Es ist: 17-11-2019, 06:13
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Im Schatten des Mondes - Kapitel 2 Rewritten
Beitrag #1 |

Im Schatten des Mondes - Kapitel 2 Rewritten
Verzeichnis

Kapitel 01
Kapitel 02
Kapitel 03
Kapitel 04


So, nachdem ich Kapitel zwei mit weniger Wehmut als erwartet verschrottet habe, kommt hier die neu geschriebene Version. Will hier gar nicht zu viel dazu sagen, wer die alte Version nicht kennt kann ja mal rein schaun, wer sie kennt darf gern auch Vergleiche ziehen, aber ich hoffe jetzt mal, dass das hier die endgültige Version ist und in Zukunft als "die einzige" Version gilt.



Kapitel 2 Der Bastard mit dem Elfenauge

Seth hasste das verdammte Windhorn. Als es das zweite mal seinen tiefen Ton durch das Kloster schickte, öffnete er seine Augen. Das linke leuchtete golden, das rechte funkelte vor Ärger. Missmutig schlug er die Bettdecke zurück und erhob sich aus dem hölzernen Kasten, in den der Sack voll Federn eingebettet war, auf dem er schlafen durfte. Seth hatte von großen Betten gelesen, in denen mehrere Menschen bequem Platz hatten. Mit Pelzdecken und Öffnungen, in die man heiße Steine legen konnte, um den schlafenden zu wärmen. Einige der Jäger, die zwischendurch hier her kamen und ihre Beute gegen Früchte aus dem Windgarten oder die Gunst des Windgottes eintauschten hatten ihm zwar gesagt, dass auch draußen kaum jemand solche Betten hatte, aber Seth war sich zumindest sicher, besseres als das hier verdient zu haben.
Er zog sich im Halbdunkel seines kleinen Zimmers die ledernen Schuhe an, streifte sich die Kutte über und ging den gewohnten Weg zur Tür. Gerade als er sie öffnete, sandte das Horn erneut seinen Klang über den Hof.
Der untergehende Mond war noch hell genug um den Tempel in der Mitte des Hofs deutlich zu sehen, auf dessen Turm das ärgerliche Artefakt seine laute Arbeit tat. Seth schwor sich, dass er es eines Tages herunter stoßen und verstummen lassen würde. Immerhin waren die Erbauer des Klosters klug genug gewesen, kein Gebäude westlich des Horns aufzustellen. In der Richtung schlafen oder arbeiten zu müssen, auf die die Öffnung des lärmenden Instruments zeigte, wäre nur als Strafe sinnvoll. Tatsächlich hatte Seth, seit er ein mal die frontale Wucht des Klangs abbekommen hatte, den Verdacht, dass das Horn eine antike Waffe war.
Von Norden kommend war der Klang erträglich, also setzte sich der Junge in Bewegung, wohl wissend, dass die Götter noch zwei mal in das Horn stoßen würden um die Uhrzeit kund zu tun. Hinter ihm öffnete sich eine weitere Tür im Novizenflügel und Walter von Bruchstein trat in den Hof des Klosters. Er warf einen wehleidigen Blick auf das Horn, einen bösartigen auf seinen jüngeren Mitschüler und ging dann wortlos auf den Tempel zu. Auch Seth sah keinen Grund, den älteren und größeren Jungen anzusprechen und setzte sich schlurfend wieder in Bewegung. Ein viertes mal trötete der Tempel in die Weiten der Wälder Anturys hinein. Wenigstens sagte es nur drei mal am Tag die Zeit an.
Obwohl der Winter schon eine Weile vorbei war, erkämpfte sich eine Gänsehaut mit Hilfe der verbliebenen Kälte und dem Klang des Horns den Weg über Seths Arme und lief ihm den Rücken hinab. Im Sprint brachte der Junge die letzten Schritte zum Tempel hinter sich und trat ein.
Innen war es angenehm warm. Genau wie im Windgarten sorgte auch hier uralte Magie dafür, dass die Luft immer die gleiche Temperatur hatte. Seth atmete tief durch, dann setzte er sich auf eine der Holzbänke, die im Halbkreis um den Altar herum aufgestellt waren.
Das Horn erklang ein letztes Mal aber irgendwie störte es ihn, obwohl er der Quelle des Klangs viel näher war, im inneren des Tempels nicht. Der große leere Saal mit seinen steinernen Wänden verlieh dem tiefen Ton einen Hall, der aus dem eintönigen Tröten fast schon Musik zu machen schien. Manchmal fragte der Junge sich, ob der Tempel vielleicht mit Absicht so gebaut war und die Bilder, Vorhänge und Bänke der Absicht der Erbauer nur dämpfend im Weg standen.
Seine Gedanken wurden von einer sich öffnenden Tür hinter ihm unterbrochen, als Walter von Bruchstein zusammen mit den anderen drei Novizen den Saal betrat. Seth wartete angespannt, während die unnötig plappernde Gruppe auf die Bänke zu lief und ohne leiser zu werden weit von ihm entfernt Platz nahm. Hier im Tempel waren sie nicht so mutig.
Nach kurzer Zeit betraten auch Albert und der Abt den Raum durch eine Tür hinter dem Altar. Die Bewohner des Klosters waren somit komplett und Seth war überrascht, weitere Personen hinter den beiden Mönchen zu sehen. Nur selten kamen Gäste zum ersten Gebet. Während die anderen Novizen noch lauter wurden, sah sich Seth die drei Fremden näher an.
Als erstes kam ein Mann, dessen Schultern kaum durch die Tür passten, durch die die beiden schmalen Mönche vor ihm ohne weiteres gekommen waren. Er war nur wenig größer als der Abt, dafür war sein Haar noch nicht ganz so grau. Während Seths Lehrer ihre Bärte immer rasierten und Albert sogar den ganzen Kopf kahl hielt, sprießten dem Fremden die blonden Haare im Gesicht wie das Unkraut im Windgarten des Klosters. Ihm folgten zwei Jungen, die er fast komplett verdeckt hatte. Seth schätzte die beiden etwas älter ein als sich selbst. Der eine kam ganz nach dem Vater, kräftig gebaut mit leuchtendem Haar. In seinem Gesicht stand eine Neugierde, die Seth sehr gut kannte. Sein Blick wanderte aufmerksam durch den Raum und blieb an jedem Bild und jeder Person kurz hängen.
Sein Bruder hatte kaum Ähnlichkeit mit den beiden, er war groß und schlank und glich vom Körperbau eher den beiden Mönchen als seiner Verwandtschaft. Sein Haar war schwarz und sein Blick zeigte nichts als Müdigkeit. Beide Jungen trugen ein Schwert im Gürtel und Seth war sofort neugierig, ob sie sie auch zu nutzen wussten. Ihm und seinen Mitschülern war es verboten, außerhalb der Übungsstunden Waffen bei sich zu tragen.
"Wie ihr seht, haben wir heute Gäste zum ersten Gebet." der Abt war hinter den Altar getreten und richtete das Wort an die Holzbank, von der jedoch weiterhin das Geschwätz der vier Novizen ausging. Leicht verärgert verzog sich sein Mundwinkel, dann streckte der Mönch seine linke Hand aus, sodass die Fläche auf seine vier Schüler zeigte und bat den Gott des Windes um die dem Ort gebührende Ruhe. Sofort erstarben alle Geräusche, die von den Respektlosen ausgegangen waren. Der kleinste der vier trommelte sogar belustigt auf der Bank herum, ohne dass man etwas hören konnte.
"Haltet still, bevor ich Albert auch einen Zauber wirken lasse." die Drohung wirkte sofort. "Aros, setz dich mit Chris auf die Bank. Xam, knie dich vor den Altar." Der Mann kam mit dem größeren der beiden zu Seth und nahm neben ihm Platz, während der blonde Sohn der Aufforderung nach kam und seine Schienbeine auf der Stufe vor dem Altar platzierte. Albert stellte sich zum Abt und Seth erkannte, dass es der Tag der zweiten Taufe für den Jungen war.
"Wie ist dein Name?" fragte Albert.
"Ich bin Xam, Sohn von Aros Wulf dem Paladin des Lichtes und Reichshelden von Galiria." Seth wurde klar, dass er neben einem der berühmtesten Ritter des Reiches saß. Der Träger von Gram hatte im Bruderkrieg Jagd auf abtrünnige Reichshelden gemacht und sogar an zwei Feldzügen auf dem anderen Kontinent, Kudros, teilgenommen.
"Welcher Gott wurde dir gegeben, Xam, Sohn von Aros?" Seths Blick wanderte wieder nach vorne zu dem knienden Jungen. Er ging davon aus, dass Sir Wulff seinen Sohn selbst gesegnet hatte und wurde sofort darin bestätigt.
"Der Gott des Lichtes, auf dass es mir den Weg zeigen und mich wärmen möge." Albert und der Abt gingen um den Altar herum und nahmen Xam zwischen sich.
"Das Licht wurde dir gegeben, doch heute ist der Tag, an dem die Wahl deine ist."
"Ich wähle den Gott der Winde."
"Auf dass sie dich antreiben." Albert legte eine Hand auf Xams linke Schulter
"Und sich von dir antreiben lassen." Der Abt legte beide auf die rechte.
"Erhebe dich als Sohn von Licht und Wind, Xam, Sohn von Aros." nach diesen Worten ließen die Mönche den Jungen los und er erhob sich. Obwohl alle Türen und Fenster geschlossen waren, flatterte seine Kleidung kurz und auch seine Haare wurden verwirbelt, bevor sich die ersten Sonnenstrahlen des beginnenden Tages ihren Weg durch das Fenster hinter dem Altar bahnten.
Bis jetzt waren immer nur die Jäger aus den umliegenden Dörfern für die Taufe ihrer Kinder ins Kloster gekommen. Den Windstoß im Inneren des Tempels hatte Seth daher schon öfter erlebt, aber dass mehrere Götter kurz ihren Segen gaben, war ihm neu. Während er sich noch fragt, wie wohl andere Götter ihre Gunst zeigten und ob bei einer Hochzeit alle fünf Götter des Paars ein Zeichen ihres Wohlwollens setzten, begab sich Xam bereits zu seiner Familie auf die Holzbank und Albert stimmte in seinem monotonen Singsang wie jeden Tag das Lied aller Götter an. Darauf folgten zwei Gebete an den Gott des Windes und damit war die morgendliche Pflicht erfüllt.
Frühstück gab es in der Halle im südlichen Gebäudetrakt, die Gäste waren eingeladen. Links von Seth saßen Albert und dann August, ihm gegenüber der schwarzhaarige Sohn, dann Aros Wulf und auf dessen anderer Seite Xam. Danach kamen die anderen Novizen, die sich untereinander über zwei Briefe von ihren adeligen Familien unterhielten, die ihnen der Reichsheld mitgebracht hatte. Politische Spekulationen, die Seth herzlich egal waren und Gerüchte über Werwölfe, die trotz der Jagd, die auf sie gemacht wurde noch immer in den Wäldern lebten.
Während er Stücke von seinem Reh-Fleisch und seinem Brot schnitt und darauf herum kaute, hoffte er stattdessen, dass Albert und Sir Wulff sich über den Rotblut-Feldzug unterhalten würden, doch sie aßen schweigend. Als die beiden dann doch ein Gespräch anfingen, ging es nur um die Söhne.
"Hat der andere auch schon die zweite Taufe hinter sich?"
"Chris hat den Gott der Klingen gewählt. Vor zwei Jahren waren wir in der Hauptstadt im Tempel des Krieges." der Ritter fuhr dem Jungen mit der Hand durch das Haar, der längst nicht mehr so müde aussah wie während des ersten Gebets.
"Ich übe so viel ich kann und eines Tages werde ich ein besserer Schwertkämpfer sein als Ihr, Abt August!" erklärte er. Auch wenn Seth diesen Traum etwas kindisch fand, bekam er dennoch Lust, sich mit dem Jungen zu messen. Albert lachte und auch der Abt selbst konnte ein Grinsen nicht unterdrücken. Chris sah beleidigt aus und die beiden Mönche bemühten sich schnell wieder um ernste Mienen.
"Ich bin sicher, dass euer Vater euch einiges über den Kampf mit dem Schwert lehren kann, aber als ich in deinem Alter war, kämpfte ich im Krieg der Schwingen gegen Männer wie Martin Kornhort. Bis dahin hatte ich in diesem Kloster jeden Tag mit der Klinge trainiert, aber es war nicht das Können, sondern die Erfahrung, die den Kampf entschied. " es war die liebste Lektion des Abtes. Seth kannte die Geschichte gut genug um sie selbst zu erzählen.
"Aber wo soll ich denn Erfahrung sammeln? Es gibt keine Kriege mehr!" Frust klang in der Stimme des Jungen mit und Seth verstand ihn. In Büchern war es so einfach, ein Held zu sein. Es gab immer einen Bösen, gegen den man in den Krieg ziehen konnte. Die Wirklichkeit bestand dagegen aus Arbeit, Gebeten und Kampfübungen.
"Und das ist auch gut so." meinte der Reichsheld plötzlich mit überraschender Strenge in der Stimme. "Im Krieg werden Männer zu Monstern und tun Dinge, die sie nie wieder rückgängig machen können." kurz breitete sich betretene Stille aus, bevor sie von Albert wieder gebrochen wurde.
"Aber wenn du Erfahrung suchst, Seth hier sieht aus, als würde er darauf brennen, sich mit dir zu messen." Chris musterte ihn mit skeptischem Blick und willigte dann ein.
"Aber erst nach dem Essen." bremste der Abt die Vorfreude, bevor er sich an Xam wandte. "Hast du auch so einen großen Traum wie dein Bruder?" der angesprochene sah etwas verlegen zu Albert.
"Ich will nicht unbedingt der beste sein oder der mächtigste, aber Magie fasziniert mich und ich habe gehofft, dass ich während dieses kurzen Besuches etwas von Euch lernen könnte."
"Dann lasst uns die Zeit nutzen, bevor ihr aufbrecht. Es isst ohnehin niemand mehr. Walter, Soren und Arrog, ihr räumt auf. Der Rest folgt mir in den Hof."
Seth musste erst in die Waffenkammer und nahm sich eines der kürzeren Schwerter, von dem er wusste, dass es gut ausbalanciert war. Chris hatte derweil im Hof seine eigene Waffe gezogen und wartete bereits. Seine Klinge war länger, aber dafür nicht so breit wie Seths. Vom Gewicht her mussten sie ungefähr gleich sein.
"Reiner Schwertkampf, keine Tricks, keine bleibenden Wunden und Seth, keine Magie. Ihr könnt anfangen."
Seth fing sofort mit einer kurzen Abfolge von einstudierten Schlägen an, erst von links, dann von rechts, der dritte von oben. Chris wich vor den ersten beiden zurück und lenkte sie mit seinem Schwert ab, dem dritten wich er mit einem Schritt zur Seite aus. Damit hatte er die Waffe frei um selbst anzugreifen. Seth musste sich unter dem Stoß hindurch ducken und zurückweichen, woraufhin ihm sein Gegner mehr Druck machte.
Die Hiebe waren nicht mit viel Kraft geführt, weil Chris das Schwert nur in einer Hand hielt, um die Reichweite besser ausnutzen zu können. Dennoch reichten sie aus um Seth auf Abstand zu halten, während Chris jeden Schritt mitging und die Distanz immer gleich hielt. Anstatt auf seinen Gegner selbst zu zielen wich Seth deswegen mit einem Schritt zurück, der zu kurz war um außer Reichweite zu kommen und holte zu einem harten Schlag aus, obwohl er Chris damit unmöglich erreichen konnte. Der sah seine Chance, zielte mit der Spitze auf Seths Brust und stieß zu. Mit Schwung prallte das breitere Schwert von der Seite gegen das längere und lenkte es am Ziel vorbei, woraufhin Seth den Abstand schnell verkürzte, sein Schwert über dem Arm des Gegners entlang führte und erst kurz vor dessen Hals bremste. Freude über den Sieg durchströmte ihn, dann spürte er den Schmerz an der Schulter.
"Guter Kampf." sagte Chris erstaunt. "Ich hatte nicht damit gerechnet, dass du so einen Treffer riskierst."
"Mangelnde Erfahrung." meinte der Abt nur, während Seth den Schnitt betrachtete, aus dem ein Rinnsal Blut über seinen Arm lief. Er war nur eine Fingerbreite tief, brannte jedoch höllisch und er musste die Zähne zusammenbeißen um sich vor den anderen Novizen nicht anmerken zu lassen, wie weh es tat. Albert hatte bereits Stoffstreifen zur Hand und verband den Schnitt.
"Du riskierst zu viel. Mag sein, dass du solche Duelle damit gewinnst, aber in einem wirklichen Kampf kostet dich so etwas irgendwann das Leben." Seth ignorierte den Ratschlag. "In einem richtigen Kampf habe ich zwei Schwerter und Windmagie."
"Wie viele Windzauber beherrschst du denn?" fragte Xam neugierig, bevor Albert seinen Schüler zurechtweisen konnte.
"Nur drei. Albert hat uns einen Windstoß und einen Zauber für Rückenwind gezeigt und der Abt bringt uns die Windklinge bei." die Unzufriedenheit war deutlich aus seiner Stimme herauszuhören.
"Bei zwei davon hast du kein Gefühl für die Energie, die du freisetzt und die Windklinge beherrscht du gar nicht. Was soll es da nützen, euch mehr Zauber zu zeigen?" Seth war beleidigt und blieb stumm. Er hasste seine eigenen Schwächen noch mehr als die anderer Leute.
"Es ist aber auch das schwierige an Windmagie, die richtige Menge an Mana zu finden, weil man seinen Zauber nicht sehen kann." Seth wusste nicht, ob Xam ihm hier beistehen wollte oder nur vor Albert zeigte, dass er sich mit dem Thema schon etwas auskannte. Albert war fertig mit dem Verband und wandte sich dem anderen Jungen zu, um wie versprochen Ratschläge zu geben.
Seth interessierte sich dafür nicht und nachdem ihm heute keine besonderen Aufgaben zugeteilt waren, machte er sich auf den Weg in die Bücherei. Erst auf halber Strecke fiel ihm auf, dass er das Schwert noch in der Hand hielt, aber anstatt zurück zu gehen, steckte er es sich schnell in den Gürtel.
Die Bücherei lag im östlichen Gebäudetrakt, in dem auch der Abt schlief. Es gab dort ein Zimmer für den obersten Lehrer der Schwertkunst, den obersten Lehrer der Windmagie und den Schatzmeister, aber zur Zeit erfüllten Albert und der Abt all diese Funktionen. Außerdem war der Windgarten direkt an das Gebäude angebaut. Die Bücherei hatte ihre eigene Tür und eine besonders dicke Wand trennte sie von den anderen Räumen, sodass sich ein Feuer nie bis zu den Büchern ausbreiten konnte.
Als Seth eintrat empfing ihn der Geruch von modrigem, altem Wissen, das sich hier über Jahrhunderte angesammelt hatte. Auch das war leider nicht alt genug, denn das Ziel von Seths Wissbegierde war die Sprache der Magie. Die wurde zwar öfter mal erwähnt, nie aber beschrieben oder erklärt.
Seth überlegte kurz, ob er weiter in einem der Regale weiter suchen sollte, deren Bücher tatsächlich von der Wirkung und Anwendung alter Zauber und Magie handelten, entschied sich aber dagegen. Stattdessen nahm er sich von weiter hinten eine Geschichte über zwei junge Krieger des Lichts, die zusammen mit einem Drachenreiter einen Feldzug gegen die Orks auf Kudros geführt hatten. Damals herrschten die Drachenreiter noch nicht als Könige und Seth hoffte, dass vielleicht das Wissen über die verlorene Sprache zu der Zeit auch noch vorhanden war und in der Erzählung vorkommen würde. Weit kam er jedoch nicht, denn die Tür öffnete sich und Schritte brachen die Stille des Raumes. Instinktiv suchte Seths Hand den Griff des Schwertes an seinem Gürtel, dann erkannte er die Stimme von Aros Wulf und entspannte sich wieder.
„Seid ihr von allen Göttern verlassen? Ich hatte die Geschichte mit Tejinura und dem Wolf immer für ein Märchen gehalten. Jetzt sehe ich hier einen Jungen mit einem Goldauge. August, jeder gebildete Mann im Reich kann sich auf den ersten Blick denken, wer seine Eltern sind. Ich bin wahrlich kein Freund von Dartok und unserem Herzog von Antury, aber wenn einer der beiden jemals mitbekommen sollte, was du hier großziehst und obendrein zum Krieger ausbildest, können selbst du und Albert das Kloster nicht vor der Vernichtung bewahren. Ganz zu schweigen von den Dingen, die Rorak mit euch anstellt, wenn der Wind auch nur ein mal den Geruch des Jungen an seine Nase trägt.“ Seth ahnte, dass es um ihn ging und atmete trotz der Aufregung, die ihn gerade durchströmte bewusst langsam, damit ihn niemand hören konnte.
„Noch wissen die drei nichts von ihm. Glaub mir, ich wäre ihn auch gerne los, aber er steht unter Alberts Schutz. Ich mache mir auch mehr Sorgen um das, was der Alte Mann mit meiner Seele tun wird, wenn dem Jungen etwas passiert, als um die Dinge, die der königliche Schoßhund mit meinem Körper anstellen wird, wenn er ihn riecht.“ Das schien dem Reichsheld die Luft aus den Segeln zu nehmen. Nach eine Pause antwortete er weit ruhiger, als er vorher gesprochen hatte.
„Von mir erfährt niemand etwas, aber du spielst mit dem Feuer. Ich wollte dir nur den Ratschlag geben, bevor ich weiter gehe.“
Schritte entfernten sich und Seth hörte die Tür ins Schloss fallen. Seine Atmung beschleunigte sich wieder und er versuchte, aus dem gehörten schlau zu werden. Rorak Crage war ein legendärer Werwolf, der als Leibwächter des Königs diente. Obwohl Gestaltwandler wie er hier in Antury gnadenlos gejagt wurden und auch im Rest des Reiches nicht gerne gesehen waren, sprach jeder nur mit großem Respekt von ihm. Die meisten anderen Namen kamen ihm aus Büchern und alten Geschichten bekannt vor, aber er konnte sich auf das gesagte trotzdem keinen Reim machen.
Bevor sich die Gedanken im Kreis drehen konnten, beschloss er, das Buch aufzuräumen und stattdessen nach Geschichten zu suchen, in denen der Alte Mann eine Rolle gespielt hatte.
Er war jedoch noch immer zu aufgeregt, um sich an konkrete Erwähnungen zu erinnern und die zufällige Suche war nicht wirklich ergiebig, also gab er es auf. Er würde Albert neugierige Fragen stellen müssen, ohne Verdacht zu erwecken. Während August immer förmlich und abweisend zu ihm war, hatte Albert jederzeit ein offenes Ohr für Seths.

Seth überlegte noch, wie er die Fragen so stellen konnte, dass der Mönch keinen Verdacht schöpfte, als er aus der Bibliothek heraus in den Hof trat. Seine vier Mitschüler fielen ihm deshalb zu spät auf. Walters Faust traf ihn unvorbereitet und riss ihn beinahe von den Füßen.
„Zeig mal deine Wunde her, Hundebastard.“ verlangte der große Junge. „Albert verbindet dich immer extra so, dass man nicht sieht, was darunter passiert. Aber wir wissen, was du bist und heute sehen wir den Beweis.“ drei von ihnen hielten ihn fest, während Arrog an seinem rechten Ärmel zog, bis der Spalt, den Chris' Schwert hinterlassen hatte weit genug war um hinein zu greifen und den Verband herunter zu reißen. Darunter kam heile Haut zum Vorschein.
„Werwolf!“ schrie Arrog. „Der Schnitt ist regeneriert!“
„Wir haben es immer gewusst.“ Walter verlieh seinen Worten mit einem Knie Nachdruck, das er Seth gegen die Brust rammte. „Dir ist klar, dass deine Sorte in Antury nicht vom Gesetz geschützt ist, oder? Wir können tun, was wir wollen.“ Schläge prasselten von allen Seiten auf ihn ein. Die Situation war Seth nicht unbedingt neu, aber zumindest Pyl und Arrog hatten sich sonst zurückgehalten. Heute schmerzte jeder Treffer und Seth musste sich einreden, dass seine Tränen der Wut waren, die über sein Gesicht liefen. Eine Faust wischte die salzigen Tropfen weg und eine weitere traf seinen Magen. Alberts Stimme war in seinem Kopf, wie er ihm einschärfte, sich nicht zu wehren. Seth ging zu Boden, als er losgelassen wurde und von da an, waren es Stiefel, die er spürte. Zwei in den Rücken, einer gegen den Kopf. „Wir können uns keine bleibenden Schäden erlauben. Erdulde die Schläge, du bist stark genug.“ Albert hatte versprochen, auf ihn aufzupassen. Zwei Stiefel zielten auf seinen Bauch, trafen aber nur seine Arme, die er schützend davor hielt. Wieder und wieder kamen die Tritte. Das Schwert wurde ihm aus dem Gürtel gezogen und die Tritte hörten auf.
„Albert kann uns nicht mehr bestrafen. Es ist gegen das Gesetz, Wölfen zu helfen. Und ein Kopfgeld bekommen wir auch!“ der Schmerz war überall. Nur der Hass, der ihn durchströmte, gab Seth die Kraft, weiter zu denken. Alberts Regeln galten nicht mehr. Er war nicht mehr geschützt. Walter hatte ein Schwert. Seth zwang sich, seine Augen wieder zu öffnen. Tatsächlich hatte Pyl das Schwert und hielt einem zögernden Walter mit zwei Händen an der Klinge den Griff hin.
„Tu es. Unsere Familien werden stolz sein!“ der Hass wurde zu Energie und Walters Unentschlossenheit wurde Pyl zum Verhängnis. Seth sprang auf und stieß den kleineren Jungen vorwärts. Das Schwert stoppte gleich, als es den Boden vor Walters Füßen berührte. Pyls Sturz dagegen bremste langsamer, während sich die stählerne Spitze in seinen Brustkorb bahnte. Wortlos entwich sein letzter Atemzug seinen Lungen, während die drei anderen Jungen ihren Augen nicht glaubten. Seth rannte sofort um sein Leben.
Die Gäste waren wohl bereits weitergezogen, jedenfalls war der Hof leer. Seths Gedanken gingen noch schneller als seine Schritte, aber beide fanden kein wirkliches Ziel. Das Kloster zu verlassen war keine wirkliche Option, im ganzen Land wurden Werwölfe gnadenlos gejagt. Wenn er blieb, würde August ihn für Pyls Tod einsperren. Pyls Eltern würden seine Hinrichtung verlangen und auch bekommen.
Ein Windstoß riss ihn von den Füßen und er landete mit dem Gesicht im Staub. Walter war immer gut im zielen gewesen. Jetzt rannte er mit dem blutigen Schwert auf ihn zu, während Soren und Arrog in die Waffenkammer liefen. Seth legte seine rechte Hand überkreuzt auf den Rücken seiner linken und streckte sie Walter entgegen, sodass er ihn im Dreieck zwischen seinen beiden kleinen Fingern sehen konnte. Sein Mana kitzelte ein Bisschen, während es an seinen Armen entlang floss und als er das Gefühl hatte, es wäre genug, ließ er den Zauber los. Eigentlich hätte es Walter genauso von den Füßen reißen sollen, aber er lachte nur über den sanften Treffer. Seth wollte heulen vor Frust, er hätte aufstehen und weiter laufen sollen anstatt einen Zauber zu versuchen und zu versagen. Panisch hob er die Arme über den Kopf um Walters Schlag abzuwehren, als dieser fast heran war.
Gerade als der jedoch ausholte, erfasste den großen Jungen eine unsichtbare Faust und schleuderte ihn einige Meter über den Hof.
"Was im Namen des Donners tut ihr da?" Alberts Stimme dröhnte durch das Kloster, als er mit zornrotem Kopf auf Seth zu rannte. Abt August kam auch gerade aus seinem Trakt und Walters Freunde liefen mit einem Schwert in jeder Hand auf Seth zu, wobei sie Albert eine Erklärung zu riefen.
"Er ist ein Werwolf! Seine Wunde ist regeneriert, das Recht schützt ihn nicht! Ihr dürft uns nicht aufhalten!" auch sie wurden unsanft von ihren Füßen gerissen. Die Überraschung stand ihnen dabei deutlich ins Gesicht geschrieben, denn jeder Mann in Antury war per Gesetz zur Jagd auf Werwölfe verpflichtet. Dass sich dem jemand widersetzen könnte, kam dem Sohn eines Lords nicht in den Sinn.
"Wo ist Pyl?" wollte der Abt nur wissen.
"Tot." Walter stand schon wieder aufrecht. "Seth hat ihn vor meinen Augen getötet. Er hatte ein Schwert dabei." er hatte verstanden, dass es hier um etwas anderes ging als ums Gesetz. Ihm war nur noch nicht klar, was."
Der Abt sah das blutige Schwert und zog seine Schlüsse. Albert tat das gleiche und beide zogen ihr Schwert.
"Albert, der Junge ist eine Gefahr für das Kloster."
"Tu mir das nicht an! Wir haben dem Alten Mann einen Eid geschworen."
"Dann brechen wir ihn jetzt. Ich kann keinen Werwolf beschützen. Ich werde nicht drei Jungen opfern um einen zu retten, der derart bösartige Züge zeigt."
"Seth, wenn du laufen kannst, lauf!" Alberts nächste Worte beschworen bereits einen Zauber hervor, während dessen linke Handfläche auf den Abt zeigte.
Währenddessen rief der Abt den Gott der Winde an, ihm beizustehen "Winde der Welt, ob sanft ob wild, leitet meine Klinge, fließt durch sie und lasst auch euch von ihr leiten." Seth erwartete einen Kampf wie in den Büchern, der alle Zuschauer mit offenen Mündern banne würde, aber Alberts Windstoß flog nur unsichtbar auf den Abt zu und wurde von dessen Schwert zerteilt. Es sah aus, als würde ein greiser Mönch in der Luft herumfuchteln und ein anderer wild mit einem Schwert um sich schlagen. Dann erschütterte jedoch ein Donnerhall den Hof, dessen Boden hinter dem Abt plötzlich zwei Fontänen aus Dreck und Staub ausstieß. Einer der Einschläge war nicht weit von der Stelle weg, an der sich Soren und Arrog gerade von Alberts erstem Stoß erholt hatten und sie hatten nicht die geringste Lust, sich nochmal treffen zu lassen. Als Seth sah, wie sie zur Küche liefen, kam ihm eine viel bessere Idee, als weg zu laufen. Walter schien seine Gedanken zu lesen, denn er rief nach den beiden, die jetzt auf der anderen Seite des Kampfes standen. Seth hob derweil das blutige Schwert vor seinen Füßen auf und lief auf seinen alten Mitschüler zu. So langsam spürte er jedoch, die Prügel von vorhin und er fragte sich, wie er mit diesem Schienbein so weit hatte rennen können.
Walter wollte weglaufen, war aber ebenfalls noch benommen von Alberts Treffer und so jagte der humpelnde Junge den langsamen.
Albert ließ derweil einen Windstoß nach dem anderen auf den Abt los, der diese zwar mit dem Schwert abwehrte, dabei aber zurückweichen musste, während die Staubwolke hinter ihm immer größer wurde. Der Schloss die Augen und bat die Götter um etwas, woraufhin die Staubwolke auf ihn und Albert zu kam und sie einhüllte. Seth konnte Arrog und Soren nicht mehr sehen und auch der Abstand zu Walter vergrößerte sich stetig, obwohl er bereits spürte, wie sein Schienbein weiter heilte. Anstatt ihn weiter zu verfolgen, drehte er um und ging den anderen beiden entgegen.
Albert schwebte jetzt über der Wolke und gerade als Arrog und Soren in Seths Blickfeld traten, trieb der alte Mönch den Staub nach außen weg. Die Wolke überrollte die Jungen, flog aber stetig weiter und gab die Sicht wieder frei. Der Abt stand jetzt direkt unter Albert und bat den Gott der Winde um Ruhe in den Lüften und Wildheit am Boden. Sofort verlor Albert seinen Auftrieb und fiel dem wartenden Schwert des Abtes entgegen.
Fluchend schlug er mit der Faust zur Seite und stieß sich selbst damit in die andere Richtung, wodurch er zwar dem Schwert entging, nicht aber dem harten Boden. Seth hörte das Knacken eines Knochen, während der Abt um ein zweites Schwert bat, ohne dass etwas sichtbares geschah.
In diesem Moment erreichte Seth seine gaffenden Mitschüler. Dieses mal zeigte sein Windstoß Wirkung. Soren taumelte und fing sich erst wieder, als Seths Schwert schon an seinen vorbei geglitten war und sich einen Weg zwischen seinen Rippen hindurch bahnen konnte. Anstatt die Waffe wieder aus dem Jungen heraus zu ziehen, nahm Seth ihm die anderen beiden aus den erschlaffenden Händen. Mehr Zeit hatte er auch nicht, denn Arrog war schon immer schnell mit der Klinge gewesen. Mit den Schwertern konnte Seth nicht rechtzeitig reagieren, also duckte er sich unter dem ersten Hieb hindurch und wich vor dem zweiten nach hinten zurück. Kurz sah er aus dem Wald jemanden auf das Kloster zu rennen, bevor er sich wieder zu Arrog drehte und seine beiden Schwerter mit einem von seinen abwehrte. Mit der freien Waffe schlug er nach seinem Gegner, aber während Arrog keine Erfahrung im Kampf mit zwei Schwerter hatte, wusste er wohl, wie er damit umgehen musste, wenn Seth so kämpfte und er wich routiniert aus.
Walter hatte in der Zwischenzeit bemerkt, was Seth tat und rannte rufend auf die beiden zu. Arrog wich langsam von Seth zurück, seinem Freund entgegen, als Albert rückwärts zwischen den beiden Kontrahenten hindurch humpelte. An seinem Bauch war ein übler Schnitt zu sehen und der Stoß, den er dem Abt entgegen schickte, brachte ihn selbst aus dem Gleichgewicht und ließ ihn hintüber stürzen. Der Abt wich dem Angriff aus, und ließ sein Schwert gegen Alberts prallen, das der mühsam mit beiden Händen über seinen Kopf hielt. Seth war den beiden nah genug um das Rauschen zu hören, das von der linken, freien Hand des Abtes ausging. Er konnte sehen, dass der Dreck am Boden von der Stelle fort wich, auf die sein Zeige- und Mittelfinger gerichtet waren und als die Hand vor schnellte überraschte es ihn nicht, dass sich Alberts Brustkorb schon teilte, bevor er berührt wurde. Als die Windklinge sein Herz erreichte, wollte das Blut aus seinem Körper heraus strömen, wurde aber von der rasend schnell hereinströmenden Luft derart durch den Körper gejagt, dass Alberts Körper selbst nach seinem Tod noch so lange zuckte, bis der Abt die Hand wieder zurück zog.
Nur das Rauschen der Windklinge, der Aufprall der Leiche und die Schritte eines Fremden waren zu hören, als der Abt von dem toten Mönch zurückwich und sich einem Mann zuwandte, der auf das Kloster zu kam.
"Ich würde ja sagen, dass du wie immer spät dran bist, Alter Mann, aber nachdem ich erst in zwei Jahren mit dir gerechnet hatte, täte ich dir Unrecht." die Anrede verwirrte Seth, denn der Mann sah jünger aus als der Abt. Der Fremde ignorierte den stehenden Mönch und schloss stattdessen die des liegenden.
"Finde Frieden nach all der Zeit. Ruhm und Ehre kannst du mehr kaum erlangen. Leitet ihn zu den anderen, sodass ich ihn nicht eines Tages wieder sehe, sondern jeden Tag, in allen Dingen." er stand auf und wandte sich dem Abt zu.
"Und du kannst dir sicher sein, dass ich deiner Seele andere Worte widmen werde."


Fragen:

Wo ist der Unterschied zwischen Alberts Fähigkeiten und denen des Abtes?
Auf wie viele Götter ist man als verheirateter Mann normalerweise getauft?

"Zu jeder Zeit, an jedem Ort, bleibt das Tun der Menschen das gleiche."

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Beitrag #2 |

RE: Im Schatten des Mondes - Kapitel 2 Rewritten
Hallo, ich bin's wieder, Icon_smile

Die Geschehnisse im alten Kloster sind sehr gut geschildert. Und der magisch begabte Werwolf Seth ist wohl dabei den Ernst des Lebens zu erfahren. Schluss mit dem Novizendasein.
Ja, sowas macht Lust auf mehr!

Zwei Fehler sind mir aufgefallen...

Zitat:, um den schlafenden zu wärmen.
Schlafenden groß schreiben

Zitat:die von den respektlosen ausgegangen waren.
auch hier das gleiche, oder Du schreibst von den respektlosen Novizen ausgegangen war.

Schönen Abend noch, SirJasonCrage

lg El Lobo

Die Geschichte der Menschheit ist eine nähere Betrachtung wert!

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Beitrag #3 |

RE: Im Schatten des Mondes - Kapitel 2 Rewritten
Hallo Jason,

ich bin noch dran an Deiner Geschichte, auch wenn viel Zeit vergangen ist, und ich so selten zum Kommentieren komme.
Wahrscheinlich wirst Du nicht gerade erfreut sein, wenn ich jetzt mal sage, dass mir Dein ursprünglich zweites Kapitel fast besser gefallen hat - ja, ich habe beide Versionen gelesen und fand insbesondere die Atmosphäre am Anfang Deines anderen 2. Kapitels ganz wunderbar, als Seth da zwischen den Büchern sitzt und nach Informationen sucht. Auch der Geheimgang hat mich sehr angesprochen. Ich finde es auch nicht wirklich tragisch, dass der Erzählstil etwas anders ausfällt als im ersten Kapitel, da dies ein anderer Handlungsstrang ist und der andere Stil das eigentlich bloß deutlicher macht. Allerdings ist auch in der anderen Version der Konflikt zwischen Albert und August nicht richtig herausgearbeitet, was aber notwendig ist, da Albert ja stirbt und deswegen eine erst spätere Aufklärung fehl am Platz wäre.
Nun gut, jetzt hast Du Dich anders entschieden und ich hoffe tatsächlich, dass dies nicht die finale Version wird.
Du hast hier eigentlich fünf verschiedene Szenen in einem Kapitel:
Der Tempelraum
Der Essensraum
Der freundschaftliche Kampf
Der Angriff der Klosterschüler
Der Kampf zwischen Albert und August.

Ich würde die tatsächlich nicht alle in einem Kapitel unterbringen. Der Schwerpunkt ist doch der Eid, die Feindschaft der Menschen einem Werwolf gegenüber und Seths Dilemma. Dadurch, dass Du diese Szenen alle zusammengepackt hast, geht mir der Spannungsbogen verloren. Du hast sehr viele Informationen und Namen innerhalb dieser Szenen und zusammen verstellen sie den Blick auf den Höhepunkt, den ich eigentlich im Erscheinen des Alten Mannes sehe, aber irgendwie ist der wie mit angezogener Handbremse: Was macht der Alte Mann mit August, bringt er ihn um? Und was passiert mit Seth? Der Alte Mann ist ja offensichtlich gekommen, um Seth zu retten, warum auch immer. Aber muss das nicht der Spannungsbogen sein? Seth wird von seinen Mitschülern als Werwolf entlarvt und gerät in Lebensgefahr. Sein Mentor wird getötet, was ihn gehörig in Schwierigkeiten bringt. Da erscheint der Alte Mann - wie ein Kaninchen aus dem Hut gezaubert. Icon_nosmile

Zitat:Der Fremde ignorierte den stehenden Mönch und schloss stattdessen die des liegenden.
Fehlt da nicht ein Wort? Schloss er die Augen des Liegenden?
Zitat:Leitet ihn zu den anderen, sodass ich ihn nicht eines Tages wieder sehe, sondern jeden Tag, in allen Dingen.
Wer soll hier leiten? Das erschließt sich mir nicht. Der Alte Mann wirkt wie ein Gott, dessen Beweggründe ich nicht kenne, was aber okay ist. Nur, macht er irgendwas mit August, außer ihm zu drohen?
Was mir auch nicht einleuchtet ist, dass August Albert in dieser Situation töten will oder muss. Sie haben einen Eid geleistet, den August brechen will. Wenn der einzige Weg dazu über Alberts Leiche führt, will ich wissen, warum.
Auch die Reaktion Alberts, der Seth zuruft "lauf!" scheint mir nicht plausibel. Da ist ein getöteter Junge und Walther beschuldigt Seth, das getan zu haben. Warum zieht das keiner in Zweifel, warum gebietet Albert nicht zunächst Einhalt, um die Wahrheit zu erfahren? Auch wird Seth nach der erhaltenen Tracht Prügel ziemlich mitgenommen aussehen, was August nicht entgehen kann, wenn er Augen im Kopf hat.
Was mir gut gefällt, ist, dass Du mir Seth sehr nahe bringst und ich eine ziemlich genaue Vorstellung von seiner Motivation bekomme, auch gefällt mir sehr gut, dass er diese Wut im Bauch hat, weil er die angestrebten Fähigkeiten noch nicht besitzt, nicht gut genug ist, um sich durchzusetzen. Er hat in der Tat etwas bedrohliches an sich, und daher kann ich die Angst der Mitschüler verstehen.
Zum Kloster:
Ich würde den Raum, den Du Tempel nennst, so nicht nennen. Ein Tempel erscheint mir eher eine große Anlage zu sein. In einem Kloster gibt es Altarräume, Gebetsräume oder Kryptas (sorry, kenne die Mehrzahl von Krypta gerade nicht), Schreine, Versammlungsräume. Ein Kloster ist in meiner Vorstellung viel kleiner als ein Tempel. Es sieht für mich irgendwie seltsam aus, wenn Du einen Tempel in eine Klosteranlage stellst Icon_confused
Am Anfang des Kapitels erwähnst Du für meinen Geschmack das Horn ein wenig zu viel. Es spielt in diesem Kapitel ja keine große Geige, und selbst, wenn es später noch eine wichtige Rolle bekommt, reichen die Grundaussagen darüber, dass es schrecklich ist und vielleicht eine mächtige Waffe sein könnte. Da stimmt das Verhältnis  der wichtigen, handlungstragenden Dinge nicht im  Vergleich zu diesem eher nebensächlichen Drumherum, was Du sehr ausbreitest. Atmosphäre finde ich gut und wichtig, aber hier trägt es eher dazu bei, den Höhepunkt zu verdecken.
Zitat:Ihm folgten zwei Jungen, die er fast komplett verdeckt hatte. Seth schätzte die beiden etwas älter ein als sich selbst. Der eine kam ganz nach dem Vater, kräftig gebaut mit leuchtendem Haar. In seinem Gesicht stand eine Neugierde, die Seth sehr gut kannte.
Warum weiß Seth hier, dass es sich um Vater und Söhne handelt? Selbst wenn sie sich ähnlich sehen, muss das ja nicht zwangsläufig so sein.
Zitat:"Ich bin Xam, Sohn von Aros Wulf dem Paladin des Lichtes und Reichshelden von Galiria." Seth wurde klar, dass er neben einem der berühmtesten Ritter des Reiches saß.
Warum ist diese Information hier wichtig? Überhaupt habe ich das Gefühl, dass diese Szene in dem "Tempel" nichts zur eigentlichen Handlung beiträgt. Zumal ja der Vater mit den Söhnen nach dem Kampf scheinbar wieder verschwindet und somit keine Rolle spielt.
Die Beschreibung der Szene passt für mich auch nicht inhaltlich. Du schickst Seth in ein Morgengebet, es tauchen Gäste auf, aber in Wirklichkeit findet eine wichtige, zeremonielle Handlung statt, die den Rahmen eines normalen Morgengebetes mit Sicherheit sprengt. Da findet eine Segnung statt, die mit Sicherheit eine große Rolle im Leben der Jungen und auch des Vaters spielt, die also vorbereitet wurde, die Gäste sind nicht zufällig da. Das geht über ein normales Morgengebet weit hinaus. Da Du mit dieser Szene die Magie vorstellst und den Gott, der Teil dieser Segnung ist, sogar aktiv daran beteiligst
Zitat:Obwohl alle Türen und Fenster geschlossen waren, flatterte seine Kleidung kurz und auch seine Haare wurden verwirbelt, ...
scheint mir diese Handlung wichtig genug zu sein, um ein eigenes Kapitel daraus zu machen und Deiner Magie und der Teilhabe der Götter einen eigenen Raum zu schaffen, der groß genug ist, um Faszination daran aufkommen zu lassen.
Zitat:Frühstück gab es in der Halle im südlichen Gebäudetrakt, die Gäste waren eingeladen. Links von Seth saßen Albert und dann August, ihm gegenüber der schwarzhaarige Sohn, dann Aros Wulf und auf dessen anderer Seite Xam.
Dieser Teil enthält völlig unwichtige Details.
Zitat:Politische Spekulationen, die Seth herzlich egal waren und Gerüchte über Werwölfe, die trotz der Jagd, die auf sie gemacht wurde noch immer in den Wäldern lebten.
Hier ist mir Seth zu gleichgültig. Da werden Werwölfe gejagt, aber er denkt nur an einen "Rotblut-Feldzug", der keine Rolle spielt und ich erfahre auch nicht, warum Seth das so brennend interessiert. Du erklärst mir als Leser hier, dass es sowas gibt, aber es steht in keinem Zusammenhang der Handlung, weil kein Bezug zu Seths Motivation besteht.

Die Szene mit dem Freundschaftskampf benutzt Du, um den Verband später von den Schülern herunterreißen zu lassen und zu demonstrieren, dass die Wunde unverhältnismäßig schnell heilt. Ich würde das hier schon besser vorbereiten, weil es später total überraschend kommt. Es würde diesen harmlosen Kampf auch spannender machen. Diese ganze Szene ist sonst eigentlich irgendwie langatmig und dient nur der Information des Lesers, welche Magie Seth denn beherrscht oder nicht beherrscht. Also, das ist schon irgendwie gut, wie Du das in der geringschätzigen Aussage des Abtes unterbringst, aber mir fehlt da das spannende Element, und es würde mich aufhorchen lassen, wenn das mit dem Verband überhastet oder auf andere Art ungewöhnlich präsentiert würde.
Zu Deinem Schreibstil:
Ich bin jemand, dem verschachtelte Sätze durchaus zusagen, sie tragen viel zur Lebendigkeit eines Textflusses bei und sind, solange ausgewogen eingebracht, ein Mittel, um Eintönigkeit im Textfluss zu vermeiden. In einer Actionszene verzögern sie allerdings den Handlungsfluss ungemein. Eine Actionszene eines Kampfes mit schnellen Abläufen gerät mit langen und auch noch verschachtelten Sätzen zur Beschreibung und ich fühle mich als Leser außen vor. In einer Actionszene mit schnellen Abläufen wirken kurze, prägnante Sätze ungemein Handlungsunterstützend. Ich bin viel unmittelbarer dabei, werde dichter ins Geschehen hineingezogen, fiebere mit. In Deinen dramatischen Szenen würde ich versuchen, die Sätze kürzer und mehr auf den Punkt zu bringen, um die Dramatik zu erhöhen.

Fazit:
Ich mag die Phantasie, die in Deiner Geschichte steckt und möchte auf jeden Fall weiterlesen. Ich finde das Kapitel insgesamt nicht rund, weil der Spannungsbogen zu sehr von den ineinanderfließenden Szenen gebremst wird und auch am Ende kein klares Ereignis liefert. Als Cliffhanger ist mir das Ende nicht spannend genug, zumal der Alte Mann wie beiläufig auftritt, und als Höhepunkt nicht dramatisch genug, weil nicht klar wird, was mit August oder Seth eigentlich passiert. Als Cliffhanger hätte ich mit dem Tod Alberts geendet, so dass sich der Leser aus der dramatischen Situation heraus fragt, was nun mit Seth passiert, der August gnadenlos unterlegen scheint. Ohne Cliffhanger wäre ich weiter gegangen, also hätte  den Alten agieren lassen, August töten, oder so, aber mit einer Andeutung, was mit Seth jetzt eigentlich geschieht - und ich würde diese Zukunftsaussichten nicht rosig sein lassen und damit Seth noch mehr in die Enge treiben.

Ich bin fertig mit meinem Kommi und hoffe, Du kannst was davon gebrauchen. Falls irgendwas nicht verständlich ist, erkläre ich mich gern nochmal dazu, und falls ich was in den falschen Hals bekommen habe, Schande über mein Haupt Icon_ugly

Liebe Grüße von slainte music


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Beitrag #4 |

RE: Im Schatten des Mondes - Kapitel 2 Rewritten
Ich rechne schon kaum noch mit neuen Antworten, wenn ich Literatopia aufmache. Umso größer war die freudige Überraschung, als ich deine Beurteilung da stehen sah.

Das Urteil an sich ist nicht ganz so erfreulich, wie ich mir das wünschen würde, aber aus Lob lernt man ja nichts.

Die alte Version passt mir definitiv nicht mehr, es wird bei der hier bleiben (außer ich schreibe es nochmal neu, aber daran möchte ich gar nicht erst denken...).

Zu den Mängeln der neuen Version:

Zitat:Ich würde die tatsächlich nicht alle in einem Kapitel unterbringen.

Hm. Das ließe sich ja arrangieren. Wobei ich nicht ganz sicher bin, wo ich dann die Trennung ansetze. Wobei ich im Moment selbst noch nicht davon überzeugt bin, dass es nötig ist.


Zitat:Da erscheint der Alte Mann - wie ein Kaninchen aus dem Hut gezaubert. [Bild: icon_nosmile.gif] 

Jede Geschichte braucht ihren kleinen Deus ex Machina. Bin auch nicht wirklich glücklich damit Icon_slash


Zitat:Wer soll hier leiten? Das erschließt sich mir nicht.

Das soll sich in dem Fall auch nicht erschließen. Es ist eine Art Segen, er spricht nicht zu einem Anwesenden.


Zitat:Der Alte Mann wirkt wie ein Gott, dessen Beweggründe ich nicht kenne, was aber okay ist. Nur, macht er irgendwas mit August, außer ihm zu drohen? 

Fürs erste nichts, aber er bekämpft ihn im nächsten Seth-Kapitel. Der Satz ist tatsächlich nur eine Drohung. So soll er auch wirken. Wie eine Mischung aus Gandalf und dem Doktor. 


Zitat:Was mir auch nicht einleuchtet ist, dass August Albert in dieser Situation töten will oder muss. Sie haben einen Eid geleistet, den August brechen will. Wenn der einzige Weg dazu über Alberts Leiche führt, will ich wissen, warum. 

In der Szene wäre die Erklärung unpassend. Sie kommt noch, aber ich will keinen "as you know, Bob" machen und die beiden jetzt über Formulierungen des Eides diskutieren lassen.
August will Seth loswerden, Albert will ihn beschützen. August wollte den Kampf nicht, schreckt aber auch nicht davor zurück.


Zitat:Auch die Reaktion Alberts, der Seth zuruft "lauf!" scheint mir nicht plausibel. Da ist ein getöteter Junge und Walther beschuldigt Seth, das getan zu haben. Warum zieht das keiner in Zweifel, warum gebietet Albert nicht zunächst Einhalt, um die Wahrheit zu erfahren? Auch wird Seth nach der erhaltenen Tracht Prügel ziemlich mitgenommen aussehen, was August nicht entgehen kann, wenn er Augen im Kopf hat.

Weil es nicht um den toten Jungen geht. Es gab schon lange Spannungen zwischen den Novizen, keine bezweifelt, dass es jetzt eskaliert ist. Seth wäre aus mehreren Gründen einigen mächtigen Leuten ein Dorn im Auge, wenn sie von seiner Existenz wüssten. Hier geht es nicht um den Mord zwischen den Jungs sondern darum, dass Seth nicht mehr weiter geheim bleiben kann.
Albert ist hier auch nicht wirklich unschuldig, der würde um den Eid zu wahren die anderen Novizen töten und mit Seth abhauen. August stellt seine Position als Paladin und Abt (auch mit Eiden verbunden) über den Eid dem Alten Mann gegenüber.


Zitat:Er hat in der Tat etwas bedrohliches an sich, und daher kann ich die Angst der Mitschüler verstehen.

Gut, sehr gut, danke. Das war mit das wichtigste an diesem Kapitel.

Was die Wortwahl mit Tempel angeht, ich wollte nicht Kirche sagen, weil es natürlich keine Katholiken sind. Eine bessere Alternative ist mir dann nicht eingefallen Icon_slash

Das Horn dient anfangs als Hook und ich will es danach nicht einfach fallen lassen. Auch wird es im nächsten Seth-Kapitel noch eine Rolle spielen.

Zitat:Warum weiß Seth hier, dass es sich um Vater und Söhne handelt? Selbst wenn sie sich ähnlich sehen, muss das ja nicht zwangsläufig so sein.

Seth liegt falsch. Gut aufgepasst.


Zu Morgengebet und Segnung:
Je nach Reichtum und Adel der gesegneten Person kann es auch großes Brimborium darum geben, aber in einem abgelegenen Kloster wird der uneheliche Sohn eines wandernden ex-Ritters mal eben vor dem Morgengebet abgefertigt. 

Zitat:Warum ist diese Information hier wichtig? Überhaupt habe ich das Gefühl, dass diese Szene in dem "Tempel" nichts zur eigentlichen Handlung beiträgt. Zumal ja der Vater mit den Söhnen nach dem Kampf scheinbar wieder verschwindet und somit keine Rolle spielt. 

Weil der Vater die "Axt" aus Kapitel eins ist, einer der Reichshelden. Außerdem kommen die drei noch öfter vor.

Zitat:scheint mir diese Handlung wichtig genug zu sein, um ein eigenes Kapitel daraus zu machen und Deiner Magie und der Teilhabe der Götter einen eigenen Raum zu schaffen, der groß genug ist, um Faszination daran aufkommen zu lassen. 

Ich verstehe den Punkt, aber gleichzeitig will ich deutlich machen, wie alltäglich dieses Maß an Magie ist.


Zitat:unwichtige Details.

Dumme Krankheit von mir, ich werde das Verlangen nicht los, so zu schreiben, dass man das Buch auch als Drehbuch nutzen könnte. Den dämlichen Detailreichtum findest du in der ganzen Geschichte. Irgendwann mache ich ihn raus...


Zitat:Hier ist mir Seth zu gleichgültig. Da werden Werwölfe gejagt, aber er denkt nur an einen "Rotblut-Feldzug", der keine Rolle spielt und ich erfahre auch nicht, warum Seth das so brennend interessiert. Du erklärst mir als Leser hier, dass es sowas gibt, aber es steht in keinem Zusammenhang der Handlung, weil kein Bezug zu Seths Motivation besteht.

Ah, klarer Fall von Allwissenheits-Scheuklappen meinerseits. Rotblut-Feldzug ist der Name des Krieges, den Jason in Kapitel eins und vier führt. Mit Bezug auf Seth wollte ich hier zeigen, dass er sich mit Geschichte auskennt und für Ereignisse der Vergangenheit interessiert.


Zitat: es würde mich aufhorchen lassen, wenn das mit dem Verband überhastet oder auf andere Art ungewöhnlich präsentiert würde.

Hm. Gar so schnell heilt er ja dann doch nicht, dass man der Wunde dabei zusehen könnte, wie sie sich schließt. Andererseits wäre Foreshadowing dieser Art hier eine gute Idee. Ich behalte es im Hinterkopf


Was Schachtel- und Einzelsätze angeht, versuche ich mir das auch anzugewöhnen, die jeweils richtig zu nutzen, scheitere aber offensichtlich immernoch daran Icon_slash


Danke für deine Bewertung, hat mich sehr gefreut und zum Weiterdenken angeregt. Dass dich die Welt und der Hintergrund bei der Stange halten ist erfreulich, aber ich bin ja hier, um irgendwann auch mal jemanden mit Schreibstil und Wortgewandheit zum Weiterlesen zu animieren. Ausruhen werde ich mich auf dieser kleinen Lorbeer deshalb nicht Icon_smile

"Zu jeder Zeit, an jedem Ort, bleibt das Tun der Menschen das gleiche."

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Beitrag #5 |

RE: Im Schatten des Mondes - Kapitel 2 Rewritten
Hi Jason,

Zitat:Ich rechne schon kaum noch mit neuen Antworten, wenn ich Literatopia aufmache.
Ich glaube, wir brauchen da einfach Geduld. Zeit ist immer knapp, nicht nur bei mir, sondern auch bei den anderen. Seit dem ich hier aktiv bin, sind viele Leute ausgestiegen, neue gekommen - im Moment ist einfach ein wenig Flaute. Aber der nächste Kommentiertag kommt bestimmt, und sicher auch wieder ein MoPro.
Zitat:Das Urteil an sich ist nicht ganz so erfreulich, wie ich mir das wünschen würde, aber aus Lob lernt man ja nichts.
So negativ wollte ich das nicht rüberbringen. Das Lob ist, dass Du mich insoweit am Haken hast, dass ich es weiterlese, was nicht oft vorkommt. Du schreibst flüssig und durchaus nicht langweilig und hast interessante Charas, von denen ich überzeugt bin, dass mich einige noch überraschen werden.
Zitat:Die alte Version passt mir definitiv nicht mehr, ...
Nun, da ist viel Geschmacksache dabei, ich fand die alte Version einfach besser strukturiert und mochte die Atmosphäre, diese hier hat aber mehr Lebendigkeit und ich bin näher an Seth - wenn Du mich fragst, wäre das Optimum eine Verbindung von beiden positiven Aspekten Icon_fies
Zitat:Hm. Das ließe sich ja arrangieren. Wobei ich nicht ganz sicher bin, wo ich dann die Trennung ansetze. Wobei ich im Moment selbst noch nicht davon überzeugt bin, dass es nötig ist.
Meine Intention dabei ist, dass ich nicht so richtig in den Szenen drinstecke, als Leser möchte ich ja hineintauchen in eine gute Story. Das gelingt bei mir zumindest am Besten, wenn das Setting atmosphärisch dicht ist. Am Anfang beschreibst Du den Tempelsaal über die Wirkung des Horns, was ein guter Ansatz ist - wobei Du das Horn eben intensiv vorher schon erwähnt hast und ich als Liebhaber von Vielseitigkeit da auf etwas anderes zurückgegriffen hätte. Für mich schrumpfte dieser Saal in der Vorstellung zusammen, als die Novizen plappernd auftauchen und der Abt und Albert den wörtlich "Raum" betraten - klar musst Du da die Dopplung von Saal vermeiden, aber dann bietet sich z.B. Heiligtum an, was den "Raum" eben nicht verkleinert, ihm aber noch eine ganz andere Gewichtigkeit verpasst. Das sind so Kleinigkeiten, die meine Vorstellung aber massiv manipulieren. Ganz einfaches Beispiel:
Zitat:Seine Gedanken wurden von einer sich öffnenden Tür hinter ihm unterbrochen
Ich würde schreiben: "Das Knarren der schweren Tür hinter ihm riss ihn aus seinen Gedanken." Oder so.
Schon habe ich eine knarrende Tür im Ohr, die mich das Unterbrechen seiner Gedanken unmittelbar empfinden lässt. Da ist einfach ein Unterschied in der Wirkung. Ich bin näher dran.
Aber ich schweife ab  Mrgreen
Ich würde ganz klar nach der Tempelszene ein neues Kapitel oder aber einen deutlich abgesetzten Abschnitt innerhalb des Kapitels beginnen und würde Seth in der Tempelszene noch ein wenig neugieriger zeigen. Was fühlt er denn da, als ihm klar wird, dass er neben einem der berühmtesten Ritter sitzt? Und beobachtet er bei dem Jungen, der gesegnet wird, vielleicht irgendeine Gefühlsregung? Vielleicht ist es dem peinlich, im Mittelpunkt zu stehen, vielleicht ist er ergriffen, oder vielleicht auch stoisch gefühlskalt, auch das würde mir den Jungen durch Seths Augen näher bringen. Du schreibst, dass die drei noch wichtig werden - jede beobachtete Handbewegung, Verziehung der Miene, Kopfschütteln oder nervöse Zucken bringt mir diese Charas näher, haucht ihnen Leben ein und hämmert sie in mein Gedächtnis, ohne dass Du irgendwas erklären musst oder an Infos dazuliefern musst. Natürlich sind auch Seths Gedanken wichtig, die er zweifellos hat. Vielleicht findet er das ganze Segnen total bescheuert oder er erwartet seine eigene Segnung ungeduldig, oder er hat einfach nur Hunger und wünscht sich das Frühstück ...
Und wie gesagt, der Teil der Magie und der Götter, die hier wirken, sind für mich als Leser ja neu. Ich kenne Deine Welt noch nicht, die Du mir präsentierst. Wenn die Magie in dieser Welt einen großen Raum einnimmt, ist da eine gewisse Ernsthaftigkeit hinter, die auch Seth empfinden muss. Die Menschen hängen von den Göttern ab und die Götter kommunizieren unmittelbar mit ihnen - das muss einen Menschen eigentlich vor Ehrfurcht in den Staub werfen. Oder zumindest total erhabene Gefühle provozieren. Ich würde das deutlicher machen.
Der nächste Teil fasst das Frühstück und den Kampf mit Chris zusammen.
Ein weiterer Block ist die Szene in der Bibliothek und dann der Überfall der Schüler.
Zitat:Seth war beleidigt und blieb stumm. Er hasste seine eigenen Schwächen noch mehr als die anderer Leute.
Zitat:Auch das war leider nicht alt genug, denn das Ziel von Seths Wissbegierde war die Sprache der Magie.
Das sind für mich Schlüsselsätze. Da hängt Seth mit Leidenschaft drin und das würde ich in der Szene der Bibliothek vertiefen. Er ist gerade vom Abt gedemütigt worden und hat ein Ziel, das er unbedingt erreichen möchte. Ich würde den Kampf in der Bibliothek noch nachklingen lassen durch z.B. Seths Gedanken.
Zitat:Jede Geschichte braucht ihren kleinen Deus ex Machina. Bin auch nicht wirklich glücklich damit


Eine Überraschung ist dann keine Überraschung mehr, wenn sich das vorher ankündigt. Eine Überraschung, die eine Wende herbeiführt, wird schnell unglaubwürdig, wenn sie nicht vorbereitet wird. Vielleicht reicht da ein versteckter Hinweis im Dialog in der Bibliothek - oder vielleicht hast Du ihn da sogar, aber ich habe das nicht gerafft - ich weiß es gerade auch nicht, nur, dass ich diese Möglichkeit des Auftauchens des Alten Mannes nicht mal als Möglichkeit in Betracht gezogen habe und deshalb null Optionen für Seths überleben gesehen habe. Wenn es mehrere Möglichkeiten in meinem Kopf der Auflösung gibt und ich zu Spekulationen gezwungen bin, finde ich das viel spannender.
Zitat:Bevor sich die Gedanken im Kreis drehen konnten, beschloss er, das Buch aufzuräumen und stattdessen nach Geschichten zu suchen, in denen der Alte Mann eine Rolle gespielt hatte.
Dieser Satz würde eine weitere Information über den Alten Mann in Seths Gedanken ermöglichen, ohne zu deutlich zu werden.
Zitat:Albert ist hier auch nicht wirklich unschuldig, der würde um den Eid zu wahren die anderen Novizen töten und mit Seth abhauen.
Das wird für mich z.B. nicht deutlich. Klar wird, dass es einen Konflikt zwischen August und Albert gibt und Albert auf der Seite des Jungen steht. Aber ich hätte ihm das so jetzt nicht zugetraut, dass er Kinder ermordet, um einen Eid zu halten. Er kommt eher wie ein Beschützer - wenn auch ein rauer - herüber, der dazu beiträgt, den Novizen ein zu Hause zu geben. Ich habe gerade nochmal durchgeschaut und stelle fest, dass ich den Chara Albert nicht wirklich umreißen kann. Dafür ist mir folgendes aufgefallen:
Zitat:"Nur drei. Albert hat uns einen Windstoß und einen Zauber für Rückenwind gezeigt und der Abt bringt uns die Windklinge bei." die Unzufriedenheit war deutlich aus seiner Stimme herauszuhören.

"Bei zwei davon hast du kein Gefühl für die Energie, die du freisetzt und die Windklinge beherrscht du gar nicht. Was soll es da nützen, euch mehr Zauber zu zeigen?"
Sagt das der Abt oder Albert? Ich habe gedacht, der Abt sagt das, was seine Abneigung Seth gegenüber zum Ausdruck bringen würde. Aber es könnte auch Albert gesagt haben. Nach dem nächsten Absatz ist das sogar wahrscheinlich, weil Albert Chris die Technik erklärt.

Das sind alles nur meine Gedanken und klar, Vorlieben, vieles ist ja auch Geschmacksache, ich bin selbst ein ewig Suchender nach der perfekten Szene und wahrscheinlich meilenweit davon entfernt Icon_ugly
Ich bin gespannt auf das nächste Kapitel, aber wiederum wird es etwas dauern, bis ich zum nächsten Kommischreiben Zeit finde.

Liebe Grüße von slainte music


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Beitrag #6 |

RE: Im Schatten des Mondes - Kapitel 2 Rewritten
Hi Jason,

hier bin ich nun also. Icon_wink

Da dieser Part doch deutlich länger ist, will ich hier mal auf herkömmliche Weise kommentieren und beim Lesen direkt anmerken.


Zitat:Als es das zweite mal seinen tiefen Ton durch das Kloster schickte, öffnete er seine Augen.


"Mal"
Zitat:Das linke leuchtete golden, das rechte funkelte vor Ärger.


Hier fehlt mir der Übergang zum Satz davor (das hat wieder so was Animeartiges.). Außerdem beschreibst du einmal die Farbe des Augens und einmal ein transportiertes Gefühl, beziehungsweise, falls das Funkeln buchstäblich gemeint ist, eine Eigenschaft, die in jedem Fall mit der goldenen Farbe durchaus vereinbar ist.
Zitat:Missmutig schlug er die Bettdecke zurück und erhob sich aus dem hölzernen Kasten, in den der Sack voll Federn eingebettet war, auf dem er schlafen durfte.

Das ist mir persönlich ein bisschen zu verschachtelt. Wieso nutzt du diese Stelle nicht direkt, um uns ein wenig genauer mit unserem Charakter bekannt zu machen?
Missmutig schlug er die Bettdecke zurück und erhob sich aus dem hölzernen Kasten, in den der Sack voll Federn gebettet war. Das Bett hasste er fast so sehr wie das Windhorn: die Federn stachen ihn in den Rücken und jede Nacht stieß er sich das Knie oder den Kopf am eng bemessenen Holzkasten.
In dieser Art läse es sich meiner Meinung nach besser. So wirkt alles ein wenig steril; wie eine Benutzungsbeschreibung.
Zitat:Seth hatte von großen Betten gelesen, in denen mehrere Menschen bequem Platz hatten. Mit Pelzdecken und Öffnungen, in die man heiße Steine legen konnte, um den schlafenden zu wärmen.

"Schlafenden"
Zitat:Einige der Jäger, die zwischendurch hier her kamen und ihre Beute gegen Früchte aus dem Windgarten oder die Gunst des Windgottes eintauschten hatten ihm zwar gesagt, dass auch draußen kaum jemand solche Betten hatte, aber Seth war sich zumindest sicher, besseres als das hier verdient zu haben.

"herkamen" statt "her kamen"; das "hier" würde ich ganz streichen; Komma nach "eintauschten"
Auch hier würde ich ein bisschen anschaulicher beschreiben, wieso Seth besseres verdient, was er sich wünschen würde etc.

Zitat:Der untergehende Mond war noch hell genug um den Tempel in der Mitte des Hofs deutlich zu sehen, auf dessen Turm das ärgerliche Artefakt seine laute Arbeit tat.

Komma vor "um"

Zitat:Seth schwor sich, dass er es eines Tages herunter stoßen und verstummen lassen würde.

"hinunterstoßen"

Zitat:Von Norden kommend war der Klang erträglich, also setzte sich der Junge in Bewegung, wohl wissend, dass die Götter noch zwei mal in das Horn stoßen würden um die Uhrzeit kund zu tun. Hinter ihm öffnete sich eine weitere Tür im Novizenflügel und Walter von Bruchstein trat in den Hof des Klosters. Er warf einen wehleidigen Blick auf das Horn, einen bösartigen auf seinen jüngeren Mitschüler und ging dann wortlos auf den Tempel zu. Auch Seth sah keinen Grund, den älteren und größeren Jungen anzusprechen und setzte sich schlurfend wieder in Bewegung.

Du schreibst hier zwei Mal von "sich in Bewegung setzen", wo du das zweite Mal doch so einfach "und schlurfte weiter" schreiben könntest. Du hast auch nirgendwo erwähnt, dass Seth stehen bleibt.

Zitat:Ein viertes mal trötete der Tempel in die Weiten der Wälder Anturys hinein. Wenigstens sagte es nur drei mal am Tag die Zeit an. 

"Mal"
Tröten ist übrigens nicht der Klang, den ich mit einem Horn verbinden würde.
Mit dem "es" beziehst du dich wohl auf das Horn, das hast du aber schon zu lange nicht mehr erwähnt als dass dies funktionieren würde.

Zitat:Obwohl der Winter schon eine Weile vorbei war, erkämpfte sich eine Gänsehaut mit Hilfe der verbliebenen Kälte und dem Klang des Horns den Weg über Seths Arme und lief ihm den Rücken hinab. Im Sprint brachte der Junge die letzten Schritte zum Tempel hinter sich und trat ein.

An dieser Stelle würde ich mich an deiner Stelle orientieren. Die gefällt mir einfach deshalb besser als der Rest, weil du hier bildlich beschreibst, was geschieht. Ich habe gerne ein Bild vor Augen, wenn ich was lese und das geht mir bei dir manchmal ab.

Zitat:Das Horn erklang ein letztes Mal aber irgendwie störte es ihn, obwohl er der Quelle des Klangs viel näher war, im inneren des Tempels nicht. Der große leere Saal mit seinen steinernen Wänden verlieh dem tiefen Ton einen Hall, der aus dem eintönigen Tröten fast schon Musik zu machen schien.

"Inneren"
Das ist eine schöne Idee.

Zitat:Manchmal fragte der Junge sich, ob der Tempel vielleicht mit Absicht so gebaut war und die Bilder, Vorhänge und Bänke der Absicht der Erbauer nur dämpfend im Weg standen. 

Was meinst du damit? Ich nehme an, die Bilder und Vorhänge sind zur Gottesverehrung gedacht, oder? Willst du also sagen, dass die wahre Gottesverehrung vielleicht durch die Musik geschieht? Dann würde ich das stärker herausstellen.

Zitat:Seth wartete angespannt, während die unnötig plappernde Gruppe auf die Bänke zu lief und ohne leiser zu werden weit von ihm entfernt Platz nahm. Hier im Tempel waren sie nicht so mutig.

"zulief"; "weit entfernt von ihm"; "und, ohne leiser zu werden, weit ..."
Das "unnötig" ist (ha!) mMn unnötig, da "plappernd" das bereits irgendwie impliziert.

Zitat:Während die anderen Novizen noch lauter wurden, sah sich Seth die drei Fremden näher an.

"sah Seth sich"

Zitat:Ihm folgten zwei Jungen, die er fast komplett verdeckt hatte.

Er verdeckt sie doch nach wie vor, oder? In dem Fall Präteritum statt Plusquamperfekt.

Zitat:der Abt war hinter den Altar getreten und richtete das Wort an die Holzbank, von der jedoch weiterhin das Geschwätz der vier Novizen ausging.

"Der"

Zitat:die Drohung wirkte sofort.

"Die"; ich werde das ab jetzt nicht mehr anmerken. Schau einfach nochmal drüber, da du an mehreren Stellen den Satz nach einer wörtlichen Rede klein begonnen hast.

Es wird übrigens besser; dein Stil ist flüssiger und nicht mehr so karg. Icon_smile

Zitat:"Ich bin Xam, Sohn von Aros Wulf dem Paladin des Lichtes und Reichshelden von Galiria." Seth wurde klar, dass er neben einem der berühmtesten Ritter des Reiches saß. Der Träger von Gram hatte im Bruderkrieg Jagd auf abtrünnige Reichshelden gemacht und sogar an zwei Feldzügen auf dem anderen Kontinent, Kudros, teilgenommen. 

Zunächst mal etwas sehr Subjektives: mir würde "Ich bin Xam, Sohn von Aros Wulf" allein besser gefallen. Den Rest kannst du dann Seth denken lassen.
Nun etwas Größeres: dieses Denken sollte ausführlicher geschehen. Wenn Seth das klar wird, empfindet er dabei etwa keine Ehrfurcht? Schenkt er ihm einen verstohlenen Blick?



Zitat:Er ging davon aus, dass Sir Wulff seinen Sohn selbst gesegnet hatte und wurde sofort darin bestätigt. 

"Wulf"

Zitat: Albert legte eine Hand auf Xams linke Schulter 

Punkt fehlt.

Zitat:Während er sich noch fragt, wie wohl andere Götter ihre Gunst zeigten und ob bei einer Hochzeit alle fünf Götter des Paars ein Zeichen ihres Wohlwollens setzten, begab sich Xam bereits zu seiner Familie auf die Holzbank und Albert stimmte in seinem monotonen Singsang wie jeden Tag das Lied aller Götter an.

"fragte"
Ich würde ein wenig aufpassen, nicht zu oft "und" zu verwenden. Es gibt jede Menge anderer Konjunktionen; wenn du zwei Sätze stets mit "und" verknüpfst, läuft dein Text Gefahr, monoton zu werden.

Zitat:Danach kamen die anderen Novizen, die sich untereinander über zwei Briefe von ihren adeligen Familien unterhielten, die ihnen der Reichsheld mitgebracht hatte.

"ihrer adligen Familien"

Zitat:Politische Spekulationen, die Seth herzlich egal waren und Gerüchte über Werwölfe, die trotz der Jagd, die auf sie gemacht wurde noch immer in den Wäldern lebten.

Komma nach "wurde"; schöner wäre mMn ohnehin "trotz der Jagd auf sie"

Zitat:Während er Stücke von seinem Reh-Fleisch und seinem Brot schnitt und darauf herum kaute, hoffte er stattdessen, dass Albert und Sir Wulff sich über den Rotblut-Feldzug unterhalten würden, doch sie aßen schweigend.

Das "stattdessen" ist überflüssig; die Possessivpronomen ebenso. Außerdem heißt es "Rehfleisch".

Zitat:Bis dahin hatte ich in diesem Kloster jeden Tag mit der Klinge trainiert, aber es war nicht das Können, sondern die Erfahrung, die den Kampf entschied. "

Das "aber" passt da nicht. Außerdem ist die Erfahrung ja Teil des Könnens. Ich würde "Können" also durch "Talent" ersetzen.

Zitat:In Büchern war es so einfach, ein Held zu sein.

Ah, das alte "In Büchern ist alles anders" ... innerhalb eines Buches.  Mrgreen

Zitat:"Und das ist auch gut so." meinte der Reichsheld plötzlich mit überraschender Strenge in der Stimme.

""Und das ist auch gut so", meinte ..."; das "plötzlich" ist auch überflüssig, die Überraschung hast du ja schon abgedeckt.

Zitat:"Aber erst nach dem Essen." bremste der Abt die Vorfreude, bevor er sich an Xam wandte.

"Essen", bremste"; auf diese Hinweise werde ich ab jetzt auch verzichten. An sich gilt in der wörtlichen Rede: wenn ans Ende ein Punkt käme, lässt du ihn weg und schließt die wörtliche Rede ganz normal mit Anführungszeichen+Komma ab.

Zitat:Seth musste erst in die Waffenkammer und nahm sich eines der kürzeren Schwerter, von dem er wusste, dass es gut ausbalanciert war.

Du hast mit dem nächsten Satz ohnehin eine Wiederholung mit "musste", deshalb würde ich den Satz umformulieren à la: "Seth holte sich schnell ein Schwert aus der Waffenkammer. Er nahm sich eins der kürzeren, von ..."

Zitat:"Reiner Schwertkampf, keine Tricks, keine bleibenden Wunden und Seth, keine Magie. Ihr könnt anfangen." 

Wer sagt das?

Zitat:Erst auf halber Strecke fiel ihm auf, dass er das Schwert noch in der Hand hielt, aber anstatt zurück zu gehen, steckte er es sich schnell in den Gürtel. 

"zurückzugehen"

Zitat: Seth ahnte, dass es um ihn ging und atmete trotz der Aufregung, die ihn gerade durchströmte bewusst langsam, damit ihn niemand hören konnte.

Komma hinter "durchströmte"

Zitat:„Noch wissen die drei nichts von ihm. Glaub mir, ich wäre ihn auch gerne los, aber er steht unter Alberts Schutz. Ich mache mir auch mehr Sorgen um das, was der Alte Mann mit meiner Seele tun wird, wenn dem Jungen etwas passiert, als um die Dinge, die der königliche Schoßhund mit meinem Körper anstellen wird, wenn er ihn riecht.“

Wiederholung von "auch"
Zitat:Während August immer förmlich und abweisend zu ihm war, hatte Albert jederzeit ein offenes Ohr für Seths. 

Da fehlt am Ende ein Wort.
Zitat:Seth überlegte noch, wie er die Fragen so stellen konnte, dass der Mönch keinen Verdacht schöpfte, als er aus der Bibliothek heraus in den Hof trat.

"hinaus"
Zitat:Heute schmerzte jeder Treffer und Seth musste sich einreden, dass seine Tränen der Wut waren, die über sein Gesicht liefen.

Bei "dass seine Tränen der Wut waren" fehlt etwas.
Zitat:Wortlos entwich sein letzter Atemzug seinen Lungen, während die drei anderen Jungen ihren Augen nicht glaubten. Seth rannte sofort um sein Leben. 

"Ihren Augen nicht trauten"; Der Ausdruck klingt aber ohnehin ziemlich nach allwissendem Erzähler, vielleicht beschreibst du eher, dass sie erschrocken innehalten oder so? Verliert Seth hier keinen Gedanken daran, dass er gerade einen Menschen getötet hat?
Zitat:Wortlos entwich sein letzter Atemzug seinen Lungen, während die drei anderen Jungen ihren Augen nicht glaubten. Seth rannte sofort um sein Leben. 

"zuriefen"
Zitat:"Wo ist Pyl?" wollte der Abt nur wissen. 

"Pyl?", wollte"
Du musst nochmal über die ganzen wörtlichen Reden diesbezüglich drüberschauen.
Zitat:er hatte verstanden, dass es hier um etwas anderes ging als ums Gesetz. Ihm war nur noch nicht klar, was." 

Meinst du mit "er" Walter? Denn Seth hat keine Ahnung, was Walter denkt, das müsstest du dann anders formulieren. Das Anführungszeichen da muss sowieso weg.
Ich frage mich auch, wieso Seth sich hier nicht verteidigt. Immerhin haben sie ihn zuerst angegriffen.
Zitat:Ich werde nicht drei Jungen opfern um einen zu retten, der derart bösartige Züge zeigt." 

"opfern, um ..."
Zitat:Seth erwartete einen Kampf wie in den Büchern, der alle Zuschauer mit offenen Mündern banne würde, aber Alberts Windstoß flog nur unsichtbar auf den Abt zu und wurde von dessen Schwert zerteilt.

"bannen"; "fesseln" statt "bannen" aus meiner Sicht
Zitat:Es sah aus, als würde ein greiser Mönch in der Luft herumfuchteln und ein anderer wild mit einem Schwert um sich schlagen.

Mrgreen
Zitat:Als Seth sah, wie sie zur Küche liefen, kam ihm eine viel bessere Idee, als weg zu laufen.

In jedem Fall muss das Komma vor "als" weg. Ich fände aber "... kam ihm eine Idee" schlichter und schöner.
Zitat:Kurz sah er aus dem Wald jemanden auf das Kloster zu rennen, bevor er sich wieder zu Arrog drehte und seine beiden Schwerter mit einem von seinen abwehrte.

"zurennen"
Und Seth scheint ja keine Skrupel zu haben, Menschen zu töten. o.O
Zitat:Als die Windklinge sein Herz erreichte, wollte das Blut aus seinem Körper heraus strömen, wurde aber von der rasend schnell hereinströmenden Luft derart durch den Körper gejagt, dass Alberts Körper selbst nach seinem Tod noch so lange zuckte, bis der Abt die Hand wieder zurück zog. 

"herausströmen"
Für so schlecht hatte ich die Beziehung zwischen dem Abt und Albert ja bisher nicht gehalten.
Und dann das Ende mit dem Alten Mann. Episch - zumindest wenn man es sich im Kopf ein bisschen ausformuliert. Das aber solltest eigentlich du erledigen. Die ganze Szenerie am Ende gibt ein richtig gutes Bild ab. Da könntest du noch viel mehr Spannung erzeugen.

Was die Actionszenen angeht, so gefallen mir deine Beschreibung da eigentlich recht gut. Es bleibt ziemlich klar, was geschieht ... und Seth scheint deutlich erfahrener im Töten zu sein als ich erwartet hätte.

Ansonsten stehe ich dem Teil recht zwiegespalten gegenüber. Einerseits sehe ich in Ansätzen eine vielversprechende Handlung. Du hast dir offenbar viele Gedanken gemacht und die Verfolgung der Werwölfe ist eine von gleich mehreren Ideen, die viel Potenzial haben.
Mein Problem ist nach wie vor die Ausgestaltung. Am Krassesten kommt dies am Ende zum Tragen: Seth ist vollgepumpt mit Adrenalin; er sieht dadurch schon mal alles viel genauer. Albert, sein Freund, sein Mentor, wird vom Abt, einem Mann, mit dem er unter einem Dach lebt, getötet (auf den Grund für dieses drastische Mittel bin ich auch gespannt). Dann kommt der Alte Mann, der offenbar ziemlich mächtig ist und Seth müssten sich die Fragen überschlagen: Wer ist das? Wie konnte das passieren? Was soll ich nur tun? Hier kannst du nun so viel Atmosphäre aufbauen. Hat der Abt Angst oder spottet er nur? Wie bewegt sich der Alte Mann, wie spricht er, wie schaut er? Natürlich darfst du darauf auch nicht zu viel Zeit verwenden, weil wir uns in einer spannenden Szene befinden, aber diese Spannung baust du durch mehr Details erst auf. Genauso geht es mir - mit Abstrichen - bei der Szene, wo Albert und der Abt zu kämpfen beginnen, wo Seth Pyl tötet ... lauter Momente, in denen in Seth viel mehr vorgehen sollte als du beschreibst.
Insgesamt sind deine Beschreibungen im Vergleich zum ersten Teil besser geworden, aber gerade hier fehlt mir einfach etwas.
Wie gesagt, der Plot taugt mir und aus der Geschichte kann auf jeden Fall was werden. Aber aus meiner Sicht müsstest du dafür noch einige Arbeit in diesen Teil stecken.

Natürlich ist das nur meine subjektive Meinung - und ich hab auch noch etwas Positives anzumerken. Icon_wink
So finde ich die Art und Weise, wie du deine Welt und dein Magiesystem einführst, durchaus gelungen. Ich hatte sofort einen ziemlich guten Überblick über die Möglichkeiten, was auch dazu beigetragen hat, dass man beim Kampf nicht den Überblick verloren hat.


Was mir noch abgeht, sind vor allem Seths Gefühle am Ende und die Atmosphäre insgesamt (zu der du durch genauere Ausführungen von Seths Gedanken natürlich beiträgst).

Wenn du Fragen hast, scheue dich wie immer nicht, sie mir zu stellen. Ansonsten bis bald!

Liebe Grüße,

rex

"Für den Freund der Aufhellung behalten Wort und Begriff des >Volkes< selbst immer etwas Archaisch-Apprehensives und er weiß, dass man die Menge nur als >Volk> anzureden braucht, wenn man sie zum Rückständig-Bösen verleiten will. Was ist vor unseren Augen, oder auch nicht just vor unseren Augen nicht alles geschehen, was im Namen Gottes, oder der Menschheit, oder des Rechtes nicht wohl hätte geschehen können!"
Thomas Mann, Doctor Faustus (1947)

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Beitrag #7 |

RE: Im Schatten des Mondes - Kapitel 2 Rewritten
Hui, du kommentierst ja zügig. Fein.


Zitat:"Mal"

Da stell ich mich nicht nur dusslig an, ich muss mir die Regeln dazu mal noch durchlesen o.O
Auch die direkte Rede habe ich mir gerade durchgelesen... Das muss konsistent falsch sein in meinem ganzen Skript D:


Zitat:Außerdem beschreibst du einmal die Farbe des Augens und einmal ein transportiertes Gefühl, beziehungsweise, falls das Funkeln buchstäblich gemeint ist, eine Eigenschaft, die in jedem Fall mit der goldenen Farbe durchaus vereinbar ist.

Seth ist heterochrom, was ich aber nicht in einem Kapitel deutlich sagen will, das aus seiner Sicht geschrieben ist. Genau genommen breche ich meine Regel schon damit, dass ich überhaupt die Farbe eines Auges beschreibe...


Zitat:Tröten ist übrigens nicht der Klang, den ich mit einem Horn verbinden würde.

Gut, da sind jetzt schon mehr Leute drüber gestolpert. Zeit es zu ändern.


Zitat:Nun etwas Größeres: dieses Denken sollte ausführlicher geschehen. Wenn Seth das klar wird, empfindet er dabei etwa keine Ehrfurcht? Schenkt er ihm einen verstohlenen Blick?

Ich versuche immer, möglichst wenig einfach nur durch Gedanken einer Figur zu erklären. Allein schon, dass Seth im Kopf Errungenschaften Wulfs aufzählt, ist mir eigentlich unangenehm. Kann aber auch daran liegen, dass ich generell wenig Emotionen darstelle und deswegen innere Monologe immer so trocken wirken...


Zitat:"Wulf"

wallbash wallbash wallbash
Wie oft ich Marec schon als Marek, Tyros und Meros schon als Myros und Teros geschrieben habe...
Mit meiner Namen-Konsistenz hab ich ein fettes mitdenk-Problem :D
wallbash wallbash wallbash


Zitat:Ich würde ein wenig aufpassen, nicht zu oft "und" zu verwenden. Es gibt jede Menge anderer Konjunktionen; wenn du zwei Sätze stets mit "und" verknüpfst, läuft dein Text Gefahr, monoton zu werden.

Wenn ich auf etwas aufmerksam gemacht werde, das mir nicht bewusst war, freue ich mich immer. In dem Fall versuche ich eigentlich, Wortwiederholungen zu vermeiden und ärger mich umso mehr drüber, dass es trotzdem noch vor kommt...


Zitat:Ah, das alte "In Büchern ist alles anders" ... innerhalb eines Buches.  [Bild: mrgreen.gif] 

Gnihihi. Es ist einiges an Arroganz des Autors damit verbunden, weil ich ja sage "this book is not like the others."
Aber das will ich nunmal damit sagen.


Zitat:"Ihren Augen nicht trauten"; Der Ausdruck klingt aber ohnehin ziemlich nach allwissendem Erzähler, vielleicht beschreibst du eher, dass sie erschrocken innehalten oder so? Verliert Seth hier keinen Gedanken daran, dass er gerade einen Menschen getötet hat?

Schön, du verstehst wie ich eigentlich schreiben möchte und siehst, wo ich meine eigenen Regeln breche.


Zitat:Ich frage mich auch, wieso Seth sich hier nicht verteidigt. Immerhin haben sie ihn zuerst angegriffen.

Weil er schnell begreift, dass es nicht um Recht oder Unrecht geht. Aber das werde ich mal noch irgendwie deutlicher machen müssen.


Zitat:
Zitat: schrieb:Es sah aus, als würde ein greiser Mönch in der Luft herumfuchteln und ein anderer wild mit einem Schwert um sich schlagen.

[Bild: mrgreen.gif] 

So lustig das sein mag, bin ich mir nicht wirklich sicher, ob ich mitten in der Action diesen Gag stehen lassen sollte.
Ist im Moment eher so Testlauf, wie das ankommt ^^


Zitat:Und Seth scheint ja keine Skrupel zu haben, Menschen zu töten. o.O

Hat er auch nicht.
Ich will mit Jason an der "Der Protagonist ist der Gute"-Grenze kitzeln und die Fanbase spalten in Fans und Hasser. Seth trägt dazu bei, indem er ganz krass bösartig und skrupellos ist, um eben die rosarote-Prota-Brille des Lesers zu zertrampeln.
Damit Seth jedoch nicht zu eindimensional wirkt und vor allem nicht schon in Kapitel2 abschreckt (zumal sich ja niemand selbst als böse wahrnimmt), schreibe ich ihn konsistent ohne jegliche Wertschätzung für das Leben anderer, gehe aber nicht direkt darauf ein. 


Zitat:Für so schlecht hatte ich die Beziehung zwischen dem Abt und Albert ja bisher nicht gehalten.

Es nagt an mir, dass ich das nicht in dem Kapitel beschreiben kann, aber die beiden Mönche kennen sich lang genug um die Überzeugungen des anderen zu kennen und zu wissen, dass er bis zum Tod für diese Überzeugung kämpfen würde. Die Erklärung werde ich hinterher bringen müssen...



Zitat:Was mir noch abgeht, sind vor allem Seths Gefühle am Ende und die Atmosphäre insgesamt (zu der du durch genauere Ausführungen von Seths Gedanken natürlich beiträgst).

Das Innere meiner Figuren zu beschreiben ist eine meiner Schwächen, aber ich arbeite daran.

Was die Beschreibung der Endszene angeht, ist mir das Kapitel ohnehin schon zu lang geworden, Albert muss jedoch vor Kapitel vier sterben, also blieb mir da keine Wahl. Die Ankunft des Alten Mannes wird das nächste Mal ausführlich beschrieben, wenn es um Seth geht.


Deine einzelnen Korrekturen nehme ich dankend zur Kenntnis. Über Fehler die sich häufen muss ich mal noch mehr nachdenken...


Dein Fazit freut mich, weil die Welt und der Plot für mich im Vordergrund stehen, während ich hier bin um über die tatsächliche Kunst des Schreibens zu lernen.

Danke   Icon_smile

"Zu jeder Zeit, an jedem Ort, bleibt das Tun der Menschen das gleiche."

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Beitrag #8 |

RE: Im Schatten des Mondes - Kapitel 2 Rewritten
Hallo nochmal,


Zitat:Seth ist heterochrom, was ich aber nicht in einem Kapitel deutlich sagen will, das aus seiner Sicht geschrieben ist. Genau genommen breche ich meine Regel schon damit, dass ich überhaupt die Farbe eines Auges beschreibe...

Die Regel brichst du so oder so. Auf diese Weise hast du aber nicht mal eine klare Informationsübertragung gegeben. Es ist halt recht wichtig, dass diese Info im ersten Kapitel rüberkommt, damit wir wissen, worüber Wulf spricht. Aber da würde ich dir empfehlen, zwischendurch einen Satz einzufädeln, in dem du auch gleich ein bisschen besser erklären kannst, wie das Verhältnis zwischen Seth und den anderen Studenten aussieht:
Walter und seine Günstlinge hatten ihn schon immer auf dem Kieker gehabt. Er wusste nicht, ob es an seinen unterschiedlich farbigen Augen lag - immer wieder nannten sie ihn "Goldauge" - oder daran, dass Albert ihn besonders förderte, ...
Irgendwie so was vielleicht?

Zitat:Ich versuche immer, möglichst wenig einfach nur durch Gedanken einer Figur zu erklären. Allein schon, dass Seth im Kopf Errungenschaften Wulfs aufzählt, ist mir eigentlich unangenehm. Kann aber auch daran liegen, dass ich generell wenig Emotionen darstelle und deswegen innere Monologe immer so trocken wirken...

"Show, don't tell" ist an sich ein gutes Prinzip - allerdings ist das keine Ausrede, wenn du Emotionen nicht darstellen willst. Dadurch identifiziert sich der Leser mit deinen Charakteren - das ist gerade bei einem Antiheld wie Seth extrem wichtig. Da gehören meiner Meinung nach einfach viel mehr Emotionen rein. Und er muss sie ja nicht einfach aufzählen, sondern du kannst direkt beschreiben, was er damit verbindet. So bleibt Seth ein bisschen blass - aber unseren Protagonisten wollen wir doch anständig kennenlernen. Icon_wink

Zitat:Weil er schnell begreift, dass es nicht um Recht oder Unrecht geht. Aber das werde ich mal noch irgendwie deutlicher machen müssen.

Sollte er nicht trotzdem erklären, dass er sich bloß verteidigt hat. Er sieht den Abt doch als vernünftigen Menschen an, oder?

Zitat:Hat er auch nicht.
Ich will mit Jason an der "Der Protagonist ist der Gute"-Grenze kitzeln und die Fanbase spalten in Fans und Hasser. Seth trägt dazu bei, indem er ganz krass bösartig und skrupellos ist, um eben die rosarote-Prota-Brille des Lesers zu zertrampeln.
Damit Seth jedoch nicht zu eindimensional wirkt und vor allem nicht schon in Kapitel2 abschreckt (zumal sich ja niemand selbst als böse wahrnimmt), schreibe ich ihn konsistent ohne jegliche Wertschätzung für das Leben anderer, gehe aber nicht direkt darauf ein. 

Das ist eine gute Idee. Allerdings gewinnst du Sympathien eher durch Einblicke in einen Charaktere als indem du versuchst, über diese Taten zu schweigen. So denkt der Leser sich eher, dass der Autor sich keine Gedanken gemacht hat, was ein Mord mit einem Menschen anstellt - wodurch deine Geschichte an Seriosität verliert.
Überhaupt - hat Seth davor schon getötet? Denn wenn nicht, dann sollte ihm dieser Tod als das erste Mal durchaus in der einen oder anderen Weise auffallen, egal wie skrupellos er ist.

Zitat:Es nagt an mir, dass ich das nicht in dem Kapitel beschreiben kann, aber die beiden Mönche kennen sich lang genug um die Überzeugungen des anderen zu kennen und zu wissen, dass er bis zum Tod für diese Überzeugung kämpfen würde. Die Erklärung werde ich hinterher bringen müssen...

Willst du da nicht wenigstens Seths Überraschung beschreiben? Das wirkt bei dir gerade so selbstverständlich, dass der Leser sich fragt, ob er irgendwas verpasst hat.

Zitat:Was die Beschreibung der Endszene angeht, ist mir das Kapitel ohnehin schon zu lang geworden, Albert muss jedoch vor Kapitel vier sterben, also blieb mir da keine Wahl. Die Ankunft des Alten Mannes wird das nächste Mal ausführlich beschrieben, wenn es um Seth geht.

Wieso stört ein langes Kapitel denn?

Liebe Grüße,
rex

"Für den Freund der Aufhellung behalten Wort und Begriff des >Volkes< selbst immer etwas Archaisch-Apprehensives und er weiß, dass man die Menge nur als >Volk> anzureden braucht, wenn man sie zum Rückständig-Bösen verleiten will. Was ist vor unseren Augen, oder auch nicht just vor unseren Augen nicht alles geschehen, was im Namen Gottes, oder der Menschheit, oder des Rechtes nicht wohl hätte geschehen können!"
Thomas Mann, Doctor Faustus (1947)

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Beitrag #9 |

RE: Im Schatten des Mondes - Kapitel 2 Rewritten
Hi Jason!

Es ist ja eine ziemliche Weile her, dass ich Teil 1 gelesen habe, aber da es hier eh mit einem vollkommen neuen Prota losgeht, schadet mein schlechtes Gedächtnis niemandem *lach*

Bei GRRM hatte ich übrigens die gleichen Probleme wie bei dir: Der verschwenderische Umgang mit Statisten, die alle einen Namen, ein Aussehen und eine Meinung haben, war mir dort viel zu viel. Aber es scheint ja genug Leute zu geben, denen es nichts ausmacht Icon_wink

Hier in Kapitel 2 ist das übersichtlicher, finde ich, weil die Personen mit Handlung verknüpft werden und alle mehr als nur einen Satz sagen dürfen. Trotzdem muss ich gestehen, dass mich »Albert«, »August«, der »Abt« und der »Alte Mann« extrem verwirrt haben. Zwischenzeitlich dachte ich, Albert sei der Abt und im Endkampf war ich der Meinung, dass Seths Befürworter siegreich war. Also da hab ich wild alles in einen Topf geworfen, weil die Namen so ähnlich sind, beide Personen den gleichen Charakter zu haben scheinen und für mich in ihrem Verhalten auch sehr ähnlich wirkten. Außer am Ende eben, wo einer Seth tot haben will und der andere nicht.
Wenn die Namen keine immens wichtige Rolle spielen, fände ich es leichter, sie unterschiedlicher zu gestalten.
(Nur der Vollständigkeithalber sei auch hier erwähnt, dass mir der Sprachenmischmasch bei den Namen (vor allem innerhalb einer Familie), merkwürdig vorkommt.)

Den Punkten, die slainte in ihrem Kommentar anspricht, kann ich zustimmen. Auch mir kam das Kapitel ein wenig unstrukturiert vor, die Segnung Xams wie ein Fremdkörper, der ohne Belang für das aktuelle Geschehen ist. Ich mein: Albert und August bekämpfen sich da vor einem ehemaligen Reichshelden bis zum Tod wegen eines Werwolfs? (Korrektur: Der Reichsritter ist schon weg, aber dass sie sich sofort bis aus Blut bekämpfen, finde ich trotzdem nicht nachvollziehbar)
Sollte man da nicht eher seine Novizen mal reinschicken und in Ruhe drüber reden?
Dass die da alle so austicken und gleich in einen Mordrausch verfallen, kam ein bisschen überraschend und unmotiviert, finde ich.

Aber jetzt mal von vorne Icon_smile

Seths Luxusproblem am Anfang erweckt im ersten Moment den Eindruck, als sei er ein verwöhntes Gör, sein größtes Problem die Tatsache, dass sein Bett nicht groß genug und beheizbar ist! Er ist ein Werwolf, auf dem vor dem Kloster der Tod wartet – sollte er da nicht dankbar sein, dass er überhaupt ein Bett hat? Und dann sogar eins mit Federn und Bettdecke. Er hat lederne Schuhe, jeden Tag gesichert etwas zu essen … das wird mMn dem Konflikt, in dem er am Ende steckt, nicht gerecht.

Zitat: Ihm folgten zwei Jungen, die er fast komplett verdeckt hatte. Seth schätzte die beiden etwas älter ein als sich selbst. Der eine kam ganz nach dem Vater,
Hier würde ich erwähnen, dass Seth die Familienverhältnisse nur schätzt, also sowas wie: »Ihm folgten zwei Jungen, vermutlich seine Söhne, die er fast komplett verdeckt hatte.«
Außerdem bringt mir die Angabe »etwas älter als Seth« überhaupt nichts, denn ich habe nicht den Hauch einer Ahnung, wie alt Seth sein könnte.
Da vorher sein Mitschüler als »älterer Junge« bezeichnet wird, nehme ich an, es handelt sich um Kinder/Heranwachsende zwischen 6 und 20. vom Verhalten und der Sprache her eher älter, und »Junge« hört sich nach nicht allzu alt an, aber das ist Auslegungssache und zum Teil auch eine Frage des Stils. 12-16?
Warum nicht einfach: »Seth schätzte die beiden auf sechzehn oder siebzehn Jahre/Sommer/Winter/whatever, nur etwas älter als er selbst.«
Oder »Sie mochten so alt wie Walter sein, vierzehn oder fünfzehn.«
Ich find, es macht halt schon einen Unterschied, ob man einen 10-Jährigen vor Augen hat oder einen 16-Jährigen, zum Beispiel.


Zitat: "Wie ihr seht, haben wir heute Gäste zum ersten Gebet." der Abt war hinter den Altar getreten
Der Fehler passiert dir öfter, ich merk ihn jetzt nur einmal an: Wenn die wörtliche Rede mit einem Punkt endet, wird das erste Wort des nächsten Satzes (»Der Abt«) groß geschrieben.
Übrigens hat »der Abt« an dieser Stelle, 15 Zeilen nach seinem ersten Auftritt, noch immer keinen Namen. Das wirkt, als bestünde zwischen Seth und dem Abt eine große Distanz, aber der Abt ist doch Seths Mentor? Oder war Albert der Mentor? *nachles* Puh, nee, also der Abt ist der Böse und Albert ist der Gute.
Aber da der Abt im Verlauf der Geschichte sowieso noch einen Namen bekommt, würde ich ihn hier einführen. Eventuell immer »Abt August« schreiben, um die Distanz zu zeigen? Oder halt immer nur »Abt«, aber den Wechsel mittendrin finde ich befremdlich.

Dass die Novizen da so respektlos weiterreden und den Abt(!) einfach ignorieren … der gerade das Morgengebet für einen Gott anstimmen will, der höchstpersönlich dreimal pro Tag in das komische Horn bläst – das lässt den Abt und Albert in meinen Augen wie Vollpfeifen erscheinen. Als Lehrer sollte man doch Autoritätsperson genug sein, um ohne Magie drei Bubis zum Schweigen zu bringen. Androhung von Strafarbeit, Verbannung aus der Morgenandacht, Ausschluss vom Schwerttraining.
Selbst wenn Magie alltäglich ist – an dieser Stelle bekämpft sie nur die Auswirkung des Ungehorsams, nicht aber den Ungehorsam selbst. Die machen ja sogar weiter, obwohl sie stumm sind. Und das vor Gästen! Als Abt würd ich mich da vor dem berühmtesten Reichsritter in Grund und Boden schämen.

Zitat: Albert stellte sich zum Abt und Seth erkannte, dass es der Tag der zweiten Taufe für den Jungen war.
Das wäre doch eine schöne Gelegenheit, etwas (feierliche) Atmosphäre zu schaffen. Woran erkennt Seth das? Daran, dass Albert sich zu dem Abt stellt? Trägt der Junge ein besonderes Gewand, sprechen die beiden Mönche ein besonderes Gebet? Oder erkennt Seth es daran, dass Xam vorm Altar knien muss? Werden besondere Duftkräuter verbrannt oder der Heilige Likör aus dem Schrank geholt? Icon_wink

Zitat: Seth wurde klar, dass er neben einem der berühmtesten Ritter des Reiches saß. Der Träger von Gram hatte im Bruderkrieg Jagd auf abtrünnige Reichshelden gemacht und sogar an zwei Feldzügen auf dem anderen Kontinent, Kudros, teilgenommen.
Ja … und? Das wird ihm klar, aber es ist im total egal? Der berühmteste Ritter des Reiches sitzt neben mir. Hach ja, hoffentlich gibt’s beim Frühstück Rehleberwurst.
Bissl so, als würde jemand von seinem Kirchgang erzähle und nebenbei dann so: »Mir wurde klar, dass ich neben dem Papst saß. Dann predigte der Priester was und alle sangen ein Lied.«
Also entweder erkennt Seth den Namen nicht, dann brauch er sich auch keine Gedanken drum zu machen, oder er muss irgendwie darauf reagieren. Und sei es nur, dass er sich fragt, was diese Berühmtheit in ihr mickriges Kloster verschlagen hat. Oder lass ihn aus Respekt (oder Angst – so ein Reichsritter jagt bestimmt auch Werwölfe) ein Stück wegrutschen. Unruhig werden. Ist der Herr Reichsritter womöglich wegen Seth hier? Die Taufe seines Sohnes nur ein Vorwand? Das würde auch den Leser neugierig machen, warum Seth befürchtet, jemand könne extra wegen ihm in das Kloster kommen, so eine kleine Andeutung, dass mit Seth was nicht stimmt und die Werwolfsache nicht so überraschend und aus dem Nichts kommt.
Ganz ohne Reaktion wirkt der Einwurf »berühmtester Ritter des Reiches« wie eine leere Floskel, weil es überhaupt keine Reaktion in Seth hervorruft.

Zitat: "Ich bin Xam, Sohn von Aros Wulf dem Paladin des Lichtes und Reichshelden von Galiria." Seth wurde klar,
Zitat: "Welcher Gott wurde dir gegeben, Xam, Sohn von Aros?" Seths Blick wanderte wieder nach vorne
An diesen Stellen würde ich dringend empfehlen, nach der wörtlichen Rede einen Absatz zu machen. So sieht es nämlich danach aus, als würde Seth reden, weil seine Handlung ohne Absatz direkt an die wörtliche Rede anschließt. Das finde ich für meinen Teil sehr schwierig zu lesen.
(Es wundert mich auch, dass Albert diesen Segen spricht. Ich hätte eher erwartet, dass der Ranghöchste (also der Abt?) diese Zeremonie leitet.)

Zitat: Links von Seth saßen Albert und dann August
Hier wird zum ersten Mal der Name des Abtes erwähnt! 790 Wörter nachdem der Abt zum ersten Mal aufgetaucht ist.

Zitat: Politische Spekulationen, die Seth herzlich egal waren und Gerüchte über Werwölfe, die trotz der Jagd, die auf sie gemacht wurde noch immer in den Wäldern lebten.
Ich kann verstehen, dass du ein Geheimnis daraus machen willst, dass Seth ein Werwolf ist. Aber hier fehlt mir einfach eine Reaktion von ihm, irgendwas. Er kann ja kurz aufhorchen, ohne dass der Leser den Grund erfährt.
Beispiel: »und Gerüchte über Werwölfe, die Seth aufhorchen ließen. Er stellte sich vor, wie es sein musste, Teil einer solchen Jagd in den tiefen Wäldern zu sein. Ein Schauer lief ihm über den Rücken und er widmete sich wieder seinem Frühstück.«
Das könnte man so sehen, dass Seth gerne Werwölfe jagen würde, dass er es ungerecht findet, oder eben dass er selbst einer ist.

Ich bin jetzt wahrlich kein Experte im Andeutungen machen und Geheimnisse gut verpacken, aber vor allem an dieser Stelle komme ich mir als Leser ein bisschen … »belogen« vor, wenn Seth nicht reagiert. Er ist schließlich betroffen.

Zitat: Albert lachte und auch der Abt selbst konnte ein Grinsen nicht unterdrücken. Chris sah beleidigt aus und die beiden Mönche bemühten sich schnell wieder um ernste Mienen.
Das ist zum Beispiel so eine Stelle, wo die Mönche zu einer Einheit werden. Sie tun so viel zusammen, »Albert und der Abt« oder reagieren ähnlich, dass sie für mich keine deutlichen Charaktere werden.
Abt August könnte zum Beispiel der strengere, pflichtbewusstere sein (als Abt und Ranghöchster) oder eben genau andersrum, der freundlichere, fürsorglichere (der am Ende lieber 1 Werwolfnovizen opfert, als gleich drei (oder vier) seiner anderen Schüler). Der eine schweigsam, der andere ein Plappermaul oder sowas. Von der Persönlichkeit her sind die beiden in meinem Kopf »Zwei Mönche« und das macht es schwer, sie zu unterscheiden, oder gar einen Konflikt in ihrer Beziehung zu erahnen, der in einem Kampf auf Leben und Tod gipfelt.

Zitat: "Mangelnde Erfahrung." meinte der Abt nur, während Seth den Schnitt betrachtete, aus dem ein Rinnsal Blut über seinen Arm lief. Er war nur eine Fingerbreite tief, brannte jedoch höllisch und er musste die Zähne zusammenbeißen um sich vor den anderen Novizen nicht anmerken zu lassen, wie weh es tat. Albert hatte bereits Stoffstreifen zur Hand und verband den Schnitt.
Hier ist noch so eine Stelle, an der die beiden Mönche die gleiche Rolle ausfüllen: Lehrmeister und Aufsichtsperson. Du könntest zum Beispiel sich Albert auf den Kampf konzentrieren lassen, während der Abt mit seinem Gast plaudert oder sowas. Dass nicht beide um Seth herumschlawenzeln, sondern Albert eben der ist, der sich für den Jungen interessiert und der Abt eher auf Distanz geht, es vielleicht sogar misstrauisch betrachtet (vielleicht, weil er fürchtet, Seth könne den Sohn des Reichsritters verletzen, als Werwolf erkannt werden, was auch immer. Dafür nämlich, dass sie Seth da verstecken, präsentieren sie ihn vor ihren Gästen wie ein dressiertes Äffchen. Wäre jetzt nicht meine erste Wahl, wenn ich einen Werwolf verstecken wollte, der EIN GOLDENES AUGE hat, das ihn offenbar überall als Werwolf zu erkennen gibt).

Zitat: "Bei zwei davon hast du kein Gefühl für die Energie, die du freisetzt und die Windklinge beherrscht du gar nicht. Was soll es da nützen, euch mehr Zauber zu zeigen?"
Wer sagt das? Albert oder der Abt?

Als Seth dann zur Biblio rennt und sein Schwert »zufällig« noch dabei hat, war mir sofort klar, dass das Schwert eine wichtige Rolle spielen wird. Entweder er wird angegriffen und kann sich nur dank der Waffe verteidigen, oder sie wird ihm entwendet, um ihm Schaden zuzufügen. Es fällt vor allem deshalb auf, weil du das Schwert so explizit erwähnst, aber keinen Grund angibst, warum Seth es nicht zurückbringt, obwohl es verboten ist, damit herumzulaufen.
Wenigstens so eine Pseude-Ausrede, a la: »Ihm fiel auf, dass er das Schwert noch hielt, aber um diese Zeit war Walter meist in der Waffenkammer anzutreffen und auf den hatte er keine Lust. Er würde es später zurückbringen«

Zitat: Instinktiv suchte Seths Hand den Griff des Schwertes an seinem Gürtel
Wie »instinktiv« kann der Griff zur Waffe sein, wenn er sie nur während der Übungsstunden tragen darf? Icon_wink Für ihn ist es normal, unbewaffnet in der Biblio zu sitzen, da sollte sein Instinkt eher auf »verstecken« trainiert sein, in Gefahrensituationen.

Zitat: August, jeder gebildete Mann im Reich kann sich auf den ersten Blick denken, wer seine Eltern sind.
Ich sage ja: unschlau, ihn wie ein Äffchen vorzuführen.

Zitat: aber er steht unter Alberts Schutz. Ich mache mir auch mehr Sorgen um das, was der Alte Mann mit meiner Seele tun wird, wenn dem Jungen etwas passiert
Hier ging ich davon aus, dass mit »der Alte Mann« Albert gemeint ist – den habe ich nicht als eigenständige dritte Person wahrgenommen und war zusätzlich verwirrt.

Das Gespräch in der Bib, das Seth belauscht, ist natürlich sehr klischeehaft. Überhaupt, wenn ich so darüber nachdenke, bedienst du recht viele Klischees (so auf den ersten Blick). Der elternlose, scheinbar normale Junge, der keine Freunde hat, aber dann doch total special ist. Die Kampfszene, in der der Held den »Todesstoß« nur durch vernachlässigte Deckung und daraus resultierend die eigene Verwundung erringt, das belauschte Gespräch, in dem es natürlich im Detail um die drohenden Gefahren geht, die der Held aber nicht richtig einordnen kann, die fiesen Mobber, die dem Helden das Leben zur Hölle machen und dann Rettung in letzter Sekunde durch einen ominösen Unbekannten, der vermutlich der Mentor des Helden wird.
Das sind die, die mir so spontan auffallen Icon_wink
Muss nicht schlimm sein, ich wollt es nur mal erwähnt haben, falls es von dir nicht beabsichtigt war.

Der Übergriff von Walter und Co. kommt mir etwas aus dem Nichts. Ich hatte irgendwie den Eindruck, dass sie da schon eine Weile zusammen wohnen/trainieren und plötzlich ist Walter überzeugt, dass Seth ein Werwolf ist? Hat er etwa auch das Bib-Gespräch belauscht? Hat der Abt ihm gar einen Tipp gegeben, damit er Seth angreift, damit Seth sich wehrt, damit der Abt ihn loswerden kann? Wenn wenigstens Seth genauso verwundert wäre, wenn er sich fragen würde, warum Walter auf einmal auf die Idee kommt … aber Seth reagiert da emotional gar nicht drauf.
Hat Walter schon länger den Verdacht, Seth wäre ein Werwolf und nutzt die Gunst der Stunde nur (Verletzung)? Allerdings wirkt Walter alles andere als zimperlich, wenn er also einen Beweis für die Werwolftheorie braucht, warum hat er Seth dann nicht lange schon im Training mal »ausversehen« verwundet oder ihm einfach so eins auf die Fresse gegeben? (bzw. warum ist ihm die rasante Selbstheilung nicht schon lange aufgefallen, wenn er und seine Freunde Seth schon öfter verprügelt haben?)
Der Zeitpunkt kommt mir halt komisch vor, gerade wenn der Reichsritter kommt … und dadurch wirkt Walter, als handle er so, wie die Geschichte es verlangt, nicht so wie es für ihn logisch wäre.

Zitat: drei von ihnen hielten ihn fest, während Arrog an seinem rechten Ärmel zog, bis der Spalt, den Chris' Schwert hinterlassen hatte weit genug war um hinein zu greifen und den Verband herunter zu reißen. Darunter kam heile Haut zum Vorschein.
Gut, Albert hat gesagt, Seth soll sich nicht wehren (Albert WEISS also, dass sein Schutzbefohlener regelmäßig verdroschen wird??) … aber kann er nicht zumindest versuchen, sich dem Griff zu entwinden, oder wenigstens verbal protestieren? »Lasst mich los!« oder irgendwas, was ihn zu mehr macht als einem leblosen Sack in den Händen seiner Widersacher.

Zitat: Die Situation war Seth nicht unbedingt neu, aber zumindest Pyl und Arrog hatten sich sonst zurückgehalten.
Ja, wie? Passiert das regelmäßig, dass Walter ihn als Werwolf enttarnt? Oder prügeln die regelmäßig einfach auf ihn ein? Wenn letzteres: warum ist ihnen dann nicht schon viel früher aufgefallen, dass er ein Werwolf ist? So wie die den verprügeln, sollte es jeden wundern, wenn der am nächsten Tag wieder fröhlich und heile durch den Hof hüpft Icon_wink

Also diese Prügelsituation wirkt auf mich sehr konstruiert und deplatziert, weil sie just in dem Moment stattfindet, als der Reichsritter gerade vom Hof ist. Und ich frage mich erneut, was der Abt und Albert für Lehrer sind (und worin die Jungs da überhaupt ausgebildet werden – offenbar nicht in Disziplin und guten Manieren), wenn sie zulassen, dass einer ihrer Novizen regelmäßig durch die Mangel gedreht wird. Ich mein, ist ja nicht so, als wüssten sie halt, dass es ein Problem gibt, aber Seth will ihnen nicht verraten, wer genau der Schuldige ist. Sie haben ja nur 4 Schüler, da ist die Auswahl nicht besonders groß.

Zitat: „Wir können uns keine bleibenden Schäden erlauben. Erdulde die Schläge, du bist stark genug.“
Wer sagt das? Und was soll es bedeuten? »Bleibende Schäden«? An Seth oder an seinen Mitschülern? Oder an dem Ruf des Klosters?

Zitat: „Albert kann uns nicht mehr bestrafen.
Na, so wie die Blagen sich verhalten, konnte Albert sie auch vorher offenbar nicht ordentlich bestrafen.

Wie genau Pyl da zu Tode kommt, kann ich mir nicht vorstellen (was aber an mir liegen könnte, ich hab mit Bewegungsabläufen so meine Probleme). Pyl hält das Schwert Walter hin, zwei Hände an der Klinge. Seth schubst Pyl … achso, Pyl steht mit dem Rücken zu Seth?
Okee, ich glaub, ich habs *lach*
Das nächste Problem direkt darauf: Pyl stirbt und Seth … rennt weg. Er ist so teilnahmslos! (das kann gewollt sein, macht es mir aber schwer, irgendwie mit ihm mitzufiebern)

Früh morgens von einem Götterhorn geweckt werden? - Ach, hätt ich doch nur ein größeres Bett.
In der Andacht neben dem berühmtesten Reichsritter aller Zeiten sitzen? - Hör ich lieber mal den Gebeten zu.
Beim Frühstück was über Jagden auf meines Gleichen hören? - Bloß das Brot in ordentliche Stücke schneiden.
Belauschen, wie ich enttarnt wurde und mir anhören, wer mich alles totsehen will? - Auf keinen Fall direkt mit meinem Vertrauten (Albert?) hier sprechen, lieber alte Bücher lesen.
Von meinen Mitschülern öffentlich als Werwolf bezeichnet werden? - Gar nicht reagieren, denen wird’s schon langweilig, mich zu Tode zu prügeln.
Jemanden ausversehen in eine Klinge schubsen? - Lieber mal rennen.
Des Mordes beschuldigt werden? - Auf gar keinen Fall versuchen zu erklären, dass es ein Unfall war. Am besten gar nichts sagen.

Da kommt überhaupt nichts an emotionaler Reaktion von Seths Seite aus. Also zumindest einen Moment der Fassungslosigkeit oder des Schocks könntest du ihm doch gönnen, wenn er einen Mitschüler vor Zeugen durch einen Unfall tötet.
»Einen Augenblick lang war Seth wie gelähmt und starrte auf die blutbefleckte Klinge. Pyl war tot.
Seth wirbelte herum und rannte um sein Leben.«

Zitat: Der Abt sah das blutige Schwert und zog seine Schlüsse. Albert tat das gleiche und beide zogen ihr Schwert.
Und Seth liegt daneben und denkt sich: Ja, die einzig richtige, logische und nachvollziehbare Reaktion in dieser Lage ist, einfach mal die Fresse zu halten. Ich meine, ich könnte mich rechtfertigen oder versuchen die Lage zu klären oder sogar versuchen, die Schuld Walter in die Schuhe zu schieben, der immerhin mit einem blutigen Schwert in der Hand herumläuft, und Albert und der Abt wissen sowieso, dass ich ein Werwolf bin und warum überhaupt und zur Hölle fragt mich denn niemand, was passiert ist? Ist mir alles zu kompliziert, ich sag lieber nix und gucke, wie es sich entwickelt.
Also Albert und der Abt … die versuchen ja nichtmal, die Lage zu klären.
Bissl als wenn die Eltern ihre beiden Kinder entdecken, Emma und Tobias, und sie wissen, Tobias hat eine Schwäche für Schokolade, aber sie reden mit ihm darüber und die Mutti hat ihn trotzdem lieb, der Vatti nicht so sehr, und Emma sitzt mit schoko-verschmiertem Mund neben der Plätzchendose, zeigt mit dem Finger auf Tobias und sagt: »Der hat alles aufgegessen« und Zack! - die Eltern lassen sich scheiden.

Lass Seth doch wenigstens sowas stammeln wie »Es war ein Unfall, ich wollte es nicht!«, so dass der Abt es als Geständnis auffassen kann (»Siehst du, er ist unkontrollierbar!«) und Albert aber weiter für ihn einstehen kann (»Es war ein Unfall!«)
Oder der Hass, den Abt August offenbar für Seth empfindet (er ist sofort bereit, ihn zu töten, ohne Nachfragen, ohne Beweise, ohne Seth selbst mal zu Wort kommen zu lassen!), muss sehr viel stärker eingearbeitet werden. Verächtliche Blicke, demonstratives Ignorieren, Bestrafung zum Beispiel für den Lärm, den eigentlich die anderen machen …

Dass die beiden Mönche da von Null auf Hundert Todfeinde sind, das kommt einfach so überraschend und … ist nicht nachvollziehbar. August sagt »Glaub mir, ich wäre ihn auch gerne los« - das ist für mich noch weltenweit entfernt von: »Sobald ich einen halbwegs brauchbaren Grund habe, werde ich ihn töten und wenn ich dafür erst meinen Mitmönch umbringen muss, mit dem ich gemeinsam einen Eid geschworen habe, dann tu ich das eben auch.«

August versucht ja nichtmal, Albert gut zuzureden, die Situation friedlich zu lösen. Er könnte doch erstmal versuchen, Albert von Seths Gefährlichkeit zu überzeugen und wenn das nicht klappt, kann er Seth doch immer noch nachts im Schlaf ermeucheln. Wieso er da auf einmal so wild drauf ist, Albert niederzumähen, das erschließt sich mir nicht. Wäre es nicht viel schlauer, er würde das Windklingending direkt bei Seth anwenden? Wieso ist er da auf einmal so versessen drauf, Albert zu töten?
Wie gesagt, da müsste die Spannung zwischen Albert und August viel deutlicher zu spüren sein. Über Gestik und Mimik, Zurechtweisungen, Sticheleien.

Den Kampf hab ich dann ehrlich gesagt nur überflogen.
[EDIT: schlecht formuliert: Beim ersten Lesen habe ich den Kampf natürlich normal mitgelesen. Um den Kommentar zu schreiben, habe ich in einem zweiten Durchgang gelesen und nebenbei Anmerkungen aufgeschrieben - dabei habe ich den Kampf dann nur noch überflogen]
Wer da grade mit Wind auf wen schießt und wen mit Staub einhüllt …
Ich muss dazusagen, solche Kämpfe interessieren mich im Detail meistens nicht besonders. Was mich aber vor allem stört ist die Tatsache, dass Seth eigentlich keine Zeit haben sollte, den Kampf zwischen August und Albert zu beobachten. Spätestens dann nicht mehr, wenn er in seinen eigenen Kampf verstrickt wird.
Als Filmkampf kann ich mir das Ganze richtig gut vorstellen, den Fokuswechsel zwischen Mönchen und Schülern, die Staubwolken und so. Aber in geschriebener Form finde ich das sehr unstrukturiert und eher nichtssagend.
(Aber du weißt ja: meine große Leidenschaft sind Kämpfe sowieso nicht Icon_wink )
Was mir auch wieder fehlt (vor allem als Seth auf seine Mitschüler losgeht und sie niedermäht) sind die Gefühle von Seth. Seine Beweggründe. Glaubt er, seine Überlebenschancen zu erhöhen, wenn er die anderen tötet? Will er Albert damit helfen? Tut er es aus Rache oder Wut, überrascht es ihn selbst oder hat er sich das schon oft ausgemalt? Kostet er es aus oder ist er eiskalt? Tut er es, weil es ihm die beste Lösung für seine Zukunft erscheint, oder weil er sie einfach töten will?

Dann taucht der ominöse Alte Mann plötzlich auf – woher, warum, wieso? - und lässt offenbar Walter und Aragorn verschwinden, mit denen Seth eben noch in einem erbitterten Kampf auf Leben und Tod war. Dachten die sich: Ach, der Werwolf hat zwar gerade zwei unserer Freunde getötet, aber wenn ein Alter Mann auftaucht, vergessen wir das lieber mal. Selbst dann sollte irgendwo etwas stehen wie: »Aragorn und Walter zogen sich eilig zurück« oder »suchten das Weite« oder »standen mit offenen Mündern da und staunten.«
Sie einfach gar nicht mehr zu erwähnen, fühlte sich an, als hätte der Autor vergessen, dass sie da waren Icon_wink

Zitat:Fragen:
Wo ist der Unterschied zwischen Alberts Fähigkeiten und denen des Abtes?
Auf wie viele Götter ist man als verheirateter Mann normalerweise getauft?
Mrgreen Erinnert mich an die Deutsch-Arbeiten, Textanalyse. Oder es sind Fangfragen.
Albert und den Abt konnte ich nicht auseinanderhalten. Einer hat mit einem Stock gewedelt, der andere mit einem Schwert. Einer hat Staub aufgewirbelt, der andere einen Brustkorb aufgeschlitzt (die effektivere Methode, meiner Meinung nach), aber es könnte auch beides vom Gleichen gekommen sein. Es war auf jeden Fall windig.
Die zweite Frage ist schwierig. Als unverheirateter Mann des einfachen Bürgertums ist man auf einen Gott getauft. Als unverheirateter Sohn eines Reichsritters auf zwei. Bei einer Hochzeit können fünf Götter den Segen geben, also zwei für den Mann, zwei für die Frau (sofern beide aus angemessenem Hause) und einen teilen sie sich vielleicht. Also sage ich: Als verheirateter Mann ist man auf 2,5 Götter getauft. Wobei man immer eine Frau finden muss, die nicht auf die gleichen Götter getauft ist, wie man selbst. Gibt es gar Frauen-Götter und Männer-Götter? Wird man zu bestimmten Anlässen getauft (unseren Traditionen entsprechend bei Taufe, Kommunion und Eheschließung?)

Stehen die Antworten tatsächlich in diesem Kapitel?

Also, inhaltich finde ich es interessanter als das erste Kapitel, weil mehr passiert und Seth im Prinzip als Prota ansprechender finde als Jason. Ein Werwolfjunge, der sich versteckt, weil jeder in töten will schafft fast schon automatisch mehr Sympathien als ein arroganter Heerführer mir Superkräften *lach* Die Konflikte fanden auf einer weniger epischen Ebene und betrafen den Prota persönlich, Seth hat hier ernstzunehmende Gegner und eine konkrete Gefahr, die ihm droht. Das zieht mich schneller in eine Geschichte rein als Politik und Heereskram.

Aber mit deiner Art, Charaktere darzustellen, werde ich einfach nicht warm. Für mich fehlt das Innenleben von Seth, seine Gedanken und Gefühle, seine Reaktionen, seine Wünsche und Ängste … Er ist einfach so … fern von allem. Als beträfe ihn nichts von dem, was da passiert. Er reflektiert überhaupt nicht, interagiert kaum mit seiner Umwelt, scheint zu keinem der anderen Klosterbewohner eine Beziehung in irgendeiner Art aufgebaut zu haben. Selbst als er enttarnt wird oder in Lebensgefahr gerät, wirkt er, als sei ihm das alles egal. Er scheint zu überhaupt nichts eine Meinung zu haben.

Ich will nicht sagen, dass es falsch ist – keine Ahnung, vielleicht gibt es viele Leser, die das ganz anders sehen als ich – aber für mich fehlt dadurch einfach zu viel, als dass ich Interesse am weiteren Verlauf entwickeln könnte. Ich sagte ja glaub ich schonmal: Ich brauche eine Person, mit der ich mitfiebern kann, der ich gerne durch die Geschichte folge. Sie muss nicht unbedingt sympathisch sein, sie kann Macken haben und das größte Arschloch sein, das die Welt je gesehen hat – aber sie muss interessant sein. Charakterlich, in ihrem Handeln und Denken, in ihrer Weltsicht, in ihren Interaktionen mit anderen. Das schafft für mich leider keine deiner Figuren bisher.

Ich hoffe, du kannst trotzdem was mit meinem Kommentar anfangen. Ich hab zwar versucht, es zu strukturieren, aber am Ende ist es doch bissl chaotisch geworden Icon_wink

Liebe Grüße
Lanna

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»You can be anything you want on the internet.
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(Zack Finfrock)

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Beitrag #10 |

RE: Im Schatten des Mondes - Kapitel 2 Rewritten
Hallo Lanna,

ohne hier zu übertreiben: ich hab dich vermisst Icon_smile


Zitat:Bei GRRM hatte ich übrigens die gleichen Probleme wie bei dir: Der verschwenderische Umgang mit Statisten, die alle einen Namen, ein Aussehen und eine Meinung haben, war mir dort viel zu viel. Aber es scheint ja genug Leute zu geben, denen es nichts ausmacht [Bild: icon_wink.gif]

Ich habe GRRMs Epos gelesen, ohne mir viele Namen zu merken. Das heißt, in meinem Kopf habe ich nicht deren Namen und körperliche Eigenschaften gesehen, sondern nur "random stark soldier. random lannister soldier. random black brother" usw.
Das funktioniert ganz gut. Nachdem ich mich dann aber doch mehr damit beschäftigt habe, stelle ich fest, dass ich mittlerweile auch mit den vielen kleineren Leuten etwas anfangen kann. 

So ähnlich stelle ich mir das bei mir auch vor. Optimal wäre, wenn man mein Buch lesen und die Story verstehen kann, obwohl man über die meisten "unwichtigen" Figuren drüberliest. Wenn man sich dann aber dich die Arbeit macht, da mal drauf zu achten, soll sich dem Leser ein feines Netz aus Beziehungen zwischen den Figuren offenbaren, das da hinter der Geschichte alles verbindet.


Zitat:Trotzdem muss ich gestehen, dass mich »Albert«, »August«, der »Abt« und der »Alte Mann« extrem verwirrt haben.

Nach all den Jahren, muss ich mir glatt eingestehen, dass die Namen ungeschickt gewählt waren. In der alten Version ging das ja noch, weil Albert gleich am Anfang gestorben ist...


Zitat:und für mich in ihrem Verhalten auch sehr ähnlich wirkten

Hm. Das ist schade. Eigentlich ist es immer Albert, der sich eher kümmert und zu unterrichten versucht, während der Abt eher unbeteiligt ist und Tadel anbringt. So sollte das zumindest rüberkommen Icon_slash


Zitat:Nur der Vollständigkeithalber sei auch hier erwähnt, dass mir der Sprachenmischmasch bei den Namen (vor allem innerhalb einer Familie), merkwürdig vorkommt.

Hat dich das bei Robb, Arya, Brandon und Sansa auch gestört? Jaime und Tyrion?
Keine Kritik an dir, das wurde bei mir schon so oft bemängelt, dass ich eingesehen habe, dass ich irgendwas falsch mache. Mich stört dabei nur, dass andere autoren das gleiche machen, nur irgendwie besser, ohne dass ich verstehe, warum es bei denen funktioniert D:
Außerdem: wieso innerhalb einer Familie? Die vier Novizen sind jedenfalls nicht verwandt...
Edit nachd er Mittagspause: Ich Depp  wallbash
Zur Erklärung: Xam ist sein leiblicher Sohn. Chris wurde ihm von der Hebamme in derselben Nacht gebracht, in der Xam auf die Welt kam, weil Chris' Mutter allein lebte und bei der Geburt starb. Die Hebamme hat das Kind dann zu ihrem letzten Kunden davor gebracht. Einen namen konnte die tote Mutter dem Kind noch geben. 


Zitat:Seths Luxusproblem am Anfang erweckt im ersten Moment den Eindruck, als sei er ein verwöhntes Gör, sein größtes Problem die Tatsache, dass sein Bett nicht groß genug und beheizbar ist! Er ist ein Werwolf, auf dem vor dem Kloster der Tod wartet – sollte er da nicht dankbar sein, dass er überhaupt ein Bett hat?

Er soll ein arrogantes Gör mit Größenwahn sein, das sich für einen Helden wie in den alten Geschichten hält.
Und er weiß nicht, dass er werwölfisches Blut hat.


Zitat:Außerdem bringt mir die Angabe »etwas älter als Seth« überhaupt nichts, denn ich habe nicht den Hauch einer Ahnung, wie alt Seth sein könnte.

Man bekommt in allen fünf ASoIaF Büchern keinerlei Angaben darüber, wie groß Cersei ist, aber es wird mehrmals über sie abgeleitet, dass andere "much taller" "nigh as tall" oder so sind.
In dem Fall beschreibst du ja sogar, wohin dein Gefühl dich führt. Es geht um Teenager. Ich mache mir normalerweise gar nicht so viele Gedanken darüber, wie alt genau meine Jungs da jetzt sind. Bei Seth ist allerdings klar während welchem Ereignis er gezeugt wurde.


Zitat:Das wäre doch eine schöne Gelegenheit, etwas (feierliche) Atmosphäre zu schaffen. Woran erkennt Seth das? Daran, dass Albert sich zu dem Abt stellt? Trägt der Junge ein besonderes Gewand, sprechen die beiden Mönche ein besonderes Gebet? Oder erkennt Seth es daran, dass Xam vorm Altar knien muss? Werden besondere Duftkräuter verbrannt oder der Heilige Likör aus dem Schrank geholt? [Bild: icon_wink.gif]

Da war ich tatsächlich recht fantasielos. Es soll zwar eine schlichte und schnelle Zeremonie sein, weil Aros seinen Ruhm nicht in Gold verwandelt und deswegen auch kaum welches hat, aber es wirkt trotzdem... lustlos.


Zitat:Ja … und? Das wird ihm klar, aber es ist im total egal? Der berühmteste Ritter des Reiches sitzt neben mir. Hach ja, hoffentlich gibt’s beim Frühstück Rehleberwurst. 

Da habe ich evtl. zu weit zurückgerudert. Zuerst habe ich Seth da über die ruhmreichen Taten des Ritters nachdenken lassen, was aber irgendwie sehr schnell zum Infodump wurde. Um den zu meiden, habe ich die ganzen Infos gekürzt, damit aber auch die Bewunderung. Zumindest an dieser Stelle sollte Seth nicht so teilnahmslos wirken^^


Zitat:Das ist zum Beispiel so eine Stelle, wo die Mönche zu einer Einheit werden. Sie tun so viel zusammen, »Albert und der Abt« oder reagieren ähnlich, dass sie für mich keine deutlichen Charaktere werden. 

Das ist vor allem eine verpasste Gelegenheit, die Unterschiede, die die beiden in meinem Kopf eigentlich haben, auch auf dem Papier deutlich zu machen -.-


Zitat:Wäre jetzt nicht meine erste Wahl, wenn ich einen Werwolf verstecken wollte, der EIN GOLDENES AUGE hat, das ihn offenbar überall als Werwolf zu erkennen gibt

Das ist so nicht ganz richtig. 
Das Goldene Auge ist ein Hinweis darauf, dass er mit Tejinura verwandt ist, der Herrscherin im Pfirsichhain. Die hat hat ebenfalls Goldaugen. Im Volk weiß das kaum wer. Noch weniger ist bekannt, dass die ihr Leben lang keusch gelebt hat. Erst recht geheim ist, dass es doch jemand bei einer bestimmten Feier geschafft hat, sie rumzukriegen. Und noch viel weniger Personen wissen, dass es aus dieser Vereinigung einen Sprössling gibt.

Es gibt ihn also nicht als Werwolf zu erkennen, sondern als Sohn von Tejinura und ihrem einzigen Lover. Selbst Aros wusste nicht, dass es ein Kind aus dieser Nacht gibt, er hat lediglich gehört, dass da was lief und sich zusammengereimt, wer es wahrscheinlich war.




Zitat:Zitat: "Bei zwei davon hast du kein Gefühl für die Energie, die du freisetzt und die Windklinge beherrscht du gar nicht. Was soll es da nützen, euch mehr Zauber zu zeigen?" 

Wer sagt das? Albert oder der Abt? 

Das sagt Albert, während er dem trotzigen Bengel die Schulter verbindet.


Zitat:Als Seth dann zur Biblio rennt und sein Schwert »zufällig« noch dabei hat, war mir sofort klar, dass das Schwert eine wichtige Rolle spielen wird.

Ein ziemlich offensichtliches Chekhov Schwert, ich weiß :D


Zitat:Wie »instinktiv« kann der Griff zur Waffe sein, wenn er sie nur während der Übungsstunden tragen darf?

Fuck, Plothole  Doh

Zitat:Zitat: aber er steht unter Alberts Schutz. Ich mache mir auch mehr Sorgen um das, was der Alte Mann mit meiner Seele tun wird, wenn dem Jungen etwas passiert 

Hier ging ich davon aus, dass mit »der Alte Mann« Albert gemeint ist – den habe ich nicht als eigenständige dritte Person wahrgenommen und war zusätzlich verwirrt.


Ist ungeschickt, dass es sowieso um lauter alte Männer geht... Ich schreibe den Alten Mann eigentlich immer groß, um die Unterscheidung leichter zu machen, aber so früh am Anfang ist das irgendwo doch noch zu viel vom Leser verlangt...


Zitat:Überhaupt, wenn ich so darüber nachdenke, bedienst du recht viele Klischees (so auf den ersten Blick).

Das war bei Seth volle Absicht. Er soll den Standardanfang aus Anime/Fantasy bekommen. Nur dass es dann später anders kommt  Icon_ugly


Zitat:Hat Walter schon länger den Verdacht, Seth wäre ein Werwolf und nutzt die Gunst der Stunde nur (Verletzung)? Allerdings wirkt Walter alles andere als zimperlich, wenn er also einen Beweis für die Werwolftheorie braucht, warum hat er Seth dann nicht lange schon im Training mal »ausversehen« verwundet oder ihm einfach so eins auf die Fresse gegeben? (bzw. warum ist ihm die rasante Selbstheilung nicht schon lange aufgefallen, wenn er und seine Freunde Seth schon öfter verprügelt haben?)

Das sind Gedanken, die ich Anfangs nicht zuende gedacht hatte.
Seth hat bei den Duellen immer gewonnen. Ihm liegt das Kämpfen im Blut. Er war dabei aber auch sadistisch und hat die restlichen Novizen gern verletzt. Irgendwann haben die sich gewehrt und ihn zusammen verprügelt, woraufhin Albert sich in seinem Zimmer um ihn gekümmert hat, ohne dass die anderen ihn sehen konnten.
Soweit war ich zu dem Zeitpunkt, als ich das geschrieben habe allerdings noch nicht^^


Zitat:Der Zeitpunkt kommt mir halt komisch vor, gerade wenn der Reichsritter kommt … und dadurch wirkt Walter, als handle er so, wie die Geschichte es verlangt, nicht so wie es für ihn logisch wäre.

Hier trügt dich dein Gefühl nicht, das war bei mir eher ein "Er muss das jetzt machen, so ungefähr habe ich auch schon seine Rechtfertigung dafür."  Icon_slash


Zitat:Gut, Albert hat gesagt, Seth soll sich nicht wehren (Albert WEISS also, dass sein Schutzbefohlener regelmäßig verdroschen wird??) … aber kann er nicht zumindest versuchen, sich dem Griff zu entwinden, oder wenigstens verbal protestieren? »Lasst mich los!« oder irgendwas, was ihn zu mehr macht als einem leblosen Sack in den Händen seiner Widersacher. 

Der Lücke bin ich mir also mittlerweile bewusst, er wird nicht mehr regelmäßig verdroschen. Das konnte ich nur noch nicht in den Text übertragen -.-
Jetzt muss ich da schon wieder was umschreiben  Smiley_frown Smiley_frown


Zitat:Also Albert und der Abt … die versuchen ja nichtmal, die Lage zu klären. 

Weil es nicht um den Mord geht. Es geht darum, dass seine Fähigkeiten entdeckt wurden und er Aufmerksamkeit erlangen wird. Ungesunde Aufmerksamkeit für alle Beteiligten.
Albert will alle Zeugen seiner Fähigkeiten und Existenz töten, nicht die Zeugen des Mordes.
Abt August will Seth töten, denn was nicht existiert, muss man auch nicht geheim halten.
Der tote Novize ist für den einen nur ein Ärgernis am Rande und für den anderen ein guter Anfang.


Zitat:Bissl als wenn die Eltern ihre beiden Kinder entdecken, Emma und Tobias, und sie wissen, Tobias hat eine Schwäche für Schokolade, aber sie reden mit ihm darüber und die Mutti hat ihn trotzdem lieb, der Vatti nicht so sehr, und Emma sitzt mit schoko-verschmiertem Mund neben der Plätzchendose, zeigt mit dem Finger auf Tobias und sagt: »Der hat alles aufgegessen« und Zack! - die Eltern lassen sich scheiden. 

Weil die Schokolade im unknackbaren Safe im Keller war und die Schwester jetzt weiß, dass Tobias ein Superdieb ist, den alle Geheimdienste der Welt haben wollen. Die Mutter will Tobias trotzdem schützen und Emma dafür kalt machen, der Vater will Emma schützen und Tobias verschwinden lassen, bevor die Geheimdienste ihnen auf die Schliche kommen  Icon_lol Icon_lol


Zitat:Also sage ich: Als verheirateter Mann ist man auf 2,5 Götter getauft. Wobei man immer eine Frau finden muss, die nicht auf die gleichen Götter getauft ist, wie man selbst. Gibt es gar Frauen-Götter und Männer-Götter? Wird man zu bestimmten Anlässen getauft (unseren Traditionen entsprechend bei Taufe, Kommunion und Eheschließung?) 

Stehen die Antworten tatsächlich in diesem Kapitel?

Nur weil die Ehe aus zwei Leuten besteht, heißt das nicht gleich, dass sich beide mit einem halben Segen zufrieden geben müssen :D Es sind also drei Götter, aber die liegst goldrichtig.
Zu den restlichen Fragen: Auf die Idee, dass es abergläubisches Unglück bringt, auf dieselben Götter getauft zu sein, wie der Ehepartner, bin ich noch gar nicht gekommen.
Allerdings wird die erste Taufe meistens vom lokalen geistlichen durchgeführt, also dem Dorfpriester. Mit diesem Aberglauben könnte ich gewährleisten, dass die Gen-Pools der Dörfer gut durchgemischt werden, weil man es vermeidet, innerhalb der Gemeinde zu heiraten. Das wiederum wäre guter Stoff für unglückliche Liebesgeschichten :D

Alle Götter sind für alle Menschen zuständig. Ausnahmen sind natürlich die Götter für Weisheit, Ehre und Einparken, die gelten nur für Männer  Icon_ugly Icon_ugly

Anlässe sind Geburt, Zufall und Ehe.
Bei der ersten Taufe wird einem von den Eltern ein Gott gegeben, weil man selbst noch nicht wählen kann. Die zweite Taufe ist die Wahl eines eigenen Gottes und kann jederzeit vollzogen werden, sobald man sich einen Gott aussucht und einen Priester/Mönch findet, der sein Leben diesem widmet. Die dritte Taufe findet statt, wenn ein Paar einen Schutzgott für den Bund der Ehe aussucht und den Hochzeitssegen empfängt. 

Und ja, nachdem du die Anzahl erraten hast, steht die Antwort wohl im Text  Icon_smile


Zitat:Albert und den Abt konnte ich nicht auseinanderhalten. Einer hat mit einem Stock gewedelt, der andere mit einem Schwert. Einer hat Staub aufgewirbelt, der andere einen Brustkorb aufgeschlitzt (die effektivere Methode, meiner Meinung nach), aber es könnte auch beides vom Gleichen gekommen sein. Es war auf jeden Fall windig. 

Das ist natürlich schwerer, wenn man Kämpfe nicht so mag. Der große Unterschied besteht darin, dass der Abt immer um etwas bittet, während Albert Kommandos gibt. Später wird deutlich, dass der eine sein eigenes Mana nutzt um aus sich heraus Magie zu wirken, während der andere das Mana um sich herum anruft, dass durch Gebete dem Gott der Winde zur Verfügung gestellt wurde.
Ich wollte hier aber nur sehen, ob irgendjemand den feinen Unterschied zwischen bitten und selbst machen sieht, was im Hintergrund abläuft ist natürlich noch nicht herauslesbar ^^


Zitat:Ich will nicht sagen, dass es falsch ist – keine Ahnung, vielleicht gibt es viele Leser, die das ganz anders sehen als ich – aber für mich fehlt dadurch einfach zu viel, als dass ich Interesse am weiteren Verlauf entwickeln könnte.

Ist ok.
Ich weiß dass Menschlichkeit in meinem Buch fehlt.
In letzter Zeit lese ich gern Wikipedia-Artikel über bedeutende Personen im alten Rom. Die faszinieren mich mehr als "Das Schwert der Wahrheit", eine Buchreihe, die ich gerade lese.
Die Buchreihe übertreibt es dann doch sehr damit, mir alle paar Seiten zwei Absätze über die Liebe zwischen dem Prota und seiner Freundin vor die Nase zu halten.


Natürlich schreibe ich hier keinen neutralen Bericht über fiktive Geschichte, aber irgendwo weiß ich, dass ich wenig von dem Emotionen meiner Figuren beschreibe und empfinde es selbst kaum als störend.
Mich an diesen Kritikpunkt anzupassen, wäre ein Kampf gegen meine Schreib-Instinkte...
Ich gebe hiermit zu, dass es eine Prise mehr sein könnte. Vielleicht muss ich einfach nur bewusster auf den Punkt achten und finde dann auch eher Stellen, an denen definitiv emotionen fehlen.


Danke Lanna

"Zu jeder Zeit, an jedem Ort, bleibt das Tun der Menschen das gleiche."

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