Es ist: 09-04-2020, 11:11
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Ins Dunkle ferner Nächte (0.2)
Beitrag #1 |

Ins Dunkle ferner Nächte (0.2)
Countdown: Addendum

I n s D u n k l e f e r n e r N ä c h t e

0.2

Sie hörten ihn, wie er stöhnte, wie er bei seinen Bewegungen gegen den Tisch schlug.
Immer wieder.
Allison wimmerte leise, hatte jeden Gedanken an Widerstand aufgegeben, doch Flynn hielt sie weiterhin fest. Es dauerte eine gefühlte Ewigkeit, die laut Anzeige des Klapprechners allerdings nur eine Viertelstunde darstellte. Dann ließ der Ältere von dem Jüngeren ab.
Schwer atmend hielt er sich am Tisch fest und zog sich die Hose wieder hoch.
"Wichser", zischte er. "Elendiger Wichser."
Er ging ein paar Schritte zur Seite. Auf dem Bildschirm sahen sie erst den reglosen Jungen mit den herunterhängenden Beinen, dann sehr deutlich das Gesicht des Älteren im Kerzenschein. Er überlegte, schaute auf den toten Jungen, schaute zur Seite. Dann holte er den alten großen Reisekoffer aus der Ecke, zog ihn zum Tisch und öffnete ihn.
Nachdem er den Jungen vom Tisch gehoben und ihn darin verstaut hatte, nahm er die Zeitschrift mit den Kreuzworträtseln und stopfte sie ebenfalls hinein, sodass der Reisekoffer aussah, als wäre er prall gefüllt.
Eine stumpfe, stupide Arbeit, währenddessen er kein Wort verlor. Nach einigen Minuten löschte er die Kerzen, knipste seine Taschenlampe an und steckte sie sich zwischen die Zähne. Schließlich nahm er den großen Koffer und wuchtete ihn die Treppe hinauf.
Die Kellertür wurde geschlossen. Schritte auf dem alten Holzboden, die langsam leiser wurden und schließlich verschwanden.
Stille, in der Flynn von ihrer Kollegin abließ.
Es roch noch nach den gelöschten Kerzen. Zusammen mit dem modrigen Duft des Verfalls fühlte es sich an, als wäre die Hölle nicht heiß und rötlich, sondern ein kalter und dunkler Ort.
Allisons Herz pochte immer noch. Ihr Körper war starr, die Hände eiskalt.
"Warum?", flüsterte sie, als sie ihre Sprache wiedergefunden hatte.
Flynn blieb ungerührt.
"Was wolltest Du denn tun?", fragte sie. "Ihn etwa retten?"
Allison biss sich auf die Lippen, verhinderte, dass ihr Kopf nickte.
"Wie kannst Du nur so ... ruhig sein?" , fragte sie.
Flynn knipste ihre Taschenlampe an und der Strahl zerschnitt die Dunkelheit, als sie sich streckte und aufstand.
"Er war nur ein Echo", sagte sie. "Jetzt lass uns alles einpacken und verschwinden."
Allison schüttelte fassungslos den Kopf, ein zwei Sekunden lang, dann packte sie plötzlich Flynn am Kragen. Der Lichtstrahl wurde unruhig und tanzte orientierungslos durch die Dunkelheit, als sie das Gesicht ihrer Kollegin zu sich heran zog. Obwohl es schwer zu erkennen war, konnte man in Allisons Blick Panik, Wut und ein bisschen was von Wahnsinn erkennen.
"Echo", murmelte sie, während ihre Nasenspitze die von Flynn berührte. "Ist Dein verschissenes Herz kalt geworden?"
Flynn blieb unbeeindruckt.
"Dein Herz hat Dich den Job gekostet, nicht wahr?"
Allisons Augen funkelten im Schein der Taschenlampe. Wie ein Feuer in zwei Glaskugeln.
"Es ist warm", sagte sie, als sie Flynn losließ. "Warm. Kräftig. Und es lebt."
"Schön für Dich."
Allison legte den Kopf schief, schaute durch Flynn hindurch bis auf den Grund.
"Ich würde gerne mit Dir tauschen", sagte sie. "Denn dann wäre mir wahrscheinlich auch nichts aufgefallen."
Flynn hob fragend eine Augenbraue.

*

Charly starrte noch auf den Ausschnitt der Überwachungskamera, verfolgte den älteren Jungen, wie er mit dem Koffer aus dem Wald verschwand. Eine Meldung auf dem Bildschirm verriet ihr, dass sie noch dreizehn Minuten hatten, bevor ein verliebtes Päarchen nahe ihres Standortes vorbeigehen würde.
Aus den Augenwinkeln sah sie, wie die beiden Kolleginnen sich dem Horch näherten. Der Kofferraum wurde geöffnet, die VHS-Kamera behutsam hineingelegt und wieder geschlossen. Dann schwangen die beiden Türen auf. Flynn setzte sich hinters Lenkrad, während Allison auf dem Beifahrersitz Platz nahm.
Sie sagten nichts, aber man konnte es spüren, dass zwischen den beiden ein ungenanntes Problem gab. Sie schauten sich auch nicht an, als sie beinahe synchron die Türen schlossen.
Eine schweigende Minute, in der Charly von Flynn im Rückspiegel gemustert wurde. Der Blick eine Spur kälter als sonst. Das Gesicht erstarrt in Neutralität. Und die Lippen nur ein gerade Strich aus blassem Rosa.
"Wir haben alles", sagte Flynn und kniff die Augen ein Stück zusammen, weil die Frau auf der Rückbank nicht antwortete. "Was ist?"
Charly atmete hörbar ein und aus, dann richtete sie sich auf und drehte den Klapprechner so, dass der Bildschirm nach vorne zeigte.
"Seht", sagte sie und tippte auf das Standbild, auf dem das Haus von oben zu sehen war.
Flynn und Allison drehten sich um, mieden den Blickkontakt zueinander und starrten auf den Klapprechner, auf dem das Bild abwechselnd in verschiedenen Farbvariationen dargestellt wurde. In roten, blauen und ockerfarbenen Tönen. Abgesehen davon, dass das Laub dabei mehr oder weniger verschwand, konnten sie die freie Fläche vor dem Haus deutlich erkennen. Und auch die viereckigen Formen im Boden.
Linien und Kanten. Kleine Rechtecke, die in der Natur so nicht vorkamen.
"Ich wusste es", murmelte Allison und seufzte. "Das konnte nicht das erste Mal gewesen sein."
Flynn drehte sich wieder nach vorn.
Schweigend starrte sie durch die Scheibe, minutenlang. Die letzten Tage flogen in einer kurzen Revue an ihr vorbei. Die Ankunft. Die Observation des Verdächtigen, die Verfolgung, die Suche nach dem wahrscheinlichen Tatort. Und der ganze Rest.
"Deswegen der Reisekoffer", murmelte Allison, als Flynn den Motor startete und langsam losfuhr. Es sollte nicht siegessicher wirken, aber verhindern konnte sie es nicht. Doch anstelle der Fahrerin war es Charly hinter ihr, die darauf noch etwas zu sagen hatte.
"Dieser verdammte Schweinehund hatte vor dem Haus keinen Platz mehr."

*

Der Horch tuckerte langsam und schaukelnd durch den alten Feldweg zurück auf die Straße, die sich durch den Berg aus Wald fraß. Erst als die Reifen festen Grund berührten, gab Flynn Gas und jagte den Wagen durch die Kurven, hinauf, hinab, bis sie schließlich an eine T-Kreuzung kamen.
Die Pfeile auf dem gelben Hinweisschild wiesen rechts nach Partenstein und links nach Langenprozelten.
Kein anderes Fahrzeug zu sehen. Flynn bog nach links ab, fuhr die steile Bundesstraße schnell hinunter. Ein zwei Kilometer, dann würde der Fluss sich ihnen in den Weg stellen. Doch bevor es soweit kommen konnte, trat sie auf die Bremse, als der Wald sich auf der rechten Seite etwas zurückzog und drei Häuser auftauchten. Der Main hinter der Bahnlinie, die sich wie eine gerade Linie vor ihnen erstreckte, war klar zu erkennen. Genauso wie die kleine Stichstraße auf der linken Seite, in die sie hineinfuhr und nach einigen Metern schließlich am Hang des Bergs anhielt.
Flynn ließ den Motor laufen, als Allison ihr eine kleine Box reichte. Nachdenklich starrte sie auf das silberne Grau, dann öffnete sie die Tür und stieg aus.
Vor ihr, am Hang, befand sich ein Stein, mehr ein Brocken. In der Mitte ein gerade Riss, links ein kleines Schild mit vier Schrauben befestigt. 'Schwedenstein 1632' stand dort, mehr nicht.
Sie schaute sich um, doch niemand war zu sehen. Dann trat sie auf den Stein zu, hockte sich hin, grub mit den Fingern am Rand ein Loch in den Boden darunter und legte die Box hinein, bevor sie es wieder zuschüttete.
Nachdenklich betrachtete sie die Erde an ihren Fingern, dann wischte sie sich den Dreck an der Hose ab und stieg wieder ein.
"Alles erledigt?", fragte Charly von hinten, während Allison aus dem Fenster schweigend die kleine Ortschaft betrachtete, die in ihrem eigenen Dornröschenschlaf verfallen war.
Flynn nickte, dann stupste sie die Beifahrerin an.
"Alles in Ordnung?", fragte sie.
"Wenn alles in Ordnung wäre, dann wären wir nicht hier", antwortete Allison und drehte sich zur Fahrerin um. "Oder?"
"Du konntest ihm nicht helfen", sagte Flynn und versuchte soetwas wie Mitgefühl in ihr Gesicht zu zaubern. "Er war doch schon tot."
"Der Schutz menschlichen Lebens ist doch unsere Aufgabe, oder etwa nicht?"
Charly auf der Rückbank schaute ihre beiden Kolleginnen abwechselnd an, zog es aber vor zu schweigen.
"Aber nicht hier. Und auch nicht jetzt", antwortete Flynn. "Außerdem hätte es alles verändert."
Allison biss sich auf die Unterlippe und widmete sich wieder dem verschlafenen Städtchen.
Das Schweigen schwebte wie ein drückendes Gefühl im Horch umher, bis sich Charly schließlich genötigt sah, etwas zu sagen.
"Müssen wir noch woanders hin?", fragte sie. "Oder reicht das Material?"
Flynn überlegte, ob es sinnvoll war den Dialog mit Allison fortzuführen, entschied sich aber dagegen.
"Nein, wir haben alles", sagte sie und legte den Rückwärtsgang ein. "Ab nach Hause."

***

Jahre. Momente. Sekunden gleiche Wimpernschläge.
Versandet. Vergangen - und immer noch präsent. Wie im Zeitraffer wurde es ...
... laut auf dem Platz.
Der Himmel dunkel und grau, während vereinzelt kleine Regentropfen herabfielen.
Trotzdem standen viele Menschen auf dem Platz und streckten ihre Arme gen Himmel. Manche hielten Plakate in den Händen, auf denen etwas stand, was man nicht entziffern konnte. Andere hielten sich Plastikplanen über die Köpfe und standen in Gruppen darunter. Es war schwer für außenstehende Personen individuelle Merkmale herauszufiltern, besonders wenn man - wie Flynn - von einem anderen Kontinent kam. Denn hier sahen alle Menschen gleich aus und verschmolzen mit ihren unterschiedlichen Kleidungen zu bunten Farbklecksen mit Köpfen, die wie austauschbar wirkten.
Einzig die Absperrung zog sich wie eine gelbe Spur durch das Bild.
Viele Asiaten säumten den Weg, den sie bis jetzt genommen hatten, doch die größte Ansammlung befand sich in der Mitte des Platzes, wo bis vor einigen Wochen noch ein kleiner, quadratischer Park gewesen war. Aufgrund der Sicherheitslage hatten die chinesischen Behörden lieber fast alle Bäume abgeholzt. Eine brutale Maßnahme, die von Seiten des Vatikans nicht unkommentiert gelassen wurde und dazu führte, dass wenigstens ein einzelner großer Baum genau in der Mitte übrig gelassen wurde.
An den Seiten des Platzes befanden sich die alten Häuser der intakt gebliebenen Innenstadt. Nahtlos standen sie nebeneinander, schon seit der deutschen Kolonialzeit, und verwirrten den Betrachter, der dies nicht erwartet hätte. Denn im Hintergrund befanden sich, wenn man sich nach Westen in Richtung des Hafens umgedreht hätte, die massiven Hochhäuser der Großstadtmetropole. Steinernen Riesen gleich, die das Leben am Grund bewachten.
Ausdruckslos. Hässlich, massiv und kalt.
Ein seltsames Bild aus Alt und Neu.
Als wäre man plötzlich wieder in heimatlichen Gefilden gewesen, ohne mehrere Stunden Flug in einem Flieger zu verbringen. Das einzige, was die abrupt auftretende Illusion einer verschlafenen deutschen Kleinstadt mitten in Asien trübte, war nicht nur das Fehlen der typischen alten Durchfahrten in den Häusern (für die damaligenKutschen), sondern auch die Plakate und Transparente in chinesischer Schrift, die wie eine Geheimsprache wirkten.
Die Fenster waren allesamt geöffnet und die Mieter schauten hinaus. Einige hatten sogar die Fahne der Katholischen Kirche hinaus gehängt. Viele jubelten, genauso wie die Massen von Zuschauern hinter den Absperrungen, als der Wagen des Papstes langsam vorbeifuhr.
Ein offenes viertüriges Fahrzeug, das Verdeck nach hinten geklappt. Der heilige Vater hatte auf ein geschütztes Fahrzeug mit einer gepanzerten Kabine verzichtet, obwohl er damit seine - für die Sicherheit zuständige - Palatinergarde damit fast an den Rand der Verzweiflung gebracht hatte. Dafür wurden die Eskorten der Polizei mit ihren blinkenden Motorrädern und Einsatzwagen verstärkt, die zusammen mit seinem Fahrzeug einen endlosen Tross bildeten, der sich schon seit geraumer Zeit in Schrittgeschwindigkeit durch die Innenstadt geschoben hatte.
Die letzten Meter des Weges führten geradewegs zu einem eigens für ihn aufgebauten Rednerpult. Ein roter Teppich davor zierte die Stufen des anvisierten Gebäudes und erstreckte sich bis einige Meter davor, wo der Tross halten sollte: Das über hundert Jahre alte Rathaus von Quingdao, ehemaliges Verwaltungsgebäude der deutschen Kolonialverwaltung, dass von oben wie ein Karree aussah. An den Ecken flatterten chinesische Fahnen im Wind, neben denen des Internationalen Roten Kreuzes, des Vatikans und natürlich denen der UdSSR.
Das Oberhaupt der Kirche stand die ganze Zeit, lächelte und winkte den Menschen zu. Unablässig. Freundlich. Nie ermüdend. Ganz im Gegensatz zu den vier Personen, die an jeder der vier Türen neben dem Wagen mitmarschierten. Schwarze Anzüge mit ihren Dienstwaffen darunter, die erst dann zum Vorschein kommen würden, wenn es zu spät war.
Drei Männer. Und Flynn, die sich an der Beifahrertür befand.
Es knackte in ihrem Ohr.
"Team zwei und drei in Position", rauschte es durch ihren Kopf. "Kein Kontakt."
"Eins und vier?", sagte Flynn in das Mikro, das an ihrem Kragen befestigt war.
"Eins: Östliche Hälfte. Nichts."
"Vier: Westliche Hälfte. Nichts."

Ihr Blick suchte die Köpfe der Menschenmenge ab und fokussierte herausstechende Gesichter. Egal ob alt oder jung, groß oder klein, ausdruckslos, abweisend oder freudig erregt. Sie analysierte sie innerhalb von wenigen Sekunden und entschieden sich genauso schnell, ob es eine Gefahr für den heiligen Vater darstellte. Dabei richtete sich auch den Blick auf die Fensterreihen, akribisch von unten nach oben. Doch keiner der Anwesenden dort schien eine Gefahr zu bedeuten.
Auch wenn sie alles dafür getan hatte, um den Papstbesuch so sicher wie nur irgend möglich machen, so wusste sie auch, dass es zwar perfekte Pläne gab, aber die Umsetzung niemals so aussah, wie anvisiert.
Sie hatte als Leiterin dafür gesorgt, dass zwei Scharfschützenteams auf den Dächern positioniert waren. Abgesehen von den Polizeikräften befanden sich zwei weitere Teams am Boden inmitten der Menschenmassen und würden verdächtige Personen sofort melden. Und sollte es wirklich jemand durch die Massen schaffen, die Absperrungen überwinden und sich bis zum Fahrzeug vorkämpfen, wären nicht nur drei gut ausgebildete Personenschützer da, sondern auch sie selbst.
Und doch, es konnte alles passieren. Wobei es vorzuziehen war, das tatsächlich nichts geschehen möge. Dann würden sie sich um weniger schlimme Aufgaben kümmern. Das sichere Geleiten des Oberhauptes zum Hotel, zur letzten Konferenzen auf ihrer Weltreise und wieder zurück an Bord des vatikanischen Flugzeugs, was sie sicher und schnell nach Rom bringen würde. Mit einer Menge Schlaflosigkeit an Bord, die sie in den nächsten Wochen abbauen würden. Natürlich inmitten der Planungen für die nächsten öffentlichen Auftritte.
Der Papst winkte immer noch. Sein Lächeln wirkte nicht eine Spur müde und irgendwie beneidete sie ihn dafür. Diese Fähigkeit war ihr schon immer suspekt gewesen, aber aufgrund ihrer leitenden Tätigkeit bei der Palatinergarde brauchte sie diese Eigenschaft zum Glück nicht.
"Hier Drei", rauschte es durch ihr Ohr. "Verdächtige Person am Baum."
Ihr Kopf zuckte nach rechts, schaute über die Absperrung hinweg, suchte sich einen Weg hindurch, doch die Leiber standen zu dicht aneinander. Nur der übrig gebliebene Baum in der Mitte des Platzes ragte wie ein Felsen heraus.
"Überprüfung", sagte sie, obwohl sie wusste, dass es unnötig war. Team Drei waren zwei Vollprofis, die genauso viele Dienstjahre auf dem Buckel hatten, wie sie.
"Verstanden."
Sie wollte sich wieder den Häusern zuwenden, als ein lauter Ruf erklang. Unkenntlich, nicht genau zu verstehen. Und kurz darauf schrien Menschen auf, die Menge zuckte zusammen und drängte von einem bestimmten Punkt auseinander.
"Drei: Status!", rief sie, doch es kam keine Antwort.
In der Menschenmenge schlug die freudige Haltung um in Entsetzen und Panik. Die ersten Personen wurden von anderen hastig umgerannt, lagen am Boden und riefen um Hilfe.
"Drei! STATUS!"
"Hier ... Drei. Kommen nicht ... ran."
"An alle", sagte Flynn ins Mikro. "Position halten, Ich gehe vor."
Im selben Moment stieß sie sich von der Beifahrertür ab, sah dabei nicht, wie einer der drei Personenschützer ins Fahrzeug stieg und den Papst bat sich hinzusetzen, bevor er sich massiv vor ihm aufbaute. Flynn kletterte über die Absperrung, drückte die Menschen zur Seite, suchte sich krampfhaft einen Weg hindurch, wobei sie grob den Baum anvisierte.
"Eins und Vier?", rief sie ins Mikro und drückte gerade eine ältere Frau zur Seite. Doch die Menschen gaben nicht nach. Eine wild gewordene Flut aus Leibern, die nichts außer Flucht kannte.
"Hier Eins. Sehen einzelne Person. Jetzt freistehend. Hält etwas in der linken Hand."
Ellenbogen stießen in ihr Gesicht und hinterließen schmerzende Spuren, während sie dagegen ankämpfte, nicht umgerannt zu werden.
"Schussfeld ... frei?"
"Wiederholen, konnten nichts verstehen."
"SCHUSSFELD FREI?"
"Hier Eins. Positiv."
Schließlich versuchte sie ihre Pistole aus dem Halfter zu ziehen, was ihr zwar gelang, aber beinahe hätte sie sie durch die Schubsereien verloren.
"Vier?", fragte sie und schlug sich rabiater durch die Menge. Immer gleiche Gesichter, Körper, kleine Menschen. In wilder Panik. Schläge gegen das Gesicht, gegen die Rippen und in den Rücken - doch noch waren es nur Informationen. Die Schmerzen würden später kommen.
"Negativ."
Sie riss einen weiteren Chinesen zur Seite, schubste einen anderen weg, bis sie schließlich durch war und die Zielperson sah. Ein älterer Mann, der seine besten Jahre bereits hinter sich hatte. Heruntergekommener Eindruck, fleckige Hose, zerrissene offene Jacke, unter der ansatzweise ein Sprenggürtel zu erkennen war. Er war fünf bis sechs Meter entfernt. Um ihn herum befand sich nur noch Leere. Und in seiner Hand der Zünder.
Er rief wieder etwas, als er Flynn sah. Unverständlich, aber der Gürtel reichte ihr um es zu verstehen. Besonders das, was er in seiner linken Hand hielt und gerade drücken wollte.
Doch bevor er dazu kommen konnte, hallte ein Schuss über den Platz. Das linke Bein wurde getroffen und knickte zur Seite weg.
"Hier Eins. Versuche es nochmal."
Wimpernschläge. Jeder Moment atmete Unendlichkeit. Die Menschen wurden langsamer. Der Mann wankte, hielt sich aber noch aufrecht.
"Vier: Freies Schussfeld. Frage: Finaler Schuss?"
Noch bevor sie antworten konnte, hallten zwei weitere Schüsse über den Platz.
Das rechte Bein wurde getroffen und er fiel der Länge nach hin. Der Zünder fiel aus der blutenden linken Hand, was im ersten Moment erleichternd wirkte, doch der Mann sah Flynn - und griff mit der rechten unter seine Jacke.
Sekundenbruchteile später richtete er einen Revolver auf sie und schoss.
Wie eine heiße Nadel, die sich viel zu groß anfühlte, fuhr es durch ihre linke Schulter und riss sie ein Stück zurück. Die Schmerzen rauschten ungefiltert durch ihren Körper, fluteten das Gehirn und schrien wie kleine Kinder einfach durcheinander. Keine Zeit nachzudenken, keine Zeit Alternativen zu entwickeln. Sie richtete ihre Pistole auf seinen intakten Arm und schoss, bevor sie zusammenbrach. Der Kopf knallte ungebremst auf den Asphalt.
Stille.
Abrupt.
Die Menschen verschwanden mit ihren Stimmen.
Ein Nichts aus Finsternis. Kein Oben, kein Unten. Vergangene Bilder trudelten an ihr vorbei, wobei sie noch nicht einmal wusste, ob sie sie wirklich sah, oder nur spürte.
Eines davon verharrte vor ihr, sah sie fragend an, bevor sie danach griff. Wie eine Brille setzte sie es sich auf und an den Rändern verschwand die Dunkelheit.
Sie war in einem Krankenhaus. Mit einem Linoleumboden in hässlichem Grün. Irgendwelche Ständer neben ihrem Bett mit umgedrehten Flaschen und Beuteln.
Irgendjemand beugte sich vom Rand zu ihr hin, sagte etwas. Eindringlich. Besorgt. Im ersten Moment meinte sie, dass es der Heilige Vater gewesen sein könnte, doch sie war sich nicht sicher. Genausowenig über das, was er ihr gesagt hatte, denn es hatten sich nur seine Lippen bewegt. Dann wurde es wieder schnell und hektisch. Ein Bild jagte das andere, bis sie sich nicht länger in ihrem Bett befand, sondern wieder halbwegs stehen konnte.
In einem anderen Zimmer.
Ein Mann lag dort und sein Kopf funkelte sie wütend an. Schweigend. Starrend. Sein rechte Arm befand sich bandagiert neben dem Körper, die Hand an den Gittern festgebunden. Sie dagegen konnte den Blick nicht von der Bettdecke nehmen, unter der sehr deutlich zu sehen war, dass die Beine des Mannes nur noch Stümpfe darstellten.
Im Gegensatz zum linken Arm, der einfach weg war.
Irgendeine chinesische Person - sie konnte nicht mehr mit Bestimmtheit sagen, ob Arzt oder Polizist - trat neben sie. Und vom Rand der Wahrnehmung hörte sie sein gebrochenes Deutsch.
"... hat Glück gehabt", sagte er. "Ohne Amputation er wäre gestorben."
"Aber ..."
"Gehört zu Volk der Siraya", unterbrach er sie. "Arm, heruntergekommen. Die meisten Leprakranke. Beste Rekruten für taiwanesischen Rebellen."
Die Gestalt im Bett, der Attentäter, der Mann ohne Beine schaute sie weiterhin grimmig an. Da war nur der Blick von ihm zu ihr, indem nichts außer Hass zu sehen war.
"Warum?", hörte sie sich fragen.
"Er böse auf sie, weil er lebt", sagte der Chinese, bevor er sich entfernte. "Wenn er tot, dann Familie kriegt von Rebellen bis Lebensende Geld."
Sie konnte ihre Augen nicht von ihm lassen. Die Stümpfe. Der fehlende linke Arm. War das Glück? Sie konnte es einfach nicht. Einfach nich-
"Evelyn?", rauschte eine Stimme durch das Dunkel, die nicht zu den vergangenen Bildern gehörte. "Können Sie mich hören?"
Das Krankenzimmer verschwand genauso schlagartig, wie der Attentäter und der chinesische Schatten neben ihr. Stattdessen spürte sie, wie Groll in ihr aufstieg.
Evelyn.
Wie sie den Namen hasste. Erinnerte sie an ihre Eltern, die sie immer dann so nannten, wenn sie mit schlechten Noten nach Hause gekommen war. Wobei das Schlecht damals bei einer Zwei anfing.
"Falls Sie mich hören", sagte die Stimme, die sie auch jetzt noch nicht richtig zuordnen konnte. "Sie haben es geschafft. Aber aufgrund Ihrer Werte kann ich Sie noch nicht entlassen."
Werte? Entlassen?
Irgendwas strömte durch sie hindurch. Sie konnte es fühlen, wie ein unsichtbarer Fluss mitten im Schwarz, der ihr den Boden unter den Beinen wegzog.
Kein Oben, kein Unten mehr, an das man sich klammern konnte.
Die Gedanken taubten, legten sich wieder zur Ruhe.
Und die Stille kehrte zurück.

***

Zuerst war da das Pochen im Kopf. Dann der Druck, der sich auf ihren Brustkorb legte. Übelkeit glimmte in ihrem Unterleib auf, bohrte sich seinen Weg nach oben und wollte durch den Mund hinaus. Ihre Lider zuckten, hoben sich schwerfällig, als würden Gewichte daran hängen. Und Sekunden später schloss sie die Augen wieder.
Das weiße Licht, das von der Decke herab regnete, war nicht nur viel zu hell, sondern auch krank und steril. Im Gegensatz dazu war die Dunkelheit in ihr beinahe behaglich und warm.
"Evelyn?"
Wieder diese Stimme, aber diesmal schien sie viel näher zu sein. Sie spürte es, genauso wie eine Bettdecke über ihr und die Matratze darunter. Ein Bett. Und sie darin.
"Das sieht gut aus", sagte die Stimme, und meinte wohl ihre umhersuchenden Hände, die sich durch die Welt vor den geschlossenen Lidern fühlten.
Irgendwann schaffte sie es zu blinzeln, das helle Licht zu akzeptieren und die Augen offen zu halten, doch das was sie sah, war noch viel zu verschwommen.
"Der glasige Blick verschwindet in ein paar Sekunden", sagte die Stimme, die immer mehr einem Mann ähnelte. "Machen Sie langsam."
Langsam?, fragte sie sich. Warum?
Die Antwort stellte sich ganz von selbst ein, denn der erste Versuch sich aufzurichten endete damit, dass ihre Arme kurz darauf nachgaben und sie wieder aufs Kopfkissen zurück fiel. Beim zweiten Mal klappte es schon etwas besser, wenn man davon absah, dass sie dabei fast das Bettende vollkotzte.
Der Blick war immer noch verschwommen, und die Person, die an ihrem Bett saß, schälte sich quälend langsam aus der Anonymität heraus.
Ein strahlendes Lächeln auf dem Gesicht, der Rest des Oberkörpers verlor sich unter dem weißen Kittel, der weißen Hose und den weißen Schuhen.
"Falls es Sie tröstet", sagte der Mann. "Sie sahen schon schlimmer aus."
Sie versuchte die Kontrolle über ihren Körper wieder zu erlangen. Doch mehr als ein gedachtes "Ach?" kam vorerst nicht dabei heraus.
Er dagegen saß einfach nur da, auf einem Stuhl hinter einer leichten Nebelwand, die Beine überschlagen. Seine Hände ruhten wie zu einem Gebet geformt auf den Oberschenkeln, während sein Blick nicht von ihr ab ließ.
"In Anbetracht der Umstände haben Sie sicherlich Verständnis dafür, dass ich Ihnen ein paar Fragen stelle."
"Warum?"
"Um zu sehen, ob bei Ihnen alles in Ordnung ist."
Sie nickte, was erneut einen gewissen Reiz auslöste, aber sie konnte ihm widerstehen.
"Bitte nennen Sie mir Ihren Namen", sagte er.
"Evelyn ... Marquardt", antwortete sie und versuchte sich daran zu erinnern, wer der Typ war. "Und ... Sie?"
"Dr. Schwermann, Ihr behandelnder Arzt."
Irgendwas war falsch, sie fühlte es, auch wenn die Information länger brauchte als das Gefühl selbst.
"Hm."
"Ja?"
"Sie ... heißen nicht Schwermann, sondern ..." Sie brach ab, suchte krampfhaft nach dem Namen, bis sie ihn schließlich auf der Zunge spürte. "Sie ... heißen Ralfon. Dr. Ralfon."
In der Stimme des Arztes war keinerlei Gefühlsregung zu erkennen. Vom Gesicht ganz zu schweigen, dass sich immer noch unkenntlich zeigte. Nur ein heller Fleck, irgendwo Augen, eine Nase, ein Mund. Die Grundformen waren erkennbar, die individuellen Züge dagegen nicht.
"Geburtsdatum und -ort?", fragte er und seine Stimmlage war immer noch neutral.
"02. Januar 1980 in Schaffhausen, Schweiz."
"Was machen Sie beruflich?"
Sie konnte sich den leichten Anflug eines Schmunzelns nicht verkneifen.
"Ich spiele für Sie Versuchskaninchen", murmelte sie, musste sich aber sofort eingestehen, dass sich der Mann besser im Griff hatte als sie.
"Und davor?", fragte er ungerührt.
"Palatinergarde des Vatikans."
"Dienstgrad oder Dienststellung?"
"Major im Gendarmeriedienst ... und Kommandant des päpstlichen Begleitkommandos."
"Haben Sie Kinder?"
"Nein."
"Wer ist amtierender Deutscher Meister?"
Sie runzelte die Stirn.
"Ich ...", begann sie und schaute ihn verwirrt an. "Keine Ahnung."
"Bayer 04 Leverkusen."
Schweigend starrte sie das immer noch unklare Gesicht ihres Gegenübers an, dann erhob sich der Mann und zeigte auf einen Punkt rechts von ihr.
"Gönnen Sie sich eine Dusche", sagte er. "Besprechung um 07:30 Uhr." Als sie keine Anstalten machte ihn verstanden zu haben, fügte er hinzu: "Frische Kleider finden Sie übrigens im Schrank."
"Warten ... Sie", murmelte sie als er gehen wollte. "Haben ..., haben wir es geschafft?"
Er starrte sie an, wobei sie seine Augen nicht wirklich sehen konnte. Nur zwei Punkte in einem hellen Fleck aus Gesicht.
"07:30 Uhr", sagte er nur.
Dann drehte er sich um und war weg. Als hätte ein Zauberer mit dem Finger geschnippst.
Flynn wartete noch einige Augenblicke, atmete tief ein und aus, dann schwang sie die Beine aus dem Bett. Wie in Zeitlupe berührten die Füße den kalten Linoleumboden und wollten beinahe wegknicken, doch sie konnte sich noch festhalten und setzte sich für einen Moment wieder zurück aufs Bett.
"Langsam", flüsterte sie. "Sachte."
Nach Quingdao hatte es auch langsam gehen müssen. Jeder Schritt eine Qual.
Sie schloss die Augen, kämpfte gegen die Übelkeit und zwang sie sich nochmals aus dem Bett. Diesmal vorsichtiger.
Die Beine wackelten wieder, aber hielten stand. Sie wankte nach rechts, wohin der Arzt gezeigt hatte, während der Raum langsam klarer zu sehen war. Ein schmuckloses Grau an den Wänden, gesprenkelt mit einzelnen Landschaftsbildern. Keine Fenster, stattdessen Lüftungsschlitze in der Decke. Abgesehen vom Bett befand sich noch ein kleiner Tisch und zwei Stühle im Raum. Kahles Holz. Kein Polster. Nichts, außer billig.
Sie wankte zur Tür, sah sich schließlich einer Dusche nebst Toilette gegenüber. Irgendwie kannte sie es, aber noch konnte sie es nicht einordnen.
Die Duschwand war teilbar und stand bereits einladend offen. Frische Handtücher hingen an den weißen Fliesen links und rechts vom Spiegel. Wo sie ihr Spiegelbild sah.
Sie schaute sich selbst an, akribisch, nüchtern, ohne Gefühlsregungen. Eine Frau in einem weiten grauen Krankenhaushemd, mit unordentlichen Haaren und einem Montagmorgen-Gesicht schaute zurück. Beide Frauen schwiegen sich an, sowohl Original als auch Abbild, während ihre Gesichter sich dem Spiegel von beiden Seiten näherten und bei einem bestimmten Punkt verharrten.
Beinahe Nasenspitze an Nasenspitze.
Hast Du Kinder?, dachte Flynn und richtete die Frage an ihr Gegenüber. Hast Du wenigstens schon mal über eine Familie nachgedacht, statt immer nur an die Karriere?
Das Abbild schwieg. Was hätte es auch sagen sollen?
Sie wusste die Antwort auch so.


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Beitrag #2 |

RE: Ins Dunkle ferner Nächte (0.2)
Inhaltlich nicht mein Genre, aber es ist abartig, wie du es mit deinen Geschichten immer wieder schaffst, mich sofort in diese triste, deutsch-russisch geprägte Alternativwelt zu ziehen, in der alles von der ZSAG kontrolliert wird.


Viel kann man nicht kritisieren, du machst einem richtig den Spaß am kommentieren kaputt ^^

Drei Sachen sind mir dennoch aufgefallen:


Zitat:Das sichere Geleiten des Oberhauptes zum Hotel, zur letzten Konferenzen auf ihrer Weltreise und wieder zurück an Bord des vatikanischen Flugzeugs, was sie sicher und schnell nach Rom bringen würde.

Konferenz im Plural?


Zitat:Eine stumpfe, stupide Arbeit, währenddessen er kein Wort verlor.

Ich würde "während der er kein Wort verlor" schreiben.


Zitat:"Wer ist amtierender Deutscher Meister?"
Sie runzelte die Stirn.
"Ich ...", begann sie und schaute ihn verwirrt an. "Keine Ahnung."
"Bayer 04 Leverkusen."

Warum nimmt der Mann sie in die Konferenz um 07:30 mit, wenn sie hier klar gezeigt hat, dass sie noch nicht wieder zurechnungsfähig ist? Sie hat diese abstruse Antwort einfach akzeptiert anstatt zu fragen, wer es wirklich ist o.O


Zitat:Beide Frauen schwiegen sich an, sowohl Original als auch Abbild,

Weil sich der Rest so flüssig liest, sticht diese Stelle irgendwie heraus.
Bin noch am überlegen, wie es vielleicht besser formuliert wäre...
"Die Frauen schwiegen, sowohl Original als auch Abbild."
Erst "beide" und dann "sowohl als auch" ist für mich irgendwie unnötig gedoppelt.
"Die beiden Frauen schwiegen sich an" ohne den Rest nach dem Komma würde doch auch reichen.
"Sowohl das Original als auch ihr Abbild schwiegen"
Klingt für mich irgendwie alles besser als die Dopplung.

"Zu jeder Zeit, an jedem Ort, bleibt das Tun der Menschen das gleiche."

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Beitrag #3 |

RE: Ins Dunkle ferner Nächte (0.2)
SJC, danke für das Aufzeigen der Fehler.
Allerdings ist die Zuse-Siemens AG nur eine Firma. Mit einigen kleinen Extras.
Bayer 04 Leverkusen ist übrigens amtierender Deutscher Meister in dieser Parallelwelt. Damit ist die Antwort korrekt.

(Und das muss so sein, weil ich es dem Weltenwanderer versprochen habe.)

LGD.


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