Es ist: 22-11-2019, 06:39
Es ist: 22-11-2019, 06:39 Hallo, Gast! (Registrieren)


Die Federn des Windes - 3
Beitrag #11 |

RE: Die Federn des Windes - 3
Hi Eselfine,

es ist der Tag vor der Abgabe meines Essays und bei allem, was ich dafür noch zu tun habe, bietet ein bisschen Kommentare Schreiben eine willkommen Abwechslung zwischendurch. Also habe ich beschlossen, in Anbetracht der Tatsache, dass du in letzter Zeit ja fleißig neue Teile eingestellt hast, mal wieder aufzuholen, was deine Federn angeht. In diesem Sinne - auf in den dritten Teil!

Zitat:Kalte Schatten berühren ihren Nacken und sie spürt sie wieder – die Kraft, pure Kraft, lauernd auf Zerstörung und den Moment, in dem sie die Kontrolle verliert. Und er kommt bald, das weiß sie.


Für meinen Geschmack sind das hier zu viele Male "und". Aus meiner Sicht würde der Text keinen Schaden nehmen, wenn du das letzte "und" einfach weglassen würdest.

Zitat:Und er kommt bald, das weiß sie. Viel zu bald, und sie wird es nicht verhindern können. 
Nicht sie, aber er. 



Ich sehe hier zwei Möglichkeiten, wie man das "er" interpretieren könnte. Einmal als Moment (siehe zuvor) - das ergibt aber keinen Sinn. Wie soll der Moment schließlich sich selbst verhindern? Oder aber es gibt um eine ominöse Person im Sinne des "er". Dann kommt das aus meiner Sicht nicht genug raus, außerdem würde das an dieser Stelle eine Aussicht befördern, die in den Sätzen darum nicht bestätigt wird.
Steh ich auf der Leitung, habe ich was überlesen?  Icon_confused
Zitat:Das Bellen eines Hundes im Dorf drang durch das offene Fenster hinein

Der Übergang zwischen dem Traum und der Wirklichkeit ist dir übrigens sehr gut gelungen.
Davon abgesehen bin ich mir ziemlich sicher, dass "herein" hier das richtige Wort wäre, da der Schall ja zu Merle und damit dem Erzähler dringt.
Zitat:Und „er“, wer auch immer das ist. Und wer schreit am Ende „Nein“? 

Okay, vergiss meine Frage von vorhin.
Ich habe da auch gedacht, dass sie selbst "Nein!" schreit, aber da du das so bald aufklärst, ist ein kleines Missverständnis da nicht schlimm, denke ich.
Zitat:Sie war sich sicher, dass sie die Stimme irgendwoher kannte, aber weder im Traum noch nach dem Aufwachen fiel ihr ein, woher.

Mir missfällt "nach dem Aufwachen" als Konstruktion. Das wirkt im Vergleich zur Sprache drumherum ziemlich plump. Vielleicht eher "im wachen Zustand"?
Zitat:In den letzten Nächten war sie mehr als nur einmal aufgewacht, entsetzt von einem Geschehen, das sie nicht beeinflussen konnte und das ihr dadurch mehr Angst einjagte als die Aussicht auf eine mündliche Leistungskontrolle, für die sie nicht gelernt hatte.

Das ist wieder eine Kleinigkeit, aber irgendetwas stört mich an diesem Vergleich. Aus meiner Sicht charakterisiert er Merle entweder als jemanden, dem schulische Leistungen sehr wichtig sind oder er spielt diese Angst runter. Ich habe da - klischeehaft ausgedrückt - so ein namenloses Grauen im Kopf, während eine unvorbereitete Abfrage ja eher etwas Peinliches in sich trägt, was mMn in eine andere Richtung geht.
Zitat:Immer war sie am nächsten Morgen müder als sonst gewesen, und einmal hatte sie so laut geschrien, dass ihre Mutter auf einmal im Zimmer stand und sie fragte, was sie geträumt hatte.

Da wiederholt sich "einmal" ziemlich direkt aufeinander. Das ist aus meiner Sicht vermeidbar.
Außerdem ist mir aufgefallen, dass du hier schon wieder ein Komma vors "und" setzt. Das war davor schon mal der Fall, hat mir da als Stilmittel aber ganz gut gefallen, da eine kleine Pause im Satz dem Rhythmus an dieser Stelle gut getan hat. Hier würde ich darauf aber verzichten.
Zitat:Merle wusste selbst nicht, warum sie gelogen hatte, aber ihre wilde Geschichte von einem haarigen Monster, dass sie durch die Gegend jagte, schien auszureichen. 

Da hat sich ein Buchstabe zu viel in "dass" eingeschlichen. Icon_wink
Zitat:Sie weiß mehr, als sie zeigt.

Ich glaube, das Komma gehört da nicht hin.
Zitat:Eine Hand am Fenstergriff, erstarrte Merle im sanften Lied des Windes, das sich in das Hundebellen mischte. 

Schöner Satz!
Zitat:Es ist so, als hätte er eine Botschaft. Als würde ein besonderer Geruch in ihm liegen, aber das ist nicht so. Sonst ist noch alles genau so wie vorhin, als ich das Fenster aufgemacht habe. Was ist da eigentlich los? 

Das ist so eine wiederkehrende Konstruktion innerhalb kürzester Zeit - willst du das nicht ändern?
Zitat:Früher hatte sie es immer geliebt, in einem renovierten Bauernhaus mit urigen Holztreppen zu leben, aber gerade jetzt hasste sie es. 

"Gerade jetzt" weißt darauf hin, dass sie es immer gehasst hat und jetzt besonders verabscheut. Das ist ja nicht, was du ausdrücken willst, oder? Ich würde es durch "jetzt gerade" ersetzen - das entspricht deiner Intention an dieser Stelle eher, denke ich.
Zitat:Trotz des unvermeidlichen Knarrens erfolgte aber wie durch ein Wunder keine Reaktion und Merle gelangte ungehört aus der Tür auf den Hof. 

Vielleicht ein für Merle gar nicht so glückliches Wunder ...
Zitat:Merle fühlte sich wie in einem schlechten Film. Das spätere Opfer ist durch ein seltsames Geräusch nach draußen gelockt worden, sieht sich um, findet nichts.

Das war so ein bisschen mein erster Eindruck.  Mrgreen
Aber gerade hier baust wieder sehr schön die Spannung auf und verzögerst den Höhepunkt dann durch den auftauchenden Hund.
Zitat:Beinahe will es schon wieder zurückkehren, doch dann bewegt sich etwas im Schatten, und untermalt von dramatischer Musik, schleicht sich eine dunkle Gestalt heran.

Komma vorm "und". Schau diesbezüglich nochmal drüber. Icon_wink
Zitat:Merle hatte die Idee der Telepathie immer geliebt und ihre scheinbare Umsetzung in der Kommunikation mit den Falken beflügelte ihre Fantasie mehr, als es jedes Buch oder jeder Film je gekonnt hätten. 

Komma vorm "als" gehört weg.
Davon abgesehen könnte ich falsch liegen, aber mir scheint der Aussage durch das "jedes" ihre Kraft genommen zu werden. Das bedeutet ja, dass, damit der Satz falsch wird, jedes beliebige Buch Merle in ihrer Fantasie beflügeln können müsste. Ich würde einfach "als ein Buch oder Film es je vermocht hätte" schreiben.
Zitat:Rhea kratzte sich unbeteiligt mit der Hinterpfote am Ohr und sah sie dann wieder erwartungsvoll an.

Hunde sind schon was Wunderbares. Genau das macht unser Hund auch immer, wenn er nicht weiß, was wir von ihm wollen.  Mrgreen
Zitat:Es gab keine Anzeichen dafür, dass die Hündin überhaupt etwas anderes gehört hatte als die Geräusche der Nacht und des Windes, der auffrischte und Merle beharrlich ins Gesicht stupste, als wolle er sie auf etwas aufmerksam machen, das ihr bisher entgangen war. 

An dem Satz ist, glaube ich, was falsch. Du willst schon ausdrücken, dass der Hund Merle tatsächlich "beharrlich ins Gesicht stupst", oder? (Falls nicht, dann vergiss, was ich hier sage; mir ist nämlich bisher auch nicht aufgefallen, dass Merle sich in der Hocke oder einer anderen Position befindet, sodass Rhea ihr ins Gesicht stupsen könnte.) Momentan gibt es dafür nämlich "keine Anzeichen". Icon_wink
Zitat:Als Merle Anstalten machte, umzukehren, sprang Rhea auf und schoss bellend über den Hof, um das Bauernhaus, dorthin, wo die ungenutzte Scheune langsam verrottete. Niemand hatte sich die Mühe gemacht, viel in ein nicht benötigtes Gebäude zu investieren und so war die Scheune von rein optischen Wert, efeuverziert und wettergebräunt. 

"optischem"
Ich bekomme ein sehr ungutes Gefühl ...
Zitat:Merles Füße bewegten sich allein nach dem Dirigat der blauen Linien, die aus dem Boden krochen und mehr und mehr ihren Körper einwebten, bis er aussah wie von Spinnennetzen oder einem parasitären Pilz überzogen.

Liegt Zeit zwischen dem letzten Absatz und diesem? Ansonsten würde ich davor auch mal die blauen Linien nochmal erwähnen; ich hatte nicht mehr im Kopf, dass es die noch gibt.
Zitat:Wärme wurde zu Hitze, Schimmer zu hellen Flammen und die Schatten zu Rauch, der sich seinen Weg in den Nachthimmel suchte. Draußen im Dorf sangen die Sirenen ihr Todeslied.

Sehr schönes Ende! Nach meinem Verständnis ist die Scheune in Flammen aufgegangen. Vielleicht hat Merle zu sehr am Geheimnis der Gabe gezerrt, was die Falken nicht zulassen konnten?
Ja, viel bleibt mir am Ende nicht mehr zu sagen. Im dritten Teil der dritte Zeitsprung - und doch habe ich das Gefühl, dir gut folgen zu können. Alles bleibt noch sehr geheimnisvoll, aber man kann sich schon ein bisschen was vorstellen: die Falken haben sich gegen die Menschen verschworen und wollen - teils aus Angst vor deren zerstörerischer Kraft, teils aus anderen, bis hierhin nur angedeuteten Gründen - das Geheimnis der Gabe für sich behalten - geschlossen sind sie in dieser Bewegung jedoch nicht. Eine Besonderheit Merles hat von Anfang an zu ihrer Gefährdung und schließlich ihrem frühen Tod geführt, der aber vielleicht nicht endgültig ist. Hab ich's ungefähr richtig rekapituliert? Was die Handlung angeht, so ist es an sich noch zu früh, um was dazu zu sagen. Bisher wirkt gerade der Konflikt zwischen Falken und Menschen auf mich originell - ich bin gespannt, was daraus noch entsteht.
Zu deinem Stil sind mir hier einige Kleinigkeiten aufgefallen und ich hoffe, du nimmst mir meine Pedanterie nicht übel. Ich habe mich schon bemüht, nur die Stellen anzumerken, bei denen es aus meiner Sicht nicht nur reine Geschmackssache war, bin aber etwas aus der Übung. Insgesamt sind mir immer wieder schöne Formulierungen ins Auge gefallen, die ein schönes Bild geschaffen haben, aber an manchen Stellen eben gewisse Inkonsistenzen.
Trotz dieser kleinen Punkte habe ich auch den dritten Teil wieder sehr gern gelesen und ich freu mich schon darauf weiterzulesen. Es steht ja noch einiges in Aussicht. Icon_smile
Liebe Grüße,
rex

"Für den Freund der Aufhellung behalten Wort und Begriff des >Volkes< selbst immer etwas Archaisch-Apprehensives und er weiß, dass man die Menge nur als >Volk> anzureden braucht, wenn man sie zum Rückständig-Bösen verleiten will. Was ist vor unseren Augen, oder auch nicht just vor unseren Augen nicht alles geschehen, was im Namen Gottes, oder der Menschheit, oder des Rechtes nicht wohl hätte geschehen können!"
Thomas Mann, Doctor Faustus (1947)

Alle Beiträge dieses Benutzers finden
Diese Nachricht in einer Antwort zitieren


Gehe zu:


Benutzer, die gerade dieses Thema anschauen: 1 Gast/Gäste

Deutsche Übersetzung: MyBB.de, Powered by MyBB, © 2002-2019 MyBB Group.

Design © 2007 YOOtheme