Es ist: 14-11-2019, 14:54
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Die Federn des Windes - 4
Beitrag #1 |

Die Federn des Windes - 4
Etwas zum Schockfrosten. Schon wieder.

Die Federn des Windes
Teil 0/25-Teil 1/25-Teil 2/25-Teil 3/25-Teil 4/25-Teil 5/25-Teil 6/25-Teil 7/25-Teil 8/25-Teil 9/25-Teil 10/25-Teil 11/25

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4
435 GnT

In der Dämmerung schlich sich die Gewissheit des Endes an und klopfte sanft an die Tür von Midjas Gedanken.
Brekja wartete schon vor der Höhle, während sie die letzte Schwungfeder durch den Schnabel zog und ihr Gefieder schüttelte, nur um schließlich aufzubrechen und es wieder durcheinander zu bringen.
Federpflege ist eines der wichtigsten Dinge, um die ihr euch zu kümmern habt. Eure Federn halten euch warm, verhindern, dass ihr nass werdet, wenn es regnet, und helfen euch beim Fliegen und Jagen. Ohne sie seid ihr hilflos und sterbt, war ihre erste Lektion gewesen und Midja hatte sie weitergegeben an die wenigen Falken, die aus ihren Eiern geschlüpft waren und nach einer Generation welkten wie Blumen im Spätsommer.
Meine Schlupfeltern waren Tagjäger, dachte sie bitter. Sie konnten nicht wissen, dass wir unter ‚Federn‘ noch etwas anderes verstehen. Würden sie ihnen die gleiche Bedeutung beimessen? Federn, um uns warmzuhalten, Federn, um zu fliegen und zu überleben – warum töten wir sie dann eigentlich?
‚Kommst du endlich?‘, drängte Brekja und stieß sich von der Felswand ab, schoss in die beginnende Nacht und in das sanfte Schimmern der erwachenden Magie hinaus, bereit, ihren Magen mit Nachtbeute zu füllen.
Die Tagjäger, Falken, die ein einfaches, magiefernes Leben führten, steckten nun ihre Köpfe unter die Flügel, zufrieden, wieder einen Tag überstanden zu haben, doch Midja beschlich mit dem Zupfen des Windes an ihren Flügeln das Gefühl, dass sie den nächsten Tag nicht überleben würde.
Aber wenigstens eine letzte Jagd stand ihr noch zu, und wenn sie nur dazu diente, den Schein zu wahren. Die Kolonie sollte nicht erfahren, was sie plante, damit keiner auf die Idee kommen konnte, sie an ihrem Vorhaben zu hindern. Und sie selbst – sie wusste nicht, ob sie am Ende in der Lage sein würde, es zu tun. Fliegen und überleben. Meine Federn brauche ich morgen nicht.

Brekja hatte die Führung übernommen und spielte nun mit den Luftströmen Fangen.
‚Du bist so still, Midja‘, stellte sie nach einer Weile fest. ‚Dabei ist heute eine gute Nacht. Die Magie ist deutlich und die Beute ist zahlreich aus ihren Bauen gekommen.‘
‚Die Magie ist so deutlich, weil sie auf ihr Opfer lauert‘, gab Midja traurig zurück und die blauen Schimmer, die sich um Brekja als Zeichen ihrer Lebendigkeit sammelten, erzählten von ihrem Mitgefühl.
‚Deine Feder‘, sprach sie den Gedanken aus, der flügelschlagend durch die Luft taumelte. ,Sie ist soweit. Morgen wirst du ihr die Kraft entziehen.‘
‚Werde ich das?‘, fragte Midja unwillkürlich.
‚Du musst. Tjore hat es so vorgeschrieben.‘
Tjore. Midja hätte wissen müssen, dass ihre Jagdgefährtin das großen Vorbild der Nachtjäger erwähnen würde, wenn sie seine Lehre infrage stellte.
‚Du glaubst doch nicht wirklich, dass es einen anderen Weg gibt? Die Kolonie wird dich verbannen, und deiner Feder wird das auch nichts nützen.‘ Brekja klang schockiert und schnappte zwischen zwei Flügelschlägen nach Atem, als der Wind stärker wurde.
‚Weißt du, als Tjore festlegte, dass Federn eine Gefahr sind – findest du nicht auch, dass er nur eine Festlegung traf? Etwas, das vielleicht nicht einmal stimmt?‘
‚Wie alt ist deine Feder? Zwei Generationen?‘, erkundigte sich Brekja nach einer Pause, ohne auf ihre Fragen einzugehen, nachdem sie die Schlucht hinter sich gelassen hatten und nun dicht über den Baumwipfeln des Alten Waldes dahinglitten.
‚Fünfzehn Jahre, nach ihrer Rechnung. Eine Generation nennen sie ‚sieben Jahre‘.‘ Midja hatte in den letzten Schlupfzeiten viel über die Menschen und ihre Welt gelernt, und dieses Wissen war es auch gewesen, das sie davon abhielt, Tjores Gesetze blind zu befolgen, wie es die anderen Falken taten. Als er festlegte, dass die Macht der Federn einzuschränken war, gab es noch viele tausend andere Federn. Doch jetzt, und vielleicht war es auch eine Folge dieser Anweisungen, waren Federn selten wie Tagjäger in der Nacht, und jede einzelne von ihnen barg einen Schatz, der mit ihr verloren ging. Einen Schatz an Magiewissen, dessen sich die Federn nicht einmal bewusst waren, den die Falken aber in Ruhe studieren und nutzen konnten. Welcher Vorteil lag noch darin, Federn zu töten, bevor sie überhaupt erwachsen wurden?
‚Sie ist also noch recht jung. Ich kann verstehen, dass dich das stört. Aber Tjore wusste, was er tat, um die Prophezeiung zu verhindern.‘
Midjas Lachen kräuselte das Nachtdunkel und schwappte in Bitterkeit über die Ufer des Magiesees unter ihnen.
‚Die Prophezeiung. Eine Lüge, die sich zu den anderen gesellt und dadurch nicht an Wahrheit gewinnt. Brekja, hast du denn noch nie an Tjores Lehren gezweifelt?‘
Das andere Falkenweibchen schwieg, während sie den Wald hinter sich ließen und als Schatten im Magieblau über die Felder wirbelten, die die Falken oft als Tjores Jagdgründe bezeichneten, Felder und Wiesen so reich von Beute, dass nicht einmal die Ausbreitung der Menschen etwas daran ändern konnte. Schimmernde Kräusel machten auf Lebewesen aufmerksam, kleine Tiere, die in der Dämmerung ihre Baue verließen und sich im Schutze der Dunkelheit zu ihrer Nahrung stahlen, bis sie selbst Nahrung für die Falken wurden. Die Jagd würde gleich beginnen, auch wenn Midja sich nicht vorstellen konnte, den Rausch des Tötens noch einmal erleben zu wollen.
Töten, das ist alles, was wir können. Jagen und töten, bis wir selbst sterben.
Brekja stürzte in das Blau unter ihnen, hielt auf einen dunklen Fleck zu und kehrte kurz darauf mit einer Maus im Schnabel zurück. Wellen der Zufriedenheit gingen von ihr aus und der Anblick der Beute im Schnabel ihrer Jagdgefährtin ließ Midjas Magen lauter nach Füllung schreien. Ich sollte mir noch etwas jagen, sagte sie sich. Morgen brauche ich alle Kraft, die ich bekommen kann.
‚Tjore hat uns alles gesagt, was wir wissen müssen. Ein Tod für ein Leben. Dein Leben‘, meinte Brekja nach einer Weile. ‚Es gibt keinen anderen Weg. Selbst wenn du dich weigerst – die Magie wird es für dich erledigen.‘
‚Ein Tod für ein Leben‘, erwiderte Midja ruhig. ‚Das ist der Pfad, den Tjore uns offen gelassen hat. Vielleicht wollte er, dass wir eine Wahl treffen.‘
Eine Wahl, die ich nie treffen wollte.

Unter ihr huschte ein blaues Magiebündel über das schimmernde Feld. Midja ließ sich fallen.
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Teil 5


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Beitrag #2 |

RE: Die Federn des Windes - 4
Oh, es geht weiter und dann gleich doppelt ♥ Aber der Reihe nach.

Heute fang ich mit Gemecker an, haha, endlich was gefunden!

Zitat:das großen Vorbild der Nachtjäger
Da hat sich wohl ein N eingeschlichen, das da nichts zu suchen hat. ^^

So, jetzt bin ich zufrieden. Icon_ugly

Nein, ach, ich quatsch' nur wieder Unsinn. Bevor ich mich hier also um Kopf und Kragen rede, ein paar Bemerkungen zum Text an sich. Der steht den vorausgehenden Teilen nämlich in nichts nach.

Du machst natürlich mit den Falken weiter und lässt den Leser weiter um das liebe Mädel fürchten, zugleich ist das furchtbar und genau der richtige Zug. Schließlich sind die (mehr oder minder) lieben Vögelchen auch sehr interessant und die Art, wie du von ihnen und ihrer Welt immer mehr zeigst, ist auch genau richtig. Es ist kein Infodump, es wirkt natürlich. Genauso natürlich wie die Falken selbst, leider begegnen einem in Fantasy zu oft ~magische Tiere~, die nur dem Aussehen nach Tiere sind und sonst einfach nur ziemlich behaarte Menschen, was nicht toll ist. Aber hier haben wir Falken. Mit eigener Zeitrechnung und teuflischen Plänen, aber Falken.
Dazu noch eine positiv anzumerkende Kleinigkeit: die Namen. Die sind ungewöhnlich, ohne in Silbengeschwurbel auszuarten, und klingen für mich ein bisschen nordisch an, macht wohl das J ^^Gefällt mir auf alle Fälle.

Es gelingt dir wirklich ausgezeichnet, Spannung aufzubauen, zu erhalten und im richtigen Moment Fragen aufzuwerfen und andere zu beantworten. Und damit verabschiede ich mich und breche sogleich zum nächsten Teil auf.

~Sephi

"Siehst du die beiden Mädels, die am Tisch sitzen wie zwei frierende Spatzen auf einem Zweig? Siehst du, wie eng ihre Fäden verwoben sind?" - Die Fäden des Schicksals ~ ReaperRoadtrip
Immer.

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Beitrag #3 |

RE: Die Federn des Windes - 4
Hejka, Sephi!

(23-10-2014, 08:26)Sephigruen schrieb: Oh, es geht weiter und dann gleich doppelt ♥ Aber der Reihe nach.

Heute fang ich mit Gemecker an, haha, endlich was gefunden!
Immer her damit, sonst fange ich noch an zu glauben, du hättest nicht gründlich genug gelesen! Icon_wink

Zitat:
Zitat:das großen Vorbild der Nachtjäger
Da hat sich wohl ein N eingeschlichen, das da nichts zu suchen hat. ^^
… oder es hat vergessen, sich auszuschleichen. Ursprünglich stand da „mit dem großen Vorbild der Nachtjäger anfangen“, aber es war mir dann doch zu umgangssprachlich. Wird geändert und still und heimlich unter den Tisch fallen gelassen.

Zitat:Du machst natürlich mit den Falken weiter und lässt den Leser weiter um das liebe Mädel fürchten, zugleich ist das furchtbar und genau der richtige Zug.
Icon_fies
Immer wieder schön, wenn man als Schreiberling die ganze Geschichte kennt und aus dem Grinsen nicht mehr herauskommt, weil die Leser alle zappeln Icon_wink

Zitat:Schließlich sind die (mehr oder minder) lieben Vögelchen auch sehr interessant und die Art, wie du von ihnen und ihrer Welt immer mehr zeigst, ist auch genau richtig. Es ist kein Infodump, es wirkt natürlich. Genauso natürlich wie die Falken selbst, leider begegnen einem in Fantasy zu oft ~magische Tiere~, die nur dem Aussehen nach Tiere sind und sonst einfach nur ziemlich behaarte Menschen, was nicht toll ist. Aber hier haben wir Falken. Mit eigener Zeitrechnung und teuflischen Plänen, aber Falken.
Vor dem Infodump hatte ich Angst, aber wenn es nicht so rüberkommt, bin ich beruhigt. Dann sind die Infodump-Stellen später dran. Ich bin mir sicher, da kommen noch ein paar.
Und die zweite positive Anmerkung deinerseits bestätigt mich, richtig an die Sache herangegangen zu sein. Mir ist das auch schon öfter aufgefallen, dass man in der Fantasy Tiere ziemlich personifiziert und sich wohl an Fabeln orientiert, ohne lehren zu wollen oder so. Und genau das wollte ich vermeiden, weiß aber nicht so genau, ob mir das nun gelungen ist oder nicht.

Zitat:Dazu noch eine positiv anzumerkende Kleinigkeit: die Namen. Die sind ungewöhnlich, ohne in Silbengeschwurbel auszuarten, und klingen für mich ein bisschen nordisch an, macht wohl das J ^^Gefällt mir auf alle Fälle.
Danke  Du müsstest mal das Chaos für gewisse andere Namen sehen, die ich noch auf der Liste hatte, bevor ich mich auf das Schema „zwei Silben, Endung bei weiblich auf –a, bei männlich auf –e oder ähnlich“ festgelegt hatte …

Zitat:Es gelingt dir wirklich ausgezeichnet, Spannung aufzubauen, zu erhalten und im richtigen Moment Fragen aufzuwerfen und andere zu beantworten. Und damit verabschiede ich mich und breche sogleich zum nächsten Teil auf.
Danke Smiley_emoticons_blush

Viele Grüße,
Eselfine


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Beitrag #4 |

RE: Die Federn des Windes - 4
Hallo Fine,

ich bin etwas benebelt von Medikamenten - habe mir den Ischias eingeklemmt - und in Verbindung mit der Hitze draußen haut mich das doch von den Socken. So nutze ich die Gelegenheit und lasse Dir einen Kommi zu Deiner spannenden Geschichte da Icon_smile
Wundere Dich nicht, falls ich kariertes Zeug schreibe, ich traue meinem Kopf im Moment nicht so sehr Icon_ugly

Zitat:In der Dämmerung schlich sich die Gewissheit des Endes an und klopfte sanft an die Tür von Midjas Gedanken.
Ich finde das einen sehr schönen ersten Satz, doch bin ich mir unschlüssig, ob das sanft bei diesem Vorgang passt. Es klingt so verharmlosend. Obwohl es natürlich wieder passt in Bezug auf anschleichen Icon_confused

Zitat:Brekja wartete schon vor der Höhle, während sie die letzte Schwungfeder durch den Schnabel zog und ihr Gefieder schüttelte, nur um schließlich aufzubrechen und es wieder durcheinander zu bringen.

Das ist ein schöner Einstieg in Midjas Konflikt, es wirkt wie Aufschub, Midja will hinauszögern, was unweigerlich kommen wird. Du benutzt hier allerdings eine Formulierung mit während, was für mich die beginnende Dramatik schwächt. [/i] Vielleicht so:
Brekja wartete schon vor der Höhle.
Midja zog die letzte Schwungfeder durch ihren Schnabel und schüttelte ihr Gefieder. Es würde erneut durcheinandergeraten, sobald sie aufbrach.

Das erscheint, als würde sie eine sinnlose Handlung durchführen - aber die nachfolgende Beschreibung der Notwendigkeit der Federpflege lässt das in einem anderen Licht erscheinen: Sie benutzt auferlegte Regeln, um dem Aufschub ein Alibi zu verschaffen.
Um es noch stärker wirken zu lassen, würde ich den ersten Satz alleine dastehen lassen (Zeilenumbruch).
Zitat:... und Midja hatte sie weitergegeben an die wenigen Falken, die aus ihren Eiern geschlüpft waren und nach einer Generation welkten wie Blumen im Spätsommer.
Hier ist eine neue Info für mich - warum sterben die Falken nach einer Generation? Oder hast Du das in einem der vorigen Teile schon mal erwähnt und ich habe es nicht mehr auf der Pfanne?
Zitat:Würden sie ihnen die gleiche Bedeutung beimessen?
Dieser Satz erschließt sich mir nicht. Ihnen bezieht sich auf die Federn, die die Menschen sind? Aber wie passt dann das Folgende dazu:
Zitat:Federn, um uns warmzuhalten, Federn, um zu fliegen und zu überleben ...
Icon_confused
Zitat:‚Kommst du endlich?‘, drängte Brekja und stieß sich von der Felswand ab, schoss in die beginnende Nacht und in das sanfte Schimmern der erwachenden Magie hinaus, bereit, ihren Magen mit Nachtbeute zu füllen.
Ich würde Beute schreiben, um das doppelte Nacht zu umgehen. Kommst du endlich? klingt ein wenig wie eine Mutter, die ihr Kind scheucht. Warum nicht einfach: Midja, komm! Wenn ich es nicht vergesse, schreibe ich unten nochmal genauer was dazu, hier schon mal soviel: Mir ist an dieser Stelle ein wenig zu sehr menschlicher Umgangston bei den Falken.
Zitat:Die Tagjäger, Falken, die ein einfaches, magiefernes Leben führten, steckten nun ihre Köpfe unter die Flügel, zufrieden, wieder einen Tag überstanden zu haben, doch Midja beschlich mit dem Zupfen des Windes an ihren Flügeln das Gefühl, dass sie den nächsten Tag nicht überleben würde.
Hmm, der Wind zupft an den Flügeln eines fliegenden Falkenweibchens? Vielleicht lieber zerren oder brausen, rütteln, hach, was besseres fällt mir gerade nicht ein, aber zupfen passt für mich hier nicht.
Zitat:Aber wenigstens eine letzte Jagd stand ihr noch zu, und wenn sie nur dazu diente, den Schein zu wahren. Die Kolonie sollte nicht erfahren, was sie plante, damit keiner auf die Idee kommen konnte, sie an ihrem Vorhaben zu hindern. Und sie selbst – sie wusste nicht, ob sie am Ende in der Lage sein würde, es zu tun. Fliegen und überleben. Meine Federn brauche ich morgen nicht.
Hier schwächst Du die Dramatik wieder mit den gebrauchten Formulierungen, hälst mich als Leser auf Abstand von Midja. Vielleicht:
Eine letzte Jagd. Eine noch stand ihr zu, die ihr dazu dienen würde, den Schein zu wahren. Die Kolonie erfuhr nichts davon, keiner konnte sie an ihrem Vorhaben hindern. Sie wusste nicht, ob sie am Ende in der Lage sein würde, es zu tun.
Fliegen und überleben. Meine Federn brauche ich morgen nicht.

Diese Gedanken würde ich wieder allein in der Zeile stehen lassen, es sind starke, schwere Gedanken, die Midja da mit sich herumträgt und gleichzeitig ein unumkehrbarer Entschluss - großes Kino braucht Raum Icon_ugly
Zitat:Brekja hatte die Führung übernommen und spielte nun mit den Luftströmen Fangen.
nun würde ich streichen - Verzeihung, ich bin aber heute wieder streng Smiley_emoticons_blush
Zitat:Du bist so still, Midja‘, stellte sie nach einer Weile fest. ‚Dabei ist heute eine gute Nacht. Die Magie ist deutlich und die Beute ist zahlreich aus ihren Bauen gekommen.‘
Das klingt für meine Ohren seltsam. Um auf der sicheren Seite zu sein, halte ich aus ihrem Bau für besser. Okay, der Duden sagt, Du hast es richtig gemacht. Dann muss ich wohl mein Gefühl ändern Mrgreen
Du bist so still, Midja finde ich hier überflüssig. Lieber direkt mit Brekja in die Nacht eintauchen:
Heute ist eine gute Nacht. Ich spüre die Magie deutlich und die Beute ist zahlreich aus ihrem Bau gekrochen.
Zitat:‚Die Magie ist so deutlich, weil sie auf ihr Opfer lauert‘, gab Midja traurig zurück und die blauen Schimmer, die sich um Brekja als Zeichen ihrer Lebendigkeit sammelten, erzählten von ihrem Mitgefühl.
Bist Du Dir sicher, dass die Magie Mitgefühl kennt? Ich habe nicht den Eindruck. Und ich glaube auch nicht, dass der blaue Schimmer, der sich hier um Brekja sammelt, Midjas Traurigkeit erfasst. Ich verstehe auch den Bezug nicht: Ist es hier Brekjas Lebendigkeit oder die Lebendigkeit der Magie? Icon_confused
Zitat:Tjore. Midja hätte wissen müssen, dass ihre Jagdgefährtin das großen Vorbild der Nachtjäger erwähnen würde, wenn sie seine Lehre infrage stellte.
Aber hier und jetzt hat Midja ja noch garnicht die Lehre Tjores in Frage gestellt.
Zitat:‚Wie alt ist deine Feder? Zwei Generationen?‘, erkundigte sich Brekja nach einer Pause, ohne auf ihre Fragen einzugehen, nachdem sie die Schlucht hinter sich gelassen hatten und nun dicht über den Baumwipfeln des Alten Waldes dahinglitten.
Nach einer Pause stört mich hier. Der Satz wirkt insgesamt sperrig. Nach einzugehen würde ich einen Punkt setzen.
Sie hatten die Schlucht hinter sich gelassen und glitten dicht über den Baumwipfeln des Alten Waldes dahin.
Hmm, insgesamt kommt diese plötzliche Beschreibung der Umgebung etwas verloren daher. Ein paar Eindrücke der Umgebung, wie Midja sie sieht, wären von Anfang an vielleicht nicht schlecht, dann steht das hier nicht so allein da, oder aber Du verzichtest konsequent auf diese Beschreibung - die erste Variante finde ich besser, aber das ist reine Geschmacksache.
Zitat:Eine Generation nennen sie ‚sieben Jahre‘.‘
Das klingt nach einer Erklärung für den Leser und ist hier überflüssig.
Hier würde ich wieder einen Zeilenumbruch setzen.
Zitat:Midja hatte in den letzten Schlupfzeiten viel über die Menschen und ihre Welt gelernt, und dieses Wissen war es auch gewesen, das sie davon abhielt, Tjores Gesetze blind zu befolgen, wie es die anderen Falken taten.
Das ist wieder ziemlich sperrig und kompliziert geschrieben, wieso nicht direkter:
Midja hatte in den letzten Schlupfzeiten viel über die Menschen und ihre Welt gelernt, und dieses Wissen hielt sie davon ab, Tjores Gesetze blind zu befolgen. Den Nachsatz würde ich streichen, es ist klar, dass die anderen Falken dem Gesetz gehorchen.
Zitat:Als er festlegte, dass die Macht der Federn einzuschränken war, gab es noch viele tausend andere Federn.
Hier vielleicht sei?
Zitat:Midjas Lachen kräuselte das Nachtdunkel ...
Ich versuche, mir das bildlich vorzustellen. Eigentlich mag ich diesen Satz, aber dieses Bild ist ein wenig ... abgehoben? Icon_smile
Zitat:Das andere Falkenweibchen schwieg, ...
Ich finde Brekja schwieg. hier angebrachter. Diese zwei Worte verraten mir, dass Brekja insgeheim selber zweifelt.
Zitat:Das andere Falkenweibchen schwieg, während sie den Wald hinter sich ließen und als Schatten im Magieblau über die Felder wirbelten, die die Falken oft als Tjores Jagdgründe bezeichneten, Felder und Wiesen so reich von Beute, dass nicht einmal die Ausbreitung der Menschen etwas daran ändern konnte.
Der Satz ist insgesamt wieder sehr sperrig.
Sie ließen den Wald hinter sich und wirbelten als Schatten im Magieblau über Tjores Jagdgründe, wie die Falken die Felder bezeichneten, Felder und Wiesen so reich von Beute, dass nicht einmal die Ausbreitung der Menschen etwas daran ändern konnte.
Als Vorschlag.
Schimmernde Kräusel - weiter oben hast Du ... kräuselte das Nachtdunkel; Magieblau, das Blau unter ihnen ...
Vielleicht fällt Dir hier noch was anderes ein, damit es nicht zu diesen Dopplungen kommt.
Zitat:Die Jagd würde gleich beginnen, auch wenn Midja sich nicht vorstellen konnte, den Rausch des Tötens noch einmal erleben zu wollen.
Das ist wieder so weit weg von Midja. Lass mich spüren, dass sie es so empfindet:
Die Jagd würde gleich beginnen. Der Gedanke an den Rausch des Tötens erfüllte Midja plötzlich mit Abscheu. Niemals wieder wollte sie das erleben.
Zitat:Ich sollte mir noch etwas jagen, sagte sie sich. Morgen brauche ich alle Kraft, die ich bekommen kann.
Wie passt das mit dem zuvor gesagten zusammen? Sie will das Töten nicht noch einmal erleben. Ich würde das zuvor deutlich machen, dass sie keine Wahl hat und den Konflikt, der daraus entsteht, herausarbeiten.
Zitat:‚Tjore hat uns alles gesagt, was wir wissen müssen. Ein Tod für ein Leben. Dein Leben‘, meinte Brekja nach einer Weile. ‚Es gibt keinen anderen Weg. Selbst wenn du dich weigerst – die Magie wird es für dich erledigen.‘
Der Nachsatz meinte Brekja nach einer Weile schwächt hier die so wichtigen Aussagen. Hier machst Du deutlich, worum es für Midja geht, um ihr Leben, und das ist der tiefe Konflikt, in dem sie steckt. Sie will das nicht mitmachen, will ausbrechen, und riskiert dafür alles, was ihr möglich ist: Ihr eigenes Leben. Ich würde das nicht so im Textfluss untergehen lassen, denn das ist der Höhepunkt dieses Kapitels.
Tjore hat uns alles gesagt, was wir wissen müssen. Brekjas Urteil erschien mitleidlos.
Ein Tod für ein Leben. Dein Leben. Es gibt keinen anderen Weg. Selbst wenn du dich weigerst – die Magie wird es für dich erledigen.

Zitat:‚Ein Tod für ein Leben‘, erwiderte Midja ruhig. ‚Das ist der Pfad, den Tjore uns offen gelassen hat. Vielleicht wollte er, dass wir eine Wahl treffen.‘
Eine Wahl, die ich nie treffen wollte.
Unter ihr huschte ein blaues Magiebündel über das schimmernde Feld. Midja ließ sich fallen.
Das ist ein gelungener Schluss für dieses Kapitel.
Wie sieht jetzt mein Fazit aus:
Es sind interessante Einblicke in Deine Welt der Nachtfalken, die Du dem Leser hier bietest und eine dramatische Situation für Midja, aber auch für Brekja, deren Konflikt hier schön dargelegt ist, aber die Dramatik könnte durchaus noch besser herausgearbeitet werden.
Wie ich oben schon angedeutet habe, ist mir die Sprache der Falken ein wenig zu sehr menschlich. Umgangssprachlich. Ich würde mir hier einen Unterton wünschen, durch den sich die Falken von den Menschen klar abheben.
Außerdem fehlt mir ein bisschen "Falkenzauber", also die Atmosphäre, die Gedanken an Falken in meinem Kopf erzeugen, ich weiß nicht, wie ich das gut beschreiben kann, vielleicht sagt dieser Satz aus, was ich meine:
In atemlosen Flug schossen sie Schwinge an Schwinge durch die Nacht, ihre Augen voll des Windes.
Das Kapitel ist trotz der Dramatik sehr nüchtern gehalten. Ich wünsche mir mehr von dem Leben der Falken nachzuempfinden, mehr den Augenblick des Fluges zu genießen und die Spannung der beginnenden Jagd bis unter die Haut zu spüren. Denn trotz der Düsterkeit der Thematik ist das hier ein romantisches Setting, eine ungezähmte Wildheit, ein Adrenalinschub, der der Jagd vorausgeht, und damit hast Du die Möglichkeit, einen starken Kontrast zu setzen zum tragischen Konflikt - und somit den Leser in einen Whirlpool der Gefühle zu schmeißen. Icon_cuinlove
So, Finchen, ich habe fertig, nimm Dir von meinen Anregungen, was Du für sinnvoll hälst, schmeiß´den Rest über Bord und vergib mir, wenn ich unverständlichen Kram geschrieben habe Mrgreen cookie
Ganz liebe Grüße von slainte music


Mich kann man nicht komprimieren!

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Beitrag #5 |

RE: Die Federn des Windes - 4
Noch eine kurze Frage:
Stellst Du die anderen Teile auch noch ein? Ich habe jetzt bis Teil 8 gelesen und würde sehr gern erfahren, wie es weitergeht Read


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Beitrag #6 |

RE: Die Federn des Windes - 4
(04-07-2015, 16:45)slainte schrieb: Hallo Fine,

ich bin etwas benebelt von Medikamenten - habe mir den Ischias eingeklemmt - und in Verbindung mit der Hitze draußen haut mich das doch von den Socken. So nutze ich die Gelegenheit und lasse Dir einen Kommi zu Deiner spannenden Geschichte da Icon_smile
Wundere Dich nicht, falls ich kariertes Zeug schreibe, ich traue meinem Kopf im Moment nicht so sehr Icon_ugly
Hallo slainte.
Ich bin momentan damit beschäftigt, meinen Rückstand aufzuholen, also wundere dich nicht, wenn zwischenzeitlich seltsame Formulierungen (kariert und gestreift) auftauchen … die Müdigkeit tut ihr Übriges.

Zitat:
Zitat:In der Dämmerung schlich sich die Gewissheit des Endes an und klopfte sanft an die Tür von Midjas Gedanken.
Ich finde das einen sehr schönen ersten Satz, doch bin ich mir unschlüssig, ob das sanft bei diesem Vorgang passt. Es klingt so verharmlosend. Obwohl es natürlich wieder passt in Bezug auf anschleichen Icon_confused
Ich mag Euphemismen, auch wenn das so direkt keiner ist. Aber diese Magie … wenn es nach mir gehen würde, würde ich die die ganze Zeit verharmlosen. Denn so ist sie mir das erste Mal in meinen Ideen begegnet. Harmlos, nett, wunderbar. Eine Haben-wollen-Fähigkeit. Und dann hat sie beschlossen, all das nicht zu sein.

Zitat:
Zitat:Brekja wartete schon vor der Höhle, während sie die letzte Schwungfeder durch den Schnabel zog und ihr Gefieder schüttelte, nur um schließlich aufzubrechen und es wieder durcheinander zu bringen.

Das ist ein schöner Einstieg in Midjas Konflikt, es wirkt wie Aufschub, Midja will hinauszögern, was unweigerlich kommen wird. Du benutzt hier allerdings eine Formulierung mit während, was für mich die beginnende Dramatik schwächt. [/i] Vielleicht so:
Brekja wartete schon vor der Höhle.
Midja zog die letzte Schwungfeder durch ihren Schnabel und schüttelte ihr Gefieder. Es würde erneut durcheinandergeraten, sobald sie aufbrach.

Das erscheint, als würde sie eine sinnlose Handlung durchführen - aber die nachfolgende Beschreibung der Notwendigkeit der Federpflege lässt das in einem anderen Licht erscheinen: Sie benutzt auferlegte Regeln, um dem Aufschub ein Alibi zu verschaffen.
Um es noch stärker wirken zu lassen, würde ich den ersten Satz alleine dastehen lassen (Zeilenumbruch).
Gute Idee, das werde ich wahrscheinlich übernehmen.

Zitat:
Zitat:... und Midja hatte sie weitergegeben an die wenigen Falken, die aus ihren Eiern geschlüpft waren und nach einer Generation welkten wie Blumen im Spätsommer.
Hier ist eine neue Info für mich - warum sterben die Falken nach einer Generation? Oder hast Du das in einem der vorigen Teile schon mal erwähnt und ich habe es nicht mehr auf der Pfanne?
Schlecht, dass ich meinen eigenen Text nicht allzu gut kenne, aber es ist auch möglich, dass ich es einfach (noch?) nicht erwähnt habe. Es gibt die Falken, die ich Nachtfalken nenne, die lange leben. Sehr lange, durch die Magie. Und dann gibt es die ganz normalen Falken, die halt da sind. Und die sterben hier nach einer Generation, mehr oder weniger, weil das ihre natürliche Lebenserwartung ist.

Zitat:
Zitat:Würden sie ihnen die gleiche Bedeutung beimessen?
Dieser Satz erschließt sich mir nicht. Ihnen bezieht sich auf die Federn, die die Menschen sind? Aber wie passt dann das Folgende dazu:
Zitat:Federn, um uns warmzuhalten, Federn, um zu fliegen und zu überleben ...
Icon_confused
Midja fragt sich, warum man diese Menschen, die sie nach einiger Zeit töten, die ihnen so lästig sind, denn Federn nennen, wenn diese anderen Federn, die ihnen als Vögel eigen sind, überlebenswichtig sind. Wäre es denn möglich, dass diese Mensch-Federn am Ende gar nicht so gefährlich sind?

Zitat:
Zitat:‚Kommst du endlich?‘, drängte Brekja und stieß sich von der Felswand ab, schoss in die beginnende Nacht und in das sanfte Schimmern der erwachenden Magie hinaus, bereit, ihren Magen mit Nachtbeute zu füllen.
Ich würde Beute schreiben, um das doppelte Nacht zu umgehen. Kommst du endlich? klingt ein wenig wie eine Mutter, die ihr Kind scheucht. Warum nicht einfach: Midja, komm! Wenn ich es nicht vergesse, schreibe ich unten nochmal genauer was dazu, hier schon mal soviel: Mir ist an dieser Stelle ein wenig zu sehr menschlicher Umgangston bei den Falken.
Mhm, mal sehen, ob sich da noch was machen lässt. Ich habe über alles Mögliche nachgedacht, aber ehrlich gesagt, über besondere sprachliche Wendungen (abgesehen von kryptischen Botschaften) für die Falken nicht.

Zitat:
Zitat:Die Tagjäger, Falken, die ein einfaches, magiefernes Leben führten, steckten nun ihre Köpfe unter die Flügel, zufrieden, wieder einen Tag überstanden zu haben, doch Midja beschlich mit dem Zupfen des Windes an ihren Flügeln das Gefühl, dass sie den nächsten Tag nicht überleben würde.
Hmm, der Wind zupft an den Flügeln eines fliegenden Falkenweibchens? Vielleicht lieber zerren oder brausen, rütteln, hach, was besseres fällt mir gerade nicht ein, aber zupfen passt für mich hier nicht.
Ich sehe es in der Tradition der Verharmlosung Icon_wink
Mal sehen. Viel Wind soll in dem Moment nicht sein, deshalb eher ein vorsichtiges Auf-Sich-Aufmerksam-Machen …

Zitat:
Zitat:Aber wenigstens eine letzte Jagd stand ihr noch zu, und wenn sie nur dazu diente, den Schein zu wahren. Die Kolonie sollte nicht erfahren, was sie plante, damit keiner auf die Idee kommen konnte, sie an ihrem Vorhaben zu hindern. Und sie selbst – sie wusste nicht, ob sie am Ende in der Lage sein würde, es zu tun. Fliegen und überleben. Meine Federn brauche ich morgen nicht.
Hier schwächst Du die Dramatik wieder mit den gebrauchten Formulierungen, hälst mich als Leser auf Abstand von Midja. Vielleicht:
Eine letzte Jagd. Eine noch stand ihr zu, die ihr dazu dienen würde, den Schein zu wahren. Die Kolonie erfuhr nichts davon, keiner konnte sie an ihrem Vorhaben hindern. Sie wusste nicht, ob sie am Ende in der Lage sein würde, es zu tun.
Fliegen und überleben. Meine Federn brauche ich morgen nicht.

Diese Gedanken würde ich wieder allein in der Zeile stehen lassen, es sind starke, schwere Gedanken, die Midja da mit sich herumträgt und gleichzeitig ein unumkehrbarer Entschluss - großes Kino braucht Raum Icon_ugly
I see – es hat mehr Wirkung. Kann ich dich zum Aufräumen solcher Formulierungen einstellen? (Ich zahle allerdings nichts Icon_ugly )

Zitat:
Zitat:‚Die Magie ist so deutlich, weil sie auf ihr Opfer lauert‘, gab Midja traurig zurück und die blauen Schimmer, die sich um Brekja als Zeichen ihrer Lebendigkeit sammelten, erzählten von ihrem Mitgefühl.
Bist Du Dir sicher, dass die Magie Mitgefühl kennt? Ich habe nicht den Eindruck. Und ich glaube auch nicht, dass der blaue Schimmer, der sich hier um Brekja sammelt, Midjas Traurigkeit erfasst. Ich verstehe auch den Bezug nicht: Ist es hier Brekjas Lebendigkeit oder die Lebendigkeit der Magie? Icon_confused
Uch, der Satz ist etwas misslungen. Das Mitgefühl bezieht sich auf Brekja, und die Schimmer zeigen, dass sich etwas Lebendiges an dieser Stelle befindet. Ganz andere Bedeutung, oder? Hmpf. Und ich habe keine Ahnung, wie ich es umformulieren kann …

Zitat:
Zitat:Tjore. Midja hätte wissen müssen, dass ihre Jagdgefährtin das großen Vorbild der Nachtjäger erwähnen würde, wenn sie seine Lehre infrage stellte.
Aber hier und jetzt hat Midja ja noch garnicht die Lehre Tjores in Frage gestellt.
Hat sie nicht? Ja, sie hat ihn nur angezweifelt, oder besser, nur bezweifelt, dass sie seiner Lehre flogen wird. Vielleicht ist das hier etwas zu absolut formuliert.

Zitat:
Zitat:‚Wie alt ist deine Feder? Zwei Generationen?‘, erkundigte sich Brekja nach einer Pause, ohne auf ihre Fragen einzugehen, nachdem sie die Schlucht hinter sich gelassen hatten und nun dicht über den Baumwipfeln des Alten Waldes dahinglitten.
Nach einer Pause stört mich hier. Der Satz wirkt insgesamt sperrig. Nach einzugehen würde ich einen Punkt setzen.
Sie hatten die Schlucht hinter sich gelassen und glitten dicht über den Baumwipfeln des Alten Waldes dahin.
Hmm, insgesamt kommt diese plötzliche Beschreibung der Umgebung etwas verloren daher. Ein paar Eindrücke der Umgebung, wie Midja sie sieht, wären von Anfang an vielleicht nicht schlecht, dann steht das hier nicht so allein da, oder aber Du verzichtest konsequent auf diese Beschreibung - die erste Variante finde ich besser, aber das ist reine Geschmacksache.
Ich wollte nicht die ganze Zeit über Baumwipfel schreiben … Hm, mal sehen, wie ich das löse.

Zitat:
Zitat:Midja hatte in den letzten Schlupfzeiten viel über die Menschen und ihre Welt gelernt, und dieses Wissen war es auch gewesen, das sie davon abhielt, Tjores Gesetze blind zu befolgen, wie es die anderen Falken taten.
Das ist wieder ziemlich sperrig und kompliziert geschrieben, wieso nicht direkter:
Midja hatte in den letzten Schlupfzeiten viel über die Menschen und ihre Welt gelernt, und dieses Wissen hielt sie davon ab, Tjores Gesetze blind zu befolgen. Den Nachsatz würde ich streichen, es ist klar, dass die anderen Falken dem Gesetz gehorchen.
Zitat:Als er festlegte, dass die Macht der Federn einzuschränken war, gab es noch viele tausend andere Federn.
Hier vielleicht sei?
*nickt bedächtig*

Zitat:
Zitat:Midjas Lachen kräuselte das Nachtdunkel ...
Ich versuche, mir das bildlich vorzustellen. Eigentlich mag ich diesen Satz, aber dieses Bild ist ein wenig ... abgehoben? Icon_smile
Ich mag ihn. 

Zitat:
Zitat:Das andere Falkenweibchen schwieg, ...
Ich finde Brekja schwieg. hier angebrachter. Diese zwei Worte verraten mir, dass Brekja insgeheim selber zweifelt.
Hach, warum einfach, wenn’s auch kompliziert geht …

Zitat:Schimmernde Kräusel - weiter oben hast Du ... kräuselte das Nachtdunkel; Magieblau, das Blau unter ihnen ...
Vielleicht fällt Dir hier noch was anderes ein, damit es nicht zu diesen Dopplungen kommt.
Wellen? Ich muss mir mal ein paar Synonyme dafür besorgen.

Zitat:
Zitat:Die Jagd würde gleich beginnen, auch wenn Midja sich nicht vorstellen konnte, den Rausch des Tötens noch einmal erleben zu wollen.
Das ist wieder so weit weg von Midja. Lass mich spüren, dass sie es so empfindet:
Die Jagd würde gleich beginnen. Der Gedanke an den Rausch des Tötens erfüllte Midja plötzlich mit Abscheu. Niemals wieder wollte sie das erleben.
Zitat:Ich sollte mir noch etwas jagen, sagte sie sich. Morgen brauche ich alle Kraft, die ich bekommen kann.
Wie passt das mit dem zuvor gesagten zusammen? Sie will das Töten nicht noch einmal erleben. Ich würde das zuvor deutlich machen, dass sie keine Wahl hat und den Konflikt, der daraus entsteht, herausarbeiten.
*notiert*
Sie ekelt sich auch ein bisschen vor sich selbst. Ich weiß nicht, wie das Gefühl, dass ich hatte, als ich erfahren habe, wie Massentierhaltung funktioniert. Und kurz darauf Fleisch gegessen habe. Ich habe es trotzdem gemacht, aber wirklich geschmeckt hat es nicht.

Zitat:
Zitat:‚Tjore hat uns alles gesagt, was wir wissen müssen. Ein Tod für ein Leben. Dein Leben‘, meinte Brekja nach einer Weile. ‚Es gibt keinen anderen Weg. Selbst wenn du dich weigerst – die Magie wird es für dich erledigen.‘
Der Nachsatz meinte Brekja nach einer Weile schwächt hier die so wichtigen Aussagen. Hier machst Du deutlich, worum es für Midja geht, um ihr Leben, und das ist der tiefe Konflikt, in dem sie steckt. Sie will das nicht mitmachen, will ausbrechen, und riskiert dafür alles, was ihr möglich ist: Ihr eigenes Leben. Ich würde das nicht so im Textfluss untergehen lassen, denn das ist der Höhepunkt dieses Kapitels.
Tjore hat uns alles gesagt, was wir wissen müssen. Brekjas Urteil erschien mitleidlos.
Ein Tod für ein Leben. Dein Leben. Es gibt keinen anderen Weg. Selbst wenn du dich weigerst – die Magie wird es für dich erledigen.
Mhm. *notiert*

Zitat:Wie sieht jetzt mein Fazit aus:
Es sind interessante Einblicke in Deine Welt der Nachtfalken, die Du dem Leser hier bietest und eine dramatische Situation für Midja, aber auch für Brekja, deren Konflikt hier schön dargelegt ist, aber die Dramatik könnte durchaus noch besser herausgearbeitet werden.
Wie ich oben schon angedeutet habe, ist mir die Sprache der Falken ein wenig zu sehr menschlich. Umgangssprachlich. Ich würde mir hier einen Unterton wünschen, durch den sich die Falken von den Menschen klar abheben.
Wie schon erwähnt, habe ich darauf nicht so wirklich geachtet. Ich weiß auch nicht, ob es später noch etwas besser wird, denn ich habe diese Teilstücke größtenteils getrennt voneinander und durcheinander geschrieben, sodass durchaus mal drei, vier Monate zwischen zwei aufeinanderfolgenden Parts liegen können. Hinzu kommt noch, dass ich beispielsweise die 2010-Handlung relativ zeitnah geschrieben habe, und manche Dinge erst später hinzugekommen sind. Beim ersten Überarbeiten habe ich mir zwar Mühe gegeben, daraus resultierende Unstimmigkeiten zu eliminieren, aber das hat nur teilweise geklappt.
Ich werde das mal im Hinterkopf behalten und schauen, wie es mit den anderen Parts dieser Art aussieht.

Zitat:Außerdem fehlt mir ein bisschen "Falkenzauber", also die Atmosphäre, die Gedanken an Falken in meinem Kopf erzeugen, ich weiß nicht, wie ich das gut beschreiben kann, vielleicht sagt dieser Satz aus, was ich meine:
In atemlosen Flug schossen sie Schwinge an Schwinge durch die Nacht, ihre Augen voll des Windes.
Das Kapitel ist trotz der Dramatik sehr nüchtern gehalten.
Eigentlich mag ich genau diesen Kontrast. Wenn nicht alles in mir nach „Lüge“ schreien würde, würde ich jetzt anmerken, dass ich insgesamt ein eher nüchterner Mensch bin, und deshalb auch so schreibe – aber naja, es stimmt halt nicht. Icon_wink

Zitat:Ich wünsche mir mehr von dem Leben der Falken nachzuempfinden, mehr den Augenblick des Fluges zu genießen und die Spannung der beginnenden Jagd bis unter die Haut zu spüren. Denn trotz der Düsterkeit der Thematik ist das hier ein romantisches Setting, eine ungezähmte Wildheit, ein Adrenalinschub, der der Jagd vorausgeht, und damit hast Du die Möglichkeit, einen starken Kontrast zu setzen zum tragischen Konflikt - und somit den Leser in einen Whirlpool der Gefühle zu schmeißen.
Huh, wenn ich das mal hinbekommen würde …

Vielen Dank noch einmal für deinen Kommentar, tut mir leid, dass die Beantwortung so lange gedauert hat.

Viele Grüße,
Eselfine


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Beitrag #7 |

RE: Die Federn des Windes - 4
Hallo Eselfine,

weiter geht's: Eine neue Perspektive, Midjas Sicht. Bislang dachte ich tatsächlich, Midja sei ein männlicher Falke.
Wir "erleben" Midjas letzte Nacht, ehe sie sich selbst aufgeben wird. Das Jahr 2011, Merle ist 15, knapp zwanzig Jahre, nachdem Anna Tjores "Machtantritt" gelauscht hat. Was hat sich geändert? Es gibt nur noch wenige Federn, wenige magiebegabte Menschen. Dafür greifen die Falken diese Menschen jetzt schon viel früher an, rotten sie geradeso aus. Es wird gelingen, das wissen wir. Und Merle wird 2010 nicht in der Scheune sterben - das wissen wir auch.
Das Gespräch zwischen Brekja und Midja ist klar: Brekja folgt Tjores Lehren, sieht sie als deterministisch. Midja zweifelt: nicht zuletzt weil die Opfer immer jünger werden. Wahrscheinlich auch wegen der fehlenden Beweise: Wie in Teil 1 angemerkt - Tjore gewinnt die Falken allein mit der Gewalt seiner Stimme für sich, Argumente und Belege findet er wenige. Er besäuselt sie - und nun?
Interessant in diesem Kapitel: Midja weiß schon vor dem Gespräch mit Brekja, dass sie sterben wird. Und dennoch ist sie schockiert, dass Merles Stunde geschlagen hat. Da frage ich mich, was Midjas Entschluss vorantreibt - woher kommt die Gewissheit? Das bleibt offen. Ebenso bleibt offen, was Midja vorhat, denn ihr Entschluss scheint unbetroffen von der Wahl, vor die Tjore die Falken stellt: Ein Tod für ein Leben.

Was mir auch jetzt noch etwas unklar ist, ist die Beziehung der Falken zu den Menschen. Es ist eines der großen Rätsel dieser Geschichte, deshalb erwarte ich nicht, dass es im vierten Kapitel gelöst ist. Dennoch wüsste ich an dieser Stelle gerne (und vor allem nachdem wir hier die Falkenperspektive gelesen haben):
- Wie sehen Merle und die anderen magiebegabten Menschen ihre Beziehung zu den Falken? Was ziehen sie daraus? Wie nutzen sie die Verbindung? Was gibt es ihnen - und was müssen sie selbst geben?
- Weshalb offenbaren sich die Falken den Menschen? Warum bestand ursprünglich diese Verbindung?
- Mir ist dann doch nicht ganz klar, weshalb die Falken in den Menschen etwas Übles sehen. In diesem Kapitel klingt ein wenig Naturschutz durch (Felder und Wiesen so reich von Beute, dass nicht einmal die Ausbreitung der Menschen etwas daran ändern konnte). Aber ist das alles? Das ist ja nun kein Phänomen der Jahrtausendwende.

Diese drei Punkte könnten in den bisherigen Kapiteln insgesamt deutlicher werden. Du zeichnest zwar deine Figuren gut, vor allem die Beziehungen zwischen ihnen, aber ob und wo ein Grundvertrauen besteht, darüber erfahren wir sehr wenig. Und deswegen kann ich schwer einschätzen, ob Midja in Merle eine Bedrohung oder eine Verbündete sieht - ebenso wenig, ob Merle sich von Midja unterstützt oder unter Druck gesetzt fühlt. Die Geschichte ist angelegt, als würden sie symbiotisch zusammenleben, die Angst der Falken wirkt aber ab und an parasitär. Ich hoffe, ich konnte verdeutlichen, was ich mir zum jetzigen Zeitpunkt noch gewünscht hätte.

Abgesehen von diesen grundlegenden Unklarheiten gefällt mir deine Geschichte. Um mich ganz gefangen zu nehmen, fehlt mir aber noch ein Gefühl für die Charaktere. In diesem Abschnitt bleibt zum Beispiel Brekja sehr blass: Ist sie eine Art Leitwölfin? Schließlich hat sie Merle über die Magie aufgeklärt, wenn ich es recht im Kopf habe. Gleichzeitig ist sie aber starre Mitläuferin von Tjore. Ich dachte, sie sei vielleicht älter, vielleicht jemand, der schon immer die jungen Federn aufgeklärt hat. Aber vllt täuscht das auch - denn Tjores Lehren stehen dem ja entgegen: Warum sollten sie jungen Menschen überhaupt von ihrer Magiebegabung erzählen.
Mich stört insgesamt auch ein klein wenig, dass du die Motive der Figuren verschlossen hältst. Hier zum Beispiel ist so vieles unklar (was wird mit Merle passieren), wäre es da schlimm, zu erzählen, weshalb Midja ihre letzte Jagd antritt? Mal weiterlesen, dann klärt sich das bestimmt. Gerade durch deine Puzzleerzählweise erwarte ich beim Lesen aber eigentlich in jedem Abschnitt etwas Aufklärung. Dass sich eben ein Teilchen fügt. In diesem Abschnitt wirkt es aber eher wie ein halbes Puzzlestück.

Anmerkungen:
Zitat:435 GnT
Huch, was ist das denn für eine Zeitangabe?
Zitat:Brekja wartete schon vor der Höhle, während sie die letzte Schwungfeder durch den Schnabel zog und ihr Gefieder schüttelte, nur um schließlich aufzubrechen und es wieder durcheinander zu bringen.
Ich verstehe, was du sagen willst, musste hier aber dennoch mehrmals nachlesen. Vllt trennst du den Satz ab: "Als sie schließlich aufbrach, brachte sie es sofort wieder durcheinander."
Zitat:die aus ihren Eiern geschlüpft waren und nach einer Generation welkten wie Blumen im Spätsommer.
Vorschlag: "und schon nach ..."
Oder sind sie gestorben? Dann "verwelkt waren"
Zitat:doch Midja beschlich mit dem Zupfen des Windes an ihren Flügeln das Gefühl, dass sie den nächsten Tag nicht überleben würde.
Tag überleben?
Oder: "Nacht überleben"?
Oder: "Tag erleben"?
Zitat:Brekja hatte die Führung übernommen und spielte nun mit den Luftströmen Fangen.
Brekja ist doch voraus geflogen ... da kann sie schwer die Führung übernehmen?
Zitat:blauen Schimmer, die sich um Brekja als Zeichen ihrer Lebendigkeit sammelten, erzählten von ihrem Mitgefühl.
Schön! ...
... blaue Schimmer sind immer Zeichen von Magie, ja?
Zitat:dass ihre Jagdgefährtin das großen Vorbild der Nachtjäger erwähnen würde
große
Zitat:‚Fünfzehn Jahre, nach ihrer Rechnung. Eine Generation nennen sie ‚sieben Jahre‘
Schön, wie Midja hier in Menschenzeit antwortet. Die Übersetzung (eine Generation = 7 Jahre) ist dann aber nur eine Erklärung für den Leser, oder? Würde ich streichen.
Zitat:und dieses Wissen war es auch gewesen, das sie davon abhielt, Tjores Gesetze blind zu befolgen, wie es die anderen Falken taten
Denn das Wissen hält sie ja nach wie vor ab.
Schöner fände ich aber: "und dieses Wissen hielt sie auch davon ab, Tjores Gesetze blind zu befolgen"
Zitat:die die Falken oft als Tjores Jagdgründe bezeichneten, Felder und Wiesen so reich von Beute, dass nicht einmal die Ausbreitung der Menschen etwas daran ändern konnte
Hier fände ich einen Doppelpunkt passender

Liebe Grüße
Libertine

... und von den wundersamsten Wegen bleibt uns der Staub nur an den Schuhen. (Dota Kehr)
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Beitrag #8 |

RE: Die Federn des Windes - 4
Hallo Libbi,

einen werd ich wohl noch schaffen, bevor es auf Weihnachtsfahrt geht ...

(07-09-2015, 14:39)Libertine schrieb: weiter geht's: Eine neue Perspektive, Midjas Sicht. Bislang dachte ich tatsächlich, Midja sei ein männlicher Falke.
Oh, tatsächlich? Warum? Einfach so ein Gefühl?

Zitat:Wir "erleben" Midjas letzte Nacht, ehe sie sich selbst aufgeben wird. Das Jahr 2011, Merle ist 15, knapp zwanzig Jahre, nachdem Anna Tjores "Machtantritt" gelauscht hat. Was hat sich geändert? Es gibt nur noch wenige Federn, wenige magiebegabte Menschen. Dafür greifen die Falken diese Menschen jetzt schon viel früher an, rotten sie geradeso aus. Es wird gelingen, das wissen wir. Und Merle wird 2010 nicht in der Scheune sterben - das wissen wir auch.
Hier bist du rausgekommen. Die Falken haben eine eigene Zeitrechnung, die darauf basiert, dass eine Generation bei ihnen 7 Jahre menschlicher Zeitrechnung dauert. Das bedeutet, das hier passiert 1993, nur ein Jahr nach dem, was Anna dort auf der Lichtung gesehen hat. (Was wiederum den Beginn der Falkenzeitrechnung kennzeichnet, also schon weitaus länger her ist.)

Zitat:Das Gespräch zwischen Brekja und Midja ist klar: Brekja folgt Tjores Lehren, sieht sie als deterministisch. Midja zweifelt: nicht zuletzt weil die Opfer immer jünger werden. Wahrscheinlich auch wegen der fehlenden Beweise: Wie in Teil 1 angemerkt - Tjore gewinnt die Falken allein mit der Gewalt seiner Stimme für sich, Argumente und Belege findet er wenige. Er besäuselt sie - und nun?
Genau das ist der Punkt. Im ersten Moment klingt alles logisch und nachvollziehbar, aber sobald jemand beginnen würde, es zu hinterfragen, fällt das ganze Gebilde zusammen wie ein Kartenhaus. Und was bleibt dann noch, außer der Gewissheit, ein Mörder zu sein?

Zitat:Interessant in diesem Kapitel: Midja weiß schon vor dem Gespräch mit Brekja, dass sie sterben wird. Und dennoch ist sie schockiert, dass Merles Stunde geschlagen hat. Da frage ich mich, was Midjas Entschluss vorantreibt - woher kommt die Gewissheit? Das bleibt offen. Ebenso bleibt offen, was Midja vorhat, denn ihr Entschluss scheint unbetroffen von der Wahl, vor die Tjore die Falken stellt: Ein Tod für ein Leben.
Sie wird sterben, weil sie bereits gewählt hat. Das weiß sie zu diesem Zeitpunkt schon.
Direkt schockiert ist sie nicht, Brekja aber von der Vorstellung, dass Midja tatsächlich erwägt, den Tod zu wählen.
Zudem hast du hier was verwechselt - es geht bei "ihr" nicht um Merle, sondern um Anna. Das wird wahrscheinlich nicht so deutlich.

Zitat:Was mir auch jetzt noch etwas unklar ist, ist die Beziehung der Falken zu den Menschen. Es ist eines der großen Rätsel dieser Geschichte, deshalb erwarte ich nicht, dass es im vierten Kapitel gelöst ist. Dennoch wüsste ich an dieser Stelle gerne (und vor allem nachdem wir hier die Falkenperspektive gelesen haben):
- Wie sehen Merle und die anderen magiebegabten Menschen ihre Beziehung zu den Falken? Was ziehen sie daraus? Wie nutzen sie die Verbindung? Was gibt es ihnen - und was müssen sie selbst geben?
- Weshalb offenbaren sich die Falken den Menschen? Warum bestand ursprünglich diese Verbindung?
- Mir ist dann doch nicht ganz klar, weshalb die Falken in den Menschen etwas Übles sehen. In diesem Kapitel klingt ein wenig Naturschutz durch (Felder und Wiesen so reich von Beute, dass nicht einmal die Ausbreitung der Menschen etwas daran ändern konnte). Aber ist das alles? Das ist ja nun kein Phänomen der Jahrtausendwende.
Das ist jetzt schwierig ... zumal ich mir auch nicht ganz sicher bin, wie viel davon später noch beantwortet wird, und was ich selbst nicht so wichtig fand, beziehungsweise wovon ich dachte, dass es bereits geklärt wurde.
- Merle ist in der Beziehung sehr unbedarft, für sie ist das alles ein großes Abenteuer. Andere sehen die ganze Sache nicht so unbeschwert - Anna, Marcel, beispielsweise. Sehr viel gibt ihnen die Verbindung in der Regel nicht, außer halt ein paar nette Gesprächspartner und das, was ich diffus als "Heilen" angesprochen habe - tatsächlich ändert sich an diesem Bild der Magie im weiteren Verlauf nicht sonderlich viel, da es mehr darum geht, was die Magie mit den Menschen macht als darum, was die Menschen mit der Magie am Ende anstellen können.
- Das hat Tjore angesprochen in seiner Rede: Die Verbindung ist ein Kontrollinstrument, einzig allein dazu geschaffen, die Falken davor zu bewahren, dass die Menschen sie ausrotten. Das Prinzip des Austausches auf perfide Weise überspannt: Ich kenne dich, du kennst mich aber nicht richtig, weshalb du mich nicht angreifen wirst, aber ich dich unter Kontrolle habe.
- Den Falken gefällt es nicht, dass die Menschen auf die Magie gestoßen sind, die zuvor ihnen allein gehört hat. Sie haben Angst davor, dass die Menschen eines Tages besser mit der Magie umgehen können als sie selbst (was allerdings nicht eingetreten ist).

Zitat:Diese drei Punkte könnten in den bisherigen Kapiteln insgesamt deutlicher werden. Du zeichnest zwar deine Figuren gut, vor allem die Beziehungen zwischen ihnen, aber ob und wo ein Grundvertrauen besteht, darüber erfahren wir sehr wenig. Und deswegen kann ich schwer einschätzen, ob Midja in Merle eine Bedrohung oder eine Verbündete sieht - ebenso wenig, ob Merle sich von Midja unterstützt oder unter Druck gesetzt fühlt. Die Geschichte ist angelegt, als würden sie symbiotisch zusammenleben, die Angst der Falken wirkt aber ab und an parasitär. Ich hoffe, ich konnte verdeutlichen, was ich mir zum jetzigen Zeitpunkt noch gewünscht hätte.
Ja, und hier wieder - Midja und Merle kennen sich gar nicht, weil Merle zu dem Zeitpunkt noch gar nicht geboren ist.

Zitat:Abgesehen von diesen grundlegenden Unklarheiten gefällt mir deine Geschichte. Um mich ganz gefangen zu nehmen, fehlt mir aber noch ein Gefühl für die Charaktere. In diesem Abschnitt bleibt zum Beispiel Brekja sehr blass: Ist sie eine Art Leitwölfin? Schließlich hat sie Merle über die Magie aufgeklärt, wenn ich es recht im Kopf habe.
Ahh, hier verstehe ich, wie du darauf kommst, dass es um Merle geht - ja, Brekja klärt Merle später über die Magie auf. Das tut sie, weil es ihre Pflicht ist, in dem Spiel mitzuziehen. Die Falken, die sich an die Menschen binden, versuchen das Vertrauen der Menschen zu gewinnen, um sie besser überwachen zu können.

Zitat:Gleichzeitig ist sie aber starre Mitläuferin von Tjore. Ich dachte, sie sei vielleicht älter, vielleicht jemand, der schon immer die jungen Federn aufgeklärt hat. Aber vllt täuscht das auch - denn Tjores Lehren stehen dem ja entgegen: Warum sollten sie jungen Menschen überhaupt von ihrer Magiebegabung erzählen.
Das ist vielleicht ein Punkt, der sehr konstruiert erscheint, aber tatsächlich einer der springenden Punkte in dem ganzen Dings: Menschen, die die Magie spüren können, würden eines Tages über sie stolpern, blaue Linien sehen etc. In ihnen wächst von da an die Macht über die Magie - es sei denn natürlich, sie weigern sich, überhaupt was mit der Magie zu tun haben zu wollen.
Aber wenn sich dieser Mensch für das interessiert, was ihn da umgibt, wenn er es zu erforschen beginnt, dann tritt genau das ein, was die Falken befürchten: Jemand pfuscht mit der Magie herum, lernt vielleicht neue Dinge über sie, und die Falken haben keine Kontrolle darüber. Also erscheint es ihnen sicherer, auf die Menschen zuzugehen, die kurz vor der Entdeckung der Magie stehen, ihnen die elementarsten Dinge zu zeigen, aber das Eigentliche vorzuenthalten, und nebenbei durch diese Verbindung Vertrauen und Einblick in das Wissen des betreffenden Menschen zu gewinnen.

Zitat:Mich stört insgesamt auch ein klein wenig, dass du die Motive der Figuren verschlossen hältst. Hier zum Beispiel ist so vieles unklar (was wird mit Merle passieren), wäre es da schlimm, zu erzählen, weshalb Midja ihre letzte Jagd antritt? Mal weiterlesen, dann klärt sich das bestimmt. Gerade durch deine Puzzleerzählweise erwarte ich beim Lesen aber eigentlich in jedem Abschnitt etwas Aufklärung. Dass sich eben ein Teilchen fügt. In diesem Abschnitt wirkt es aber eher wie ein halbes Puzzlestück.
Naja ... hier dachte ich eigentlich eher, dass Midja noch mal jagen geht, weil sie Hunger hat Icon_wink

Zitat:
Zitat:435 GnT
Huch, was ist das denn für eine Zeitangabe?
Generationen nach Tjore Icon_wink
Da war ich mir auch nicht sicher, ob ich es am Anfang noch mal ausschreibe. Wäre eigentlich angebracht, oder?

Zitat:
Zitat:die aus ihren Eiern geschlüpft waren und nach einer Generation welkten wie Blumen im Spätsommer.
Vorschlag: "und schon nach ..."
Oder sind sie gestorben? Dann "verwelkt waren"
Auch wenn es eine immer wiederkehrenden Prozess beschreibt?

Zitat:
Zitat:doch Midja beschlich mit dem Zupfen des Windes an ihren Flügeln das Gefühl, dass sie den nächsten Tag nicht überleben würde.
Tag überleben?
Oder: "Nacht überleben"?
Oder: "Tag erleben"?
Nein, Tag überleben. Sie wird sowohl die Nacht über- als auch den nächsten Tag erleben, aber während des Tages sterben.

Zitat:
Zitat:Brekja hatte die Führung übernommen und spielte nun mit den Luftströmen Fangen.
Brekja ist doch voraus geflogen ... da kann sie schwer die Führung übernehmen?
Oh, da muss ich was übersehen haben. Icon_confused

Zitat:
Zitat:blauen Schimmer, die sich um Brekja als Zeichen ihrer Lebendigkeit sammelten, erzählten von ihrem Mitgefühl.
Schön! ...
... blaue Schimmer sind immer Zeichen von Magie, ja?
Genau. Und die werden wohl noch schnell genug viel zu oft auftauchen ...

Zitat:
Zitat:‚Fünfzehn Jahre, nach ihrer Rechnung. Eine Generation nennen sie ‚sieben Jahre‘
Schön, wie Midja hier in Menschenzeit antwortet. Die Übersetzung (eine Generation = 7 Jahre) ist dann aber nur eine Erklärung für den Leser, oder? Würde ich streichen.
Ja, da war ich mir nicht sicher. Einerseits gehe ich nicht davon aus, dass sich der Leser das erschließen kann, andererseits ist es schon sehr Erklärbär ...

Zitat:
Zitat:und dieses Wissen war es auch gewesen, das sie davon abhielt, Tjores Gesetze blind zu befolgen, wie es die anderen Falken taten
Denn das Wissen hält sie ja nach wie vor ab.
Schöner fände ich aber: "und dieses Wissen hielt sie auch davon ab, Tjores Gesetze blind zu befolgen"
Ah, okay. So genau habe ich da gar nicht drüber nachgedacht.

Vielen Dank auch an dieser Stelle noch einmal!

Viele Grüße,
Eselfine


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Beitrag #9 |

RE: Die Federn des Windes - 4
Hallo wieder,

es ist wieder Zeit für eine Pause im Schaffen. Da trifft es sich doch, dass du bereits so viele Teile der Federn hochgeladen hast. Das bedeutet viel Zeit für Pausen.  Mrgreen
Wir befinden uns diesmal also in der Perspektive des Falkenweibchens Midja, womit sich konsequenterweise auch die Zeitzählung ändert - wieso sollten Falken auch die Jahre ebenso sehen wie wir? Wir befinden uns also in "435 GnT". Ich schätze mal, dass "n" steht für "nach", womit das "G" eine Zeitangabe und das "T" ein Ereignis (vielleicht "Tjore", also die Machtübernahme, die wir bereits beobachtet haben?).


Zitat:In der Dämmerung schlich sich die Gewissheit des Endes an und klopfte sanft an die Tür von Midjas Gedanken. 


Schöner Beginn. Steht vielleicht im Kontext zu Merles Tod (auch nur meine Vermutung) im Kapitel zuvor?


Zitat:Brekja wartete schon vor der Höhle, während sie die letzte Schwungfeder durch den Schnabel zog und ihr Gefieder schüttelte, nur um schließlich aufzubrechen und es wieder durcheinander zu bringen. 


Ich muss zugeben, dass ich Brekja gerade nicht mehr ganz einordnen kann. Aber das ergibt sich hoffentlich.


Zitat:Meine Schlupfeltern waren Tagjäger, dachte sie bitter. Sie konnten nicht wissen, dass wir unter ‚Federn‘ noch etwas anderes verstehen. Würden sie ihnen die gleiche Bedeutung beimessen? Federn, um uns warmzuhalten, Federn, um zu fliegen und zu überleben – warum töten wir sie dann eigentlich?


Das kam davor schon ein wenig raus: dieser Konflikt in Midja, die die Federn (Merle?) eigentlich schützen will.


Zitat:Die Tagjäger, Falken, die ein einfaches, magiefernes Leben führten, steckten nun ihre Köpfe unter die Flügel, zufrieden, wieder einen Tag überstanden zu haben, doch Midja beschlich mit dem Zupfen des Windes an ihren Flügeln das Gefühl, dass sie den nächsten Tag nicht überleben würde.


Dieser Einschub "Falken, die ein einfaches, magiefernes Leben führten" ist mir fast schon ein bisschen zu viel Exposition. Wir befinden uns schließlich in Midjas Gedanken. Zumindest für mich ist das auch schon recht gut rausgekommen.
Auf der anderen Seite ergeben sich schon wieder neue Fragen (positiv gemeint Icon_wink ): ich war davon ausgegangen, dass die magischen Falken am Tag schlafen; was also ist die Gefahr am Tag der sie ausgesetzt ist? Besteht möglicherweise eine lebenswichtige Verbindung zwischen den Falken und den Federn?

Zitat:Aber wenigstens eine letzte Jagd stand ihr noch zu, und wenn sie nur dazu diente, den Schein zu wahren. Die Kolonie sollte nicht erfahren, was sie plante, damit keiner auf die Idee kommen konnte, sie an ihrem Vorhaben zu hindern.

Okay, das hat sich schnell erledigt. Sie wird also rebellieren, möglicherweise gegen Tjore und das Töten der Federn? Warum sie selbst ihre Federn nicht braucht, das wird mir hier aber noch nicht so ganz klar.

Zitat:‚Deine Feder‘, sprach sie den Gedanken aus, der flügelschlagend durch die Luft taumelte. ,Sie ist soweit. Morgen wirst du ihr die Kraft entziehen.‘ 

"so weit"

Zitat:Tjore. Midja hätte wissen müssen, dass ihre Jagdgefährtin das großen Vorbild der Nachtjäger erwähnen würde, wenn sie seine Lehre infrage stellte.

"große"

Zitat:‚Wie alt ist deine Feder? Zwei Generationen?‘,

Vielleicht steht das "G" also für Generationen. Das würde bedeuten, dass Tjore (oder was auch immer "T" ist) vor dreitausend Jahren geschehen ist.

Zitat:Welcher Vorteil lag noch darin, Federn zu töten, bevor sie überhaupt erwachsen wurden? 

Hier liegt also die Wurzel der Rebellion - und Midja steht einer Gesellschaft gegenüber, mit deren Tradition sie radikal brechen will. Weil sie im Gegensatz zu den anderen Falken selbst denkt und nicht "Befehle befolgt".

Zitat:Unter ihr huschte ein blaues Magiebündel über das schimmernde Feld.

Ich will hier nochmal herausstellen, dass ich die Art und Weise, wie du die magische Jagd hier beschreibst, sehr cool finde.

Und das war's auch schon. Diesen Teil fand ich sprachlich nochmal etwas runder. Im dritten Teil sind mir einige Wörter aufgefallen, die nicht nach meinem Geschmack waren, aber hier hat für mich alles gepasst. Ohnehin war dieser Teil ja eher eine Vorbereitung dessen, was bald geschieht. Dafür funktioniert er hervorragend. Überhaupt gefällt es mir sehr gut, wie du es schaffst, auf der einen Seite die ganze Angelegenheit sehr mysteriös zu gestalten und man sich auf der anderen Seite seine eigenen Gedanken machen kann, deiner Geschichte gut folgen kann und die Geheimnisse irgendwann nicht zwanghaft aufgelöst werden. Bislang ist das alles wirklich angenehm zu lesen.
Deshalb habe ich an dieser Stelle auch nicht viel mehr zu sagen und setze mich mal wieder selber an mein Dokument. Icon_wink

Liebe Grüße und gern gelesen,
rex

EDIT: Gerade noch deine Antwort auf Libertines Kommentar überflogen - ich lag mit "Generationen nach Tjore" also richtig. Das fühlt sich gut an.  Mrgreen

"Für den Freund der Aufhellung behalten Wort und Begriff des >Volkes< selbst immer etwas Archaisch-Apprehensives und er weiß, dass man die Menge nur als >Volk> anzureden braucht, wenn man sie zum Rückständig-Bösen verleiten will. Was ist vor unseren Augen, oder auch nicht just vor unseren Augen nicht alles geschehen, was im Namen Gottes, oder der Menschheit, oder des Rechtes nicht wohl hätte geschehen können!"
Thomas Mann, Doctor Faustus (1947)

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