Es ist: 12-08-2022, 04:44
Es ist: 12-08-2022, 04:44 Hallo, Gast! (Registrieren)


DACH lesen und sich langweilen?
Beitrag #1 |
Question 

Question  DACH lesen und sich langweilen?
Der Bachmannpreis wurde soeben vergeben. Er ist die Haupttrophäe eines Lesewettbewerbs, der offiziell Tage Der Deutschsprachigen Literatur heißt und jährlich in Klagenfurt stattfindet. Durch die Liveübertragungen der Lesungen im ORF und auf 3Sat sowie prominente Erwähnung in den Feuilletons der großen Tages- und Wochenzeitungen wird dem Preis und seinen Gewinnern eine für Literatur überbordende mediale Aufmerksamkeit zuteil. Gleichzeitig wird an den dort gelesenen Texten der Stand der deutschen Literatur festgemacht: Über welche Themen schreibt man; wie kreativ wird mit Sprache umgegangen; gibt es neue Ideen und Strömungen?
In Hildesheim und Leipzig kann man an Literaturinstituten studieren, die von den einen als Brutstätte der neuen deutschen Literaturelite respektiert werden, von anderen als gleichmachende Langeweileläden verurteilt. In den Kulturspalten der Zeitungen wird die aktuelle deutschsprachige Literatur von Greisen wie Martin Walser und Siegfried Lenz präsentiert, die schon das Nachkriegsdeutschland mit ihren Büchern aufwühlten; ebenso von jungen Schriftstellern wie Helene Hegemann und Leif Randt, denen vorgeworfen wird, sie schrieben "Selfie-Literatur", also Bücher, die im Prinzip nur von ihnen selbst handeln. Auch die Auseinandersetzung mit den deutschen Diktaturen des vergangenen Jahrhunderts wird häufig als Thema aufgegriffen, ebenso wie der Kosovo-Krieg, Securitate und andere ost-europäische Erfahrungen, bearbeitet von Autoren mit dortigen Wurzeln, wie Hertha Müller oder Sasa Stanišić.
Wohin will ich mit dieser Einführung? Nun, hier im Forum ist Genre-Literatur stark vertreten, in der es allerlei phantastische Elemente gibt. Zeitgenössische Texte stammen meinem Eindruck nach nicht unbedingt von den jungen Mitgliedern unserer Community. Wie steht ihr aber zu Texten, geschrieben von Menschen, die heutzutage alle in Berlin zu wohnen scheinen und sich in ihnen mit der Welt um sie herum beschäftigen? Sind euch Bücher von Christian Kracht zu hochtrabend; die Nominierten der führenden Buchpreise zu langweilig? Überlest ihr die Empfehlungen im KulturSpiegel, weil ihr eh wisst, dass sie euch nicht interessieren werden? Oder aber: Verpasst ihr nie eine Ausgabe von Druckfrisch im Ersten? Geht ihr stets in die kleine Buchhandlung am Eck, weil die studierte Germanistin dort weiß, worüber der Literaturbetrieb gerade spricht? Interessiert euch, dass im Herbst das literarische Quartett wieder aufgelegt wird?

EDIT: Dieser Thread für alles offen sein, was die deutsche Sprache in Sachen Literatur so hergibt (wobei Thomas Mann und Vorkriegskonsorten hier nicht unbedingt interessant sind) und es eben nicht nur etablierten Literaturkritikern überlassen, die Bandbreite von einem intellektuellen Uwe Tellkamp bis zu einem leichter verdaulichen Martin Suter abzudecken.

Dafür habe ich hier ein paar Links, die das Thema veranschaulichen:

Bachmannpreis
Die Autoren
Ihre Lesungen und die Jurydiskussionen - Ich selbst finde vor allem die Texte von Gomringer, Präauer, Grigorcea und von Rönne interessant.

ARD Druckfrisch
Übersicht
Denis Scheck kommentiert die Bestsellerliste

Zeitungen
Literatur-Ressort Die Zeit
Literatur-Ressort FAZ
Literatur-Ressort Der Standard
Literatur-Ressort Neue Zürcher Zeitung

Preise
Longlist des Deutschen Buchpreises 2014 - Im September werden die Nominierten für den diesjährigen Preis bekanntgegeben.
Shortlist des Preises der Leipziger Buchmesse 2015

Diskussionen
"Letzte Ausfahrt Uckermark" - Der Schriftsteller Maxim Biller in Die Zeit über die Langeweile der deutschen Gegenwartsliteratur.
Eine Antwort des Kritikers Iljoma Mangold in der gleichen Zeitung.

"Lassen Sie mich durch, ich bin Arztsohn" - Der Hildesheim-Absolvent Florian Kessler in Die Zeit über Schreibinstitute.
Eine Antwort von Nora Bossang, ebenfalls in Die Zeit.

Leseproben
Leif Randt - Schimmernder Dunst über Coby County
Wolfgang Herrndorf - Tschick
Helene Hegemann - Jage zwei Tiger
Sasa Stanisic - Wie der Soldat das Grammofon repariert
Stefanie de Velasco - Tigermilch
Benedict Wells - Becks letzter Sommer - Zum Ende der Seite scrollen
Juli Zeh - Nullzeit
Sibylle Berg - Der Tag, als meine Frau einen Mann fand
Christian Kracht - Imperium
Clemens Meyer - Im Stein
Clemens Setz - Indigo
Georg Klein - Die Zukunft des Mars
Leif Randt - Planet Magnon
Christian Kracht - Ich werde hier sein, im Sonnenschein und im Schatten - Hörprobe


Alle Beiträge dieses Benutzers finden
Diese Nachricht in einer Antwort zitieren
Beitrag #2 |

RE: DACH lesen und sich langweilen?
Hallo Mr Moonlight,

spannende Frage und ich gebe zu, dass ich mich mit manchen Sachen noch nicht so intensiv auseinandergesetzt habe, daher wird sich meine Meinung vielleicht auch noch mal ändern. Und man wird ja älter - die Lebenswirklichkeit verändert sich Icon_smile
Ich finde es schon beeindruckend, wie durch Bestsellerlisten und diverse populäre Preise das Kaufverhalten der Leser beeinflusst wird und damit Meinungsmache entsteht. Denn für mich ist das nichts anderes als Kontrolle der Leserschaft und vor Allem des Geldes, dass diese für Bücher ausgeben. Über viele Jahre wurden grundsätzlich nur Bücher in Deutschland ausgezeichnet oder überhaupt auch nur erwähnt, wenn sie irgendeinen Bezug zum 2. Weltkrieg hatten.
Auf den Bestsellerlisten befindet sich soviel Schrott, dass ich diese grundsätzlich links liegen lasse. Manchmal ziehe ich mir die Leseproben, um vielleicht etwas zu finden, was mich genug beeindruckt, um dabei zu bleiben. Das hat in den letzten acht! Jahren nicht ein einziges Mal funktioniert.
Aber das ist natürlich völlig subjektiv. Aus meiner Lebenswirklichkeit heraus. Da ist eben kein Raum für viele Dinge, mit denen sich andere beschäftigen.
So genannte höhere Literatur? Was soll das denn eigentlich sein? Ich habe niemals Goethe oder Schiller, Thomas Mann oder Shakespeare gelesen. Außer mal gezwungenermaßen in der Schule. Warum? Weil es mich zu Tode gelangweilt hat. Weil das nicht in meine Lebenswirklichkeit gepasst hat und noch immer nicht passt. Es ist nicht meine Sprache, nicht meine Gesellschaft, ich finde mich dort nirgendwo wieder. Und ich finde es nichtmal spannend.
Was ich allerdings mache, seit dem ich schreibe, ist Texte zu analysieren. Da kann durchaus auch mal ein Ulysses dabei sein, einfach, weil ich wissen will, wie die Autoren das gemacht haben. Vieles ist raffiniert, von allen kann man irgendwas dazulernen - das ist eigentlich der einzige Grund, warum ich überhaupt lese. Um dazuzulernen. Meistens kriege ich ein Buch aber nicht zu Ende und das ist auch garnicht der Sinn der Sache für mich. Da muss eine Story mich schon wirklich vom Hocker reißen.
Ich bin trotzdem überzeugt davon, dass es viele gute Autoren und sehr gute Geschichten gibt - die allerdings nicht auf die Bestsellerlisten kommen oder Preise gewinnen. Es gibt einen Grund, warum sich deutsche Bestseller-Autoren in der Regel nicht nach Amiland verkaufen lassen. Die wollen unseren Schrott da drüben einfach nicht, und zurecht. Ich will hier ausdrücklich erwähnen, dass es Ausnahmen natürlich gibt.
Das letzte Buch (außerhalb von Fantasy), dass ich vollständig gelesen habe, weil es mich gefesselt hat, war "Die Asche meiner Mutter" von Frank McCourt. Und das hat nur funktioniert, weil meine Familiengeschichte so krass war und mich das Buch erinnerte - ich habe es gehasst, war schockiert, voller Mitleid, aber der Prota hat mich einfach nicht losgelassen. Hätte es mich nicht in meiner eigenen Lebenswirklichkeit abgeholt, hätte ich es niemals zu Ende gelesen.
Ich könnte noch mehrere Seiten darüber schreiben, aber eigentlich ist das für mich als Schreiber alles nicht wichtig. Ich möchte ein wirklich gutes Buch schreiben, mir liegt diese Geschichte am Herzen. Vielleicht wird das niemals gelingen. Dann ist es so. Aber ich werde mich weder an Bestsellern noch an den Medien oder irgendwelchen Meinungsverbreitern orientieren, denn das hat mit mir, der ich meine Lebenszeit darein investiere, einfach nichts zu tun.

So long, slainte music


Mich kann man nicht komprimieren!

Alle Beiträge dieses Benutzers finden
Diese Nachricht in einer Antwort zitieren
Beitrag #3 |

RE: DACH lesen und sich langweilen?
Slainte, du wirfst gleich im zweiten Satz die Frage auf, wie sinnvoll Literaturpreise sind. Die einen sagen, diese Preise sind kommerziell und fokussieren die mediale Aufmerksamkeit auf fünf Bücher der Shrotlist, während sich für die restliche besondere Literatur keiner interessiert. Andere sagen, durch die Preise würden herausragende Bücher bekannt, die es allein nicht aus ihrer Kulturnische geschafft hätten. Der diesjährige Preis der Leipziger Buchmesse ging z.B. an einen Gedichtband, der es dann sogar auf die Bestsellerliste schaffte - für Lyrik bisher undenkbar. Dass darum alles, was auf deutschen Bestsellerlisten steht Mist ist, will ich anzweifeln. Immer gleiche Populärliteratur findet man dort häufiger, ja, aber wenn man statt der Top 10 mal die Top 20 googelt, gibt es da immer öfter eine Perle zu entdecken. Und wenn diese es dank Literaturpreisen auf die Liste schaffen, finde ich das gut.

Zitat:Es gibt einen Grund, warum sich deutsche Bestseller-Autoren in der Regel nicht nach Amiland verkaufen lassen. Die wollen unseren Schrott da drüben einfach nicht, und zurecht. Ich will hier ausdrücklich erwähnen, dass es Ausnahmen natürlich gibt.

Unsere Bestseller wie Tommy Jaud und die ganzen Regionalkrimis gefallen mir nicht und schaffen es vielleicht auch wegen ihrer Qualität nicht ins Ausland. Doch man muss sagen, dass nicht-englischsprachige Literatur es im Ausland allgemein schwer hat. Weder die Italiener, noch die Franzosen etc. exportieren außer einigen Dauerbrennern ihre Literatur. Deutschland gelingt das zur Zeit mit Daniel Kehlmann und (warum wohl?) "Er ist wieder da" von Timur Vermes und Charlotte Roches "Feuchtgebiete". Auch Süßkinds "Das Parfüm" und Schlinks "Der Vorleser" sollen hier, wenn sie auch schon etwas älter sind, erwähnt werden; Ersteres wird seit Jahren in der Modern-Classics-Reihe des britischen Penguin-Verlags verlegt, was ich so ziemlich als Ritterschlag wahrnehme.

Ich habe übrigens den Begriff "höhere Literatur" wieder aus meiner Einführung entfernt, weil ich eben nicht beabsichtige, hier über Goethe, Kleist und die Manns zu sprechen.


Alle Beiträge dieses Benutzers finden
Diese Nachricht in einer Antwort zitieren
Beitrag #4 |

RE: DACH lesen und sich langweilen?
Das ist echt schwierig. Wenn ich Schriftstellerei mit der Bildhauerei vergleiche, dann haben wir einerseits die "Preisträgerskulpturen", dann "Allerweltsskulpturen"( Den Löwen im Garten) und dann gehört da noch der Tisch mit den Löwenfüßen dazu bis hin zum praktischen Tisch. Der praktische Tisch hat in diesem Sinne nichts mit Bildhauerei zu tun, er hat also den "Kunstlevel von Null. Der Tisch mit den Löwenfüßen ist "Kunsthandwerk" und auch die "Allerweltsfiguren" sind eher Gebrauchtskunst, Sie haben also schon einen gewissen Kunstlevel. Im schriftstellerischen Sinne ist es nach meiner Erfahrung so, dass Germanisten handwerkliches Herangehen beim Schreiben total oder weitestgehend ablehnen. Ich habe Leute kennengelernt, die einzig dem "Genius" des Autors den Text zuschreiben. Ein wesentlicher Punkt deren Herangehehensweise ist die "Hermeneustik"-Was will uns der Künstler(Autor) mit dem Kunstwerk sagen?

Ehrlich gesagt will ich mit meinen Texten keine Botschaften überbringen, sondern einfach über eine Person oder Personengruppe erzählen. Eine Interpretation des Textes ist durch mich nicht vorgesehen. So sind meine Texte dann wohl auch zu profan.

Ich habe gerne mal ins literarische Quartett oder anderen Literatursendungen reingesehen, aber ich kann dem wenig abgewinnen. Uwe Tellkamps "Turm" mag literarisch sehr wertvoll sein, ich lehne das aber ab, weil er über ein leben in der DDR schreibt, dass die meisten Menschen so nicht gelebt haben. Es war der Ort einer Elite in der DDR, über den er schreibt. Eine Reduktion des Lebens in diesem zweiten deutschen Staat auf eine Diktatur wird der Vielschichtigkeit des Lebens nicht gerecht. Und eine Reduktion der Autoren wird auch dem damaligen Literaturbetrieb nicht gerecht. Die Mischung aus Reportage und Fiktion, wie sie ein Harry Thürk vollbrachte, sucht nach meiner Meinung heute ihres gleichen. Aber genau da ist wieder der Punkt, dass das dadurch Alltagskunst ist, und in den Literaturpreisen nicht erfaßt wird.

Soweit meine Meinung. Ich lasse mich aber gerne korrigieren.


Alle Beiträge dieses Benutzers finden
Diese Nachricht in einer Antwort zitieren
Beitrag #5 |

RE: DACH lesen und sich langweilen?
Ich finde deinen Bildhauer-Vergleich interessant. Jeder Autor kann also einen Tisch aus Stein hauen; die Enden der Tischbeine in die Form von Löwenfüßen zu fräsen, verlangt schon mehr Können. Eine Löwenskulptur muss man zwar erstmal hinbekommen, aber man sieht sie so oft, dass sie langweilt. Und dann gibt es da das Meisterstück, eine Statue, die ihresgleichen sucht. Welche Texte nun mit den jeweiligen Bildhauerarbeiten verglichen werden können: Das ist ja der Kern der Literaturkritik. Da sagt der eine: Schau dir diesen Löwen an, meisterlich. Der Nächste sagt: Stimmt, aber so ein Löwe steht doch in jedem Garten - warum soll ich jemanden, der handwerklich gut arbeitet, loben, wenn er keine eigenen Ideen hat?
In der Malerei kann man diese Unterscheidung gut beobachten: Vielleicht kennt man jemanden, der richtig gut malen kann. Ein Blatt Papier, ein Bleistift und - schwups! - zeichnet derjenige das Porträt seines Gegenübers so realistisch, als wäre es ein Foto. Handwerklich top, aber soll ich mir Jahrhundertelang nur Bilder ins Haus hängen, deren Motive aussehen, als wären es Fotos?

>>> "Was will der Autor uns damit sagen?"
Eine dumme Frage. Schriftsteller erstellen nicht Texte und fertigen nebenher eine Checkliste mit ihren eigentlichen Aussagen an; und den Text versteht man dann nur, wenn man beim Lesen alle Kästchen ankreuzen kann. Ich habe mal gelesen: Der Text ist schlauer als sein Autor. Texte lassen also Interpretationen zu, die sein Autor vielleicht nicht beabsichtigt hat. Es geht nicht um Botschaften, die er überbringen will, doch wenn ein Autor einen Text ehrlich und wahr genug schreibt, können sich im Ton des Texts eine Einstellung/Haltung/Meinung/Standpunkt wiederspiegeln.


Alle Beiträge dieses Benutzers finden
Diese Nachricht in einer Antwort zitieren
Beitrag #6 |

RE: DACH lesen und sich langweilen?
Zitat:Dass darum alles, was auf deutschen Bestsellerlisten steht Mist ist, will ich anzweifeln.
Ich verwehre mich gegen jegliche Generalisierung. Natürlich gibt es Ausnahmen, und von der Autorenseite aus betrachtet: Für die, die wirklich auf den Markt wollen, ist eine Auszeichnung, ein Preis, ein Abdruck und vielleicht die Bestsellerliste ein wichtiger Meilenstein für die eigene Karriere. Und ja - natürlich gibt es auch mal wirklich gute Leute, die auch verdient haben, was sie da an Preisen kassieren. Ich glaube sowieso, dass es eine Menge sehr guter Schreiber in Deutschland gibt, die leider miteinander in Konkurrenz treten müssen, wenn sie am Markt platziert sein wollen.
Dennoch ziehe ich das ganze System in Zweifel - zuviele Spielregeln, die von Geldmachern vorgeschrieben werden und den Autoren die Zwangsjacke anziehen. Ich bin gespannt - ich will auch auf diesen Markt. Aber nicht um den Preis der Freiheit meiner Fantasie. Ich will keine Fesseln - die habe ich schon genug. music


Mich kann man nicht komprimieren!

Alle Beiträge dieses Benutzers finden
Diese Nachricht in einer Antwort zitieren
Beitrag #7 |

RE: DACH lesen und sich langweilen?
Das heißt "Hermeneutik" und ist als solches tatsächlich eine Zweigwissenschaft der Literaturwissenschaft. Das kannst du nicht so einfach abtun. Denn ich finde, wie du damit umgehst ist Teil der Antwort auf deine Frage. Tatsächlich ist auch den Text interpretierbar. Auch wenn es nicht das ist, was du willst. ich erinnere mich, dass man uns in Deutsch in der 9. und 10. Klasse damit regelrecht drangsaliert hat.

Ich empfinde Bestsellerliste und Preise manchmal eher konträr. Was den Kritikern, den Germanisten, die die Texte interpretieren, als besonders wertvoll erscheint, kann und muss nicht ein Bestseller sein, da der sich im Idealfall am Geschmack der Masse orientiert. Dass dass mit Werbung und Platzierung gesteuert wird, ist mir auch klar.

Aber trotz alledem muss ich mich weder am einen noch am anderen orientieren. Weder "Herr der Ringe" noch "A Song of ice and fire" ist so richtig das, was ich machen will. Beides sind Bestseller, unbestritten. Doch was sagen die Kritiker dazu? Ich weiß es nicht, und es interessiert mich auch nicht. Ich kann selbst im Fantasy-Bereich aus unendlich mehr Quellen schöpfen.

Was ist ein Buch Kunst, oder literarisch wertvoll? Das ist eine Frage, die immer noch im Raum steht. Der Vergleich mit der Bildhauerei war ein Modell, sich der Antwort zu nähern. Aber wie jedes Modell war auch das unvollkommen.


Alle Beiträge dieses Benutzers finden
Diese Nachricht in einer Antwort zitieren
Beitrag #8 |

RE: DACH lesen und sich langweilen?
(05-07-2015, 17:10)slainte schrieb: Dennoch ziehe ich das ganze System in Zweifel - zuviele Spielregeln, die von Geldmachern vorgeschrieben werden und den Autoren die Zwangsjacke anziehen. Ich bin gespannt - ich will auch auf diesen Markt. Aber nicht um den Preis der Freiheit meiner Fantasie. Ich will keine Fesseln - die habe ich schon genug. music

Kommt ganz drauf an, mit welcher Intention du auf diesen Markt willst. Wenn es um eine möglichst große Leserschaft und dicken Profit geht, wird an den großen Verlagen, mit all ihren zentnerschweren Stahlfesseln nicht vorbeiführen, es sei denn, dir ist eine Idee einegeben, die von Socken reißt und zwar so richtig - was Seltenheitswert hat.
Es gibt aber inzwischen genug andere Möglichkeiten zu publizieren, über Nischenverlage, Self-Publishing und einiges anderes: Die Reichweite ist mit Sicherheit eine andere, aber eben auch die Selbstständigkeit. Auf dem Markt ist man trotzdem, jedoch selbstbelassen und nicht eine verdrehte Vision derer, die genau zu wissen meinen, was gelesen werden will oder den Menschen einbläuen, was sie denn richtig gerne lesen würden.

Alles eine Sache der Intention!

"But please, feel free to piss in the garden!"

Adam, Only Lovers left alive

Alle Beiträge dieses Benutzers finden
Diese Nachricht in einer Antwort zitieren
Beitrag #9 |

RE: DACH lesen und sich langweilen?
@Schreibfisch
Der wunderbare Kritiker Denis Scheck rezensiert in seiner ARD-Sendung zwar allerlei zeitgenössische, "schlaue" Bücher, aber er mag auch Fantasy:
Scheck empfiehlt Der Hobbit,
Der Name des Windes
und interviewt G.R.R. Martin.

Zum Thema "Kommerz": Viele Autoren bleiben auf der Strecke. Unter ihnen gibt es viele, deren Bücher nicht gut genug sind, um eine Leserschaft zu finden, aber auch solche Autoren, deren gelungene Werke von Verlagen abgelehnt werden, weil sie sich schlichtweg nicht verkaufen. Welche Lösung soll es dafür geben? Jeden verlegen, der schreibt? Sicher nicht. In einem Interview mit einem großen Verleger (wenn ich auf den Namen komme, versuche ich, einen Link nachzureichen; ich glaube Helge Malchow von KiWi) erklärte er, dass man sich gut verkaufende Autoren ins Programm nehmen müsste, um Geld zu haben, auch so etwas wie südamerikanische Lyrikbände zu verlegen.
Das Verlegen von Büchern ist ein Geschäft, aber ich denke, es ist noch eines der Besseren, da man versucht, möglichst viel Qualität auf den Markt zu bringe. In meiner kürzlichen Arbeitserfahrung habe ich mit den Marketingleitern einiger Verlage zu tun gehabt und ich muss sagen: Die haben keine Kohle zur Verfügung. Ein Grund dafür ist sicher, dass Bücher einfach kein Produkt sind mit dem man reich wird. Der mir wichtige Grund ist aber, dass Marketingbudget für Bücher ausgegeben wird, die nicht von Charlotte Roche und Tommy Jaud sind, weil Verlage wie Suhrkamp, Aufbau, Berlin-Verlag solche "Trivialliteratur" gar nicht verlegen. Die wollen Bücher an den Mann bringen, die einen Standpunkt haben, die neu und frisch sind, die Literatur sind. Der Verlagswelt Geldgier vorzuwerfen erscheint mir falsch. Der Literaturbetrieb muss sicher zusehen wie Rechnungen bezahlt werden und kann nicht jedem Schriftsteller, der es verdient hätte, ein Medium bieten - aber er ist ganz bestimmt kein rechter Arm des Kapitalismus.

(Hach, nennt mich Romantiker ...)

@Niemand
Du hast recht; man muss eine Entscheidung treffen: Will man reich und berühmt werden oder integer und handwerklich herausragend? Letzteres generiert ein kleineres Einkommen, aber sichert einem mitunter viel Respekt und Anerkennung, auch von anderen Autoren. Daniel Kehlmanns Romane z.B. verkaufen sich gut, aber werden auch von der Kritik hochgelobt - er hat also beides, dieser Glückspilz.


Alle Beiträge dieses Benutzers finden
Diese Nachricht in einer Antwort zitieren
Beitrag #10 |

RE: DACH lesen und sich langweilen?
*Anmerkungen entfernt*
D.


Alle Beiträge dieses Benutzers finden
Diese Nachricht in einer Antwort zitieren


Gehe zu:


Benutzer, die gerade dieses Thema anschauen: 1 Gast/Gäste

Deutsche Übersetzung: MyBB.de, Powered by MyBB, © 2002-2022 MyBB Group.

Design © 2007 YOOtheme