Es ist: 01-10-2020, 05:48
Es ist: 01-10-2020, 05:48 Hallo, Gast! (Registrieren)


Der Hannover-Hack
Beitrag #1 |

Der Hannover-Hack
Dieser lokalpatriotische Spaß erfüllt drei Wünsche auf einmal:
  1. möchte ich dem LeineLab zur Vereinseintragung gratulieren.
  2. wollte ich längst mal wieder etwas mit dem Ihmezentrum machen.
  3. haben mich mehrere Leute gefragt, wie es zu den Türmen und ihrer Bevölkerungsstruktur in meinen Romanen kam.
Es war klar, dass der Versuch, alles zusammen zu bringen, in einer Katastrophe end... nein, mit unzähligen beginnen musste.
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Regentropfen rieseln lustig vom Blätterdach, schon den ganzen Morgen. Glitzerndes Ausflugswetter! An Tagen wie diesem frage ich mich manchmal, wie viele Siedlungen es wirklich gibt. Viele können nicht überlebt haben, zumindest nicht im Umkreis von einer Tagesfahrt. Jedenfalls habe ich seit Jahren keine Fremden mehr gesehen.

Auf Fahrrädern aus den Teilen, die wir in den verlassen Ortschaften unten im Tal finden, kommen wir an guten Tagen an die hundert Kilometer herum. In der Schmiede hinterm Dorf können wir jetzt sogar neue Metallteile herstellen. Überhaupt produzieren wir fast alles hier oben selbst. Das Essen wächst in drei Etagen über den Wiesen am Südhang, das Wasser kommt aus der Filterkette. Baumaterial liegt im verlassenen Hannover massenweise herum.
Sogar das Internet läuft, solange unsere Richtfunkstrecke klare Sicht nach Hildesheim hat. Die Antennen dafür haben wir beim Norddeutschen Rundfunk abmontiert. Strom kommt aus den Windrädern und Solarzellen, von denen gerade genug zwischen den Gemüsebeeten stehen, um das Dorf zu versorgen. Alle übrigen, die gerade nicht in der Sonne gebraucht werden, lagern in der Pilzhöhle. So haben wir einen Vorrat, um zerhagelte Module zu ersetzen.
Wenn der Vorrat irgendwann verbraucht ist, wird es nur noch Windkraft geben. Weil wir Rotoren und Turbinen natürlich selbst bauen können. Nur Halbleiter sind ein echtes Problem, seit die Chinesen nicht mehr liefern. Wir haben von Hannovers Dächern abmontiert, was wir kriegen konnten.

Ehrlich gesagt habe ich nicht viel Ahnung vom Ausland. Nur am Rande habe ich mitbekommen, dass der Elektroschrott, aus dem ich Leuchtdioden heraus löte, irgendwie am Untergang von China beteiligt gewesen sein soll. Dort wurden die Kleinteile hergestellt, die wir in den alten Städten sammeln. Auch die Solarzellen, die am Südhang die Wasserpumpen antreiben, kamen da her.
Egal, dieses China liefert nichts mehr, nicht mal Plastik. Angeblich ist es am eigenen Dreck erstickt. Man muss sich das mal vorstellen, riesige Fabriken die für die ganze Welt produzieren. Und niemand der sauber macht. Unkontrollierbare Wolken von Giftgas in der Luft, Schwermetallen im Wasser und so weiter hatten eine Industrieregion nach dem anderen entvölkert. Auf dem Land soll es noch Bauern geben, vielleicht sind das so Typen wie wir.

Bei diesem duftenden Nieselwetter möchte ich gleich raus, unter der Regenrinne duschen. Trotzdem sollte ich zuerst schauen, ob die frisch geflickte Folie über dem Brennholzlagers gehalten hat. Wäre ja peinlich, abends nicht kochen zu können, wenn doch nachher die Gäste aus Hamburg ankommen. Mit denen aus Berlin. Besuch aus Hamburg und Berlin! Ich freue mich wie ein Kind ... obwohl ich als Kind gar nicht viel zu Lachen hatte.

Von hier oben war es traurig anzusehen, wie ganze Städte sich auflösten. Angefangen hatte es mit der Ölpest, sowie einer Sturmflut von vielen, oben an der Küste. Gibt ja ständig Unwetter da oben. Ich war damals noch klein und konnte die Zeitungsartikel darüber gar nicht lesen. Erst als Autobahnen und Hotels voller Umzügler waren, bekam ich mit, dass keine Rede von Wiederaufbau war. Mitten in den Aufräumarbeiten nach der Tanker-Havarie hatte ein Sturm die Nordseeküste so gründlich verwüstet, dass die Einwohner scharenweise in die Alpen flüchteten.
Nach den Hamburgern gingen die Bewohner der Ostseeküste, die Angst hatten, dass ihr Land als nächstes untergehen könnte. Vielleicht hatte es auch mit der Explosion zu tun, diesem Nordstream-Dingens.
Die Holländer blieben. Ihre beizeiten vernünftig konstruierten Dämme hatten dem Wetter standgehalten. Sogar ihre Inselbewohner lachten aus den rechtzeitig gebauten Amphibienhäusern, die nun als Hausboote funktionierten. Sicher hätten die Niederlande deutsche Flüchtlinge aufgenommen, aber kaum jemand ging. Alle wollten in die Berge; man hielt das Wasser plötzlich für den Staatsfeind. Oder das Öl. Kommt wohl auf die Mischung an.

Ohne Hamburg gab es in Hannover nicht mehr viel zu holen. Erst zog die Mittelschicht weg, die ihren sozialen Abstieg fürchtete. Danach zogen die Ärmsten weg, die auf Arbeit in den wachsenden Alpensiedlungen hofften. Später merkten auch die Reichen, dass sie nicht unantastbar waren, und verschwanden in ihre Ferienhäuser.
Die vom öffentlichen Dienst blieben vorerst. Klar, wer zwanzig Dienstjahre für seine Stadt geackert hat, wirft sie nicht einfach so weg. Darum liefen Müllabfuhr, Strom und Wasser weiter. Irgendwann hörte die Entsorgung auf, ihre Niedriglöhner waren ausgewandert. Die Wasserversorgung brach zehn Tage nach dem Stromnetz zusammen.
Auch wir Ökos blieben. Auf den Hügeln außerhalb der Orte entstanden Modellprojekte aus Lehm und Stroh, mit autarker Energieversorgung und striktem Stoffkreislauf. Man bediente sich am Schrott den die Bürger zurück ließen. Was wir uns dabei dachten? „Was sollen wir da, wo sich Millionen andere Flüchtlinge stapeln“, dachten sich die meisten. Für andere war es ein Experiment, an das sie sich nie heran gewagt hatten, solange ein bequemeres Leben leichter zu haben war. Leute eben, die immer im Bauwagen leben wollten, aber nie den Mut hatten, dafür ihre Stadtwohnung aufzugeben.
Mit Letzteren blieben die Hacker. Die sahen einen riesigen Spielplatz: Keine Müllabfuhr mehr? Wir können verwerten! Kein Telefon mehr? Lasst uns funken! Kein Benzin mehr? Wir konstruieren ultraschnelle Segelfahrräder! Kein Dach über dem Kopf? Auch das bauten sie in Rekordzeit. Unser Telefonnetz, ein WLAN um den Benther Berg, ist eines ihrer ältesten Werke.
Von den Hackern stammt auch der Dorfname, der sich am Ende durchgesetzt hat. Am Anfang waren viele Namen im Gespräch, von „Neu Benthe“ bis „Hannowald“. Sie wollten es „LeineLab“ nennen, nach ihrem Verein. Als wir sie schließlich überzeugt hatten, dass dies kein Laborexperiment, sondern das echte Leben ist, sagten sie „Leineberg“ und dabei blieb es.

Das alles ist jetzt dreißig, vierzig Jahre her. Ich weiß gar nicht so recht, was aus den Menschenmassen geworden ist, die sich auf den Weg in die Alpen gemacht hatten. Viele werden erfroren sein, noch bevor die Seuchen ausbrachen. Besonders auf der Seite Italiens, das ja schon von Süden her mit Armuts- und Kriegsflüchtlingen überfordert war, so dass sich um die wohlhabenden Umweltflüchtlinge niemand mehr kümmern konnte.
Osteuropa wollte niemanden aufnehmen, denn dort war man überlastet mit den Russen, die ihre Kinder vor Radioaktivität in Sicherheit brachten. Ein saudumm schiefgelaufener Sabotageakt, absichtlich eingeschleust per Computervirus, hatte mehrere Atommeiler kurz nacheinander in die Luft gejagt. Zum irgendwessen Plan hatte das garantiert nicht gehört. Aber in der Live-Umgebung verhält Software sich immer anders als im Test, nicht wahr? Dass die genannten Seuchen dort mutiert wären, halte ich trotzdem für ein Gerücht.

So, das Holzlager am Lehmunterbau meines Baumhauses ist trocken geblieben. Jetzt nichts wie raus in den weichen Nieselregen! Auf dem Dorfplatz tanzen Kinder durch Pfützen, bevor meine Nachbarn sie eilig zuschütten.
„Bringst du das mit weg?“ Maclie, der Vater der Pfützenkinder, wirft seinen leeren Sandeimer auf den Karren neben meiner Freiluft-Werkstatt.
„Ein Eimer, wie praktisch!“ Pflichtbewusst beginne ich, meinen Arbeitsplatz von gestern aufzuräumen. Denn heute Abend soll es ordentlich aussehen und ich habe nicht viel Zeit; nachher darf ich die Gäste durchs alte Hannover begleiten.
Kleinteile in den Sandeimer, sperrige Platinen lose auf den Wagen. Ich habe gestern bis zum Sonnenuntergang Transistoren ausgelötet, nächste Woche verbessern wir damit unsere Funkstrecke nach Braunschweig.
„Ist dein Fahrrad fit?“, fragt ein kleiner Junge.
„Größtenteils. Das Segel brauche ich heute nicht.“
Die Maclie-Kinder kichern. Ihre Räder sind immer perfekt, mit heilem Drachensegel und Bremsen an allen drei Reifen. Ich drohe damit, ihre Funkgeräte nicht mehr zu reparieren, und schiebe den Karren unter meinen Baum. Dann öle ich doch noch mein Fahrzeug, denn bis zum Ihmezentrum sind es mehr Kilometer als ich laufen will.

Die Berliner haben eine Idee und suchen den richtigen Ort. Ich halte den Plan für größenwahnsinnig. Dass sie über den Resten des alten Berlin keine Vertikalstadt hochziehen können, haben sie immerhin selbst bemerkt. Jetzt meinen sie, über Hannover könne man ihren autarken Staat konstruieren.

Zugegeben, die Berliner haben Experten für alles. Ihre Siedlung ist viel größer als Leineberg und liegt mitten in den Überbleibseln ihrer Stadt. Sie ging aus einer Subkultur hervor, die sich c-base nannte. Während das verarmte Berlin nach und nach zerbrach, brachen sie die Kellerwände ihres Clubs auf, schlossen mehr und mehr Nachbarkeller zusammen. Ihr Essen bauen sie auf den Dächern der mittlerweile leeren Häuser an. Doch langsam wird es ihnen zu dreckig, deshalb die irren Neubaupläne.

Im Prinzip planen sie ein hohes Gewächshaus mit Fischen und Algen, wie sie am Südhang unseres Benther Bergs stehen. Früher sagte man Vertical Farm dazu, heute hat es jeder. Doch als Metropolenmenschen wollen sie Kilometer hoch hinaus und eine ganze Stadt so bauen. Mit Krankenstation, Werkstattstockwerken, Wohnstockwerken und einer Schule.
Schule! Alles, was man wirklich braucht, lernt man doch im Alltag. So beim Mitlaufen im Dorfleben, wenn man bei jedem Nachbarn aushilft, bis man absolut alles gemacht und begriffen hat. Mathe hab ich von Reika gelernt, die mir auch gezeigt hat, wie man Halbleiterbauteile zurückgewinnt und neue Schaltungen daraus aufbaut. Englisch lernt man im Obstgarten, dort sprechen sie bei der Apfelernte aus Prinzip nur Englisch mit den Kindern. Aber egal, die Berliner finden, man solle sich zum Lernen in eine Schule setzen.

Wenn ich am Osthang stehe und mir die gammelnden Ruinen Hannovers anschaue, frage ich mich ja schon, ob man noch mal so groß bauen muss. Die Hamburger meinen, das Konzept der Berliner klinge vielversprechend. Die alten Städte seien nur untergegangen, weil ein Konzept gefehlt hätte. Historisch gewachsen, nie sinnvoll geplant. Das Prinzip Stadt sei jedoch prima, man müsse es bloß sauber am Reißbrett angehen. Geschichtet wie ein Netzwerkprotokoll, als Würfel mit kürzesten Wegen, ohne Müll oder Rohstoffbedarf.

Politik hat mich schon als Kind nie interessiert. Es gab wichtigere Dinge, zum Beispiel wie man Wasserpumpen baut, um die Tomaten zu gießen. Wie man Leuchtdioden aus Schrott auslötet und die Trinkflasche über einem Wasserrad befestigt, um nachts lesen zu können. Wie man Wasser reinigt, bevor es in die Trinkflasche darf.
Für Politik war da kein Platz. Ich weiß auch fast nichts über die Kriege vor denen die Afrikaner auf der Flucht waren, was sie mit so abstrakten Begriffen wie Armut und Freihandel zu tun hatten. Hier gibt es weder Armut noch Handel, wir machen alles zusammen und irgendwie hat es immer für alle gereicht. Jedenfalls muss jener Kontinent im Chaos versunken sein, sonst gäbe es aktuelle Nachrichten. In unserem Richtfunk-Internet liest man seit Jahren nichts mehr, als gäbe es überhaupt kein Afrika.
Ansonsten gibts auf der Weltkarte noch einen langen Kontinent, der sich Amerika nennt. Die Südhälfte davon soll sich in der Landwirtschaft vertan haben. Nicht weil die Bauern dumm gewesen wären. Es war mehr eine Art von Wirtschaftskrieg. Ausländische Mächte kauften riesige Ländereien vom angeblichen Besitzer, vertrieben die tatsächlichen Besitzer und bauten eine einzige Sorte auf wahnwitzigen Flächen an. Natürlich spezialisierten sich die Motten darauf, bis kein Gegenmittel mehr half. Die Böden laugten aus, bis nichts mehr darauf wuchs. Ist das nicht eine hinterlistige Art, ein feindliches Land zu zerstören?
Nordamerika hingegen ging es wie unseren Vorfahren: Sie hatten verpennt, sich auf markante Wetterlagen vorzubereiten. Aufs Wasser auszuweichen, wie die Holländer in unserem Norden, war dort noch weniger appetitlich, mit den aufgebrochenen Sondermüllhalden und so weiter.
Ansonsten muss es Neuseeland noch geben, die kleine Inselgruppe neben dem Wüstenkontinent. Von dort liest man in letzter Zeit immer mehr. Sie sind an unser Internet angeschlossen, auch wenn jeder Brief mehrere Stunden unterwegs ist. Irgendwann muss ich echt mal an den Funkstrecken entlang fahren. Eine Weltreise, einmal im Leben.

Kaum sind meine Gedanken einmal um die Welt, klopft auch schon Kalwe an die Tür. „Vom Nordhang sieht man sie schon“, ruft sie aufgeregt, „unten im Tal, mit quietschbunten Drachensegeln.
Kalwe konstruiert bei uns die Gebäude. Morgens arbeiten wir zusammen in den Gewächshäusern; nachmittags kümmere ich mich dann um den Elektrokram, während sie an der nächsten Version des Dorfs feilt.
„Bin ja schon fertig!“ Damit öffne ich die Tür, fünf Minuten später geht es los.
Alle Vertreter von Leineberg sammeln sich am Ortsausgang. Opa Phil, der Dorfälteste, hievt ein paar Fässer Mate-Eistee auf einen Anhänger, der von Mick und Reika gezogen wird.
„Da seid ihr ja endlich“, ruft er uns über die Schulter zu.
„Hetz mich nicht, Papa!“ Betont langsam steigt Kalwe in ihr Liegerad.
Kurz darauf rollen alle bergab, um die Gäste am Fuß des Benther Berges mit Tee zu empfangen. Der Kiesweg führt ein Stück durch den Wald, durch Obstwiesen auf denen Wollschafe grasen, und mündet nach einem Schwenk Richtung Norden in die Hauptstraße. Hier stellen wir den Anhänger ab und winken den Berlinern entgegen. Ihre bunten Segelräder kommen keine drei Minuten nach uns an der Wiese an.

Aus einem knallroten Liegetandem steigen Milo und Moli, kurz Mi und Mo, von der Hamburger Hausboot-Siedlung. Der fröhliche Fahrer eines blauen Rades stellt sich als Ral aus Berlin vor. Die nächsten zehn Namen kann ich mir nicht merken. Als wir alle mit lauwarmem Eistee im Gras liegen, erklärt Ral noch mal die Ideen, die wir alle schon aus dem Funknetz-Forum kennen. Dafür breitet er einen Stadtplan von Hannover aus, den wir an den Ecken festhalten müssen, damit der Wind ihn nicht davon weht.
„Hier habt ihr das Ihmezentrum“, zeigt er nahe der Innenstadt, „eine traumhaft stabile und geräumige Betonfestung. Bis zum alten Hauptbahnhof sind es zwei Kilometer.“
Mit einem Buntstift malt er auf den Straßen herum, in denen ich als Kind spielte, bevor die Stadtentwässerung den Dienst versagte und Mama mit uns auf den sauberen Berg zog.
„Zieht man diese Linie drei Kilometer nach Süden, dann überstreicht sie ein Rechteck, das den kompletten Maschsee enthält.“

[Bild: HannoverHack.jpg]

Ja, und Teile der Maschwiesen. Dünn bebautes Land, um das herum unendlich viel Baumaterial auf seine zweite Chance wartet. Ich habs doch gelesen. Der Maschsee soll das Wasserreservoir ihrer Vertikalstadt werden. Die Häuser an der Hildesheimer Straße werden zu einer östlichen Außenwand verbunden, der Südschnellweg dient als Träger für die südliche Stadtmauer. Die Nordwand, aus den Häuserfronten der Goethestraße, soll ans Ihmezentrum grenzen. Von dessen anderem Ende aus wollen sie die westliche Außenwand auf der grünen Wiese bauen.

„Und die maroden Altbauten wollt ihr einfach so einbauen?“, wirft Kalwe ungläubig ein.
„Sonst wird die erste Baustufe nicht in absehbarer Zeit fertig“, fasst Ral mit unverwüstlicher Fröhlichkeit die längst ausdiskutierten Argumente zusammen. „Es muss ja nicht ewig halten. Nur bis die nächste Generation Stufe zwei fertig hat.“
„Das wird der Ring um die ganze Stadt?“
„In Stufe drei, vielleicht. Version zwei wird der Würfel mit fünf Kilometern Kantenlänge. Mit neuen, langlebigen Außenwänden.“
Na fein, denke ich mir, davon erleben wir vielleicht noch den Baubeginn … ja, es wäre cool, den Baubeginn des Würfels mit anzusehen.
Heute sind sie hier, um die Bausubstanz zu prüfen. Welche Häuser als tragende Wände taugen, wie viele abgerissen werden müssen. Nebenbei wollen Mi und Mo die Wasserwege untersuchen. Die Leinewehre, sagen sie, sähen auf der Karte wie optimale Montagerahmen für Filteranlagen aus. Bis der geschlossene Stoffkreislauf rund läuft, wollen sie den Fluss anzapfen.

Das klingt größenwahnsinnig. Endlich radeln wir weiter, auf der huckeligen Krümelstraße zwischen Empelde und Davenstedt durch, bis wir unter einer Eisenbahnbrücke auf die Straßenbahnschienen treffen. Hier lassen wir die Segelräder stehen und führen den Gästen unseren Schienenwagen vor. Er trägt die Räder einer echten alten U-Bahn, darüber eine Plexiglasplatte aus zerlegten Wartehäuschen. So war das Konstrukt am Anfang leicht genug, um es mit Pedalkraft anzutreiben. Mittlerweile haben wir die Stromleitungen an neue Windmühlen angeschlossen, unser Wagen fährt jetzt mit Elektromotoren. Auf der Bodenplatte stehen die Sitze des echten Waggons, vorne klebt spaßeshalber sein Frontschild: Hier fuhr einst die Linie 9.
Die Berliner kriechen begeistert um den Wagen herum, bestaunen die bestechend schlichte Konstruktion. Denn ihre eigenen Schienenwagen sind zwar bequemer, aber so kompliziert, dass ständig etwas daran kaputt geht. Und das im Dunkeln, denn sie haben sogar ein paar U-Bahnlinien auf diese Art in Betrieb genommen.
Nachdem sie endlich in die Sitze geklettert sind, rollt die neue Linie 9 unter Lachen und Gröhlen an. Kaum hat sich die Meute etwas beruhigt, nutzt ein Mann in meinem Alter, der sich Mix nennt, die Fahrtzeit, um von seiner Reise nach Amsterdam zu erzählen. In den Niederlanden ist die Infrastruktur viel besser erhalten, dort gibt es noch richtig bewohnte Stadtviertel. Denn dieses Land hatte erst begonnen sich aufzulösen, als es geografisch von der Zivilisation abgeschnitten war. Die Bevölkerung hatte genug Zeit, uns beim Überleben zuzuschauen und unsere Live Hacks zu kopieren.
Mix schaut in die Runde, holt sich das wortlose Okay seiner Leute, bevor er mit dem Plan herausplatzt.
„Sie sind mit im Boot!“
„Das sind Holländer immer.“
„Ich meine, sie machen mit! Wir bauen einen Nordo-Würfel, der dann alle Siedlungen in Nordwesteuropa ersetzt.“
„Warum Nordo?“
„Eine Kreuzung aus Nord und Euro.“
„Müsste dann aber Neuro heißen.“
„Oder Noro.“
„Nordbau. Punkt. Jedenfalls wäre er an der Küste schwer zu verankern. Darum wollen wir ihn tiefer im Festland platzieren. Wir dachten an Berlin, so aus Tradition, aber dort passt nirgendwo alles zusammen. Entweder sind die Häuser höher als eine geplante Nordbau-Etage, oder es fließt kein Wasser in der Nähe, oder es gibt kein stabiles Hauptquartier das man gleichzeitig bewohnen und mit einbauen kann.“

Jede Etage des vertikalen Staats, soviel ging aus den Zeichnungen hervor, soll ungefähr 10 Meter hoch werden. Da die meisten Häuser in Hannovers Innenstadt ohnehin nicht viel höher sind, soll der Sand, der beim Abtragen der obersten Stockwerke anfällt, genau zum Gießen der ersten Zwischendecke reichen. Diese ist dann eine freie Plattform für alles was eine Nation so braucht.

Als der einzige gut erhaltene Gebäudekomplex in Sichtweite kommt, bremst der Schienenwagen etwas unsanft ab. Auf der Brücke über die Ihme kommen wir zum Stehen. Das Zentrum, vor vierzig Jahren erst grundsaniert und für die Ewigkeit herausgeputzt, strahlt hellgrau gegen den maroden Stadtteil an.
Kalwe stupst mir den Ellenbogen in die Rippen. „Die Bremsen-Steuerung hast du aber billig programmiert.“
Die Gäste klettern währenddessen auf den Boden. Offenbar erwarten sie, dass Opa Phil sie ins Zentrum führt. Nun, das dachte ich auch. Darum bemerke ich peinlich spät, dass er mich nach vorne winkt. Irgendwas muss er auch gesagt haben, denn Ral schaut mich verwundert an.
„Du hast hier gewohnt? Aber ...“
„... als Kleinkind!“, erkläre ich schnell. „Als wir nach Leineberg zogen, war ich fünf oder so. Vorher lebte ich … da oben, dreizehnter Stock, siebentes Fenster von links.

Ich führe die Gruppe über die Uferpromenade zu einer Brücke, die vor der alten Kulturpassage endet. Unter uns schäumt der stinkende Schlamm der Ihme, so dass ich mir eine Frage nicht verkneifen kann.
„Sag mal, Ral, dieselbe Brühe fließt auch in Leine und Maschsee. Wie wollt ihr so ein Wasser nutzbar machen?.
„Frag das die Münchner“, zwinkert er mir zu, „die versichern uns seit Wochen, dass sie Flusswasser nutzen würden. Sie bauen ihren Vertikalstaat in eine Felswand, zusammen mit den Salzburgern, und von ihrem Klärsystem haben sie uns eine Kopie fest zugesagt.
„Wasser, in Bayern?“ Ich muss kurz überlegen. War da nicht was? „War da nicht dieser Unfall, der die komplette Isar mit allen Nebenflüssen vergiftet hat?.
„Ja, eben. Seitdem haben sich die Biohacker dort voll auf Klärtechnologie eingeschossen. Du wirst nirgendwo fähigere Dekontaminationsexperten finden.“

Die Brücke bringt uns vor die Eingänge der ersten Wohntürme, einst Vorzeige-Wolkenkratzer mit unverbaubarer Aussicht. „Hier war mal das größte Bürgergarten-Projekt“, erkläre ich im Vorbeigehen, „die Familien aus den Hochhäusern haben alles in Handarbeit begrünt. Dadurch sollten sie lernen, wo das Essen herkommt.“
Es ist eines der wenigen Details, an die ich mich noch glasklar erinnere. Meine Kindergartengruppe ging bei jedem Wetter hinaus, wir hielten Bienen auf dem Dach und säten Möhren zwischen die Blumen in den vielen Zierbeeten.
„Und hier die Kulturpassage. Zu Urgroßmutters Zeiten soll es eine Einkaufsmeile gewesen sein. In Hannovers schönsten Jahren verteilte die Verwaltung dann die Ladenlokale an Vereine. Jeder, der etwas zur Stadtteilkultur beitragen wollte, bekam hier einen Raum. Das war kurz nach der Sanierung, zu der Zeit zogen auch meine Eltern hier ein.“

Obwohl ein Schmutzfilm den Ihmeplatz und die Fassaden ringsherum überzieht, ist kaum etwas wirklich verwittert. Die Offene Werkstatt ist ausgeräumt, natürlich hatten wir sie zusammen mit dem Makerspace des LeineLab in die Bergsiedlung mitgenommen. Bücherei und Theaterbühne hingegen sehen aus wie versiegelt, eine Zeitkapsel. Umso hässlicher wirkt der offene Schacht neben dem Wasserspielplatz, seit seine Pumpen und Rohre sich in unseren Vertical Farms wichtigeren Aufgaben widmen.
Mix und Ral wischen an der Glastür des Bürgerbüros herum. „Lasst uns hier mal reingehen“, schlägt einer von ihnen vor.
Meine Erinnerung an die letzte Sammeltour kennt eine Tür im ersten Stock, die bereits geknackt wurde, bevor das Schloss verrosten konnte. „Am besten nehmen wir die Wendeltreppe da drüben“, schlage ich vor. „Vom Laubengang kommen wir in die Amtsstube, ohne noch mehr kaputt zu machen.

Plötzlich steht Kalwes Vater hinter mir, unser Dorfältester. Er wühlt nach etwas unter seiner Jacke und sieht überhaupt nicht einverstanden aus.
„Wenn jemand hier eine Home Base eröffnet“, wirft er aufgeregt ein, „dann da wo sie hingehört!“
Beim letzten Wort fährt die Hand aus der Innentasche seiner Unterjacke, daran hängt eine dünne Silberkette mit einem Schlüssel. Durch bühnenreifen Zufall kommt im gleichen Moment die Sonne hervor. Die feine Lasergravur auf dem Schlüsselanhänger leuchtet mir entgegen: „LeineLab e.V. – Hackerspace Hannover“.
Ohne Worte marschieren wir hinter Opa Phil her, einmal quer über den Platz, vor die Glastür hinter der früher Makerspace und Nerd-Lounge lebten. Erst als der Raum sich mit einem Quietschen öffnet, finde ich meine Sprache wieder.
„Du hast ihn dreißig Jahre lang aufgehoben?“
„Selbstverständlich“, sagt er nur und klemmt einen Holzklotz unter die Tür.

Frische Luft wirbelt alten Staub auf, als die Träumer aus Berlin und Hamburg sich in den kahlen Räumen des LeineLab versammeln. Nach einer kurzen Lagebesprechung schwärmen sie aus: Jeweils zwei begehen einen Abschnitt, untersuchen Statik und Bausubstanz.
Ich begleite Mix auf den höchsten Wohnturm. Es ist wie eine Reise in die Kindheit: Auf Stockwerk neun die Salatkästen in den Laubengangmauern pflegen, auf dem Dach nach den Bienenkörben seh... nein, eine UKW-Funkverbindung nach Leineberg, Braunschweig und Hildesheim ausprobieren. Tatsächlich ist dies der höchste Punkt weit und breit. Wir erreichen alle umliegenden Siedlungen mit der Kraft einer mitgebrachten Faltwindturbine.
„Es ist einfach nur geil“, murmelt Mix in die sonnige Aussicht. „Dieser Turm taugt als Grundpfeiler für zwei Etagen des Vertikalstaats.“ Dann dreht er sich zu mir. „Und alle am Bau beteiligten können hier wohnen. Sogar die Vereinsmeile lässt sich wiederbeleben.
Während ich die Funkstation wieder einpacke, fällt mir ein, warum wir überhaupt fort mussten.
„Na ja, wenn die Freunde aus München das mit den Filtern hinbekommen.“
„Das Wasserproblem ist so gut wie geklärt“, nickt er mir selbstsicher zu, „dazu Luftfilter, Kraftwerke und Ausstattung für eine Aquaponik – schon nächstes Jahr können wir uns alle hier versorgen.“
„Und dann kommen die Baumaschinen?“
„Aus Amsterdam, ja. Benzin könnt ihr doch herstellen, oder?“
„Klar doch“, antworte ich, „aus Plastikmüll. Das kannste überall synthetisieren.“

Auf dem Rückweg durch die sogenannte Tiefgarage – ich habe sie nur als Pilzzuchtkeller kennengelernt – drehen sich meine Gedanken so schnell, dass mir gar nicht auffällt, dass ich seit fünfzehn Etagen nichts mehr gesagt habe. Mix läuft orientierungslos neben mir her.
„Nachher fahren wir erstmal ans Leinewehr. Wo geht es zurück zum Club?“
Ich führe ihn zum LeineLab und überlege dabei, wie viele Menschen hier bald leben werden. Zuerst alle am Bau beteiligten, klar. Und wenn der autarke Kasten fertig ist, mit Wohnetagen von je sechs Quadratkilometern?
Mix scheint meine Gedanken zu lesen, doch er sagt jetzt nichts. Auch nicht, als wir den Rest des Tages auf der Straße verbringen, den Umriss der ersten Baustufe ablaufen. Insgeheim leuchtet uns beiden ein: Wenn das Ding fertig ist, werden alle hinein passen, die zwischen Berlin und Amsterdam überlebt haben.

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In diesem Sinne: All Creatures Welcome! ... und jetzt ducke ich mich beim Wegrennen, bevor der Hagelsturm von technischen Korrekturen mich erschlägt. Mal sehen, wann ich mich in Hannover wieder auf die Straße trauen kann. Mrgreen


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Beitrag #2 |

RE: Der Hannover-Hack
Hallo Coco.

Wie bereits unterschwellig angedroht, hier meine Gedanken zum (vorerst) letzten Stück Deines Universums. Leider sind die kleinen Fehlerchen tatsächlich haften geblieben.

Zitat:So beim Mitlaufen im Dorfleben, wenn man bei jedem Nachbarn aushilft, bis man absolut alles gemacht und begriffen hat.
Ich finde, sprachlich ist es stimmig, aber irgendwie fehlt mir hier trotzdem ein 'wie', also 'So wie beim'.

Zitat:als gäbe überhaupt kein Afrika.
... als gäbe es überhaupt kein Afrika.

Zitat:Ansonsten gibts auf der Weltkarte noch einen langen Kontinent der sich Amerika nennt.
Komma nach Kontinent.

Zitat:und mündet nach einen Schwenk nach Norden in die Hauptstraße.
Anstelle des zweiten 'nach' würde ich zu 'Richtung' tendieren, also so:
... und mündete nach einem Schwenk Richtung Norden in die Hauptstraße.

Zitat:„Und die maroden Altbauten wollt ihr einfach so einbauen?“, wirft Kalwe ungläubig ein.
Erinnert ein bischen an Coruscant. Da spielte sich das eigentliche (höherwertige) Leben auch über den Wolken ab. Und unten befanden sich die alten Städte, auf denen die Planetenstadt derzeit thronte.

Zitat:Es ist wie eine Reise in die Kindheit: auf Stockwerk neun die Salatkästen in den Laubengangmauern pflegen, auf dem Dach nach ...
Lanna meinte mal, wenn nach einem Doppelpunkt mehr als nur ein Gedanke kommt, also ein Satz(gebilde), dann muss groß weiter geschrieben werden. In dem Fall also so:
... die Kindheit: Auf Stockwerk neun ...

Zitat:„Na ja, wenn die Freunde aus München das mit den Filtern hinbekommen.
Fehlende Anführungsstriche achtern. Icon_wink

Zitat:„Aus Amsterdam, ja. Benzin könnt ist doch herstellen, oder?“
Ich nehme an, ist=ihr?

Zur Geschichte an sich:
Man merkt hier sehr deutlich, was für Gedanken Du Dir gemacht hast. Auch - und gerade - in Anbetracht des verlinkten Videos wird deutlich, dass das nicht unbedingt einer Laune heraus entspringt, sondern durchaus sein eigenes Fundament hat. Sprich: Es könnte sein, dass es technisch möglich wäre, sowas in diesen Maßen und Dimensionen auch zu bauen. Genügend Menschen, die sich damit auskennen und den Geist dessen atmen, scheint es ja zur Genüge zu geben. Okay, dadurch wird Deine Welt ein bisschen fester in der Vorstellungskraft.

Was mir hier bei der Ich-Geschichte auffällt, ist nicht nur die Unbekümmertheit, sondern der Optimismus, mit dem sowohl die Berliner, als auch die Hamburger an die Sache herangehen. Die Hannoveraner verlierst Du nach der Ankunft der Besucher leicht aus den Augen und meiner Meinung nach dürfte es Kalwe wahrscheinlich nicht gefallen, nicht länger der Baumeister zu sein.

Das hier liest sich flüssig und rund weg. Verständigungsschwierigkeiten hatte ich keine und das Szenario, was dazu geführt hat, finde ich nicht abwegig. Es muss nicht unbedingt der große Roland-Emmerich-Effekt eintreten, es geht auch kleiner und zähflüssiger, bis aus einer schönen Welt eine Müllhalde entsteht.

In diesem Sinne, gerne gelesen.

LGD.


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Beitrag #3 |

RE: Der Hannover-Hack
Hallo Dread,

danke für Deine Aufmerksamkeit! Die Tippfehler habe ich natürlich sofort ausgebügelt.

Übrigens gibt es auch einen Film-Trailer speziell über das Projekt Ihmezentrum:
https://experimentihmezentrum.wordpress.com/der-film/
Der Bau ist jetzt schon quasi unzerstörbar. Und diverse Initiativen sowie die Stadtverwaltung kämpfen darum, ihn wieder schick machen zu dürfen.

(19-10-2016, 22:51)Dreadnoughts schrieb: Was mir hier bei der Ich-Geschichte auffällt, ist nicht nur die Unbekümmertheit, sondern der Optimismus, mit dem sowohl die Berliner, als auch die Hamburger an die Sache herangehen.

Sozusagen der Nachhall des Chaos Communication Camp 2015, dicht gefolgt vom Congress 32C3. Mrgreen
Auf solchen "Technikkultur-Festivals" herrscht ein ähnlich lässiger Optimismus. Man packt jede noch so größenwahnsinnige Idee einfach an, weil man genau weiß, dass genug Freiwillige spontan mitarbeiten werden.
Sollte von diesem Geist irgendwas die Apokalypse überleben, dann werden bei einem so lebenswichtigen Projekt wie diesem erst Recht alle springen.

(19-10-2016, 22:51)Dreadnoughts schrieb: Die Hannoveraner verlierst Du nach der Ankunft der Besucher leicht aus den Augen

Okay, ja, ich hab mich dann sehr auf den seltenen Besuch konzentriert. Die wenigen Hannoveraner sehen sich ja jeden Tag, die Gäste hingegen sind was ganz Aufregendes.

(19-10-2016, 22:51)Dreadnoughts schrieb: In diesem Sinne, gerne gelesen.

Danke! Von Dir höre ich das doppelt gerne. Icon_smile
Auch die im Text angedeuteten, eindeutig erkennbaren realen Personen haben mir nichts Konkretes übel genommen. (Also, "Opa Phil", heute 15-jähriger "Jugent hackt"-Mentor, hats noch nicht gelesen...)

Viele Grüße
coco


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Beitrag #4 |

RE: Der Hannover-Hack
Hallo Coco,

1. Dein Text ist arg lang. Ich denke, in zwei Teile hättest du ihn ruhig aufteilen können,d as hätte das Lesen erleichtert.  [Bild: icon_read.gif] 

2. Warum hast du die Karte eingefügt?  [Bild: icon_confused.gif] 

Mir ist es beim Lesen kalt den Rücken runtergelaufen. Wirkt auf mich echt dystopisch. Die Stimmung hast du gut eingefangen und ich habe die ganze Zeit versucht, dich zu erwischen und doch einen Hinweis auf das Geschlecht oder des Alters des ICH-Erzählers zu bekommen. Aber keine Chance.  [Bild: mrgreen.gif] Es könnte jedermann sein und auf mich wirkt die Erzählung wie ein Tagebucheintrag. 

Das ist die Coco, wie ich  sie kenne  [Bild: icon_smile.gif] [Bild: icon_smile.gif] [Bild: icon_smile.gif]. Flüssig und spannend geschrieben. Was mich besonders gefreut hat, war, dass du auf die kleinen Dinge eingingst und nicht gleich das große Drama geschrieben hast, sodass man sich in den Ich-Erzähler sehr gut versetzen konnte.

Zitat:Weil wir Rotoren und Turbinen natürlich selbst bauen können. Nur Halbleiter sind ein echtes Problem, seit die Chinesen nicht mehr liefern. 
Das Weil stört mich ein wenig. Bitte durch wobei ersetzen, dann liest es sich gleich viel besser.


Zitat:Pflichtbewusst beginne ich, meinen Arbeitsplatz von gestern aufzuräumen. Denn heute Abend soll es ordentlich aussehen und ich habe nicht viel Zeit; nachher darf ich die Gäste durchs alte Hannover begleiten.
Garantiert weiblich. Männer lassen immer alles liegen  Icon_ugly 

Du hast ein politisches Statement gesetzt und dich wirklich mit der aktuellen Lage auseinandergesetzt. Finde ich klasse und es hat Spaß, zu lesen. 

Liebe Grüße Persephone

Den Stil verbessern, das heißt den Gedanken verbessern

(Friedrich Nitzsche)



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Beitrag #5 |

RE: Der Hannover-Hack
Hallo Persephone,

danke fürs Durchkämpfen! Icon_smile

(15-04-2017, 08:22)Persephone schrieb: 1. Dein Text ist arg lang. Ich denke, in zwei Teile hättest du ihn ruhig aufteilen können,d as hätte das Lesen erleichtert.

Sorry ... das hatte den Hintergrund, dass ich ein einzigen Link an die Leinelab-Leute schicken wollte. Eine zweite Seite hätte da bestimmt niemand geöffnet.

(15-04-2017, 08:22)Persephone schrieb: 2. Warum hast du die Karte eingefügt?

Für Leute die sich in Hannover nicht auskennen. Denn alle Orte, Straßen und Schienen gibt es schon heute. Ich hatte beim Schreiben "Open Street Map" offen und mich exakt an die echten Wege gehalten.
Ein Hannoveraner könnte sich sich Größenverhältnisse im Kopf vorstellen. Damit auch Ortsfremde halbwegs mitkommen, habe ich zur Sicherheit eben die Karte eingefügt.

Eigentlich sollte noch eine zweite Karte rein, und zwar mit der Einfahrtschneise vom Benther Berg nach Empelde und der "Linie 9" vom Endpunkt bis zum Ihmezentrum. Der Ausschnitt wäre aber entweder zu groß oder unleserlich geworden.

(15-04-2017, 08:22)Persephone schrieb: Das Weil stört mich ein wenig. Bitte durch wobei ersetzen, dann liest es sich gleich viel besser.

Der Text wäre damit wirklich flüssiger. Andererseits wäre dann m.E. der Sinn entstellt. Denn Windkraft wird es noch geben, weil sie Turbinen selbst herstellen können. Das ist kein Einwand (wobei), sondern eine Begründung (weil).
Ja ja, ich nehme Sprache zu genau. Vielleicht spreche ich deswegen so wenig. Icon_wink

Zitat:Garantiert weiblich. Männer lassen immer alles liegen  Icon_ugly 

Hätten Frauen nicht gestern aufgeräumt, statt erst am nächsten Tag, wenn alles nassgeregnet ist? Icon_wink
Aber zugegeben, ich hatte insgeheim eine Frau anfang 30 im Kopf. Irgendwie muss man sich die Geschichte ja vorstellen beim Schreiben. Habe mir die Details teils krampfhaft verkniffen.

Danke für das Lob und deine Zeit!
coco


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