Es ist: 17-01-2022, 02:53
Es ist: 17-01-2022, 02:53 Hallo, Gast! (Registrieren)


5 Wörter - Teil 40 (es rauscht) (abgeschlossen)
Beitrag #21 |

RE: 5 Wörter - Teil 40 (es rauscht)
Ich auch nicht: irgendwann in zehn Jahren, definitiv. Icon_wink


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Beitrag #22 |

RE: 5 Wörter - Teil 40 (es rauscht)
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Viel spaß damit - es ist wirklich albern Icon_ugly

Malte und Christian Episode 2
Shopping


„Sieh mal, Malte, ist diese Jacke nicht wunderschön?“
Evangelina umschwärmte begeistert eine fahlhäutige Ankleidepuppe, deren grellgeblümtes Jäckchen einen Designer-Bauchnabel unverhüllt präsentierte und Malte dazu zwang, dieses hirnlose Magermodell vor seinem geistigen Auge gegen Evangelinas wohlgeformte Hüften auszutauschen.
Um ihn herum schien alles im Kaufrausch. Dickleibige und Dünnhäutige schoben sich zwischen viel zu eng platzierten Regalen und Kleiderkreiseln hindurch, zerwühlten die Grabbeltische und hinterließen eine sichtbare Spur der Verwüstung. Die Parfumabteilung verpestete die Luft mit geschätzten tausend verschiedenen Duftstoffen, die unbescholtene Besucher in die Flucht schlugen.
Malte versuchte, nicht zu atmen. Er wusste längst, warum Lautsprecher LAUT-SPRECHER genannt wurden und wünschte sich ein Luftgewehr.
„Bin mal in der Technik“, verabschiedete sich Christian, küsste Saskia auf den Mund und verschwand zwischen quietschenden Kleiderkarussels irgendwo im Dschungel.
„Probier sie an“, drängte Saskia und zog Evangelina in die nächste Umkleide.
Malte runzelte die Stirn. Er stellte sich in sicherem Abstand vor die gut besetzten Kabinen und trat von einem Fuß auf den anderen. Die Jungs waren jetzt in der Sonne auf dem Beachvolleyballplatz und würden ihn vermissen. Warum konnte er nur nicht NEIN sagen?
Eine korpulente Pubertierende, einen Pulk gleichaltriger im Schlepptau, drängte ihn zur Seite, um sich im Spiegel zu begutachten. Hineingezwängt in eine einheitsfarbene Slimfit-Jeans sah sie aus wie ein Mops in einer Wurstpelle. Malte schaute kopfschüttelnd zu Boden. Warum nur musste alle Welt samstags ins Kaufhaus? Nach einer gefühlten Ewigkeit hörte er, wie ein Vorhang zurückgeschoben wurde und blickte hoffnungsvoll auf. Die gepresste Blauwurst war verschwunden, stattdessen zeigte das Spiegelbild einen Goldrausch von Locken in einem grellgeblümten Jäckchen und einer einheitsfarbenen Slimfit-Jeans, in der Mitte einen wohlplatzierten Designerbauchnabel. Malte starrte fasziniert auf dieses Gesamtkunstwerk.
„Kara?!“, entfuhr es ihm.
Kara drehte sich um.
„Malte?“ Eine schön geschwungene Augenbraue hob sich kaum merklich in die Höhe. „Malte, der Esel?“ Sie lachte ein glockenhelles Lachen und Malte schmolz dahin. Er erinnerte sich an den letzten Weihnachtsmarkt und fühlte das Blut in seine Wangen steigen.
Sie kennt meinen Namen, frohlockte er und geriet in einen Freudenrausch. Lässig gab er den Modeguru und betrachtete sie wie eines seiner Bunnies:
„Ein Traum von Frühling, ein zarter Hauch von einem Rosenbuqet, ein goldumwehter Sonnentag – dieses zauberhafte Jäckchen hätte ich nicht besser für dich entwerfen können!“
Kara antwortete mit einem verführerischen Augenaufschlag: „Malte, der Aufschneider?“ Sie lachte. Ihre Stimme war süß wie Himbeersirup. Malte lachte ebenfalls und fühlte sich wie ein Trottel.
Jemand trat zwischen Kara und den Spiegel und Malte sah plötzlich ZWEI grellgeblümte Jäckchen und einheitsfarbene Slimfit-Jeans, nur war der Bauchnabel von diesem zweiten Model irgendwie verrutscht – oder so. Er blinzelte irritiert. Evangelina blickte nach links auf Karas langbeinige Traumfigur, drehte den Kopf nach rechts und sah im Spiegel zweifellos das, was Malte auch ohne Hilfsmittel allzu deutlich erkennen konnte. Saskia begab sich an Maltes Seite und schmunzelte: „Ja, sie hat es gehört.“
Malte zog den Kopf zwischen die Schultern. „Kara, das ist Evangelina, Evangelina ...“ Er verstummte, als ihn ihr Blick traf.
„Ach wie hübsch, Partnerlook, das steht ihnen beiden aber wirklich gut.“ Eine ahnungslose Verkäuferin trat hinzu und bemühte sich enthusiastisch um ein positives Verkaufsergebnis. Saskia kicherte. Kara und Evangelina warfen ihr böse Blicke zu.
„Bei ihnen könnte das Jäckchen aber ruhig eine Nummer größer sein“, wandte sich die Mittfünfzigerin an Evangelina.
Super. Das war’s! Malte wünschte sich einen Vollrausch.
Ein seltsames Summen bohrte sich in sein Bewusstsein. Saskia stieß ihn an und deutete nach oben. Er folgte ihrem Blick und entdeckte einen winzigen Quadrocopter, der ziemlich unkontrolliert über ihren Köpfen hin und herschwankte. Die Verkäuferin erschrak.
„Huch, was ist das?“ Die Drohne taumelte nach unten und streifte ihre exquisit aufgetürmte Frisur. „Huch, Hilfe, was soll das? Weg, weg!“ Heftig um sich schlagend wich sie zurück. Die Minidrohne schnellte nach oben, kreiselte etwas ziellos herum und steuerte eine elliptische Bahn über dem Kopf der Dame an. Die Verkäuferin stolperte rückwärts gegen einen wackeligen Sonnenbrillenständer und schmiss ihn um. „Hach, hilfe, hau ab, du Biest, weg mit dir!“ Die Brillen flogen nach allen Seiten, der Ständer brach krachend auseinander. Die Drohne verfolgte die kreischende Frau.
Kara war in der Kabine verschwunden, Malte und Saskia tauchten hinter einem Kleiderständer ab. Evangelina stand völlig unbeweglich vor dem Spiegel und sagte kein Wort. Der Vorgang war nicht unbemerkt geblieben. Die Leute schauten sich verunsichert um. „Was ist los? Da stimmt was nicht!“ Keiner wusste Bescheid. Dann schrie einer „raus hier!“ Frauen kreischten, Männer schrien „Ruft die Polizei! Sofort raus hier!“, und das Kaufhaus verwandelte sich in ein Inferno von drängelnden und schubsenden Menschen, die fluchtartig das Weite suchten.
Malte und Saskia schauten sich verwundert an. „Christian?“, fragte Malte. „Christian“, bestätigte Saskia und grinste über das ganze Gesicht. Sie verließen ihre Deckung und liefen der bedrängten Frau hinterher.
Die Verkäuferin änderte ihre Taktik. Ganze Schimpftiraden ausstoßend, griff sie nach einer Rolle Geschenkpapier und ging zum Gegenangriff über. Malte hätte ihr eine solche Beweglichkeit gar nicht zugetraut. Sie schlug um sich, als ginge es um Leben und Tod.
Die Drohne war schneller. Um sich kreiselnd, blitzschnell auf und nieder steigend brachte sie die Frau zur Weißglut.
„Mann, die bekommt ja einen regelrechten Blutrausch!“, staunte Malte. Und dann geschah es: Bang! Wie ein Baseballschläger traf die Geschenkpapierrolle den Quadrocopter und schleuderte ihn mit voller Wucht gegen eine Säule, dass er in alle Einzelteile zerbarst. Die Verkäuferin stand atemlos mit aufgelösten Haaren, triumphierend die zerfetzte Rolle in die Höhe schwingend und rief lauthals:
„Du Biest bist besiegt, jawoll, in der Hölle sollst du schmoren!“ Dann sah sie sich irritiert um und fragte: „Ja, wo sind sie denn alle?“
Evangelina krümmte sich vor Lachen vor dem Spiegel und konnte kaum an sich halten. Malte fasste sie an der Hand und schleifte sie in Richtung Technikabteilung.
Christian kam ihnen bereits entgegen. Er grinste so breit wie ein Honigkuchenpferd. Er hatte Tränen in den Augen. „Ich habe ja nicht geahnt, dass sie so ausrastet.“
„Ihr ist nichts passiert“, erwiderte Saskia, „aber wenn wir nicht verschwinden, passiert uns was.“ Sie hetzten zum Ausgang. Von Kara war nichts zu sehen.
Abends saßen sie gemütlich bei Saskia auf dem Sofa bei Sushi und Bier.
„Schade um die schöne Jacke“, seufzte Evangelina. „Leider ist sie kaputtgerissen, als ich den Lachkrampf bekam. Aber sie war ja für Kara creiert und mir sowieso ein wenig zu grell.“ Malte rutschte etwas tiefer in die Kissen.
„Aber, Malte, wir können nächsten Samstag ja nochmal losgehen.“ Evangelina grinste Malte gespielt boshaft ins Gesicht, dann küsste sie ihn zärtlich auf die Wange und auf den Mund.
Malte vergaß Kara und ließ sich an diesem Abend von Sushi, Bier und Evangelina verwöhnen.


Liebe Grüße von slainte (lacht immernoch) music


Mich kann man nicht komprimieren!

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Beitrag #23 |

RE: 5 Wörter - Teil 40 (es rauscht)
Danke fürs Mitmachen slainte,
deine Geschichte wird z.Z. geprüft.

In den kommenden Tagen wird dann der Gewinner verkündet Wait


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Beitrag #24 |

RE: 5 Wörter - Teil 40 (es rauscht)
(...) bin ich überhaupt kein Fan von 2-Weltkriegs-Geschichten -
einfach weil wir damals in der Schule so unendlich viele davon lesen mussten.“
(Rick)

„Ohne Vergangenheit und ohne Gegenwart gäbe es auch keine Zukunft.
Deshalb gilt es, die Vergangenheit zu bewahren, die Gegenwart zu leben und die Zukunft zu gestalten.“
(Wolfgang Kownatka)



Countdown: Addendum


R A U S C H E N

(30.12.2011)

Die ältere Frau, die allein am Geländer der hölzernen Promenade stand, nickte sich selbst zu, während sie den Blick in die Ferne richtete. Durch den abklingenden Wintertag, über das Meer bis zum Ende der Welt. Ruhig und friedlich. Nichts bewegte sich hier, abgesehen von einer grauen Wolkendecke aus Elefanten, die nahe des Horizonts vorbei pilgerte.
Wunderschön, dachte sie, strich sich eine Strähne ihres schwarzen Haars hinters Ohr und drückte sich in ihren dicken Mantel hinein. Genauso wie damals, als Kind.
Hier gab es keine Hektik, keine Schnelligkeit. Nur die Natur, die neben dem Meer auch die Steilküste im Rücken der Frau umfasste. Die Promenade selbst war schon uralt, genau wie die Häuser, die den Weg säumten. Aus einer anderen Zeit, was man leider auch sehen konnte: Das Geländer war abgegriffen, die dicken Holzbretter abgelaufen und die Gebäude verwaist. Farbe war schon lange keine mehr aufgetragen worden. Einige Dächer bogen sich bereits unter der Schneelast. Lange würde es nicht mehr dauern, bis die Frage, ob man überhaupt finanzielle Mittel aufbringen sollte, sich erübrigen würde.
"Wunderschön", murmelte die Frau, die etwas abseits der Gebäude stand und deren Blick weiter in die Ferne gerichtet war. Es war ausgesprochen kalt und der Atem, der in kleinen Wölkchen aus der Nase kam, erfror bereits nach wenigen Sekunden.
Sie griff in ihren dicken Mantel, holte eine zerknitterte Schachtel hervor und öffnete sie. Ein kritischer Blick hinein, der sowohl von der Gestik, als auch eventuellen Lauten unkommentiert blieb. Neben dem Feuerzeug nur noch eine Zigarette darin, die sie schließlich heraus nahm.
Die letzte, dachte die Frau, steckte sie sich zwischen die Lippen und zündete sie an. Leider.
Zwischen inhalieren und den entstandenen Rauchzeichen starrte sie wieder in die Ferne.
Früher, als kleines Mädchen, hatte sie mit ihren Eltern hier gestanden und wollte es partout nicht glauben, dass die Welt keine Scheibe sei. Auch wenn sie es jetzt besser wusste, sah es dennoch anders aus.
Früher, dachte sie und der Klang des Wortes in ihren Gedanken klang wehmütig. Da lebte die Vergangenheit mehr als heute.
Sie erinnerte sich an den Freudenrausch der Stadtleute, die im Sommer tagtäglich mit der Samlandbahn ankamen. Vom Bahnhof mit der Seilbahn hinunter zum Meer gondelten und den Strand bevölkerten. Überall Sonnenschirme, Handtücher, Liegen. Bekleidete oder Anhänger der Freikörperkulturen. Manchmal waren auch Prominente darunter. Heinz Rühmann, Thomas Mann oder Käthe Kollwitz - zumindest wenn man ihren Eltern und der Großmutter glaubte.
Ein Geräusch raschelte sich durch ihre Wahrnehmung und holte den Blick aus der Ferne zurück. Sie schaute nach unten und sah die ersten Seiten einer Zeitung, die zerknittert über den Holzboden glitt.
Die Frau beugte sich hinunter und hob sie auf.
Auf dem Titelblatt stand in großen Lettern Hartungsche Zeitung, dann das Datum von Gestern und schließlich ein riesiges Bild eines Zeltlagers irgendwo in Tansania, das vom Zivilschutzkorps betrieben wurde. Darunter die erste Schlagzeile:
Bürgerkrieg in Äthiopien: Rebellen nehmen Regierungssitz ein.
Gefolgt von der zweiten:
Flüchtlingsstrom nach Europa reißt nicht ab. Asylzahlen erreichen Höchstwerte.
Sie starrte auf die Titel, minutenlang.
Dann faltete sie die Zeitung mehrmals ordentlich in der Mitte und steckte sie in den Mülleimer, der einige Meter entfernt und bereits Rost angesetzt hatte. Direkt danach noch die inzwischen verglühte Zigarette, der sie einen wehmütigen Blick hinterher warf.
Sie zwang sich nicht nachzudenken, als sie dem Meer den Rücken kehrte. Trotzdem konnte sie es nicht verhindern, dass vor ihrem inneren Auge andere Zeiten aufblitzten: Wie sie als Fischer hinausfuhr, begeistert von der Seewelt und dem Wind dort draußen. Zuerst auf Heuer, später hatte sie ein eigenes Boot, bis der Fischfang aus Naturschutzgründen eingestellt worden war. Seitdem hatte sie eine Umschulung absolviert, war als Computerspezialistin hier in der Gemeindeverwaltung eingestellt worden.
Vom Fischer zum Hacker, eine steile Karriere.
Sie versuchte die Bilder abzuschütteln, während sie den breiten Steg zurück zu den alten Häusern ging. Beruflich hatte sie im Gegensatz zu vielen Anderen Glück gehabt, aber privat hatte der geliebte Job als Fischer seine Spuren hinterlassen. Sie war wortkarg, hatte kaum bis gar keine Kontakte zu männlichen Vertretern ihrer Spezies. Und wenn es doch dazu kam, dann entpuppten sich ebendiese Männer als Menschen, die noch nicht einmal richtig zupacken konnten. Nagelknipser und -feilen im Bad. Feine Garderobe und Mode-Parfums. Der Begriff Metrosexuell hing immer wie ein Damoklesschwert über deren Köpfe und meistens warf sie die sogenannten Männer nach einer Nacht wieder hinaus.
Sie hatte die alte Seilbahn erreicht, die die Steilküste hinaufführte. Die Zweiersitze hatten ihre besseren Zeiten ebenfalls schon lange hinter sich, aber sie störte das nicht. Nachdem sie den grauen Kasten an der Seite geöffnet und die Bahn aktiviert hatte, setzte sie sich in die Sitze, die daneben hingen und drückte den Startknopf.
Es ruckelte, wie ein Fahrschüler bei seiner ersten Stunde, doch nach einigen Sekunden wurde es ruhiger und gleichmäßiger, während sie die Steilküste hinauf gezogen wurde. Die Häuser, der Steg und das Damals glitten unter ihren Füßen davon und waren bald verschwunden. Dafür tauchten die stählernen Stützen der Seilbahn inmitten der kahlen Bäume des Hangs auf, die sie in langsamen Tempo passierte.
Immer weiter hinauf, bis schließlich die Gebäude des Ortes zu sehen waren. Umgarnt von vielen Winterbäumen und verschneiten Grasflächen, Parkanlagen. Die meisten Häuser waren ebenso verlassen, wie die am Strand. Zwischen den Gassen hatte sich der Schnee meterhoch gestapelt. Die Straßen waren teilweise geräumt, was auch nur daran lag, dass dort Lastwagen abgestellt waren. Auf den ausufernden Anhängern konnte sie Bagger, Gabelstapler und noch verzurrte Kräne erkennen. Nur keine Bauarbeiter, die würden später kommen.
Die Seilbahn endete in der Nähe des alten Bahnhofs in einem halbrunden Gebäude, das ebenfalls schon bessere Zeiten gesehen hatte. Die Kabine schaukelte noch ein bisschen, als der Seilzug stoppte.
Sie konnte sich an den ersten Kuss erinnern, genau hier, bei einer der ersten Fahrten mit der Seilbahn. Der Junge hatte es nicht richtig hinbekommen, was nach mehrmaligen Versuchen in einem schamroten Gesicht endete.
Später, dachte sie, später war er besser. Bevor er starb.
Die Frau seufzte, stieg aus, näherte sich dem Ausgang und schaltete vorher noch die Anlage ab.
Draußen sah sie wehmütig auf das verlassene Kassenhäuschen. In ihrem Kopf hörte sie noch das Lachen, das Schreien vor Glück der Besucher, die von überall aus dem Bundesland hierher gekommen waren. Meistens konnte der arme Kassenwart dem Ansturm nicht gerecht werden - und jetzt war da keine Schlange vor dem Fenster. Keine Schlange, die sich fast bis zum Bahnhof erstreckte.
Sie wandte sich ab, schaute in Richtung Ortsmitte, vorbei am alten Hotel links (wo sie auch schon des Öfteren genächtigt hatte, als ihr Haus renoviert worden war) und dem Bahnhofsgebäude rechts. Die Gleise der Samlandbahn endeten einige Meter davor und wäre der Schnee nicht gewesen, hätte man Schienen gesehen, die vom Gras erobert worden waren.
Sie steckte die Hände in die Tasche und ging langsam los. Zwischen den beiden Gebäuden hindurch, durch die Parkanlage, die sich dahinter erstreckte. Alte Holzbänke, teilweise noch in Ordnung. Die Wege verwachsen. Die Treppen mit den ausladenden Stufen, die aufgrund der Höhenunterschiede gebaut worden waren, nur mit Vorsicht zu betreten. Und die weit auseinander stehenden Bäume, weiß und tot.
Nur in ihrem Kopf sah es noch anders aus: Zu Zeiten ihrer Großeltern war es hier so wie in Palmnicken, wo aufgrund des Bernsteins ein wahrer Goldrausch entstanden war. Nur war es hier weniger das Gold der Ostsee, sondern die Geschäfte, die sich aufgrund der gutzahlenden Besucher gebildet hatten. Luxusartikel en masse. Wenn die Herren und Damen nicht zum Strand gingen, dann bestimmt in ein sündhaft teures Geschäft und verfielen dort dem Kaufrausch.
Sie drückte die Gedanken beiseite, konzentrierte sich auf ihre Atmung, die Schritte, die Kälte, die sich durch ihren Mantel biss.
Die wenigsten Menschen, dachte sie und stapfte traurig weiter, hatten es aus dem Damals ins Heute hinüber geschafft.

Ein paar Minuten später wanderten die Bäume näher an den Weg heran, wurden dichter und formten sich zu den ersten Ausläufern des Waldes, der den Ort außerhalb umgab. Mittendrin ein Haus, vor dem sich bereits einige Dutzend Menschen angesammelt hatten.
Ein paar davon kannte sie vom Vorübergehen. Die blonde Alexandra aus dem Haus unten am See. Eine alleinerziehende Mutter, wenn man von Pietro absah, der für alle offensichtlich in Alexandra verknallt war - nur Alexandra selbst sah es anscheinend nicht. Hans-Günther Gerdes, der am anderen Ende der Stadt wohnte und ein Faible für Zeitgeschichte besaß. Herr Pawlowski, ein älterer Mann, Rentner und leidenschaftlicher Blumenzüchter, der sein Haus nahe des Bahnhofs hatte. Oder Lee, der das chinesische Restaurant betrieb, auch wenn es eher eine Imbissbude darstellte. Einzig Franklin stach aus der Menge heraus, aber nicht aufgrund seiner beinahe makellosen ebenholzfarbigen Haut, sondern weil er in sich gekehrt war. Manchmal sagte er etwas, versuchte die Botschaft mithilfe eines einzigen Wortes zu übertragen. Ansonsten blieb er still, viel zu still.
Während sie sich der Menschenmenge näherte, konnte sie ein Plakat über der Haustür erkennen:
Die Stadt Rauschen - 2022.

Ein Witz, dachte sie. Rauschen ist ein Ort. Eine kreisangehörige Gemeinde, die ihre Stadtrechte lange verloren hatte.
Sie blieb einige Meter davor stehen, nickte den bekannten Gesichtern freundlich zu, als sich eine fremde Hand auf ihre Schulter legte.
"Margret", hauchte ihr eine brummige Stimme ins Ohr, bevor sich dessen Gesicht in ihr Blickfeld schob und sie anlächelte. "Schön Dich zu sehen."
Für wen, dachte sie, lächelte aber zurück und antwortete: "Hallo Matthias."
Der Mann war scheinbar genauso alt wie sie, beinahe sechzig, hatte sich aber in seinen feinen Sonntagsstaat geworfen.
"Und?", fragte er, schnupperte an ihrem Mantel und rümpfte dann für einen Moment die Nase. "Hast wieder am Strand eine Zigarette geraucht?"
"Du meinst sicherlich: die letzte Zigarette."
Er lächelte zufrieden und nickte wieder.
"Ist besser, Margret, glaub mir", sagte er. "Zigaretten haben in diesem Land nichts zu suchen. Außerdem ist das wichtig für Deine Geruchsausstrahlung."
Meine ... was?
"Ist gut, dass diese Suchtmittel endlich europaweit verboten werden."
Aber erst ab Übermorgen, dachte sie, sprach den Gedanken aber nicht laut aus sondern zeigte auf das Plakat über der Tür. "Worum geht es hier?"
"Das erfährst Du drinnen." Er bot ihr lächelnd einen Arm an. "Kommst Du mit?"
Sie starrte für einige Sekunden auf den Ärmel der dunklen Jacke, überlegte, wie oft sie den Mann in ihrem Leben hat abwimmeln müssen, dann hakte sie sich bei ihm ein.
"Ich muss wohl", antwortete sie. "Du bist ja schließlich der Bürgermeister."

Im Inneren des Hauses, das schon viel zu lange als Rathaus-Ersatz genutzt wurde, hatten alle Gemeinderatsmitglieder kaum Platz, was weniger an den Sitzgelegenheiten, als an den Quadratmetern des unterirdischen Gesellschaftsraums lag. Man rückte mit den Stühlen zusammen, so gut es eben ging, während am Kopfende ein Pult auftauchte. Und direkt dahinter das grinsende Gesicht des Bürgermeisters, der auch nur aus Sentimentalitätsgründen noch so genannt wurde. Eigentlich war Matthias Pätzing Vorsitzender des Rates. Und ab 01.01.2012 würde seine Stellung nochmals abgeändert in City-Manager. Eine Erfindung der Europäischen Union, die das Bundesland Ostpreußen zu diesem Zeitpunkt als Sonderzone übernehmen würde.
Aus dem Grinsen wurde ein versuchtes Lächeln mit Anteilen von Wärme darin, als er bemerkte, wie der letzte Mensch endlich richtig saß. Dann legte er seine Hände auf das Pult und beugte sich ein Stück vor.
"Zuerst einmal einen guten Abend", sagte er und auch ohne Mikrophon hallte seine Stimme durch den Kellerraum. "Wie ihr sicherlich gesehen habt, trägt die informative Veranstaltung den Titel: Rauschen im Jahr 2022." Er schwieg einen Moment und versuchte Gegenschwingungen zu lokalisieren, doch es kam nichts. "Ich will es kurz machen: Alle wichtigen Details wird euch Frau Köster-Landau-Severing-Lidly vorstellen." Er drehte sich um und applaudierte, bevor die zierliche Dame in seiner Nähe auftauchte, beinahe wie aus dem Nichts. "Und da ist Sie auch schon."
Einige der Anwesenden klatschten verhallten, bevor sie bemerkten, dass sie die einzigen waren - dann hörten sie auf.
Die Frau quittierte es mit einem Nicken, als Matthias in den Schatten verschwand und sie dafür ins Rampenlicht Pult trat. Hinter ihrem Rücken wurde hastig ein riesiger Leinwandbildschirm nebst Klapprechner aufgebaut, doch sie richtete ihre Blicke ins Publikum.
"Sehr verehrte Bürgerinnen. Ich bin Frau Köster-Landau-Severing-Lidly, Vertreterin der Kulturstiftung zur Europäischen Union, zuständig für die Sonderzone." Sie schwieg für einen Moment und versuchte sich an einem warmen Lächeln. "Ab Übermorgen." Leider reagierte niemand, was sie mit einem unterdrückten Seufzen zur Kenntnis nahm. "Ich bin hier um sie alle über die Brüsseler Planungen zu informieren."
Stille im Keller. Die Anwesenden, die außerhalb des Lichts im Schatten saßen, bewegten sich. Einige Fragezeichen konnte sie auf den Gesichtern in der ersten Reihe erkennen. Mehr angedeutet, als wirklich vorhanden.
Von hinten reichte ihr jemand die Rede, die ihre Mitarbeiterinnen für sie geschrieben hatten. Sie legte die Seiten vor sich hin und wollte gerade beginnen, als sich eine zuerst räuspernde Stimme zu Wort meldete.
"Planungen?", fragte jemand. Ein ebenholzfarbiger Mann aus den hinteren Reihen. "Was denn für Planungen?"
Sie blinzelte, doch das Licht verhinderte, dass sie die Person weder richtig erkennen, noch identifizieren konnte.
"Die Planung, wie eine nachhaltige Zukunft auszusehen hat", antwortete sie. "Und ich würde sie bitten, mit ihren Fragen bis nach dem Ende zu warten."
Das Schweigen kehrte zurück und holte langsam Luft.
"Nun gut, dann beginnen wir." Sie schaute auf die erste Seite des Manuskripts. "Die Union hat es sich zum Ziel gesetzt, strukturschwache Regionen in der Sonderzone zu fördern. Die Gemeinde Rauschen ist der erste Ort, dem sich die Förderung widmet. Der Grund dafür liegt darin, dass hier ungenutzte Potentiale und Synergieeffekte vorhanden sind, die als Basis für das Vorhaben dienen werden."
Ein Glas Wasser wurde ihr von der Seite aufs Pult gestellt, während der Beamer plötzlich aufleuchtete und das Hintergrundbild des Klapprechners an die Leinwand warf.
"Unter anderem, weil es sich hier um ein ehemaliges Touristenziel handelt und aufgrund dessen die Umwelt weniger zerstört wurde, wie es leider bei anderen Ortschaften der Fall ist."
Eine blaue Fahne mit einem Kreis aus goldenen Sternen in der Mitte. Dann verschwand der Desktop und das Bild von Rauschen erschien. Mit einer Steilküste. Mit einer modernen Seilbahn. Und mit einem umgestalteten Ortskern. Einige Gebäude waren klar zu erkennen, andere fehlten. Dafür standen an Stellen, wo jetzt Bäume oder der See war, neue Häuser, die sich mit ihren Fassaden perfekt ins Gesamtbild einfügten.
Ratlose Stille. Die Zuhörer bewegten sich nicht.
Die Frau am Pult zwang sich ruhig zu bleiben.
Seitdem die zahlungsunfähige Landesregierung das ehemalige Bundesland mehr oder weniger an die Union abgegeben hatte, blühten die Fantasien in den Brüsseler Behörden regelrecht auf. Endlich hatte die Union eigenes Land, mit dem sie zeigen konnte, was sie unter einer nachhaltigen Zukunft verstand. Ganze Abteilungen waren aus dem Boden gestampft worden, damit auch nur jedes denkbare Szenario - und jede Fantasie - geprüft werden konnte. Mit dem Ergebnis, dass bereits für den Tag X, die Übergabefeier am Neujahrstag, alles bereit stand. Nur die Reaktionen der neuen Unionsbürger konnte niemand genau vorhersagen, daher die verständliche Anspannung.
Einige Blicke blieben an dem Bild auf der Leinwand haften, versuchten sich dort in der Zukunft zurechtzufinden. Andere Köpfe ruckten etwas herum, starrten die Frau am Pult an. Irgendwann nach einigen Sekunden, die viel zu lange gedauert hatten, eine Frage. Irgendwo aus dem mittleren Bereich. Eine ältere Stimme, männlich.
"Und wie genau sieht das aus?"
Sie unterdrückte den Impuls, erneut auf das Ende der Info-Veranstaltung zu verweisen und setzte wieder ein warmes, charmantes Lächeln auf.
"Wie sie sehen, wird die fehlgeleitete Bebauung der letzten Jahrhunderte nachhaltig korrigiert", antwortete sie. "Der Anteil der Grünflächen wird erhöht, Gebäude, die keinen effektiven Nutzen mehr haben entfernt."
Sie nahm einen Zeigestock aus dem Pult und tippte nacheinander auf einige Punkte des zukünftigen Rauschens.
"Der Strandbereich wird überarbeitet, modernisiert und leidensgerecht ausgebaut. Die dafür notwendigen Umbauten sehen einen Fahrstuhl zusätzlich zur Seilbahn vor. Desweiteren wird der Sackbahnhof, der den Endpunkt der Samlandbahn darstellt, erweitert. Demnächst wird es also auch Verbindungen nach Libau geben."
Ein bisschen Stolz schwang in ihrer Stimme mit, als sie wieder einmal für sich selbst feststellen musste, wie greifbar die europäische Zukunft geworden war. Der perfekte Kontinent. Mit der perfekten Gesellschaft, inmitten einer urbanen Landschaft, die Effektivität, Effizienz und Nachhaltigkeit nicht länger kleinschreiben würde. Nie wieder.
"Und warum das alles?", fragte der alte Mann.
Sie stutzte, verharrte für eine schrecklich lange Sekunde.
Viele Fragen hatte man in Brüssel von der Bevölkerung erwartet, unter anderem wann es endlich losgehen würde, wie lange es brauchen würde oder sowas in der Art. Aber diese Frage dürfte sich gar nicht stellen. Durfte es schlichtweg nicht, daher war ihr die Stille sichtlich unangenehm, während sie überlegte, wie sie darauf antworten sollte. Bevor sie jedoch dazu kam, meldete sich der alte Mann wieder zu Wort.
"Ich spreche nur für mich", sagte er und er zeigte in Richtung der Leinwand, "aber warum ist mein Haus da beim Bahnhof nicht mehr zu sehen?" Er brummte ein "Hm". "Und wo sind meine Blumenhäuser hin?"
Frau Köster-Landau-Severing-Lidly hob die Augenbrauen, presste die Lippen aufeinander und suchte immer noch nach einer Antwort, als Matthias wieder neben ihr auftauchte.
"Das ist Herr Pawlowski", flüsterte er der Frau am Pult zu und sagte etwas lauter: "Pjotr, Du wirst woanders untergebracht."
"Ich will aber nicht woanders hin", rief der alte Mann und in seiner Stimme schwang jetzt Ärger mit. "Das ist mein Zuhause!"
"Du wirst ordentlich entschädigt, vertrau mir."
"Entschädigung? Ich will dort wohnen bleiben!"
Stille. Die Stimmung schien in der Luft zu hängen, einen Moment bevor sie kippen würde. Die Frau dachte noch darüber nach, wie man es verhindern konnte, als die nächste Frage kam.
"Verzeihen Sie bitte", sagte eine jüngere Frau mit blonden Haaren und zeigte auch in Richtung der Leinwand. "Was steht da auf dem Ortseingangsschild neben dem Kindergarten?"
Man konnte spüren, wie die Blicke zu dem kleinen gelben Rechteck wanderten und das Wort zu entziffern versuchten. Rauschen stand dort jedenfalls nicht.
Wieder war es Matthias, der der Frau am Pult half.
"Die Stadt wird einen Namen bekommen, der ihrer würdig ist", sagte er und lächelte dabei, als wollte er Versicherungen verkaufen. "Ein Name, der auch die Willkommenskultur der Union ausdrücken wird."
"Und was für einen?"


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Beitrag #25 |

RE: 5 Wörter - Teil 40 (es rauscht)
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Beitrag #26 |

RE: 5 Wörter - Teil 40 (es rauscht)
Frau Köster-Landau-Severing-Lidly fand es nicht gut, dass Matthias tatsächlich antwortete.
"Elizeo", sagte er. "Stadt des Friedens, der Freundschaft und der Völkerverständigung."
Der alte Mann schwieg verblüfft, bevor er fragte: "Eli-was?"
"Elizeo. Das ist Esperanto."
"Wieso soll Rauschen denn umbenannt werden?", rief die Blonde von hinten. "Und wieso Willkommenskultur?"
Matthias schwieg. Sein Lächeln erstarrte. Und auch Frau Köster-Landau-Severing-Lidly konnte sich weder bewegen, noch zu einer Antwort durchringen. Vor allem einer, die alle Beteiligten beruhigt hätte.
Eine dritte Person meldete sich zu Wort. Klein von Statur, doch die knurrige Stimme klang, als hätte die Person auf den Werften in Königsberg gearbeitet. Jahrelang.
"Mein Restaurant ist auch nicht mehr da", sagte er. "Und auch mein Haus - weg!"
Frau Köster-Landau-Severing-Lidly überlegte fieberhaft und zwang sich schließlich zu einer Entscheidung. Schadensbegrenzung hieß die neue Strategie.
"Meine lieben Mitbürgerinnen", sagte sie, als der Restaurantbesitzer sich mit verschränkten Armen vor der Brust wieder hingesetzt hatte. "Ich kann es verstehen, wenn ihnen das alles neu und merkwürdig vorkommen mag." Kurze Pause, prüfender Blick in die Umrisse der Gesichter. "Europa muss sich auf die Zukunft vorbereiten, muss sich präsentieren, wenn es die ureigensten Werte der Welt dort draußen vermitteln möchte."
Die Gemeinderatsmitglieder schwiegen.
Man konnte es förmlich spüren, wie es in den Köpfen ratterte, wie sich dies als klarer Gedanke festigte. Sie wusste, dass es schwierig werden würde, die Mitbürgerinnen zu überzeugen, aber so schwer hatte sie es sich nicht vorgestellt.
Nun gut, dachte sie. Das ist das erste Mal. Da können Fehler passieren.
Matthias, der bis dahin stumm neben ihr gestanden hatte, räusperte sich, kramte wieder sein Versicherungsagentenlächeln hervor und trat einen Schritt vor.
"Abgesehen davon ist das natürlich keine Überraschung, nicht wahr?", meinte er. "Ihr habt die Landesregierung schließlich gewählt, die der Union dieses Angebot unterbreitet hat."
Frau Köster-Landau-Severing-Lidly atmete innerlich durch. Das Demokratie-Argument, dem sich die Anwesenden nicht entziehen konnten. Sie hatten es schließlich selbst in der Hand gehabt.
Die Stimmung schien nicht zu kippen und sie wollte wieder auf ihre Zettel schauen - doch bevor sie dazu kam, flackerte das Bild auf der Leinwand und wurde durch Schwarz ersetzt.
Schwarz mit weißen Buchstaben, die plötzlich auftauchten.
Langsam aneinandergereiht. Worte bildend. Zum Schluss ein Satz mit einem Fragezeichen.
Wieso nicht:
Rauschen, Stadt des Friedens, der Freundschaft und der Völkerverständigung?
Frau Köster-Landau-Severing-Lidly drehte sich um, starrte die Leinwand an, dann den Klapprechner, auf dem der gleiche Satz zu sehen war.
Was ist hier los?, dachte sie und stupste Matthias an, der sich dem Klapprechner fragend näherte. Doch sein anschließendes Klimpern auf der Tastatur blieb wirkungslos.
"Das würde mich auch interessieren!", rief jemand. Eine Stimme, die sie noch nicht kannte. "Rauschen ist ein prußisches Wort. Und die EU hat sich doch die Erhaltung der alten Sprachen Europas auf die Fahne geschrieben."
Die Taktik mit der Schadensbegrenzung schien nicht zu funktionieren, zumindest nicht ohne Überarbeitung. Frau Köster-Landau-Severing-Lidly atmete tief durch, versuchte sich wieder an ihrem warmen Lächeln und stützte sich mit den Händen am Pult ab.
"Bevor ich antworte, würde ich gerne wissen, wer das fragt", sagte sie und bemerkte, wie ihre Finger anfingen zu zittern.
Von einem Stuhl in der Mitte erhob sich ein Mann, den sie jetzt ohne die helle Leinwand besser erkennen konnte.
"Hans-Günther Gerdes", sagte der Mann. Mehr nicht.
Sie schaute ihn lange an, versuchte irgendwie zu erfassen, wie dieser Mensch wohl dachte und fühlte. Und wie sie dies wieder in Ordnung bringen konnte.
"Herr Gerdes", sagte sie und versuchte es mit einer kleinen Teilwahrheit. "Stellen Sie sich vor, dass neue Bewohner nicht länger aus der hiesigen Region kommen, sondern von überall. Da wäre ein Stadtname wie Rauschen mit einem nicht so positiven Klang behaftet, finden Sie nicht auch?"
Es sah so aus, als müsste Herr Gerdes erst noch die Sätze sortieren, dann schüttelte er den Kopf.
"Ich kann Ihnen nicht folgen."
"Die Assoziation des Stadtnamens mit negativen Deutungen wäre kontraproduktiv zum anvisierten Ziel. Besser?"
"Nein, tut mir leid."
Doch bevor sie es erneut versuchen konnte, wandte sich Matthias für einen Moment vom Klapprechner ab.
"Drogenrausch, Alkoholrausch, Vollrausch", antwortete er an ihrer Stelle. "Oder Blutrausch, Konsumrausch."
"Um Himmelswillen!", rief Gerdes. "Das hat doch mit Rauschen nichts zu tun!"
Matthias' Stimme wirkte ein bisschen verärgert.
"Für auswärtige Menschen ist die Verwechslungsgefahr einfach zu groß", sagte er und wandte sich wieder dem Klapprechner zu, der plötzlich nicht mehr den gleichen Satz anzeigte. Er runzelte die Stirn, als eine neue Frage auftauchte:
Was bedeutet Willkommenskultur?
Gerdes beugte sich vor und hob eine Augenbraue.
"Gehört das zu Ihrer Präsentation?", fragte er die Frau am Pult. "Ich kann nämlich mit dem Begriff tatsächlich nichts anfangen."
"Ich auch nicht", rief Herr Pawlowski, der einige Stühle neben ihm saß. "Ist das aus der Tourismusbranche?"
Nein, so sollte es nicht laufen, dachte Frau Köster-Landau-Severing-Lidly. Definitiv nicht. Und bevor sie antworten konnte, erschien der dritte Satz:
Warum verraten Sie den Anwesenden nicht ihre wahren Absichten?
Wo wird Pjotr Pawlowski demnächst wohnen?

Jemand hat Zugriff auf den Klapprechner! Sie schaute Matthias an, der einen ähnlichen Gedanken hatte, dann wandte sie sich wieder den Ratsmitgliedern zu. Irgendjemand von hier.
Das unheimliche Schweigen schlich durch den großen Kellerraum, wie ein Raubtier auf der Suche nach Beute.
Sie räusperte sich.
"Herr Pawlowski wird, wie einige andere Bürgerinnen auch, ein neues Zuhause bekommen", sagte sie. "Modern. Effektiv, effizient und nachhaltig gebaut."
"Was meinen Sie damit?", rief Pawlowski und sprang auf. "Einen Neubau? Und wo?"
"Einige Kilometer von der Stadt entfernt."
Die blonde Frau sprang empört auf.
"Ich bin alleinerziehende Mutter!", sagte sie. "Ich werde mit meinem Kind nirgendwohin umziehen!"
"Sie werden ja auch nicht umziehen, Frau Ulyanova", sagte Matthias. "Nur einige, nicht alle."
Und warum?
"Wer schreibt das?", fragte Frau Köster-Landau-Severing-Lidly. "Bitte zeigen Sie sich."
WARUM?
"Ja, verdammt gute Frage!" Der Restaurantbesitzer, der eigentlich nur eine Imbissbude hatte, nickte heftig, dann zeigte er auf die Frau am Pult. "Antworten Sie!"
Stille, in der nur Matthias Finger auf der Tastatur zu hören waren - bis er schließlich genervt das Energiekabel zog. Die Leinwand starb einen schnellen Tod und das letzte Wort verschwand.
"Sie können es ausschalten, wie Sie wollen", meinte Herr Pawlowski. "Die Frage bleibt."
Frau Köster-Landau-Severing-Lidly zuckte innerlich mit den Schultern, bevor sie antwortete.
"Um die soziale Struktur weiter zu entwickeln ist es unabänderlich, die bestehenden Gruppierungen, Normen und Werte zu verändern, sie aufzubrechen, um die Gesellschaft fit für die Zukunft zu machen."
"Das bedeutet?", fragte Frau Ulyanova.
"Vermischung."
"Vermischung? Womit?"
Anstelle der Antwort piepste es plötzlich der Reihe nach im Raum. Mehrmals. Überall.
Erschrockene Gesichter, dann griffen die Hände von allen Anwesenden in ihre Hosen- oder Gürteltaschen, schauten erstaunt auf die Displays der MobTels, auf denen überall - selbst bei der Frau am Pult und dem Bürgermeister - 'Womit? Lest ihr keine Zeitung?' stand.
Und dann sprangen plötzlich die Lampen an und warfen ihr krankes steriles Licht von der Decke herab. Viele hielten sich eine Hand schützend vor die Augen, dann erst konnten sie Matthias sehen, der mit einem breiten Grinsen am Lichtschalter stand.
"Jetzt ist Schluss mit dem Unfug!", zischte er. "Wer war das?"
Keine Antwort.
"Wer?" Er funkelte den Inbissbudenbesitzer an. "Lee? Du etwa?"
"Wie sprichst Du überhaupt mit uns", giftete der kleine Mann zurück. "Ein bisschen mehr Respekt!"
"Verehrte Mitbürgerinnen", versuchte Frau Köster-Landau-Severing-Lidly die Gemüter zu besänftigen, doch es schien auswegslos zu sein. "Beruhigen sie sich."
Herr Pawlowski stand immer noch, diesmal neben Herrn Gerdes und beide schauten feindselig zum Pult hinüber.
"Vermischung", sagte Pawlowski und hielt sein MobTel wie eine Streitaxt hoch. "Womit?"
Das Lächeln im Gesicht der Frau am Pult war schon lange verschwunden.
"Flüchtlingen", sagte sie und in ihrer Stimme schwang zum ersten Mal Zorn mit. "Oder haben Sie etwas dagegen?"
"Habe ich das richtig verstanden?", fragte Herr Gerdes. "Einige von uns werden umgesiedelt, damit Platz für die Flüchtlinge geschaffen wird?"
"Korrekt."
Stille.
"Ostpreußen ist doch groß genug", meinte Lee, doch die Frau am Pult warf ihm einen enttäuschten Blick zu.
"Darum geht es doch nicht", antwortete sie.
Schweigen. Dann verkniffene Gesichter. Stockender Atem.
"Das ist wahrscheinlich mit Willkommenskultur gemeint", warf Alexandra Ulanova schließlich ein, die hinter Gerdes stand. "Nicht war, Frau von-und-zu?"
Frau Köster-Landau-Severing-Lidly nickte.
Beim nächsten Mal müssen wir es anders machen, dachte sie. Ganz anders. Dann schaute sie Herrn Pawlowski an.
"Ich verstehe nicht, wie Sie das nicht verstehen können", sagte sie. "Sie sind doch auch ein Mensch mit Migrationshintergrund und haben sicherlich davon profitiert, dass die Union eine flüchtlingsfreundliche Politik betreibt."
Herr Gerdes spitzte den Mund, dann hob er ergebend die Hände und setzte sich, während Herr Pawlowskis Gesicht rot wurde.
"Bitte was?" Es war leise ausgesprochen, aber die Wut zwischen den Buchstaben war klar zu hören. "Ich und Migrationshintergrund?"
Frau Köster-Landau-Severing-Lidly beugte sich ein Stück näher zum Pult.
"Um Menschen wie Sie geht es doch", sagte sie. "Deswegen müssen wir eine Willkommenskultur implementieren, damit die armen Menschen so schnell wie möglich integriert werden."
"Was erlauben Sie sich?", rief Pawlowski. "ICH HABE KEINEN MIGRATIONSHINTERGRUND! ICH BIN DEUTSCHER!"
"Dann eben Deutscher mit Migrationshintergrund", sagte die Frau am Pult.
"Sie verstehen nicht", sagte Lee, der sich wieder erhoben hatte. "Wir sind alle Deutsche, wie unsere Eltern, Großeltern und deren Eltern."
Frau Köster-Landau-Severing-Lidly runzelte die Stirn, als Herr Gerdes das Wort ergriff.
"Pjotrs Familie stammt aus dem Ruhrgebiet und hat auf den ersten Zechen gearbeitet", sagte er, dann zeigte er auf Lee. "Seine Familie kam aus Tsingtau hierher, kurz nachdem der Pachtvertrag unterzeichnet worden war." Er drehte sich ein Stück und richtete seine Blicke auf Alexandra Ulyanova. "Und ihre Eltern kamen in den 1920ern mit dem Philosophenschiff aus Leningrad hierhin. Ihre Mutter Jelena Wolkowa war deutscher Reichswehrsoldat und hat im letzten Krieg gegen die Roten gekämpft."
Schweigen, diesmal lag der Ursprung beim Pult. Wieder unterbrochen von einer Nachricht, die auf allen MobTels gleichzeitig einging.
Woher kommen denn die Flüchtlinge?
Die Augen der Ratsmitglieder richteten sich alle gleichzeitig auf die Frau am Pult. Wartend. Auf eine Antwort.
Äthiopien?
"Wir warten!", rief der junge Mann neben Alexandra, der bis dato noch nichts gesagt hatte.
Tansania?
Sie wusste, dass es nichts mehr zu retten gab. Der Plan war eben auch nur ein Plan, der von der Wirklichkeit stets ausgelacht wurde. Jetzt konnte nur noch die Wahrheit helfen. In Kombination mit Mitgefühl.
"Einige sind tatsächlich von der europäischen Botschaft und den Zeltlagern in Tansania", sagte die Frau am Pult. "Die meisten sind jedoch Awaren. Viele davon Wiederkehrer."
"Wiederkehrer?", fragte Alexandra. "Was bedeutet das?"
"Sie haben bereits mehrmals in der Union um Asyl ersucht", sagte die Frau, druckste etwas herum, bevor sie fortfuhr. "Und wurden stets abgelehnt. Unfassbar, oder?"
"Warum?", fragte Lee. "Ich meine, Menschen in Not brauchen unbedingt unsere Hilfe. Aber scheinbar ist es in diesen Fällen nicht so. Was waren das denn für Ablehnungsgründe?"
"In den Herkunftsländern der Awaren gibt es keinen demokratischen, medizinischen oder helfenden Standard so wie hier", wich die Frau der Frage aus. "Das sind wenig entwickelte Länder."
Die Heimatländer der Awaren treten im Sommer 2012 der Union bei.
Voraussetzungen dafür sind die Standards der EU!
"ICH HABS!", rief Matthias, zerrte eine Frau aus der hintersten Reihe von ihrem Sitz hoch und starrte sie fassungslos an. "Das hätte ich nicht von Dir gedacht, Margret!"
"Lass mich los, verdammt!"
"Du wirst hier nicht mehr dazwischen funken!", knurrte er und nahm ihr das MobTel weg. "Nie wieder!"
Die anderen Gemeinderatsmitglieder drehten sich um und verfolgten stumm, wie der baldige City-Manager Margret zur Tür des großen Kellerraums führte.
"Eine Ewiggestrige", sagte Frau Köster-Landau-Severing-Lidly, als Margret mit Matthias hinter ihr am Pult ankamen. "Sie haben die Zeichen der Zeit nicht erkannt."
Margret stoppte und funkelte die Frau an.
"Die Zeichen der Zeit sind nicht jene, die erst noch geschrieben werden", zischte sie. "Die Zeichen der Zeit sind jene, die als Spuren im Sand hinterlassen wurden."
Matthias packte sie wieder und wollte sie wegzerren, doch Frau Köster-Landau-Severing-Lidly bedeutete ihm zu warten.
"Die Spuren im Sand gehören den Menschen, die bereits verstorben sind", sagte sie. "Oder sehen Sie sie hier?"
Sie nickte Matthias zu, der Margret erneut packte und diesmal durch die Tür hinaus drückte.
"DIE VERGANGENHEIT IST NICHT TOT", schrie Margret noch, bevor die Tür zugeschlagen wurde. "SIE IST NICHT EINMAL VERGANGEN!"

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(Titelblatt der Hartung'schen Zeitung vom 02.01.2012.)
Die Kämpfe in Addis Abeba gehen mit unverminderter Härte weiter.
Reporterinnen ohne Grenzen berichten von Gräueltaten.



Flüchtlingsstrom ebbt nicht ab.
890 neue Asylgesuche in der Sonderzone der EU. Die zuständige Administratorin kündigte bereits an, dass die Bevölkerung enger zusammenrücken muss.




(Auszug aus dem Lokalteil 'Kreis Samland aktuell' der 'Hartung'schen Zeitung'. Vom 02.01.2012.)
Notunterkünfte brechen aus allen Nähten.
Sprecherinnen der Flüchtlinge fordern adäquate Unterbringungen.



Stadt Rauschen. Wie unsere Zeitung erfuhr, hat die Vertreterin der Kulturstiftung zur Europäischen Union, zuständig für die Sonderzone, am 30.12.2011 die Gemeinderatsmitgliederinnen über die gegenwärtige und zukünftige Entwicklung unterrichtet. Dabei wurden auch Pläne der Brüsseler Behörden vorgestellt, wie eine nachhaltige Zukunft in Zeiten globaler Flüchtlingsströme gestaltet werden kann. Dabei nimmt Rauschen eine führende Rolle als erste Stadt der Sonderzone ein. Als eine der ersten Maßnahmen werden einzelne Wohnräume oder ganze Häuser der einheimischen Bevölkerung zur Verfügung gestellt. Wie der amtierende City-Manager unserem Reporter gestand, sei dies für ihn eine Herzensangelegenheit. "Menschen in Not brauchen unsere Hilfe", sagte er. "Da sind der Gemeinderat und ich einer Meinung."
Frau Köster-Landau-Severing-Lidly bekräftige dies und lobte die Ratsmitgliederinnen. "Es war eine gelungene Informationsveranstaltung mit einem sehr effizienten Gedankenaustausch", sagte sie. "Die Anregungen werden natürlich entsprechende Berücksichtigung bei den Nachfolgeprojekten finden."
In den nächsten zehn Jahren wird Rauschen eine Vorzeigestadt der EU werden. Dafür sind im Haushalt der Sonderzone bereits entsprechende Finanzmittel eingeplant.
"Und nicht nur das", meinte der City-Manager abschließend. "Rauschen wird außerdem einen neuen Namen erhalten, der mehr denn je das ausdrückt, was diese Stadt für uns alle bereits ist: Elizeo, die Stadt des Friedens, der Freundschaft und der Völkerverständigung."

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Edit: Hinweis zur Staatsangehörigkeit: Nach altem Recht (bis 1945) war die Voraussetzung für die deutsche Staatsangehörigkeit die Staatsangehörigkeit eines Bundeslandes des Deutschen Reichs. Das bedeutete, dass ein Deutscher beispielsweise erstmal Preuße sein musste, oder anlog Sachse. Das hat seinen Ursprung in der Geschichte, als 'Deutschland' lange Zeit aus mehreren deutschen Staaten bestand.

Ich möchte darauf hinweisen. da dies eine Parallelwelt ist, in der die Weimarer Reichsverfassung über das Jahr 1945 hinaus Bestand hatte, und die Reaktion des Herrn Pawlowskis ansonsten falsch gedeutet werden kann.


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Beitrag #27 |

RE: 5 Wörter - Teil 40 (es rauscht)
@slainte
Eine kurze Alltagsgeschichte die interessanter Weise schon wieder von einem Päarchen handelt. Nach dem langen Winter sehnen sich die Forum-mitglieder wohl nach Zweisamkeit.

@Dread
Du weißt, du weißt... cookie

@all
Damit galt es zu wählen zwischen den Texten von
  1. LadydesBlauenMondes: Wenn Stille zu laut wird
  2. Dreadnoughts: D U E L L
  3. Me: Es rauscht
    Me: Es rauscht weiter
  4. ichbinich: "ohne Titel"
  5. slainte: Malte und Christian Episode 2

Der Gewinner möge bitte die nächste 5-Wörter-Runde starten. Die Platzierungen könnt ihr diesem mysteriösen Spoiler entnehmen:
Zitat:
mysteriöser Spoiler (Click to View)

Ich hoffe jeder konnte die Spoiler fehlerfrei öffnen ^^
allen danke fürs mitmachen,
Lg. Rick


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Beitrag #28 |

RE: 5 Wörter - Teil 40 (es rauscht)
... wenn man sich sanft durchklickt und dann doch leicht erschrickt...
Keine Sorge, bloß vor Freude.
Vielen Dank, Rick Icon_smile


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Beitrag #29 |

RE: 5 Wörter - Teil 40 (es rauscht)
Glückwunsch. Icon_smile

Wer nicht kann, was er will, muss das wollen, was er kann. Denn das zu wollen, was er nicht kann, wäre töricht. -Leonardo da Vinci-
Wörterwelten

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