Es ist: 05-12-2020, 10:10
Es ist: 05-12-2020, 10:10 Hallo, Gast! (Registrieren)


Wenn alle Wege offen sind
Beitrag #1 |

Wenn alle Wege offen sind
Hallo ihr Lieben,
im Zuge eines Wettbewerbs zum Thema "Wenn alle Wege offen sind" habe ich diesen Text verfasst. Es hat für die Top-Ten gereicht (von über 120 Einsendungen). Ich bin gespannt auf eure Meinungen, nachdem ich seit Monaten eher schreibabstinent war.

LG
Eure Addi

Wenn alle Wege offen sind

Das weiße Blatt auf dem Bildschirm. Mit der Unschuld eines Neugeborenen blickt es mich an, wartet ungeduldig darauf, befüllt zu werden. Dieses weiße Blatt. Es ruft und fordert, während mein Blick zu der Stellenanzeige auf dem Schreibtisch greift. Darauf grellgelb markiert die Anforderungen. Ein Bleistift fasst erste Gedanken in zarte Form. Meine Augen wandern noch einmal über den Text, suchen nach mir in den Zeilen – das Herz ist unentschlossen wie so oft.
Aber die Agentur für Arbeit sitzt auf der Schulter, flüstert mir in Dauerschleife Eile ein. Später, in den stillen Stunden der Nacht werden sich ihre Geschwister dazu gesellen: Zukunftsangst und Zweifel. Sie gehen bei mir ein und aus, haben sich einen Schlüssel zu meiner Wohnung erschlichen. Wie lange schon?
Sinnlos darüber nachzudenken in dieser zeitlosen Zeit.
Mit raschen Bewegungen fülle ich endlich das weiße Blatt. Ich tippe die Adresse des Arbeitgebers direkt unter meine, fette den Titel der Ausschreibung darunter und beginne mit dem Verkaufsgespräch.
Einmal Ich zum Sonderangebot.
Mein literarisches Herz ächzt beim Anblick der monotonen Anbiederei. Wo einst phantastische Welten aus dem Nichts erwuchsen, Drachen ihre Schatten über blühende Felder warfen und Trolle mit mächtigen Keulen Elfen niederwalzten, quetsche ich nun mich in drei Absätze.
Wieder einmal.
Es ist ein Hochseilakt über gähnendem Grund.
Wo hört Aufrichtigkeit auf und beginnt Beweihräucherung? Ist diese positive Eigenschaft der berühmte Tropfen, der das Wasser überlaufen und die Bewerbung im Müll verschwinden lässt? Ist der formulierte Satz originell oder Fließbandware für einen Personaler, der pro Tag die Texte aberdutzender Bewerber scannt?
Während der analytische Teil meines Verstands das Geschriebene begutachtet, horche ich noch einmal in mich hinein. Möchte ich überhaupt die nächsten vier Jahre meines Lebens in einem Labor verbringen? Acht bis zehn Stunden pro Tag an Spinnen, Spinnendrüsen und den Bestandteilen von Spinnenfäden forschen, um dann die Ergebnisse in eine Form zu bringen, die veröffentlichungswürdig und damit in meinen Kreisen erst wirklich wertvoll ist.
Bin das wirklich ich?
Müde, wie so oft, kriecht mein Blick zu dem Stapel mit den Alternativen. Durch die Jalousien blinzeln die ersten, warmen Strahlen der Aprilsonne und zeichnen ihr gelbes Querstreifenmuster. Die Sehnsucht nach dem Grün vor der Tür wird auch heute unerfüllt bleiben. Vier Bewerbungen warten noch.
Vier zukünftige Ichs - allein in dieser Woche.
Da ist der Arachnidenforscher, der die Klebefäden für die Industrie entschlüsseln möchte, der Amphibien-kartographierende Ökologe tief im spanischen Hinterland, ein weiterer Genetiker, der an den Ursachen von Diabetes kratzt, und ein Verhaltensforscher, der die Grundlagen der Verhaltensweisen von Finken zu entschlüsseln versucht.
Das Spiel des Lebens.
Jeden Tag drehe ich das Rad, wäge das, was ich bin, gegen das, was ich sein könnte. Unendliche Ausführungen des Ichs – bis die Realität ihr Urteil fällt.

"I wish a car would just come and fucking hit me!"
"Want me to hail a cab?"
"No, I'm talking bus!"  (The four faced liar)

Da baumelt die kleine Doktorspinne in ihrem Seidenreich und träumt von ihren Silberfäden.
[Bild: riverdance.gif]

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Beitrag #2 |

RE: Wenn alle Wege offen sind
Liebe Addi,
erstmal Gratulation, dass du unter die Top-Ten gekommen bist.
ich hätte gerne das Thema des Wettbewerbes gewusst und wofür bewirbst du dich?
Arachnidenforscher? Icon_confused, Ich gebe zu, ich musste google befragen.
Zoologie also oder ?

... fette den Titel der Ausschreibung darunter ... sehr originell ausgedrückt Icon_smile

eine Kleinigkeit: veröffent-lichungswürdig

ich würder: ..die würdig sind veröffentlicht zu werden... schreiben, aber das ist sicher Geschmacksache.

Dein Text spiegelt sehr gut die Hoffnungslosigkeit und den Frust einer Bewerbung. Ich glaube, dass kann wohl jeder nachvollziehen.

Da ich nun so brav kommentiert habe, wünsche ich mir auch ein Feddback von dir zu einer meiner Geschichten. Smiley_emoticons_blush
Liebe Grüße
Pendlbäuerin


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Beitrag #3 |

RE: Wenn alle Wege offen sind
Guten Morgen, werte Kollegin:

In der Folge ein paar Worte zu Oben-Thronendem...

Acht bis zehn Stunden pro Tag an Spinnen, Spinnendrüsen und den Bestandteilen von Spinnenfäden forschen, um dann zu versuchen, die Ergebnisse in eine Form zu bringen, die veröffentlichungswürdig und damit in meinen Kreisen erst wirklich wertvoll ist.

Die hier eingebaute Kritik an den Mechanismen von Wissenschaft hätte in meinen Augen mehr Schlagkraft, wenn nach veröffentlichungswürdig ein Punkt und der Rest ein eigener Satz (vielleicht mit Absatz) wäre.

Da ist der Arachnidenforscher, der die Klebefäden für die industrielle Anwendung Nutzen möchte, ...

Das Unterstrichene wirkt etwas plump formuliert, das kannst du besser! ... nutzen;

Es ist ein Hochseilakt über gähnendem Grund.

Eigentlich nur eine Kleinigkeit: Grund ist nicht gleich Abgrund und ich glaube, dass hier nur Letzteres passt.

Wo hört die Aufrichtigkeit auf und beginnt die übertriebene Beweihräucherung?

Ich hätte die ´beiden "die`s" weggelassen: Wo hört Aufrichtigkeit auf (vielleicht auch endet statt hört auf ... gibt dem ganzen mehr definitiven Kontrast zu beginnt) und beginnt übertriebene Beweihräucherung (übertrieben vielleicht streichen, Beweihräucherung enthält das Attribut übertrieben ja schon mehr oder weniger)

Einmal Ich zum Sonderangebot
.

Sehr schöne Formulierung.

Rein fazitiär schließe ich mich pendlbäuerin an, dem ist eigentlich nichts hinzuzufügen und verbleibe vorerst einmal.

Liebe Grüße,

Niemand

"But please, feel free to piss in the garden!"

Adam, Only Lovers left alive

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Beitrag #4 |

RE: Wenn alle Wege offen sind
(Irgendwann März 2003)

Soviele Nächte waren Zuhörer, haben sich an mich geschmiegt und mir dann ihre bösen Gedanken in die Ohren getropft.
Monatelang. Tag für Tag.
Brachen der Hoffnung zuerst das Grün, dann das Genick. Wie oft waren rosafarbene Wünsche verwelkt? Nicht innerhalb eines Moments, sondern langsam, so wie das Wasser einen Stein abschleift. Jahrelang, und doch gepresst in wenige Monate. Wenn draußen die Sonne schien und alles in Wohlgefallen tauchte, machte sich in mir bereits der Herbst breit. Mit den ersten Anflügen eines langen Winters.
Papier, weiß, bedruckt und geduldig. Immerfort die beinahe gleiche Botschaft:
Wir müssen Ihnen leider mitteilen, dass wir uns für einen anderen Bewerber entschieden haben.
Gefolgt von:
Bitte sehen Sie das nicht als Urteil über Ihre Person an.
Aber war es das nicht? Ein Urteil? Ein Beil, scharf wie eine Rasierklinge, die den hoffenden Kopf vom träumenden Herzen trennt?
Über ein Jahr war da nur: Stellenanzeigen suchen, Bewerbung schreiben, Absagen bekommen, falls man sich überhaupt auf dieses Niveau herablassen konnte. Selbst jetzt noch standen zig Antworten aus, aber die Zeit nagte an meinem Mantra: "Die melden sich bestimmt noch."
Aus. Vorbei. Arbeitslos, aber ohne den Spaß dabei.
Was sollte man auch sagen, wenn Freunde und Verwandte am Wochenende über ihre anstrengende Arbeit erzählten? Vielleicht wie oft man Fehler in Anschreiben gefunden hatte? Oder wie lange man am Stück beim Arbeitsamt gesessen hatte, um endlich einen Sachbearbeiter zu ergattern?
Nichts, genau das hatte ich gesagt. Weil es nie etwas zu sagen gab.
Und jetzt saß ich hier. In Wilhelmshaven, der Stadt, die seit ihrer Gründung anstelle des F ein V trägt. In einem holzfarbenen Büro, das neu und ordentlich aussah. Es roch immer noch frisch und sauber. Und genauso sah auch der etwas ältere Mann aus, der hinter dem Schreibtisch saß. Weißes Hemd mit kurzen Ärmeln. Ein schwarzer Schlips. Auf den Schultern Dienstgradklappen. Mit goldenen Insignien.
Es erinnerte mich an die Bezeichnung Oberstabsfeldwebel, aber das hier konnte nicht das Gleiche sein. Denn zwischen Heer und Marine liegen nicht nur die Wasser der Meere, sondern auch noch ganz andere Welten.
Ja, die Bundeswehr. Wieder einmal, wobei es dann die dritte Dienstzeit wäre. Eine Art Rückschritt, so könnte man meinen. Aber was blieb einem übrig?
Der Marinemann, der in Wirklichkeit ein Oberstabsbootsmann war, brummte ab und zu, tippte auf der Tastatur und lenkte die Maus über das Pad, wie Schumacher seinen Boliden durch die Kurven.
Schweigen ist unangenehm, also schaute ich raus. Ein glanzloser Tag, ein bisschen Sonne, wenig Menschen, selbst da drüben bei dem goldenen M - wobei mir immer mehr auffiel, wo überall Gold zu finden war. Ibi war irgendwo dort draußen, wartete auf mich, hoffte und bangte, dass es endlich - endlich! - was werden würde.
Soviele Nächte waren Zuhörer, dachte ich. Während die Tage starben.
Der Mann seufzte. Ob er sich verklickt hatte? Oder war das schon ein Anzeichen dafür, dass er nach einer schonenden Antwort für die Ablehnung suchte? Genauso wie der Sachbearbeiter vom Amt?
Sehr geehrter Herr Noughts, Ihre Lebensgefährtin verdient zuviel, daher stellen wir die Leistungen nun ein.
Ich konnte mich noch an dessen Gesicht erinnern, das mich so überaus neutral angeschaut hatte. Keine Empfindungen darin zu sehen. Genauso wenig wie Verständnis. Gelesen hatte er meinen Lebenslauf, aber verstehen konnte er es nicht. Oder besser gesagt: Aufs zivile Leben ummünzen.
Das war im September. Und jetzt war es schon März.
Ich drückte die Gedanken weg, genauso wie das Bild einer enttäuschten Ibi, die mich traurig anschauen würde, wenn ich gleich hier rauskommen würde. Wieder einmal ohne Erfolg.
"Also ...", meinte der Mann, während mein Herz für einen Moment aussetzte. "Sie wollen wieder Zeitsoldat werden?"
Ich nickte nur, und mein Blick verlor sich erneut auf seine Schulterklappen.
Er klickte wieder.
Tetris. Oder Pekman?
"Das wäre dann die dritte Dienstzeit", murmelte er, hob eine Augenbraue und starrte weiter auf den Monitor.
Gab es Beschränkungen, von denen ich nichts wusste?
"Ich kann Ihnen nur eine insgesamte Dienstzeit von zwölf Jahre anbieten", sagte er. "Nach Abzug der Vordienstzeiten ist das dann nur noch knapp die Hälfte."
Und jetzt, zum ersten Mal, wanderte sein Kopf herum, suchten seine Augen die meinen. Fragend, nicht auf der Suche nach einer schön verpackten Ablehnung.
"Sie ...", begann ich und versuchte die letzten Sekunden zu rekonstruieren. "Sie ... nehmen mich?"
"Ja, Herr Noughts", antwortete er. "Die Marine wird Sie einstellen. Als Bootsmannanwärter."
"Und es gibt da keine Probleme?"
Er schüttelte den Kopf, während er wieder auf dem Bildschirm irgendwelche Informationen abrief.
"Den Lungenfunktionstest für die U-Boote haben Sie heute absolviert", murmelte er. "Nein, alles in Ordnung."
Im Inneren war alles wie leergefegt. Ein lautloser Tornado, der alle Gefühlsregungen stillgelegt hatte. Keine Freude, nur Unglaube. War da irgendwo im Regal hinter den Vorschriften eine versteckte Kamera?
"Und es gibt auch keine Probleme, da ich eigentlich vom Heer komme?", fragte ich ihn nach einer endlosen Pause. Und diesmal ließ er für die Antwort nicht nur die Maus los, wandte mir nicht nur den Kopf zu, sondern beugte sich sogar ein Stück vor.
"Sagt Ihnen Johann Kinau was?"
Ich verharrte, suchte nach Entsprechungen in meinem Gedächtnis, doch ich fand nichts - also schüttelte ich den Kopf, während der Oberstabsbootsmann lächelte.
"Sagt Ihnen der Name Gorch Fock etwas?", fragte er und diesmal klingelte tatsächlich etwas in mir. Doch bevor ich einen Eintrag fand, fuhr er fort:
"Ist zwar lange her, aber er kam damals auch vom Heer zur Marine." Er nickte mir aufmunternd zu. "Glauben Sie mir, Herr Noughts: Sie sind bei uns in den besten Händen."
Genau in dem Moment machte es Klick. Ich stellte mir Ibi vor, wie sie auf mich zukommen würde, fragend, bangend - und mich wahrscheinlich auf offener Straße voller Glück anspringen würde.
Geschafft. Endlich geschafft!

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Hallo Addi.

Eigentlich war ich gerade in anderen Gefilden unterwegs, wegen dem MoPro und so, als ich Deine Geschichte las. Und wie Du weißt, kommt es bei mir manchmal vor, dass eine Geschichte den Kommentar inspiriert. Genau wie hier. Da ich eine unterschwellige Existenzangst herausgelesen hatte, wollte ich etwas Aufbauendes dazu beitragen.

Von meiner Seite gibt es keine RS-Anmerkungen oder stilistische Feinheiten. Du hast die Situation sehr genau und treffend eingefangen.

(Und ja, wäre schön, wenn es mehrere Lebenszeichen von Dir geben würde. Icon_wink )

LGD.


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Beitrag #5 |

RE: Wenn alle Wege offen sind
Hallo ihr Lieben,

danke für die schönen Kommentare.

@ Dread: Icon_bussi Glückwunsch!

Ich kämpfe zur Zeit mit einer leichten Entzündung im Handgelenk, bin heute vom Arzt mit einem Schonverband versehen worden, daher seht es mit bitte nach, wenn ich mich heute kurz fasse. Ich werde ausführlicher antworten, sobald es die Gesundheit erlaubt.

Liebe Grüße
Addi

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Beitrag #6 |

RE: Wenn alle Wege offen sind
Hallo pendlbäuerin,

der Titel der Ausschreibung gleicht dem Titel meiner Geschichte. Ich fand ihn passend und habe mir daher keinen Extratitel ausgedacht.

Zu deinen Anmerkungen:

Zitat:ich würder: ..die würdig sind veröffentlicht zu werden... schreiben, aber das ist sicher Geschmacksache.
-- Ich finde das Wort in einem gerade schön, vor allem, da der Satz an sich bereits recht lang ist.

Zitat:Dein Text spiegelt sehr gut die Hoffnungslosigkeit und den Frust einer Bewerbung. Ich glaube, dass kann wohl jeder nachvollziehen.
-- Der Text war am Ende sogar noch trüber. Ich habe ihn dann etwas entfrustet, um ihn nicht ganz so depressiv wirken zu lassen. Es freut mich aber, wenn das Gefühl herübergekommen ist.

Ich möchte mich auch an dieser Stelle für deinen Kommentar bedanken. Es ist immer wieder schön, wenn sich andere mit den eigenen Texten ausneinandersetzen. Daher kann ich diesen Kommentar zwar nachvollziehen:
Zitat:Da ich nun so brav kommentiert habe, wünsche ich mir auch ein Feddback von dir zu einer meiner Geschichten.

muss aber anmerken, dass ich auch etwas fehl am Platz finde. Wie man an der Anzahl meiner Beiträge erkennen kann, bin ich nicht erst seit gestern hier und obwohl ich in den letzten Monaten sehr inaktiv war, ist ein solcher Hinweis unnötig.Cowsleep

LG
Addi

Einen guten Abend, Herr Niemand,

kennst du den Witz: Mit wem redest du gerade?

Antwort: Niemand. *hust*

Smiley_emoticons_blush Das konnte ich mir gerade nicht verkneifen. Hihi. Auch dir Danke für den Kommentar. Icon_smile

Zitat:In der Folge ein paar Worte zu Oben-Thronendem...
-- Es thront? Hui.

Zitat:Die hier eingebaute Kritik an den Mechanismen von Wissenschaft hätte in meinen Augen mehr Schlagkraft, wenn nach veröffentlichungswürdig ein Punkt und der Rest ein eigener Satz (vielleicht mit Absatz) wäre.
-- Es würde in der Tat stärker wirken, allerdings auch das Satzgefüge zerstören. Hm. Hm. Schwierig, schwierig. Ich bin unentschlossen, behalte es aber im Hinterkopf.


Zitat:Da ist der Arachnidenforscher, der die Klebefäden für die industrielle Anwendung Nutzen möchte, ...

Das Unterstrichene wirkt etwas plump formuliert, das kannst du besser! ... nutzen;
-- Ich kann, formulierte und schrieb um!

Zitat:Es ist ein Hochseilakt über gähnendem Grund.

Eigentlich nur eine Kleinigkeit: Grund ist nicht gleich Abgrund und ich glaube, dass hier nur Letzteres passt.
-- Ich hatte sogar erst Abgrund stehen. Dann sprach ich es mir laut vor und finde Grung in sich fließender als Abgrund. Nenn es Macke, oder Stil, aber ich mags so lieber, obwohl Abgrund wohl richtiger wär.

Zitat:Wo hört die Aufrichtigkeit auf und beginnt die übertriebene Beweihräucherung?

Ich hätte die ´beiden "die`s" weggelassen: Wo hört Aufrichtigkeit auf (vielleicht auch endet statt hört auf ... gibt dem ganzen mehr definitiven Kontrast zu beginnt) und beginnt übertriebene Beweihräucherung (übertrieben vielleicht streichen, Beweihräucherung enthält das Attribut übertrieben ja schon mehr oder weniger)
- Da hast du vollkommen Satz. Klingt auch viel schöner. Icon_smile

Zitat:
Einmal Ich zum Sonderangebot
.

Sehr schöne Formulierung.
-- Danke!

LG
Addi

Auch Dir einen schönen Abend Dread,

ich muss sagen, schon als ich Deinen Text las, grämte ich mich ein bisschen, ob der qualitativen Diskrepanz, die sich da auftut. Soll heißen, ich war und bin immer noch ein großer Fan von deinem Können! Icon_bussi Pro
Ich bemühe mich daran zu denken, dass jeder seinen eigenen Stil hat, schließe den Gram etwas weg und widme mich deinen Gedanken zu meinem Textschen.

Zitat:Eigentlich war ich gerade in anderen Gefilden unterwegs, wegen dem MoPro und so, als ich Deine Geschichte las. Und wie Du weißt, kommt es bei mir manchmal vor, dass eine Geschichte den Kommentar inspiriert. Genau wie hier.
-- Heißt das, Du hast diesen Text einfach mal so aus dem Stehgreif runtergeschrieben? Icon_cuinlove

Zitat:Da ich eine unterschwellige Existenzangst herausgelesen hatte, wollte ich etwas Aufbauendes dazu beitragen.
-- Das ist lieb! Danke.
Ich bin seit Anfang Januar wieder in Arbeit und Brot. Der Text ist vom Mai/ Juni. Von daher muss ich im Moment nicht aufgemuntert werden. Als ich den Titel der Ausschreibung las, fand ich aber, dass Bewerbungen an sich, nicht die harte Realität, dieses Thema sehr gut einfangen. Ich habe mich dann in den letzten Frühling zurückversetzt, als es nach der Stelle in Erlangen an die Suche ging. Damals war ja auch noch die Doktorarbeit als drückende Last auf meiner Seele, weshalb der Text insgesamt sehr düster ausfiel. Ich habe das dann noch etwas entschärft. Vielleicht ein Fehler, denn mit mehr Kritik wäre ich bei dem Ausschreiber (politisch sehr kritische Zeitung) wohl gut angekommen. Wissen werden wir es wohl nie, und so freue ich mich, dass ich mit einem Text, der mich knapp 2h kostete so weit vorne gelandet bin. Gab ja auch Geschenke. Icon_smile

Zitat:Von meiner Seite gibt es keine RS-Anmerkungen oder stilistische Feinheiten. Du hast die Situation sehr genau und treffend eingefangen.
-- Danke!

Zitat:(Und ja, wäre schön, wenn es mehrere Lebenszeichen von Dir geben würde. Icon_wink )
-- Ich bemühe mich. Die Wohnung ist soweit eingerichtet, im Job bin ich auch so langsam am Ankommen. Ich drücke die Daumen, dass die Lust, sich mit den Texten anderer zu beschäftigen, dauerhaft zurückkommt

Ganz liebe Grüße
Nicole

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Beitrag #7 |

RE: Wenn alle Wege offen sind
Hallo Adsartha.

Eine kleine Rückmeldung, denn ich kann diese Aussage ...
Zitat:ich muss sagen, schon als ich Deinen Text las, grämte ich mich ein bisschen, ob der qualitativen Diskrepanz, die sich da auftut. Soll heißen, ich war und bin immer noch ein großer Fan von deinem Können!
... nicht unkommentiert so stehen lassen.

Erstens:
Dafür danke ich Dir, ehrlich. Aber von dieser Seite des Monitors geht die Diskrepanz eher in die andere Richtung. Und - wenn es erlaubt ist - mit einer Onlinezeit von fast einem Jahr darf ich behaupten, schon viele Geschichten hier gelesen zu haben. Es gab, und gibt, natürlich Abweichungen hinsichtlich Autor, Ideen, Charakteren, Stilen und Umsetzungen, aber Deine Werke, besonders die späteren, gehören mit zu den besten Geschichten, die hier stehen. Vor allem, weil Du es - wie hier - schaffst, die kleinen Momente einzufangen, sie mit Leben zu füllen. Und gerade die kleinen Sachen sind diejenigen, die Roland-Emmerich-Filme aus der Top-Ten verdrängen können. Icon_wink

Zweitens:
Es stand niemals, steht niemals und wird auch niemals im Vordergund stehen, ob und was für Qualitäten meine Finger haben. (Selbst bei diesem Satz spare ich mein Ego bewusst aus.) Auf der einen Seite sehe ich mich selbst immer fachlich kritisch (sowohl negativ, als auch positiv), auf der anderen weiß ich, dass Höhenflüge irgendwann vorbei sind. Und den Sturz hinab zum Boden der Realität hat bis jetzt kaum einer überlebt. Von daher bleibe ich lieber gleich neben der Kirche auf dem Dorfplatz. Icon_wink

Zitat:Heißt das, Du hast diesen Text einfach mal so aus dem Stehgreif runtergeschrieben?
Smiley_emoticons_blush

Zitat:Die Wohnung ist soweit eingerichtet, im Job bin ich auch so langsam am Ankommen.
Es gab einmal einen Stein in meinem Leben. Einen großen Stein - und ja, er war tatsächlich existent. Ein Brocken, auf dem ein Spruch stand: "Lebe beständig, kein Unglück ewig."
Und genau das wünsche ich Dir: Beständigkeit.

GLGD.


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Beitrag #8 |

RE: Wenn alle Wege offen sind
Hi Dread,

danke Dir ganz herzlich für die lieben Worte. Icon_bussi
Meinungen und Selbstbild hin oder her, lass uns festhalten, dass wir einander literarisch wie menschlich schätzen. Icon_smile

Den Stein, wenn auch imaginär, stelle ich mir so ins Regal.

Danke dafür!

Bussi

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[Bild: riverdance.gif]

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Beitrag #9 |

RE: Wenn alle Wege offen sind
Hallo Addi,

erstmal: Glückwunsch zum „unter die ersten zehn kommen“. Icon_smile

Zitat:Wo einst phantastische Welten aus dem Nichts erwuchsen, Drachen ihre Schatten über blühende Felder warfen und Trolle mit mächtigen Keulen Elfen niederwalzten, versuche ich nun, mich in drei Absätze zu quetschen.
Wieder einmal.

Das Bild gefällt mir hier gut. Auch gut gefällt mir hier, wie du mit dem schlichten „wieder einmal“ die Routine und auch ein Stück weit Sinnlosigkeit eingefangen hast.

So und schon ist es zu Ende. Wie erwartet habe ich jetzt keine groben Schnitzer gefunden. Ich nehme mal an es gab eine Zeichenbeschränkung, oder? Ich habe nämlich irgendwie das Gefühl, dass der Text gekürzt wirkt, ein Stück weit auch gehetzt. Von meinem Gefühl her könnte diese ganze Szene noch ein paar Sätze mehr vertragen, könnten die Sätze mehr ineinander fließen. Aber das ist wahrschienlich auch Geschmackssache. Ebenso könnte man die Szene noch etwas mehr ausbauen, noch näher auf die Ratlosigkeit, die Zukunftsangst, die in dem weißen Blatt lauert eingehen könnte, um das ganze vielleicht noch etwas „runder“ zu machen. Insbesondere am Ende, als sie überlegt wer sie sein könnte, hätte man schön mit den jeweiligen Vorteilen arbeiten können. Aber das sind jetzt nur meine Gedanken, nur für den Fall, dass du irgendwann daran noch mal was ändern möchtest. Icon_wink

Fazit: Auch wenn es etwas kurz wirkt, hast du die Szene, diesen Moment zwischen Zukunft und Gegenwart, die Abhängigkeit von dem beschriebenen weißen Blatt sehr gut eingefangen. Ich hätte auch gerne noch ein wenig weiter gelesen.

Liebe Grüße,
Lady

Wer nicht kann, was er will, muss das wollen, was er kann. Denn das zu wollen, was er nicht kann, wäre töricht. -Leonardo da Vinci-
Wörterwelten

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Beitrag #10 |

RE: Wenn alle Wege offen sind
Hallo Lady,

schön, dich hier zu finden. Icon_smile
Es ist etwas kurz und auch etwas abgehackt, da hast du schon recht. Ich weiß gar nicht, ob es eine Zeichenbegrenzung gab, mein Problem war eher, dass ich schon lange nichts mehr geschrieben hatte. Ich las die Ausschreibung und habe mich spontan hingesetzt, während meine Eltern ihren Mittagsschlaf hielten. Icon_wink
Am Anfang war es eine sehr düstere, hoffnungslose Geschichte und ich habe mich in das Thema verloren. Ich habe das dann etwas entschärft, aber neben der Ruhepause war es wohl dieses "Mist, ds zieht mich jetzt runter"-Gefühl, das dazu führte, dass ich der Geschichte nur sehr wenig Zeit gab. Insgesamt schreibe ich nur sehr ungern biographisch. Ich finde entweder keinen Zugang oder zu viel Zugang. Icon_ugly
Aus diesem Grund betrachte ich dieses Thema auch als abgeschlossen. Ich danke dir dennoch für deine Zeit und deine Gedanken. Icon_bussi

Liebe Grüße
Addi

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