Es ist: 03-04-2020, 10:32
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Ein paar Gedichte
Beitrag #1 |

Ein paar Gedichte
Anm. Libertine: Thema vorübergehend geschlossen - zu viele Gedichte in einem Topic Icon_wink

Hallo,

Erst mal möchte ich mich entschuldigen, weil ich diese Gedichte möglicherweise falsch einordne, was wiederum meine Unsicherheit bezüglich des Einordnens geschuldet ist. Diese Unsicherheit veranlasste mich dazu mal alles in Sonstiges zu schreiben, weil sich das am neutralsten anhört.
Ich hoffe einfach mal auf Kritik für Folgendes. Danke.

Elfenbeinturm
Erzähler
1 Einst stand ein Jüngling ganz allein,
am großen Turm aus Elfenbein
Ging bald die Treppe schon hinauf
Und so begann der G'schichte Lauf

Geist des Turms
5 Die Uhr schlägt Acht
Hat dich gebracht
Gib nun gut Acht
Hier ruht die Pracht
Vor langer Zeit wurd sie heran' geschafft
10 Von unzähligen Scholaren
Mit golden glänzend Karren
Hier ruht das Wissen alter Tage;
Das Ihr nur kennt sehr vage
So heiß ich euch willkommen
15 Seid mir nur wohlgesonnen
Möcht' nur um eine Frage bitten
Warum tretet ihr ein?

Jüngling
Das Leben war ein Trauerspiel
Liebte es gar nicht all zu viel
20 Wohin man auch sah
Nicht eines war wahr!
Dem Glauben und dem Rechten,
Sagen sie nach,
Dass sie es wollen
25 Den Feiern und den Feten,
Trauern sie nach,
Ohne Respekt zu zollen
Bin der Lügerei nun überdrüssig
Find' die Schwindelei zu überflüssig
30 Bin gegangen mit freiem Willen!
Egal ob sie's nun billigen!

Geist des Turms
Hier kannst du nun ruh'n
Und dich ruhig widmen
Schöpferischem Tun
35 Keine Störung wird dich stören
Wirst nicht eine Dummheit hören
Dein sind all die Bücher,
Mit großer Geister Errungenschaft
Kostbar wie die Seidentücher
40 Dank der Weisen Schaffenskraft
Was ich dir nun biete
Wird dir sagen
“ Gebiete!
Über ganze Wissenswelten
45 Keine Torheit soll dich plagen
Süßer Ruhm wird gelten,
Dir allein'! “

Jüngling
Wenn ich seh';
Wie sich die Treppe windet
50 Will ich seh'n,
Was Herz und Geist verbindet
Wenn ich geh',
Herauf in diesem Turm
Werd'n sie geh'n,
55 Herab in ihren Uhr'n
Die Pendel
Die Zeit steht nicht still,
Nur weil ich es will
So viel könnt' ich verpassen
60 Mein Leben nur verprassen
Zu sagen
Bin über alle Zweifel doch erhaben
Könnt's niemals wagen
Nicht einmal in zwei Dekaden

Jüngling
(Laut ertönt)
65 Was hörte ich dort
War es ein Wort?
Sie suchen schon nach mir
Haben doch so früh begonnen
Hab kein Wissen hier gewonnen
70 Was hält mich denn noch hier?
(Jüngling geht zum Tor)
Das Tor ist verschlossen
Aus Eisen gegossen
Muss ich denn fleh'n,
Lass mich doch geh'n!

Geist des Turms
75 Bleibt ruhig, nur ruhig
Es gab keinen Laut
Ich wäre ganz traurig,
Wenn ihr nicht schaut,
Auf all die alten Rollen,
80 Die gelesen werden wollen
Und draußen, vor dem Tore,
Liegen nur die stillen Moore
Stumm und tot
Von Wassermassen
85 Werden sie in Ruh' gelassen
Geist des Turms
(Junge liest, Uhr schlägt 13)
Die Uhr schlägt Dreizehn
Die Bücher reizen
Ich seh es genau
Die Welt ist so grau
90 Niemand will ihm geben
Was er heut verlangt
Vorbei ist's mit dem Leben
Er hat's nicht erkannt!

Mann
(Klopfen ertönt)
Kann es denn sein,
95 Man hört es ganz fein
Ein Klopfen!
Wer kommt auf die Idee
Mich zu stören bei 'nem Tee
Habe hier zu schaffen
100 Nur scheint keiner es zu raffen
Der Jungen Leute Tatendrang
Ist für mich nicht länger von Belang
Muss nun schauen dass ich lerne
Über der Welten Kern
105 Blicke in die weite Ferne
Auf das ich bald ruhmvoll wiederkehr'
(Mann geht zum Fenster)

Geist des Turms
Ich bin mir ganz sicher
Es war nur ein dichter,
Lichter Regentropfen
110 Setz dich schon hin
Zu steh'n wäre Blödsinn
Zu seh'n wäre Irrsinn
Zu geh'n wäre Wahnsinn
Wo doch Wissensschätze warten
115 Die mit Sehnsucht dich erfüllen
Deine Gedanken in Umnachtung hüllen
Im paradisisch'm Büchergarten

Geist des Turms
(Die Uhr schlägt 20)
Tick, Tack, Tick, Tack, Tick
Die Uhr schlägt Zwanzig
120 Es bringt mich zum Lachen
Dein Anblick
Bald wird es krachen
Dein Genick!
Hängst schon am Strick
125 Wer wird dich halten,
Wenn du fällst?
Niemand!
Denn du missfällst!

Greis
(Der gesamte Turm bebt)
Bin nun endlich frei
130 Von der Gedanken Einerlei!
Keine Störung kann mich stören
Muss nicht eine Dummheit hören
Mein sind all die Bücher,
Mit großer Geister Errungenschaft
135 Kostbar wie die Seidentücher
Dank der Weisen Schaffenskraft
Werd nun meine eig'nen Zauber weben
Soll die Welt vor Ehrfurcht beben
Nur noch eine Strophe merken!
140 Nur noch einen Text verstehen
Nur noch ein Buch ansehen
Nur die Welt begreifen
Dann kann ich viele Tage ruh'n
Dann kann ich viele Stunden ruh'n
145 Dann kann ich viele Minuten ruh'n
Dann kann ich vieles mehr noch tun!
(Der Greis liest weiter)

Geist des Turms
Ihr müsst euch nicht erheben
Es gab doch gar kein Beben
Der Turm ist schlecht gebaut
150 Das ist mir schon vertraut
Müsst nur Vertrauen in mich fassen
Und das Zweifeln unterlassen
Ach, wie wir die Störungen doch hassen!
Bleibt nur auf eurem Platz
(Pause)
155 Ihr habt ihn nicht verlassen?
Ich kann es kaum fassen!
Bald kommt des Greises letzter Satz!

Greis
(Die Uhr schlägt Null)
Die Stunde hat geschlagen
Das Pendel fällt herab
160 Und es verstarb
Und ich hab' keine Fragen
Wohin ich auch ging
Wusste nicht wer ich bin
Bis es mich fing
165 Das Verlangen nach Wissen
Will es nicht missen
Hier ist mein Lohn
Bin ein Gefäß aus Ton
Fülle Rollen aus dem Inneren
170 Beschrieben mit Blut
Umhüllt von der Glut,
Meiner Gedanken
Hier ist mein Ende
Werde zur Legende!
(Der Greis legt sein Lebenswerk in das Bücherregal und verstirbt.)

Geist des Turms
(Die Uhr schlägt 7, Die Leiche zerfällt zu staub)
175 Die Uhr schlägt Sieben
Sie können das Schicksal nicht verbiegen
Müssen am Ende ihm erliegen!
Ein Turm aus Elfenbein so rein,
Kann nur ein Gefängnis sein!
180 War nie eine Kammer großer Geister,
Die den Göttern gleich geschaffen
Bin der einzig' wahre Meister!
Über Wissen, Über Macht!
Über Kulissen der Pracht!
185 Bin Herr,
Über ein Mausoleum der Gedanken
Dem sie alle nichts verdanken
Nun sind sie leer!
Und ihre Errungeschaften sind sie los
190 Und ihre Machenschaften sind bedeutungslos
Das Wissen in den Hallen,
Entkommt niemals meinem Sog
Hier bleibt der Ruhm erhalten.
Um den ich sie betrog!
195 Und ein neuer Lehrling steht schon da
Nimmt das drohend' Unheil gar nicht wahr
Öffne in 'ner Stund die Pforten
Werde neues Wissen horten!


Erzähler
Einst stand ein Jüngling ganz allein,
200 Am großen Turm aus Elfenbein
Ging bald die Treppe schon hinauf
Begann so der G'schichte Lauf?


Die Wahl
Mutter:
Hab Jahr um Jahr verbracht
Dich alleine groß zu ziehen
Was hat es mir nun gebracht?
Muss am Totenbette steh'n!
Willst mir denn nicht verraten,
Wie ich dich kann bewahren
Vor des Sensenmannes List'
Zahle jeden Preis! Für jede List!
Würde jeden doch verehren
(Pause)
Kann niemand mich denn hören?

Chor der Engel:
Dein Junge hat sein Leben
Vor langer Zeit verspielt
Doch einer könnt' 's ihm geben
Wenn dich doch nichts mehr hielt
Der Erlöser und Retter ruft dich schon fort
Zu dem prächtigen, heiligen Ort
Einem Tempel aus goldenem Schein
Dort mag der Quell des Lebens sein
Doch wo die Not den Mensch ergreift
Ist auch der Gierschlund nicht mehr weit
Des Teufels alter hörig' Diener
Der getarnt als der Retter in der Not
betrügt dich schließlich um das letzte Brot
(Mutter bricht zum Tempel auf)

Mutter:
Mein Sohn, wie geht es dir nun
Könntest du hören
Könntest du sprechen
Ich würd' dir versprechen
Jede Mauer zu brechen
Denn ich kann nicht mehr ruh'n
Stehen alle tatenlos nur rum
Macht doch keiner seine Beine krumm
Fand die Güte keine Erben
Sollen wir nun alle sterben?

Ritualist:
Hörte deinen Ruf schon weit
Bin nicht allein, bin nicht zu zweit
Habe ganze Geisterscharen
Schon um mich herbei gescharrt
Hab die Macht von Geistern und Gespenstern
Bring selbst das Schiksalsschiff zum kentern
Den Sohn zu retten ist mir vergönnt
Doch hat der Zauber seinen Preis
Ein Tropfen Blut in diesen Kreis
Und nur wenn ihr könnt
Ein kleines Laib Brot
Für den Beschwörer in Not

Chor der Engel:
Folge dem Einen!
Folge dem Einzigen!
Folge dem Schicksal des deinigen!

Mutter:
Mein Sohn, wie geht es dir nun
Könntest du hören
Könntest du sprechen
Ich würd' dir versprechen
Jede Mauer zu brechen
Denn ich kann nicht mehr ruh'n
Bin dem Teufel knapp entronnen
Himmlisch' Chöre haben ihn verbannt
Hätte meine Seele fast verloren
Und im Höllenfeuer fast gebrannt!

Hexe:
Lindwurmauge, Drachenzahn
Eigentlich ist's Löwenzahn
Dann die Mischung von dem Sessel
Und ab mit allem in den Kessel
Ein Minütchen aufgekocht
Dann 'nen Schluck, das Herzlein pocht
Hat doch jeder seine Laster
Ich will nur noch deinen Zaster
Und wenn du's mir gönnst
Ein kleines Laibchen Brot
Für die Kräuterhex' in Not

Chor der Engel:
Folge dem Einen!
Folge dem Einzigen!
Folge dem Schicksal des deinigen!

Mutter:
Mein Sohn, wie geht es dir nun
Könntest du hören
Könntest du sprechen
Ich würd' dir versprechen
Jede Mauer zu brechen
Denn ich kann nicht mehr ruh'n
Wenn ich dich seh'
Wird mir ganz bang
Ich lausche zu lang
Dem Engelsgesang
Sie singen von dem Leben
Sie singen von dem Tod
Doch scheint es keinen zu geben,
Der auch nur kennt Not

Mediziner:
Ich habe euren Ruf vernommen
Sind schon viele krank zu mir gekommen
Seh' ständig kranke Glieder
Kommen beinah täglich wieder
Ihr schaut so entsetzt?!
Sie haben wohl für mich geworben
Sind noch immer nicht gestorben
Doch geht es nun um euch
Von mir aus bis zuletzt
Hab für jedes gute Mittel
Eine Krankheit doch parat
Und andersrum dann auch
Für eures Sohnes Bauch
Kostet's euch kein Gold
Von nicht auch nur einem Karat
Nur gebt mir, wenn ihr wollt
Ein kleines Laibchen Brot
Für den armen Arzt in Not

Chor der Engel:
Folge dem Einen!
Folge dem Einzigen!
Folge dem Schicksal des deinigen!
(am Tempel)

Mutter:
Hab Stuf' um Stuf' erklommen
Der Sirenensang so laut
Das alles in den Himmel schaut
Während das Leben ist zerronnen
Wie des Feuers Rauch
Hab mich stets an alles g'halten
Und seh' nun eurer Masken Falten
Wie konnt' ich euch nur glauben?
Wolltet nur mein Kindlein rauben!
(Pause)
Nun denn, kommt zur Sühne
In diesem ew'gen Trauerspiel
Auf meines Lebens Bühne
Ich verlang' doch nicht zu viel!
(Pause)
Habt mich immer nur betrogen!

Chor der Ungläubigen:
Wurd'n wohl wahrlich schlecht erzogen
Seid ihr nicht deren Schöpfer,
Die ihr nennt eure Götter
Habt's ihnen stets doch überlassen
Die, die Geblieben
Hinwegzuraffen
Wie sie's belieben
Spürt ihr nicht in dieser Stille
Es war alleine euer Wille,
Göttern zu folgen, die euch gleichen
Konntet gehen, konntet weichen
anstatt auf ihrem Weg zu bleiben!

Mutter:
Blut kann ich geben,
Gold hab ich nicht
Rufer, hörst nicht seine Stimme beben
Er will nicht in's Licht!
Hatte keine Wahl,
wusste nicht von dieser Qual!
Lindwurmauge, Drachenzahn
Kämpfe nun mit jedem Wahn
Schwöre ab von allen Göttern!
Seid ihr nur seine Retter!
Könnt er nur wieder Leben,
würd' selbst mein eig'nes geben!

Chor der Ungläubigen:
Den Schmerz zu lindern vermochten wir
Die Zeit zu stoppen, das wollten wir
Das Geschenk des Vergessens geben wir dir
(Dolch wird an die Mutter gereicht)
Den Tod umschreiten können wir nicht
Einen Handel unterbreiten wollen wir nicht
Das Vergang'ne vereiteln sollen wir nicht
Es gibt nur das Licht!
(Mutter tötet sich)

Scheitern am Spiegelbild
1 Aufsteh'n
Steif wie ein Brett
Wegdreh'n
Will wieder in mein Bett
5 Ich gehe in das Bad
Und blicke in den Spiegel
Das Leben ist so fad
Wie der Garten Eden
“ Heute ist ein neuer Tag!”
10 So beginnen viele Reden
Und genau so viele Lügen
“ Heute werde ich mal kochen!
Wenn ich das nicht könnt,
wär es doch gelacht!”
(lacht)
15 Hast 'ne tolle Tütensuppe gemacht
Hab' mir gleich Nachschlag gegönnt
Alternativlos war die Situation
“ Und nächsten Monat,
Da wird alles anders!
20 Probier Paprikaschoten
Schreib endlich bess're Noten!”
Nur noch schnell mal chatten
und auf die bess'ren Noten wetten
Dann nen Stückchen Schokolade,
25 Wär's doch sonst drum viel zu schade
Schoten kannst du morgen essen
Erst mal werden Chips gefressen
“ Und ab dem Ersten Ersten,
werd' ich nie wieder rauchen,
30 werd' ich nie wieder trinken,
und lügen gleich drei mal nicht!”
Na dann Prost!
Zur ersten Zigarette
Sylvester ohne Schnaps?
35 Das geht doch nicht!
Ist 'ne Gelegenheit,
wo kein Versprechen bricht!
“ Das ist der erste Tag,
vom Rest meines Lebens!”
40 Der Satz ist doch vergebens
Werd'n ihn alle morgen wieder erleben
Spätestens!

Und um sechs Uhr jeden Morgen,
Sitz ich voller Sorgen
45 In der Bahn
Und blicke in die Scheibe
Seh' hier und da ein Weibe,
Das schreit
“ Ey kuck nisch so , du Spast!
50 Sonst mach isch disch Messer!”
“ Ey pass auf , sonst kommst du in das Knast!”
“ Na und? Ist da doch viel bessa!”
Und der Typ da im Spiegel,
Der sitzt wie festgewurzelt dort,
55 Und erhebt nicht ein Wort
Nächste Haltestelle
Es kommen auf die Schnelle
Neue Leute herein
Dieses Mal 'ne Mutter,
60 Mit ner Tüte Futter,
Für den Kevin-Jeremy
“ Mama, wann kann ...”
“ Ey jetz halt mal deinen Rand
Bist gelaufen gegen 'ne Wand?
65 Genau wie der Sven!”
“ Wer ist das denn?”
“ Boah, dein Vater... zumindest mit 200 Promille Wahrscheinlichkeit.”
Hört der Typ im Spiegel und zeigt kein Mitleid
“Ey hi Alda, hast du Kippen?”
70 Fragen die Zwölfjährigen
Während sie mit den Füßen wippen
“Ne, sorry bin kein Raucher”
Sagt der feige Typ da
Anstatt zu sagen, was er denkt,
75 Hat er ganz direkt,
Die Schandtat gedeckt

Und jeden Mittag,
Seh ich voll Elan,
Aus dem Büro
80 Hab noch nichts getan
Im anderen Haus,
Schaut eine Frau raus
Sie fuhr,
Wie immer um zwölf Uhr,
85 Zur Kaffeemaschine
Und trank wieder eine Masse,
Aus der braunen Kaffeetasse,
Mit der flotten Biene
Später setzt sie sich wieder,
90 An den Computer nieder
Und tippt und tippt und tippt
Während ihr Fuß wippt und wippt und wippt
Mit der ewig gleichen Mine,
Fährt sie die Alltagsschiene
95 Rauf und runter, hin und her
Und fühlt sich innerlich nur leer
Und dann und wann,
Kommt ihr Chef heran
" Hallo, Frau Mustermann!
100 Hier hab ich ein paar Akten”
“In der geringen Zeit,
komm ich doch niemals weit!"
"Müssens höher takten,
Ihre Arbeitsgeschwindigkeit
105 Sonst kommens nicht sehr weit
Das sind harte Fakten!"
Doch anstatt zu gehen , wird sie bleiben
Wird ihr Chef sie in den Wahnsinn treiben
An ihrem Selbst wird sie sündigen,
110 Bis die Bonzen sie kündigen
Ich dreh mich zurück
Und schreibe am Stück,
Für die Zeitung
Kriege niemals die Leitung

115 Und später in der Stadt,
Stalk' ich den Rabatt
Blicke durch die Fenster,
Sehe nur Gespenster
Zuerst die Schicke,
120 Mrs. Etepetete,
Die kauft ein ganz dicke
"Was kostet denn das?"
"Der ganze Spaß?
Ein Heidenvermögen!"
125 "Man muss es mögen
Aber Heiden,
Kann ich nicht leiden
Warum denn kein Kirchenvermögen?
Die haben doch viel mehr,
130 Und zeigen's ständig her!"
"Dann hab ich was, allein für sie
Diamanten groß wie Fässer
D'rum beneidet sie jedes Vieh!"
"Da fühl ich mich deutlich besser!"
135 Daneben gleich die Fashionqueen,
Mit ihrem alten Fashionspleen
"Na Hallo, was zieht der denn an?
Den lass ich doch niemals ran!
Und gehts noch, wie sieht die denn aus?
140 Wie nach nem großen Festtagsschmaus!
Mrs. Etepetete,
Deren Körper einer Kugel gleicht,
Wo jeder Muskel dem Fett nur weicht!"
Und drausen vor den Läden,
145 Verhungern uns die Armen
Sie ziehen hier die Fäden,
Und haben kein Erbarmen
Doch all die Prunksucht,
Ist nur eine Flucht
150 Vor all den Problemen
Sie wollen's nicht sehen
Denn,
Sie wollen Schönheit kaufen,
Sich um den Glamour raufen,
155 Und in den Himmel saufen

Und am Abend,
Spiegelt sich ein Mann
Geht langsam trabend,
Zum Fernseher heran,
160 Der ihn zieht in bunten Bann
Viel hat er sich vorgenommen,
Doch jeder Plan ist nun zerronnen
Fast hätte er gekocht
Nun tut er dies vor Wut
165 Koch'n hat er nie vermocht
Er schenkt sich schnell ein,
Ein kleines Gläschen Wein
Und spült hinab voll Kummer,
Den Discounter Hummer
170 Und immer flimmert eine Kiste,
Irgendwo im Haus
Und immer wimmert eine Triste
Und kommt nicht heraus,
Aus ihrem ebenen Leben,
175 Ohne Höhen, Ohne Tiefen
Nie wird sie fallen, nie wird sie steigen
In der Totenstarre wird sie bleiben,
Bis man sie findet,
Wie sie sich windet,
180 In Gleichgültigkeit
An bess're Noten gar nicht denken
Willst wohl keine Zeit verschenken
Viel hast noch zu tun,
Damit du ja keine Schreie hörst
185 Dann kannst endlich ruh'n
Jedes Wort erstickt,
Von lauter Musik
So kommt kein Konflikt
Und um sechs Uhr jeden Morgen,
190 Sitzt du voller Sorgen,
In der Bahn
Müde erquikt von den Facebook-Witzen,
Kann niemand dein Gemüt erhitzen,
Denn du hast es ja erstickt,
195 Mit lauter Musik
Du scheust den Konflikt,
Mit dir selbst!

Und tief in der Nacht,
Wenn alle schlafen sacht,
200 Geh ich zum Becken,
Um mich zu wecken
Kenn' noch diesen Weg aus jeder Zeit
Ein Schmelztiegel der Ewigkeit
Und es spiegelt sich,
205 Allein,
Mein Angesicht
Im Licht, aus ferner Vergangenheit
Einst bin ich hier gestanden
Und suchte nach Rat
210 Doch die anderen fanden,
Keinen einzigen Pfad
So folgte ich den Wegen,
Die in Liedern erklingen
Die von Versagen singen
215 Und von ewigem Regen
Ein Tropfen fällt,
Zestört wie wild,
Das Spiegelbild,
Das Niemand hält
220 Ich dreh das Wasser auf
Die Tränen gehen unter,
Im ewigen Gleichklang,
Sie sind fast gleich lang
Die Wogen glätten sich,
225 Da drausen am Meer
Nicht aber innen
Dort tost ein Sturm
Im Auge blickt ein Auge,
Auf Spiegelscherben,
230 Die flattern munter umher
Es spiegeln sich Gesichter,
Von viel-zu-viel-Versprechern,
Von den geheim Komplizen,
Die die Verbrechen decken,
235 Von Arbeitssüchtigen,
Die ständig tüchtig,
Anderer Arbeit verrichten
Von Shoppingqueens und Fashionqueens,
Natürlich auch von Dragqueens
240 Und von Leuten,
Die immer an Computern sitzen
Im grunde also von mir
Von allem nur ein bischen
Und manchmal auch zu viel
245 Versunken im Gedanken,
Denk ich dann aber
"Respekt Herr Specht,
Du bist ein toller Hecht!"
Und gaukle mir was vor
250 Für mich sind nur die And'ren tor
Seh mich an voll von Wohlgefallen im gezinkten Spiegel,
Doch eigentlich scheitere ich am eigenen Spiegelbild
Der Sturm kehrt sich um,
Und gräbt sich in die Tiefe
255 Aus Sturm wird Mahlstrom
Und fallend steh ich drüber
Und es schweben die Gedanken leer,
Federn gleich die Eisen schwer,
Hinab in den Abyss
260 Bye, bye, kiss, kiss

Massaker in der Nacht

1 Es spiegelt sich die ganze Welt
Am sternenreichen Himmelszelt;
Laternen bilden leuchtend' Wege
Im ewig dunklen Straßenmeer;
5 Und Schritte hallen dumpf und träge
Durch düst're Gassen, stumm und leer

Die sanften Schatten tanzen sacht,
Ganz eng umschlungen mit der Nacht;
Dann werfen garstig' Lichter
10 Die Schatten an die Wand;
Es zeigen sich Vernichter
Bös' drohend an dem Rand

Dann jeder aus dem Fenster schaut,
Denn in der ferne klingt ein Laut;
15 Es werden Trommeln hart geschlagen,
Von denen manche sogar tot!
Da muss man sich doch langsam fragen,
Sind wir denn wirklich so verroht?

In wundervoller Harmonie,
20 Ertönt die schaurig' Symphonie;
Gezupft wird an den Harfen,
Die schreien voller Schmerz,
Als wären sie nur Sklaven;
Ihr denkt es wär ein Scherz?

25 Und der Tisch ist bereits gedeckt;
Die Gäste haben Blut geleckt
Zerschneiden blutig' Leichenteile
Mit silbern' Messern, scharf und schnell;
Es trieb die große Langeweile
30 Zu roten Augen leuchtend grell

Am nächsten Morgen lischt schon leis
Die Dunkelheit auf Sonn' geheiß;
Die Lieder sind verklungen
Und hallen nicht mehr nach;
35 Die Schatten sind gezwungen
Zu gehen unter's Dach


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