zertreten würde.
Und wenn das Mammut eine Maus ist, was bin ich dann?
Das Verlangen kehrte zurück, den Schnee als Decke zu nutzen und sich unter ihm zu verkriechen, bis sein Körper zusammenschmolz wie Eis überm Feuer. Er kauerte sich zusammen und hörte nur wie aus weiter Ferne die Schreie Rejs, der ihn aufforderte zu fliehen. Aber warum? Wie sollen wir uns vor einem Geschöpf verstecken, das den Zorn der Götter in sich trägt?
Dass dieses Tier der Grund für all ihre Ängste war, daran zweifelte er nicht mehr. Er beobachtete, wie es das Mammut liegen ließ und umdrehte. Die Farbe der Schuppen wurde geringfügig heller, als das Wesen sich ihm näherte. Er spürte, wie sich eine Spannung aufbaute und Krany wusste, dass er nun sterben würde. Sein letzter Gedanken galt nicht Stir und nicht Armeyda. Er galt weder seinen Gefährten noch seinem Dorf. Er verspürte nicht einmal mehr Angst oder Hunger. Er fror nicht. Er sah nur in Ehrfurcht auf zu diesem Geschöpf von einer Gewaltigkeit wie sie allenfalls die Götter besitzen mochte. Ein tiefes Grollen verschaffte sich seinen Weg aus dem Maul des Tieres, als es über ihn hinwegflog. Kurz blickten die riesigen Augen auf Krany herab, dann verschlang ihn eisiges Feuer.

"Für den Freund der Aufhellung behalten Wort und Begriff des >Volkes< selbst immer etwas Archaisch-Apprehensives und er weiß, dass man die Menge nur als >Volk> anzureden braucht, wenn man sie zum Rückständig-Bösen verleiten will. Was ist vor unseren Augen, oder auch nicht just vor unseren Augen nicht alles geschehen, was im Namen Gottes, oder der Menschheit, oder des Rechtes nicht wohl hätte geschehen können!"
Thomas Mann, Doctor Faustus (1947)

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RE: Die Fährte des Hungers
Hallo rex noctis,

ich möchte Deine Geschichte gern kommentieren, ich habe dazu tausend Anmerkungen und fürchte, es wird Stunden dauern, das alles aufzuschreiben ...
Das Thema hat mich gefesselt. Eine Mammutjagd. Ein steinzeitliches Ambiente. Das habe ich noch nicht gelesen. Was Neues - supie! Icon_smile
Bitte nimm' Dir heraus, was Du von meinen Anmerkungen gebrauchen kannst und ignoriere den Rest.
Zunächst zu Deinem Stil:
Mir sind in den Sätzen bei Weitem zu viele "waren" oder "hatten". Das macht für mich einen Text langweilig. Gleich im ersten Satz:
Zitat:Sie waren den Spuren des Mammuts bereits den ganzen Tag über gefolgt. Und obwohl Krany bereits öfter eines zur Strecke gebracht hatte, waren die unterarmlangen Rückstände, die das Wesen mit jedem Schritt hinterließ, jedes Mal aufs Neue beeindruckend.
Warum nicht einfach z.B.: "Sie verfolgten das Mammut schon den ganzen Tag. Krany beeindruckten die unterarmlangen Spuren der Giganten jedesmal aufs Neue." Damit hättest Du die gleichen Informartionen, aber mehr auf den Punkt gebracht. "Und obwohl" finde ich unglücklich; Krany wird kaum allein Mammuts zur Strecke gebracht haben, und bei "Rückstände" dachte ich zuerst an Exkremente, was aber im Satz natürlich keinen Sinn ergibt.
Zitat:Zumal dieses Mammut, anders als die geschwächten Exemplare, die sie sonst erlegten, allem Anschein nach kerngesund war. Doch sie waren fünf Männer und ihre Verzweiflung groß. Wenn sie schnell genug waren, hätten sie das Mammut erlegt, bevor es verstand, wie ihm geschah.
Schon wieder ein "war". Und ein "zumal" am Satzanfang. Diese Wörter lassen sich nicht überall vermeiden. Aber wenn ich so eine dramatische Situation habe, kann ich sie mit schwachen Sätzen banalisieren, oder mit starken Sätzen unterstreichen. Ich bevorzuge dann lieber die starken Sätze. Z.B.: Kerngesund schien dieses Exemplar, im Gegensatz zu denen, die sie sonst erlegten. Krany sah die Verzweiflung in den Gesichtern seiner vier Begleiter." Ich will jetzt nicht die Geschichte umformulieren, es geht mir nur darum, eben diese langweiligen Wörter zu umgehen, so weit das möglich ist. Sicher gibt es da noch bessere Ideen der Umsetzung. Falls Du das genauso empfindest, kannst Du es für den restlichen Text leicht selbst erkennen. Deshalb versuche ich, es im weiteren text nicht mehr anzumerken. Im nächsten Satz müsste "wären" anstelle von "waren" stehen.
Zitat:Und in den letzten Tagen hatten sie ihre Ersparnisse beinahe vollkommen aufgebraucht.
Mich stört hier "Ersparnisse". Vielleicht besser "Vorräte".
Okay, und nun fällt mir etwas Anderes auf, nämlich Mammut, sesshafte Bewohner und Vorratshaltung, sprich Kornlager. Passt das überhaupt zusammen? Als Mammuts lebten, waren die Menschen nicht sesshaft und kannten schon gar keine Vorratshaltung. Aber Du schreibst Fantasy, und so nehme ich es zur Kenntnis. Icon_smile
Zitat:Das war normalerweise kein großes Problem, denn die Kälte machte auch die Tiere schwach und langsam und somit zu einer leichten Beute.
Hmm, ist es nun normalerweise oder ungewöhnlich? Wenn Tiere vor Kälte schwach werden, ist der Winter schon extrem. Die Folge davon ist doch, wenn sie nicht sterben, dass sie keinen Nachwuchs bekommen - das hat die Natur oft so geregelt, dass in schlechten Jahren kein Nachwuchs zu erwarten ist, und dann wäre es sogar ein großes Problem, sozusagen mit Langzeitwirkung.
Aber ich glaube noch was ganz Anderes: In extrem kalten Gegenden ist die Natur sehr gut angepasst, und erst recht die vorhandene Tierwelt. Meistens kommen die ziemlich gut über den Winter, weil sie darauf spezialisiert sind. Deswegen stört mich das "normalerweise". Die Situation ist eben ungewöhnlich und die Tiere schwach, was sie sonst eigentlich nicht sind.
Zitat:Wenn sie eine Schäferhöhle fanden, reichte das Fleisch eines Bären dem ganzen Dorf für mindestens drei Tage.
Hier erschließt sich mir nicht, was die Schäferhöhle damit zu tun hat, wie lange das Fleisch reicht.
Zitat:Anders als im Sommer wurde das Fleisch der Tiere im Winter nicht so schnell giftig und so konnten sie großzügige Reserven für die härtesten Tage anlegen.
Ich würde hier schreiben:" Im Winter verdarb das Fleisch nicht so schnell ..." Aber insgesamt stimmt es nicht. In einem Land mit soviel Eis, wie es mir hier erscheint, verdirbt die Nahrung über lange Zeit nicht, man kann sie einfach einfrieren.
Zitat:Anders dieses Jahr. Nahrung war rar und die Tiere schienen alle verschwunden zu sein.
"Die Tiere schienen verschwunden zu sein" reicht, zwangsläufig ist die Nahrung dadurch rar.
Zitat:Dazu behaupteten einige noch, ihr Dorf hätte den Zorn der Götter auf sich gezogen.
Das finde ich sehr anonym. Sowohl von den einigen als auch von den Göttern her. Ich würde eine spezifische Personengruppe nennen oder Einzelpersonen MIT ihrer Funktion oder Stellung, um glaubwürdig zu machen, dass diese Aussage gewichtig innerhalb der Gemeinschaft ist und die Menschen verzagen lässt. Das veranschaulicht auch besser, dass alle zwar in einem Boot sitzen, es aber mindestens zwei Lager mit verschiedenen Auffassungen gibt, die einen Konflikt erwarten lassen. Das macht Spannung! Icon_wink Zu den Göttern komme ich weiter unten.
Zitat:„Die Spuren werden frischer“, erklärte Rahin, ein harter Mann mit schmalen Zügen und Schatten eines Bartes auf den Wangen. „Nicht mehr lange und wir haben es eingeholt.“
Kann man das so sagen, "mit schmalen Zügen"? Ist mir nicht geläufig. Ich denke eher an ein schmales Gesicht oder einen schmalen Körper.
Zitat:Krany erkannte die Sehnsucht seiner Gefährten.
Wieso erkannte? Kannte reicht doch eigentlich.
Zitat:Im Vergleich zum Schrecken des Hungers war die Gewalt eines wütenden Mammuts nebensächlich.
Das ist für mich eine Schlüsselaussage, die mir die Verzweiflung und den Konflikt der Menschen total auf den Punkt bringt und mir sehr eindrucksvoll ihre Verfassung demonstriert. Pro
Zitat:Aus der Eiche, der der lange Stiel entsprungen war, waren auch Teile von Rahins Schleuder, mit der er eine bemerkenswerte Zielsicherheit bewies, und sein Schild, mit dem er die Angriffe von wilden Tieren abzuwehren vermochte, entstanden.
Kann ein Stiel einer Eiche entspringen? Das klingt für mich seltsam. Verschachtelte Sätze haben durchaus etwas Positives, aber nicht mit "war" und "waren" hintereinander.
Zitat:Krany hatte bereits häufiger vermutet, dass dem Mann die Eleganz seiner Waffe mindestens ebenso wichtig war, wie ihre Zielstrebigkeit. Bei ihm ging vermutlich beides miteinander einher.
Ich weiß schon, dass er ein Mann ist, spannender wäre, was er sonst noch ist, z.B. ein Fallensteller oder ein Feldarbeiter oder der Waffenschmied oder Hüttenbauer ... Und dann wäre es auch interessant, ob der Speer eine Steinspitze hat und der Schild metallene Beschläge, ob es in Deiner Welt schon Bronze oder Eisen gibt, dann gäbe es auch einen Schmied, ansonsten höchstens einen Waffenhersteller.
Zitat:... wie ihre Zielstrebigkeit.
Hmm, eine Waffe müsste schon ein Eigenleben führen, wenn sie zielstrebig ist, was ja in Fantasy durchaus vorkommt. Aber meinst Du das hier? Sonst eher "Zielgenauigkeit".
Zitat:Krany hatte bereits häufiger vermutet, dass dem Mann die Eleganz seiner Waffe mindestens ebenso wichtig war, wie ihre Zielstrebigkeit. Bei ihm ging vermutlich beides miteinander einher.
"vermutlich" und "vermutet" - unschöne Dopplung.
Zitat:„Bleibt ruhig“, ermahnte Sliray, der vor Rahin die Truppe anführte, und blieb kurz stehen.
Ist Rahin ihm untergeordnet, oder läuft er nur vor ihm? Diese Info ist für dieses Kapitel überflüssig (oder wird das eine Kutzgeschichte?) "Bleibt ruhig", ermahnte Silray, der die Truppe anführte." Das Stehenbleiben spielt keine Rolle. Es unterbricht nur den Handlungsfluss beim Lesen.
Zitat:„Der schwierigste Teil beginnt, wenn wir das Mammut gestellt haben. Es wird nicht von selbst umfallen und wenn ihr es verjagt, werdet ihr es nicht mehr finden. In diesem Fall könnt ihr vielmehr von Glück sprechen, wenn das Tier dabei niemanden über den Haufen rennt. Das viele Fleisch, das euch ernähren soll, könnte euch auch zum Tod gereichen.“ Er schulterte seinen Rucksack und stapfte weiter.
Seine mahnenden Worte erreichten ihr Ziel nicht wirklich.
Und mich auch nicht. Hier habe ich mich zunächst gefragt, ob Krany der einzige ist, der je Mammuts gejagt hat. Ich habe es oben nochmal nachgelesen und komme zu dem Schluss, dass alle schon Erfahrung damit haben, denn ein Einzelner wird das kaum bewerkstelligen können. Daher sind diese Worte des Anführers komplett überflüssig. Die Männer wissen, was auf sie zukommt. Wenn Du sie trotzdem im Text haben willst, dann schreib doch, dass der Anführer es sagt, nur um sich selbst zu beruhigen oder zu ermahnen. Das wäre für mich glaubwürdiger.
Zitat:... und ungewöhnlich lange hatte es gedauert, bis Stir erneut schwanger wurde – so lange, dass Krany nicht wusste, ob er hoffen oder bangen sollte.
Frauen zur Zeit der Jäger und Sammler wurden nur alle vier Jahre schwanger ( Ausnahmen anzunehmen). Sie stillten ihre Kinder drei Jahre lang, was sie vor erneuter Schwangerschaft bewahrte (schöne Einrichtung der Natur, die leider heute nicht mehr funktioniert).
Zitat:Denn wie sollten sie dereinst überleben, ohne Kinder, die sie versorgten? Doch gleichzeitig war es nicht immer der Tod im Alter, den er fürchtete.
Hier möchte ich etwas Grundsätzliches anmerken, was in Deiner Welt aber natürlich völlig anders sein kann: In sogenannten Wildbeutergesellschaften und am Anfang der Sesshaftigkeit gab es keine "Vater-Mutter-Kind-Konstellationen" und keine Ehen im heutigen Sinn. Die Frauen suchten sich ihre Sexualpartner, die Kinder wurden von der gesamten Dorfgemeinschaft aufgezogen und niemand wusste so genau, wer die Väter waren. Das war auch völlig unwichtig, denn alle erfüllten ihre Aufgaben für alle. So wurden auch die Alten von allen versorgt, unabhängig davon, wieviele Kinder eine Frau bekommen hatte. Das änderte sich erst im Laufe von Jahrhunderten, als Besitz wichtig wurde - die Männer fingen an, Vieh, Land und schließlich auch Frauen zu besitzen. Die Folge davon war die Institution der Ehe. Ich erwähne dies, weil Mammuts den Anschein erwecken, als seien die Menschen in Deiner Welt noch in der Steinzeit verhaftet.
Zitat:Doch sie waren nicht allein.
Hier würde ich vielleicht schreiben: "Sie ermutigten sich gegenseitig." Das klingt sonst so, als wenn sie nicht allein wären, weil sie ja Krany haben, aber ich glaube nicht, dass Du das hier so meintest.
Zitat:Während die Angst sie zuvor geschwächt und entmutigt hatte, gab sie ihnen nun, da sie ihr gemeinsam trotzten, Kraft und Tapferkeit.
Die Angst gibt ihnen Kraft und Tapferkeit? Doch eher die Gemeinschaft.
Zitat:Das hoffte Krany zumindest.
„Das gefällt mir nicht.“
Er blickte auf. Neben ihm lief Rej, den er zuvor auf Jury, den Jüngsten, hinter ihnen hatte einreden hören. In Rejs lange Haare mischten sich graue Strähnen und seine Augen lagen tief in den Schatten.
Verwirrung, wer da spricht und aufblickt. Es wird danach schon klar, aber ich bin hier gestolpert. Wer ist Rej? Der Name allein ist nichtssagend. Jury ist überflüssig, er taucht ja nicht mehr wesentlich auf in diesem Kapitel.
Zitat:„Wir ziehen den Zorn der Götter auf uns.“
„Irgendwie müssen wir doch Essen beschaffen“, entgegnete Krany. „Was kann den Göttern daran nicht gefallen?“
„Ich habe gehört, was ich gehört habe. Sie grollen uns. Das Land spaltet sich und wir sollten uns unter ihrer Wut ducken. Was tun wir stattdessen? Wir ziehen geradlinig dorthin, wo der Donner herkommt.“
"Die Götter" ist mir zu allgemein. Nachdem ich mich für meine eigene Geschichte intensiv mit Gesellschaften und ihrer Götterwelt auseinandersetzen musste, glaube ich nicht, dass die Leute so allgemein einfach nur von Göttern gedacht oder gesprochen haben. Sie hatten Namen für diese Götter. Und zwar sehr Vielseitige, die die Eigenschaften der Götter augedrückt haben. Nenn' sie Götter des Donners oder die Allmächtigen, oder des Unheils oder mit irgendeiner Eigenschaft. Das lässt mich stärker die gesellschaftliche Beziehung und den Glauben spüren, den die Menschen damals kollektiv besaßen.
Zitat:Die Zeit verlor sich in der Routine und während er erst mit dem linken Bein, dann mit dem rechten Bein, erst mit dem linken, dann mit dem rechten, mit dem linken, dem rechten, links, rechts, links voranschritt, stoppte der Trupp auf einmal.
Ich finde es gut, dass Du hier versuchst, die Routine fassbar zu machen, aber dann stoppte der Trupp auf einmal, und das geht mir viel zu schnell. Lass' mir ein wenig Zeit, diese langweilige Routine zu spüren. Und dann noch ne Frage: Eigentlich ist doch die Mammutjagd so gefährlich und verursacht eine solche Spannung in den Köpfen der Jäger - wie kann er da an langweilige Routine denken? Als irgendwie passt das für mich hier nicht hin.
Zitat: Auf der anderen Seite wuchs eine einsame Fichte in verdrehtem Wuchs der kalten Sonne entgegen.
"verdrehter Wuchs" ist super, doch hier ist "wuchs" zweimal.
Zitat:„Du kletterst den Hügel rauf und berichtest uns danach, was du gesehen hast. Der Rest wartet hier.“
Wann sonst? Der Satz gefällt mir nicht. Vielleicht eher: "Erkunde die Lage hinter dem Hügel, wir warten hier."
Zitat:Langsam zog er sich in der Hocke am Gebüsch zur Spitze des Hügels hoch.
Hmm, ich würde hier vielleicht "gebückt" anstelle von "in der Hocke" schreiben, das macht mir lustige Assoziationen.
Zitat:Der leichte Schneefall erschwerte glücklicherweise nicht die Sicht und so bot sich ihm ein Anblick, der ihn für kurze Zeit Hunger, Kälte und Angst vergessen ließ.
Das glaube ich nicht.
Zitat:Über die verschneite Wiese stapfte, in gleichmütiger Gewaltigkeit und etwa drei Speerwürfe entfernt, das Mammut.
"stapfte" klingt so verspielt.
Zitat:Doch sie hatten keine Wahl.
Der Satz gefällt mir eigentlich generell in Texten nicht, denn meistens ist die Situation schon so eindringlich geschildert, dass man es nicht nochmal unterstreichen muss. Außerdem stimmt es nicht: Sie haben eine Wahl. Das Mammut hat sie noch nicht entdeckt und greift sie nicht an. Sie können sich also noch was Anderes ausdenken, um es zu fangen, z.B. eine Falle an einem Abhang, an dem es dann hinabstürzt, oder sonst was. Sie können sich auch für den Hunger entscheiden. Oder unter dem Eis fischen oder Robben fangen.
Zitat:Auch wenn dieser nicht besonders steil war, wollte er nicht riskieren, sich jetzt, so kurz vor dem Ziel, noch zu verletzen.
Das passt hier nicht hin. Er ist nicht kurz vor dem Ziel. Das Ziel ist, ein Mammut zu erlegen.
Zitat:Er wollte sich bereits umdrehen und seinen Gefährten Bericht erstatten, als ihm auf einmal ein Schauer den Rücken hinunterstrich.
Etwas war falsch.
Er konnte es nicht näher benennen, doch ein Gefühl wie von Stein, der über Stein fährt, grub sich in seine Schulterblätter und ließ ihn starr werden vor Angst. Einen Moment lang fühlte er sich wie ein Bildnis aus Eis, ein Teil der Landschaft und er verspürte Ehrfurcht. Ehrfurcht vor den gewaltigen Ausmaßen der Natur, der er trotzen wollte. Er verspürte das Bedürfnis, sich in diesen Ausmaßen zu verstecken, sich zusammenzukrümmen wie ein kleines Kind und hier liegenzubleiben, bis er schließlich dem Tod anheimfiel.
Dann schüttelte er sich und drehte sich um.
Du malst hier ein seltsames Bild von Deinem Prota. Warum hatte er diese Empfindungen nicht schon bei den anderen Mammuts, die er bereits erlegt hat? Naturvölker haben generell Ehrfurcht vor den Tieren, die sie erlegen, und sie sehen das als ein Geschenk der Natur. Wenn Du Deinen Prota so darstellen willst, dann solltest Du ihn vielleicht anders in das Kapitel einbringen, mit Eigenschaften, die diese Diskrepanz schon früh andeuten - hier an dieser Stelle wirkt es überraschend und fehl am Platz. Bisher wirkte er doch eher rational und vernünftig, vielleicht etwas zu vorsichtig, aber jetzt habe ich das Gefühl, überhaupt keinen Jäger vor mir zu haben.
Zitat: „Ich würde vorschlagen, wir nähern uns über die Schneewehen“, ergänzte er schließlich. „Je länger das Mammut uns nicht bemerkt, desto besser für uns.“

Nun wagten sie alle sich über die Eiskante.
Wenn sie sich über die Schneewehen nähern, müssen sie doch garnicht über den Hügel? Und wieso ist da plötzlich eine Eiskante?

Zitat:Sliray nickte. „Wir dürfen keine Zeit verlieren. Los!“
Diesen Satz sagen in Actionfilmen immer Diejenigen, die dann die anderen vorschicken. Ich würde aus Sliray wirklich einen Führer machen, der sein Ziel im Auge hat: "Kommt, folgt mir!" Macht ihn auch gleich viel sympathischer. Icon_wink
Zitat:Du kannst es dir nicht leisten zu zögern.
Komma hinter "leisten"
Zitat:Doch er sah in den Blicken anderen dieselbe Furcht, die auch er selbst verspürte.
"der" vor "Anderen"
Zitat:Manchmal half die Gemeinschaft nichts. Manchmal machte das Wissen, dass der Gegenüber ebenso fühlte wie man selbst, alles nur schlimmer.
Interessanter Gedanke. Und schön unkonventionell.
Aber entweder "Der gegenüber" oder "das Gegenüber". Icon_smile
Zitat:Ich bin wahrlich der Anführer der Verzweiflung. Wie können die Götter einem so armseligen Trupp nur zürnen?

Der ist gut! Icon_ugly
Zitat:Was auch immer kommen mochte, das Schlimmste war Vergangenheit.
Aus irgendeinem Grund denkt er hier so, aber es erschließt sich mir nicht, warum, denn ich kenne seine Erfahrung ja überhaupt nicht. Hier könntest Du Deinem Prota ein stärkeres Profil geben und ihn für mich greifbarer machen.
Zitat:Schmerz bedeutete Leben und Leben bedeutete Überleben. Und selbst der Tod war Erlösung.
Erlösung von was? Da umgibt ihn ein Geheimnis, das mir als Leser aber verborgen bleibt. Eine Andeutung darüber würde für mich die Spannung erheblich steigern. Weil ich dann als Leser die Bestätigung bekomme, richtig gedacht zu haben, und das motiviert ungemein.
Zitat:Doch je weiter sie kamen, desto stärker wurde auch der Widerwille in Krany und der Drang anzuhalten und umzukehren. Als er schließlich übermächtig zu werden drohte, schlug etwas um. Das unbestimmte Gefühl, das vorhin in seine Schulterblätter gestochen hatte, durchbohrte ihn plötzlich wie ein Speer und für einen Moment blieb er stocksteif stehen. Das Blut pochte ihm in den Schläfen und kurz fürchtete er zusammenzubrechen. Sein leerer Magen rebellierte.
Auch hier wird nicht ersichtlich, warum. Ist es die Ehrfurcht vor der Natur, die ihn hier fertig macht? Ist es einer seiner Götter, die ihn behindern? Ich kann hier nur Rätselraten und werde auf die richtige Lösung nicht kommen. Mich stört in Deinen Sätzen oft das "kurz". Warum nicht einfach:"Er fürchtete, zusammenzubrechen."
Zitat:„Was habt ihr getan?“
Das wüsste ich an dieser Stelle auch gern. Und vor Allem, was hat er getan? Er hatte einen totalen Blackout und war damit unfähig, zu handeln. Und dafür macht er die Anderen an? Ist da was passiert, dass die Kameraden nicht handelten? Diese ganze Szene erschließt sich mir nicht, scheinbar war der Hunger doch nicht groß genug, und alle hatten die Hose voll. Ich habe ja Fantasie, und deshalb frage ich Dich jetzt mal, ob das Mammut selbst vielleicht sowas wie einen göttlichen Schutzmechanismus besitzt. Aber okay, wahrscheinlich ist das ein Holzweg, denn das Folgende würde die Götter echt arm aussehen lassen, wenn ein Drache ihren Schutzmechanismus so einfach platt machen kann.
Zitat:Als er nach oben schaute, sah er, was er nicht hatte fühlen wollen.
Der Satz ist super!
Zitat:Er hing an einer leicht aus dem dichten Geflecht ragenden Schuppe.
Welches Geflecht? Und "leicht" würde ich streichen. Da kommt ein Drache zum Vorschein. Vielleicht "kaum sichtbaren, ..."
Zitat:Fassungslos beobachtete er, wie langsam Leben in den Körper vor ihm zurückkehrte. Tiefe Schwingungen dröhnten in seinen Ohren und er schluckte Schnee, als das Tier sich aufrichtete.
Insgesamt eine schöne Wendung der Story.
Zitat:Kleine stämmige Beine – die dennoch größer waren als Krany selbst – trugen einen breiten Brustkorb, der sich dahinter schnell zu einem langen, dornenbesetzten Schwanz verjüngte.
O-o-okay, also das Vieh besitzt einen Brustkorb, an dem sich ein Schwanz anschließt? Doch kein Drache? Ein Wesen, dass ich nicht kenne, ohne Bauch und Rücken? Auf kleinen Beinen?
Ich glaube dennoch, Du meinst einen Drachen, und ja, die Beschreibung ist etwas dürftig.
Zitat:Ein träger Flatterer beförderte das Tier nach vorn.
Flatterer passt für mich nicht, das klingt nach 'ner Drossel oder Ente.
Zitat:Auf eine Weise, wie er nicht ein Kaninchen, sondern eine Maus zertreten würde.
Und wenn das Mammut eine Maus ist, was bin ich dann?
Sehr schönes Bild!
Zitat:Das Verlangen kehrte zurück, den Schnee als Decke zu nutzen und sich unter ihm zu verkriechen, bis sein Körper zusammenschmolz wie Eis überm Feuer.
Wohl kaum. Eher wird er da steif wie ein Eisbein. Icon_lol
Zitat:Dass dieses Tier der Grund für all ihre Ängste war, daran zweifelte er nicht mehr. Er beobachtete, wie es das Mammut liegen ließ und umdrehte. Die Farbe der Schuppen wurde geringfügig heller, als das Wesen sich ihm näherte. Er spürte, wie sich eine Spannung aufbaute und Krany wusste, dass er nun sterben würde. Sein letzter Gedanken galt nicht Stir und nicht Armeyda. Er galt weder seinen Gefährten noch seinem Dorf. Er verspürte nicht einmal mehr Angst oder Hunger. Er fror nicht. Er sah nur in Ehrfurcht auf zu diesem Geschöpf von einer Gewaltigkeit wie sie allenfalls die Götter besitzen mochte. Ein tiefes Grollen verschaffte sich seinen Weg aus dem Maul des Tieres, als es über ihn hinwegflog. Kurz blickten die riesigen Augen auf Krany herab, dann verschlang ihn eisiges Feuer.
Nach "Gewichtigkeit" ein Komma. "n" an "mochte".
Icon_panikWarum sollte dieses Tier der Grund für ihre Ängste gewesen sein? Ich weiß zwar, was du meinst, aber so steht es nicht im Text. Die Anderen haben ganz klar Angst vor der Mammutjagd, bis auf einen, der vor den Göttern Angst hat - Du hast geschrieben, dass die Anderen nicht auf Rej hörten.
Ich denke, dies ist tatsächlich eine Kurzgeschichte, da Dein Prota hier stirbt.
Trotz aller Kritik finde ich die Story hinter deinem Text gut, Pro aber die Umsetzung ist für mich nicht überzeugend. Dein Prota ist mir zu farblos und in sich ambivalent, über die Kameraden erfährt man fast nichts, und die Gründe, dass für Krany etwas an ihrem Handeln nicht stimmt, sind mir zu vage. Ich würde mir wünschen, dass Du den Charakter von Krany schärfer zeichnest und die wichtigsten Aussagen in Deiner Geschichte stärker herausarbeitest. Vor dem Höhepunkt kommt die Wende in der Story, aber die Wendung übertrifft für mich in der Spannung den Höhepunkt.
Lieber rex, sorry, dass mich das nicht überzeugt, aber es ist meine absolut subjektive Meinung, der Du Dich nicht anschließen musst.

Ganz liebe Grüße von slainte music


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Beitrag #3 |

RE: Die Fährte des Hungers
Huhu.
ich versuch mich auch mal mit Kommentieren.

ich musste, als ich den Anfang deiner Geschichte gelesen habe gleich an Ayla denken. Vielleicht kennst du die Reihe von M.Auel. Die spielt in der Jungsteinzeit.

Die fachlichen Fehler hat mein Vorkommentator schon akribisch aufgelistet.

Die Not der Männer kommt gut rüber. Und als der Prota auf dem Hügel innehielt, hatte ich gleich das Gefühl, dass das nichts mit dem Anblick oder dem Mamut zu tun hatte.
So ein "Irgendwas ist hier falsch, aber ich komme nicht drauf" und so ein ziepen der Sinne.


Ansonsten finde ich es noch nett, dass beim Halt der Anführer plötzlich seinen Rucksack schultert. Hatte er den abgenommen?


Mach weiter so, ich bin gespannt ob sie überleben


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Beitrag #4 |

RE: Die Fährte des Hungers
Hi slainte,

vielen Dank erstmal für deinen sehr ausführlichen Kommentar. Ich fange zunächst mal mit deinen inhaltlichen Anmerkungen an.

@Zeit:

Ganz offen: damit habe ich noch ein Problem. An sich ist mir schon recht klar, wo ich das alles einordnen will - die Mammuts gibt's nur im Norden und auch dort sterben sie ungefähr zur selben Zeit wie die Drachen aus -, doch die genauen Umstände muss ich noch planen. Dazu gehört zum Einen so etwas wie das Kornlager (was im Übrigen in diesem Fall wenig mehr als ein Raum voller Getreide ist), zum Anderen auch so etwas wie das Mann/Frau-Verhältnis. Ich versuche, mich dem über Geschichten anzunähern und nehme mir auch einige Geschichtsbücher vor, um daraus auch etwas zu lernen. Das hier war meine erste Geschichte zum hohen Norden und dass ich am Anfang kein wirklich klares Bild vor Augen hatte, konnte die Überarbeitung wohl auch nicht raushauen. Das ist wohl auch einer von mehreren Gründen für die Unausgeglichenheit des Texts.
Grundsätzlich aber soll die Geschichte zu einer Zeit spielen, in der die Welt kurz vor der ersten großen Invasion steht. Die Völker im hohen Norden sind nur noch nicht so weit entwickelt, durch geographische Umstände. Und dieses eine Dorf im Speziellen ist wohl tatsächlich noch fast auf dem Jäger/Sammler-Stand.

@Götter:

An sich siehe oben. Allgemein habe ich da nur das Bild vor Augen gehabt, dass sie sich die Landschaft, die sich weiter in den Norden zieht als so unwirtlich vorstellen, dass dort nur Götter leben. Diese zürnen ihnen nun und verjagen die Tiere.

Zitat:Du malst hier ein seltsames Bild von Deinem Prota. Warum hatte er diese Empfindungen nicht schon bei den anderen Mammuts, die er bereits erlegt hat? Naturvölker haben generell Ehrfurcht vor den Tieren, die sie erlegen, und sie sehen das als ein Geschenk der Natur. Wenn Du Deinen Prota so darstellen willst, dann solltest Du ihn vielleicht anders in das Kapitel einbringen, mit Eigenschaften, die diese Diskrepanz schon früh andeuten - hier an dieser Stelle wirkt es überraschend und fehl am Platz. Bisher wirkte er doch eher rational und vernünftig, vielleicht etwas zu vorsichtig, aber jetzt habe ich das Gefühl, überhaupt keinen Jäger vor mir zu haben.

Nee, da bist du auf dem falschen Weg. Icon_wink Dieses Gefühl geht vom Drachen aus, der durch seine Natur allein durch Anwesenheit etwas mit den Menschen bewirkt. Das mag jetzt vage klingen, aber (im Gegensatz zu Anderem) habe ich das im Kopf bereits ziemlich genau ausformuliert. Icon_wink
Aber dass man das mit dem Mammut in Verbindung setzen könnte, daran hab ich überhaupt nicht gedacht. Icon_slash

Zitat:Das wüsste ich an dieser Stelle auch gern. Und vor Allem, was hat er getan? Er hatte einen totalen Blackout und war damit unfähig, zu handeln. Und dafür macht er die Anderen an? Ist da was passiert, dass die Kameraden nicht handelten? Diese ganze Szene erschließt sich mir nicht, scheinbar war der Hunger doch nicht groß genug, und alle hatten die Hose voll. Ich habe ja Fantasie, und deshalb frage ich Dich jetzt mal, ob das Mammut selbst vielleicht sowas wie einen göttlichen Schutzmechanismus besitzt. Aber okay, wahrscheinlich ist das ein Holzweg, denn das Folgende würde die Götter echt arm aussehen lassen, wenn ein Drache ihren Schutzmechanismus so einfach platt machen kann.

An sich siehe oben. Dass er da so stinkig reagiert, liegt daran, dass er gerade selber kaum denken kann.

Zitat:
Zitat:Was auch immer kommen mochte, das Schlimmste war Vergangenheit.

Aus irgendeinem Grund denkt er hier so, aber es erschließt sich mir nicht, warum, denn ich kenne seine Erfahrung ja überhaupt nicht. Hier könntest Du Deinem Prota ein stärkeres Profil geben und ihn für mich greifbarer machen.

Das war ja auch ein größerer Kritikpunkt deinerseits. Ich habe hier ein bisschen, das Problem, wie ausführlich ich hierzu in einer Kurzgeschichte werden will. Aber ich werde mich bemühen, mehr Hintergrund einzubauen.

Zitat:
Zitat:Schmerz bedeutete Leben und Leben bedeutete Überleben. Und selbst der Tod war Erlösung.

Erlösung von was? Da umgibt ihn ein Geheimnis, das mir als Leser aber verborgen bleibt. Eine Andeutung darüber würde für mich die Spannung erheblich steigern. Weil ich dann als Leser die Bestätigung bekomme, richtig gedacht zu haben, und das motiviert ungemein.

Erlösung vom Schmerz und Hunger. Das ist unglücklich formuliert. Icon_slash

Zum Sprachlichen: ich werde hier, wenn's recht ist, nicht auf jede Anmerkung im Einzelnen eingehen, sondern nur auf diejenigen, bei denen ich etwas zu sagen habe. Sei jedoch versichert, dass ich mir alles sehr genau durchgelesen habe.

Zitat:Mir sind in den Sätzen bei Weitem zu viele "waren" oder "hatten". Das macht für mich einen Text langweilig.

Sehe ich ein. Werde ich bei der Überarbeitung drauf achten.

Zitat:
Zitat:Und in den letzten Tagen hatten sie ihre Ersparnisse beinahe vollkommen aufgebraucht.
Mich stört hier "Ersparnisse". Vielleicht besser "Vorräte".

Zitat:Hier erschließt sich mir nicht, was die Schäferhöhle damit zu tun hat, wie lange das Fleisch reicht.

Da fehlt ein "l". Smiley_emoticons_blush Und eine Schläferhöhle ist eine Höhle, in die sich ein Bär zum Winterschlaf zurückzieht.

Zitat:
Zitat:„Die Spuren werden frischer“, erklärte Rahin, ein harter Mann mit schmalen Zügen und Schatten eines Bartes auf den Wangen. „Nicht mehr lange und wir haben es eingeholt.“
Kann man das so sagen, "mit schmalen Zügen"? Ist mir nicht geläufig. Ich denke eher an ein schmales Gesicht oder einen schmalen Körper.

Ich dachte schon, dass man das sagen könnte. Ich meine, ob es jetzt ein schmales Gesicht ist oder schmale Gesichtszüge sind, ist ja auch egal eigentlich.

Zitat:
Zitat:Im Vergleich zum Schrecken des Hungers war die Gewalt eines wütenden Mammuts nebensächlich.
Das ist für mich eine Schlüsselaussage, die mir die Verzweiflung und den Konflikt der Menschen total auf den Punkt bringt und mir sehr eindrucksvoll ihre Verfassung demonstriert. :Pro:

Damit auch dafür Platz ist: Danke. Icon_smile

Zitat:
Zitat:„Der schwierigste Teil beginnt, wenn wir das Mammut gestellt haben. Es wird nicht von selbst umfallen und wenn ihr es verjagt, werdet ihr es nicht mehr finden. In diesem Fall könnt ihr vielmehr von Glück sprechen, wenn das Tier dabei niemanden über den Haufen rennt. Das viele Fleisch, das euch ernähren soll, könnte euch auch zum Tod gereichen.“ Er schulterte seinen Rucksack und stapfte weiter.
Seine mahnenden Worte erreichten ihr Ziel nicht wirklich.

Und mich auch nicht. Hier habe ich mich zunächst gefragt, ob Krany der einzige ist, der je Mammuts gejagt hat. Ich habe es oben nochmal nachgelesen und komme zu dem Schluss, dass alle schon Erfahrung damit haben, denn ein Einzelner wird das kaum bewerkstelligen können. Daher sind diese Worte des Anführers komplett überflüssig. Die Männer wissen, was auf sie zukommt. Wenn Du sie trotzdem im Text haben willst, dann schreib doch, dass der Anführer es sagt, nur um sich selbst zu beruhigen oder zu ermahnen. Das wäre für mich glaubwürdiger.

Hier geht es ihm mehr darum, ihnen das nochmal ins Gedächtnis zu rufen. Das, denke ich, ist etwas, was durchaus auch erfahrene Jäger gebrauchen können.

Zitat:
Zitat:Doch sie waren nicht allein.

Hier würde ich vielleicht schreiben: "Sie ermutigten sich gegenseitig." Das klingt sonst so, als wenn sie nicht allein wären, weil sie ja Krany haben, aber ich glaube nicht, dass Du das hier so meintest.

Du hast recht. Hmm, dein Vorschlag passt mMn nicht ganz, aber ich werd's mir überlegen. Icon_smile

Zitat:
Zitat:Während die Angst sie zuvor geschwächt und entmutigt hatte, gab sie ihnen nun, da sie ihr gemeinsam trotzten, Kraft und Tapferkeit.

Die Angst gibt ihnen Kraft und Tapferkeit? Doch eher die Gemeinschaft.

Nee, da meinte ich schon die Angst. Allein wurden sie von ihren Sorgen um die Familien etc. niedergedrückt, aber nun, da sie zusammenarbeiten - da ist die Gemeinschaft Icon_wink -, werden sie durch diese Sorgen motiviert, die Gefahr auf sich zu nehmen, um ihre Familien zu retten. Muss ich vielleicht ein bisschen klarer herausstellen.

Zitat:
Zitat:Das hoffte Krany zumindest.
„Das gefällt mir nicht.“
Er blickte auf. Neben ihm lief Rej, den er zuvor auf Jury, den Jüngsten, hinter ihnen hatte einreden hören. In Rejs lange Haare mischten sich graue Strähnen und seine Augen lagen tief in den Schatten.

Verwirrung, wer da spricht und aufblickt. Es wird danach schon klar, aber ich bin hier gestolpert. Wer ist Rej? Der Name allein ist nichtssagend. Jury ist überflüssig, er taucht ja nicht mehr wesentlich auf in diesem Kapitel.

Okay, ich lasse Jury weg.

Zitat:
Zitat:Die Zeit verlor sich in der Routine und während er erst mit dem linken Bein, dann mit dem rechten Bein, erst mit dem linken, dann mit dem rechten, mit dem linken, dem rechten, links, rechts, links voranschritt, stoppte der Trupp auf einmal.

Ich finde es gut, dass Du hier versuchst, die Routine fassbar zu machen, aber dann stoppte der Trupp auf einmal, und das geht mir viel zu schnell. Lass' mir ein wenig Zeit, diese langweilige Routine zu spüren. Und dann noch ne Frage: Eigentlich ist doch die Mammutjagd so gefährlich und verursacht eine solche Spannung in den Köpfen der Jäger - wie kann er da an langweilige Routine denken? Als irgendwie passt das für mich hier nicht hin.

Auch eine solche Spannung wird, wenn sie den ganzen Tag über anhält, irgendwann zur Routine. Aber das wirkt da tatsächlich zu normal, das stimmt.

Zitat:
Zitat:Auf der anderen Seite wuchs eine einsame Fichte in verdrehtem Wuchs der kalten Sonne entgegen.

"verdrehter Wuchs" ist super, doch hier ist "wuchs" zweimal.

Smiley_emoticons_blush

Zitat:
Zitat:„Ich würde vorschlagen, wir nähern uns über die Schneewehen“, ergänzte er schließlich. „Je länger das Mammut uns nicht bemerkt, desto besser für uns.“

Nun wagten sie alle sich über die Eiskante.

Wenn sie sich über die Schneewehen nähern, müssen sie doch garnicht über den Hügel? Und wieso ist da plötzlich eine Eiskante?
[/quote]

Wieso sollten sie nicht? Das Mammut wird sie nicht bemerken und es ist der kürzeste Weg. Aber ich schau mal, ob ich die Umgebung nicht noch etwas detaillierter beschreibe.

Zitat:
Zitat:Der leichte Schneefall erschwerte glücklicherweise nicht die Sicht und so bot sich ihm ein Anblick, der ihn für kurze Zeit Hunger, Kälte und Angst vergessen ließ.

Das glaube ich nicht.

Vielleicht eher: "... der ihn kurz innehalten ließ"



Zitat:
Zitat:Sliray nickte. „Wir dürfen keine Zeit verlieren. Los!“

Diesen Satz sagen in Actionfilmen immer Diejenigen, die dann die anderen vorschicken. Ich würde aus Sliray wirklich einen Führer machen, der sein Ziel im Auge hat: "Kommt, folgt mir!" Macht ihn auch gleich viel sympathischer.

Guter Vorschlag! Danke.

Zitat:
Zitat:Du kannst es dir nicht leisten zu zögern.

Komma hinter "leisten"

Nein, vor eine Infinitivkonstruktion gehört nicht zwingend ein Komma.

Zitat:
Zitat:Er hing an einer leicht aus dem dichten Geflecht ragenden Schuppe.

Welches Geflecht? Und "leicht" würde ich streichen. Da kommt ein Drache zum Vorschein. Vielleicht "kaum sichtbaren, ..."

Kann man nicht "Schuppengeflecht" sagen? Hm, muss ich mir was überlegen ...

Zitat:O-o-okay, also das Vieh besitzt einen Brustkorb, an dem sich ein Schwanz anschließt? Doch kein Drache? Ein Wesen, dass ich nicht kenne, ohne Bauch und Rücken? Auf kleinen Beinen?
Ich glaube dennoch, Du meinst einen Drachen, und ja, die Beschreibung ist etwas dürftig.

*hust* Icon_ugly Doh

Zitat:
Zitat:Ein träger Flatterer beförderte das Tier nach vorn.

Flatterer passt für mich nicht, das klingt nach 'ner Drossel oder Ente.

Doch, das ist durchaus so beabsichtigt. Tut mir leid, das will ich drinlassen. Icon_wink

Zitat:Warum sollte dieses Tier der Grund für ihre Ängste gewesen sein?

Damit meine ich die Hungersnot etc. Aber ich glaube, ich nehme das raus, denn dass Krany in diesen Sekunden so rational denkt, ist irgendwie unrealistisch.

Zitat:Trotz aller Kritik finde ich die Story hinter deinem Text gut

Das ist zumindest die Basis. Icon_wink

Zitat:Lieber rex, sorry, dass mich das nicht überzeugt, aber es ist meine absolut subjektive Meinung, der Du Dich nicht anschließen musst.

Du hast klargemacht, woran das liegt, und ich stimme mit dir überein. Wie gesagt, ich denke, das größte Problem war, dass sich das Drumherum erst herausgebildet hat, während ich bereits am Schreiben war. In der Überarbeitung habe ich selbst irgendwann nichts mehr gesehen und ich danke dir nochmal dafür, slainte, den Text hier seziert zu haben. Damit hast du mir nicht nur für die Geschichte, sondern mit deinen inhaltlichen Anmerkungen auch für die weitere Planung geholfen.

Mir ist aufgefallen, dass du dich mit dieser Zeit bemerkenswert gut auskennst. Darf man fragen, woher das kommt?

LG,
rex

Hallo Cathlyn und willkommen bei Literatopia! Schön, dass du dich gleich beteiligst. Icon_smile

Zitat:Und als der Prota auf dem Hügel innehielt, hatte ich gleich das Gefühl, dass das nichts mit dem Anblick oder dem Mamut zu tun hatte.
So ein "Irgendwas ist hier falsch, aber ich komme nicht drauf" und so ein ziepen der Sinne.

Das ist gut. Icon_smile

Zitat:Ansonsten finde ich es noch nett, dass beim Halt der Anführer plötzlich seinen Rucksack schultert. Hatte er den abgenommen?

Ne, der ist im nur ein bisschen runtergerutscht und er zieht ihn wieder nach oben. Icon_wink Das meinte ich damit.

Danke für deinen Kommentar. Icon_smile

LG,
rex

"Für den Freund der Aufhellung behalten Wort und Begriff des >Volkes< selbst immer etwas Archaisch-Apprehensives und er weiß, dass man die Menge nur als >Volk> anzureden braucht, wenn man sie zum Rückständig-Bösen verleiten will. Was ist vor unseren Augen, oder auch nicht just vor unseren Augen nicht alles geschehen, was im Namen Gottes, oder der Menschheit, oder des Rechtes nicht wohl hätte geschehen können!"
Thomas Mann, Doctor Faustus (1947)

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Beitrag #5 |

RE: Die Fährte des Hungers
hi rex,
das verstehe ich jetzt wirklich nicht, hier muss es ein Kommentarefressendes Monster geben.
Ich habe auf Deinen Kommentar eine Antwort geschrieben, und er stand auch drin - in meinem Browser war er jedenfalls zu sehen, und zwar bestimmt zwei Tage lang. Und jetzt ist er weg?
Was passiert hier? Oder schlimmer noch - auf meinem Rechner?
Ich bin mir sicher, mein PC ist clean.

Nun denn, ich bin gespannt auf Deine Überarbeitung. Ein erneuter Kommi ist Dir jetzt schon sicher Icon_smile
Liebe Grüße, slainte music


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Beitrag #6 |

RE: Die Fährte des Hungers
Zitat:Mir ist aufgefallen, dass du dich mit dieser Zeit bemerkenswert gut auskennst. Darf man fragen, woher das kommt?

Hi rex, das wollte ich noch beatworten.
Mich interessiert die älteste Geschichte der Menschen ungemein, wie übrigens auch die des Universums - den Forschern fehlen noch 130000 Jahre bis zum Urknall, das wird noch spannend. Ich hoffe, ich erlebe die Enthüllungen noch, die da kommen werden Icon_smile

Über die Wildbeutergesellschaften und steinzeitliche Gesellschaften habe ich geforscht, weil ich wissen wollte, ab wann Frauen eigentlich unterdrückt wurden. Nein, ich bin keine Feministin, ganz und gar nicht! Es muss ungefähr zu dem Zeitpunkt passiert sein, als die Menschen anfingen, Tiere zu züchten und zum ersten Mal begriffen, dass der Mann einen erheblichen Anteil an der Zeugung eines Menschen hat. Mir war garnicht bewusst, dass es den Menschen früher nicht klar war, wie Babies entstehen. Doch dadurch wurde diese Entwicklung wohl in Gang gesetzt: Es entwickelte sich Eigentum und Besitz mit der Sesshaftigkeit, und damit Konkurrenz, wer hat das bessere Vieh, die größere Hütte, die schönere Frau. Das ist jetzt sehr grob von mir beschrieben, aber ich denke, Du verstehst, was ich meine.
Ja, ich habe viel über diese Zeiten gelernt. Es ist einfach nur spannend. Und einiges brauche ich für meine Geschichte, auch, wenn die erst ein paar Jahrtausende später spielt.

Liebe Grüße von slainte music


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Beitrag #7 |

RE: Die Fährte des Hungers
Hallo Weltenwanderer, 

Habe gerade gelernt: Lies immer bis ganz zum Schluss  Mrgreen Ich habe mich nämlich zuerst gewundert, warum du deine Geschichte in Fantasy gepostet hast, denn für mich hat sich der Anfang gelesen, wie eine Jagdszene von Neandertalern (wäre nicht minder spannend gewesen!).
Aber eigentlich kenne ich dich und deine Werke ja lange genug, um es besser wissen zu müssen.  Icon_cuinlove

Mit diesem Ende hätte ich jetzt überhaupt nicht gerechnet und ich habe aufmerksam gelesen.  Icon_smile Eigentlich schade, denn ich hätte dem Protagonisten schon eine Rückkehr zu seiner Familie gegönnt.

Zitat:Wie sollen wir uns vor einem Geschöpf verstecken, das den Zorn der Götter in sich trägt?
Tolles sprachliches Bild  Pro

Ich liebe es ja, wenn jemand auf hohem sprachlichem Niveau agiert und dir ist das eindeutig gelungen. Ohne viel Pathos hast du eine wunderschöne und spannende Szene beschrieben. 

Liebe Grüße Persephone

Den Stil verbessern, das heißt den Gedanken verbessern

(Friedrich Nitzsche)



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