Es ist: 09-12-2022, 17:55
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5 Wörter Teil 35 (abgeschlossen)
Beitrag #1 |

5 Wörter Teil 35 (abgeschlossen)
Hallo.

Nachdem ich da irgendwie irgendetwas übersehen habe, ist es nun allerhöchste Zeit für den nächsten Teil der 5 Wörter. Die Regeln dürften ja inzwischen bekannt sein, es gibt also fünf vorgegebene Wörter, die in einem Text untergebracht werden müssen.

Für den Teil 35 sind das also:

  • Dämmerung
  • Gesang
  • zernagt
  • hoffnungsstarr
  • wachsen


Zeit habt ihr bis zum 27.04.2014, 24.00 Uhr. Ich hoffe, die Wörter geben euch ein wenig Inspiration und freue mich über rege Teilnahme. Viel Spaß Icon_smile

Viele Grüße,
Eselfine


We are all accidents
Waiting
Waiting to happen
Radiohead, "There There"

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Beitrag #2 |

RE: 5 Wörter Teil 35
Heyho, ich versuchs denn auch mal... Icon_smile
Ich hoffe, es ist nicht zu lang.

Nivim kauerte auf dem Dach eines der unzähligen Häuser der Hauptstadt. Der Wind strich ihr sanft durch die Haare und trug den Duft des Meeres ins Land. Langsam schüttelte sie den Kopf und zog die Beine enger an ihren Körper, sie hasste solche Aufträge. Der Lärm der Stadt war laut, ungewohnt und kaum auszuhalten. Sie blickte in die Straßen, die von der Dämmerung in ein trübes Licht getaucht wurden. Ihr Ziel schlenderte ahnungslos über die breite Hauptstraße und ging an einer Gauklergruppe vorbei, deren fröhlicher Gesang bis zu den hohen Dächern hinaufschallte. Die Adelia mochte keine Menschen, sie waren schwach und laut. Aber dieses Ziel… sie verabscheute ihn. Sie hob den Kopf und blickte hinauf in den Himmel, der in ein tiefes Rot getaucht war. Der kalte Stahl in ihren Händen blitze durch eine Reflexion auf und sie besann sich auf ihr Ziel. Es war schon ein ganzes Stück weitergegangen.

Hat er mich bemerkt? Unmöglich…

Leichtfüßig sprang sie auf und zog sich die Kapuze ihres Mantels tief ins Gesicht. Er kann sie nicht gesehen haben, dafür sind die Gebäude viel zu hoch. Flink lief sie über die hölzernen Schindeln, die kaum Geräusche von sich gaben. Sie hasste Städte, das wurde ihr wieder bewusst, als sie den großen Abstand der nächsten beiden Häuser erkannte.

Seitenstraßen… dabei werden sie fast nie benutzt, sinnlos.

Ihre Schritte beschleunigten sich noch einmal, als Nivim sich schließlich an der Dachkante abstieß. Der Aufprall war hart, doch sie hatte sich verschätzt. Ihre Finger klammerten sich in, die von Wind und Wetter zernagten Holzschindeln. Fluchend rutschte sie ab und fiel; hastig suchte sie nach Halt. Mit einem Ruck endete der Fall, als sie einen steinernen Wasserspeier zu packen bekam. Schwer atmend verharrte sie kurz, kletterte schließlich weiter auf ein Sims, das vor ihr lag. Geschickt und eng an die Mauer gedrückt arbeitete sie sich weiter vor, während unter ihr der Abgrund gähnte. Das Ziel stoppte unter ihr und befand sich nun auf einer Höhe. Einige Menschen wurden auf der Straße langsamer und blickten hinauf in ihre Richtung. Die Zeit lief ihr davon!
Nivim blickte nach unten und entdeckte in direkt Nähe einen riesigen Strohhaufen, den ein Bauer auf seinem Karren verladen hatte. Ihr kam eine Idee und sich bediente sich einer kleinen Formel, aber verstieß damit gegen die Regel, keine Magie zu wirken. Insgeheim ärgerte sie sich, dass sie diese auch nicht schon zuvor verwendet hatte.

Es ist unwichtig, wie der Auftrag ausgeführt wird…

Mit einem kleinen Schritt ins Leere begann erneut ein Fall in die Tiefe, doch diesmal war sie vorbereitet. Es war schnell vorbei und der Aufprall ohrenbetäubend. Die Menschen starrten sie fassungslos an, einige ergriffen die Flucht. Grimmig packte sie den Dolch fester, stieg aus dem zerstörten Karren und rannte auf ihr Ziel zu. Der Kerkermeister starrte sie anfangs verwundert an, dann wandelte sich sein Blick in nackte Angst, als er ihren Dolch erblickte. Die gleiche Angst, die auch seine Opfer durchlebt haben. Sie wollte nicht die Rächerin für sie sein, doch war es der Wunsch ihres Auftraggebers. Ein Tritt zwischen die Beine ließ den Mann straucheln und er fiel der Länge nach hin. Auf allen Vieren kroch er in eine der unzähligen Seitenstraßen, während sie langsam an seine Seite trat. Er wandte sich um, sodass er auf dem Rücken lag. Sie stach zu, hielt aber im letzten Moment inne. Der Blick des Mannes hing hoffnungsstarr und bettelnd im Himmel, doch das war es nicht, was sie stoppen ließ.

„Du hast dich verändert, Tochter.“, erklang eine kühle Stimme. Eine hochgewachsene Gestalt trat aus dem Schatten eines Hauseingangs. Die schwarzen Augen musterten sie abschätzig.
„Schade, es währe mit Sicherheit interessant gewesen, dir beim wachsen zuzusehen. Doch du hast es ja nicht zugelassen. Die Gärtner zu verstoßen, die das kleine Pflänzchen mühsam aufgezogen haben. Unverzeihlich!“, fuhr ihr Vater fort und strich sich die langen, schwarzen Haare aus dem Gesicht.
„Verändert, im negativen Sinne…“, verbesserte eine zweite Stimme und ihre Mutter trat hinter ihren Rücken hervor. Der Speer in ihrer Hand warf einen langen Schatten, von dem Nivim erkennen konnte, dass sie auf ihren Nacken zielte.
Einer ihrer schlimmsten Befürchtungen trat ein und sie schaffte es grade noch ihren Schild am Rücken hochzuziehen, als mit einem harten Schlag, Metall auf Metall traf. Etwas splitterte in ihrer rechten Hand.

MfG Nos D.


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Beitrag #3 |

RE: 5 Wörter Teil 35
Ich bin selbst überrascht, mich mal hier in der Rubrik zu sehen, aber die fünf Wörter ergaben, zusammen mit einer sowieso gerade in meinem Kopf gärenden Idee, fast sofort ein Bild, so dass ich die Gelegenheit beim Schopfe packte und es niederschrieb. Weniger Geschichte, mehr ein kleiner Einblick, den ich, wenn es möglich wäre, gerne außer Konkurrenz laufen ließe.



Die Morgendämmerung warf rotwarmes Glühen durch die letzte Scherbe, die sich tapfer im Fensterrahmen hielt. Behaglich kroch das Licht über den Bretterboden, die darauf verteilten Papiere und Zeichnungen, das umgekippte Tuschefässchen, unter dem Schwärze versickerte. Aber Josies Blick verharrte nur kurz auf dem Chaos, das ihr noch vom letzten Abend vertraut war. Es war das geringere Übel. Mit wenigen Schritten durchquerte sie das beengte Zimmer und trat an den Tisch, der ihr eine Kombination aus Schreib- und Arbeitsfläche geworden war. Seine abgenutzte Holzplatte war kaum zu sehen unter den auch hier ausgebreiteten Aufzeichnungen. Noch darüber, wahllos verstreut, lagen winzige Schrauben, Muttern, Zahnräder, Kolben, Bolzen, Kupferdrähte und Sprungfedern; im Hintergrund dominierte der Lötkolben das Bild, gemeinsam mit dem Lupengestell, das sie für die feinsten Arbeiten benötigte. Der eigentliche Mittelpunkt dagegen schien regelrecht unter ihrer Aufmerksamkeit zu Grunde zu gehen.
Schon als Josie die Augen an diesem Morgen aufgeschlagen hatte, hatte sie gewusst, dass etwas nicht stimmte. Nicht der metallische Gesang ihrer Uhrwerkblume hatte sie geweckt, sondern das Brummen der anbarischen Generatoren, die im Maschinenraum unter ihrem Zimmer liefen. Trotzdem glaubte sie jetzt, das melodische Klicken zu hören, das Aufeinanderreiben von Silber und Kupfer, den grazilen Takt der Zahnräder und das heisere Schaben des Blütenkopfes, wenn er sich öffnete und der Sonne zuwandte.
Doch nichts regte sich an dem Kunstwerk aus filigranen Kupferdrähten und haardünnen Silberkacheln. Der Stiel reckte sich müde und hässlich wie von Säure zernagter Stahl in die Höhe, daran die breiten Blätter, gebogene Kupferplättchen, in die Josie in mühevoller Feinarbeit Äderchen graviert hatte. Und die Krone ihrer Schöpfung, der Blütenkopf mit seinen zahllosen, hauchzarten Blütenblättern, die sich öffneten, sobald das Sonnenlicht auf sie fiel, und sich wieder schlossen, wenn die Dunkelheit hereinbrach – dieses Meisterwerk aus winzigen Zahnrädern und Verdrahtungen stakte wie ein Klumpen geschmolzener Schrott obenauf. Höhnisch verspottet vom warmen Dämmerungsglühen, das die Blüte hätte wachküssen sollen und zum Singen bringen.
Hoffnungsstarr verharrte Josies Blick trotz allem auf der Blume, die nun nur noch Skulptur war, unbelebt wie das meiste in ihrer staubigen Welt. Unbelebt und unbeseelt. Der Gedanke flatterte in ihrem Kopf, stieß einen anderen an, der wiederum ein Türchen öffnete, das sie sonst sorgsam verschlossen hielt.
Wenn sie ihrer Blume eine Seele schenken könnte …
Aber Elijah wachte mit Argusaugen über seinen Bestand.
Nein, daran durfte sie gar nicht erst denken. So verschroben und seltsam er ihr auch zumeist erschien, war er ihr wie ein Vater gewesen, seit sie in seine Obhut gegeben worden war. Ihn zu bestehlen, selbst wenn es nur der Fetzen einer Seele sein sollte – Abfall in den Augen von vielen –, würde sie sich nie verzeihen.
Mit einem letzten Blick auf das kunstvolle Arrangement aus Metall, das ohne seinen einzigartigen Gesang niemals mehr als nur Kupfer und Silber sein würde, verließ Josie ihr Zimmerchen. Vielleicht lehrte Elijah sie eines Tages, ihren Konstrukten auch eine Seele einzuhauchen. Und dann – dessen war sie sich sicher – würde die Blume wieder zum Licht singen und wachsen.



»Couldnʼt you crawl into a bush somewhere and die? That would be great, thanks.« (Alistair, Dragon Age)

»You can be anything you want on the internet.
What's funny is how many people choose to be stupid.«
(Zack Finfrock)

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Beitrag #4 |

RE: 5 Wörter Teil 35
Die Scheinwerfer seines Wagens durchschnitten die Nacht. Die Welt um ihn herum schien menschenleer zu sein. Er fuhr dem aufgehenden Mond entgegen. Bald würde ein vollkommener Mond die Nacht erhellen. Eliah hatte einmal gelesen, dass es Menschen gab, die in solchen Nächten schlecht schliefen. Er glaubte dieser Theorie. Vollmondnächte waren solche in denen er am Vorsichtigsten sein musste. Es war als ob der Himmelskörper die Menschen mit einem Gesang rufen würde. Die Menschen ohne Skrupell. Solche die für fünf Minuten Ruhm alles tun würden. Nicht nur zu Dieben werden würden, sondern auch zu Mördern. Eliah missfiel dieser Gedanke, denn es wäre sein Körper, der dann in irgendeinem Waldstück gefunden würde. Er blinzelte diese trüben Gedanken fort, es war Zeit für eine Rast. Eliah fuhr auf den Parkplatz den er schon öfter für seine mitternächtliche Teepause benutzt hatte. Er zog die Handbremse an, ließ den Motor ersterben, stieg aber nicht aus. Hoffnungsstarr saß er hinter dem Lenkrad und wünschte sich zurück unter seine Bettdecke. Kurz schloss er die Augen und tastete auf den Beifahrersitz neben sich. Da war sie. Seine Thermoskanne. Ganz plötzlich – wie sie gekommen war- fiel die lähmende Starre wieder von ihm ab. Eliah öffnete die Tür, nahm seine Thermoskanne heraus und stieg aus. Seine Schritte führten ihn wie selbstverständlich, um das Auto herum. Er setzte sich auf die warme Motorhaube und trank seinen Tee. Er beruhigte ihn und hielt seine Gedanken dort, wo sie sein sollten. Tief in seinem Hinterkopf.
Der Tee war heiß und tat seine Wirkung. Eliah schloss die Augen und als er sie wieder öffnete trank er seine Tasse leer und stieg wieder in sein Auto, Nach einem raschen Blick zu der Thermoskanne neben sich startete er den Motor und fuhr zurück in die Nacht. Er spürte das etwas nicht stimmte. Die Nacht war zu hell. Mehr Dämmerung als Dunkelheit. Sogar für eine Vollmondnacht. Er versuchte seine Aufmerksamkeit auf dieses Gefühl zu lenken. Doch es entglitt ihm, aber anstatt zu verschwinden begann es in ihm zu wachsen. Eliah wurde unruhig. Er fuhr schneller, musste seine allnächtliche Runde beenden.
Wütend kam er zu Hause an. Keine Vorkommnisse. Noch immer war die Welt mondbeschienen und menschenleer. Aber Eliah wurde von einem Gefühl zernagt, welches er bisher immer mit seinem Tee hinfortgespült hatte. Die Angst vor der Zukunft.

Wer nicht kann, was er will, muss das wollen, was er kann. Denn das zu wollen, was er nicht kann, wäre töricht. -Leonardo da Vinci-
Wörterwelten

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Beitrag #5 |

RE: 5 Wörter Teil 35
*Erinnerungsfähnchen schwing*

Wer nicht kann, was er will, muss das wollen, was er kann. Denn das zu wollen, was er nicht kann, wäre töricht. -Leonardo da Vinci-
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Beitrag #6 |

RE: 5 Wörter Teil 35
*herumirr*

Tut mir leid, dass es so lange gedauert hat, aber irgendwie habe ich das aus den Augen verloren.

@NosDuron: Nein, zu lang auf keinen Fall Icon_wink Schön eingebaut die Wörter - und auch für die überraschende Wendung ein Pro Lässt einiges an Spekulationen zu, was den Hintergrund der Prota betrifft.

@Lady: Wieder ein kleiner, alltäglicher Ausschnitt. Du bringst die Unruhe, die Eliah befallen hat, greifbar rüber, ich sehe ihn da richtig vor mir, wie er mit seinem Auto über die leeren Straßen fährt und auf irgendwas wartet, das nicht kommt.

Hm, das ist nicht so leicht ...
Da Lanna auf eigenen Wunsch von der Wertung ausgeschlossen ist, darf NosDuron die nächsten fünf Wörter aussuchen!

Danke euch allen Icon_smile
Viele Grüße,
Eselfine


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Beitrag #7 |

RE: 5 Wörter Teil 35
*hereinstolper*

Da hab ich doch glatt den Thread übersehen.

Danke für den Wanderpokal. Und ein Lob an die anderen beiden Schreiberlinge, deren Werke auch schön zu lesen sind.

MfG Nos D.


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