Es ist: 04-12-2022, 02:28
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Hammer und Aboss (vor 1654 Jahren) X
Beitrag #1 |

Hammer und Aboss (vor 1654 Jahren) X
Hammer und Amboss
Teil I, Teil II, Teil III, Teil IV, Teil V, Teil VI, Teil VII, Teil VIII, Teil IX, Teil X


Thakis duckte sich unter dem Rückhandschlag eines vorbeireitenden Duredhel hindurch und die gezackte Klinge zerteilte Luft mit einem hohlen Pfeifen. Die plötzliche Bewegung in die falsche Richtung sandte einen stechenden Schmerz durch seinen Unterschenkel und brachte den General kurz aus dem Tritt. Sein Breitschwert zerkratzte nutzlos einen Felsbrocken.
„Weiter, weiter, weiter! Nicht nachlassen!“
Mit rudernden Armbewegungen versuchte er seine Krieger in den Kampf zu peitschen, versuchte mit seinem bloßen Anblick neuen Mut zu verbreiten.
Wenige Schritte hinter Thakis brach ein Schwertkämpfer mit einer klaffenden Wunde in der Schulter zusammen, das Alptraumpferd eines Duredhel schnappte im Passieren nach dem General und er wirbelte herum, so dass die Raubtierzähne nur über seinen Brustpanzer schabten.
Trotzdem presste der Schlag ihm die Luft aus den Lungen.
Unter den Menschen herrschte heilloses Durcheinander, nichts war mehr von der geschlossenen Formation zu erkennen, mit der Thakis den Dunklen eigentlich begegnen wollte. Zähneknirschend musste er zugeben, dass die Duredhel ein probates Mittel gegen seine Taktik gefunden hatten. Indem sie ihre eigene Formation aufgegeben hatten, hatten sie die Streitmacht der Menschen von innen aufgesprengt und konnten nun ihre Überlegenheit im Kampf Mann gegen Mann auf Äußerste ausspielen.
Unter normalen Umständen, würde er einen Rückzug anordnen und versuchen sich neu zu sammeln. Allerdings hätte es dafür eines Sammelpunkts bedurft – und einer Rückendeckung. Eine Nuance veränderte sich im Geschrei der Kämpfenden um Thakis herum und er riss instinktiv seine Klinge in die Höhe. Funken stoben, dann verfing sich das Breitschwert in einer der Zacken der Dunkelelbenklinge und Thakis stolperte vorwärts, nur darauf bedacht, seine Waffe nicht zu verlieren.
Seine Finger brannten wie Feuer, während sein Gegner bereits wieder das Weite gesucht hatte.
Das ist doch feige! Eine feige Art zu kämpfen!
In diesem Augenblick trudelte einen Pfeil über Thakis Kopf hinweg und versenkte sich in die Flanke eines weiteren Alptraumpferds, dessen Reiter gerade seine Klinge mit einer fließenden Bewegung aus dem Torso einer Ordenskriegerin befreite. Das Tier kreischte auf und eine viel zu lange Zunge peitschte über seine Nüstern, dann knickte es ein und warf seinen Herren ab. Vielleicht verließt der auch freiwillig sein Reittier, denn viel zu gekonnt rollte der Elb sich ab und kam wieder auf die Beine, den Schwung nutzend, um einen angreifenden Schwertkämpfer des Südens die Zacken seiner Armschiene in die Kehle zu rammen. Thakis konnte die gefletschten Zähne des Duredhels sehen, als dieser seinen Triumph heraus lachte.
Nun würde sich zeigen, wie gut diese Elben wirklich waren. Thakis sprintete auf seinen Gegner zu, das Schwert wie einen Speer voran – und brüllte, dass ihm die Kehle schmerzte. Brüllte seinen Zorn und seine Furcht und seinen Frust heraus.
Der Dunkelelb antwortete mit einem simplen Ausweichschritt und einer eleganten Drehung, wohl um in den Rücken des Menschen zu gelangen. Aber Thakis kämpfte auch nicht erst seit gestern. Im Vorbeischlittern streckte er sein Bein aus und erwischte seinen Kontrahenten an dessen eigenen Beinen. Sie verhakten sich, als der Zackenpanzer sich in die ledernen Beinschiene des Menschenkriegers bohrte und beide Kämpfer wurden zu Boden gerissen. Im Gegensatz zum Dunkelelb hatte Thakis jedoch damit gerechnet und schnellte so schnell wie möglich in die Höhe – nur von der Hand seines Gegners am Stiefel gepackt zu werden und erneut das Gleichgewicht zu verlieren. Er fing sich gerade rechtzeitig um die Klinge des Duredhel zu parieren. Stahl jaulte und die Streiter standen Auge in Auge. Erdbraun gegen blutrot – beide hasserfüllt.
Der Elb brüllte etwas in seiner fremdartigen Sprache und der Mensch antwortete in seiner eigenen:
„Stirb du Arschloch!“
Sie stießen sich von einander ab und der Duredhel ließ seine Klinge vorzucken wie eine Schlange. Thakis hatte den Schlag kommen sehen, dennoch war er zu langsam – es gelang ihm gerade noch, sich zur Seite zu drehen, so dass das Schwert seinen Oberarm nur streifte. Der General fluchte, während ein dünner Strom Blut seinen linke Hand erreichte, und schwang seinerseits die Klinge. Da er wusste, das er seinem Gegner an Geschwindigkeit unterlegen war legte er so viel Kraft wie möglich in seinen Schlag und betete zu den Göttern, dass sein Gegner nicht ausweichen, sondern parieren würde. Natürlich tat der ihm nicht diesen Gefallen und Thakis geriet ins Straucheln, konnte den Passierschlag des Duredhel gerade noch mit dem Knauf seines Breitschwerts abwehren. Erneut klirrte Stahl auf Stahl und diesmal geriet der Dunkelelb ein wenig aus dem Gleichgewicht. Leider war Thakis in einer zu ungünstigen Position, um diese Schwäche gebührend zu nutzen. Dies versuchte ein gandalscher Speerträger, der wie aus dem Nichts erschien und zustieß. Tatsächlich gelang es ihm den Duredhel am Brustpanzer zu treffen, die Speerspitze glitt über das pechschwarze Metall und fand eine Schwachstelle auf Hüfthöhe. Der Gandal schien selbst am meisten überrascht über seinen Erfolg. Mit geweiteten Augen starrte er auf die Wunde die er gerade geschlagen hatte, bevor er seine Waffe befreite, um damit seinen Gegner auf Abstand zu halten. Dann stieß er ein seltsames, gurgelndes Geräusch aus, als die Klinge eines passierenden Duredhels ihm den Schädel spaltete.
Jetzt!
Gerade als der nun verwundete Dunkelelb wieder herumwirbelte um sich Thakis zu stellen, traf ihn das Breitschwert an der Schläfe. Wieder hatte Thakis auf seine Körperkraft gesetzt und diesmal ging der Plan auf. Der hohe Helm seines Gegners dellte ein und der Duredhel spuckte rotes Blut, als er überraschend schweigsam zusammenbrach.
„JA!“
Nun war es an Thakis seinen Triumph in den Himmel zu schreien.
„Ja, ja, ja!“
Da verschluckte ein Ruck durch seinen ganzen Körper jeden Atem. Überrascht blickte der General an sich herab und bemerkte die Spitze einer gezackten Klinge, die aus seinem Unterleib herausstach.
Mit einem weiteren welterschütternden Ruck wurde sie aus Thakis herausgerissen und eines seiner Beine knickte ein, während er versuchte, die Wunde mit einer Hand zu verschließen.
Das ist jetzt irgendwie unpassend.
Der Duredhel, der den General von hinten erwischt hatte, trippelte wie ein Tänzer an Thakis vorbei und grinste auf ihn herab. Der Mensch hob sein Schwert – oder er versuchte es zumindest, doch obwohl sein Geist definitiv den Befehl gab, leistete sein so unangenehm tauber Arm ihm nicht folge. Die Spitze seiner Klinge zitterte lediglich ein wenig.
Wo ist der Schmerz? Das ist kein gutes Zeichen.
Thakis Herzschlag schien unter seiner linken Hand zu pulsieren, während dieser seinem Gegner beim Ausholen zusah. Doch dann wischte eine lange gebogene Klinge an einem hölzernen Schaft dem Dunkelelben das Grinsen aus dem Gesicht und hinterließ eine breite klaffende Wunde. Eine Caladhir schleppte sich vorbei. Blonde, blutbefleckte Haare wehten im Wind, die Thakis an jemanden erinnerte. War es Ayas? Dem General fiel es schwer, sie gebührend auf das hier und jetzt zu konzentrieren. Oder war es Aliya? Zum ersten Mal wurde ihm bewusst, wie ähnlich sich die Namen waren und ein irrationales Lachen drängte seine Kehle hinauf.
Wo bist du Aliya? Ich hätte gern ein letztes Mal ...
Und sein Sohn – so gerne hätte er noch einmal seinen Sohn im Arm gehalten. Wenn er es denn noch gekonnt hätte. Wie groß er jetzt wohl war?
Ach verdammt! Ich werde noch nicht einmal erfahren, wer diese Schlacht gewinnt.
Es war einfach ungerecht!
Das Atmen fiel Thakis mittlerweile schwer, aber noch zwang er die scharfkantige Luft in seine Lungen, während Blut träge zwischen seinen Fingern hervorquoll und den felsigen Boden benetzte.
Er schloss kurz die Augen, um sich zu konzentrieren und öffnete sie dann wieder. Um ihn herum tobte weiterhin die Schlacht. Es erfüllte Thakis mit einer gewissen Genugtuung, dass auf die Dunkelelben Verluste zu beklagen hatten. Doch der Feind hatte die Oberhand, definitiv. Noch immer wüteten die berittenen Duredhel unter seinen Kriegern, nur wenn ihre Reittiere irgendwie zu Fall gebracht wurden, gelang es den Menschen einige von ihnen zu töten. Doch die Zahl der Menschen schwand immer schneller.
Es war aus.
Auch das zweite von Thakis Beinen gab nun mit einer Verspätung nach und der General kniete, wie in einer grotesken Anbetung des Untergangs. Wieder fand ein Duredhel seinen Weg zu ihm. Diesmal noch hoch zu Ross, blickte er auf den Verwundeten herab. Lichtflecken tanzten vor Thakis Augen.
Diesmal kein Retter in der Nähe? Dann bring es endlich zu Ende.
Als hätte er die Aufforderung vernommen hob der Dunkelelb seine Klinge und ließ sie -
Kriegshörner.
Ein langgezogener, tiefer, ja grollender Ton wurde von den Steilwänden der umliegenden Gipfel zurückgeworfen.
Kriegshörner.
Zuerst vermutete Thakis, dass er sie sich ob seines Blutverlustes nur einbildete, aber auch der Duredhel hielt und inne und blickte zurück in die Richtung, aus der die Dunklen gekommen waren.
Der falschen Richtung.
Thakis schüttelte den Kopf und war am Rande überrascht, dass es noch funktionierte.
Wieder der langgezogene Ton. Fast klagend, der endgültige Todesgesang für die Menschen.
Kriegshörner.
Doch der Duredhel riss sein Alptraumpferd herum und stürmte zurück in Richtung Wall und Thakis versuchte zu erkennen, was vor sich ging, obwohl seine Sicht immer wieder verwischte.
Weiter unten, in der Nähe des Waldrands, schimmerte Stahl. Eine Mauer glänzender Rundschilder, eine geschlossene Schlachtformation.
Soweit er erkennen konnte, menschliche Krieger, obwohl irgendetwas mit den Größenverhältnissen und der Entfernung nicht zu stimmen schien, als stände eine Armee von Kindern vor ihm. Thakis schob auch dies auf den Blutverlust.
Eine einzelne Gestalt hatte sich von der Schlachtlinie gelöst und sich zu ihr hingedreht. Die anderen Krieger schlugen mit Äxten gegen ihre Schilder.
Bin ich schon tot?
Währenddessen lösten sich immer mehr Duredhel aus den Scharmützeln und preschten zum Wall, setzten darüber hinweg, formierten sich neu. Gingen zum Angriff über, um der offenbar überraschenden neuen Gefahr zu begegnen.
Ein Gefühl von Schwerelosigkeit überwand die Müdigkeit, die den General erfüllt hatte. Etwas grummelte in seinem Brustkorb, knapp unter seiner Kehle. Eine Anspannung, die in den letzten Tagen schneller verloschen war, als sie entstehen konnte. Und die Thakis anzuheben schien, obwohl er sich nicht bewegte.
JA!
Thakis wollte sein Schwert heben und auf den Rücken des Feindes deuten. Doch sein Arm gehorchte ihm nicht mehr.
Er wollte den Angriffsbefehl brüllen, bis seine Lungen platzten, doch seine Kehle hatte keine Worte mehr.
ANGRIFF! Greift an ihr Idioten! Jetzt oder nie! ANGRIFF! ANGRIFF! ANGRIFF!
Und die Überreste der vereinigten Streitmacht von Menschen und Caladhir gehorchte auch ohne den Befehl ihres Generals. Menschen und Elben setzten sich in Bewegung, begannen zu laufen, immer schneller, den Hang hinab. Immer mehr Stimmen vereinigten sich zu einem kollektiven Kriegsschrei.
Eine bunt zusammengewürfelte Truppe war es, die den Duredhel folgte, um ihnen in den Rücken zu fallen, während diese sich wieder zur Lanze formiert hatten und auf den Schildwall der neuen Bedrohung prallten.
Und ins Stocken geriet, als ihre Gegner nicht wankten, sich gegenseitig mit ihren Schildern stützten und gefallene Krieger sofort ersetzten. In Mitten von all dem stach eine hochgewachsene Kriegerin hervor. Ein Blondschopf.
Aber vielleicht war auch nur der Wunsch Vater der Gedanken.
Keuchender Husten brachte den rostigen Geschmack von Blut mit sich.
Thakis kippte nach vorn und blieb mit dem Gesicht im Staub liegen, als der Schmerz kam.
Scheiße.

Die meisten Menschen haben überdurchschnittlich viele Arme und Beine ...

Wanderer zwischen den Welten und der
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Beitrag #2 |

RE: Hammer und Aboss (vor 1654 Jahren) X
Hallo Weltenwanderer,

Ich habe gesagt, dass ich dir die Treue bis zum letzten Teil halte und mein Versprechen habe ich gehalten

Zitat:Wenige Schritte hinter Thakis brach ein Schwertkämpfer mit einer klaffenden Wunde in der Schulter zusammen, das Alptraumpferd 
Alptraumpferd habe ich schon öfter gelesen, scheint eine bestimmte Art zu sein

Zitat:Der Mensch hob sein Schwert – oder er versuchte es zumindest, doch obwohl sein Geist definitiv den Befehl gab, leistete sein so unangenehm tauber Arm ihm nicht folge. 
Folge groß

Jetzt ist Thakis wirklich gestorben  Smiley_frown Smiley_frown Smiley_frown und ich bin für den Rest des Tages traurig. Das Schlusswort finde ich noch mal witzig. Kurz und prägnant bringst du es auf den Punkt. Leider erfahren auch die Leser nicht, wie die Schlacht endet aber ich denke, dass ist auch so gewollt. 
Mir hat es auf jeden Fall gefallen, eine kleine Schwäche für die Duredhel habe ich entwickelt. Mochte schon immer lieber die Bösen.

Man liest sich bestimmt bald mal wieder 

Bis dann  Wave

Liebe Grüße Persephone

Den Stil verbessern, das heißt den Gedanken verbessern

(Friedrich Nitzsche)



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