Es ist: 16-09-2019, 10:15
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Ein Traum
Beitrag #1 |

Ein Traum
Ein Traum

Erzählung von
Hans Werner

Schon lange habe ich nicht mehr zur Feder gegriffen. Nun habe ich vor genau zwei Stunden – länger ist es nicht her – einen Traum erlebt, der mir ins Innerste der Seele griff und mich in einer Weise erschütterte, wie ich es in vergangener Zeit kaum erfahren habe. Ich will den Traum hier erzählen, aber vorausschicken, dass ich mich als durchaus aufgeklärten Menschen betrachte, der jeder Form des Aberglaubens grundsätzlich abhold ist. Auch zu meiner angestammten Religion, dem Katholizismus, habe ich, bedingt durch gewisse Erfahrungen, die ich hier nicht näher ausführen möchte, eher ein kritisches Verhältnis gewonnen. Und gerade deshalb ist dieser Traum für mich so erschütternd, weil er einen Realitätscharakter besitzt, den ich nicht wegleugnen kann oder auch nur in Zweifel ziehen will. Doch genug der Präambel.
Ich stand vor meinem Elternhaus, in der Hardtstraße. Ich ging hinein, und mehrere Personen waren anwesend, befanden sich zum Teil schon oben auf der Treppe im Hausflur, wo sie mich erwarteten. Welche Personen das genau waren, kann ich nicht mehr sagen, vielleicht Verwandte oder engere Familienmitglieder. Auf jeden Fall kannte ich sie alle gut. Und wie ich mich umwandte, stand plötzlich mein eigener Vater vor mir, der nun schon seit über 50 Jahren tot ist. Er war so, wie er in seiner letzten Zeit ausgesehen haben mag. Aber sein Gesicht wirkte so überdeutlich, wie von einem Lichtschimmer umgeben. Ich möchte sagen, es wirkte irgendwie verschönert, verklärt. Das Seltsame war: ich wusste im Traum, dass ich als Erwachsener, in meinem jetzigen Alter von 68 Jahren, hier in diesem elterlichen Hausflur stand. Und ich wusste auch, dass mein Vater schon lange nicht mehr am Leben war. Ich war damals gerade mal 15 Jahre alt, als er starb.
Ich sagte zu ihm:
„Aber Dich gibt es doch gar nicht mehr. Du bist doch schon lange tot.“
Er antwortete:
„Ich darf nur für kurze Zeit bei Euch sein.“
Diese Worte habe ich deutlich vernommen. Und dann gingen wir alle hinauf, wohl in die Wohnung, in die gute Wohnstube, die ich noch von früher kannte, um das Wiedersehen zu feiern. Ich war von einer unbeschreiblichen Freude erfüllt.
Danach bin ich aufgewacht, stand aber noch ganz im Banne der Erscheinung – anders kann ich es nicht nennen – meines Vaters im Traum.
Ich habe mir dann überlegt, wie ein solcher Traum zustande kommen konnte. Ich weiß sehr wohl, dass sich in Träumen oft unverarbeitete Alltagsreste zu einer imaginären Traumhandlung verdichten können. Das alles weiß ich, und ich bin überhaupt nicht der Mensch, der bei solchen Dingen spiritistisch herumfantasieren will. Aber zwei Dinge will ich in diesem Zusammenhang erwähnen.
Gestern Abend, vor dem Schlafengehen, stieß ich im Internet zufällig auf You-Tube-Veröffentlichungen über den Schlagersänger Ronny. Ich erinnerte mich daran, dass meine Mutter von einem seiner Titel schwärmte: „Wenn der Tag zu Ende geht“. Ich suchte diesen Titel und hörte mir die Musik zweimal an. Mich ergriffen die Liedzeilen, weil sie den romantischen Spaziergang eines Liebespaars durch die Getreidefelder beschreiben. Und dann heißt es immer „Ich denk an dich“. Meine Mutter schwärmte gerade von dieser Liedstelle, denn sie dachte wohl oft an ihren verstorbenen Mann. Und ich selbst war beim Hören des Liedes innerlich ergriffen im Gedenken an meine Mutter.
Dann kommt noch ein anderer Punkt hinzu. Für meine Theatergruppe hatte ich gestern die Einführung zu der Oper “Orpheus und Eurydike“ geschrieben. Darin ist bekanntlich die Rede von der Sehnsucht des Sängers Orpheus nach seiner verstorbenen Eurydike. Er darf sie aus der Unterwelt zurückholen, kann aber das Gebot der Götter nicht einhalten, sich mit seinen Blicken nicht Eurydike zuzuwenden. Er schaut sie an und sie sinkt tot zu Boden. Auf seine erneute Klage hin erbarmt sich Amor und gibt ihm Eurydike noch einmal lebend zurück.
Damit hatte ich mich beschäftigt. Tatsache ist, dass ich im Traum meinen Vater gesehen habe, in einer so ergreifend schönen Erscheinung, dass ich es hier mit Worten nicht ausdrücken kann.
Seither bin ich, durch diese Traumerfahrung, wieder fest davon überzeugt, dass die Verstorbenen nicht gänzlich tot und verschwunden sind, sondern irgendwo und irgendwie, und wohl nicht nur in meinem Herzen oder meiner sehnsüchtigen Erinnerung – weiterleben.


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Beitrag #2 |

RE: Ein Traum
Hans Werner,

ist das nicht wunderbar, dass du deinen Vater wieder sehen durftest? Zumal diese Begegnung so schon und scheinbar wirklich stattgefunden hat, nur auf einer anderen Ebene.

Was du hier berichtest ist mir nicht neu. Ich hatte und habe selbst einige Erlebnisse mit meinen verstorbenen Eltern. Wenn ich es erzählen würde, könntest du meinen, ich bin verrückt.
Es ist meine feste Überzeugung, dass wir mit den Verstorbenen verbunden sind.
Wie? Das muss jeder für sich selbst herausfinden.

Wenn ich eine Begegnung habe, weiß ich es sofort. Es stellt sich ein wohliges Gefühl ein und ich weiß : das war Mama, das kam von Papa
Viele Nachrichten erreichen mich subtil auch über die Musik. So wie du sie Hans Werner mit "ich denk an dich" übermittelt bekamst.
Manchmal fällt ein Gegenstand, wie letztens ein Zinnteller, den mein Vater zum Geburtstag geschenkt bekam. Es hat ihm sicher etwas nicht gepasst und ich weiß auch was Icon_smile

Wenn man empfindsam ist und das glaube ich aus deinem Erzählungen zu lesen, spürt man die Zeichen.

Jedes Jahr am 27.12. läutet um Mitternacht bei uns der Wecker . Mein Mann, der an Zeichen aus dem Jenseits überhaupt nicht glaubt, setzt sich dann im Bett auf und sagt belustigt: Mama gratuliert zum Geburtstag.
Unser Sohn hat am 27.12.Geburtstag. Mama hat mir sehr viel geholfen, als er klein war und hat ihn oft gehütet, wenn ich arbeiten ging.

Leider, und das ist komisch, träume ich von meinen Eltern überhaupt nicht .
Mein Tipp: Schreibe auf, wenn sie dir begegnen, so mache ich es. Manchmal lese ich nach und freue mich darüber.
Noch etwas würde ich tun: Zünde eine Kerze an. Ob am Grab oder daheim ist egal.
Herzliche Grüße
Pendlbäuerin


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Beitrag #3 |

RE: Ein Traum
Guten Morgen, Pendlbäuerin,

für Deine Antwort auf meinen Text danke ich Dir sehr herzlich. Eigentlich liest er sich schon wie ein persönlicher Brief, ein Bekenntnis aus Deinem eigenen Leben. Und es stehen auch viele Sachen drin, die Dich selbst eng umgeben und zuweilen wohl tief berühren. Vielen herzlichen Dank.

Vor allem ist mir eines wertvoll. Die Traumbegegnung mit ihrem überdeutlichen Realitätscharakter und die Schlussfolgerung, dass die Verstorbenen irgendwie noch weiterleben und mit uns Lebenden in Verbindung bleiben, ist ja doch alles in allem für einen aufgeklärten Menschen ein gewagtes Gedankengebilde. Allein das Faktum, dass ich es träumend erlebt habe, rechtfertigt solche Gedanken und zwingt sie sogar als notwendig auf. Und die Tatsache, dass ich in dieser Erfahrung von anderen, höchst sensiblen Menschen, ernst genommen werde, ist für mich wertvoll. Übrigens hat sich die Leiterin des Noel-Verlags, Elke Link, der ich den Text auch geschickt habe, in ähnlicher Weise ausgesprochen.

Ich bin begierig, weitere Texte von Dir zu lesen.

Ich wünsche Dir einen schönen Tag und verbleibe mit herzlichen Grüßen

Hans Werner


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Beitrag #4 |

RE: Ein Traum
wird schon kummen, nur net brummen Mrgreen


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Beitrag #5 |

RE: Ein Traum
Wie ist das gemeint? Das versteh ich jetzt nicht.


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Beitrag #6 |

RE: Ein Traum
so sagt man bei uns in Österreich, wenn etwas zu erwarten ist,
hochdeutsch: es wird schon kommen, nur nicht brummen.


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Beitrag #7 |

RE: Ein Traum
Das hab ich schon verstanden. Aber der Sinn, worauf ich zu warten habe, ist mir nicht klar. Was habe ich zu erwarten? Und in welchem Zusammenhang steht es mit der Geschichte?


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Beitrag #8 |

RE: Ein Traum
du:Ich bin begierig, weitere Texte von Dir zu lesen.
ich: das wird schon noch kommen
Alles klar?Icon_smile


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Beitrag #9 |

RE: Ein Traum
Danke, jetzt ist es klar.


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