Es ist: 27-06-2022, 23:02
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Die Jagd (4/4)
Beitrag #1 |

Die Jagd (4/4)
Manchmal enden diese schwarzen Löcher in meinem Kopf so schnell wie sie gekommen sind. Es ist ein gutes Jahr her, dass ich diese Tatsache das erste Mal beobachten konnte. Ich saß in meinem Zimmer, um zu lernen, hatte aber keine Konzentration. Ich sah noch die Schere und staunte Stunden später über die blutigen Löcher in meinem Unterarm. Wie das passiert ist, konnte ich wohl ahnen, aber eine Erinnerung war nicht vorhanden. Erst zwei Tage nach jenem Tag, abends im Bett, als ich mal wieder nicht schlafen konnte und das Gefühl hatte, dass die Decke meines Zimmers immer näher kommt, um mich zu erdrücken, kehrte sie zurück. Mit voller Wucht, und ich war mehr als schockiert, als ich plötzlich jenes Bild vor mir sah, in dem ich mit völlig ausdruckslosem Gesicht und starrem Blick die Schere in der Hand hatte und stumpfsinnig meinen eigenen Arm bearbeitete.
Erzählt habe ich es allerdings keinem. Wo hätte ich das auch tun sollen? Und vor allem wie, ohne dass mich die Person dann für verrückt erklärt hätte. Ich behielt es für mich, mein kleines Geheimnis. Dem andere folgten. Ich bin doch nicht verrückt. Ich doch nicht.
Geht's nicht mehr weiter, fette Sau?
Saskia, Vera. Nadine, die Maschin...und dann tauchen da vorne am Ende der Lichtung die Mörder auf!

Nein, weiter geht es jetzt nicht mehr, aber ganz vorbei ist es auch nicht. Ich wühle in meinem Rucksack, ohne zu wissen, was ich eigentlich suche. Die Hand scheint etwas zu ahnen, wovon der Kopf noch keine Ahnung hat. Dann aber spüre ich das kalte Metall an den Fingern, umklammere es und ziehe es mit einen Ruck heraus. Einer der Jäger steht da vorne und hält ein Megaphon in den Händen, in welches er irgendetwas spricht. Worte...meine Sprache, und doch wieder nicht. Das alles betrifft mich nicht. Die Mörder sind da. Und mich kriegen sie nicht kampflos.
Wumm! Das Teil, das ich hervor gekramt habe, ist eine Waffe, und sie liegt ziemlich schwer in meiner Hand. Wumm! Und ein drittes Wumm, und dieses Mal habe ich fast getroffen. Der Typ mit dem Megaphon flucht und stolpert rückwärts, und auch seine Begleiter ziehen sich zurück und gehen in Deckung. Und ich blicke staunend auf diesen ziemlich großen Revolver in meinen Händen.
Eine Waffe! Nein, nicht eine Waffe. Nicht irgendeine.
Papas Waffe! Papas alte Waffe aus ganz alten Stasizeiten. Sein Dienstrevolver!
Und dieses Mal hat diese merkwürdige Stimme recht. Das ist tatsächlich jene Waffe, die mein Vater immer wie einen Augapfel gehütet hat. Wie ein Relikt aus ganz fernen Zeiten, in denen die Welt zumindest scheinbar noch in Ordnung gewesen ist. Seiner Meinung nach! Wie kommt die in meinen Rucksack? Er wird sehr böse sein, wenn er erfährt, dass ich sie einfach genommen habe. Aber jetzt mus sich mich doch verteidigen gegen diese Mörder, von denen der eine schon wieder etwas zu mir herüber schreit. Dazu das Brummen des Hubschraubers.
Da sind Flecken auf Vaters Waffe, und sie sind nicht sehr alt. Frisch getrocknet würde ich sagen, obwohl er sie doch immer reinigt. Das ist Blut, getrocknetes Blut, und es scheint noch nicht sehr lange auf der Waffe zu sein. Und in jenem Moment kehrt die Erinnerung zurück, und sie tut es mit der Wucht, die meinen ganzen Körper zum Zittern bringt.
Saskia, Vera, Nadine – die drei. Meine drei. Aber was genau? Freundinnen sind sie nie gewesen, obwohl ich das in meiner Sehnsucht nach Anerkennung anfangs noch gehofft hatte. Das Zelten. Diese ganze Tour. Für mich eine Tortur. Immer wieder Spott und Hohn und Streiche auf meine Kosten. Das schrille Lachen der Anführerin und Vera als williges Werkzeug. Und Nadine, die auch mitmachte, obwohl ich gerade bei ihr auf etwas anderes gehofft hatte!
Habe ich sie deswegen als Erste erschossen? Oder wollte ich nur verhindern, dass sie als die sicher Stärkste versucht, sich zu wehren, wenn ich mit einer anderen beginne? Ich kann es nicht mehr sagen, aber plötzlich hatte ich diese Waffe in der Hand.
Und es hat Wumm gemacht!
Ja genau. Ich wollte das nicht. Aber dann lag da Nadine und ich wusste sofort, dass nichts mehr zu machen ist. Und dann schrie Vera. Sie lief nicht weg. Sie starrte mich einfach nur an und schrie. Es tat so weh in meinen Ohren. Das erneute Geräusch der abgefeuerten Waffe war eine Erlösung. Mehrmals. Dann bin ich aufgestanden. Saskia suchen. Unsere Königin. Die Anführerin. Saskia. Die mit den süßen Gesicht eines Engels und der Seele eines Teufels. Dann stand sie plötzlich vor mir. Gehetzt, geschockt und auch fragend, da sie die Schüsse gehört hat. Ich erinnere mich, dass sie sehr schnell begriffen hat. Merkwürdig war allerdings, dass sie nicht versuchte, in den Wald zu fliehen. Vielleicht hätte sie dann eine kleine Chance gehabt, denn mit meinem Gewicht hätte ich ihr nicht lange folgen können. Aber wahrscheinlich nicht, da ich sie sicher am Rücken erwischt hätte. Nein, die kleine süße Saskia ist völlig sinnlos in ihr Zelt geflohen. Als könnte das dünne Tuch mich und Vaters Waffe draußen lassen. Dabei hat sie einen Schuh verloren. Und jetzt weiß ich auch, warum ich ihr in den Kopf schießen musste – das Gesicht war einfach zu süß. Und sie war immer herzlos gewesen. Voller Spott und Arroganz. Ich weiß jetzt wieder, dass mich nach ihrem Tod die Neugier packte, ob sie überhaupt eines hat.
Ich lasse diese neue Erkenntnis auf mich wirken, aber es ist kein guter Zeitpunkt, mich mit dem Erinnern zu befassen. Denn plötzlich deckt mich ein Kugelhagel ein, und als ich zurück schießen möchte, prallt etwas Hartes gegen meine Schulter. Der Schmerz kommt erst Sekunden später und bohrt sich bis in meinen Arm. Ich schnappe nach Luft. Die Waffen schweigen.
Erneut höre ich die Stimme des Mannes mit dem Megaphon. Er spricht von der Polizei und dass alles umstellt sei. Und dass dies meine letzte Möglichkeit ist, aufzugeben. Es keinen Sinn mehr hätte.
Von welchem Sinn spricht diese Person? Von seinem oder meinem oder gar dem universellen des Lebens? Demütigung und Hass, Mobbing und Verletzungen und immer wieder Worte, die schärfer waren als jedes Schwert. Dachte ich daran, als ich die Waffe eingepackt habe? Ich habe so gehofft, dass diese Tour ein Neuanfang werden würde. Dass ich doch noch zu ihnen gehören würde. Ich habe doch sonst keinen auf der Welt! Aber es wurde stattdessen die Hölle mit Hohn und Spott. Keine Entspannung. Nirgends. Und keine Hoffnung. Ich wollte das nicht. Ich wollte das wirklich nicht!
Sei jetzt tapfer, Mädchen! Die fette Sau ist tot. Sie ist gestern schon gestorben, in jener Nacht, als die Waffe den Weg in deine Hände fand. Sei jetzt auch Du tapfer, nur dieses eine Mal noch!
Ja, sage ich zu mir selbst. Ich nehme die Waffe, die jetzt im Dreck liegt, in meinen gesunden linken Arm. Gleich wird es weh tun. Dann richte ich mich mühevoll auf, während mein Rücken protestiert und der Arm der getroffenen rechten Schulter nach unten hängt.
Ich grinse den Polizisten zu, bevor ich Vaters Waffe auf sie richte. Und dann wird es noch einmal richtig laut.


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Beitrag #2 |

RE: Die Jagd (4/4)
Hallo Angel Dust,
Schade, schon vorbei, aber ich bin tierisch stolz auf mich. Geheimnis gelöst und ich wusste es Mrgreen  Mandy war die Mörderin.
Ein packender, mitreißender Thriller, da gibt es nichts anderes zu sagen. Hoffe, noch mehr von dir zu lesen.

Viele Grüße Siri

Den Stil verbessern, das heißt den Gedanken verbessern

(Friedrich Nitzsche)



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Beitrag #3 |

RE: Die Jagd (4/4)
Hallo AngelsDust,
 
auf zum letzten Teil. Icon_smile
 
Zitat:Einer der Jäger steht da vorne und hält ein Megaphon in den Händen, in welches er irgendetwas spricht.
 
Das hier ist so ein Hinweis, der meine Theorie, dass sie sich die Jäger nur einbildet ins Wanken bringt. Neue Idee: Vielleicht ist das ja ein Rettungstrupp, der sie finden und retten soll und sie bekommt das nicht mit. Icon_confused Sowas ähnliches dachte ich beim Auftauchen des Hubschraubers schonmal: Das sie eigentlich nicht wissen kann, dass er von den Jägern ist und zu ihrer Rettung geschickt sein könnte.
 
Zitat:Papas Waffe! Papas alte Waffe aus ganz alten Stasizeiten. Sein Dienstrevolver!
 
Okay an dieser Stelle braucht man doch den Hinweis, mit der Vergangenheit ihres Vaters. Aber ich finde das würde auch funktionieren, wenn er zum Beispiel Sportschütze wäre und sie eben die Waffe genommen hat. Icon_wink  
 
Zitat:Aber jetzt mus sich mich doch verteidigen gegen diese Mörder,
 
muss

So und das wars jetzt auch schon mit dem letzten Teil. Meine Theorie hat ja fast gestimmt, sie hat tatsächlich ihre Freundinnen erschossen und die Jäger waren die Polizei. Wer die nun verständigt hat, kann ich mir im Moment nicht so richtig erklären, weil die Mädchen ja noch nicht lange auf ihrer Zelttour sind, wenn ich das richtig in Erinnerung hab. Vielleicht war es ja ein Elternteil, der seine Tochter nicht mehr erreichen konnte. Aber das musst du nicht unbedingt noch einbauen, es war nur so ein Gedanke. Icon_wink
 
Ja, wie du vielleicht schon gemerkt hast, hast du mich mit der Geschichte überzeugt. Auch, wenn ich schon zwischendrin mal ahnte, dass Mandy es selbst war, hat mich das Ende doch ein wenig überrascht. Erstmal, dass sie die Waffe dabei hatte und nun damit um sich schießt (ich dachte sie erschießt sich selbst) und auch, weil sie von der Polizei verfolgt wurde. Auf die Theorie hat mich hauptsächlich gebracht, dass sie als einzige überlebt hat und ihre Erinnerungslücken, die offensichtlich geheimnisvoll wirken sollten. Icon_wink
 
Am Anfang haben mir ja diese Vergangenheitseinschübe nicht so gefallen und dabei ist es bis zum Ende auch geblieben. Die Mädchen vorzustellen kannst du (wie schon erwähnt) immer noch wenn Mandy die Leichen findet und das mit der Vergangenheit ihrer Familie brauchst du eigentlich gar nicht. Irgendeinen einfachen Grund warum der Vater eine Waffe zu Hause hat lässt sich leicht finden. Icon_wink

Was mir auch noch gerade einfällt: Du könntest die einzelnen Teile untereinander verlinken, dann kann der begeisterte Leser gleich weiterspringen und -lesen. Icon_wink
 
Aber das ist auch der einzige wirkliche (kleine) Kritikpunkt, den ich gefunden habe. Es hat Spaß gemacht die Geschichte zu lesen, mitzurätseln und mitzufiebern. Pro

Liebe Grüße,
Lady

Wer nicht kann, was er will, muss das wollen, was er kann. Denn das zu wollen, was er nicht kann, wäre töricht. -Leonardo da Vinci-
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Beitrag #4 |

RE: Die Jagd (4/4)
Uff...lange nicht mehr richtig hie rein geschaut, weil in meinem Leben im Moment ein bisschen viel drunter und drüber geht Icon_igitt !

ABER: Das wird wieder besser, spätestens im Herbst, und dann bin ich auch wieder richtig hier.

Und auch wenn ich jetzt nicht direkt auf Verbesserungsvorschläge und alles eingehen kann, habe ich eure Tipps und euer "Urteil" zu der Geschichte gelesen Icon_smile . Und ich bedanke mich mal ganz herzlich bei euch beiden. Ich hatte gar nicht mehr geglaubt, dass zu der Geschichte noch etwas kommt.

Umso mehr freue ich mich, wenn ihr sie insgesamt gerne gelesen habt und ihr auch beide wohl gegen Ende die richtige Vermutung hattet, was die wirkliche Mörderin angeht Pro .

Vielen Dank nochmals und wie gesagt...doofe Pause, aber ich komme wieder und will dann auch mal wieder eine neue Story rein stellen. Euch alles Gute!

Du fragst, warum mein Leben Schreiben ist
Ob es mich unterhält?
Die Mühe lohnt?
Vor allem aber, macht es sich bezahlt?
Was wäre sonst der Grund??
Ich schreib allein
Weil eine Stimme in mir ist,
Die will nicht schweigen?" (Sylvia Plath)

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Beitrag #5 |

RE: Die Jagd (4/4)
Und zum letzten Kapitel.

Technische Anmerkungen:

Zitat:Die Hand scheint etwas zu ahnen, wovon der Kopf noch keine Ahnung hat.

Ein sehr schöner Satz, wie ich finde. Ich glaube auch, dass es die Situation verdammt gut beschreibt.

Zitat:Und dieses Mal hat diese merkwürdige Stimme recht.

Die Stimme hatte doch bis jetzt immer Recht. (Zumindest pflichtet sie ihr immer bei.)
                                                                        
Zitat:Aber jetzt mus sich mich doch verteidigen gegen diese Mörder, von denen der eine schon wieder etwas zu mir herüber schreit.

Der Quoten-Rechtschreibfehler: muss ich

Zitat:Und es hat Wumm gemacht!

*hust* Da hatte ich zuerst gedacht: Okay, Mazda-Fahrer.

Zitat:Ja genau. Ich wollte das nicht. Aber dann lag da Nadine und ich wusste sofort, dass nichts mehr zu machen ist. Und dann schrie Vera. Sie lief nicht weg. Sie starrte mich einfach nur an und schrie. Es tat so weh in meinen Ohren. Das erneute Geräusch der abgefeuerten Waffe war eine Erlösung. Mehrmals. Dann bin ich aufgestanden. Saskia suchen. Unsere Königin. Die Anführerin. Saskia. Die mit den süßen Gesicht eines Engels und der Seele eines Teufels. Dann stand sie plötzlich vor mir. Gehetzt, geschockt und auch fragend, da sie die Schüsse gehört hat. Ich erinnere mich, dass sie sehr schnell begriffen hat. Merkwürdig war allerdings, dass sie nicht versuchte, in den Wald zu fliehen. Vielleicht hätte sie dann eine kleine Chance gehabt, denn mit meinem Gewicht hätte ich ihr nicht lange folgen können. Aber wahrscheinlich nicht, da ich sie sicher am Rücken erwischt hätte. Nein, die kleine süße Saskia ist völlig sinnlos in ihr Zelt geflohen. Als könnte das dünne Tuch mich und Vaters Waffe draußen lassen. Dabei hat sie einen Schuh verloren. Und jetzt weiß ich auch, warum ich ihr in den Kopf schießen musste – das Gesicht war einfach zu süß. Und sie war immer herzlos gewesen. Voller Spott und Arroganz. Ich weiß jetzt wieder, dass mich nach ihrem Tod die Neugier packte, ob sie überhaupt eines hat.

Ich zitiere den ganzen Abschnitt. Hier merkt man sehr deutlich, dass Du als Schreiber selbst Fahrt aufgenommen hast, wahrscheinlich in einem sehr guten Moment - aber, wie ich es schon unter andere Geschichten von Dir geschrieben habe, ist der Aufbau konträr zur Absicht. Ich sehe es, dass Du drin steckst, dass Du den Drang hast, alles ganz klar zu beschreiben, aber die Formatierung wird hier zu einem Problem, dem Du Dich nach Abschluss der Arbeiten nicht mehr annimmst. (!) -> Icon_aufsmaul

Ich sage, beziehungsweise schreibe dies ja nicht, weil ich Geld dafür bekomme oder weil mich irgendjemand dazu zwingt. Ich schreibe das, weil ich meine, dass da ein begnadeter Schreiber ist.

Vorschlag, (bei dem ich die 'dann's reduziert und ein paar Wörter beigefügt habe):

Ja genau. Ich wollte das nicht.
Aber dann lag da Nadine und ich wusste sofort, dass nichts mehr zu machen ist. Vera lief nicht weg. Sie starrte mich einfach nur an und schrie. Es tat so weh in meinen Ohren. Das erneute Geräusch der abgefeuerten Waffe war eine echte Erlösung. Mehrmals.
Dann bin ich aufgestanden. Saskia suchen. Unsere Königin. Die Anführerin. Saskia. Die mit den süßen Gesicht eines Engels und der Seele eines Teufels.
Urplötzlich stand sie vor mir. Gehetzt, geschockt und auch fragend, da sie die Schüsse gehört hat. Ich erinnere mich, dass sie sehr schnell begriffen hat. Merkwürdig war allerdings, dass sie nicht versuchte, in den Wald zu fliehen. Vielleicht hätte sie dann eine kleine Chance gehabt, denn mit meinem Gewicht hätte ich ihr nicht lange folgen können. Dafür hätte ich sie ziemlich sicher am Rücken erwischt.
Nein, die kleine süße Saskia ist völlig sinnlos in ihr Zelt geflohen. Als könnte das dünne Tuch mich und Vaters Waffe draußen lassen. Dabei hat sie einen Schuh verloren. Und jetzt weiß ich auch, warum ich ihr in den Kopf schießen musste – das Gesicht war einfach zu süß. Und sie war immer herzlos gewesen. Voller Spott und Arroganz. Ich weiß jetzt wieder, dass mich nach ihrem Tod die Neugier packte, ob sie überhaupt eines hat.


(Der letzte Satz ist übrigens perfekt zur Untermalung des Charakters!)

Zitat:Ich habe doch sonst keinen auf der Welt!

Logik? Vater und Mutter? Beide wurden jetzt nicht so dargestellt, als würden sie ihre Tochter wegen dem Gewicht schlecht behandeln.

Zitat:Und im Feuer war irgendetwas. Da brannte etwas, was dort nicht hingehörte. Ich glaube, da habe ich mich furchtbar aufgeregt.

Aus dem zweiten Kapitel. Dies bleibt unaufgelöst. Was war es also, was die Geschichte, die Flucht, die Jagd ausgelöst hatte? Das bleibst Du dem Leser schuldig.

Inhaltliche Anmerkungen:

Es gefällt mir sehr gut, dass Du den Leser am Anfang direkt ins kalte Wasser schmeißt. Die Informationen werden auch sehr gezielt eingebaut, beziehungsweise fließen hinein, wie auch der Rucksack immer wieder auftaucht, obwohl es eigentlich keinen Grund gibt, ihn direkt mitzunehmen. Ich hatte mich schon gefragt, wieso, denn wenn wirklich eine bedrohliche Situation dagewesen wäre, dann schaut man nicht auf die Uhr und nimmt den Rucksack mit, sondern man rennt was das Zeug hält. Somit wäre der Rucksack als Lebensversicherung ein Teil der dunklen Seite von ihr. (Wäre es Fantasy oder Mystery, hätte man darüber nachdenken könne, ob es letztendlich die Waffe war, die sie dazu verführt hatte und im Folgenden als Stimme im Kopf präsent ist.)

Die einzelnen Szenen im Wald und auch die Lichtung finde ich worttechnisch gut umgesetzt und bleibe bei meiner Meinung dazu. Allerdings hätte man enzelne Sätze außerhalb der jeweiligen 'Ruhephasen' auch etwas - nicht viel - kürzer gestalten können.

Das allmähliche Auflösen der Geschichte weg von einer Jagd der Mörder hin zu einer Jagd nach dem Mörder ist sehr schön anzusehen und auch wohldosiert beschrieben und konstruiert. Ich gebe allerdings zu bedenken, dass bei den wenigen Charakteren eigentlich auch nichts anders als diese Lösung übrig bleibt. Um den Leser noch ein bisschen mehr zu verwirren, beziehungsweise auf eine sprichwörtlich falsche Fährte zu führen, würde ich empfehlen, vorher vielleicht noch einige andere Menschen einzubauen. Vielleicht tatsächlich Jäger, die die vier Mädels böse anschauen. Oder irgendein Spaziergänger, der sie mit lüsternen Blicken angafft. Sie könnte, bei ihrer Suche nach den fehlenden Minuten ja auch über diese Personen spekulieren, dann könnte das der Leser auch. Vielleicht noch eine Zeitungsmeldung, oder (neudeutsch: Whatsup-Meldung), dass in diesem Wald merkwürdige Menschen sind oder einfach nur unheimliche Sachen passieren.

Sehr gut geschrieben. Rechtschreibfehler und sonstige Anmerkungen haben Dir die Vorkommentatoren bereits dagelassen. Würde mich freuen, wenn Du aus Deiner Lethargie zurückkommst.

LGD.


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Beitrag #6 |

RE: Die Jagd (4/4)
Hi dreadnoughts und auch die anderen, die die anderen Teile kommentiert haben ;Icon_wink

Lethargie ist wohl nicht ganz treffend, aber ich war in der Tat lange weg und hoffe, dass ich ab jetzt wieder mehr hier sein kann. Und habe auch vor, mal wieder eine neue Geschichte rein zu stellen. Sollte noch vor Ostern klappen ;Icon_wink

Danke nochmals für eure Hilfe, eure Verbesserungen und auch das Lob. Manchmal ist es witzig, dass gerade die Geschichten gut ankommen, die ich selbst für gar nicht so gelungen halte. Aber umso besser Icon_wink

AngelsDust

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