Es ist: 06-04-2020, 16:24
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Aktuell befinden wir uns im Umbau. Sollte also etwas seltsam aussehen, sind wir gerade bei der Arbeit und strukturieren die Foren neu :)

Der König der Nacht (6.1)
Beitrag #1 |

Der König der Nacht (6.1)
Countdown: Addendum

D e r K ö n i g D e r N a c h t

VI.

(23.09.2017)

Kurz vor Mitternacht ...
... schickte sich die Nacht an, Spuren zu hinterlassen.
Wenige Minuten bis zum nächsten Tag, der unendlich weit entfernt zu sein schien, wurden im kleinen Geschützturm der 'Emden' die letzten Befehle ausgeführt. Eine Geschoss wurde in das Patronenlager eingeführt, der Verschluss verriegelt. Die anderen Artgenossen warteten im Kettengurt, der automatisch einen nach dem anderen aus den Decks darunter nach oben transportieren würde.
Bereit.
Johann drückte auf die Enter-Taste und beobachtete zufrieden, wie als erstes eine Rakete zischend ihren Startbehälter verließ.
Fauchend stieg sie steil in die Höhe, wollte scheinbar die Wolkendecke durchstoßen, bevor sie explodierte. Gleißendes Licht trudelte zurück zur Erde. Es erhellte die Nacht, den Süden der Insel, das Baggerschiff und die Armee der Untoten, die den Rand des Prils erreicht hatten. Für einen Moment mussten die Wesen blinzeln oder die Augen vor dem Licht abschirmen. Viele krümmten sich sogar schlagartig unter der ungewohnten Helligkeit zusammen und verharrten.
Nicht jedoch der Geschützturm.
Die Kanone bewegte sich zuerst surrend hin und her, suchte nach primären Zielen.
Da waren Gestalten. Dicht gedrängt, Leib an Leib. Halb angezogen oder splitterfasernackt. Kleine und große, dicke und dünne Personen, die von den Menschen nicht länger als solche bezeichnet wurden.
Dem System war es egal.
Es wartete, dann jagte es das erste Geschoss in Richtung Pril.

***

Es wurde stürmisch. Und das Meer unruhig. Er konnte es spüren, wie es sich leicht aufbäumte, während der Bug des Bootes durch die Oberfläche pflügte. Das Wasser klatschte gegen den Rumpf. Der Motor surrte.
So unwirklich, dachte Rex, der immer noch zurück schaute. Nicht greifbar.
Besonders als eine Rakete zischend vom Schiff startete. Steil stieg sie über der Insel in den gedankenverlorenen Wolkenhimmel und explodierte kurz darunter. Ein gleißendes Licht erstrahlte, drängte die Nacht brutal zurück und trudelte langsam zurück zur Erde.
Ja, sie hatte ihm die Nacht gezeigt: Johann, die beiden Schüsse, das Feuerwerk. Dann den Tag danach und noch einige Morgen mehr. Unter fremden Sonnen. Weit entfernt. Ein Stern, der zu einem Schwarzen Loch kollabierte. Ein Wüstenplanet. Zwei karge Monde um einen sonderbaren Planeten. Viel gesehen, wenig verstanden. Zu kurz war der Flug, um ihn wirklich zu erfassen. Das hilflose Gefühl der Ewigkeit klebte an ihm wie nasse Klamotten.
Das Geschütz schoss.
Einmal. Zweimal.
Es krachte und donnerte jenseits des Blickfelds. Nur der verschreckte Schein der Explosionen war zu sehen. Beim dritten Mal schien es sogar, als ob ein Glühwürmchen durch die Luft jagte und eine rote Spur hinter sich herzog.
"Er schießt aufs Watt hinaus", murmelte Rex, wandte sich ab und starrte die kleine Insel vor ihnen an, deren heller Strand immer näher kam. Er sah Bäume, die jetzt im Januar in voller Blüte standen. Nur das die Blätter schwarz und die Stämme von einem dunklen Braun zu einem helleren Ocker gewechselt waren. Dicht an dicht standen sie auf der Insel und verhinderten neugierige Blicke durch das Buschwerk am Fuße der Bäume.
Nur der schwarz-weiße Turm der alten Beobachtungsstation stach heraus. Wie auch immer er es geschafft hatte, den Sturm des Endes zu überleben: er stand kerzengerade und überragte die schwarzen Baumkronen um einige Meter.
"Er ist nicht bei Sinnen", meinte Hikaru, der sich ab und zu immer noch an die Stelle fasste, wo die Kugel ihn getroffen hatte. Doch so sehr er auch suchte und fühlte: da war nichts. "War er eigentlich noch nie."
Es gab einen Ruck, als der Bug des Bootes auf dem Strand auflief. Der Japaner stellte den Motor ab und erhob sich. Das Heck lag noch im Wasser und die Schwankungen hätten ihn beinahe wieder hinfallen lassen.
"Dann wollen wir mal", sagte er, als er Halt hatte, und bedeutete dem Jungen mit anzupacken. "Komm."
Rex schüttelte den Kopf und blieb sitzen. Analyia hatte ihm viel gezeigt, doch das Wichtigste ausgespart.
"Warum sind wir hier?", fragte er und sein Blick fixierte das Gesicht des Japaners. "Warum?"
Hikaru presste die Lippen aufeinander. Überlegte. Wich seinem Blick aus. Dann sagte er:
"Wir sollten uns beeilen."

***

Erhard schaute sie an, als wäre sie sein ganz persönlicher Mittelpunkt. Sie, die er schon ein ganzes Leben kannte, seitdem sie gehen konnte. Mathilda war lange Zeit ein ganz normales Mädchen gewesen, ein ganz normal Heranwachsender, eine ganz normale Frau.
Bis zu dem Tag, der die Erde veränderte. Die Narben standen immer noch in ihrem Gesicht und schrieben ein lautloses Stück Geschichte, was nur sie selbst im Spiegel lesen konnte.
Er hatte sie gefunden, als sie schreiend durch die Gassen gelaufen war. Zitternd wie Espenlaub. In ihrer Angst Jahrzehnte zurückgeworfen. Wieder ein kleines Mädchen, dessen Eltern sie angegriffen hatten. Ja, sie musste hart sein, als sie die beiden vertrauten Gesichter gefesselt auf die Karre lud, die der Elektrowagen zum Bahnhof zog. Ein Trauermeer aus Menschen, Schaufeln und Äxten stand am Rand und schaute den Geliebten, die abseits des Todes standen hinterher. Bei allen Überlebenden war es eine Mischung aus Furcht und Tränen. Nur bei ihr war es Hass, blank geputzt blitzte es zwischen den Augen und ließ sie nie mehr los.
Und jetzt stand Mathilda da oben am Rednerpult. Symbolisch für ihr Leben. Nicht mehr ein Rädchen, was von anderen bewegt wurde. Das Rädchen war jetzt ein Kraftwerk.
"Ich töte nichts, was ohnehin schon tot ist", sagte sie und hob sofort eine Hand, als Erhard darauf antworten wollte. "Bitte, erspare es uns."
"Uns?"
Erhard schaute sich um, doch die Gesichter der Anwesenden signalisierte ihm deutlich, dass da kein 'Wir' zwischen ihnen und Mathilda war.
Die Seeleute auf der anderen Seite wirkten versteinert. Die Fischer und Bauern aus dem Westdorf verschränkten die Arme vor der Brust. Und die beiden Piloten, die zusammen mit dem Mechaniker, dem Schmied und Nayima irgendwo dazwischen standen, schüttelten entschieden die Köpfe.
"Sprich von Dir selbst", sagte er. "Oder kannst Du das nicht?"
Mathilda beugte sich ein Stückchen über das Rednerpult und schaute Jedem ins Gesicht. Sie nahm sich viel Zeit dafür, doch keiner der Anwesenden wandte den Blick ab.
"Wollt ihr ewig auf dieser Insel leben?", fragte sie schließlich und wartete darauf, dass einige Köpfe doch Zustimmung signalisieren würden. "Immer in der Angst, dass sie es doch irgendwann schaffen, in eure Häuser zu kommen?"
Ein Arm reckte sich in die Höhe. Einer der Fischer namens Horst. Auf dem Kopf kämpften einige spärliche Reste grau gewordener Haare einen vergeblichen Kampf gegen die Leere.
"Wie sollen die das denn schaffen?", donnerte seine Stimme in Richtung Pult. "Der Pril ist tief und breit genug. Es gibt keine Stelle mehr, die die Insel bei Ebbe mit dem Festland verbindet."
Ihre Hände verkrampften sich am Rand des Pults und sie versuchte sich an einem Lächeln, doch es wirkte eher wie das Grinsen eines Raubtiers.
"Vor drei Jahren hätte auch keiner damit gerechnet, dass die Erde verwüstet wird", sagte sie und in ihrer Stimme schwang unverhohlener Zorn mit. "Glaubst Du allen Ernstes, dass das die einzige böse Überraschung bleibt?"
Horst verzog den Mund und wollte zu einer Erwiderung ansetzen, als sich das Licht plötzlich der Nacht ergab. Es wurde schlagartig dunkel. Finsterer, als draußen. Irgendwo hinten öffnete sich beinahe lautlos die Tür zum Saal. Jeder schaute durch die Fenster nach draußen. Keiner sprach ein Wort, während der Wind die Ansprache übernahm und sein namenloses Lied durch die Mauern pfiff.
"Wieso ist der Strom weg?", murmelte Mathilda, verstummte aber, als einer der Seeleute "STILL!" rief.
Sie konnten ein Zischen hören, das sich erst näherte und dann abflachte.
Ein Donnern folgte, als weit über dem Dach des Rathauses ein gleißender Stern geboren wurde und den Tag zurück in die Nacht brachte. Aber nur für einen kurzen Moment.
Es war bereits wieder dunkel, als sich die Tür zum Saal schloss.

***

Sie zogen zuerst das Boot ein Stück auf den Strand, dann wuchteten sie den Riesen heraus und trugen ihn schnaufend durch den Sand, (Rex die Beine, Hikaru den Rest) wobei sich die Stiefel des Japaners leichter taten, als die Schuhe des Jungen. Sie sanken tief ein und drohten damit, im nächsten Moment einfach wegzurutschen. Ab und zu trat Rex auf etwas Festes, dass im Sand vergraben lag, und stolperte hastig weiter vorwärts.
Der Sand hörte nicht auf, selbst dann nicht, als sie den Rand des kleinen Strandwaldes erreichten.
Sie quetschten sich mit dem Hünen durch das tiefhängende Geäst der ersten Baumreihen. So sehr Rex auch versuchte, den Kopf rechtzeitig wegzudrehen - es brachte nichts. Die Zweige mit ihren dunklen Blättern schlugen ihm unbarmherzig ins Gesicht.
Zum Glück verschwand das Geäst nach ein paar Metern. Dafür standen die ockerfarbenen Stämme jetzt so dicht, dass selbst ein schmaler Mensch nicht mehr hindurch passte.
"Das ... reicht", meinte Hikaru, nickte dem Jungen zu und gemeinsam legten sie den Riesen in den hellen Sand.
Rex stöhnte, während der Japaner den Rücken durchdrückte.
"Scheiße", murmelte er. "Dass ich das nochmal machen muss ..."
"Kannst Du mir jetzt vielleicht meine Frage beantworten?"
"Hab ich doch!" Er richtete sich wieder auf, drehte um und ging den kurzen Weg zurück. "Jetzt komm schon!"
Rex versuchte noch nach dem Arm des Japaners zu greifen, was ihm nicht gelang.
"Das war aber keine Antwort!", rief er und folgte Hikaru, der schon fast wieder am Strand war.
Die Zweige schlugen Rex abermals hart ins Gesicht, obwohl er diesmal beide Hände zur Verfügung hatte, um sie sich vom Leib zu halten.
"Warte!"
Nur noch schwarze Blätter vor den Augen. Die ockerfarbenen Zweige und Äste. Kein Hikaru - doch dann war er plötzlich durch, hatte den Strand erreicht und blieb keuchend neben dem Japaner stehen. Das Boot war von hier aus noch zu sehen, wenn auch etwas kleiner. Doch Hikaru machte nicht den Anschein, als wollte er dorthin.
"Du willst Antworten?", fragte der Japaner und in seiner Stimme lag ein drohender Unterton.
Rex nickte.
"Ja."
Hikaru deutete auf den Sand vor ihnen.
"Dann grab doch danach", sagte er. "Dürfte nicht tief sein."
"Was?"
"GRABEN!"
Rex hob hilflos die Hände und schaute sich um.
"Und wo?"
Hikaru ging ein paar Schritte zu den ersten Reihen der Bäume zurück.
"Hier überall", sagte er und scharrte mit dem Fuß einen kleinen Haufen Sand zur Seite. Dann kehrte er den Bäumen den Rücken zu, ging in die Hocke, wühlte mit den Händen im körnigen Weiß und hob schließlich etwas Rundes heraus. Zumindest größtenteils rund.
Rex hatte sich nicht wegbewegt und sein klopfendes Herz hätte gerade auch keinen Meter zugelassen. Er konnte den Klumpen aus verkrustetem Sand und Was-auch-immer nicht erkennen, bis Hikaru den Sand wegputzte.
"Hier ist Deine Antwort!", sagte der Japaner und hielt einen Totenschädel hoch. "Zufrieden?"

***

Al konnte sie sehen. Sie waren dem Rand des Watts bis auf einige Meter näher gekommen. Manche Füße waren nur noch Matschklumpen. Andere Hosenbeine sahen nicht besser aus. Manche der Gestalten dort drüben hatten entweder noch Hosen und Oberbekleidung an, die arg gelitten hatten. Manche trugen Hosen und waren oben herum nackt. Bei anderen war es genau umgekehrt.
Der Ausschnitt des Fernglases konzentrierte sich auf den zentralen Punkt vor ihm. Zwischen dem Rand des Watts und dem Heck des Schiffes hatte sich eine klägliche Entfernung von geschätzten 200 Metern aufgetan. Ob das reichen würde, wagte er gerade zu bezweifeln.
Er drehte ein bisschen am Rädchen und die Schärfe nahm zu. Al konnte jetzt die Gesichter erkennen. Leblos. Aschfahl. Eingefallen oder aufgedunsen. Risse auf der Haut. Die Haare standen wild auf den Häuptern. Manche Köpfe waren bereits kahl.
"Hier", sagte der Kapitän und tippte ihm an den Oberarm.
Al riss sich für einen Moment von den Anderen los und betrachtete den Gehörschutz, den ihm der Kapitän hinhielt. Sie sahen aus wie Kopfhörer.
"Wofür?", fragte er, doch da hörten sie ein Zischen in der Ferne. Vom Ostanleger schoss eine Rakete steil in den Himmel, zog auf seiner Bahn eine kleine Spur aus Rauch hinter sich her, bevor sie weit über der Insel explodierte. Ein gleißender Stern wurde unter der Wolkendecke geboren und sank langsam nach unten.
"Aufsetzen!", rief der Kapitän, doch da war es schon zu spät.
Zuerst war es nur ein Donnern, dem ein pfeifendes Geräusch folgte, das sich von Sekunde zu Sekunde verdichtete. Es schoss auf sie zu und plötzlich schien am Rand des Prils das Watt zu explodieren.
Leiber wurden in Bruchteilen eines Augenzwinkerns förmlich auseinander gerissen und zusammen mit dem Schlamm in die Luft gewirbelt. Einiges davon flog sogar bis zum Schiff und traf Al mitten ins Gesicht.
"Scheiße!", rief er, doch er konnte seine Stimme kaum hören. Zwischen dem Fiepen und dem Gebrüll des Kapitäns (was Al nur durch dessen Gesichtausdruck erraten konnte) wischte er sich den Schlamm (oder was auch immer es war) mit dem Ärmel aus dem Gesicht. Der Gehörschutz wurde ihm brutal auf den Kopf gesetzt, als er sich das Fernglas wieder vor Augen hielt und den Einschlagort betrachtete.
Die Anderen, die dort gerade noch gestanden hatten, waren weg. Die Lücke, die das Geschoss der 'Emden' hinterlassen hatte, wurde von den nachrückenden Wesen rasch geschlossen. Es sah nicht so aus, als würde sie das Fehlen einiger ihrer Artgenossen sonderlich stören.
Im Gegenteil.
Er konnte die 'Frau' sehen, die vorhin aus der Wasserpfütze aufgestanden war. Ein Arm fehlte ihr und der Kopf sah aus, wie zerrupft. Allerdings nur für einige Augenblicke, dann wurde sie von einem Pulk hungriger Untoter angegriffen.
Alles so wie immer.
Nur um den Krater, den das Geschoss hinterlassen hatte, machten sie einen großen Bogen.

***

Ein Totenschädel.
Früher hatte er sich davor gefürchtet und es gar nicht erst an sich herankommen lassen. Aber das hier war anders. Nicht bedrohlich, eher traurig. Das war einmal ein Mensch gewesen. Aus Fleisch und Blut.
Aber wer?, fragte Rex sich im ersten Augenblick, bevor die Wut sich anschickte, seine Stimme zornig klingen zu lassen.
"Ihr habt mich angelogen!" Er presste die bebenden Lippen aufeinander. "Ihr habt uns alle angelogen. WIESO?"
Hikaru durchbohrte ihn fast mit seinen Blicken, in denen keine Entschuldigung zu sehen war.
"Was hätten wir Dir denn sagen sollen?"
"DIE WAHRHEIT!"
"Dass wir die Infizierten hier ausgesetzt hatten?"
"JA."
"Wärst Du damit klar gekommen?"
"JA!"
Er hielt dem Jungen den Schädel hin.
"Auch damit?"
Was?
Rex schaute genauer hin. Einige Zähne fehlten. An der Seite konnte man einen Riss erkennen. Aber das Auffälligste waren die Spuren auf dem Schädel. Als hätte jemand versucht, den Kopf mit einer rauen Bürste und einer zittrigen Hand zu polieren.
"Was ... ist passiert?", fragte er und zeigte auf die Spuren.
"Ist das nicht offensichtlich?" Hikarus Miene blieb versteinert, als der Junge vorsichtig den Totenkopf berührte. "Das waren sie selbst."
Rex zog den Finger wieder zurück und schwieg. In seinem Herzen verkrampften sich die beiden Kammern.
"Kannst Du Dir vorstellen, wie wir da drüben standen und das mit ansehen mussten?", fragte Hikaru und zeigte in Richtung Wangerooge. "Als sie mutierten, sich nicht mehr nur aussaugten, sondern gleich auffraßen?"
Rex schwieg.
"KANNST DU DAS?"
Als sein Blick den Japaner traf lag darin eine Mischung aus Hilflosigkeit. Und Wut.
"Mein Gott."
"Der ist schon lange nicht mehr hier."
"Was ist mit Analyia?", fragte er. "Wo ist sie?"
Hikaru zuckte zurück.
"Deine Freundin?"
Rex nickte, dann legte der Japaner den Totenkopf wieder zurück in den Sand.
"Ja", antwortete er und schob den kleinen Haufen Sand wieder zurück in das ausgebudelte Loch. "Ich weiß aber nicht w-"
Weiter kam er nicht. Als er sich erhob packte ihn Rex am Kragen.
"Warum?", fragte er und seine Stimme nahm einen bedrohlichen Unterton an. "Wa-rum?"
"Warum was?" Hikaru schaute ihn trotzig an und ignorierte die Hände des Jungen. "Warum wir sie hierhin gebracht hatten? Warum wir nur uns gerettet haben?"
"Nein." Rex holte tief Luft. "Warum ein Massengrab im Dorf, wenn niemand darin liegt?"
"Bedanke Dich bei dem Pfaffen", antwortete Hikaru. "Ich wollte Deiner Freundin den Kopf abschlagen, dann wäre ihr das erspart geblieben!" Er stieß den Jungen weg. "Und uns die Lüge, um das Gewissen zu beruhigen!"
Rex fiel auf den Hintern und blieb sitzen, als sich der Japaner über ihn beugte.
"Du sollst nicht töten!", zischte er. "Das hörten wir die ganze Zeit. Doch als der Regen aufhörte und der Arzt immer noch kein Heilmittel gefunden hatte, ..., hatten wir sie schon getötet."



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Beitrag #2 |

RE: Der König der Nacht (6.1)
Schon der vorletzte Teil. Da ich morgen arbeiten musst, ist das nicht schlecht. Mrgreen

Zitat:Kurz vor Mitternacht ...
... schickte sich die Nacht an, Spuren zu hinterlassen.
Im frisch gefallenen Schnee?

Zitat:Weit entfernt. Ein Stern, der zu einem Schwarzen Loch kollabierte. Ein Wüstenplanet. Zwei karge Monde um einen sonderbaren Planeten.
Aaaaaaarggghh. Ich wusste doch, dass ich das rote Gluehen in den Augen kenne. Oh ja. Ich wusste doch, dass mir das bekannt vorkam. Jetzt fällt es mir wie Schuppen von den Augen. Verdammt. Schieb es auf die späte Stunde.

Zitat:Nur das die Blätter schwarz und die Stämme von einem dunklen Braun zu einem helleren Ocker gewechselt waren.
Werden Blätter wirklich schwarz, wenn sie zu wenig Sonnenlicht bekommen, oder ist viel Ruß in der Luft oder sind die auch mutiert? Seltsam.

Zitat:"Warum sind wir hier?", fragte er und sein Blick fixierte das Gesicht des Japaners. "Warum?"
Hikaru presste die Lippen aufeinander. Überlegte. Wich seinem Blick aus. Dann sagte er:
"Wir sollten uns beeilen."
Weil da die Infizierten lagern.

Zitat:Ein Donnern folgte, als weit über dem Dach des Rathauses ein gleißender Stern geboren wurde und den Tag zurück in die Nacht brachte. Aber nur für einen kurzen Moment.
Es war bereits wieder dunkel, als sich die Tür zum Saal schloss.
Ich frage mich, warum es eigentlich keinen allgemeinen Alarm gibt. Wenn ich da BM wäre, hätte ich so was so schnell wie möglich eingefuehrt. So was wie ein Fliegeralarm. Nur halt fuer Zombies. Dadurch, dass die Menschen im Rathaus jetzt kein Licht mehr haben, können sie sich nicht vermuenftig wehren (was eh schwergesenen wäre, nehme ich an), so dass die Verteidigungsreaktion von Johann alles schlimmer macht, richtig? Weil die Zombies wahrscheinlich eh noch nicht bis zur Insel gekommen wären. Hm.

Zitat:Sie zogen zuerst das Boot ein Stück auf den Strand, dann wuchteten sie den Riesen heraus und trugen ihn schnaufend durch den Sand, (Rex die Beine, Hikaru den Rest) wobei sich die Stiefel des Japaners leichter taten, als die Schuhe des Jungen. Sie sanken tief ein und drohten damit, im nächsten Moment einfach wegzurutschen.
Mittlerweile denke ich, dass Analyia Hikaru nicht infiziert hat. Er zeigt keine Anzeichen von Persönlichkeitsverlust.

Zitat:Ab und zu trat Rex auf etwas Festes, dass im Sand vergraben lag, und stolperte hastig weiter vorwärts.
Oh, haben sie die Infizierten im Sand vergraben? 0.0

Zitat:"Hier ist Deine Antwort!", sagte der Japaner und hielt einen Totenschädel hoch. "Zufrieden?"
Ah, ich dachte, sie wuerden vielleicht noch leben ... also in ihrem Zwischenleben. Bzw. vielleicht lebt auch noch einer. Der stärkste sozusagen, der alle anderen gefressen hat.

Zitat:"Du sollst nicht töten!", zischte er. "Das hörten wir die ganze Zeit. Doch als der Regen aufhörte und der Arzt immer noch kein Heilmittel gefunden hatte, ..., hatten wir sie schon getötet."
Wow.

Bis gleich!
WW

Die meisten Menschen haben überdurchschnittlich viele Arme und Beine ...

Wanderer zwischen den Welten und der
Weltenknoten

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Beitrag #3 |

RE: Der König der Nacht (6.1)
Hallo Dread,

wir nähern uns der Zielgeraden. Icon_wink

Zitat: Das hilflose Gefühl der Ewigkeit klebte an ihm wie nasse Klamotten.

Schöner Satz. Pro

Zitat:"Er ist nicht bei Sinnen", meinte Hikaru, der sich ab und zu immer noch an die Stelle fasste, wo die Kugel ihn getroffen hatte

Sicherlich meint er Johann, oder? Ich hab ein wenig überlegen müssen, bis ich das kapiert hab. Vielleicht wäre es sinnvoll, hier einfach den Namen nochmal zu nennen. Oder Hikaru nochmal direkt zum Schiff blicken zu lassen.

Zitat:Und jetzt stand Mathilda da oben am Rednerpult.

Ah, also ist Mathilda die Bürgermeisterin. Gut. Icon_smile

Zitat: . Er konnte den Klumpen aus verkrustetem Sand und Was-auch-immer nicht erkennen, bis Hikaru den Sand wegputzte.

Wieder so eine Erbse, aber ich hätte spontan: „wegwischte“ geschrieben, weil ich vermute, dass er einfach nur drüber wischt und eben nicht mit einem Wischmopp drüber putzt. Icon_wink

Zitat:Gestalten dort drüben hatten entweder noch Hosen und Oberbekleidung an, die arg gelitten hatten.

Irgendwie fehlt in dem Satz das „oder“ zu dem „entweder“ Icon_confused

Zitat: Vom Ostanleger schoss eine Rakete steil in den Himmel, zog auf seiner Bahn eine kleine Spur aus Rauch hinter sich her, bevor sie weit über der Insel explodierte.

… auf ihrer Bahn …

Und schon ist dieser Teil auch schon wieder vorbei. Irgendwie würde es mich im Moment besonders interessieren, wie es mit den Menschen im Rathaus weitergeht. Das ist doch Murdock der da gerade durch die Tür kommt, oder? Der war doch auf dem Weg dahin.
Gut, sie haben also die mutierten auf dem Inselchen ausgesetzt und die haben sich Gegenseitig aufgefressen. Hmm, eigentlich keine schlechte Lösung für die Nicht-Infizierten, auch wenn es natürlich ingesamt tragisch ist.

Ich bin gespannt auf das Ende und wie das für Rex ausgeht. Zumindest ist er im Moment eher in Sicherheit, als Al, der womöglich jeden Moment mit den Zombies konfrontiert wird.

Grüße Lady

Wer nicht kann, was er will, muss das wollen, was er kann. Denn das zu wollen, was er nicht kann, wäre töricht. -Leonardo da Vinci-
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Beitrag #4 |

RE: Der König der Nacht (6.1)
Hallo ihr Zwei.

@WW:
Zitat:Zitat:Kurz vor Mitternacht ...
... schickte sich die Nacht an, Spuren zu hinterlassen.

Im frisch gefallenen Schnee?
Nicht schlecht, aber nicht im Schnee der letzten Nacht. Icon_wink

Zitat:Zitat:Nur das die Blätter schwarz und die Stämme von einem dunklen Braun zu einem helleren Ocker gewechselt waren.

Werden Blätter wirklich schwarz, wenn sie zu wenig Sonnenlicht bekommen, oder ist viel Ruß in der Luft oder sind die auch mutiert? Seltsam.
Mutiert.

Zitat:Ich frage mich, warum es eigentlich keinen allgemeinen Alarm gibt. Wenn ich da BM wäre, hätte ich so was so schnell wie möglich eingefuehrt. So was wie ein Fliegeralarm. Nur halt fuer Zombies. Dadurch, dass die Menschen im Rathaus jetzt kein Licht mehr haben, können sie sich nicht vermuenftig wehren (was eh schwergesenen wäre, nehme ich an), so dass die Verteidigungsreaktion von Johann alles schlimmer macht, richtig? Weil die Zombies wahrscheinlich eh noch nicht bis zur Insel gekommen wären. Hm.
Die Emden schoss beim letzten Mal die Zombies nahe des Ostanlegers ab, da wo damals (!) der Priel noch nicht breit und tief genug war. Seitdem hatte die Max&Moritz dort gebaggert.
Kein Alarm, warum auch? Sie fühlen sich sicher, sind doch von Wasser permanent umgeben. Ein natürlicher Schutzwall.

Zitat:Mittlerweile denke ich, dass Analyia Hikaru nicht infiziert hat. Er zeigt keine Anzeichen von Persönlichkeitsverlust.
Sie hat ihn geheilt, weil er Rex zur Insel führen soll. Weil er ihm zeigen soll, was da ist. Betonung liegt auf 'Er'.

Zitat:Oh, haben sie die Infizierten im Sand vergraben? 0.0
Die Zeit war so gnädig.

Zitat:Ah, ich dachte, sie wuerden vielleicht noch leben ... also in ihrem Zwischenleben. Bzw. vielleicht lebt auch noch einer. Der stärkste sozusagen, der alle anderen gefressen hat.
Nein, nur Analyia 'lebt'.

@Lady:
Zitat:Zitat:"Er ist nicht bei Sinnen", meinte Hikaru, der sich ab und zu immer noch an die Stelle fasste, wo die Kugel ihn getroffen hatte

Sicherlich meint er Johann, oder? Ich hab ein wenig überlegen müssen, bis ich das kapiert hab. Vielleicht wäre es sinnvoll, hier einfach den Namen nochmal zu nennen. Oder Hikaru nochmal direkt zum Schiff blicken zu lassen.
Naja, es sind hier nur drei Männer. Wenn Hikaru das zu Rex sagt, kann das nur Johann sein. Oder dachtest Du jetzt an Murdock?

Zitat:Zitat: . Er konnte den Klumpen aus verkrustetem Sand und Was-auch-immer nicht erkennen, bis Hikaru den Sand wegputzte.

Wieder so eine Erbse, aber ich hätte spontan: „wegwischte“ geschrieben, weil ich vermute, dass er einfach nur drüber wischt und eben nicht mit einem Wischmopp drüber putzt.
Aye. Wischen, nicht putzen.
(War gerade Hausmann ...) Smiley_emoticons_blush

Zitat:Zitat:Gestalten dort drüben hatten entweder noch Hosen und Oberbekleidung an, die arg gelitten hatten.

Irgendwie fehlt in dem Satz das „oder“ zu dem „entweder“
Jepp, seh ich.

Zitat:Ich bin gespannt auf das Ende und wie das für Rex ausgeht. Zumindest ist er im Moment eher in Sicherheit, als Al, der womöglich jeden Moment mit den Zombies konfrontiert wird.
Sicherer? Die schleppen einen Hünen mit sich rum, der alleine von der Statur ohne Infizierung alles kurz und klein schlagen könnte. Und der schläft. Noch.
(Sicherer?)

LGD.


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Beitrag #5 |

RE: Der König der Nacht (6.1)
Hallo Dread, 

Hui, also ich bin wach   Wave, mein Herzchen schlug direkt ein paar Takte schneller, ich kann nur eins dazu sagen: Es ging direkt unter die Haut. Ich bin ja immer noch so berührt von Rex und Analyia und tief in meinem blubbernden Herzchen hoffe ich, dass die beiden zusammen finden. Egal wie  Icon_cuinlove

Zitat:Kurz vor Mitternacht ...

... schickte sich die Nacht an, Spuren zu hinterlassen. 
Ich glaube, ich habe es, die Nacht ist der letzte Tag, danach ist Schicht 

Zitat:Johann drückte auf die Enter-Taste und beobachtete zufrieden, wie als erstes eine Rakete zischend ihren Startbehälter verließ. 
Johann ist die Nacht, weil er alles in die Luft jagt, aber warum ist Rex dann der König?  Icon_confused

Zitat:Da waren Gestalten. Dicht gedrängt, Leib an Leib. Halb angezogen oder splitterfasernackt. Kleine und große, dicke und dünne Personen, die von den Menschen nicht länger als solche bezeichnet wurden. 
Dem System war es egal. 
Es wartete, dann jagte es das erste Geschoss in Richtung Pril. 
Fast tun sie mir schon leid  Icon_nosmile Icon_nosmile

Zitat:Beim dritten Mal schien es sogar, als ob ein Glühwürmchen durch die Luft jagte und eine rote Spur hinter sich herzog.
Ich mag diese Diskrepanz, diesen Zynismus. Glühwürmchen sind schön, da senke ich an warme Sommernächte, grillen, einen spritzigen Hugo und du nimmst sie als Metapher, um die Welt in die Luft zu jagen Genial  Pro

Zitat:Die Narben standen immer noch in ihrem Gesicht und schrieben ein lautloses Stück Geschichte, was nur sie selbst im Spiegel lesen konnte. 
die nur sie selbst im Spiegel lesen konnte. diesen Fehler mit dem Was ziehst du konsequent durch, ich weiß nicht, ob das eine Macke oder von dir gewollt ist 

Mathilda kommt mir recht hart für eine Frau vor. Ich stelle sie mir als maskulinen Typ mit männlichen Gesichtszügen vor. Kein Mannsweib oder Emanze, aber auch nicht weit davon entfernt. Dabei hat sie einen recht weichen, mädchenhaften Namen. Zufall oder gewollt?


Zitat:Als sie mutierten, sich nicht mehr nur aussaugten, sondern gleich auffraßen?"

ich würde da ein gegenseitig einfügen, dann läuft der kalte Schauer gleich doppelt  Icon_smile

Die Glühwürmchen krabbeln gerade über meinen Rücken uaaahhh, gruselt mich das hier. Jetzt kommt so die ganze Wahrheit ans Licht.

Bis gleich Persephone

Den Stil verbessern, das heißt den Gedanken verbessern

(Friedrich Nitzsche)



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Beitrag #6 |

RE: Der König der Nacht (6.1)
Hallo Persephone.

Ich könnte schwören, dass ich alle Kommetare beantwortet habe, aber irgendwie scheine ich entweder in einer Parallelwelt aufgewacht zu sein - oder ich habs wirklich nur in meinem Kopf beantwortet.

Sehr peinlich.

Zitat:mein Herzchen schlug direkt ein paar Takte schneller, ich kann nur eins dazu sagen: Es ging direkt unter die Haut. Ich bin ja immer noch so berührt von Rex und Analyia und tief in meinem blubbernden Herzchen hoffe ich, dass die beiden zusammen finden. Egal wie

Das werden sie, ganz bestimmt.

Zitat:Ich glaube, ich habe es, die Nacht ist der letzte Tag, danach ist Schicht

Ich hätte es nicht besser formulieren können.

Zitat:Johann ist die Nacht, weil er alles in die Luft jagt, aber warum ist Rex dann
der König?

Johann ist die Nacht, weil seine Wertevorstellung zwar 'gut' ist, er aber dabei Wege beschreitet, die niemand beschreiten würde. Er würde Gutes tun, immer, aber er würde sich auch nicht scheuen, dafür die Erde zu sprengen. Wenn es notwendig sein sollte.
Und Rex ist der König, weil er sich selbst den User-Namen gegeben hat. Und Könige stehen immer oben. Mrgreen

Etwas ernsthafter. Natürlich war die Vorgabe meinerseits, ihn und den Namen einzubauen, aber so, dass es nicht wie eine Keule wirkt oder einen reinen Selbstzweck entfaltet. Da zudem alle realen Personen in den Geschichten niemals (also: Nie!) scheiße dargestellt werden, war es dann klar, dass er als König über der Nacht steht, allein, nur mit einer Untoten im Rücken. (Als Kontrast, da Johann ja das gesamte Arsenal der 'Emden' zur Verfügung steht.)

Zitat:Ich mag diese Diskrepanz, diesen Zynismus. Glühwürmchen sind schön, da senke ich an warme Sommernächte, grillen, einen spritzigen Hugo und du nimmst sie als Metapher, um die Welt in die Luft zu jagen Genial

Danke sehr.

Zitat:nur sie selbst im Spiegel lesen konnte. diesen Fehler mit dem Was ziehst du konsequent durch, ich weiß nicht, ob das eine Macke oder von dir gewollt ist

Ein paar Geschichtchen davor wurde mir die übermäßige Verwendung von 'das' vorgeworfen, daher habe ich hier umgeschwenkt.

Zitat:Die Glühwürmchen krabbeln gerade über meinen Rücken uaaahhh, gruselt mich das hier. Jetzt kommt so die ganze Wahrheit ans Licht.

Ja, was ist richtig, was ist falsch? Sind es noch Menschen? Waren es je Menschen? Und wie gehen wir mit Mitmenschen um?
Tausende Fragen, hier überspitzt dargestellt.

LGD.


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