Es ist: 28-09-2022, 17:26
Es ist: 28-09-2022, 17:26 Hallo, Gast! (Registrieren)


5 Wörter - Teil 38 (abgeschlossen)
Beitrag #31 |

Für den König der Nacht!
Die Ohren hatten sich schon an den Lärm der Rotoren gewöhnt, während die Augen weiterhin uneins mit sich selbst waren. Das linke geschlossen, das rechte starrte durch das Fernglas auf die Welt unter ihnen, die ihm wie eine Miniaturlandschaft vorkam. Kleine Häuser, nahtlos und unendlich aneinander gebaut. Manchmal klaffte eine Lücke in der Zeile und glich einem alten Gebiss beim Zahnarzt. Zierliche Fahrzeuge in allen Farben und Kombinationen, die eher in eine Modelleisenbahnlandschaft passten. Und dann waren da noch die strichförmigen Menschen.
Wie Viren unter einem Mikroskop, dachte Rudi und stellte das Bild schärfer, während der Hubschrauber des Eau-Noir-Sicherheitsdienstes von oben der sonderbaren Schlange unter ihm folgte. Der blaue BMW raste über den großen Platz in der Innenstadt und versuchte die gegenüberliegenden Fahrbahnen des Wallrings zu erreichen. Dabei zog er eine Linie aus blinkenden Audis der Bundespolizei hinter sich her.
Er kniff das rechte Auge mehrmals zusammen, dann schaute er wieder durch das Fernglas. Das Gewehr meldete ihm die gesuchte Zielperson in dem BMW mit Namen, Alter und Konfession.
Rudi hatte bereits zweimal geschossen und leider nicht getroffen. Aber nur, weil der BMW in exakt den Sekunden irgendwelchen Hindernissen ausweichen musste. Ob er dabei jemand anderen lebensgefährlich getroffen hatte, war ihm egal. Job war Job. Und wenn er schießen musste, musste er es eben.
Der BMW erreichte das Ende des Platzes und schoss in eine der alten Ausfallgassen, dicht gefolgt von den Audis. Die hohen aneinandergereichten Häuser verhinderten die Sicht und er presste enttäuscht die Lippen zusammen.
"Mist!"
"Warte bis er den Ausgang erreicht", rief Martin von vorne.
Rudis zielte mit dem Gewehr dorthin, aber der Winkel war zu spitz. Das Schussfeld war winzig.
"Wir müssen näher ran!"
Martin sagte nichts, stattdessen neigte sich der Hubschrauber und flog in einer schwachen Kurve näher heran. Das Blinklicht der Audis tanzte auf den Fenstern und den Fassaden der Häuser - zu sehen war es selbst nicht. Noch bevor Rudi zufrieden nicken konnte, bereits wieder am Fernglas hantierte und es schärfer stellte, senkte sich ein dunkler Schatten aus dem Nachthimmel herab.
"Verdammt, was soll das?", brummte Rudi, als er das Logo der Bundespolizei auf dem anderen Hubschrauber erkennen konnte.
"STELLEN SIE DAS FEUER EIN!", rief eine Stimme von drüben.
"Sind die übergeschnappt?", hörte er Martin von vorne, der nicht minder angefressen war. "Wer soll es denn sonst tun?"
Der Hubschrauber der Bundespolizei blieb genau zwischen ihnen und der Gasse mit der endlosen Häuserzeile, wo der BMW gerade aus der Gasse schoss, ...
"SOFORT!"
... in einer wilden Bewegung zuerst die anderen Fahrzeuge zum Anhalten zwang, ...
"WIDERSTAND IST ZWECKLOS!"
... dann auf der anderen Fahrbahnseite beschleunigte und aus dem Sichtfeld raste.
"Er ist weg!", rief Rudi, der im Visier des Fernglases auf dem Rücken des Gewehrs nur noch die Audis sah. "Scheiße."
Er konnte Martins Gesicht nicht sehen, aber erahnen, als er ihn seufzen hörte.
"Das wars dann."
***

Irgendwann, als er aus dem Moloch Großstadt heraus war, beruhigten sich seine Nerven. Da war eine Grenze gewesen, die er unbewusst überschritten hatte. Er wusste nur nicht mehr, wo es gewesen war.
Beim Schild, das ihm ankündigte, dass er den Stadtbereich verließ? Oder war es bereits beim Abschied von Karla passiert?
Er hatte den fünften Gang eingelegt, gab den zweieinhalbtausend Kubikmetern jeden Tropfen Diesel, den sie brauchten.
Draußen flogen nicht länger Häuserwände, Laternen, Fahrzeuge oder Menschen an ihm vorbei, sondern nur noch Lärmschutzwände, Leitplanken und ausgestorbene Waldlandschaften. Immer mal wieder unterbrochen von weiten Grasflächen, Hochsitzen und Bauernhöfen in der Ferne. Doch er starrte nur auf die leere Straße vor ihm, während sein Geist ins gestern schaute.
Jahrelang der Trott des Trauerns, des Überlegens, des Zorns und der Wut war wie weggewischt gewesen, als ihm die Idee kam. Ironischerweise, wollte er nur eine kaputte Lampe im Bad auswechseln und war dabei von der Leiter auf die Kloschüssel geprallt. Mit dem Kopf voran.
"Ja", murmelte er. "Der Kondensator."
Technische Daten schwirrten vor seinem geistigen Auge herum. Er wusste genau, wie was funktionierte. Oder besser: Wie es funktionieren sollte. Getestet hatte man es noch nicht, dafür war es zu gefährlich. Eine Büchse der Pandora würde niemand freiwillig öffnen wollen. Es sei denn, man war dazu gezwungen. So wie er.
Er schaute für einen kurzen Moment auf das Bild seiner toten Frau auf dem Beifahrersitz. Die kritische Stimme seiner Frau meinte er sogar hören zu können.
"Du hast es gestohlen", sagte sie. "Gestohlen!"
"Damit ich Dich retten kann", flüsterte er.
"Ich bin tot."
Er wandte den Blick wieder ab und konzentrierte sich auf die Straße, die von den blinkenden Lichtern hinter ihm und dem Hubschrauber genügend ausgeleuchtet wurde.
"Nicht mehr lange."
Seine Stimme war fester geworden. Die innere Grenze war weg. Die äußere lag vor ihm. Auf dem Display konnte er sie bereits sehen. Der Punkt ohne Wiederkehr. Eine Brücke, die über einen Fluss führe. Das Wasser sah aus, wie ein schwarzes Stromkabel. Kein Glitzern, nichts.
"LUKAS!", donnerte Christians Stimme von hinten durch den BMW. "TU DAS NICHT!"
Er weiß sich nicht mehr zu helfen, dachte er. Jetzt versucht er es so.
Christian und Martin waren einmal seine besten Kollegen gewesen, die nach dem Tod seiner Frau sogar noch seine besten Freunde wurden. Allerdings konnten sie ihm bei der langen Trauer niemals wirklich helfen.
Technisch veranlagte Menschen suchen nach Lösungen in Zahlen und Gleichungen. Sie vertrauen auf die Physik, die dieser Planet den Menschen zur Verfügung stellte. Das seelische Problem konnte niemand aus diesem Personenkreis wirklich analysieren. Geschweige denn eine menschliche Lösung präsentieren, die mit der Technik im Einklang stand.
"Dabei ist es so einfach", murmelte Lukas. "So einfach."
Der Hubschrauber gab seine begleitende Rolle auf. Er flog an ihm vorbei in die Nacht hinein und zog den Scheinwerfer mit sich mit. Doch was Lukas dabei sah, behagte ihm gar nicht.
Auf der Brücke standen noch mehr Bundespolizeiautos, dicht an dicht. Die Türen geöffnet. Dahinter konnte er Schatten erkennen, kleine Strichmännchen. Wahrscheinlich zielten sie bereits mit ihren Waffen auf die Motorhaube des BMWs, die Windschutzscheibe. Und seinen Kopf.
"DAS IST DEINE LETZTE CHANCE!"
Er schüttelte den Kopf, drückte den rechten Fuß weiter auf das Pedal und gab Gas.
Auf dem Kombiinstrument schnellte die Nadel für die Geschwindigkeitsanzeige immer weiter nach rechts unten.
180. 190.
Zugegeben, die anderen waren nicht langsamer geworden. Und der BMW alt. Aber mit Überraschungen gespickt.
200. 210.
Er hatte sich ein zufriedenes Lächeln gegönnt, als er auf das Display in der Mittelkonsole tippte. Verschiedene Grafiken, Diagramme neben einem namenlosen Button in rot erschienen.
"Kondensator aktiviert", murmelte die gelangweilte Frau aus den Lautsprechern. "Juggernaut wird gestartet."
Aus dem Handschuhfach brummte es.
220. 225.
Dort, wo der Aschenbecher sich einst befand, leuchtete eine Energieanzeige in einem beruhigenden Grünton auf.
230. 235.
"HÖR AUF, SOLANGE DU NOCH KANNST!", drang die Stimme des Ex-Kollegen durch das Megaphon aus dem hinter ihm fahrenden Blaulicht auf dem Dach.
240.
Die Brücke war nicht mehr weit entfernt, das Logo der Audis bereits zu sehen.
245.
"LASS! ES! SEIN!"
250.
Der Mittelfinger von Lukas rechte Hand streckte sich nach oben, sichtbar für alle.
"Fick Dich selbst!", rief er und drückte dabei auf den namenlosen Button in rot.
Sterne bildeten sich direkt vor ihm, formten Linien. Eine Röhre, ein Kanalkonstrukt von dunkler schlichter Schönheit. Das Bild zersplitterte, der Geschmack von Mandel lag ihm auf der Zunge, als sich ein unsichtbarer Schlund öffnete und den BMW förmlich verschluckte.
***

Sie hatten angehalten.
Waren ausgestiegen.
Unsicher, was hier gerade passiert war, obwohl noch alles völlig normal aussah.
Der Hubschrauber kreiste über den Audis auf der Brücke und das Scheinwerferlicht traf dabei die ratlosen Gesichter der Bundespolizisten. Sie senkten ihre Pistolen und Gewehre und schauten fragend auf die beiden brennenden Reifenspuren, die bis an die Motorhauben der Audis heranführte. Das Einzige, was vom BMW übriggeblieben war.
Über ihnen am Himmel blitzte es hinter der dichten Wolkendecke. Mehrmals hintereinander. Danach schien es, als würde Gott persönlich das Licht einschalten.
"Was ist hier los?", fragte Hikaru, der neben Christian stand und sich dabei unentwegt umsah. So als ob sie einer optischen Täuschung erlegen wären. Doch da waren nur die Audis auf der Brücke, der eigene Wagen, mit dem sie mitgefahren waren hinter ihnen. Der Hubschrauber am Himmel, der fragende Kreise zog.
Der Abteilungsleiter wirkte plötzlich gefasst, entspannt, ruhig. Er griff in seine Jackentasche, fischte sich eine neue Zigarette heraus und zündete sie sich an.
"Nichts", antwortete Christian und schaute in den Himmel, der immer heller wurde. Erst grau, dann ein schlichtes krankenhausweiß.
Hikaru sah, wie der Hubschrauber verschwand. Einfach so. Genauso plötzlich wie die Audis und die Polizisten auf der Brücke.
Ein Blick zurück. Khaled, der eben noch auf dem Fahrersitz gesessen hatte, war ebenfalls weg.
"Er hat es geschafft", murmelte Christian und schaute auf die Glut seiner Zigarette, die langsam erlosch. "Tatsächlich geschafft!"
Hikaru antwortete nicht darauf. Der Japaner stand schon nicht mehr an seiner Seite, als das Weiß kam.
Es war kalt.
Erst Nadelstiche in seiner Haut, dann folgte Taubheit, die mit dem Nichts an ihm hinauf kroch.
"Liebe macht blind."
Seine Beine waren nicht mehr zu spüren.
"Und dumm!"
Genauso wie der Bauch, dann die Arme. Die Finger mit der erloschenen Zigarette. Das schlagende Herz genauso, wie die Lungenflügel.
"Vollidiot!", sagte er mit dem letzten Hauch, der ihm aus dem Mund kletterte. Atemlosigkeit für einen Moment. Nur kurz, denn Christians grimmiger Kopf war das letzte von ihm, was verschluckt wurde.

3 2 9 9 7 5
V VII IX IX II III

"Entschuldigen Sie", sagte eine weibliche Stimme und ein Finger deutete auf die unbelegten Sitzplätze der Vierergruppe. "Ist hier noch frei?"
Die Angesprochene mit den Sommersprossen um die Nase herum hob den Blick aus ihrem Buch und blinzelte. Die Frau, die vor ihr stand, war jünger als sie, schätzungsweise 20. Sie trug einen sympathischen Zug auf ihrem Gesicht. Die Kleidung war adrett, gepflegt und zeugte zumindest von einem soliden Lebensstil.
"Ja", sagte die Angesprochene und klappte das Buch zu. "Nehmen Sie ruhig Platz."
"Danke."
Die junge Frau schob den kleinen Koffer in die obere Gepäckablage, bevor sie ihre Jacke auszog und auf den Sitz legte, der sich näher zum Mittelgang befand. Dann setzte sie sich auf den anderen nahe des Fensters.
"Sie brauchen damit nicht aufzuhören", sagte sie und zeigte auf das Buch mit dem Titel 'Danse Macabre'.
"Ach", die ältere Frau und schüttelte den Kopf. "Ich sitze hier schon seit Hamburg und lese. Eine Pause wird mir guttun."
Die rechte Hand der jüngeren Frau schoss vor.
"Lisa", sagte sie und die Ältere nahm die Hand erst nach einigem Zögern.
"Sophie", sagte sie und registrierte, dass die Haut warm und weich war. "Angenehm."
"Fahren Sie auch bis München?"
"Ja." Sophie seufzte. "Jeden Freitag. Und jeden Montag wieder zurück nach Hamburg."
"Ist doch eine schöne Stadt."
"Aber nicht, wenn man beruflich dorthin muss."
"Achso." Lisa schaute auf das zugeklappte Buch in Sophies Schoss. "Und dann noch ein Buch von Stephen King?"
"Es ist kein Roman, sondern eher eine Abhandlung über Horrorelemente in Filmen und Geschichten."
"Oh."
"Ich hatte mich auch auf einen Roman gefreut." Sie hob enttäuscht die Hände. "Aber ... Ich meine, es liest sich gut und schön und so weiter. Aber es ist eben keine Horrorgeschichte."
Lisa schmunzelte.
"Sie mögen Horror?"
"Wir schauen solche Filme sehr gerne, weil sie so ungemein spannend und ..." Sophie suchte nach einem begriff, aber es war Lisa, die den Satz ergänzen konnte. "Kribbelig sind?"
"Ganz genau", sagte die Frau mit den Sommersprossen. "Auch ein Horrorfan?"
Lisa lachte und es wirkte so, als würde ein Engel aus dem Himmel auf die Erde kommen um damit die ganze Menschheit für sich zu gewinnen.
"Nein!", sagte sie. "Ich habe letztens mit Freunden zusammen Event Horizon gesehen. Niemals wieder!"
"So schlimm ist der doch gar nicht."
"Gräßlich." Lisa rümpfte die Nase. "Die Szenen mit der eigentlichen Besatzung waren echt schlimm."
"Dafür ist es aber eine interessante Idee gewesen."
"Diesen Film überhaupt zu drehen?"
"Nein", antwortete Sophie. "Die Idee mit der Überlichtgeschwindigkeit. Also, wie das Schiff von einem Ort zum anderen gekommen ist."
"Das muss die Hölle gewesen sein."
"Meine bessere Hälfte meinte, dass es auch eine ferne Zukunft sein könnte, die ... nunja, tatsächlich eher der Hölle gleichen würde."
Lisas Blick verlor sich auf Sophies Finger, doch da war kein Ring zu sehen.
"Sind Sie ...?"
Sophie schüttelte den Kopf.
"Verheiratet? Nein." Sie schaute aus dem Fenster hinaus und betrachtete für einen kleinen Moment die vorbeiziehende Landschaft aus kleinen Wäldern, Ortschaften, Lärmschutzwänden und kurzlebigen Tunneln. "Leider hatten wir dafür noch keine Zeit."
Lisas Gesichtsausdruck verhärtete sich ein wenig.
"Für sowas hat man doch immer Zeit."
Sophie hing noch immer den vorbeirauschenden Szenen hinter dem Fenster nach.
"Wir nicht."
***

Er tippte mit dem Fuß auf den Boden. Genau wie vor einigen Minuten.
Der Punkt darunter war ein Knopf, der dem Zug signalisierte, dass der Lokführer noch wach war. Eine Sicherheitsmaßnahme, die nervig war. Aber unabdingbar.
Die orangefarbenen Vorhänge an den beiden Frontscheiben hatte er zur Hälfte heruntergezogen, weil ihn die Sonne an diesem herrlichen Tag einfach nur blenden wollte. Oder auslachen, das konnte man sehen, wie man wollte.
Lukas saß vor der weiß-grauen Konsole in Plastikverkleidung, die an den Charme der vergangener Siebziger erinnerte. Er lehnte sich in den Sitz zurück, ignorierte das Jucken unter der blonden Perücke und dachte an die letzten Stunden zurück, die jetzt Jahre vor ihm lagen. (Besser gesagt: Hoffentlich niemals liegen würden.)
Der Sprung selbst war laut Aufzeichnungen reibungslos verlaufen. Die tatsächliche Reisezeit lag bei gerade 144,62 Millisekunden, doch in seinem Kopf war es wesentlich länger gewesen. Ein freier Fall durch eine explodierende Dunkelheit mit Sternen und Linien.
Am Anfang war nur der Mandelgeruch geblieben, als er aus dem Wagen ausgestiegen war. Die Bundesstraße war zu einem kleinen Feldweg mitten im Wald mutiert, der ihn auf den ersten Meter ganz schön durchgeschüttelt hatte.
Er war ausgestiegen. Das Licht aus dem Innenraum und die beiden Scheinwerferkegel waren die einzigen Lichtquellen an diesem Ort. Um ihn herum war nur Dunkelheit gewesen.
Bis er zurück in die Stadt fuhr. Sein Wagen fiel nicht auf, weil er zu diesem Zeitpunkt noch gebaut wurde. Er selbst fiel auch nicht auf, als er den BMW am Hauptbahnhof parkte und mit seiner Tasche bewaffnet das Areal betrat. Im Gegensatz dazu aber die Lichter, die Gebäude und die Menschen selbst. Im ersten Moment hatte er gedacht, es würde ein grauer Schleier auf seinen Augen liegen, doch seinen Iriden ging es gut, nachdem er das Blau seines Autos angestarrt hatte.
Und die Menschen, die an ihm den Hauptbahnhof betraten oder verließen - mit und ohne Koffer, zu zweit, zu dritt oder alleine - sahen manchmal so aus, als wären sie aus einem schwarz-weißen Foto herausgesprungen.

Mittlerweile hatte er sich daran gewöhnt. Sogar daran, dass auf die Hektik vor dem Sprung nun Langeweile folgte. Fußknopf betätigen. Abbremsen vor der Einfahrt in andere Bahnhöfe, anhalten, weiterfahren. Die Funksprüche mit den Bahnabschnittsleitungen im Fachjargon abwickeln und darauf warten, dass er den bestimmten Punkt genau traf. Und dieser lag nicht mehr weit von ihm entfernt.
***

"Manchmal kommt es mir so vor, als wäre der Zug das Leben", sagte Sophie, "der durch die Landschaft der Zeit fährt."
"Ein merkwürdiger Gedanke."
"Kommt davon, wenn man zu oft mit diesen Dingern unterwegs sein muss."
Lisa zeigte auf das Buch.
"Eher davon", sagte sie und lächelte. "Das kann doch nur zu abstrusen Gedanken im Kopf führen."
"Denken Sie nicht darüber nach?"
"Worüber?"
"Die Zeit? Das, was wir zurücklassen im Leben?"
Lisa seufzte.
"Schon. Irgendwie", antwortete sie. "Aber zurzeit stehe ich eher mitten im Leben, als davor oder danach."
"Sie sind noch jung."
Lisa lachte.
"So kann man es auch sehen, ja." Und mit einem ernsteren Ausdruck auf ihrem Gesicht: "Die Zukunft ist noch so weit weg, so unerreichbar, wie eine verschlossene Tür."
"Das klingt, als hätten Sie Angst davor."
"Ein bisschen schon", sagte Lisa und strich sich eine Strähne ihrer braunen Haare hinter das Ohr. "Das Leben ist schön, also jetzt. Keine Ahnung, wie das später aussieht."
"Interessant."
"Ja?"
Sophie tippte auf das Buch.
"King schreibt, dass das, was hinter der Tür oder am Ende der Treppe lauert, niemals so schrecklich ist, wie die Treppe oder die Tür selbst."
Lisa hob eine Augenbraue, dann schmunzelte sie.
"Was ist?", fragte die Frau mit den Sommersprossen.
"Ach ..." Lisa winkte ab. "Es ist nur wegen dem, was Sie vorhin gesagt haben."
Jetzt war es Sophie, die Lisa fragend anschaute.
"Was habe ich denn gesagt?"
"Dass der Zug das Leben ist, der durch die Landschaft der Zeit fährt."
"Und?"
Lisa nickte zum Buch.
"Wenn man das zusammen betrachtet, dann müsste ja irgendwo auf den Gleisen eine Tür stehen, gegen die wir irgendwann prallen würden."
"Sie haben eine merkwürdige Art die Welt zu sehen."
Die junge Frau lachte, dann tippte sie sich an den Kopf.
"Meine Oma sagt immer, dass meine Gehirnwindungen die Wirklichkeit anders verknoten."
"Nein", sagte Sophie und hob beschwichtigend die Hände. "Das war nicht negativ gemeint."
"Ist schon in Ordnung." Lisa strahlte wie ein Honigkuchenpferd. "Das liegt in der Familie."
"Es war wirklich nicht böse gemeint!"
"Ehrlich. Selbst meine Oma ist so. Sie sollten sie mal sehen, wenn sie in ihrem Garten sitzt, während die ganzen Bienen, Fliegen und andere Artgenossen um sie herumschwirren." Lisa machte eine theatralische Pause, bevor sie wild mit den Händen um sich schlug und den Tonfall ihrer Großmutter nachmachte. "Verdammtes Libellentum! Schert euch fort!"
Sophie lachte und klatschte dann Beifall.
"Herrlich", rief sie. "Ja, das liegt dann wohl tatsächlich in der Familie."


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Beitrag #32 |

RE: 5 Wörter - Teil 38
*Das 5 Wörter Gewinnspiel*

Wie heißt der Wortgeber der 38. Ausgabe des 5-Wörter-Spiels?
A PoLet
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Sende eine SMS mit A oder B an 0900/RUF-MICH-AN!

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*LT Kulturhinweis*

5 Wörter Teil 38 war gestern.
In den nächsten Wochen an dieser Stelle. 5 neue Wörter, panische Blicke, verzweifelte Schreiber, durchwachte Nächte.
Und wofür? Ruhm, Ehre und einen kaputten Blumentopf zum Selbermachen.
In diesem Sinne


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Beitrag #33 |

Und für FINE!
Es war nicht mehr weit.
Seine entspannte Haltung im gepolsterten Stuhl hatte er unbewusst aufgegeben. Jetzt war die Zeit wieder sein Feind.
Genau wie in Hamburg, im Hauptbahnhof, wo er sich durch die Menschenmassen geschoben hatte. Hin zum Rangierbahnhof, nahe des Ausbesserungswerks. Er hatte sich in der Bahnhofstoilette eine blonde Perücke auf den Kopf gesetzt, eine dunkle Jacke mit den Initialen DB angezogen und war über die Gleise gelaufen. Durch eine gespenstische Landschaft mit stählernen Bäumen, an denen Drähte hingen. Mit der Tasche im Schlepptau, bis er vor dem Triebwagen eines ICEs stehen blieb. Eine stählerne Schlange, massiv und stromgeschnellt, was überhaupt nicht zum Reptilienvergleich passen wollte. Seine Nackenhaare hatten sich steil aufgerichtet, als er den Namen an der Seite las: "Werdenfelser Land".
Es war ihm unheimlich, und dass, obwohl eine Stimme in seinem Kopf sagte, dass dieses Monstrum gerade tatsächlich real war. Und kein Schrott aus verbogenem Metall. Vom Blut und abgerissenen Gliedmaßen ganz zu schweigen.
Lukas mit der Perücke und der Jacke mit den Initialen DB auf dem Rücken stand selber wie ein verloren gegangenes Relikt aus einer anderen Zeit vor dem Triebwagen, hielt die Luft an, als er seine Hand auf das Metall legte.

Ja, es war tatsächlich da. Es existierte. Hier und jetzt.
Und jetzt saß er drin, lenkte den Zug durch die Geschichte. Vergangenheit, die erst gleich wieder zum Leben erweckt werden würde. Zumindest kam es ihm so vor.
Ein prüfender Blick auf auf die linken Monitore, die Geschwindigkeitsanzeigen rechts daneben, während die Finger nervös zwischen den schwarzen Hebeln auf dem Plastik davor trommelten. Er hatte dem Drang widerstanden, bei einem der Stopps einfach aufzustehen und durch die Waggons nach hinten zu gehen.
Das durfte er nicht. So wenig Veränderungen wie möglich. Sonst würde er womöglich scheitern. Und immer wieder der fieberhafte Blick zur Uhr, die im Kontrollpult blinkte.
10:50 Uhr. 10:51 Uhr. 10:52 Uhr.
Der Zug fuhr nur unmerklich schneller als erlaubt, als er in die entscheidende Ortschaft fuhr. Unmerklich. Nur einige Minuten zu schnell. Die Nackenhaare hatten sich aufgerichtet. Jetzt kam es drauf an. Ruhe bewahren. Der rechte Zeigefinger tippte an den aufgeregten Lippen. Kein Zurück mehr. Dann kam der Bahnhof. Die Brücke.
Es wurde 10:55 Uhr!
Und es war vorbei! Unglaublich vorbei!
Schweiß stand auf seiner Stirn und er war so glücklich, als ihm der Gegenzug weit außerhalb der Ortschaft entgegenschoss. Den Namen des ICEs konnte er dabei genausowenig erkennen, wie das Gesicht des anderen Lokführers. Doch es war egal. Er wusste, wer da saß. Er wusste, wie der andere Zug hieß. Und er wusste, was hinter dem 'Werdenfelser Land' gerade geschah.
"Ich habe es geschafft", murmelte er und lehnte sich - diesmal sichtlich entspannt - zurück in den gepolsterten Stuhl. "Geschafft!"
Die Landschaft, die Gleise, die Lärmschutzwände, die alle auf ihn zukamen, verloren langsam ihren grauen Schleier. Es wurde zwar nicht bunter oder eindringlicher - eher blasser - aber das war eine richtige Veränderung.
Er griff in seine Tasche und holte eine Zeitung heraus. Sie war bereits alt, an einigen Stellen verknickt und vergilbt. Doch die Überschrift auf dem Titelblatt mit dem Datum 04.06.1998 war immer noch lesbar: 'Schwerstes Zugunglück seit Kriegsende!'
Er starrte auf das Foto. Ein Bild aus Chaos und Stahl, vermengt mit roten Blutspuren.
Zufrieden beobachtete er, wie das Foto langsam verschwand, wie sich die Überschrift änderte. Kein Zugunglück mehr. Nichts.
Genau das, was er geplant hatte.
Seit 15 Jahren.

***

Das Gespräch war irgendwann vor Stunden versandet.
Lisas Kopf lehnte schlafend am Fenster. Das Ruckeln des Zuges konnte sie nicht aus dem Schlaf reißen und sie wurde erst wach, als es langsamer wurde.
"Sie haben einen tiefen Schlaf", meinte Sophie. "Das hätte ich auch gerne."
Lisa streckte sich, gähnte herzhaft hinter vorgehaltener Hand und schaute dann nach draußen. Die Gleise klonten sich und vermehrten sich dabei ins schier unendliche. Irgendwann tauchte nach einigen Minuten erst ein weißes Schild mit der Aufschrift 'München - Hauptbahnhof' auf, dann folgten die ersten Ausläufer des langgezogenen Bahnsteigs.
"Ich habe doch nicht etwa geschnarcht?", fragte Lisa plötzlich, doch Sophie schüttelte den Kopf.
"Nein", sagte sie und beugte sich verschwörerisch zu ihr hin. "Und selbst wenn würde ich es nicht verraten, okay?"
Lisa schmunzelte wieder. Dann erhoben sich die beiden Frauen, nahmen ihr Gepäck und begaben sich zur Tür. Der Bahnsteig war mit Menschen völlig überfüllt, die hinter den Fenstern der Doppeltür vorbeiglitten.
"Ich hoffe, die wissen, dass hier Endstation ist?", fragte Lisa, als der Waggon endlich hielt und die Türverriegelung klickte.

***

Als der Zug stand, griff er seine Tasche und verließ den Triebwagen über die Seitentür.
Nur nichts riskieren, dachte er immer wieder. Nichts riskieren!
Der Bahnsteig war überfüllt mit Menschen und Koffern. Menschen, die auf die Reisenden warteten, die nur langsam aus dem Zug kamen. Irgendwo in seiner Nähe unterhielten sich einige Leute. Wörter wie 'Zugunglück' fielen, begleitet von Fingern, die auf den ICE 'Werdenfelser Land' zeigten. Er wollte sich nicht umschauen, nur wissen, ob er sie gerettet hatte. Lukas hob den Kopf - und sah sie tatsächlich. Sein Herz machte einen Sprung nach vorn und wollte durch die Rippen in die Freiheit springen.
Hinten auf dem mittleren Abschnitt des Bahnsteigs.
Sie.
Sophie.
Da stand sie mit ihrem Koffer. Genauso wie er sie in Erinnerung hatte. Gestresst, fertig von der langen Zugfahrt. Doch besser erschöpft, als tot.
Eine junge Frau begleitete sie und schob sich zusammen mit ihr durch die Wartenden. Der Zug würde bald wieder in Richtung Hamburg fahren.
Wobei die Betonung auf dem Konjunktiv liegt, dachte Lukas. Tatsächlich ist der Zug hier nie angekommen.
Er senkte den Blick, als Sophie plötzlich in seine Richtung schaute. Er wich den Gesichtern aus und quetschte sich hastig durch die Leiber, schaute nur auf seine Schuhe und den Untergrund, bis er die Bahnhofstoilette erreichte. Ein Geruchsnebel aus Sachen, die er sich lieber nicht vorstellen wollte. Die Jacke landete in der Tasche zusammen mit der Perücke, während er einen grauen Mantel hervorkramte und ihn sich über warf. Dann wieder den Blick nach unten und raus aus dem Hauptbahnhof.
Vorfreude durchflutete ihn. Ein unsagbares, unfassbares Glück. Jede Zelle seines Körpers wollte nur noch so schnell wie möglich nach Hause. Sie in die Arme schließen, aus der er sie wahrscheinlich nie hatte gehen lassen.
Irgendwann stand er draußen, rannte schon beinahe zu seinem BMW, der auf ihn wartete. Die Tasche landete im Kofferraum. Einsteigen. Tür schließen. Augen schließen. Durchatmen.
Er steckte den Schlüssel ins Schloss und startete den Motor. Auf dem Display in der Mitte erschien die Route zu seinem Waldweg abseits der Stadt. Doch anstatt den ersten Gang einzulegen und loszufahren, tippte er auf einen Button des Display.
"Aktivierung Audiofile", sagte er, bevor er tief Luft holte und sein ganzes Glück in Worte kleidete. "Ich habe es geschafft. Ich fahre jetzt nach Hause. Kann man sich das vorstellen? Nach. Hause! Wie schön ist der Klang, wie schön die Vorfreude!"
Lukas legte den ersten Gang ein und fuhr langsam aus der Parkbucht heraus.
Seine Finger zitterten, als er das nächste Lied anspielte.
'Und ich schau nicht mehr zurück, aber wenn ich zurück schau seh ich nur mein Glück.'
Ein Lied mit einer Männerstimme, die er viel zu oft gehört hatte.
'Glaub mir Bruder, ich schau nicht mehr zurück.'
Sein Herz schien platzen zu wollen und ihm rollte eine Träne die Wange herunter.
Endlich! Zu Sophie! Nach Hause!
Dem sich verfinsternden Himmel schenkte er keine Beachtung.

***

"Hat die Bahn Freikarten verschenkt?", maulte Lisa, während sie sich hinter Sophie durch die Menschenmenge mogelte. Dabei das Gepäck auch noch hindurch zu bekommen, war für die beiden Frauen eine nervende Angelegenheit. Vor allem, weil niemand aus dem Pulk sich dafür interessierte. Im Gegenteil drückten sie die Aussteigenden eher wieder zurück in den Zug.
"Freikarten?" Sophie rang sich ein Lächeln ab, als ihre Tasche das Knie einer älteren Dame streife - die diesen Erstkontakt mit einem 'Passen Sie gefälligst auf!' quittierte.
"Unmöglich", murmelte Lisa hinter ihr.
"Ja."
"Wenn das die Zukunft wäre, dann gute Nacht."
Sophie antwortete nicht, sondern schob sich mit einer letzten Willensanstrengung durch die letzten Menschen und war plötzlich frei. Sie legte den Kopf in den Nacken und starrte zum Vordach des Bahnsteigs hoch.
"Wissen Sie was der Witz an der Sache ist?", fragte sie, als Lisa schnaufend neben ihr auftauchte.
"Nein?"
"Ich hätte die Chance gehabt, einen Wagen zu kaufen", antwortete Sophie.
"Und?"
"Ich habe mich dagegen entschieden."
Lisa stöhnte, dann nickte sie.
"Ich auch."
"Na dann: Willkommen im Klub!"
Sie lachten, dann harkte sich Lisa bei Sophie ein und sie gingen zusammen vom Bahnsteig durch den Hauptbahnhof bis in die Vorhalle hinein. Überall Reisende, deren Gespräche vom Dach wieder zurückgeworfen wurde. Ein Kanon aus unzähligen lauten Stimmen.
Die Menschen standen vor Schaltern, saßen auf Sitzplätzen oder warteten vor den großen Anzeigetafeln. Eltern mit Kindern. Ältere Paare. Junge Leute mit Skateboards und Bahnhofsbediensteten, die die Skater darauf hinweisen, dass sie hier nichts zu suchen hätten.
Das pulsierende Leben. Laut und dröhnend.
"Im nächsten Leben kaufe ich mir ein Auto", meinte Sophie und eine Spur Entschlossenheit schwang in ihrer Stimme mit. "Ganz bestimmt."
Lisa grinste plötzlich, löste sich von Sophie und winkte wie wild.
"Da ist meine Oma!", rief sie und zeigte auf eine ältere Frau, die von einigen Mitmenschen umringt war und sich suchend umsah. "OMA! HIER!"
Die Dame erinnerte Sophie an Judi Dench, nur mit dem Unterschied, dass diese Person sich die Haare färbte. Schwarz. Und wahrscheinlich war sie auch wesentlich älter.
"Nun", begann Lisa, und drehte sich zu Sophie um. "Danke für die Reisebegleitung."
"Ich habe zu danken", sagte Sophie und schmunzelte. "Ohne Sie hätte ich dieses Buch wahrscheinlich zuende gelesen."
Sie schauten sich in die Augen, als sie es bemerkten.
Es wurde stiller um sie herum. Auffällig stiller.
Lisa schaute an Sophie vorbei in die Vorhalle. Doch da, wo eben noch ihre Großmutter gestanden hatte, war niemand mehr. Weder der Pulk noch die Oma selbst.
"Wo ist sie?"
Sophie drehte sich ebenfalls um. Und gemeinsam bemerkten sie, wie es draußen heller geworden war. Sehr viel heller. Als hätte Gott der Sonne gesagt, sie solle stärker strahlen.
"Merkwürdig", murmelte Lisa. "Das war doch eben noch voller, oder etwa nicht?"
Sophie nickte nur, konzentrierte sich auf einen älteren Herrn, der mit einer 'Bild' bewaffnet auf einem Sitzplatz saß. Nichts ungewöhnliches, bis sowohl Mann als auch Zeitung sich vor ihren Augen auflösten.
Sophie kniff die Augen zusammen. Mehrmals, doch der Sitzplatz blieb leer. Keine Bild, die am Boden lag. Selbst der Sitz verschwamm langsam.
"Ich sehe es auch", sagte Lisa und ihre Hand griff nach der von Sophie. "Was ist hier los?"
Gemeinsam sahen sie, wie die Halle leerer und leiser wurde. Schließlich Stille. Durch das Dach und den Eingangsbereich sickerte eine nebelige weiße Wand und kroch über den Boden.
Sie sprachen nicht mehr, gingen Schritt um Schritt zurück, bis sie mit ihren Rücken an irgendeiner Mauer standen.
Das Weiß blieb unaufhaltsam. Umspielte ihre Beine, kroch an ihnen herauf. Nur noch sie. Und das Weiß. Dicht um sie herum. Ein ungleicher Boxkampf. In einem Ring, dessen Seile sie nicht sehen konnten.
Immer näher kam das helle Nichts. Es berührte ihre Nasenspitzen, glitt durch ihre Schuhe und sickerte durch jede Pore ihrer Haut. Kälte kroch von unten hinauf. Über die Beine, die Arme, die langsam so taub wie der Rest wurde.
Lisa war bereits verschwunden, nur noch Sophies Kopf war übrig.
Wie in einer Blase, in einem Taucherhelm ...
Nichts mehr.
Außer Weiß.
Weiße Leere.

***Ende(?)***


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Beitrag #34 |

RE: 5 Wörter - Teil 38
Der Gewinner des Gewinnspiels kann leider nicht bekannt gegeben werden. Die NSA hat den Server gehackt.


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Beitrag #35 |

RE: 5 Wörter - Teil 38
Polet wartet jetzt eine Woche und sagt dann er hätte es gelesen Pro


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Beitrag #36 |

RE: 5 Wörter - Teil 38
"Mikro an. *räusper* 1 - 2 - 1 2 - pffftq"

*hust*

"Hallo."

"Ähm...hallo!"

"Hallo?!"

Ja, jetzt kann man mich lesen, glaube ich. Gut.

"Meine Damen und Herren,
anlässlich der bekanntgabe des 5-Wörter-preisträgers
und der damit einhergehenden weitergabe des wanderschlafschafs heiße ich Sie alle herzlich willkommen!

TUSCH!

Was?! Achso.
Kommen wir also gleich -ohne umschweife, sozusagen- zu den teilnehmern der ausscheidung, und das ist, wohlgemerkt, nicht im physiologischen sinne gemeint! Hahaha, ein kleiner scherz.
Hallo?! Habt Ihr kein gelächter auf band?

GELÄCHTER!

Danke.
So:

1. Sephigruen
Wirklich stark find ich den text; kein larifarifirlefanz, kein 'wär-ich-gern-dann-hätt-ich-doch'...- straight dahin und berührend. Gefällt mir echt sehr gut. - Vielleicht eine weiterführende ausarbeitung geplant? - Wäre es wert. Finde ich.

TUSCH!

2.Rick
...nein, mein lieber kollege,
Zitat:Polet wartet jetzt eine Woche und sagt dann er hätte es gelesen
nicht ganz.

GELÄCHTER!

Schnauze!
*räusper*
Rick, Deine kleine geschichte gefällt mir. Doch.
(Allerdings habe ich eine freundin, die dem engelsglauben 'verfallen' ist, und das macht das ganze leben recht anstrengend, wenn man doch nur mit 'idioten' umzugehen hat.)
Aber das lesen hat mich sehr amüsiert.

TUSCH!

3. rex noctis
Fein gemacht, rex! Aber:
Zitat:„Früher hat dich das begeistert. Das Alte und Kaputte gab dir den Stoff, aus dem du Kleider gemacht hast.“
„Du meinst meine dichterische Phase?“ Eric lachte. „Ich bin froh, dass das Internet damals Zukunft war. Am Ende hätte ich meinen sinnlosen Buchstabensalat öffentlich gemacht.“
...hmmm...woher weißt Du das?
Wie auch immer,
Du bist einer der HELDEN,
der alle 10 wörter benutzt hat! Dafür Pro

TUSCH!

4. LadydesBlauenMondes

Ach Lady, herrlich für männer meines alters auf eine halbseite chiffriert,
danke ich Dir dafür schon herzlich!
Und wo hast Du
Zitat:Papierfetzenduft
her? Kann ich das ausborgen/mieten/kaufen?
Du scheinst mir auch einen übergeordneten plan zu verfolgen,
so wie ich es lese.
(Allerdings kenne ich einen Eliah, und der möchte ich nicht sein müssen.)
(Aber das denkt sich dieser Eliah wahrscheinlich auch, wenn er mich so sieht.)
(Ich beginne, kompliziert zu denken.)
(Ich denke anIcon_smile

TUSCH!

5. DrIbi...äh?!

TUSCH!

Was?! Nein. Nochmal:
5. DreadnoughtsIbi
...
GEBUHE!

5. Direadbinoughts
*räusper*
Tja.
WAS IST DENN DAS???
'5wörter + 5wörter + VersiPuls + privatFON-riddle + hommagen?!

Das ist...das ist...Icon_jump
TUSCH!
TUSCH!
TUUUSCHHHHH!!!
Icon_panik

*räusper*
Nun,
möchte mir jemand widersprechen, wenn ich sage:

ibi muss!"

(nuja, Ihr seid ja eh zu zweit...!)

Puuh.
Ihr alle habt mich geschafft.
(Und vergesst nie: wie Rick schon sagte, hier ist die SPIELWIESE,
es gibt nix zu gewinnen und nix zu verlieren, vor allem NIX zu VERLIEREN!
Bleibt anständig und bewusst!)

Euch allen,
Icon_bussi

pumuc- äh...
poLet


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Beitrag #37 |

RE: 5 Wörter - Teil 38
*OT*

Heute morgen, kurz vor dem Fall der Nacht in den Tag. In einem ehelichen Schlafgemach. Die Kissen zerfahren. die Haare noch verträumt.

ER: "Moin! Aufstehen!"
SIE: "Hmnja ... Hä? ... Boah, lass mir schlafen ..." (Wirft sich das Fell der Nacht übers Gesicht.)
ER: "AUFSTEHEN!"
SIE: (unter der Decke, mehr gemurmelt als gesagt) "Unsensibler, unrasierter, un- .... ach ...) (Rest bleibt unverständlich.)
ER: (beugt sich zur Decke, sanfter Klang in der Stimme) "Hey."
BETTDECKE: (kaum hörbar) "Schuft, lass mich *gähnt* ... (Satz unvollständig.)
ER: "Also, Du musst übrigens die nächsten fünf Wörter bestimmen."
BETTDECKE: (verharrt, reglos, keine Zuckung) (Dann: ...) "Was?"
ER: "Herzlichen Glückwunsch übrigens." (grinst)
BETTDECKE: "Kerl! Ich brech Dein Knie und schau durchs Loch bis auf den Grund!"
ER: "Das ist die Wahrheit."
BETTDECKE: "Du flunkerst!"
ER: "Niemals." (Hebt verschwörerisch die Finger, kreuzt sie aber nicht.) "Ehrlich."
SIE: (wirft die Bettdecke zur Seite, schaut ihn mit zugeträumten Augen an. Ein Sternenfeuer unterm Regenmond) "Was?"
ER: "Du. Hast. Gewonnen!"

Und danach entstand ein heilloses Durcheinander aus aus-dem-Bett-springen, gegen-den-Schrank-knallen, ohne-Brille-durch-die-Wohnung-rasen-und-dabei-der-Katze-ausweichen bis zum nächsten Internetanschluss.
Er blieb liegen.
Schweigen. Nach einer kurzen Zeit der friedlichen Stille hörte er aus den Tiefen der heimischen Gemächer ihre erschrockene Stimme:
"NÄ!"

Mrgreen


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Beitrag #38 |

RE: 5 Wörter - Teil 38
Oh mein Gott, oh mein Gott, oh PoLet,ach ja.

(Dabei hat mir der D. gesagt, ich brauch nur die Werbung machen.)

Und jetzt ... ich komme gar nicht raus aus der Schnappatmung.

*bringt das Wanderschlafschaf erstmal auf der Kuschelcouch unter*

Heute Nacht hörte ich noch ein ungläubiges fieses Lachen von oben. Aber da ich so was öfter höre, reagiere ich schon gar nicht mehr drauf.

(D., der ist für Dich Icon_aufsmaul )

Wow, ich bin total überrascht und freue mich tierisch.

Vielen Lieben Dank.

So, und jetzt muss ich wohl erstmal in mich gehen und mir irgendwie fünf Wörter aus dem Hut zaubern.
Aber Glühwein und Lumumba haben immer geholfen, hab ich mir sagen lassen.

Ich lass auf jeden Fall schon mal die Reste von kalten Buffet hier Mrgreen

LGIBI


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Beitrag #39 |

RE: 5 Wörter - Teil 38
poLet schrieb:Vielleicht eine weiterführende ausarbeitung geplant? - Wäre es wert. Finde ich.

Danke :3 Tatsächlich hat dieser Fetzen sich entschlossen und mir keine Widerworte gelassen, in einem Machwerk aufzutauchen, das wohl die nächsten ... vierzig Jahre in Anspruch nehmen wird, bis ich es irgendwem zeigen kann ... Abgesehen von der einen oder anderen auserwählten Person, die ich vorher damit belästigen werde, freilich. (♥)

Nicht zu vergessen: Wheeeee! *Konfetti werf*

~Sephi

"Siehst du die beiden Mädels, die am Tisch sitzen wie zwei frierende Spatzen auf einem Zweig? Siehst du, wie eng ihre Fäden verwoben sind?" - Die Fäden des Schicksals ~ ReaperRoadtrip
Immer.

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Beitrag #40 |

RE: 5 Wörter - Teil 38
Also mir haben ja alle Beiträge gut gefallen.
Glückwunsch zum Sieg, Ibi. Icon_smile

@poLet: Nee, den Papierfetzenduft geb ich nich her. Icon_fies Und ja: Es gibt da so einen Plan für Eliah, der mir aber gerade über den Kopf wächst. Icon_ugly

Wer nicht kann, was er will, muss das wollen, was er kann. Denn das zu wollen, was er nicht kann, wäre töricht. -Leonardo da Vinci-
Wörterwelten

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