Es ist: 22-11-2019, 14:39
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Blutklinge (10/10)
Beitrag #1 |

Blutklinge (10/10)




~*~

Der kleine Junge schlief.
Wie ein geprügelter Hund hatte er sich zusammengerollt, in einem Loch aus Dunkelheit, das ihn vor allen Blicken hätte verbergen sollen. Aber Makku sah ihn. Sah die dürren Arme und den abgemagerten Körper, das fransige Haar und die dunklen Striemen, die eine Lederschnur über Beine und Rücken gezogen hatte. Ohne die hellen Augen war es, als läge ein Fremder vor ihm – und trotzdem konnte er sich nicht einfach umdrehen und gehen.
Er wusste, dass er nicht bleiben durfte. Dies war kein Ort für sein Bewusstsein, es zog ihn fort, zurück in die Wirklichkeit, die hinter der Unendlichkeit schimmerte. Manchmal drangen Stimmen zu ihm, Gerüche und die Ahnung von Schmerz.
Er durfte nicht gehen.
Über ihm wanderten Sterne durch den Himmel, manche erloschen, andere entflammten, während Äonen am Wegesrand entlangzogen, ohne ihn zu beachten. Nichts geschah – nichts würde jemals geschehen. Wieder und wieder lief die Ewigkeit durch ihr Stundenglas und schliff seinen Verstand, bis er dünn wie Pergament war. Ein Windhauch hätte ihn zerreißen können.
Es war Zeit zu gehen.
Der kleine Junge schlief noch, als Makku die Augen aufschlug.
Die Welt stürzte über ihm zusammen, einen endlosen Moment lang, mit all ihren Gerüchen und Geräuschen, dem Blutgeschmack im Mund und dem sengenden Gefühl von Feuer auf Haut. Makku schnappte nach Luft, hörte sein Keuchen, spürte das Zucken seiner Muskeln, und wollte sich aufsetzen. Aber sein Körper lag bleischwer da, auf dem Rücken, über ihm der dreckig-weiße Stoff eines Zeltes, der Kopf zu träge, um ihn zu drehen. Als sei sein Bewusstsein nur zu Gast.
Allmählich schälten sich Einzelheiten aus dem Chaos, Stimmen, schweres Atmen, unterdrückte Schmerzenslaute. Hitze kochte die Luft und über allem hing der Gestank verbrannten Fleisches. Trotzdem dauerte es lange, bis Makku das Gesicht erkannte, das kurz in seinem Blickfeld auftauchte. Zu lange. Es war bereits wieder verschwunden, als sein Verstand Details übersetzte. Smaragdgrüne Augen wie die einer Katze, verfilztes Haar und rundliche Züge.
»Qai.«
Der Name kam als unverständliches Krächzen aus seinem Rachen und starb auf seiner Zunge. Es hinterließ einen fauligen Geschmack, den er am liebsten ausgespuckt hätte. Mühsam drehte er sich auf die Seite, jede Bewegung ein Kampf gegen seine eigenen Muskeln, und atmete durch. Nur am Rande nahm er seine Umgebung wahr: Körper am Boden, so wie sein eigener, an denen Erinnerungen klebten.
Ein Regen aus Pfeilen und ein Sturm aus Feuer.
Einige lagen reglos, andere wanden sich stöhnend vor Schmerz. Zwischen den Reihen der Verletzten eilten zwei Männer umher, deren Gesichter Makku nicht erkannte, wohl aber ihre Aufgabe. Die Feldscher der Söldnertrupps, die unter Xephos’ Kommando standen.
Xephos.
Er erinnerte sich, ihn gesehen zu haben. Verletzt, aber lebend. Vor oder nach dem Feuersturm? Nihel war bei ihm gewesen. Nihel konnte ihn schützen.
Nein. Er musste sich auf einen Gedanken konzentrieren, für mehr reichte seine Kraft nicht. Zuerst würde er auf die Beine kommen. Dann würde er weitersehen.
Er legte beide Hände auf den festgetretenen Boden – bemerkte, dass sie bandagiert waren, wie auch seine Arme – und drückte sich hoch. Wie aus einer klaffenden Wunde sickerte die Kraft aus ihm heraus, doch es gelang ihm, sich aufzusetzen, eine Hand noch am Boden, um das Gleichgewicht nicht zu verlieren. Gut zwanzig Männer leisteten ihm Gesellschaft, die er ignorierte. Stattdessen richtete sich seine Aufmerksamkeit auf die Gestalt, die im Eingang erschien.
Lederbänder umschlangen den sehnigen Körper, der ein Bild in Makku weckte.
Qai, wie sie auf dem Galgen hockte, ein schwarzgefiederter Pfeil in der gespannten Sehne und der smaragdgrüne Blick scharf wie eine Trollzahnklinge.
Kein Künstler hätte den Tod in einem treffenderen Bild einfangen können.
Doch die Faszination der Erinnerung verflog, als sie neben ihm in die Hocke ging und ihn abschätzend musterte. Als überlege sie, ob er genesen würde oder den Gnadenstoß verdiene.
»Ich hätte erwartet, dass dein Nekromant mehr aushält.«
Ihre Augen waren gerötet, das erkannte er trotz der Schwere in seinem Kopf und noch bevor Xephos neben sie trat.
»Wie geht es dir?«, überging ihr Hauptmann den Spott der Wilden.
»Haben wir gewonnen?«
Seine Stimme krächzte noch immer und fühlte sich rau an. Verbrannt.
Trotzdem lachte Xephos und verzog gleich darauf das Gesicht, hielt sich die Seite. »Wir wären beinah von einem größenwahnsinnigen Nekromanten gegrillt worden. Aber ja. Wir haben gewonnen.«
»Die Phratag-sweln jagen die übrigen Phratag«, fügte Qai hinzu und lächelte knapp. »Sie glauben, dass die Wester es mit ihren Signalfeuern ein wenig übertreiben.«
Jedes Wort verankerte ihn tiefer in der Wirklichkeit, schärfte Konturen und zog klare Trennlinien zwischen Geräuschen und Eindrücken. Er brachte sogar ein Grinsen zustande.
Spürte die Dunkelheit, einen Herzschlag nur bevor sie erneut zuschlug. Ihn mit sich riss.
Zurück an den Ort, der kein Ort war.

~*~


Das Rumpeln des Karrens polterte durch Makkus Kopf, als hätte das Geräusch seinen Ursprung direkt unter seiner Schädeldecke. Schon bei dem Gedanken, auf dem holpernden Fuhrwerk zu sitzen, wurde ihm übel – da hielt er sich lieber mit Müh und Not auf dem Pferderücken. Xephos neben ihm schien diesen Kampf nicht auszufechten. Dabei hatte ihr Hauptmann sehr viel mehr Wein getrunken als Makku. Die halbe Nacht hindurch hatte er mit den Söldnern ihren Sieg gefeiert und auf jeden Toten angestoßen.
Dreiundvierzig Mal.
Nur die leichte Neigung in seiner Haltung verriet noch die Schnittwunde an seiner Seite. Auch Makkus Verletzungen heilten gut. Viel mehr machte ihm die Narbe zu schaffen, die die Magie in seinen Geist gebrannt hatte. Drei Tage waren vergangen und noch immer spürte er das kühle Echo der Macht, spürte die Erschöpfung, die jeden Handgriff beherrschte.
Nihel hatte ihm versichert, diese Gefühle seien vollkommen natürlich nach einem Zauber solchen Ausmaßes. Angenehmer wurde es dadurch trotzdem nicht.
Im Moment ritt der Hexer am Ende des Trosses, der sich behäbig in Richtung Heimat bewegte, und hätte Makku Gelegenheit gegeben, mit Xephos zu sprechen. Wäre nicht der Grund, aus dem er dieses Gespräch suchte, knapp eine Armlänge von ihm entfernt geritten.
Qai.
Seit der Schlacht – seit Rasds Tod – war sie nur ein Mal kurz von der Seite der Blutklinge gewichen. Um mit den Phratag-sweln zu verhandeln. Um ihnen im Namen Lanneqs den Quellstein abzuschwatzen, den sie bei ihrer Feenhatz erbeutet hatten. Jetzt trug sie ihn wie einen Schatz in einer Ledertasche an ihrer Seite und machte weiterhin keine Anstalten, den Söldnerhaufen zu verlassen.
Es würde keinen Moment unter vier Augen geben.
»Warum ist sie noch hier?«
Er machte sich nicht die Mühe, auf die Waldelbe zu deuten. Konzentrierte sich stattdessen darauf, das Poltern aus seinem Kopf zu verbannen. Im ersten Moment bemerkte er nicht einmal, dass Xephos ihn stur ignorierte.
Die Waldelbe sah ihn an, als habe er etwas furchtbar Dummes gesagt. Dann wanderte ihr Blick zu Xephos, fragend, und zurück zu ihm. Ein spöttisches Lächeln stahl sich auf die schmalen Lippen, sie neigte den Kopf leicht.
»Du hast es deinem Nekromanten noch nicht erzählt?«
Er würde sich nicht auf ihr Spiel einlassen. Auch wenn ihm die Frage auf der Zunge brannte, was sie meinte. Bemüht gleichgültig trieb er sein Pferd an und schloss zu Xephos auf, der nur eine Mannslänge vor ihm ritt.
Noch immer wirkte ihr Hauptmann, als würde er nicht antworten wollen.
»Sie bleibt bei uns«, rückte er schließlich mit der Sprache heraus und atmete durch. »Sie hat mich darum gebeten und ich hab eingewilligt.«
»Dein Schwert hat eingewilligt.«
»Rasd hat sich geopfert, um Nihel und mich zu retten. Ich bin es ihr schuldig.«
»Sie ist eine dreckige Wilde!«
»Sie hat ein ziemlich gutes Gehör«, warf die Waldelbe von hinten ein.
Ohne es zu wollen, drehte Makku sich zu ihr, spürte jede Bewegung bis in die Knochen, und das Bild kroch aus seiner Erinnerung. Wie sie auf dem Galgen hockte, der Tod in seiner Perfektion. Der Gedanken ließ ihn nicht mehr los, seit drei Tagen schon. Quais schwarze, schlanke Silhouette auf dem Galgen, den Bogen in der Hand und die wilden Katzenaugen wie geschliffene Smaragde in der Dunkelheit. Es faszinierte ihn. Und das wiederum ärgerte ihn. Er wollte dieses Bild nicht immerzu in seinem Kopf.
»Was sagt dein Vater dazu, dass du mit einer Bande dreckiger Söldner durch Feindesland ziehen willst?«
»Ich diene dem Waldfürsten Lanneq nicht mehr. Ich bin frei«, erwiderte sie, klang hölzern. »Meine Treue gehört der Blutklinge.«
Das konnte nur böse enden.
Obwohl Makku die Antwort bereits kannte, wandte er sich wieder Xephos zu.
»Was ist mit dem Quellstein? Dem, den Lanneq haben will, du erinnerst dich? Den seine Tochter für ihn beschaffen sollte.«
»Sie bringt ihn Galbûn.«
»Du spielst mit Feuer, Xephos. Glaub mir, damit kenn ich mich aus.«
Ihr Hauptmann schwieg, den Blick in die Ferne gerichtet und eine Hand am Griff der Klinge an seiner Seite. Er lauschte ihrem Flüstern. Keine Macht dieser Welt würde ihn dazu bringen, seine Entscheidung zu ändern.
»Dreck! Warum hab ich euch beide nicht einfach zusammen mit diesem götterverlassenen Sumpf zu Asche verbrannt?«
Xephos lachte müde. »Weil du für etwas anderes bestimmt bist.«
Wie gerne hätte Makku widersprochen. Hätte dem Träger der Blutklinge erzählt, dass er ebenso frei war wie die dreckige Wilde, keiner Bestimmung, keinem großen Schicksal unterworfen.
Doch am Rande seiner Wahrnehmung spürte er den Blick einer höheren Macht, älter als der Himmel und älter als die Zeit. Immerzu.
»Erwarte bloß nicht, dass wir Freunde werden.«
Sie war die Kühle in seinem Geist – sie war jeder einzelne seiner Gedanken. Er war ein Teil von ihr. Solange sie es wollte, würde er der Blutklinge folgen.
Bis in die Leere. Und wenn es sein musste, auch wieder zurück.

~*~*~

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Beitrag #2 |

RE: Blutklinge (10/10)
Hallo Lanna.


Soviel vorweg: Teil zehn rettet vieles. Neun ist jedoch eher Antiklimax als explosive Schlacht und das obwohl wir eine Schlacht mit Explosion haben.


Teil acht ist ein guter Einstieg, gibt uns einen kleinen Überblick über die Schlacht, stellt die Fähigkeiten der Feen und den Bannzauber als Konter dazu vor und gibt uns eine Kostprobe von Makkus Fähigkeiten, sowie seiner Ruhe im Kampf. Man sieht deutlich, dass er nicht die Kraft hat, die Schlacht allein zu entscheiden, sondern eher unterstützend wirkt, auf der Suche nach Feenmagiern.
Am Anfang etwas verwunderlich, dass Makkus Freunde, wie meine Freunde damals im Zeltlager immer, ihm den Schlaf gönnen, anstatt ihn zu wecken.
Was mir ebenfalls nicht gefällt ist, dass er nach "Tell, then don't show", einen Fehler macht, seine Position verrät, das in Gedanken auch für uns so kommentiert und dann kein wirkliches Problem damit bekommt.
"Schützender Schütze" ist etwas, das ich gar nicht mag, weils so eine leichte Lösung zum schreiben ist. Besonders wenn dazu kommt, dass die Feen die perfekte Fähigkeit haben um ganz schnell, ohne vorher drei Pfeile in den Hals zu bekommen, der Bogenschützin auf die Pelle zu rücken.
Zauber mit großer Reichweite, die praktischerweise Freund von Feind unterscheiden mag ich auch nicht, aber hier lässt es sich damit rechtfertigen, dass der Zauber auf Elfen abgestimmt ist.
Die Finstere Kugel, mit der er sich im Nahkampf seiner Feinde entledigt mag ich hingegen, sie braucht etwas Vorbereitung, scheint an der Kraft des Nutzers zu zehren und ist dank Reichweite nur begrenzt einsetzbar. Vom Flair her auch schön, der unbeschreibliche Horror, der an den Feinden nagt. Buchstäblich.

Bis dahin fand ich den Kampf ganz in Ordnung, mit ein paar Dingen, die mich stören.


Dann kam Teil neun.
Dass Makku mal einen der Zauber übersieht, nach denen er eigentlich sucht, gefiel mir auch noch, etwas unklar ist hier, ob sein eigener Schutzzauber zerbricht und ihn dessen Scherben schneiden, oder ob der Zauber der Feen ein magischer Schrapnell-Angriff ist. Dass die Feen, die den Zauber wirken, hinterher nicht mehr vorkommen stört mich ein Bisschen.
Ab dann mag ich die Schlacht ganz schnell nicht mehr.
"Ihre Magie ist stark an diesem Ort."
Deswegen greifen sie zu ihrer Geheimwaffe.
Eine Energie, die so stark ist, dass sich kein Mensch ihr erwehren kann:
Kinetische Energie aus gespannten Sehnen. Icon_motz
Danach kommt storytechnisch nur noch die Feuerfand, die die Feen über den Haufen brennt. Deus ex Machina.
Warum kann er die Magie der Feen nutzen? Oder war es seine eigene Magie? War es die Macht des Sumpfes und er hat durch Glück den Knotenpunkt gefunden? Hat jeder Sumpf/Wald so etwas? Das dumme ist, das für mich jede einzelne dieser möglichen Erklärungen schlecht ist.
Makkus innerer Konflikt hier ist eher ein inneres Stolpern mit Glücksfund...
Rasd ist tot, aber das macht keinem etwas aus, weil er sowieso nur Quais Pressesprecher war. Wenns den Seibert und die Wirtz mal erwischt, juckt das ja auch keinen.
Die Feen, die ja den Sumpf und seine Macht wie ihre Westentasche kennen, haben aus Fairness auf ihre Verschwindibus-Fähigkeit verzichtet, obwohl sie so schlau waren, außerhalb der Bannkreise zu kämpfen sie also nichts davon abhalten könnte.
Das erklär mal einem Gamer, warum der large-scale AoE gegen die kurzzeitige Unverwundbarkeit gewinnt. Einzige Erklärung wäre hier, dass der Zauber spontan und unvorhersehbar zugeschlagen hat. Makkus Geschmackssinn scheint um einiges besser zu sein als der, mit dem die magiegeborenen und magieabhängigen Wesen gesegnet wurden...

Ich wirke hier verletzender als ich eigentlich sein will, aber das ist meine ehrliche Reaktion, Gedanken, die in die Tastatur fließen. Ich hoffe, du kannst mit dem Spott leben. Die Kehrseite der Medaille, nachdem ich den Inhalt großflächig mit Kritik versehen habe, ist die Verpackung.
Was du beschreibst missfällt mir, die Beschreibung jedoch kommt wieder näher an das heran, was einen anfangs im Zelt fesselt. Nicht ganz so detailreich, dafür noch immer voller Bilder und passender Adjektive. Deine Formulierungen bereiten schlicht Freude, die Gefühle die du beschreibst sind greifbar. Wenn du Dinge als fließend und kalt beschreibst, bist du auch später noch mit Worten wie versinken und wogend im selben Bild und gibst uns damit Vertrautheit mit etwas übernatürlichem, das dem Leser eigentlich nicht vertraut sein kann.


Kapitel zehn beginnt mit dem kleinen Jungen, der in Kapitel sechs vorgestellt wurde, sich in Kapitel sieben schlafen legte und dann während der Schlacht am Rande des Geschehens stand und sich überlegte, wann er auch mal in die Kamera winkt.
Eine interessante Idee, die du mit mäßigem Erfolg umsetzt. Entweder sollte der Junge auch einen Einfluss haben, oder ganz verschwinden Icon_slash
Obendrein "handelt" er für mich nicht schlüssig: Warum will der Junge im Sumpf versinken? Beim Angriff auf das Dorf wusste er nicht, dass die Magie es war, die ihn schützte. Die Magie, die er kannte, hat sein Dorf vernichtet. Wenn einer der beiden von Magie angezogen wird, dann der erwachsene Makku, der sie kennen und schätzen gelernt hat.

Die Beschreibung seiner wirren Gedankengänge und sein langsames Aufwachen sind sehr gut umgesetzt, verschwinden aber sofort aus dem Kopf des Lesers, wenn die Figuren wieder zu sprechen beginnen. Dagegen verblasst der Text der vorherigen zweieinhalb Kapitel einfach. Spott und Respekt, Kälte und Wärme, das alles steckt in den Worten, die du deinen Charakteren in den Mund legst und es ist eine Freude, sie zu lesen.
Dass sich Quai der Gruppe anschließt ist eine erfreuliche Überraschung.

Den Quellstein zu behalten ist ebenfalls eine Entscheidung, die ich nicht erwartet hätte, denn damit macht sich Xephos plötzlich bei jedem unbeliebt. Lanneq verliert Tochter und Stein, der Küstenfürst verliert seinen Hauptmann und den Stein, sowie sein Wohlwollen bei Lanneq, nachdem Xephos ja eigentlich einer seiner Männer war. Der König wird Xephos mit der Elbe im Schlepptau und der Vergangenheit unter dem Fürsten ebenfalls nicht mit offenen Armen empfangen. Gern würde ich herausfinden, was sich die Blutklinge dabei gedacht hat, aber die Kurzgeschichte endet hier mit einem Ritt ins Ungewisse.



Fazit Ende: Meh. Als Gamer und Schlachtenschreiber bin ich enttäuscht, als Leser von Sätzen und Worten hänge ich jedoch weiterhin an deiner Feder wie der Junkie an der Nadel. Nicht alles was mir missfällt muss schlecht sein, hier kann ich mir z.B. gut vorstellen, dass einige Leser gar überhaupt nicht meiner Meinung sind.


Endfazit:
Du bist grausam. Du kannst mit vielen Worten stundenlang Handgriffe und kleine Vorgänge beschreiben, bringst mit etwas weniger Worten und umso mehr Gesprächen Charaktere ins Bild, die einem als Mensch nicht ans Herz wachsen, dafür aber als Figur fesseln, während du mit ganz wenigen, aber gut verteilten Worten einen riesigen Hintergrund spinnst, in dessen Netz sich all das befindet.
Sobald dann aber Action beschrieben werden muss, gehen deine geübten Handgriffe ins Leere, deine Beschreibungen verfangen sich im Geäst und deine Charaktere wachsen entweder viel zu weit über sich hinaus oder verschwinden im Dunkel. Die Welt tritt in den Schatten des Magischen, das mit seinem unsäglichen Brüllen ankündigt, dass es ihre Konflikte allein lösen wird und die akribischen Beschreibungen, mitreißenden Gespräche und fantastischen Figuren nur mitgerissen werden, anstatt anders herum mit der Zauberei als Werkzeug die Geschichte anzugehen.


Bei allem Lob, das du als Schreiber verdienst, der Text verspricht storymäßig vor allem vergeudetes Potential. Du machst mir Lust auf eine Fortsetzung, lässt mich aber daran Zweifeln, dass sie mich glücklich machen würde.

"Zu jeder Zeit, an jedem Ort, bleibt das Tun der Menschen das gleiche."

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Beitrag #3 |

RE: Blutklinge (10/10)
Hi Jason!

Tut mir Leid, dass ich nicht gleich reagiert hab Icon_wink
Auf eine ausführliche Antwort musst du leider noch ein bisschen warten, aber ich wollt dich zumindest schonmal wissen lassen, dass ich Teil 7 erstmal komplett neuschreiben werde, um einige von dir angesprochenen Dinge zu erklären / einzufügen.

Ich hab auf jeden Fall sehr viel aus den Kommentaren schon mitgenommen und danke dir für die Zeit, die du dir genommen hast Icon_smile Ab sofort lass ich Schlachten, Konfrontationen und Konflikte wohl einfach weg - welche Geschichte braucht das schon Mrgreen

Liebe Grüße
Lanna

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Beitrag #4 |

RE: Blutklinge (10/10)
Auf deine kurze Antwort eine kurze Bemerkung von mir:

Zitat:Ab sofort lass ich Schlachten, Konfrontationen und Konflikte wohl einfach weg - welche Geschichte braucht das schon

Gar so vernichtend wollte ich dann doch nicht klingen :D
Zumindest Konflikte und Konfrontationen braucht jede Geschichte. Schlachten dürfen für mich in epischer Fantasy auch nicht fehlen, sie definieren sie.
Probier mal etwas, das ich bei GRRM gelernt habe, das ich dir sogar noch besser zutraue als mir:
Beschreibe die Schlacht gar nicht erst, lass in die Gespräche hinterher aber mehr Informationen darüber einfließen, zumindest bis zu dem Punkt, an dem der Leser die wichtigsten Informationen darüber erhält. Das ändert auch komplett deine Sicht auf den Tathergang. "Don't show, let them tell." Ich versuche das bei mir ja zu kombinieren, indem ich nur begrenzt Informationen über Schlachten zur Verfügung stelle, je nach PoV-Charakter und hinterher dann vieles ergänze. Wenn das in deinen Stil besser passt, kannst du sie ganz weglassen und nur über deine brillianten Dialoge, am besten auch noch mit der Verteilung, die sonst deine Infos über die Welt an sich haben, einfließen lassen.

Schwer, aber dir eher zuzutrauen als mir Icon_smile

"Zu jeder Zeit, an jedem Ort, bleibt das Tun der Menschen das gleiche."

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Beitrag #5 |

RE: Blutklinge (10/10)
Hallo Lanna,
 
und nun Teil 10 – Der Schluss. Icon_smile  
 
Zitat:Der kleine Junge schlief.
 
Ich habs vermutlich schon mal gesagt, aber: Ich finde das echt gut gemacht, wie du mit dem Jungen eine Figur geschaffen hast, die uns sofort klar werden lässt, dass Makku ohnmächtig/bewusstlos/wie auch immer ist.
 
Zitat:… dem Blutgeschmack im Mund und dem sengenden Gefühl von Feuer auf Haut.
 
Der Satz ist zwar schon ziemlich lang, aber ich finde „auf der Haut“ klingt runder.
 
Zitat:»Was ist mit dem Quellstein? Dem, den Lanneq haben will, du erinnerst dich? Den seine Tochter für ihn beschaffen sollte.«
 
Ui, ich befürchte hier bahnen sich Konflikte an, deren Ausgang wir in dieser Geschichte leider nicht mehr erfahren. Icon_panik
 
Zitat:Sie war die Kühle in seinem Geist – sie war jeder einzelne seiner Gedanken.
 
Was meinst du hier mit „Sie“? Ach ja, diese „höhere Macht“ jetzt hab ich verstanden. Doh Ähm ja, also nur der Hinweis, dass man sich verlesen könnte, wenn das Gehirn schon fast schmilzt.

So. Jetzt ist es also vorbei. Schon ein bisschen schade. Irgendwie mag ich Makku in seiner etwas „schrulligen“ oder „schroffen“ Art. Vielleicht deshalb weil man merkt, dass er doch Freundschaft empfinden kann und auch Freude für seine Arbeit. Er wirkt mit seinen ganzen Gefühlen einfach menschlich. Icon_smile
Was ich im Gegensatz dazu von Xephos halten soll, weiss ich nicht. Ich glaube ich finde ihn ein bisschen nett, weil er Makku mag und auch (in dieser Geschichte) eigentlich keine dummen Entscheidungen getroffen hat.
Qai hingegen ist mir immer noch ein Rätsel. Zuerst ist sie natürlich ebenso von Misstrauen gegen die Menschen geprägt, wie auch Makku (also halt umgekehrt), dann hilft sie dem Nekromanten (wahrscheinlich nur weil der ihr Leben gerettet hat) und jetzt am Schluss sieht es beinahe so aus, als ob sie die Lorbeeren für das finden des Quellesteins ernten will, wofür sie auch noch ihren Vater verraten, verlassen oder abgeschworen hat. Wie auch immer man das jetzt nennen soll. Es kommt mir diesbezüglich so vor, als ob es noch weitergehen müsste. Was hat das jetzt für politische Auswirkungen, dass Galbûn den Quellstein bekommt, aber nicht von Xephos? Was hat es auf das Verhältnis zwischen Galbûn und Lanneg für Auswirkungen, jetzt wo Qai übergelaufen ist? Ein bisschen fühle ich mich bei dem Thema jetzt allein gelassen, es wirkt wie ein Ausschnitt aus einer größeren Geschichte.

Ich glaube „runder“ würde die Geschichte wirken, wenn jetzt einfach Xephos den Stein zu seinem Fürsten bringt und fertig. Vielleicht begleitet Qai ihn einfach, weil diese (jetzt wo Rasd tot ist) bisschen durch die Lande ziehen will. Dann wäre „die Geschichte vom suchen und finden des Quellsteins“ abgeschlossen. Icon_wink

Ja, ansonsten muss ich sagen, dass mich deine Geschichte in ihren Bann gezogen hat. Angefangen von der Atmosphäre in Makkus Zelt (man merkt, dass du hier Spaß am Schreiben hattest), über Makkus Zauberei und Gewinn der Schlacht, bis über die Feen und die Magie die überall lauert. Das hier ist so eine typische Geschichte die ihre Wirkung erst im Gesamten richtig entfaltet, weil die einzelnen Abschnitte ja doch zusammengehören. Da kann es schon mal sein, dass ein Teil (für sich allein) eben nicht vollständig funktioniert. Zum Beispiel kommt am Anfang weder Makkus Magie, noch die Suche nach dem Quellstein richtig zur Geltung. Oder auch der Abschnitt in dem Makku mit Qai redet. Jetzt wirkt es tatsächlich wie die berühmte „Ruhe vor dem Sturm".  Icon_smile
Hat mir wirklich Spaß gemacht zu lesen und ich würde auch noch Makkus weitere Wege verfolgen.

Liebe Grüße,
Lady

Wer nicht kann, was er will, muss das wollen, was er kann. Denn das zu wollen, was er nicht kann, wäre töricht. -Leonardo da Vinci-
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