Es ist: 03-06-2020, 18:59
Es ist: 03-06-2020, 18:59 Hallo, Gast! (Registrieren)


Der Alters-Simulator
Beitrag #1 |

Der Alters-Simulator
Der Alters-Simulator

Erzählung von
Hans Werner


„Das Alter nimmt dir nichts, was es dir nicht erstattet.“
(F. Rückert: Weisheit des Brahmanen)



Daniel Wortlieb wälzte sich in seinem Bette. Die Luft war stickig heiß, es war schwül, seine Haut brannte und sein Körper schrie nach Liebe. Die Uhr war noch nicht auf elf vorgerückt, seine Gattin, Fabiola, verweilte noch im Badezimmer, wo sie mit Duschen, Ölen, Frottieren, Kämmen gerne lange Zeit zubrachte, bevor sie zu ihm ins Schlafzimmer kam. Daniel erwartete sie, doch wusste er bereits, was sie sagen würde, wenn sie in ihr Bett schlüpfte. „Ich bin müde“, war ihr stehender Ausdruck, mit dem sie ihm zu erkennen gab, dass sie in Ruhe gelassen werden wollte. Ach, er kannte diesen Satz so gut, zum Verdrießen gut, er hasste und verabscheute diesen Satz, weil er ihn schon so gut kannte und weil er jede erotische Vorfreude von vornherein im Keim erstickte.
Er war gerade erst 30 Jahre alt geworden und in ihm kochten die Lebenssäfte. Fabiola war in seinem Alter, aber sie war mit einer sanften Natur begnadet, heißblütige Erregungen lagen ihr fern. Sie hielt ihrem Mann die Treue in anspruchslos dienender Liebe, war ansonsten auf Ordnung und Sauberkeit bedacht, und wenn je – nach umständlicher Vorankündigung – sie sich auf ihrem Lager ehelich begegneten, dann erhob sie sich nach vollzogenem Akt unverzüglich und reinigte sich nebenan im Bad gründlich.
Manchmal regte sich in Daniel tiefer Groll. Er fühlte sich vom Leben betrogen, von den Gesetzen der herrschenden Moral, die dem Manne und der Frau nach dem Eheversprechen nur den klar vorgezeichneten Weg der Treue übrig ließen. Freilich winkten links und rechts im Verborgenen viele Abzweigungen zum Ausbruch aus dem ehelichen Pferch, aber sie waren allesamt verknüpft mit dem unvermeidbaren Zwang zur Lüge. Und wenn er in die schönen klaren Augen Fabiolas blickte, dann verboten sich ihm wie von selbst alle Pfade der Untreue.
Daniel fühlte heiß aufsteigende Begierde und seine Hände zuckten nach Berührung. Er tastete unter der Decke vorsichtig nach Fabiolas Körper, doch sie wickelte sich – als hätte sie die kommende Hand bereits geahnt – noch stärker in ihr Linnen, wie ein Igel sich in sein stacheliges Hemd einrollt. „Ich habe schon meine Lage“, beschied sie ihm aus dem entferntesten Zipfel ihres Kopfkissens. Seine Hand, als wär sie von diesen Worten gelähmt, zog sich matt und kraftlos zurück.
Auch er suchte sich dann seine Lage, wälzte sich von einer Seite auf die andere und wollte seine Gedanken kühlen. Schließlich verfiel er wieder in jenes alte Knabenlaster, das er längst so gern in die Wüste des Vergessens geschickt hätte, und er begann, sich selbst zu befühlen und zu betasten. Schließlich erhob er sich, ging nun seinerseits ins Bad, zu abschließender Verrichtung, fühlte sich dann zugleich erleichtert und gedemütigt. Nie befiel ihn die Verlassenheit stärker als in diesen Augenblicken grenzenloser Einsamkeit. Seiner Leidenschaft war für eine gewisse Zeit die Spitze genommen, er konnte sich ruhig dem Schlaf anvertrauen, der nach geraumer Zeit seinen Kopf schwer werden ließ und ihm zuverlässig die Augen zudrückte.
Tags darauf erhoben sich beide jungen Eheleute und schenkten sich einen frohen Morgengruß, so, als sei abends davor nichts geschehen. Manchmal streichelte er, wenn sie schon am Frühstückstisch saß und in die Zeitung vertieft war, von hinten herkommend ein wenig ihr seidiges, mittelbraunes Haar, das sie gerne kurz trug, obwohl ihm lange Frauenhaare viel besser gefielen, was er verschiedentlich immer wieder anmerkte, ohne dass solche Äußerungen auch nur im Entferntesten etwas gefruchtet hätten. Dann überließen sich beide dem Tagesablauf. Sie war Krankenschwester an dem Städtischen Hospital, er arbeitete in einem Kosmetikunternehmen, welches alle Arten von Salben, Cremes und Tinkturen herstellte, welche die Damen der besseren Gesellschaft zur Pflege ihrer Epidermis einzusetzen gewohnt waren.
Im Betrieb wurde er zum Chef gerufen.
„Ich habe Sie rufen lassen, um Ihnen unsere neueste Erfindung vorzustellen, den Alters-Simulator.“ Dabei präsentierte er einen futuristischen Mix aus Astronauten-Anzug und Motorradhelm, ein seltsames Kleidungsstück, das bei Wortlieb, wie auch bei seinen Kollegen, zunächst spöttische und kichernde Belustigung hervorrief. Alle drängten sich nach vorne zum Pult ihres Chefs und betasteten den groben Leinenstoff der Jacke, die sich steif und spröde anfühlte, und das Sichtfenster aus Plexiglas in dem helmartigen Kopfaufsatz.
„Wozu soll das gut sein?“ – „Was bringt’s?“ – „Das gibt den nächsten Ladenhüter!“ – „Nicht einmal meine Jüngsten würden so was kaufen, obwohl sie sonst immer fürs Ausgefallene sind!“ Die Stimmen schwirrten durcheinander, als der Chef schließlich Ruhe gebot.
„Mit diesem Simulator erschließen wir uns den Absatzmarkt der Zukunft. Ihnen dürfte bekannt sein, dass die Menschheit immer älter, die Gruppe der Senioren prozentual immer stärker wird. Sie bilden den Kundenkreis der Zukunft, auf den wir unsere Produkte abstimmen müssen. Wir selbst müssen empfinden, was die Alten fühlen, um unsere Wäscheartikel und Kosmetika auf ihre Bedürfnisse einzurichten. Und nun sag ich nichts mehr. Ziehen Sie diesen Alters-Simulator an und dann reden wir weiter.“ Danach ließ der Chef durch seine Sekretärin, ein schlankes Modepüppchen, das in gleitenden Bewegungen geschmeidig von einem zum andern tänzelte, Exemplare dieses merkwürdigen Anzuges an die Angestellten austeilen.
„Ich werd verrückt, ich seh nur noch wie durch einen Grauschleier!“ – „Und in meinen Fingern fängt’s an zu kribbeln, sie fühlen sich lahm und knotig an.“ – „Mensch, rede doch lauter, ich kann dich nur undeutlich verstehen.“ – „Ach, ich muss mich hinsetzen, ich fühl mich so schwer.“ – „In meinen Beinen sind Bleigewichte, ich kann sie kaum mehr anheben.“
Der Chef lehnte sich zufrieden in seinen Sessel zurück. „Na, merken Sie jetzt, was uns dieser Anzug bringt? – Wenn Sie den abhaben, fühlen Sie sich wie Senioren. Dann wissen Sie, wonach die Kunden der Zukunft verlangen. Nach deren Wünschen müssen wir unsere Kosmetika und auch die Unterwäsche herstellen. Ich erwarte von Ihnen Ideen, gute Ideen, bis zur nächsten Woche.“
Der Chef verließ mit stechenden Schritten den Raum, während die Sekretärin unmittelbar hinter ihm, fast in Tuchfühlung, durch die Tür schlüpfte.
Daniel Wortlieb sah seinen Kollegen Anton Fürchtegott resigniert an. „Schon wieder eine Neuerung.“ Anton nickte beifällig. „Vor Jahren war ewige Jugend angesagt, und jetzt machen wir auf alt. So ändern sich die Zeiten.“ Daniel und Anton, die beiden Leidensgefährten im Planungsbüro der Firma, wechselten noch einige vertraute Worte. Sie konnten sich aufeinander verlassen, denn sie waren zueinander ehrlich, eine Seltenheit in einem Betrieb, wo sonst nur die verlogenen Gesetze des Eigennutzes den Gesprächston angaben.
Zu Hause packte Daniel, unter den erstaunten Blicken Fabiolas, den Alters-Simulator aus.
„Ist das ein Geschenk für meinen nächsten Nachtdienst im Krankenhaus, damit ich die schrillen Alarmklingeln aus der Intensivstation nicht so laut höre?“, fragte sie mit grimmigem Lächeln.
„Gott behüte, diese Klamotten sind nicht für dich, es sei denn, ihr hättet Quarantäne-Fälle“, erwiderte er leicht bissig. „Aber, wenn’s dich interessiert, dann zieh diese Jacke ruhig mal an. Du wirst sehen, es ist wie ein Kugelhemd, Gefühle gehen da nicht mehr durch.“
„Mensch, du machst mich neugierig. Los, gib schon her!“ Damit schlüpfte sie in die Jacke, setzte sich den Helm auf, zog den Reißverschluss zu und betrachtete sich im Spiegel.
„Könntest du nicht einmal den Spiegel abwischen, er ist so verschwommen.“
„Braucht’s nicht, durch dieses Plexiglas sieht man so, eben wie alte Menschen noch sehen können.“
„Komm, fass mich an, meine Hände kribbeln.“ Sie näherte sich ihrem Mann und streckte ihm die Hände entgegen. Er nahm sie und drückte sie leicht.
„Das tut gut. Daniel, das tut gut. Weißt du, dieses Kribbeln ist so unangenehm. Als würd ich von Ameisen gezwickt.“
Sie zog den Anzug wieder aus, legte ihn auf den Sessel und ging ins Bad, wie jeden Abend. Es war bereits nach zehn, die Abendnachrichten waren eben vorbei und Daniel beschloss, auch in die Falle zu gehen.
Als er wie zum allabendlichen Ritual sein Lager bestieg, überflutete ihn auch schon wieder die allabendliche Schwermut, jenes Selbstmitleid, gepaart mit innerer Hitze und tief verletzter Mannesehre, das ihn seit Jahren quälte und marterte. Da fiel sein Blick auf den Anzug in steifem blauem Leinenstoff. Und wie ein rettender Gedanke durchschoss es ihn blitzartig. Das muss helfen. Fast zerriss er die Ärmel, so hastig stülpte er sich die Jacke über. Und wie der Helm auf seinem Kopf saß, spürte er auch schon seine Körperhitze verfliegen. Ihm war, als würde sie verdunsten und sich als feuchter Nebel auf das Plexiglas-Sichtfenster legen. Eine erlösende Schlaffheit befiel ihn, eine Mattigkeit, eine Müdigkeit, die ihn, noch in Kleidern, auf das Bett sinken ließ. War hier Erlösung?, dachte er sich, bevor der Schlaf ihm die Augen zumachte.
Schon war er in Schlummer versunken, als Fabiolas Hand auf seine Brust wanderte. „Komm, streichle mich noch einmal, mir hat das vorher so gut getan“, hauchte sie an sein Ohr. Er wachte auf, als habe sich ein Traum in die Wirklichkeit verirrt. Was ist mir?, dachte er bei sich, ist es Fabiola oder ist es eine fremde Frau? Noch nie war von ihr aus eine Hand zu ihm gekommen, so spontan, frei, und ohne Zwang. Noch halb träumend griff er nach Fabiolas Hand und spielte mit ihren Fingern. Sie fing an, ganz leise zu singen, fast schien ihm, als würde ein junges Kätzchen miauen. Und all das hörte und sah er wie durch einen Grauschleier. Seine Muskeln waren auf sanfte Art entspannt. „Schlaf gut, ich bin müde“, sagte er zu Fabiola und merkte dabei gar nicht, dass er damit eigentlich ihre ständige Gute-Nacht-Formel benutzte. Beide sanken sie nun in ihre Kissen zurück und die Nacht legte sich behutsam auf ihr Bewusstsein.
Am folgenden Tage arbeitete Daniel Wortlieb im Betrieb mit dem Alters-Simulator. Anton Fürchtegott musste Daniels Empfindungen unter dem neuartigen Anzug protokollieren. Es entstand ein sensitives Diagramm, Reizungen und Reaktionen wurden getestet und in Kurven festgehalten. Dann entwickelten sie Perspektiven zur Fertigstellung neuer Unterwäsche für Senioren, sie komponierten chemische Formeln für neue Fitness-Salben. Es entstanden Produktionspläne, seitenlange Spalten mit chemisch-technischem Know-how.
Aber Daniel dachte dabei an ganz andere Dinge. Es war so widersinnig seltsam. Aus der Erinnerung genoss er geradezu die neuen Erfahrungen seiner Alterskleidung, wie er sie für sich schon umgetauft hatte. Er hatte in der vergangenen Nacht so entspannt geschlafen. Ihm war gewesen, als seien die Wände seiner Blutgefäße, Adern und Venen, auf seltsame Art gelockert, biegsam und elastisch. Unnötig zu bemerken, dass ihn auch die Mannesgier, jener gnadenlose Zuchtmeister seiner nächtlichen Unruhe, auf ungewohnte Art verschont hatte. Und diese Schonung hatte er erlebt wie ein kühlendes Bad in bläulichem Wasser mit Melissenduft. So fühlte er beseligendes Erinnern während des konzentrierten Arbeitens. Und ihm geschah, was er schon seit Jahren nicht mehr erlebt hatte, er sehnte sich nach seinem Zuhause, nach Feierabend und Zusammensein mit Fabiola.
Fabiola versah ihren Dienst im Städtischen Krankenhaus, arbeitseifrig wie immer. Sie war als immer freundliche Krankenschwester beliebt und geschätzt. Doch während sie ihre Spritzen abfüllte, gegen das Licht hob und prüfte, dabei einen oder zwei Tropfen herausdrückte, um die Gefahr von Luftbläschen auszuschließen, fühlte sie wieder jenes Kribbeln in den Fingern und dachte an Daniels Hand, die sie so unglaublich zärtlich gestreichelt hatte. Das Kribbeln war unangenehm, war eine Altersstörung der sich unter der Epidermis verkrampfenden Nerven. Aber das Streicheln war so schön gewesen! Und als Fabiola durch die Gänge der Station ging, all ihre Arbeiten verrichtete, die Patienten, alte und junge, Männer und Frauen, pflegend anfasste, da war sie begleitet von jenem Kribbeln und von der Sehnsucht nach der erlösenden und zärtlichen Berührung. Seltsamerweise schien sich das Kribbeln auf ihren ganzen Körper auszuweiten, als sie den Patienten, die sich teilweise vor ihr entblößten, die Spritze geben musste. Fabiola hatte eine Empfindung, die sie in dieser Art noch nie erfahren hatte. Und plötzlich dachte sie mit Sehnsucht und Wärme an ihren Mann, dessen dunkle Brusthaare sie sonst immer an einen Grizzlybären erinnerten. Schlagartig kam ihr zu Bewusstsein, dass sie sich immer vor ihm gefürchtet hatte, vor seinem Ungestüm, seiner forschen Besitzgier und seiner roh zupackenden Gewalt.
Es kam der Abend. Zusammen nahmen sie im Esszimmer ihr Abendbrot ein. Fabiola hatte eine Kerze angezündet, Candlelight schimmerte romantisch durch den Raum. In der flackernden Flamme warfen die Gesichter des noch jungen Ehepaars zuckende Schatten. Sie verbrachten einige Zeit beim gemeinsamen Fernsehen, während Daniels Hand ihre kribbelnden Finger streichelte. Dann begaben sie sich zu Bette. Nur kurz hielt sich Fabiola im Bade auf, und nur kurz dünkte Daniel die Zeit des Wartens. Wie er so mit geschlossenen Augen auf dem Bette lag, zur Hälfte in die Decke gehüllt, Arme, Gesicht und Brust im Freien, da schien er Fabiola, als sei er ein junger Soldat, knabenhaft und schutzbedürftig in seinem Schlummer. Plötzlich schien ihr, als müsse sie ihn vor drohenden Kugeln beschirmen, als sei sein Körper gefährdet durch die Grausamkeit einer schlimmen Welt. Ihr ganzer Körper kribbelte, als würde eine Armee von Ameisen über ihn laufen. Sie musste Daniel wecken, denn er war schon eingeschlafen. Doch war sein Schlaf nur leicht und oberflächlich, ein seliges Dahingleiten direkt unter der Oberfläche des Bewusstseins. Nur ein leichtes Tippen auf Daniels Wange war vonnöten, und er umfing Fabiola mit verwunderten Blicken. Er öffnete seine Arme, in die Fabiola hineinglitt. Es war, als ob sie beide gar nichts tun würden, so selbstverständlich fanden sie zusammen. Er war ganz gelöst und ermattet, und was von ihm an Kraft auf sie überging, war so ruhig strömend, gelassen fließend, dass sie weder Angst noch Schmerz verspürte. Ihm selbst war, als träume er. Er fühlte Fabiola als das Urbild der Frau schlechthin. Er wollte sie nicht mehr besitzen, sondern sich selbst an sie verschenken. Gleichzeitig ahnte er das Kribbeln, das seine Frau überall zu elektrisieren schien, und er legte seine Hände auf sie, zu sanfter Zärtlichkeit, und beruhigte ihren Körper. So schliefen sie ein. Und ihnen war, als hätten sie jede Angst vor dem Alter verloren.


Alle Beiträge dieses Benutzers finden
Diese Nachricht in einer Antwort zitieren
Beitrag #2 |

RE: Der Alters-Simulator
Hallo Hans Werner und ein herzliches Willkommen!

Falls Du Dich vorstellen magst, dann kannst Du das hier tun.

Anmerkungen:
(Ich habe es noch immer nicht geschafft, eine Druckerpatrone zu holen - also kein Anspruch auf Vollständigkeit.)

Zitat:Ach, er kannte diesen Satz so gut, zum Verdrießen gut, er hasste und verabscheute diesen Satz, weil er ihn schon so gut kannte und weil er jede erotische Vorfreude von vornherein im Keim erstickte.
Ich möchte eigentlich nichts dazu sagen - einfach nur hervorheben und so stehen lassen. *g*

Zitat:Aus der Erinnerung genoß er geradezu die neuen Erfahrungen seiner Alterskleidung,
Ich meine, hier müssten zwei "s" anstatt "ß".
... genoss ...

Zitat:dessen dunkle Brusthaare sie sonst immer an einen Grizzly-Bären erinnerten.
... Grizzlybären ...

Zitat:hatte eine Kerze angezündet, Candelight schimmerte romantisch durch den Raum
Da ist ein "l" geflüchtet:
... Candlelight ...

Diese Geschichte hatte ich bereits vor langer Zeit auf Deiner Homepage gelesen und bin immer noch sehr angetan von diesem Werk.
Eine junge Ehe mit den normalen Schwierigkeiten jenseits der Schlafzimmertür. Ein Anzug, der das fortgeschrittene Alter simulieren soll - hier hatte ich kurz Mel Gibson vor Augen. ("Was Frauen wollen")

Gefällt mir immer noch sehr gut. Und schön, dass Du da bist.

LG
D.


Alle Beiträge dieses Benutzers finden
Diese Nachricht in einer Antwort zitieren
Beitrag #3 |

RE: Der Alters-Simulator
Eine sehr schöne Geschichte. Für mich, der momentan fast jeden Tag mit alten Menschen zu tun hat, war dieser Alters-Simulator recht interessant, vor allem seine Authentizät. Das Alter wird als recht positiv dargestellt, mit seiner Ruhe - jedoch leiden auch manche darunter, dass sie eine allgemein Lustlosigkeit überkommt, bei Sachen, die sie früher nicht aus Zwang taten, sondern auch einfach genossen haben...

Jedenfalls hast du eine sehr schöne Geschichte geschrieben, mit interessanter Sprache - ich schätze, du liegst über dem Altersdurchschnitt der Schreiber hier im Forum, was angenehm ist, ein wenig Abwechslung. Icon_wink
Mir hat die Entwicklung der beiden Protagonisten sehr gut gefallen, wie ihre neuen Erfahrungen sie einen Schritt voran und zueinander gebracht haben. Ein realistisches Happy End, da es nur für den Moment gilt, eine Geschichte allgemein, die glaubwürdig erscheint. Gut gelungen, hat mir sehr gefallen. Icon_smile

"Literaten sind genau so dumm wie jeder normale Mensch auch, nur verfügen sie über einen größeren Wortschatz, um das verbergen zu können."
Unbekannter Autor

Alle Beiträge dieses Benutzers finden
Diese Nachricht in einer Antwort zitieren
Beitrag #4 |

RE: Der Alters-Simulator
Hallo Dreadnoughts,

schon einige Wochen sind es her, dass Du meine Geschichte kommentiert hast. Gerade habe ich mit Entsetzen gemerkt, dass ich auf Deine freundliche Zuschrift noch nicht geantwortet habe. Das tut mir leid und ich bitte um Entschuldigung. Ich bedanke mich für Deinen Kommentar, auch für die Verbesserungen, die ich im Text umgesetzt habe. Es freut mich, dass Dir meine Geschichte nach wie vor gefällt. Auch fühle ich mich auf diesem neuen Forum sehr wohl.

Herzliche Grüße

Hans Werner


Alle Beiträge dieses Benutzers finden
Diese Nachricht in einer Antwort zitieren
Beitrag #5 |

RE: Der Alters-Simulator
Hallo Mondluchs,

für Deine freundliche Zuschrift bedanke ich mich sehr herzlich. Es freut mich sehr, dass Dir meine Geschichte gefällt. Was das Alter betrifft, so hast du völlig recht mit Deiner Vermutung, dass ich selbst nicht mehr ganz zu den Jüngsten gehöre. Nun muss man aber bemerken, dass ich die beiden Protagonisten in eine Altersstufe verlegt habe, die mit ihren 30 Jahren noch mitten im Leben drin liegt. Wenn man bedenkt, dass ich selbst beinahe eine Generation älter bin, dann erkennt man den großen zeitlichen Abstand, den ich beim Schreiben sehr wohl empfunden habe und der vielleicht ein Hauptgrund dafür gewesen ist, dass ich die Geschichte überhaupt geschrieben habe.

Viele Grüße

Hans Werner


Alle Beiträge dieses Benutzers finden
Diese Nachricht in einer Antwort zitieren
Beitrag #6 |

RE: Der Alters-Simulator
Hallo Hans - Werner,
ich glaube, wir beide hatten noch nicht das Vergnügen. Deine Geschichte steht nun schon seit einiger Zeit in meiner Favoriten - Liste, und nun habe ich endlich die Zeit dafür gefunden.

Zitat:Er war erst gerade 30 Jahre alt geworden und in ihm kochten die Lebenssäfte.
- An dieser Stelle würde ich die Reihenfolge der Worte umdrehen, da es so etwas holprig klingt.
*Er war gerade erst 30 Jahre alt geworden (...)

Zitat:Fabiola war ungefähr gleich alt, aber sie war mit einer sanften Natur begnadet, heißblütige Erregungen lagen ihr fern.
- Auch hier finde ich die Wortwahl etwas seltsam. Als Ehemann sollte er zudem wissen, wie alt sie ist.
- "ungefähr gleich alt" - wie wäre es stattdessen mit "Fabiola war in seinem Alter" oder "genauso alt"

Zitat:(...) dann erhob sie sich nach vollzogenem Akt unverzüglich und reinigte sich nebenan im Bad gründlich.
- hier ebenso. Das "gründlich" wirkt hier irgendwann hintenangestellt, fast wie drangehängt.

Zitat:„Ich habe schon meine Lage“, beschied sie ihm aus dem entferntesten Zipfel ihres Kopfkissens.
- Mrgreen
Die Ausrede kannte ich noch nicht.

Zitat:Auch er suchte sich dann seine Lage, [quote]wälzte sich von einem Bettrand zum andern und wollte seine Gedanken kühlen.

- von Bettrand zu Bettrand kann er sich nicht rollen, da seine Frau ja mit im Bett liegt. Wie wäre es mit: von einer Seite auf die andere?

Zitat:Tags darauf erhoben sich beide jungen Eheleute und schenkten sich einen frohen Morgengruß, so, als sei abends davor nichts geschehen.

- die Fromulierung klingt in meinen Augen etwas unglücklich. Würde entweder "die jungen Eheleute" oder "erhoben sich die beiden und" verwenden. Das es zwei sind, ist ja schon durch Eheleute vorgegeben.

Zitat:Im Betrieb wurde er zum Chef gerufen.
- Es klingt so, als würde nur er zum Chef zitiert werden, dabei werden ja alle bestellt. Das würde ich hier erwähnen, sonst verwirrt es den Leser.

Zitat:Der Chef verließ mit stechenden Schritten den Raum, während die Sekretärin unmittelbar hinter ihm, fast in Tuchfühlung, durch die Tür schlüpfte.
- Ich persönlich hab dieses Wort noch nie in Verbindung mit Schritten gehört. Bist du dir sicher, dass das zusammen geht? Icon_confused

Zitat:Und wie ein rettender Gedanke durchschoss es ihn blitzartig. Das muss helfen.
- etwas das durchschießt, ist schon schnell - ist daher etwas doppeltgemoppelt. Außerdem würde ich zwischen die beiden Sätze ein Doppelpunkt schöner finden, da der erste Satz ja den zweiten ankündigt.

Zitat:Es war so widersinnig seltsam.
- klingt irgendwie doppeltgemoppelt. Eines reicht, denke ich ...

Zitat:Und plötzlich dachte Grizzlybären erinnerten.
- dieser Satz ist seltsam und ergibt irgendwie auch keinen Sinn für mich.

Zitat:Fabiola hatte eine Kerze angezündet, Candlelight schimmerte romantisch durch den Raum.
- das ist das erste Mal, dass du ein englisches Wort verwendest. Es klingt daher sehr konstruiert, fast so, als hättest du dringend ein wort gebraucht. Warum nicht? * (...) angezündet, deren Licht den Raum romantisch schimmern ließ. *

Zitat:Doch war sein Schlaf nur leicht und oberflächlich, ein seliges Dahingleiten direkt unter der Oberfläche des Bewusstseins. Nur ein leichtes Tippen auf Daniels Wange war vonnöten, und er umfing Fabiola mit verwunderten Blicken. Er öffnete seine Arme, in die Fabiola hineinglitt.
- Diese Dopplung ist mir beim Lesen negativ aufgefallen.

So, das sind die kleinen Dinge, die mir so ins Auge stachen. Ansonsten kann ich zu deinem Text recht wenig sagen. Geschrieben ist er gut, auch wenn er stilistisch nicht ganz auf meiner Wellenlänge liegt. Der Inhalt las sich interessant, aber zum Ende hin fehlte mir etwas. Irgendwie ist mir der Text zu ruhig, zu eintönig ... und das Ende läuft aus, ohne wirklichen Abschluss. Zumindest ist das mein Eindruck beim Lesen. Aber wahrscheinlich liegt das daran, dass ich den Text nicht ganz verstehe. Das Paar hat Probleme - er will, sie nicht. Aber warum will sie nicht? Gibt es eine Krise in der Ehe? Was ist der Grund für dieses Verhalten?
Dann schlüpfen sie in den Anzug - ihm hilfts, da seine Libido nachlässt, was biologisch nicht wirklich stimmen muss. Icon_wink
Und sie ... sie wird erregt? Ist das das Kribbeln? Wenn ja, warum? Sie hatte ihn ja nur kurz an und trotzdem ändert sich ihre Einstellung zur Nähe abrupt und um 180 Grad.
Das finde ich alles sehr merkwürdig. Mir fehlt die Erklärung, eine Auflösung, einfach das warum hinter der Handlung der Figuren?

LG
Adsartha

"I wish a car would just come and fucking hit me!"
"Want me to hail a cab?"
"No, I'm talking bus!"  (The four faced liar)

Da baumelt die kleine Doktorspinne in ihrem Seidenreich und träumt von ihren Silberfäden.
[Bild: riverdance.gif]

Alle Beiträge dieses Benutzers finden
Diese Nachricht in einer Antwort zitieren
Beitrag #7 |

RE: Der Alters-Simulator
Guten Morgen Adsartha,

gerade lese ich Deinen ausführlichen Kommentar und möchte mich dafür sehr herzlich bedanken. Du hast Dir viel Zeit genommen mit meinem Text und vor allem viele stilistische Einzelbeobachtungen angestellt, die mir wirklich sehr nützlich sind. Durch Deine Bemerkungen empfinde ich nun selbst, dass bei manchen Formulierungen, die ich nachlässig hingeschrieben habe, einiges nicht ganz stimmt. Ich werde in den kommenden Tagen alle Anregungen noch einmal durchgehen und manches davon übernehmen. Manches aber werde ich auch belassen, da es nach meinem eigenen Sprachgebrauch richtig ist. Wir sagen zum Beispiel für die Gangart exerzierender Soldaten "Stechschritt" und es hat sich auch eingebürgert, wenn wir sagen wollen, dass jemand mit sehr scharfen Schritten einhergeht. Die Ausrede "Ich habe meine Lage" ist ebenfalls aus der Wirklichkeit gegriffen. Bei den anderen Dingen hast Du weitgehend Recht und ich bin Dir für Deine Beobachtungen wirklich sehr dankbar.

Nun zum Inhalt. Die Sache mit dem Alterssimulator gibt es. Ich habe das in einem Zeitungsbericht gelesen. Solche Anzüge sind geschaffen worden, um den Modemachern in Kleiderfabriken das Lebensgefühl älterer Menschen zu simulieren. Das ist also authentisch. Die Anwendung auf den sexuell-erotischen Bereich entspringt meiner eigenen Fantasie. Es geht mir dabei einfach um die Frage, ob menschliche Körper mit zunehmendem Alter abstumpfen oder im Gegenteil noch an Sensibilität zunehmen. Ich bin nun der Meinung, dass das Zweite der Fall ist. Die Geschichte ist sozusagen bildhaft zu verstehen. Eine kausale Begründung oder eine medizinische Erklärung gibt es nicht. Die könnte ich auch nie geben, weil es dazu wissenschaftlicher Forschungen oder Kenntnissen bedürfte.

Viele Grüße

Hans Werner


Alle Beiträge dieses Benutzers finden
Diese Nachricht in einer Antwort zitieren
Beitrag #8 |

RE: Der Alters-Simulator
Hallo Hans - Werner,
danke für die schnelle Rückmeldung.
Es freut mich, dass du mit meinen Anmerkungen etwas anfangen kannst. Sie sind nur Vorschläge von mir, daher ist es auch völlig rechtens wenn du deinen Text so belässt oder etwas nimmst, was deinem stil näher ist.
Das mit dem Stechschritt wusste ich noch nicht. *wieder was dazugelernt hab* Icon_wink
Und wenn die Ausrede auch noch aus der Realität stammt, finde ich sie noch schräger. Icon_smile

Was ich mit einer Begründung meinte, war keine wissenschaftliche Analyse oder Ähnliches sondern eine schlüssige Pointe/Erklärung im Text. In meinen Augen kommt nicht so ganz rüber, warum die Ehefrau plötzlich so liebebedürftig war, wo sie doch vorher eher anders gestrickt war. Mir fehlt einfach bissl Hintergrund hinter deinen Personen, wenn du verstehst, was ich meine.

LG
Adsartha

"I wish a car would just come and fucking hit me!"
"Want me to hail a cab?"
"No, I'm talking bus!"  (The four faced liar)

Da baumelt die kleine Doktorspinne in ihrem Seidenreich und träumt von ihren Silberfäden.
[Bild: riverdance.gif]

Alle Beiträge dieses Benutzers finden
Diese Nachricht in einer Antwort zitieren
Beitrag #9 |

RE: Der Alters-Simulator
Hallo Adsartha,

gerade habe ich bemerkt, dass ich auf Deine Antwort nicht noch einmal auch geantwortet habe. Das will ich nun schleunigst nachholen. Ich danke Dir für Dein Interesse und vor allem auch für das kritische Mitdenken an der Handlung meiner Geschichte. Je mehr ich darüber nachdenke, fühle ich auch, dass es hier Lücken gibt. Nur will ich eben nicht erklären, sondern darstellen. Und dieser seltsame Anzug, den es übrigens tatsächlich gibt, war mir der Aufhänger für die Darstellung eines Problems, das vielleicht gar nicht so selten auftritt.

Viele Grüße

Hans Werner


Alle Beiträge dieses Benutzers finden
Diese Nachricht in einer Antwort zitieren
Beitrag #10 |

RE: Der Alters-Simulator
Hallo Hans Werner,

klasse Idee, anhand dieser Erfindung einen kritisch beobachtenden Blick auf das Verhältnis dieser beiden "jungen" Eheleute zu werfen! Formulierungen gehen fast immer zu verbessern. Die Ratschläge sind alle gut, meine Anerkennung für jeden. Um die Geschichte zu verbessern, halte ich Adshartas Ratschläge für die besten und Deine Antwort im Beitrag 7, 2. Absatz, für den besten Weg dahin. Was Du dort geschrieben hast, solltest Du im Schluss der Geschichte literarisch umsetzen. Dadurch wird sie zwar länger, doch das verdient sie auch.

Gerne gelesen. Bin auf weitere Geschichten gespannt.

Gruß Klaus


Webseite des Benutzers besuchen Alle Beiträge dieses Benutzers finden
Diese Nachricht in einer Antwort zitieren


Gehe zu:


Benutzer, die gerade dieses Thema anschauen: 1 Gast/Gäste

Deutsche Übersetzung: MyBB.de, Powered by MyBB, © 2002-2020 MyBB Group.

Design © 2007 YOOtheme