Es ist: 23-02-2020, 08:07
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Die Betrogene
Beitrag #1 |

Die Betrogene
Ich hoffe es gefällt euch.

Die Betrogene

Da waren wir also. Nach sieben Jahren Beziehung und unzähligen Fahrten über die A9, war es vorbei. Von einem Tag auf dem Anderen. Ich habe mir gerade erst eine Woche Urlaub genommen, um endlich wieder bei ihm sein zu können. Und wofür das Ganze? Dafür, dass ich mir mit ansehen muss, wie er sich mit einer anderen vergnügt? Immer wieder sagte er mir, dass er sich darauf freut nach Hause zu kommen und gemeinsam mit mir zu essen; dass es das schönste für ihn sei, wenn ich, eine gelernte Köchin und seine geliebte Partnerin, mir die Zeit nehme etwas für ihn zu kochen, damit er sich nach einem harten Arbeitstag erholen könnte. Und hart muss es wirklich gewesen sein, sonst hätte er seine Arbeit nicht ausführen können. Die ganzen Jahre über habe ich getan, was er sich wünschte und dann will ich ihn ein einziges mal abholen, klopfe an die Tür seines Büros und trete ein und er rührt sich nicht vom Fleck, als könnte er sich nicht bewegen, weil alle seine Gliedmaßen erschlafft sind. „Ich kann das erklären! Warte doch einmal, bleib stehen!“, schallte es durch die bereits zugeschlagene Tür. „Ylva! Bleib stehen! Komm bitte mit zu mir, wir können doch darüber reden!“, rief er mir dann über den Parkplatz zu. Aber für mich gab es nichts zu klären und nichts zu besprechen. Ich war vielleicht nicht allwissend, aber ich wusste alles, was ich wissen wollte und ich wollte nicht reden, wenn doch mein Schweigen alles gesagt hat. Eine Woche lang wäre ich geblieben, und in ein paar Monaten wäre ich wieder gekommen. Nun war jedoch alles endgültig vorbei und als wäre das nicht genug musste ich auch noch an diese bescheuerte „Weisheit“ denken. Das verflixte siebte Jahr. Als wäre das eine Entschuldigung. Ich wollte nur noch weg. Ich setzte mich hinter das Steuer, startete den Motor und … blieb stehen. Ich konnte nicht fassen, was da gerade passiert ist und ich wollte es auch nicht. Ich wünschte mir, dass das alles nur ein dummer Albtraum wäre aus dem ich gleich aufwache. Dass er mir eine Strähne aus dem Gesicht streicht und fragt, ob alles in Ordnung sei. Und vor allem wünschte ich mir, dass tatsächlich alles in Ordnung sei. Und dann war die Zeit für Wünsche auch schon vorbei. „Ylva, lass uns reden. Mach bitte die Tür auf. Ylva, es ist nur einmal passiert. Es war ein Ausrutscher!“, sagte er, während er am Autofenster klopfte. Der Moment um los zu fahren war da und schon war ich weg.
Ich übernachtete also doch in dem Hotelzimmer, dass ich immer buchte, wenn ich nach Berlin fuhr. Es war meine kleine Oase der Sicherheit, in die ich mich zurückzog, wenn wir uns gestritten haben und ich für eine Nacht alleine sein wollte. Er wusste zwar, dass ich selbst nach sieben Jahren noch immer das Zimmer buchte, aber er wusste nicht welches Zimmer es war, oder welches Hotel. Er sagte immer wieder, dass er es schade fände, dass ich ihm nicht genug vertraue und ihn dadurch auf Abstand halten würde. Mehr noch. Einmal warf er mir sogar an den Kopf, dass ich, ausgerechnet ich, das Zimmer nur buchen würde, um andere Männer abzuschleppen. Vielleicht hätte ich auf den Rat meiner besten Freundin hören sollen. Immer wieder hat sie mir gesagt, dass so eine 585 Kilometer Fernbeziehung nicht funktionieren kann.
„Ach Ylva, du weißt doch, dass ich dir das nicht schlecht machen will, aber wir wissen doch beide, dass ihr gewisse Bedürfnisse habt. Ich will jetzt wirklich nicht sagen, dass du dir irgendwann einen Typen an irgendeiner Bar anlächelst, aber unmöglich wäre das doch nicht. Und selbst wenn du es nicht verbockst, was ist mit ihm? Glaubst du er bleibt dir ewig treu? Und komm mir jetzt nicht damit, dass es ja nur für kurze Zeit ist und ihr bestimmt bald zusammen ziehen werdet. Du hängst viel zu sehr an deinem Job, um nach Berlin zu ziehen und er wird sicher nicht seinen gut bezahlten Job aufgeben, um nach München zu ziehen.“, sagte sie damals zu mir, als ich ihr davon erzählte, dass ich mich endlich verliebt habe und das ausgerechnet in jemanden, den ich nur alle paar Monate besuchen könnte.
Obwohl sie Karl nie kennen gelernt hatte, hat sie mir immer geraten ihn zu verlassen und hat bei jeder Gelegenheit versucht ihn schlecht zu machen. „ Ach du, danke dass du nachfragst. Der Urlaub in New York war wirklich aufregend. Überall dieser Trubel und die vielen Menschen und alles war ständig im Wandel. Sandro und ich waren mal bei diesem wunderbaren Italiener, den wir nur gefunden haben, weil wir diese Kunstausstellung, zu der wir eigentlich wollten, nicht gefunden hatten. Das war die beste Pizza in meinem ganzen Leben. Wir haben uns sofort geschworen, dass wir vor unserer Abreise unbedingt noch einmal dort hingehen müssen. Und am letzten Tag waren wir dann dort, aber der Italiener nicht mehr! Ich weiß es klingt unglaublich, aber das Restaurant war weg! Einfach weg! Also, das Gebäude stand natürlich noch, aber dort war kein Restaurant mehr, sondern ein Schuhladen. Wenn ich so daran denke, kommt es mir fast so vor als wäre München provinziell. Aber sag mal, was ist denn eigentlich mit dir und Karl? Habt ihr denn schon irgendwelche Urlaubspläne? Nein? Du willst mir doch nicht wirklich erzählen, dass ihr kein Verlangen danach habt euch mal länger als eine Woche zu sehen und dass auch mal ohne den Alltagsstress. Ylva, schau mich nicht so an, als würde ich dich damit nerven. Du weißt, dass ich recht habe. Jedes gesunde Paar fährt in den Urlaub und du kannst mir nicht erzählen, dass die Umstände es nicht zulassen. Bei dem was ihr beide verdient, könntet ihr euch das locker leisten. Nein Ylva, ich weiß du denkst du wärst eine special little snowflake und ganz ganz einzigartig, aber das glaube ich dir jetzt einfach nicht. Wenn du Urlaube so schrecklich öde und sinnlos fändest, würdest du mich nicht nach meinem fragen. Ich sag es dir nur einmal. Wenn dieser Vollidiot sich in drei Jahren nicht auch nur einmal die Zeit nehmen wollte mit dir in den Urlaub zu fahren, dann hat er dich nicht verdient. So wichtig kann sein Job gar nicht sein, dass er sich nicht mal zwei Wochen frei nehmen kann. Hör endlich auf so naiv zu sein! Er wird niemals hier her ziehen! Dieser Typ spielt doch nur mit dir!“
Aber ich konnte ihn nicht verlassen. Selbst letzten Sommer nicht, als das mit der Betriebsfeier war.
„Ylva es tut mir leid, ich habe am Wochenende meine Eltern besucht und bin gerade erst zurückgekommen und habe deine Nachricht abgehört. Du klingst richtig aufgelöst, was ist denn passiert? … Ja, du hast mir von diesem Deal erzählt, den er für seine Firma gemacht hat … Ok, es gab also eine Feier deswegen, auf die alle Angestellten eingeladen waren … Du bist da hin gegangen, und was ist dann passiert? … Er hat dich angeschrien? Wieso macht dieser Trottel sowas? … Nur für Angestellte? Ich bin mir sicher, dass die anderen auch ihre Partner mitgenommen haben. Er kann dich doch nicht anschreien, nur weil du ihn auf der Feier überraschen wolltest. … Ylva, kannst du das bitte wiederholen, ich versteh dich etwas schlecht. Sekunde ich sag Sandro mal, dass er den Fernseher ausschalten, er ist aus. Erzähl weiter. … Da waren also überall Paare zu sehen? Warum wollte er dich dann nicht dabei haben? … Wie meinst du das? Er war nicht allein. ….Eine blonde Frau stand die ganze Zeit neben ihm? Weißt du denn wer das war? Was hat sie gemacht? … Sie hat ihn mit ihren Haaren gespielt und ihn die ganze Zeit so komisch angesehen?... Wie bitte? Diese Frau meinte auch noch, dass du gehen müsstest? Ich hoffe du hast ihr deine Meinung gesagt! … Du hättest nicht gehen dürfen. So kann er nicht mit dir umgehen. Was hat er dann draußen zu dir gesagt? … Er ist drinnen geblieben? Er ist dir nicht gefolgt? Ylva, du musst ihn endlich abschieben. Er tut dir einfach nicht gut; ich versuche dir dass schon seit Ewigkeiten zu sagen! … Die Frau von der Rezeption ist dir also gefolgt? … Ylva, beruhige dich. Es ist überhaupt nicht schlimm, dass du ihren Namen nicht kennst. Du bist aufgeregt, dass ist jetzt nicht so wichtig. …. Es ist wirklich nebensächlich. … Was hat sie zu dir gesagt? … Diese Blonde ist also seine Kollegin Cécile? Und sie haben nichts miteinander? … Ylva, du bist kein schrecklicher Mensch, weil du dich aufregst, er hätte dich nicht so behandeln dürfen. … Was machst du gerade? … Das ist nicht dein ernst, oder? Du kochst für ihn? Du willst dich bei ihm entschuldigen, weil du nicht zur Feier kommen hättest sollen? … Ylva, ich erkenne dich nicht wieder. Früher haben wir über solche Frauen gespottet, deren Leben nur aus ihrem Mann besteht. Und jetzt bist du selbst eine von ihnen. Schlimmer noch, er ist nicht einmal dein Mann. Er ist vermutlich nicht einmal dein Freund! Weißt du was. Ruf mich erst wieder an, wenn du dein Leben endlich auf die Reihe gekriegt hast und dich endlich von ihm getrennt hast!“
Seine Kollegin Cécile. Nur seine Kollegin. Und ich habe es geglaubt. Ich habe mich für meinen Abgang entschuldigt und dafür, dass ich überhaupt erst erschienen war. Ich dachte wirklich, dass ich etwas falsch gemacht hätte. Mit meiner Mutter habe ich nur selten über meine Beziehung mit Karl gesprochen, weil ich nicht wollte, dass sie sich einmischt. Das hielt sie natürlich nicht davon ab über alles Bescheid zu wissen. Sie und meine beste Freundin Emma verstanden sich schon immer prächtig und trafen sich regelmäßig zu einem Kaffee, um über alles mögliche und unmögliche zu reden. Ich habe Emma oft gesagt, dass ich nicht will, dass sie mit ihr über meine Beziehung redet, aber ich bezweifle, dass das viel gebracht hatte. Irgendeine Information, und sei sie noch so klein, konnte meine Mutter ihr immer entlocken. Wenn ich meine Eltern besuchte, kamen immer diese Bemerkungen von meiner Mutter über Dinge, die sie nicht wissen konnte und dennoch wusste. Es waren nur kleine Fragen, wie ob ich und Karl vorhatten in den Urlaub zu fahren oder ob wir seinen Deal gefeiert hätten. Emma hatte ihr sicher alles erzählt. Aber meine Mutter wollte Emma nicht verraten und sie wollte auch nicht zugeben, dass sie meine Privatsphäre nicht im geringsten achtete. Stattdessen wollte sie mich solange manipulieren, bis ich ihr erzählte, was sie schon längst wusste. Emma wusste es bereits, als ich nach Hause fuhr. Und als ich nach Hause kam und meine Mutter bereits im Garten wartete, war mir klar, dass sie es auch bereits wusste. Nur eines war anders. Dieses mal hatte sie nicht vor mir die Informationen zu entlocken und so zu tun, als wüsste sie nichts. Dieses mal gab es auch ein großes Problem. Dieses mal war ich nicht verschlossen. Dieses mal war ich nicht wütend und bereute es gleichzeitig. Dieses mal wollte ich es nicht ihm, sondern mir recht machen. Dieses mal wollte ich mich von Karl trennen.
Da standen wir also in der Küche und sie hatte den Tee bereits zubereitet. Sie griff – vielleicht aus Zufall, vielleicht aus Gewohnheit oder vielleicht aus Absicht – nach der Tasse mit dem Aufdruck „Prinzessin“, die ich als Kind schon mögen musste und schenkte den Tee ein. „ Ylva, meine Kleine. Ich hab es schon gehört. Emma hat es mir vorhin am Telefon erzählt. Es tut mir ja so leid, was passiert ist. Weißt du , jetzt liegt alles an dir. Ich weiß, was Emma dir geraten hat, genauso weißt du, dass ich Emma wirklich schätze. Aber dieses mal hat sie Unrecht, meine Süße. Ich sage ja nicht, dass du bei ihm anrufen sollst und dich bei ihm entschuldigen sollst. Er hat Mist gebaut. Ohne jeden Zweifel. Aber die Zeit heilt alle Wunden und man kann so manches wieder hinbiegen. Dein Vater und ich hatten es ja auch nicht immer leicht. Wir hatten auch unsere Streitereien, doch wir haben uns letztendlich immer zusammengerissen und die Probleme gelöst.“
„Mutter, ich kann -“
„- Nein! Ylva, hör mir zu! Ich weiß genau wie du dich fühlst. Du weißt ja, dass dein Vater auch ein paar Fehltritte hatte. Aber sieh dich doch um. Ich wohne in diesem großen Haus! Ich habe es eingerichtet! Ich liege Nachts neben deinem Vater im Bett und nicht eines dieser billigen Flittchen mit denen er etwas hatte! … Es tut mir Leid, dass ich eben etwas laut war. Weißt du, Ylva. Das Leben ist nun mal nicht so, wie es Hollywood uns vorgaukelt. Und wir beide sind sicher nicht gerade Rory und Lorelai. Aber lass mir dir eines sagen. Du kannst diesen Mann nicht verlassen.“
„Er hat mich betrogen. Und dann denkt er noch, dass er mir nur über den Parkplatz nachlaufen müsste und er mir das alles erklären könne. Was gibt es da noch zu erklären? Er hat mich nie geliebt und vermutlich von Anfang an betrogen!“
„Ylva, ich mache das nicht wieder mit!“
„Was machst du nicht wieder mit?“
„Diese lächerliche Einbildung von dir. Du brauchst nicht auf die Idee kommen wieder damit anzufangen! Ich habe doch gesehen, wie traurig du in deiner Jugend warst. Die anderen Mädchen sind irgendwann mit ihrem Freund losgezogen und du saßt immer nur zuhause und hast in deinem Zimmer gelesen. Ich bin deine Mutter, ich weiß, was in dir vorging. Du hast zwar versucht mich anzulügen und immer gesagt, dass alles in Ordnung wäre. Aber du warst nie eine gute Lügnerin. Ich dachte,dass das spätestens vorbei ist, wenn du 18 wirst. Die Jahre vergingen und du hattest dennoch nie einen Freund. Und mit 28 kommst du dann auf einmal an und sagst uns, dass du asexuell wärst! Asexuell! So einen Schwachsinn hast du dir eingeredet, damit du damit klar kamst, dass du keinen Freund hast. Hast du eigentlich immer nur an dich gedacht? War es dir egal, dass wir Enkel wollten? Waren wir dir egal? Du kannst dir nicht vorstellen, wie erleichtert wir waren, als du mit 30 endlich zur Vernunft gekommen bist. Als du deinen Karl in Berlin gefunden hast. Jetzt willst du das alles wegwerfen, weil er einmal etwas falsch gemacht hat?“
„Er hat mich betrogen!“
„Ylva, du kannst es dir wirklich nicht leisten mit so hohen Standards zu arbeiten! Karl hat dich in den sieben Jahren nicht verlassen. Soweit ich weiß hat er auch nicht ein einziges mal damit gedroht. Dann hat er eben etwas mit dieser Cécile gehabt! Na und? Wenn du das jetzt aufgibst, dann waren die ganzen sieben Jahre umsonst! Vollkommen umsonst! Wer , wenn nicht er, würde dich denn als Frau haben wollen? Du hast nichts vorzuweisen. Was bringt dir dein Job, von dem du immer behauptet, dass er dich erfüllt? Was glaubst du denken die Typen da draußen, wenn du ihnen sagst, dass du in 37 Jahren nur eine Beziehung hattest und das auch noch eine Fernbeziehung war. München-Berlin! Die wissen doch sofort, dass mit dir etwas nicht stimmt! Karl macht das nichts aus. Dann fickt er eben eine andere! Was solls? Er bleibt zumindest bei dir. Glaubst du, dass du ewig deinen Job als Köchin behältst? Die ersetzen dich doch früher oder später eh und dann stehst du auf der Straße. Karl hat einen guten Job. Er kann für dich sorgen und dir alles bieten, was du willst! Und selbst wenn du denkst, dass du ewig für dich alleine sorgen könntest. Schwanger wirst du so nicht, Du bist nicht mehr die Jüngste! Du kannst nicht ewig damit warten uns Enkel zu schenken! Also bitte, sei einmal vernünftig und gib das nicht auf. Ich meine er ist dir doch gefolgt, als du aus dem Büro gerannt bist. Das ist doch der Beweis, dass er dich will. Sei doch einfach mal zufrieden mit dem was du hast!“
Ich hatte genug davon. Wieder rannte ich aus einem Haus und wieder stieg ich in mein Auto und wieder fuhr ich weg. Nur das beklemmende Gefühl, dass ich in Berlin hatte, war nun fort. Meine Mutter wusste es nicht und würde es auch nie wissen, aber die sieben Jahre Fernbeziehung mit Karl und die 585 Kilometer lange Fahrt ,die ich unzähligen Male auf mich genommen hatte, waren nicht umsonst gewesen. Ich hätte vor Freude am liebsten all die Bilder von uns zerrissen und verbrannt. Doch was es nicht gab, konnte ich auch nicht zerstören. Auch Karl konnte das nicht. Ich möchte nicht,dass man mich als Lügnerin ansieht, denn ich habe die Wahrheit gesagt. Ich habe als Jugendliche nicht gelogen, wenn ich sagte, dass ich mit meinen Büchern zufrieden wäre. Ich habe auch nicht mit 28 gelogen, als ich meinen Eltern erzählte, dass ich asexuell wäre. Nur hat die Wahrheit oft nicht viel mit der Realität zu tun. Es konnte ja nicht sein. Asexualität existierte einfach nicht. Ich war ein kleines Mädchen und ich musste meinen Prinzen finden, oder wenn nicht, musste ich ihn zumindest finden wollen. Ich habe sie auch nicht belogen, wenn ich von Karl erzählte. Die Wahrheit war immer offensichtlich. Es gab keine Bilder von uns. Meine Eltern, meine beste Freundin. Sie alle haben ihn nie gesehen. Nie hatte er die Zeit dazu von Berlin nach München zu fahren und wenn meine Eltern in Berlin waren, war er in Amsterdam, Tokio oder New York. Doch es war perfekt. Es war nicht perfekt, weil es für alles eine Ausrede gab, sondern weil Niemand die Wahrheit wissen wollte und weil die Wahrheit stets mit aller Kraft geleugnet wurde.
Ich war so erleichtert und ich wusste ich würde es auch die nächste Zeit sein. Ich wusste ich wäre nun eine lange Zeit frei. In den nächsten Monaten konnte ich, und das mussten alle einsehen, nicht über Karl hinwegkommen. Keinen Neuanfang mit einem neuen Mann wagen. Später würde ich vielleicht wieder einmal nach Berlin fahren und ihn dort sehen. Ihn und seine Cécile. Und alle Fortschritte, die ich in den Wochen zuvor gemacht haben werde, würden wieder zunichte gemacht worden sein. Nächstes Jahr hätte ich von Männern erst einmal genug und würde mich voll auf meiner Karriere konzentrieren oder ein neues Hobby beginnen, dass all meine Zeit in Anspruch nimmt. Ein bis zwei Jahre werde ich Zeit haben. Ein bis zwei Jahre, in denen Niemand von mir verlangen würde mir einen neuen Mann zu suchen und mich bei Tinder anzumelden. Und in drei Jahren würde ich mich vermutlich wieder verlieben. In einen erfolgreichen Geschäftsmann aus Hamburg, Leipzig oder Köln und ich würde wieder eine bilderlose Fernbeziehung führen. Aber daran wollte ich erst einmal nicht denken. Die nächsten Jahre habe ich für mich.


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Beitrag #2 |

RE: Die Betrogene
Hallo Jahil Desima,

das Ende gefällt mir richtig gut. Pro
Die nächste Scheinbeziehung könnte Ylva dann gleich ganz simulieren. Hauptsache, die Familie nervt nicht rum.

Die erste Hälfte lang dachte ich wirklich, sie sei wütend und würde der Beziehung nachtrauern. Dann kommt nach und nach die Wahrheit ans Licht. Klasse!

Ein paar Tippfehler macht jeder, ich streiche sie mal höflichst an:

> so eine 585 Kilometer Fernbeziehung
Eigentlich müsste man das mit Bindestrichen schreiben: 585-Kilometer-Fernbeziehung.
Denn Kilometer ist hier kein Adjektiv, sondern beide zusammen sind ein zusammengesetztes Substantiv.

> Sie hat ihn mit ihren Haaren gespielt
Das "ihn" kann raus.

> ich versuche dir dass schon seit Ewigkeiten zu sagen
> Du bist aufgeregt, dass ist jetzt nicht so wichtig
> das beklemmende Gefühl, dass ich in Berlin hatte
> ein neues Hobby beginnen, dass all meine Zeit in Anspruch nimmt
Diese vier "das" dürfen jeweils nur ein "s" haben. Erklärung: Man kann sie durch "dieses" oder "welches" ersetzen, ohne den Sinn zu stören.

> Das ist nicht dein ernst, oder?
Hier gibts zwei Möglichkeiten:
a) "Das ist nicht ernst [gemeint], oder?"
b) "Das ist nicht dein Ernst, oder?"

> über den Parkplatz nachlaufen müsste und er mir das alles erklären könne.
Hier würde ich mich für eine Variante entscheiden:
a) müsse ... könne
b) müsste ... könnte

Danke für die Geschichte und einen schönen Abend
coco


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Beitrag #3 |

RE: Die Betrogene
Hallo Jahil,

ich leg einfach mal los.

Zitat:und ich wollte nicht reden, wenn doch mein Schweigen alles gesagt hat.

Der Satz gefällt mir. Pro

Zitat:Ach du, danke dass du nachfragst.

Ich mag diese Monologe nicht. Besonders nicht, wenn sie so lange sind wie deiner. Warum arbeitest du hier nicht mit einem normalen Dialog, dass würde dem ganzen noch mehr Lebendigkeit geben. Zumal du ja die Geschichte aus der Ich-Perspektive erzählst, da passt für mich der Monolog nicht so richtig dazu.

Zitat:Sie hat ihn mit ihren Haaren gespielt und ihn die ganze Zeit so komisch angesehen?... Wie bitte? Diese Frau meinte auch noch, dass du gehen müsstest?

Wie du hier die Sache mit der Betriebsfeier erzählst, gefällt mir irgendwie nicht. Ich meine es ist schon gut gemacht, wie hier klar wird, dass sie telefonieren. Aber mich nervt irgendwie die Fragerei. Auch hier wieder: Warum erzählt uns Ylva das nicht direkt? Oder du machst auch hier einen direkten Dialog zwischen den beiden Freundinnen.

Zitat: Du kannst diesen Mann nicht verlassen.“

Das soll mal einer verstehen: Erst raten sie ihr dauernd von der Beziehung ab und jetzt andersherum. Obwohl … eigentlich war es ja Emma, die abgeraten hat und nicht die Mutter. Icon_panik

Zitat:Hast du eigentlich immer nur an dich gedacht? War es dir egal, dass wir Enkel wollten? Waren wir dir egal?

Ich finde die Aussage der Mutter nicht gerade nett. Ich kann sie ja schon verstehen, dass sie Enkel möchte, aber das so von ihrer Tochter verlangen? Nee, das kann und darf sie eigentlich nicht. Schade ist eben, dass die Mutter damit Symphatiepunkte bei mir verliert. Es würde ja für die Geschichte nur genügen, wenn sie ihrer Tochter einfach rät die Beziehung nicht zu beenden.

Das Ende deiner Geschichte lässt mich ein wenig ratlos zurück. Hat sie tatsächlich die Beziehung tatsächlich nur erfunden? Icon_confused So völlig unverständlich wäre das jetzt nicht, da ja sowohl ihre Mutter als auch Emma ziemlich aufdringlich sind. Oder hatte sie wirklich diese Beziehung und war eigentlich ganz froh darüber sich nur ab und zu mal mit Karl treffen zu müssen? Oder aber: Sie ist in Karl verliebt und der weiss gar nicht, dass es sie gibt. Ich finde es gar nicht so schlecht, dass man das so und so interpretieren kann, es lässt mich darüber nachdenken, ob man eine Beziehung tatsächlich vortäuschen und sich so seinen Traumprinzen erschaffen kann.

Ja, also inhaltlich fand ich es prima, nicht zuletzt wegen des „offenen Endes“, wenn ich das so nennen darf. Icon_wink Nur bei der Umsetzung stören mich ein wenig die Monologe. Die wirken so unrealistisch, kein Mensch erzählt soviel an einem Stück. Ich würde raten, entweder alles Ylva erzählen zu lassen (sie ist eine symphatische Protagonistin) oder mit „richtigen“ Dialogen zu arbeiten. Als Alternative dazu könntest du die Monologe auch einfach etwas kürzen. Icon_wink

Liebe Grüße,
Lady

Wer nicht kann, was er will, muss das wollen, was er kann. Denn das zu wollen, was er nicht kann, wäre töricht. -Leonardo da Vinci-
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