Es ist: 22-11-2019, 13:13
Es ist: 22-11-2019, 13:13 Hallo, Gast! (Registrieren)


Die Federn des Windes - 9
Beitrag #1 |

Die Federn des Windes - 9
Die Federn des Windes
Teil 0/25-Teil 1/25-Teil 2/25- Teil 3/25-Teil 4/25-Teil 5/25-Teil 6/25-Teil 7/25-Teil 8/25-Teil 9/25-Teil 10/25-Teil 11/25

_______________________________________________________________

9
2010

„Lass los.“
Seine Stimme packte sie und warf sie Jahre zurück in die Vergangenheit – in eine Zeit und an einen Ort, den sie nicht noch einmal besuchen wollte.
Nein, war ihre stumme Antwort, ihr stummes Gebet, während sie sich an der Boxentür festklammerte und Halt im unbeteiligten Schnauben von Skáti suchte. Nicht er. Und schon gar nicht hier.
Seine Stimme hatte etwas in diesem Stall entweiht, hatte den Schutzmantel durchbrochen, den der Hof unbemerkt um sie gebildet hatte und das Echo seiner Worte verschlimmerte diesen Eindruck nur noch. Der Traum. Und das Feuer in der Scheune.
„Was machst du hier?“, zwang sie sich zu entgegnen, als klar wurde, dass er auf eine Reaktion wartete. Das Flackern in ihrem abweisenden Tonfall verriet allzu deutlich ihre Angst, und in einem Anflug von Schicksalsergebenheit drehte sie sich um. Marcel stand drei Boxen entfernt von ihr mit verschränkten Armen lässig an das Holz gelehnt, in seinem Lächeln lag ein Hauch von Spott.
„Mit dir reden, ich dachte, das weißt du“, gab er lachend zurück. „Oder hast du in den letzten Jahren deine Scharfsinnigkeit verloren?“
Unwillkürlich schüttelte Anna den Kopf und brachte die Boxentür wie ein Schutzschild zwischen sich und ihn, worauf Skáti sie verdutzt anstarrte, während Heu aus seinem Maul ragte wie überlange Zahnstocher. Es darf einfach nicht sein. Und doch – eigentlich hatte sie so etwas erwartet. Vielleicht schon seit Jahren, in der Gewissheit, dass er viel zu vernarrt in sie gewesen war, um sie mit Tim gehen zu lassen, spätestens aber seit der Nacht des Scheunenbrandes, seit er sich in ihre Träume und dann auch auf den Hof geschlichen hatte.
„Ich – ich will nicht mit dir reden“, stieß sie hervor, bemüht, in ihren Worten Autorität durchschimmern zu lassen, was ihr aber misslang. „Und außerdem habe ich gar keine Zeit dafür. Ich muss nachher noch eine Reitstunde vorbereiten, da kommen noch ein paar Grünthaler, neue Schüler, und –“ Ihre Lüge erstarb auf ihren Lippen, als sein Lächeln weiter anwuchs und sein schmales Gesicht beinahe sprengte.
„Du hast nachher keine Reitstunde, Anna. Glaubst du, ich wäre nicht schon hier gewesen? Glaubst du, ich weiß nicht, dass jetzt der geeignetste Moment ist, mit dir zu reden? Er ist nicht hier, beschäftigt mit seiner Arbeit, das weißt du genauso gut wie ich. Und wir müssen reden, da führt kein Weg daran vorbei.“ Für einen winzigen Moment klang er verunsichert, so als wäre ihm gerade zum ersten Mal der Gedanke gekommen, sie könnte ihn zurückweisen und ihn einfach im Stall zwischen den fressenden Pferden stehen lassen.
Das war es, was ihr das Eis in ihre heftige Erwiderung legte: „Ich sehe keine Verpflichtung in irgendwas. Schon lange nicht mehr. Muss ich dich daran erinnern, dass uns nichts mehr verbindet? Muss ich dich daran erinnern, dass ich als Hausherrin das Recht habe, dich vom Hof zu weisen oder gehst du von allein?“
Über seine Miene lief ein Ausdruck, den Anna beinahe mit Mitleid gleichsetzte, auch wenn es dafür keinen Grund zu geben schien. Oder etwa doch? Wieder sah sie ihn vor sich, an diesem unbestimmten Ort irgendwo im Leuchten der Magie, wie hörte sie seine Worte: Lass los. Und wieder sah sie Merle aus den Flammen der Scheune auftauchen, nach Luft ringend und rußverschmiert, gerade so mit dem Leben davongekommen.
Ich will nicht. Aber ich muss. Vielleicht kann ich ihn davon abhalten, noch mehr zu tun. Die letzten Stürme ihres Unwillens legten sich mit der Erkenntnis, dass sie dieses angebrochene Gespräch vor Ablauf des Haltbarkeitsdatums aufbrauchen sollten und die Zeit dafür knapper bemessen war, als sein Grund es erlaubte.
Ihre Miene musste ihre Entscheidung wiedergespiegelt haben, denn sein Lächeln wurde noch breiter und das Grau seiner Augen funkelte siegessicher.
„Du wirst vernünftig“, stellte er fest. „Vielleicht etwas spät, meinst du nicht auch? Du hättest alles verhindern können, wäre dir das früher eingefallen.“
Seine Worte reichten aus, um Annas Trotz neue Nahrung zu geben und seine Flammen wieder auflodern zu lassen. Du glaubst auch, er hätte mir nur den Kopf verdreht und ich hätte inzwischen erkannt, dass ich damals nur ein dummes kleines Mädchen war. War ich tatsächlich, aber nicht deswegen.
„Was willst du also?“, fauchte sie, während das Unbehagen in der Luft ihre Hände um das Holz der Boxentür krampfte und Skáti sie von hinten anstieß. „Warum bist du hier?“
„Die Prophezeiung“, begann er ohne weitere Umschweife, als sei ihm plötzlich bewusst geworden, dass sie hier in einem Stall standen, der so gut wie frei zugänglich war, und dass sie hier nicht ewig ungestört bleiben würden. „Ich glaube, du weißt, worum es mir geht.“
Ja, wie in jenem Traum. Du willst sie verhindern, dachte sie. Und ich glaube nicht, dass du das kannst.
„Die Linien sind überall, ein klares Zeichen dafür, dass die Zeit ran ist. Ich wollte Tjore nie glauben, und das weißt du, aber jetzt – die Gabe wird uns zerstören, die ganze Magie, die nur darauf wartet, uns zu verschlingen. Wenn wir sogar sehen können, woraus diese Magie besteht, was wird es dann erst für sie sein?“
Seine Worte rauschten an ihr vorbei, ohne ihr ihren Sinn zu enthüllen, und trotzdem verstand sie jedes einzelne von ihnen deutlich. Du siehst die Magie? Wie kannst du dann den Rest übersehen haben? Die Erkenntnis war da, greifbarer noch als im Weiß des Schlafes, wo sie ihm schon einmal widersprochen hatte.
„Du weißt, was vor ein paar Wochen geschehen ist, du weißt, dass die Falken alles tun, um die Prophezeiung zu verhindern. Ich habe nicht vor, ihnen im Weg zu stehen“, fuhr Marcel fort, aufgeregter und überzeugter nun von seiner Aufgabe.
Nein, du wirst ihnen helfen. Du hilfst ihnen schon. Aber nicht mit mir.
„Du kannst nicht –“, begann sie, aber er unterbrach Anna ebenso wirksam wie Skátis nächster Stoß in ihren Rücken, der sie aus der Box auf den Gang drückte. Der Wallach schnaubte zufrieden und senkte seine Nase wieder in seine Heuration.
„Oh, ich kann sehr wohl. Ich wollte dir nichts sagen, um dich damit nicht zu belasten, und deshalb auch die Sache mit der Scheune. Wenn es wie ein Unfall aussieht, gibt es weniger Fragen, dachte ich mir, und dir kann ich es immer noch erklären. Irgendwann.“ Sein Lächeln drehte ihr den Magen um.
„Mich nicht zu belasten, ja?“ Anna verengte die Augen zu Schlitzen und ließ sich von plötzlich aufwallender Wut übermannen. Er hat keine Kinder. Er weiß nicht, wie das ist, aber das ist trotzdem keine Entschuldigung.
„Denkst du, es würde es einfacher für mich machen, wenn sie bei einem Unfall stirbt? Glaubst du, es würde mich weniger – belasten – wenn du mir vorher nicht Bescheid sagst, wenn du planst, meine Tochter zu ermorden? Hast du wirklich angenommen, dass so etwas erklärbar ist? Und die Scheune – hast du nur ein einziges Mal darüber nachgedacht, wie furchtbar es ist, zu verbrennen? Es hat mir ja schon gereicht, dass sie überhaupt gebrannt hat. Aber als dann noch Merle da rausgerannt kam …“ Sie verstummte, schluckte und ballte die Hände zu Fäusten. Marcel wollte nur das Beste, das konnte sie der stillen Hoffnung, die sich in seiner Haltung verbarg, entnehmen, aber sie war sich sicher, dass das nicht der richtige Weg war.
„Anna“, suchte er nach Worten. „Ich – ich denke, du hast da etwas missverstanden.“ Für einen winzigen Augenblick erinnerte er an Tim in jenem Krankenhauszimmer vor so vielen Jahren, unsicher und verlegen, zusammenschrumpfend unter ihrem Zorn. „Weißt du – hast du eine Ahnung, was diese Prophezeiung für uns bedeuten könnte?“
„Ja. Aber besser ich als Merle.“ Als sie den Namen ihrer Tochter fallen ließ, zuckte Marcel zusammen, als hätte ihn eine Hornisse gestochen.
„Diese Prophezeiung betrifft nicht nur uns. Verstehst du nicht? Sie wird die Magie gegen sich selbst kehren, bis sie alles vernichtet. Es wird nicht nur dein Tod sein, sondern auch der von deinen anderen Kindern, von ihm, von ganz Sonnenthal vielleicht. Die Magie ist überall um uns, warum sollte sie dann eine Ausnahme machen?“, brach es nach einer Pause aus Marcel hervor, mit einer Heftigkeit, die Anna erschauern ließ.
Er ist zu allem entschlossen, erkannte sie. Egal, was ich sage, es wird nichts nützen. Ein weiterer Versuch, der zum Scheitern verurteilt ist. Was habe ich eigentlich getan?
„Ach, und Merle ist also weniger wert als diese vielen anderen Menschen, die dann sterben werden, ja? Der Zweck heiligt die Mittel? Bist du dir überhaupt sicher, dass es Merle ist?“, erkundigte sie sich in einem letzten verzweifelten Anlauf, obwohl sie seine Antwort schon kannte. Nein. Aber er will es glauben.
Sein Lächeln kehrte mit aller Macht zurück und verstärkte die Übelkeit, die sich in ihr ausbreitete, als hätte sie etwas Verdorbenes gegessen. „Oh, glaubst du, ich hätte nichts Anderes versucht? Vor vierzehn Jahren wurde mir klar, dass diese Prophezeiung nicht nur dummes Geschwätz war, und ich habe die Magie zerstört. Ich habe die Falken getötet und diese Lichtung gesprengt und für ein paar Jahre hatte ich tatsächlich meine Ruhe und dachte, das Problem hätte sich erledigt. Aber dann starben Leute im Wald. Einfach so, scheinbar ohne Grund. Und die Polizei stand vor einem Rätsel. Am Ende haben sie es als Selbstmorde ausgegeben. Oder Alkoholtode, wenn sich die Begründung anbot. Sie lagen völlig falsch, denn dort waren überall blaue Linien, und ich habe die Anzeichen eines Zeitlochs gefunden. Die Magie war zurückgekehrt, und das, obwohl ich sie zerstört hatte. Als ob sie an der Prophezeiung klammern würde.“
Kein Wunder. Sie wird uns verfolgen, solange du lebst. Nicht Merle. Du. Und du bist blind für die Wahrheit.
„Und dann haben mich die Linien hierher geführt, zu dir. Zu deiner Tochter, die die Prophezeiung erfüllen wird. Erinnerst du dich an diese Lichtung damals in Steinthal? Damals habe ich gesagt, es wäre nicht echt, um dich zu beruhigen. Jetzt weiß ich es besser – aber das ändert nichts daran, dass ich diese verdammte Prophezeiung verhindern werde. Nur … Du würdest es mir leichter machen, wenn du – wenn du einfach loslassen würdest. Ich meine, du hast ja noch die anderen beiden Kinder, und alt bist du auch noch nicht.“
Nie hatte sie ihn so sehr gehasst wie in diesem Moment, und gleichzeitig war ihr nie zuvor so klar gewesen, dass sie ihn daran hindern musste. Nur wie?
Die Wut, die die Wellen von Übelkeit in ihr hochspülten, krampfte ihre Finger um das Holz der Boxentür. Ein kleiner, blau glühender Splitter reckte sich der Berührung entgegen und bohrte sich tief in Annas Zeigefinger.
Sie fiel.

‚Anna.‘
Ein dumpfes Grollen kündet von dem Gewitter, das sich hinter der schwarzen Front des Waldes verbirgt und sich nur durch gelegentliche Blitze verrät. Im Flackern der Entladungen schimmern die Finger, die um das Terrassengeländer gekrampft sind, weißlich, fast gespenstisch.
Als gehörten sie nicht zu ihr.
‚Anna.‘
Tims Stimme löst sich aus der Dunkelheit hinter ihr, verrät seine Müdigkeit, seine Erschöpfung. Seine Ratlosigkeit.
‚Du wirst noch krank.‘
Seine Hand auf ihrem Arm zittert kaum merklich, doch es ist nicht das Beben, das sie fasziniert nach unten schauen lässt – zwischen seinen Fingern flechten sich blaue Schimmer zu Linien, zu Netzen – und bedecken auf einmal seinen ganzen Körper.
Am wolkenverhangenen Himmel verhallt der Ruf eines Falken.
‚Anna.‘
Blumen und Gestecke, zwischen denen rot verhüllte Kerzen aufragen wie kleine Leuchttürme. Leuchttürme, die Wärme in den Regen dieses Novembernachmittages bringen sollen.
Sie spürt die Tropfen auf ihrem Gesicht, befreiend beinahe wie Tränen, und weiß, dass es nicht gereicht hat. Dass es nie reichen würde. Die Hand auf ihrem Arm ist von einem Netz aus Brandnarben überzogen.
‚Anna.‘
Dort, im Regen vor ihren Füßen, duckt sich ein marmorner Grabstein, eingereiht in ein Heer anderer Hoffnungen, das Vergessen zu überdauern. Sie kennt die Inschrift, kann sie beinahe unter ihren Fingerkuppen fühlen: Der Wind trägt deine Flügel.
Am wolkenverhangenen Himmel verhallt der Ruf eines Falken.
Eine Lichtung im Wald, über der eine verbrannte Kiefer thront. Ein Mann und ein Mädchen, verbunden durch blaue Linien, die nur auf den richtigen Moment, sich auf ihr unvorsichtiges Opfer zu stürzen, warten zu scheinen. Und ein Falke, der unruhig am wolkenverhangenen Himmel kreist …
‚Tjerra!‘
Das Falkenweibchen verschwindet hinter der schwarzen Wand des Waldes, wird verschluckt von einem aufflackernden Blitz. Das Holz des Terrassengeländers gräbt sich schmerzhaft in ihre Finger. Die Terrasse?
Ein Windstoß treibt Rauch vor sich her, graue, dichte Schwaden aus Richtung der Scheune.
Merle, fällt ihr ein. Merle ist noch dort. Wir müssen sie dort rausholen!
Sie dreht sich um, doch Tim steht nicht mehr hinter ihr. Stattdessen schauen sie zwei durchdringende Vogelaugen an. Falkenaugen.
Tjerra.
‚Ich kann sie retten‘, behauptet das Weibchen, aber sie erinnert sich an das Grab im Novemberregen, an den Mann mit dem schmalen Gesicht in ihrem Stall.
‚Niemand kann das. Die Magie fordert ihre Opfer.‘ Es kann nicht ihre Stimme sein, die das sagt. Nicht ihre eigene Zunge, die hilft, diese Worte zu formen, denn alles in ihr schreit, dass sie alles tun würde, um einen Weg zu finden.
‚Du wärst beinahe gestorben, damals, als du fünfzehn warst. Aber du hast überlebt, weil Midja sich für dich geopfert hat. Ein Tod für ein Leben, Anna. Mein Tod für ihr Leben.‘
Wieder die Lichtung, der Mann und das Mädchen, der kreisende Falke über ihnen. Dann explodieren die Linien, blenden sie, werfen sie zu Boden – das Letzte, was sie sieht, ist ein Federbündel, das in Flammen eingehüllt aus den Wolken fällt.
‚Tjerra!‘
Dunkelheit, das Holz des Terrassengeländers, das sich in ihre Finger gräbt. Leises Rascheln wie von Federn, die ausgeschüttelt werden.
‚Midja hat gewusst, dass die Gabe eine Lüge ist. Dass unser ganzes Leben eine Lüge ist, weil Tjore gelogen hat. Früher besaßen wir so etwas wie ein Gewissen. Früher hatten wir Skrupel. Und Angst. Dann kam Tjore und machte uns zu Mördern, Mördern aus Angst. Angst vor unserer Vernichtung, Angst vor einer Lüge. Denn die Prophezeiung ist eine Lüge, um unsere Morde zu rechtfertigen.‘
‚Manche glauben daran‘, wendet sie ein. ‚Marcel glaubt daran.‘
‚Macht das die Lüge wahr? Erfüllt sich die Prophezeiung, weil genug daran glauben? Oder weil sie sie zur Erfüllung bringen wollen, so wie dieser Marcel?‘
Die Falkenaugen wenden den Blick ab und verbergen sich in der Nacht.
‚Die Magie fordert ihre Opfer, hast du gesagt. Ist das Opfer immer noch ein Opfer, wenn es sich opfert?‘
Dunkelheit, nur durchbrochen von den immer häufiger werdenden Blitzen hinter der schwarzen Wand des Waldes. Und im Grollen des Donners Tjerras Stimme.
‚Die Magie lässt sich vielleicht nicht aufhalten, aber der Tod. Merles Tod. Heile dort, wo drei Kreise eine Linie bilden.‘
‚Anna.‘
Eine kaum merklich zitternde Hand legt sich auf ihren Arm, löst sanft ihre verkrampften Finger und hält sie fest.
Nicht fest genug.
Sie fällt.


Der Boden machte einen Satz nach vorn, beinahe so, als hätte die Erde einen Schluckauf erlitten. Anna taumelte, suchte an der Boxentür nach Halt und fand ihn in Marcels Armen.
„Alles in Ordnung mit dir?“, fragte er besorgt, mit einem Funkeln in den Augen, das verriet, wie sehr ihn die unerwartete Nähe zu ihr freute. Ein Funkeln, das die Verwirrung, die ihr den Atem nahm, vertrieb und in Wut umwandelte, ihr Kraft verlieh.
„Fass mich nicht an!“, fauchte sie und legte den aufwallenden Ärger in den Stoß, mit dem sie sich aus seiner Umarmung befreite. Diesmal taumelte er.
„Anna –“, begann er, sichtlich erstaunt über ihren Ausbruch, doch sie ließ ihn nicht ausreden.
„Verschwinde von hier. So schnell wie möglich, bevor ich auf die Idee komme, offizielle Stellen mit einzubeziehen. Was ist? Willst du noch lange hier rumstehen? Raus!“
Für einen Moment lang sah es so aus, als würde er versuchen, sie zu besänftigen, etwas Wärme in ihre eisige Stimme zu bringen. Aber dann erblühte ein Lächeln auf seinem Gesicht, bevor er sich zu ihr herunterbeugte und ihr einen Kuss auf ihr Haar hauchte.
„Du wirst sie nicht retten können, Anna. Die Magie fordert ihre Opfer. Du hast also die Wahl: die Magie oder ich. Unser aller Tod oder ein Tod für unser aller Leben. Überleg‘ es dir noch einmal.“
In der Stalltür drehte er sich noch einmal um und schaute sie an. Lächelnd.
„So schlimm ist der Tod gar nicht. Die Magie hält ihre Versprechen.“


We are all accidents
Waiting
Waiting to happen
Radiohead, "There There"

Alle Beiträge dieses Benutzers finden
Diese Nachricht in einer Antwort zitieren
Beitrag #2 |

RE: Die Federn des Windes - 9
Hallo Eselfine,

manchmal muss man nur meckern: meckern, es solle mehr passieren und dann passiert auch mehr. Icon_wink
Wenn ich jetzt darüber nachdenke, erscheint es mir, als würde der Falke in Teil 8 - Midja - verschwinden und das Mädchen auftauchen, als würden diese beiden Ereignisse kausal miteinander zusammenhängen. Ein Tod für ein Leben, stirbt also der Falke, damit das Mädchen leben kann?

Dieses Kapitel bringt etwas Licht ins Dunkel, langsam begreife ich, was da passiert ist und wie es zusammenhängt. Auch wenn du mich weiterhin taumeln lässt zwischen der Überzeugung, die Prophezeiung sei ein Machtgespinst Tjores, und dem Gefühl, es könnte doch etwas dran sein. Schließlich ist Merle wirklich gestorben, schließlich konnte sie niemand retten.

Ein Kapitel, das wieder die Perspektive etwas dreht: Stand in den Kapiteln zuvor Tim allmählich im Mittelpunkt, rückt jetzt die Beziehung zwischen Anna und Marcel wieder ins Licht. Marcel, der nach so vielen Jahren wieder auftaucht. Der versucht hat, die Magie auszulöschen, der es zeitweise geschafft hat, aber dann: hat die Magie ihren Weg zurück gefunden. Die Verbindung mit dem Zeitloch empfinde ich als ... etwas weit hergeholt. Logischer erschiene mir, Marcel hätte schlicht nicht die komplette Magie auslöschen können. Er hat alle Falken getötet? Alle? Aber es taucht doch - spätestens im Prolog - wieder einer auf. Und auch als sie auf der Terrasse stehen - was ist das nun? Erinnerung? Vorausblick? - ist ein Falke da. Doch nicht alle tot? Wo ist das Inferno, das Marcel angerichtet hat? Wenn er nicht alle getroffen hat, dann müssen ja welche überlebt haben, und mit ihnen die Magie.
Was mir nach wie vor ein bisschen fehlt, ist ein Gefühl für deine Magie. Aber damit tue ich mich immer schwer. Ich verstehe ihren Ursprung nicht. Ist sie an die Falken gebunden? Ist die Magie selbst etwas Böses? Oder die Menschen, die etwas damit tun? Nur was? Deiner Geschichte liegt eine Bedrohung zugrunde, die so noch zutage getreten ist. Wovor haben die Falken denn Angst? Was genau fürchten sie? Und wie genau reagieren sie darauf. Du schreibst hier plötzlich davon, die Falken sei blutrünstig, todesgierig. Tatsächlich? Bislang haben wir - Tjore ausgenommen - nur nette Falken gesehen. Midja mit ihrem inneren Kampf, ihre Nachtflugbegleitung, die zwar Tjore folgt, aber war sie gewalttätig? Gejagt haben sie ja doch nur Mäuse. Vielleicht erwarte ich mir auch zu viel Verständnis, vllt geht es in der ganzen Geschichte darum, zum Kern vorzudringen. Ich wäre ihm gern ein Stück näher, würde die Motive gern besser verstehen. Die Handlung kann ja ihre Zeit haben. Aber warum sich die Figuren wie verhalten, dem wäre ich gern etwas näher.
Dein Puzzleansatz ist toll, weil sich die Geschichte nach und nach zusammensetzt. Leider schnürst du dich damit auch selbst ein, weil so wenig Zeit und Raum bleibt, die Charaktere kennen zu lernen. Soll von Anna wirklich nur hängen bleiben: "Sie wurde als Jugendliche von Midja gerettet und sorgt sich jetzt um ihre eigene Tochter"? Mir kommt es ein bisschen vor, als seien deine Figuren Gespenster ohne Gestalt, die miteinander sprechen, aber wenig Charakteristisches haben. Sie handeln auch, klar, aber wie sind sie als Menschen? Was zeichnet sie aus? Haben sie irgendwelche Macken? Insgesamt habe ich sie wenig vor Augen, vllt stört auch das mich an Kapiteln wie dem vorherigen: Eigentlich sind ruhige Passagen ja charakterbildend, aber in Teil 8 ist mir die Figur Tim kaum näher gekommen.
Ein wenig ist es für mich auf Dauer auch anstrengend, dass du in jedem Kapitel eine Rückblende / einen Sprung in die Parallelwelt einbaust. Denn es ist schon jedes Kapitel eine neue Perspektive, ein neuer Ort, ein anderer Punkt auf dem Zeitstrahl der Geschichte, und dann springen wir jedes Mal noch einmal an einen anderen Punkt, ein anderes Geschehnis. Auch der Eindruck mag an mir liegen, aber ich verbringe momentan mehr Zeit, die Puzzle innerlich zusammenzusetzen als mit der Handlung mitzufiebern. Das bezieht sich jetzt eher über die vergangenen Kapitel insgesamt und weniger nur auf dieses.
Dennoch bin ich gespannt, wie es weitergeht, wie alles zusammenhängt. Wer am Ende leben wird: nicht Merle. Aber Anna und Tim. Wie sie überleben, wer Merle tötet, was mit Marcel passiert, welche Falken überbleiben, ob Tjore gestürzt wird, ob ihn nur der Blutrausch an die Macht getrieben hat. Und irgendwie auch und vor allem: wie diese Magie funktioniert und was sie nun bringt.
Die blauen Linien - mal zart, mal allumfassend - finde ich als Zeichen der Magie sehr, sehr gelungen. Das hat manchmal etwas Märchenhaftes und manchmal etwas Gewaltiges.

Anmerkungen:
Zitat:Marcel stand drei Boxen entfernt von ihr mit verschränkten Armen lässig an das Holz gelehnt, in seinem Lächeln lag ein Hauch von Spott.
Vllt schaust du nochmal über die vorherigen Sätze, ob du die Distanz nicht früher reinbringen kannst. Denn ich dachte, er sei ihr ganz nah, würde ihr fast schon zuflüstern.
Zitat:Wieder sah sie ihn vor sich, an diesem unbestimmten Ort irgendwo im Leuchten der Magie, wie hörte sie seine Worte:
"wieder"?
Zitat:Die letzten Stürme ihres Unwillens legten sich mit der Erkenntnis, dass sie dieses angebrochene Gespräch vor Ablauf des Haltbarkeitsdatums aufbrauchen sollten und die Zeit dafür knapper bemessen war, als sein Grund es erlaubte.
stark
Zitat:Marcel wollte nur das Beste, das konnte sie der stillen Hoffnung, die sich in seiner Haltung verbarg, entnehmen, aber sie war sich sicher, dass das nicht der richtige Weg war.
Hmhmhm. Sie wehrt sich mit allen Mitteln gegen ihn. Später - im Kursiven - sagt sie: Die Prophezeiung ist eine Lüge. Und hier die Aussage "Marcel wollte nur das Beste", das passt nicht. Nicht zu dem, was sie vorher gesagt hat - und auch nicht zu dem, was sie später sagen wird.
Vllt versuchst du es mit dem Gedanken, dass sie Marcels Motive versteht, dass sie versteht, was er bewirken will. Und dann der Bogen wie bislang: es ist aber der falsche Weg.
Diese rationalen Gedanken in den Sätzen hier widersprechen ein wenig dem emotionalen Ausbruch zuvor: "Du planst, meine Tochter zu ermorden" - passt dann so direkt schon Verständnis?
Zitat:Kein Wunder. Sie wird uns verfolgen, solange du lebst. Nicht Merle. Du. Und du bist blind für die Wahrheit.
Ganz neue Töne? Die Anna vorher nicht geäußert hat? Die jede Bedeutung drehen: nicht Merle ist der springende Punkt, sondern Marcel. In diesem Moment dachte ich noch: Warum? Mittlerweile begreife ich: Weil Marcel an die Prophezeiung glaubt und Anna nicht. Warum donnert sie ihm das nicht ins Gesicht? Dass sie ihm nicht glaubt, und warum sie ihm nicht glaubt, und dass alles ein Hirngespinst Tjores ist.
Zitat:Nie hatte sie ihn so sehr gehasst wie in diesem Moment, und gleichzeitig war ihr nie zuvor so klar gewesen, dass sie ihn daran hindern musste. Nur wie?
Dass sie nicht auf ihn losgeht nach so einem Satz ... er sagte gerade "Merle ist doch egal, du hast ja noch zwei Kinder" - so ein Satz würde mich handgreiflich werden lassen. Oder ich würde gehen. Ihn einfach stehen lassen. Ist beides so abwegig für Anna? Schenk ihr ein paar Emotionen, lass sie handeln, nicht nur rumstehen.
Zitat:Ein dumpfes Grollen kündet von dem Gewitter, das sich hinter der schwarzen Front des Waldes verbirgt und sich nur durch gelegentliche Blitze verrät.
Liest sich toll!
Aber: kündet nun das Grollen von dem Gewitter (künden = es wird kommen) oder ist es bereits so nah, dass ihre Finger im Flackern der Entladungen schimmern. Vllt ist es auch eher Wetterleuchten als Blitze? Und es ist dunkel, ja? Abend?
Zitat:Am wolkenverhangenen Himmel verhallt der Ruf eines Falken.
Den Satz hast du zweimal exakt identisch drin: Absicht?
Zitat:Blumen und Gestecke, zwischen denen rot verhüllte Kerzen aufragen wie kleine Leuchttürme. Leuchttürme, die Wärme in den Regen dieses Novembernachmittages bringen sollen.
Ich war irritiert, wohin sie schaut, wo das ist. Sie stehen direkt vor dem Grabstein, ja?
Zitat:Der Wind trägt deine Flügel.
Echt schön. Echt passend.
Zitat:Eine Lichtung im Wald, über der eine verbrannte Kiefer thront. Ein Mann und ein Mädchen, verbunden durch blaue Linien, die nur auf den richtigen Moment, sich auf ihr unvorsichtiges Opfer zu stürzen, warten zu scheinen
Wo? Wo ist diese Lichtung? Ist das eine Erinnerung, noch eine Ebene tiefer? Oder sieht Anna das wirklich? Bin verwirrt.
Zitat:Ist das Opfer immer noch ein Opfer, wenn es sich opfert?‘
Vorschlag: "wenn es sich selbst opfert"

Liebe Grüße
Libertine
Vorschlag: "die nur auf den richtigen Moment zu warten scheinen, sich auf ihr unvorsichtiges Opfer zu stürzen."

... und von den wundersamsten Wegen bleibt uns der Staub nur an den Schuhen. (Dota Kehr)
Avatar von Eddie Haspelmann

Alle Beiträge dieses Benutzers finden
Diese Nachricht in einer Antwort zitieren
Beitrag #3 |

RE: Die Federn des Windes - 9
Hallo Libbi,

und weiter geht's.

(09-09-2015, 14:44)Libertine schrieb: Wenn ich jetzt darüber nachdenke, erscheint es mir, als würde der Falke in Teil 8 - Midja - verschwinden und das Mädchen auftauchen, als würden diese beiden Ereignisse kausal miteinander zusammenhängen. Ein Tod für ein Leben, stirbt also der Falke, damit das Mädchen leben kann?
Genau! hurra
Erfolgsmoment für mich, ich dachte schon, ich hätte kompletten Stuss zusammenfabriziert Icon_wink

Zitat:Dieses Kapitel bringt etwas Licht ins Dunkel, langsam begreife ich, was da passiert ist und wie es zusammenhängt. Auch wenn du mich weiterhin taumeln lässt zwischen der Überzeugung, die Prophezeiung sei ein Machtgespinst Tjores, und dem Gefühl, es könnte doch etwas dran sein. Schließlich ist Merle wirklich gestorben, schließlich konnte sie niemand retten.
Und das ist auch weiterhin so beabsichtigt, ich bin mir nicht mal sicher, ob es ganz zum Schluss eine endgültige Beantwortung der Frage gibt.

Zitat:Ein Kapitel, das wieder die Perspektive etwas dreht: Stand in den Kapiteln zuvor Tim allmählich im Mittelpunkt, rückt jetzt die Beziehung zwischen Anna und Marcel wieder ins Licht. Marcel, der nach so vielen Jahren wieder auftaucht. Der versucht hat, die Magie auszulöschen, der es zeitweise geschafft hat, aber dann: hat die Magie ihren Weg zurück gefunden. Die Verbindung mit dem Zeitloch empfinde ich als ... etwas weit hergeholt. Logischer erschiene mir, Marcel hätte schlicht nicht die komplette Magie auslöschen können. Er hat alle Falken getötet? Alle? Aber es taucht doch - spätestens im Prolog - wieder einer auf. Und auch als sie auf der Terrasse stehen - was ist das nun? Erinnerung? Vorausblick? - ist ein Falke da. Doch nicht alle tot? Wo ist das Inferno, das Marcel angerichtet hat? Wenn er nicht alle getroffen hat, dann müssen ja welche überlebt haben, und mit ihnen die Magie.
Hier tue ich mich auch etwas schwer ... Marcel war der Überzeugung, alle Falken getötet zu haben, weil er bestimmte Dinge nicht über die Magie wusste. Ich werde das noch mal durchgehen, wenn ich mit der Überarbeitung bei den fraglichen Stellen angelangt bin.

Zitat:Was mir nach wie vor ein bisschen fehlt, ist ein Gefühl für deine Magie. Aber damit tue ich mich immer schwer. Ich verstehe ihren Ursprung nicht. Ist sie an die Falken gebunden? Ist die Magie selbst etwas Böses? Oder die Menschen, die etwas damit tun? Nur was? Deiner Geschichte liegt eine Bedrohung zugrunde, die so noch zutage getreten ist. Wovor haben die Falken denn Angst? Was genau fürchten sie? Und wie genau reagieren sie darauf. Du schreibst hier plötzlich davon, die Falken sei blutrünstig, todesgierig. Tatsächlich? Bislang haben wir - Tjore ausgenommen - nur nette Falken gesehen. Midja mit ihrem inneren Kampf, ihre Nachtflugbegleitung, die zwar Tjore folgt, aber war sie gewalttätig? Gejagt haben sie ja doch nur Mäuse. Vielleicht erwarte ich mir auch zu viel Verständnis, vllt geht es in der ganzen Geschichte darum, zum Kern vorzudringen.
Das sind alles Fragen, die vielleicht nur die Gesamtheit der Geschichte beantwortet (hoffe ich doch, wenn nicht, dann darfst du ausgiebig schimpfen).

Zitat:Dein Puzzleansatz ist toll, weil sich die Geschichte nach und nach zusammensetzt. Leider schnürst du dich damit auch selbst ein, weil so wenig Zeit und Raum bleibt, die Charaktere kennen zu lernen. Soll von Anna wirklich nur hängen bleiben: "Sie wurde als Jugendliche von Midja gerettet und sorgt sich jetzt um ihre eigene Tochter"? Mir kommt es ein bisschen vor, als seien deine Figuren Gespenster ohne Gestalt, die miteinander sprechen, aber wenig Charakteristisches haben. Sie handeln auch, klar, aber wie sind sie als Menschen? Was zeichnet sie aus? Haben sie irgendwelche Macken? Insgesamt habe ich sie wenig vor Augen, vllt stört auch das mich an Kapiteln wie dem vorherigen: Eigentlich sind ruhige Passagen ja charakterbildend, aber in Teil 8 ist mir die Figur Tim kaum näher gekommen.
Ich gebe zu: Das ist die erste längere Geschichte, auch wenn sie mich schon ewig verfolgt. Ein Experiment, sozusagen, dessen Ausgang ich nicht kenne und nur hoffen kann, dass das rüberkommt, was ich rüberbringen möchte. Das hier ist jetzt Teil 9/(wahrscheinlich)25, es ist also noch Zeit, die Charaktere etwas schärfer zu zeichnen, und die Handlung kommt auch erst jetzt wirklich ins Rollen. Das soll natürlich keine Entschuldigung sein für mangelnde Charakterzeichnung ...

Zitat:Ein wenig ist es für mich auf Dauer auch anstrengend, dass du in jedem Kapitel eine Rückblende / einen Sprung in die Parallelwelt einbaust. Denn es ist schon jedes Kapitel eine neue Perspektive, ein neuer Ort, ein anderer Punkt auf dem Zeitstrahl der Geschichte, und dann springen wir jedes Mal noch einmal an einen anderen Punkt, ein anderes Geschehnis. Auch der Eindruck mag an mir liegen, aber ich verbringe momentan mehr Zeit, die Puzzle innerlich zusammenzusetzen als mit der Handlung mitzufiebern. Das bezieht sich jetzt eher über die vergangenen Kapitel insgesamt und weniger nur auf dieses.
Anfangs waren die Federn eine völlig chronologisch aufgebaute Geschichte, dann kamen die Rückblenden dazu und am Ende wurde es unmöglich, etwas anderes als ein Puzzle daraus zu machen. Alles andere fühlt sich einfach nicht richtig an ... aber vielleicht habe ich mich damit übernommen. Es ist schwieriger, als ich dachte, alles zusammenzuhalten und nicht den Überblick zu verlieren - und das, obwohl ich genau weiß, was wann wie warum passiert!

Zitat:
Zitat:Marcel stand drei Boxen entfernt von ihr mit verschränkten Armen lässig an das Holz gelehnt, in seinem Lächeln lag ein Hauch von Spott.
Vllt schaust du nochmal über die vorherigen Sätze, ob du die Distanz nicht früher reinbringen kannst. Denn ich dachte, er sei ihr ganz nah, würde ihr fast schon zuflüstern.
Aber er hat doch noch nichts weiter gesagt?

Zitat:
Zitat:Wieder sah sie ihn vor sich, an diesem unbestimmten Ort irgendwo im Leuchten der Magie, wie hörte sie seine Worte:
"wieder"?
Der Traum, den sie in der Nacht des Scheunenbrandes hatte.

Zitat:
Zitat:Marcel wollte nur das Beste, das konnte sie der stillen Hoffnung, die sich in seiner Haltung verbarg, entnehmen, aber sie war sich sicher, dass das nicht der richtige Weg war.
Hmhmhm. Sie wehrt sich mit allen Mitteln gegen ihn. Später - im Kursiven - sagt sie: Die Prophezeiung ist eine Lüge. Und hier die Aussage "Marcel wollte nur das Beste", das passt nicht. Nicht zu dem, was sie vorher gesagt hat - und auch nicht zu dem, was sie später sagen wird.
Vllt versuchst du es mit dem Gedanken, dass sie Marcels Motive versteht, dass sie versteht, was er bewirken will. Und dann der Bogen wie bislang: es ist aber der falsche Weg.
Diese rationalen Gedanken in den Sätzen hier widersprechen ein wenig dem emotionalen Ausbruch zuvor: "Du planst, meine Tochter zu ermorden" - passt dann so direkt schon Verständnis?
Aarrrgh, ich hasse diese Szene Icon_panik
Wie bekomme ich Anna überhaupt dazu, ihn nicht sofort zu lynchen? Das darf sie nicht, weil ... Plot. Ich sehe mir das noch mal an.

Zitat:
Zitat:Kein Wunder. Sie wird uns verfolgen, solange du lebst. Nicht Merle. Du. Und du bist blind für die Wahrheit.
Ganz neue Töne? Die Anna vorher nicht geäußert hat? Die jede Bedeutung drehen: nicht Merle ist der springende Punkt, sondern Marcel. In diesem Moment dachte ich noch: Warum? Mittlerweile begreife ich: Weil Marcel an die Prophezeiung glaubt und Anna nicht. Warum donnert sie ihm das nicht ins Gesicht? Dass sie ihm nicht glaubt, und warum sie ihm nicht glaubt, und dass alles ein Hirngespinst Tjores ist.
Hm, das wäre natürlich auch noch eine Möglichkeit ... Icon_fies

Zitat:
Zitat:Nie hatte sie ihn so sehr gehasst wie in diesem Moment, und gleichzeitig war ihr nie zuvor so klar gewesen, dass sie ihn daran hindern musste. Nur wie?
Dass sie nicht auf ihn losgeht nach so einem Satz ... er sagte gerade "Merle ist doch egal, du hast ja noch zwei Kinder" - so ein Satz würde mich handgreiflich werden lassen. Oder ich würde gehen. Ihn einfach stehen lassen. Ist beides so abwegig für Anna? Schenk ihr ein paar Emotionen, lass sie handeln, nicht nur rumstehen.
Ich musste sie irgendwie an den Splitter in der Boxentür ranbringen ... Aber an sich wäre wegdrehen, Tür zuknallen auch eine Möglichkeit. Oder die Ohrfeige in umgekehrter Variante - blaue Linien diesmal nicht für Tim, sondern für Anna ...
Moment.

* Eselfine geht kritzeln.

Zitat:
Zitat:Ein dumpfes Grollen kündet von dem Gewitter, das sich hinter der schwarzen Front des Waldes verbirgt und sich nur durch gelegentliche Blitze verrät.
Liest sich toll!
Aber: kündet nun das Grollen von dem Gewitter (künden = es wird kommen) oder ist es bereits so nah, dass ihre Finger im Flackern der Entladungen schimmern. Vllt ist es auch eher Wetterleuchten als Blitze? Und es ist dunkel, ja? Abend?
Licht breitet sich ja schneller aus als Schall, also sieht man zuerst das Flackern der Blitze. Wenn die Wolken aber recht niedrig über dem Horizont hängen und da so eine Baumwand davorsteht ... Ja, ich biege mir da grad was zurecht ...

Zitat:
Zitat:Am wolkenverhangenen Himmel verhallt der Ruf eines Falken.
Den Satz hast du zweimal exakt identisch drin: Absicht?
Jap.

Zitat:
Zitat:Blumen und Gestecke, zwischen denen rot verhüllte Kerzen aufragen wie kleine Leuchttürme. Leuchttürme, die Wärme in den Regen dieses Novembernachmittages bringen sollen.
Ich war irritiert, wohin sie schaut, wo das ist. Sie stehen direkt vor dem Grabstein, ja?
Ja.

Zitat:
Zitat:Eine Lichtung im Wald, über der eine verbrannte Kiefer thront. Ein Mann und ein Mädchen, verbunden durch blaue Linien, die nur auf den richtigen Moment, sich auf ihr unvorsichtiges Opfer zu stürzen, warten zu scheinen
Wo? Wo ist diese Lichtung? Ist das eine Erinnerung, noch eine Ebene tiefer? Oder sieht Anna das wirklich? Bin verwirrt.
Zitat:Ist das Opfer immer noch ein Opfer, wenn es sich opfert?‘
Vorschlag: "wenn es sich selbst opfert"
Wird so übernommen.

Ein riesengroßes Dankeschön noch einmal für den Kommentar! Icon_bussi

Viele Grüße,
Eselfine


We are all accidents
Waiting
Waiting to happen
Radiohead, "There There"

Alle Beiträge dieses Benutzers finden
Diese Nachricht in einer Antwort zitieren


Gehe zu:


Benutzer, die gerade dieses Thema anschauen: 1 Gast/Gäste

Deutsche Übersetzung: MyBB.de, Powered by MyBB, © 2002-2019 MyBB Group.

Design © 2007 YOOtheme