Es ist: 22-11-2019, 13:13
Es ist: 22-11-2019, 13:13 Hallo, Gast! (Registrieren)


Die Federn des Windes - 5
Beitrag #1 |

Die Federn des Windes - 5
Noch mehr. Ich weiß auch nicht, was da in mich gefahren ist.

Die Federn des Windes
Teil 0/25-Teil 1/25-Teil 2/25-Teil 3/25-Teil 4/25-Teil 5/25-Teil 6/25-Teil 7/25-Teil 8/25-Teil 9/25-Teil 10/25-Teil 11/25

_____________________________________________________________

5
2010

‚Anna.‘
Marcel erwidert ihren Blick mit einem traurigen Lächeln.
‚Warum?‘, fragt sie, ohne zu wissen, weshalb. Er schüttelt den Kopf, abwehrend, als könne er keine Erklärung finden.
‚Du hast gehört, was Tjore damals gesagt hat. Wir beide haben es gehört, und seitdem wissen wir, woran die Falken glauben. Jemand musste eingreifen.‘
‚Aber doch nicht so‘, widerspricht sie ihm. ‚Und warum du? Warum
sie?‘ Während sie spricht, wundert sie sich, was sie da redet, glaubt grundlos zu träumen und weiß gleichzeitig, dass es mehr als ein Traum ist. Die Linien, die Marcels Gestalt nachzeichnen, künden davon ebenso wie das gleißende Licht, das ihre Umgebung verschwimmen lässt. Dies ist kein Traumort, aber auch keine Realität, sondern etwas dazwischen. Ein Gabeort, voller Magie.
‚Alles, was Midja uns gegeben hat, ist diese Prophezeiung. Und du weißt, wer sie erfüllen wird, wenn wir es nicht verhindern können‘, fährt Marcel fort, immer noch mit diesem bedauernden Gesichtsausdruck, den Anna bei ihm noch nie gesehen hat.
‚Du‘, platzt es aus ihr heraus und mit einem Schaudern beobachtet sie die plötzliche Veränderung in seiner Haltung.
‚Sie‘, entgegnet er und es klingt wie eine Bestätigung. ‚Lass los.‘
‚Nein.‘
‚Anna.‘


Sie wusste nicht, was sie geweckt hatte, nur die Bilder ihres Traumes – oder Nicht-Traumes, soweit sie das beurteilen konnte – folgten ihr in die Welt des Wachens. Es war bis auf einen Streifen Mondlicht, der die Dunkelheit durch das Fenster verdrängte, dunkel und still im Zimmer – zu still.
„Tim?“, fragte sie in die Nacht und beinahe erwartete sie, keine Antwort zu bekommen.
„Pst“, machte er und im Mondlicht, das sein Gesicht weiß sprenkelte, funkelten seine Augen beunruhigt, als er sich aufsetzte.
Was ist los, lag ihr auf der Zunge, aber sie wusste, dass er ihr nicht antworten würde – weil er es selbst nicht wusste. Es war ungewöhnlich, dass sie beide scheinbar grundlos mitten in der Nacht aufwachten, ungewöhnlicher noch als eine Traumbegegnung mit Marcel, den sie in den letzten Jahren beinahe vergessen hatte. Und ohne es zu wollen, machte es ihr Angst. Etwas hatte sich verändert, das sagte ihr die kribbelnde Unruhe, die ihre Haut befallen hatte wie Ungeziefer.
Draußen jaulte ein Hund, ein Ton, bei dem die Nachtkälte ihre nackten Arme hinaufkroch und das Unbehagen, das sie befallen hatte, nur noch vertiefte.
„Das ist Rhea“, murmelte Tim kopfschüttelnd, als könnte er sich nicht erklären, warum ihn das verwunderte. Anna konnte es auch nicht – es gab keine Erklärung für die irrationale Furcht in ihr, für die Unruhe und das gebannte Warten auf etwas Furchtbares.
„Vielleicht eine Katze“, probierte sie es mit Logik und scheiterte, bevor sie den Satz beendet hatte. Rhea war vielleicht ein Hund, aber sie nahm von Katzen eher wenig Notiz, da sie auf dem Reiterhof umgeben von ihnen aufgewachsen war. Ungebeten schoben sich die Traumbilder wieder in ihren Kopf und beinahe konnte sie Marcel sehen, wie er in der Helligkeit einer vagen Umgebung stand, lächelnd, wissend, endgültig. Es war nur ein Traum. Ein dummer. Ich habe ihn schon ewig nicht mehr gesehen – und ich kann darauf verzichten. Und dennoch – das, was er gesagt hatte, nistete sich in ihrem Denken ein und bedrohte ihre Fassung noch effektiver als die düstere Vorahnung, die sich durch die Nacht, die Dunkelheit und die blauen Linien zog, die sich am Fenster sammelten.
„Glaubst du, da ist jemand auf dem Hof?“ Tims Frage kam zögernd, traf sie aber mit aller Wucht und presste ihr die Luft aus den Lungen.
Marcel, war ihr erster Gedanke, bevor ihr klar wurde, wie unwahrscheinlich das war. Sie hatte seit fünfzehn Jahren keinen Kontakt mehr zu ihm gehabt, und er konnte nicht wissen, wo sie wohnten. Für ihn war sie gegangen, damals, als sie zu Tim geflohen war und wahrscheinlich hatte er sie schließlich zähneknirschend aufgegeben. Was sollte er hier machen, wenn sie nichts mehr verband als eine längst vergangene Gemeinsamkeit und die Gabe?
Die Gabe. Er hatte von ihr und der Magie gesprochen, von der Prophezeiung, die sie beide in Tjores Rede gehört hatten. Anna hatte nie zugelassen, dass sie sie ganz glaubte, aber irgendetwas in ihr ließ sich nicht mit Ausreden abspeisen. Die Prophezeiung war nicht einfach ein Hirngespinst, nicht wenn Generationen von Falken daran glaubten und sich sicher waren, dass jemand sie erfüllen würde.
„Vielleicht – vielleicht sollten wir einfach nachsehen“, schlug sie unsicher vor und suchte Tims Blick, der abwesend nickte, bevor er die Decke zurückschlug und aus dem Bett rutschte. Blaue Linien tänzelten in seinem Schatten und schlangen sich um seine Fußknöcheln, fesselten ihn, wie Anna gebannt feststellte, doch er schien es nicht zu bemerken – oder ignorierte es.
Magie. Auch hier. Was ist, wenn wir aufgrund der Magie aufgewacht sind? Wenn er zu ihr gehört wie wir anderen, wenn er sie ebenso spürt und es nur nicht wahrhaben will? Die Idee faszinierte sie, und für einen Augenblick fragte sie sich, warum sie früher noch nie darauf gekommen war. Ihr eigenes Leben war so eingesponnen von Magie, warum sollte ausgerechnet Tim der Teil sein, der ohne die Gabe auskam?
„Da ist nichts“, meinte er nach einer Weile und drehte sich zu ihr um. „Wird wohl eine Katze gewesen sein. Ich meine – es ist Vollmond. Da schlafen alle schlecht.“
„Vollmond ist erst in einer Woche“, erwiderte Anna leise und hätte sich dafür ohrfeigen können. Tim wusste das genauso gut wie sie, aber auf seiner verzweifelten Suche nach einer Erklärung für das Unerklärliche, das ohne Vorwarnung in ihr Schlafzimmer eingebrochen war, hatte er es außer Acht gelassen oder verdrängt.
Lass los. Das Echo von Marcels Stimme kam aus dem Nichts in ihr Bewusstsein zurück, schob die Bettdecke zurück und trieb sie ans Fenster, das auf den ungenutzten Teil des Hofes mit der Scheune hinausging. Ihr Blick wanderte über das wettergegerbte Holz und die Efeuranken, die im Mondlicht blau schimmerten – nein, nicht im Mondlicht, geflochten aus Magielinien waren sie – bis er an der leicht im Wind pendelnden Holztür hängenblieb.
„Da ist nichts“, wiederholte Tim und verstummte angesichts des offensichtlichen Klangs nach einer Ausrede. Sie konnte seine Verzweiflung spüren, als er die Arme um sie legte, konnte die Unsicherheit in seinem Atem schmecken und hasste sich selbst dafür, ihn auf etwas aufmerksam machen zu müssen, dass er übersehen hatte. Oder übersehen wollte.
„Die Scheune“, wisperte sie, „ist offen. Jemand war da. Jemand ist dort eingebrochen.“ Es gab keinen vernünftigen Grund für einen solchen Einbruch, das konnte sie in seinem Gesicht lesen, denn die Scheune war unsaniert und seit ihrem Einzug mehr Dekoration als genutztes Gebäude, bis auf ein paar muffige Strohballen und vielleicht der einen oder anderen Katze leer.
Seine Reaktion verstärkte die Unsicherheit, die zwischen ihnen wandelte wie vergessene Geister verlorener Jahre.
„Einbruch“, wiederholte Tim tonlos. „Einbruch. Wir – sollten nachsehen, ob noch in andere Gebäude eingebrochen wurde. Der Stall. Vielleicht sind die Täter ja sogar noch hier, Rhea hat erst vor kurzem gejault, sicher sind sie noch da, glauben, dass wir noch schlafen –“
„Tim“, unterbrach Anna ihn und wandte sich zu ihm um, sah in seine weit aufgerissenen, kaninchengleich verschreckten Augen und fing seine Furcht mit bloßen Händen auf, konnte spüren, wie ihre Klingen tief in ihr Fleisch schnitten und warmes Blut aus den Wunden strömte.
Schatten lösten sich aus dem Umriss der Scheune, schienen zum Zimmer hinüberzublicken, und auch wenn ihre Gesichter unerkennbar im Dunkeln lagen, schienen sie höhnisch zu lachen. Durch den Spalt des angekippten Fensters schlichen sich erste Rauchschwaden, vertrieben die lauter werdende Unwirklichkeit, ballten sich zusammen und rammten ihr ihre Faust in den Magen, sodass sie sich vor dem Schmerz der Erkenntnis zusammenkrümmte und nach Luft schnappte.
„Feuer. Die Scheune brennt. Verdammt!“ Tims Gesicht spiegelte die Ungläubigkeit wider, die sie fühlte und die sich seinen Worten entgegenstellte wie eine Dornenhecke, bis ihr Sinn ihr Denken nur zerfetzt erreichten. Feuer. Scheune. Feuerwehr. Anrufen. Schnell. Feuer. Scheune. Marcel. – Marcel?
Die Erinnerung an den Traum und seinen Namen rüttelte Anna aus ihrer Starre, und irgendetwas in ihr wusste, was geschehen war – genauso, was zu tun war. Ihr Mann hatte endlich die Fassung wiedergefunden und stürzte aus dem Zimmer zum Telefon, ohne noch mehr Zeit zu verlieren, während sie kopfschüttelnd auf das Bett sank, den Blick immer noch auf den dunklen, qualmenden Umriss der Scheune gerichtet.
Warum?, war ihre Frage an ihn gewesen, in diesem Nicht-Ort irgendwo im Schlaf, und er meinte, sie würde den Grund kennen. Diese Prophezeiung. Aber was hat sie mit unserer Scheune zu tun? Was bringt es ihm in seinem Feldzug gegen die Gabe, unsere Scheune anzuzünden? Er hatte von jemanden gesprochen, den sie beide kennen mussten, einer sie, die Anna nicht gehen lassen wollte, jemanden, der die Prophezeiung erfüllen würde. Anna schloss die Augen, um sich an den Rest zu erinnern, doch der allgegenwärtige Rauchgeruch hinderte sie daran und sie zwang sich, aufzustehen, sich etwas überzuzuziehen und ihrem Mann nach draußen zu folgen, wo er voller Entsetzen auf die Flammen starrte, die sich durch das alte Holz fraßen, das Telefon noch in der Hand.
„Das kann nicht sein“, murmelte er kopfschüttelnd. „Das Stroh ist da schon seit Monaten drin, das kann sich nicht selbst entzündet haben.“
„Die Tür war aufgebrochen“, erinnerte sie ihn mit gedämpfter Stimme und er nickte kurz. Sie beide wussten, was es bedeuten musste.
„Hast du den Rest des Hofes schon kontrolliert, ob da nicht noch was ist?“, fragte Anna nach einer kurzen Pause, in der die Sirenen der Feuerwehr näher kamen. Da wird nichts sein, flüsterte etwas in ihr, vielleicht jener Teil, der im Traum gewusst hatte, wovon Marcel sprach, es ging ihm nur um die Scheune. Und um sie
Aus dem Rauch und dem Flackerlicht löste sich eine taumelnde Gestalt, hustend und nach Luft ringend, begleitet von einer aufgeregt jaulenden Rhea. Blaue Linien breiteten sich zwischen ihr und der Scheune aus, knisterten und funkelten vor Magie, sangen von Flammen und Hitze und Ersticken.
Lass los. Urplötzlich ergaben Marcels Worte einen grausamen, aber ehrlichen Sinn. Nein. Das nicht. Das kann er nicht glauben. Das kann er nicht tun. Das würde er niemals tun.
Das rußverschmierte Gesicht ihrer Tochter strafte ihrer Hoffnung Lügen.


We are all accidents
Waiting
Waiting to happen
Radiohead, "There There"

Alle Beiträge dieses Benutzers finden
Diese Nachricht in einer Antwort zitieren
Beitrag #2 |

RE: Die Federn des Windes - 5
Hi Eselfine,
ich hab mir mal die Zeit genommen und alle bisherigen Teile durchgelesen. Und ich finde deine Geschichte großartig, auch wenn ich manche Sachen nicht immer verstehe. Aber trotzdem spannend und lebendig geschrieben. Und damit ich nicht alles aus den vorherigen Kommis wiederhole, sage ich einfach, dass ich kaum den nächsten Teil erwarten kann. Mrgreen
Apropos: Wolltest du nicht aller 2 Wochen einen Teil veröffentlichen?

Danke für den schönen Zeitvertreib am 1. Weihnachtsfeiertag Icon_smile
Vg, Cat

"Nur die Sache ist verloren, die man aufgibt." (Lessing)

Alle Beiträge dieses Benutzers finden
Diese Nachricht in einer Antwort zitieren
Beitrag #3 |

RE: Die Federn des Windes - 5
Hej, Cat.

(25-12-2014, 15:16)Cat schrieb: Hi Eselfine,
ich hab mir mal die Zeit genommen und alle bisherigen Teile durchgelesen. Und ich finde deine Geschichte großartig, auch wenn ich manche Sachen nicht immer verstehe.
Ui, ich hoffe, das klärt sich noch. Ansonsten: Fragen immer dann stellen, wenn sie auftauchen, damit du nicht im Dunkeln wandern musst Icon_wink

Zitat:Aber trotzdem spannend und lebendig geschrieben. Und damit ich nicht alles aus den vorherigen Kommis wiederhole, sage ich einfach, dass ich kaum den nächsten Teil erwarten kann.
Danke 

Zitat:Apropos: Wolltest du nicht aller 2 Wochen einen Teil veröffentlichen?
Das ist nicht offiziell. Das habe ich dementsprechend nie gesagt. *ladida*

Viele Grüße,
Eselfine


We are all accidents
Waiting
Waiting to happen
Radiohead, "There There"

Alle Beiträge dieses Benutzers finden
Diese Nachricht in einer Antwort zitieren
Beitrag #4 |

RE: Die Federn des Windes - 5
Hallo Eselfine,

alright, you got me there.
Ich möchte nicht kommentieren, sondern weiterlesen. Das Ende ist gut, sehr gut, sehr eindringlich, Annas Gedanken mischen sich mit dem Vorwissen der Leser, mit dem Wissen, dass es nur Merle sein kann, die da aus der Scheune kommt. Mit dem Wissen, dass die Magie sie dorthin geführt hat. Sehr klar, sehr emotional, starke Bilder. Seit sie den Blick auf die Scheune richten, ist die Geschichte sehr dicht.

Aber der Reihe nach:
Am Anfang ein Traum, eine Begegnung zwischen Anna und Marcel. Du lässt offen, ob es ganz Traum oder halb Traum, halb Erinnerung ist. Das finde ich sehr gut. Auch wie du diesen Traum immer wieder aufgreifst, das ist sehr gelungen.
Danach wacht Anna auf. Tim wacht auf. Und die beiden sind irritiert, halb schlaftrunken und doch unruhig wie Gewitterwürmchen. Tim schaut über den Hof und sieht nichts, dann schaut Anna über den Hof, entdeckt die offene Scheune, dann dringt erst der Rauchgeruch zu ihnen, ehe sie Feuer sehen. Tatsächlich? Müssten sie den Rauch dann nicht auch sehen, wenn sie ihn schon riechen?
Mir kam diese Einleitungsphase etwas zu lang vor. Klar: Sie erwachen gerade erst. Dennoch könntest du hier etwas springen, verdichten. Meinetwegen könnten sie etwas kürzer spielen "Ist da jemand auf dem Hof" - "Nein, da ist keiner" - "Das Geräusch kommt von AUSREDE 1" - "Oder es ist AUSREDE 2." Das kennen wir alles ja schon aus Merles Teil, auch Rheas Bellen. Kürze hier ein wenig zusammen.
Schön wird es, als Anna denkt: Vielleicht ist die Magie auch ein Teil von Tim. Dann der Rauch, Annas Erkenntnis, was zu tun ist. Auch wenn mich hier irritiert, dass sie nichts tut, sondern nur aufs Bett fällt. Nachdenkt, statt die Scheune mit eigenen Händen zu löschen. Kein Gedanke daran, es könnte jemand in der Scheune sein? Und sei es eine Katze, Rhea, der Brandstifter. Da hätte ich mir mehr Aktivismus gewünscht, denn es ist ein Schock, da fällt man doch nicht nochmal ins Bett, oder?

Die Magie ist hier allgegenwärtig. Wir werden sehen, wohin sie Merle noch trägt. Dieses Kapitel lässt nichts Gutes erahnen. Und wir wissen ja, wie es endet. Übrigens wirklich gut, dass du den Leser die ganze Zeit zittern lässt, wann und wie und warum Merle stirbt.

Anmerkungen:
Zitat:‚Warum?‘, fragt sie, ohne zu wissen, weshalb.
Worauf bezieht sich "weshalb"? Ist das ein "weshalb sie fragt"?
Ich finde es eher irritierend, vllt findest du einen anderen Weg das gleiche auszudrücken: "fragt sie, ohne auf eine Antwort aus zu sein" / "ohne eine Antwort zu erwarten" / "ohne zu wissen, welche Antwort sie erwartet"
Zitat:‚Alles, was Midja uns gegeben hat, ist diese Prophezeiung. Und du weißt, wer sie erfüllen wird, wenn wir es nicht verhindern können‘
Schön: Anna denkt: Marcel wird sie erfüllen. Marcel denkt: Midja wird sie erfüllen. Aber ganz klar ist das nicht, vllt denken sie auch anderes. Aber so wirkt es auf mich.
Langsam wüsste ich ja gern, was diese Prophezeiung genau ist.
Zitat:Es war bis auf einen Streifen Mondlicht, der die Dunkelheit durch das Fenster verdrängte, dunkel und still im Zimmer – zu still.
Zerr den Satz nicht so arg auseinander, Vorschlag: "Es war dunkel im Zimmer - bis auf einen Streifen Mondlicht, der durch das Fenster drängte, dunkel und still - zu still."
Zitat:Draußen jaulte ein Hund, ein Ton, bei dem die Nachtkälte ihre nackten Arme hinaufkroch und das Unbehagen, das sie befallen hatte, nur noch vertiefte.
Wenn es Rhea ist, dann wird Anna doch erkennen, dass es ihr Hund ist?
Und dann jault ja nicht ein Hund, sondern: Rhea.
Zitat:Rhea war vielleicht ein Hund, aber sie nahm von Katzen eher wenig Notiz, da sie auf dem Reiterhof umgeben von ihnen aufgewachsen war.
Kleinigkeit, aber ich fände schöner, da weniger erklärend: "schließlich war sie auf dem Reiterhof umgeben von ihnen aufgewachsen"
Zitat:Er hatte von ihr und der Magie gesprochen, von der Prophezeiung, die sie beide in Tjores Rede gehört hatten. Anna hatte nie zugelassen, dass sie sie ganz glaubte, aber irgendetwas in ihr ließ sich nicht mit Ausreden abspeisen.
Hm, Anna hatte nie zugelassen ... das klingt, als hätte sie es aktiv verhindert. Die Formulierung passt eher, wenn man jemand anderen von etwas abhält. Hier würde vllt "Anna hatte sie nie ganz geglaubt, aber irgendetwas in ihr ließ sich nicht ..."
Zitat:denn die Scheune war unsaniert und seit ihrem Einzug mehr Dekoration als genutztes Gebäude, bis auf ein paar muffige Strohballen und vielleicht der einen oder anderen Katze leer.
und vielleicht die ein oder andere Katze leer
Zitat:die zwischen ihnen wandelte wie vergessene Geister verlorener Jahre.
Hier wäre weniger mehr, z.B. "zwischen ihnen wandelte wie die Geister verlorener Jahre" oder "wie die vergessenen Geister der letzten Jahre" oder etwas in der Richtung.
Zitat:„Tim“, unterbrach Anna ihn und wandte sich zu ihm um, sah in seine weit aufgerissenen, kaninchengleich verschreckten Augen und fing seine Furcht mit bloßen Händen auf, konnte spüren, wie ihre Klingen tief in ihr Fleisch schnitten und warmes Blut aus den Wunden strömte.
Sehr gut.
Auch wenn ich bei "ihre Klingen" kurz überlegen musste, worauf du dich beziehst. Die Klingen der Furcht, ja?
Zitat:Schatten lösten sich aus dem Umriss der Scheune, schienen zum Zimmer hinüberzublicken, und auch wenn ihre Gesichter unerkennbar im Dunkeln lagen, schienen sie höhnisch zu lachen.
Du neigst dazu, zu wenig Punkte zu setzen. Gönn dir einen Icon_smile
Zitat:ballten sich zusammen und rammten ihr ihre Faust in den Magen
"die Faust" würde sich fließender lesen
Zitat:Die Erinnerung an den Traum und seinen Namen rüttelte Anna aus ihrer Starre, und irgendetwas in ihr wusste, was geschehen war – genauso, was zu tun war.
Zitat:während sie kopfschüttelnd auf das Bett sank, den Blick immer noch auf den dunklen, qualmenden Umriss der Scheune gerichtet.
Wie oben schon beschrieben: für mich widerspricht sich das ein wenig. Ich erwarte Tatendrang und ernte ein kopfschüttelndes Sinken aufs Bett.

Weiter geht's. Mir wäre ja lieb, wir würde in 2010 bleiben, aber es geht wohl doch erstmal zurück nach 1993.
Liebe Grüße
Libertine

... und von den wundersamsten Wegen bleibt uns der Staub nur an den Schuhen. (Dota Kehr)
Avatar von Eddie Haspelmann

Alle Beiträge dieses Benutzers finden
Diese Nachricht in einer Antwort zitieren
Beitrag #5 |

RE: Die Federn des Windes - 5
Hallo Libbi,

weiter geht's nach der Weihnachtspause!

(07-09-2015, 14:39)Libertine schrieb: Aber der Reihe nach:
Am Anfang ein Traum, eine Begegnung zwischen Anna und Marcel. Du lässt offen, ob es ganz Traum oder halb Traum, halb Erinnerung ist. Das finde ich sehr gut. Auch wie du diesen Traum immer wieder aufgreifst, das ist sehr gelungen.
Träume sind ein zentrales Thema der Federn, vielleicht sogar das zentrale. Allerdings bin ich mir nicht ganz sicher, ob ich es im weiteren Verlauf nicht etwas übertreibe und die ganze Sache eintönig wird ...

Zitat:Danach wacht Anna auf. Tim wacht auf. Und die beiden sind irritiert, halb schlaftrunken und doch unruhig wie Gewitterwürmchen. Tim schaut über den Hof und sieht nichts, dann schaut Anna über den Hof, entdeckt die offene Scheune, dann dringt erst der Rauchgeruch zu ihnen, ehe sie Feuer sehen. Tatsächlich? Müssten sie den Rauch dann nicht auch sehen, wenn sie ihn schon riechen?
Gewitterwürmchen? O.o
Sicher bin ich mir nicht, deshalb mein weit hergeholter Gedankengang dazu: Rauchpartikel werden eigentlich schon in geringer Konzentration vom menschlichen Geruchssinn wahrgenommen, aber so direkt als Rauch sieht man sie doch erst, wenn sie sich an einer Stelle konzentrieren, oder?
Der Geruch eines Brandes verbreitet sich weiter als die dazugehörige Rauchsäule (oftmals riecht man einen Brand erst, bevor man ihn sieht), wobei ich mir allerdings nicht sicher bin, ob das auch dafür gilt, wenn der Brand innerhalb eines Gebäudes ist ...

Zitat:Mir kam diese Einleitungsphase etwas zu lang vor. Klar: Sie erwachen gerade erst. Dennoch könntest du hier etwas springen, verdichten. Meinetwegen könnten sie etwas kürzer spielen "Ist da jemand auf dem Hof" - "Nein, da ist keiner" - "Das Geräusch kommt von AUSREDE 1" - "Oder es ist AUSREDE 2." Das kennen wir alles ja schon aus Merles Teil, auch Rheas Bellen. Kürze hier ein wenig zusammen.
Was ich hier ausdrücken wollte, ist dieses Zögern, diese Pausen, in denen beide denken, dass das alles nur ein Traum ist, nicht real. Deshalb habe ich auch das Gespräch an sich auseinandergezogen. Es würde sich seltsam anfühlen, es zu straffen - denn das würde bedeuten, dass sie beide recht klar denken.

Zitat:Schön wird es, als Anna denkt: Vielleicht ist die Magie auch ein Teil von Tim. Dann der Rauch, Annas Erkenntnis, was zu tun ist. Auch wenn mich hier irritiert, dass sie nichts tut, sondern nur aufs Bett fällt. Nachdenkt, statt die Scheune mit eigenen Händen zu löschen. Kein Gedanke daran, es könnte jemand in der Scheune sein? Und sei es eine Katze, Rhea, der Brandstifter. Da hätte ich mir mehr Aktivismus gewünscht, denn es ist ein Schock, da fällt man doch nicht nochmal ins Bett, oder?
Hm ... eigentlich nicht, nein. Aber hier ist auch wieder dieser Unglaube dabei. Anna will nicht glauben, was passiert, und das lähmt sie. Sie will nicht glauben, dass die Scheune brennt, dass dort jemand drin sein könnte, sie will das alles nicht wahrhaben. In ihrem Kopf war die Welt bis vor Kurzem noch in Ordnung, und sie möchte diese Ordnung um jeden Preis bewahren, weil sie Angst hat vor dem, was dann kommen könnte. Wenn sie aber nun rausrennen würde, versuchen würde, die Scheune irgendwie zu löschen oder eine andere sinnlos verzweifelte Aktion starten würde, würde sie das Geschehen akzeptieren.

Zitat:Anmerkungen:
Zitat:‚Warum?‘, fragt sie, ohne zu wissen, weshalb.
Worauf bezieht sich "weshalb"? Ist das ein "weshalb sie fragt"?
Ich finde es eher irritierend, vllt findest du einen anderen Weg das gleiche auszudrücken: "fragt sie, ohne auf eine Antwort aus zu sein" / "ohne eine Antwort zu erwarten" / "ohne zu wissen, welche Antwort sie erwartet"
Sie weiß nicht, warum sie fragt, weil es eigentlich keinen Zusammenhang gibt. Marcel ist einfach da, und sie fragt ihn, warum er etwas getan hat bzw. tut, ohne eigentlich zu wissen, worum es geht.

Zitat:
Zitat:‚Alles, was Midja uns gegeben hat, ist diese Prophezeiung. Und du weißt, wer sie erfüllen wird, wenn wir es nicht verhindern können‘
Schön: Anna denkt: Marcel wird sie erfüllen. Marcel denkt: Midja wird sie erfüllen. Aber ganz klar ist das nicht, vllt denken sie auch anderes. Aber so wirkt es auf mich.
Langsam wüsste ich ja gern, was diese Prophezeiung genau ist.
Marcel denkt, dass Merle sie erfüllen wird - kommt das anders rüber?
An sich ist der Inhalt der Prophezeiung in Tjores Rede enthalten: "Es wird da einer kommen, der wird alles zerstören blabla" - aber dass das Ganze wenig greifbar bleibt, ist Absicht Icon_wink

Zitat:
Zitat:Es war bis auf einen Streifen Mondlicht, der die Dunkelheit durch das Fenster verdrängte, dunkel und still im Zimmer – zu still.
Zerr den Satz nicht so arg auseinander, Vorschlag: "Es war dunkel im Zimmer - bis auf einen Streifen Mondlicht, der durch das Fenster drängte, dunkel und still - zu still."
Hmm ... hier mag ich die Dopplung von "dunkel" und "still" nicht ...

Zitat:
Zitat:Draußen jaulte ein Hund, ein Ton, bei dem die Nachtkälte ihre nackten Arme hinaufkroch und das Unbehagen, das sie befallen hatte, nur noch vertiefte.
Wenn es Rhea ist, dann wird Anna doch erkennen, dass es ihr Hund ist?
Und dann jault ja nicht ein Hund, sondern: Rhea.
Hundejaulen erkennt man am Ton? ...
* Eselfine ist eindeutig Fischmensch Icon_ugly

Zitat:
Zitat:Er hatte von ihr und der Magie gesprochen, von der Prophezeiung, die sie beide in Tjores Rede gehört hatten. Anna hatte nie zugelassen, dass sie sie ganz glaubte, aber irgendetwas in ihr ließ sich nicht mit Ausreden abspeisen.
Hm, Anna hatte nie zugelassen ... das klingt, als hätte sie es aktiv verhindert. Die Formulierung passt eher, wenn man jemand anderen von etwas abhält. Hier würde vllt "Anna hatte sie nie ganz geglaubt, aber irgendetwas in ihr ließ sich nicht ..."
Das ist wieder Absicht. Sie will es nicht glauben. Also verhindert sie es aktiv, indem sie sich selbst einredet, es sei alles nur halluziniert bzw. Einbildung gewesen.

Zitat:
Zitat:denn die Scheune war unsaniert und seit ihrem Einzug mehr Dekoration als genutztes Gebäude, bis auf ein paar muffige Strohballen und vielleicht der einen oder anderen Katze leer.
und vielleicht die ein oder andere Katze leer
Oh. wallbash

Zitat:
Zitat:die zwischen ihnen wandelte wie vergessene Geister verlorener Jahre.
Hier wäre weniger mehr, z.B. "zwischen ihnen wandelte wie die Geister verlorener Jahre" oder "wie die vergessenen Geister der letzten Jahre" oder etwas in der Richtung.
Hm ... an sich mag ich die Formulierung ja ... Wobei dein erster Vorschlag auch nicht schlecht wäre. Gucke ich mir noch mal an.

Zitat:
Zitat:„Tim“, unterbrach Anna ihn und wandte sich zu ihm um, sah in seine weit aufgerissenen, kaninchengleich verschreckten Augen und fing seine Furcht mit bloßen Händen auf, konnte spüren, wie ihre Klingen tief in ihr Fleisch schnitten und warmes Blut aus den Wunden strömte.
Sehr gut.
Auch wenn ich bei "ihre Klingen" kurz überlegen musste, worauf du dich beziehst. Die Klingen der Furcht, ja?
Ja.

Zitat:
Zitat:Schatten lösten sich aus dem Umriss der Scheune, schienen zum Zimmer hinüberzublicken, und auch wenn ihre Gesichter unerkennbar im Dunkeln lagen, schienen sie höhnisch zu lachen.
Du neigst dazu, zu wenig Punkte zu setzen. Gönn dir einen Icon_smile
Flüchtiges Völkchen, diese Punkte Icon_wink

Vielen Dank für den Kommentar!

Viele Grüße,
Eselfine


We are all accidents
Waiting
Waiting to happen
Radiohead, "There There"

Alle Beiträge dieses Benutzers finden
Diese Nachricht in einer Antwort zitieren
Beitrag #6 |

RE: Die Federn des Windes - 5
Hi Eselfine,

weiter geht's. Icon_wink

Wir befinden uns also wieder in der Perspektive Annas, allerdings 2010, also vermutlich kurz nach Teil 3. Aus den ersten paar Zeilen erfahren wir außerdem, dass Marcel im Traum, der einen seltsamen Bezug zur Wirklichkeit hat, etwas getan hat - was genau, bleibt bislang offen. Es klingt an dieser Stelle nach einem Verrat an Midja.


Zitat:‚Du hast gehört, was Tjore damals gesagt hat. Wir beide haben es gehört, und seitdem wissen wir, woran die Falken glauben. Jemand musste eingreifen.‘ 


Der Teil spielt also zur gleichen Zeit wie Kapitel 3. Vielleicht erfahren wir ja, was aus Merle geworden ist.


Zitat:Und du weißt, wer sie erfüllen wird, wenn wir es nicht verhindern können‘, fährt Marcel fort
 

Ich kenne den Kontext zu wenig, um das definitiv sagen zu können, aber das "können" wirkt an dieser Stelle überflüssig.


Zitat: Und dennoch – das, was er gesagt hatte, nistete sich in ihrem Denken ein und bedrohte ihre Fassung noch effektiver als die düstere Vorahnung, die sich durch die Nacht, die Dunkelheit und die blauen Linien zog, die sich am Fenster sammelten. 

„Glaubst du, da ist jemand auf dem Hof?“ Tims Frage kam zögernd, traf sie aber mit aller Wucht und presste ihr die Luft aus den Lungen. 


Im ersten Moment wollte mir das "bedrohte ihre Fassung" nicht gefallen, doch je länger ich die Stelle begutachte, desto mehr taugt sie mir. Das schafft ein recht genaues Bild: von Anna, die im Bett liegt und um ihre Fassung ringt, von der Erinnerung an den Traum angegriffen wird und dann von Tims Frage in Schrecken versetzt wird.

Ich bin aber trotzdem nicht sicher, ob bedrohen das richtige Wort ist, weil es aus meiner Sicht eben mehr ein Angriff ist. Vielleicht "attackieren" oder "angreifen"? Ist aber nur Geschmackssache - ich wollte es trotzdem mal angemerkt haben.

Zitat:Sie hatte seit fünfzehn Jahren keinen Kontakt mehr zu ihm gehabt, und er konnte nicht wissen, wo sie wohnten.

Komma vor dem "und" gehört weg.

Zitat: Für ihn war sie gegangen, damals, als sie zu Tim geflohen war und wahrscheinlich hatte er sie schließlich zähneknirschend aufgegeben.

Das "für ihn" impliziert für mich, dass sie Marcel zuliebe gegangen ist, was sich aber im zweiten Teil des Satzes nicht bestätigt. Oder meinst du, dass sie aus seiner Sicht gegangen ist? Der Sinn dessen würde sich mir dann auch nicht so ganz erschließen - was ist denn aus ihrer Sicht passiert? Je nachdem, was du hiermit vielleicht ausdrücken willst würde ich ein Verb wählen, das den Kontrast ein wenig stärker setzt.

Zitat:Anna hatte nie zugelassen, dass sie sie ganz glaubte, aber irgendetwas in ihr ließ sich nicht mit Ausreden abspeisen.

Irgendwas an die Formulierung "sie sie ganz glaubte" stört mich. Aus meiner Sicht würde "sie ganz daran glaubte" besser passen.

Zitat:Blaue Linien tänzelten in seinem Schatten und schlangen sich um seine Fußknöcheln, fesselten ihn, wie Anna gebannt feststellte, doch er schien es nicht zu bemerken – oder ignorierte es.

"Fußknöchel"
Es gefällt mir sehr gut, wie du hier Atmosphäre und Spannung aufbaust.

Zitat: Ihr Blick wanderte über das wettergegerbte Holz und die Efeuranken, die im Mondlicht blau schimmerten – nein, nicht im Mondlicht, geflochten aus Magielinien waren sie – bis er an der leicht im Wind pendelnden Holztür hängenblieb. 
„Da ist nichts“, wiederholte Tim und verstummte angesichts des offensichtlichen Klangs nach einer Ausrede.

Ich nehme an, du redest hier vom knarzenden Scheunentor, oder? Das würde ich dann davor zumindest kurz erwähnen. Außerdem ... kann ein Klang "offensichtlich" sein? Das würde ich mit einer Erkenntnis oder etwas, das man sehen kann, verbinden.

Zitat:Sie konnte seine Verzweiflung spüren, als er die Arme um sie legte, konnte die Unsicherheit in seinem Atem schmecken und hasste sich selbst dafür, ihn auf etwas aufmerksam machen zu müssen, dass er übersehen hatte. Oder übersehen wollte. 

"das"
Im zweiten Satz müsste Plusquamperfekt stehen, denke ich.

Zitat:Seine Reaktion verstärkte die Unsicherheit, die zwischen ihnen wandelte wie vergessene Geister verlorener Jahre. 

Pro

Zitat:Die Erinnerung an den Traum und seinen Namen rüttelte Anna aus ihrer Starre, und irgendetwas in ihr wusste, was geschehen war – genauso, was zu tun war. Ihr Mann hatte endlich die Fassung wiedergefunden und stürzte aus dem Zimmer zum Telefon, ohne noch mehr Zeit zu verlieren, während sie kopfschüttelnd auf das Bett sank, den Blick immer noch auf den dunklen, qualmenden Umriss der Scheune gerichtet. 

Was sie wohl tut, dass sie sich dafür nicht bewegen muss?  Icon_wink

Zitat:Das würde er niemals tun.

Ich würde die Betonung hier eher auf das "niemals" setzen.

Zitat:Das rußverschmierte Gesicht ihrer Tochter strafte ihrer Hoffnung Lügen.

So, in den letzten Absätzen klärt sich doch einiges auf - neue Fragen werden aber ebenso gestellt. Marcel scheint irgendwann die Realität der Vision akzeptiert zu haben und gegen die Falken zu kämpfen. Dafür ist es anscheinend notwendig, dass Merle stirbt, weil sie diese Prophezeiung erfüllen kann.
Ansonsten will ich an der Stelle noch betonen, dass du die Spannung über das Kapitel hinweg ausgezeichnet aufgebaut hast. Von der anfänglichen Ungläubigkeit, dem surrealen Gefühl, dem Suchen nach Ausreden hin zur allmählichen Erkenntnis dessen, was geschehen ist, die auch der Leser spürt, obwohl er noch lange nicht alles weiß. Ist dir sehr gut gelungen.

In diesem Sinne gern gelesen und bis zum nächsten Mal,

rex

"Für den Freund der Aufhellung behalten Wort und Begriff des >Volkes< selbst immer etwas Archaisch-Apprehensives und er weiß, dass man die Menge nur als >Volk> anzureden braucht, wenn man sie zum Rückständig-Bösen verleiten will. Was ist vor unseren Augen, oder auch nicht just vor unseren Augen nicht alles geschehen, was im Namen Gottes, oder der Menschheit, oder des Rechtes nicht wohl hätte geschehen können!"
Thomas Mann, Doctor Faustus (1947)

Alle Beiträge dieses Benutzers finden
Diese Nachricht in einer Antwort zitieren


Gehe zu:


Benutzer, die gerade dieses Thema anschauen: 1 Gast/Gäste

Deutsche Übersetzung: MyBB.de, Powered by MyBB, © 2002-2019 MyBB Group.

Design © 2007 YOOtheme