Es ist: 13-11-2019, 00:42
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Nyctophilia - 1. Kapitel
Beitrag #1 |

Nyctophilia - 1. Kapitel
So, hier noch mal die verbesserte und entpathetisierte Form. Ich denke, so ist es besser. Dank dir noch mal, Meluse, denn durch deine tolle Kritik hast du mir die Augen für ein Problem, dass ich die ganze Zeit in dieser Geschichte hatte, geöffnet.
Nach verzweifelter Suche. Endlich den passenden Titel

Gruß Persephone


1. Kapitel

Die Musik wummerte und ließ selbst die schweren Boxen im Takt zittern. Der Barkeeper hielt sich eine Hand ans rechte Ohr. „Was möchtest du?“, schrie er gegen die Musik und Stimmen der Gäste in der vollbesetzten Bar an.
Lydia beugte sich weit vor und lag schon mit dem Bauch auf der langen Theke. „Zwei“, sie hielt zwei Finger hoch, „Caipirinha, bitte“, brüllte sie zurück.
Das „Bites“ war bis auf den letzten Mann besetzt.

Der Barkeeper nickte und hob einen Daumen hoch zum Zeichen das verstanden hatte.
Sie zwinkerte ihm zu, das konnte er im dämmrigen Licht natürlich nicht sehen und rutschte wieder von der Theke, ihre Füße schwebten einen Moment über dem Boden, sie verlagerte das Gewicht auf die Fersen und knickte auf den ungewohnt hohen Absätzen um.
Ehe sie Bekanntschaft mit dem harten Boden machen konnte, wurde sie aufgefangen.
Leise schimpfend rang sie um ihr Gleichgewicht, mit diesen himmelhohen Pumps würde sie sich noch den Hals brechen.
„Pass doch auf“, hörte sie da eine angenehm männliche Stimme. Lydia wandte den Kopf und augenblicklich schlug ihr Herz ein paar Takte schneller. Selbst im schummerigen Licht der Bar leuchteten die Augen ihres Retters blau.
„D..danke“, stotterte sie, obwohl sonst nicht um eine schlagfertige Antwort verlegen. Der Unbekannte hielt sie am Ellbogen.
Er nickte ihr knapp zu. Seine Mundwinkel zogen sich kurz nach oben, ein kurzer Anschein eines erzwungenen Lächelns.
Krampfhaft versuchte sie, die passenden Worte zu finden.
„Die Caipirinhas“,  unterbrach der Barkeeper ihr Stammeln und stellte die Cocktails auf die Theke.
„Schönen Abend noch.“ Der große Unbekannte verschwand in der Menge.
 Lydia starrte ihm einen Augenblick nach. Ihr Herz klopfte immer noch wie wild.
„Das macht elf Euro“, riss sie die Stimme des Barkeepers aus ihren Gedanken.
„Oh ja, natürlich“, beeilte sich Lydia zu sagen und legte das geforderte Geld auf die Theke. Die Gunst der Happy Hour Stunde musste ausgenutzt werden.  
Mit den beiden bis zum Rand gefüllten Gläsern in Händen bahnte sie sich einen Weg durch die Menge.
„Na endlich. Ich verdurste ja schon fast“, kicherte ihre Freundin Delphine als Lydia es endlich an den kleinen Tisch der beiden geschafft hatte.
„Auf uns“, sie hob das gut gefüllte Glas. Lydias Blick verlor sich in Mitten der anderen Gäste.
„Lydia. Hallo“, Delphine schnippte vor dem Gesicht ihrer Freundin. „Hast du einen Geist gesehen?“
Sie lachte auf. Lydia zwang sich ihrer Freundin die volle Aufmerksamkeit zu schenken. Schließlich war dies der erste gemeinsame Weiberabend seit langer Zeit.
„Entschuldige bitte“, murmelte sie und nippte an ihrem Caipirinha.
Im „Bites“ gab es die besten Cocktails der Welt.
„So jetzt erzähl mal von dem Abend mit Nik“, Delphine stellte ihr Glas vor sich auf den Tisch. Ihre grünen Augen funkelten.
Heimlich zog Lydia die schmerzenden Füße aus den unbequemen Pumps und bewegte dankbar die Zehen.
Sie rührte in ihrem Cocktail. „Och, da gibt es nicht viel zu erzählen. Wir waren essen und im Kino und mehr war da nicht.“ Sie zuckte mit den Achseln. „Er ist ja ganz in Ordnung, aber nur als Freund.“
Sie seufzte leise. Delphine hatte es sich in den Kopf gesetzt, ihre beiden besten Freunde miteinander zu verkuppeln, ob die beiden sich zueinander hingezogen fühlten, ließ sie dabei außer Acht.
Delphine musterte ihre Freundin einen Moment mit einem stillen Grinsen. „Es gibt jemanden, der dir gefällt?“ Sie stellte die Frage leichthin.
Lydia presste die Limette in ihrem Cocktail aus und verrührte konzentriert das zerstoßene Eis mit dem Rohrzucker.
Lydia zog eine Grimasse. Selbst wenn sie privat ausgingen, konnte Delphine es einfach nicht lassen, die Psychologin heraushängen zu lassen. Im Laufe der vielen Jahre ihrer Freundschaft hatte Lydia sich daran gewöhnt, doch diesmal blieb sie die Antwort schuldig. Auch wenn es nur ein kurzer Augenblick gewesen war, so hatte die Begegnung mit diesem Mann eine Spur bei ihr hinterlassen.
„Sag mal, hast du es Alex eigentlich schon gesagt?“, wechselte sie schnell das Thema.
Jetzt verzog Delphine das Gesicht und die Limettenscheibe zwischen ihren Lippen war dafür nicht der Grund.
„Ich finde, er hat ein Recht darauf“, fügte Lydia mit ernstem Gesicht hinzu. Sie schaute auf den Diamanten, der an Delphines rechter Hand funkelte. Vor einer Woche hatte Alexander Berg, Chefarzt der Neurologie in der neuen hochmodernen Mondscheinklinik in Saarbrücken und seit etwas mehr als einem Jahr Delphines große Liebe um ihre Hand angehalten.
Ganz romantisch bei einem Picknick im Mondschein und Kerzenlicht. „Wie in einem Rosa-Munde-Pilcher Roman“, hatte Nik später noch zynisch gespottet.
Delphine ließ sich davon nicht beirren. Überglücklich hauchte sie „ja“ und seitdem funkelte der Diamant an ihrer Hand.
Unbewusst drehte sie den Ring als sie antwortete. „Ich weiß nicht wie“, bekannte sie kleinlaut. „Soll ich etwa sagen: Hör mal zu, Alex. Eigentlich bin ich eine Werwölfin. Ich muss mich auch nicht zwangsläufig bei Vollmond verwandeln, weil, ich bin ja nicht verflucht worden, sondern lediglich damit geboren.“
Sie tippte sich mit dem Zeigefinger an die Stirn. „Der sperrt mich doch auf meiner eigenen Station ein.“
Lydia biss in ihr Limettenscheibchen und verzog augenblicklich das Gesicht. „Ich weiß, das wird schwierig. Für euch beide, aber wenn er mit dir sein Leben verbringen will, dann muss er eben einfach akzeptieren, dass es zwischen Himmel und Erde noch mehr gibt.“
„Naja und das mit Nik…“, begann Delphine langsam und fühlte sich sichtlich unbehaglicher:
Lydia machte eine wegwischende Handbewegung. „Diesbezüglich würde ich nur das Nötigste sagen. Ihr seid ja gute Freunde, damit ist dem Pakt doch Genüge getan.“
Aus einem Impuls heraus umarmte Delphine ihre Freundin. „Danke, du bist die allerbeste Freundin der Welt“, stieß sie ehrlich hervor. Sie grinste. „Jetzt warst du Gesprächstherapeutin für mich.“
„Ich bleibe bei der Veterinärmedizin“, entgegnete Lydia und trank in einem Zug ihr Glas leer. Der Unbekannte spukte ihr immer noch im Kopf herum. Seine stahlblauen Augen verfolgten sie geradezu.
 

Nyctophilia 2. Kapitel


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Beitrag #2 |

RE: Moonshine - 1. Kapitel
Hallo Siri,
 
dann will ich also mal nach Kapitel 1 schauen.  Icon_smile
 
Zitat:Die Musik wummerte und ließ selbst die schweren Boxen im Takt zittern. Der Barkeeper hielt sich eine Hand ans rechte Ohr. „Was möchtest du?“, schrie er gegen die Musik und Stimmen der Gäste in der vollbesetzten Bar an.
 
Ja erster Satz und so. Aber ich würde den Einstieg ein wenig griffiger finden, wenn du schlicht mit dem „Was möchtest du?“ beginnst. Dann hättest du auch nicht so doppelt erwähnt, dass die Musik laut ist. Denn in dem er dagegen anschreien muss, ist ja logisch, dass es laut ist.
 
Zitat:„Aber“, dämpfte sie sofort Delphines Jubeln.“ Er hat mich nur aufgefangen und dann ist er in der Menge verschwunden.“
 
Hier stimmt was mit der Zeichensetzung nicht. Vorschlag: „Aber“, dämpfte sie sofort Delphines Jubeln, „er hat mich nur aufgefangen und dann ist er in der Menge verschwunden.“
Würde ich so machen, weil sie das ja in einem durch sagt und sich nach dem „aber“ ja nicht unterbricht und du das nur eingeschoben hast.
 
Zitat:Ein melancholischer Ausdruck trat in ihre ungewöhnlichen goldbraune Augen.
 
goldbraunen
 
Zitat:Sie schaute auf den Diamanten, der an Delphines rechter Hand funkelte. Vor einer Woche hatte Alexander Berg, seines Zeichens Chefarzt der Neurologie in der neuen hochmodernen Mondscheinklinik in Saarbrücken und seit etwas mehr als ein Jahr Delphines große Liebe um ihre Hand angehalten. Ganz romantisch bei einem Picknick im Mondschein und Kerzenlicht.

Ich finde die Infos zu diesem Alex nehmen hier etwas überhand. Muss man zum Beispiel unbedignt wissen wie die Klinik heißt und wie lange sie zusammen sind? Ich würds bissl zusammenkürzen, außerdem hast du hier den Mondschein ein wenig gedoppelt.
 
Zitat:„Soll ich etwa sagen: Hör mal zu, Alex. Ich bin eigentlich eine Werwölfin. I
 
Ui, interessante Wendung. Pro Was mir gerade einfällt: Ich kann das Alter der beiden Mädels gerade schwer einschätzen. Von ihrem Gespräch könnten sie noch Teenager sein, was aber nicht sein kann, wenn sie alt genug zum Cocktailtrinken und verloben sind. Das nur mal als Anmerkung, denn ist natürlich schwer im Text zu erwähnen und es ist eigentlich auch noch genug Zeit dafür in späteren Kapiteln.
 
Zitat:begann Delphine langsam und fühlte sich sichtlich unbehaglicher:
 
Hier ist dir ein Doppelpunkt hereingerutscht.

Und schon bin ich durch. Es ist angenehm locker zu lesen, ohne grobe Tippfehler oder schwierige Satzkonstruktionen. Sehr erfreulich. Icon_smile
Inhaltlich weiss ich noch nicht ganz, was ich davon halten soll. Anfangs kam ich mir vor, als ob ich mich in die Glitzer-Romantik-Ecke verirrt hätte. Es ist ja nicht unbedignt die Neuerfindung des Rades, dass ein Mädchen sich in ihren Retter verliebt (und sei es auch nur die Rettung vorm Umfallen) und sich dann mit ihrer Freundin trifft, um über Jungs zu reden. Icon_wink  Aber es ist ja eben nur der Anfang und Mädels machen das halt so. Mrgreen  

Du hast mich aber schon neugierig gemacht, in dem du hast durchblicken lassen, das Delphine (interessanter Name übrigens) eine Werwölfin ist. Das lässt vermuten, dass Lydia vielleicht auch ein Wesen ist.
Auch schön ist, dass du dir da anscheinend Gedanken um ihre Werwolf-Eigenschaften gemacht hast (wegen dem Verwandeln und so) und ihnen was eigenes mitgegeben hast.

Im Übrigen finde ich gut, dass bis jetzt noch keine Verbindung zum Prolog erkennbar ist, das erzeugt auch nochmal zusätzlich Spannung, weil man das ja irgendwann wissen möchte.

Ich bin gespannt, was du aus diesem Anfang machst, der ja bisher noch vor sich hinplätschert.

Liebe Grüße,
Lady

Wer nicht kann, was er will, muss das wollen, was er kann. Denn das zu wollen, was er nicht kann, wäre töricht. -Leonardo da Vinci-
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Beitrag #3 |

RE: Moonshine - 1. Kapitel
Hallo Lady,

Ich freue mich immer, einen Kommentar von dir unter meinen Geschichten zu lesen. Freundlich, aber bestimmt und bringen mich immeer weiter Icon_smile 


Zitat:Ja erster Satz und so. Aber ich würde den Einstieg ein wenig griffiger finden, wenn du schlicht mit dem „Was möchtest du?“ beginnst. Dann hättest du auch nicht so doppelt erwähnt, dass die Musik laut ist. Denn in dem er dagegen anschreien muss, ist ja logisch, dass es laut ist.
Du hast Recht, es ist logisch und genau deswegen musste ich es ja schreiben, man kann dem Leser ja nicht immer zumuten, sich alles aus den Fingern zu saugen Mrgreen

Zitat:Ich finde die Infos zu diesem Alex nehmen hier etwas überhand. Muss man zum Beispiel unbedignt wissen wie die Klinik heißt und wie lange sie zusammen sind? Ich würds bissl zusammenkürzen, außerdem hast du hier den Mondschein ein wenig gedoppelt.
Die Infos zu Alex sind schon wichtig,a ber vielleicht auch alles ein wenig verfrüht. Also ich werde mir Gedanken machen, wie ich es an dieser Stelle besser machen kann. Was Mondschein betrifft, so lass ich das, denn zum einen ist es der Name der Klinik und zum anderen hat er ihr im silbernen Mondlicht einen Antrag gemacht. Mondschein steht auch im Bezug zu dem, was Delphine ist.

Zitat:Ui, interessante Wendung. [Bild: icon_pro.gif] Was mir gerade einfällt: Ich kann das Alter der beiden Mädels gerade schwer einschätzen. Von ihrem Gespräch könnten sie noch Teenager sein, was aber nicht sein kann, wenn sie alt genug zum Cocktailtrinken und verloben sind. Das nur mal als Anmerkung, denn ist natürlich schwer im Text zu erwähnen und es ist eigentlich auch noch genug Zeit dafür in späteren Kapiteln.
Also, die Damen sind so Anfang dreißig. Dachte eigentlich, dass ich das nicht extra erwähnen muss, weil Delphine  die Psychiatrische Abteilung der hochmodernen Mondscheinklinik leitet und Lydia ihre eigene Tierarztpraxis hat und Mädchengespräche führt man doch mit der besten Freundin immer. Es macht halt Spaß, mal abends zusammen wegzugehen, Cocktails trinken und über Männer zu reden.

Zitat:Inhaltlich weiss ich noch nicht ganz, was ich davon halten soll. Anfangs kam ich mir vor, als ob ich mich in die Glitzer-Romantik-Ecke verirrt hätte. Es ist ja nicht unbedignt die Neuerfindung des Rades, dass ein Mädchen sich in ihren Retter verliebt (und sei es auch nur die Rettung vorm Umfallen) und sich dann mit ihrer Freundin trifft, um über Jungs zu reden. [Bild: icon_wink.gif]  Aber es ist ja eben nur der Anfang und Mädels machen das halt so. [Bild: mrgreen.gif] 


Glitzer Romantik Ecke finde ich klasse Mrgreen Mrgreen  solltest du dich dahin verirren, komm auf einen Kaffee vorbei. Ich weiß nicht, ob und welche Geschichten du schon von mir gelesen hast, aber Glitzer-Romantik (ich liebe dieses Wort) ist eine Eigenschaft meiner Geschichten. War sie schon immer und wird sie wohl auch bleiben. Ich hoffe, ich spoilere nicht, wenn ich sage, ich bin teilweise schon reifer geworden. Die ersten Kapitel dienen dazu, die Hauptpersonen vorzustellen, damit man die eigentlich Handlung ( wird noch spannend) besser versteht.
Lydia hat sich ja noch nicht verliebt, er gefällt ihr einfach nur. Da hat der Blitz eingeschlagen Icon_smile

Ich danke noch einmal schön, für deinen Kommentar und werde fleißig an einer spannenden Fortsetzung arbeiten, nachdem ich die Fehler verbessert habe.

Liebe Grüße Siri

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Beitrag #4 |

RE: Moonshine - 1. Kapitel
Hallo Persephone,

ich fange gleich an:

Zitat:Der Barkeeper nickte und hob einen Daumen hoch zum Zeichen das verstanden hatte.
"zum Zeichen, dass er verstanden hatte" meinst du oder?

Zitat: Im letzten Augenblick umfingen sie starke Arme.

Ich finde "umfingen" klingt so dramatisch Icon_panik  und dadurch irgendwie ironisch. Ich würde "fingen sie auf" bevorzugen. Ich weiß auch nicht, ob das "stark" hier notwendig ist. Ich weiß nicht, ob man die "Stärke" von Armen in so einem Moment wirklich einschätzen kann, außer die Hauptfigur ist selbst sehr schwer und kann nur von "starken Armen" aufgefangen werden. Es klingt ein wenig wie so eine Standardbeschreibung, die uns ein heißes Liebesinteresse einleiten soll. Vielleicht kannst du einfach sagen, dass sie "aufgefangen" wurde und es dabei belassen. Sonst musst du mit etwas Augenrollen seitens der Leser rechnen. Icon_lol

Zitat:„Nur langsam“, hörte sie da eine angenehm raue männliche Stimme
Das "da" ist hier überflüssig.

Zitat:Der Unbekannte Hielt sie am Ellbogen.
hielt klein

Zitat:„Das macht elf Euro“, riss sie die Stimme des Barkeepers aus ihren Gedanken
Uh, schön günstig. Ich hoffe sie sind gut... Icon_lol 

Zitat: Ihr unbekannter Retter war verschwunden.
Ich persönlich finde "unbekannter Retter" hier etwas übertrieben. Vor allem weil du das ja schon vorher so gesagt hast. Es ist so eine Klischeeformulierung ... finde ich zumindest. So viel hat er ja nicht gemacht, um diesen Titel zu verdienen.

Zitat:Sie nahm die beiden Gläser und bahnte sich vorsichtig, um nichts zu verschütten, einen Weg durch die gutbesuchte Bar.
Eigentlich kannst du "gutbesucht" auch weglassen hier. Wir wissen ja schon vorher, dass es voll ist und dadurch, dass du "bahnt sich einen Weg" sagst.

Zitat:Lydia zwang sich ihrer Freundin die volle Aufmerksamkeit zu schenken.
zwang sich, ihrer...

Zitat:Im „Bites“ gab es die besten Cocktails der Welt.
Also doch gut. hurra 

Zitat:Heimlich zog Lydia die schmerzenden Füße aus den unbequemen Pumps und bewegte dankbar die Zehen.
Die Arme... Ich hasse unbequeme Pumps. Smiley_frown 

Zitat:„Na komm sag schon“, quengelte Delphine.
"quengelte" macht Delphine so unsympathisch. Als wäre sie ein Kind oder so. Vielleicht willst du diesen Effekt erreichen, aber trotzdem... Ein anderes Wort wäre hier besser. "drängte" vielleicht... oder etwas in die Richtung.

Zitat:Ein melancholischer Ausdruck trat in ihre ungewöhnlichen goldbraune Augen.
Den Satz finde ich wieder zu dramatisch. Erstens stört mich der "melancholische Ausdruck". Vielleicht lieber "ein enttäuschter Ausdruck"? Das ist ja das, was sie gerade fühlt. Und mit den Augen hast du hier geschummelt, finde ich. Du hast ihre Augenfarbe im Satz untergejubelt, obwohl es für den Moment ja gar nicht nötig ist. Du kannst das ja auch später beschreiben. Wenn ich mir die Szene wie im Film durchgehen lasse, würde ich in der Dunkelheit der Bar eh keine Augenfarben erkennen können (außer natürlich die von dem Liebesinteresse, weil er ihr so nah ist). Und ich kann auch nicht genau ausmachen, wem die Augen gehören, Delphine oder Lydia. Mich persönlich stören solche "untergejubelten" Beschreibungen vom Äußeren immer Icon_lol . Ich mag es mehr, wenn man sich einfach einen kurzen Absatz nimmt und das Aussehen der Figur darin beschreibt, ohne es mit Gesichtsausdrücken oder (dem sehr beliebten) Haare Zurückwerfen zu verbinden. Aber da gehen die Meinungen ja ziemlich auseinander.


Zitat:„Bis dahin vergnüge ich mich mit den Falschen“, antwortete Lydia mit einer Grimasse und hob ihr Glas. Die beiden jungen Frauen prosteten sich zu.
Gute Einstellung. *prost* Icon_lol 
Junge Frauen? Wie alt sind sie denn? Das würde mich interessieren...

Zitat:die Limettenscheibe zwischen ihren Lippen war dafür nicht der Grund. 
"war nicht der Grund dafür" würde ich sagen.

Zitat:Vor einer Woche hatte Alexander Berg, seines Zeichens Chefarzt der Neurologie in der neuen hochmodernen Mondscheinklinik in Saarbrücken und seit etwas mehr als ein Jahr Delphines große Liebe um ihre Hand angehalten
"seines Zeichens"? Würde ich wegnehmen. Chefarzt der Neurologie reicht schon. Aber der Satz ist echt verwirrend und muss irgendwo aufgeteilt werden. Sag zuerst das mit der großen Liebe und erzähl dann im zweiten Satz vom Heiratsantrag. Persöööönlich finde ich es ein wenig zu viel, gleich zu sagen, dass er Chefarzt der Neurologie ist. Ich weiß nicht, ob nur ich das so empfinde, aber es klingt ein wenig so, als wäre Lydia (aus deren Perspektive wir das ja erzählt bekommen) einer dieser Menschen, die andere nur durch ihren Status definieren. Weißt du was ich meine? Und dann noch die Begeisterung über den großen Diamanten. Das klingt für mich so nach gold digger. Aber so sind die beiden ja sicherlich nicht.

Zitat:Hör mal zu, Alex. Ich bin eigentlich eine Werwölfin. Ich muss mich auch nicht zwangsläufig bei Vollmond verwandeln, weil, ich bin nicht verflucht worden, sondern damit geboren.“
Dann kennen wir ja schon mal das Fantasyelement. Mrgreen 

Zitat:„Naja und das mit Nik…“, begann Delphine langsam und fühlte sich sichtlich unbehaglicher:

Lydia machte eine wegwischende Handbewegung. „Diesbezüglich würde ich nur das Nötigste sagen. Ihr seid ja gute Freunde, damit ist dem Pakt doch Genüge getan.“
Uh, ein Geheimnis...

Zu Charakteren:

Ich war überrascht zu lesen, dass die Frauen schon als Ärztinnen arbeiten. Sie kamen mir beide viel jünger vor. Oder sind sie Studentinnen? Ich glaube es war Lydias ungeschickte Art am Anfang, die sie mir ein wenig wie einen Teenie erscheinen ließ. Vielleicht sollte du die Info über ihr Alter irgendwo am Anfang einbauen, damit da keine Missverständnisse entstehen. Du kannst erwähnen, dass ihre Füße wehtun, weil sie den ganzen Tag gearbeitet hat und jetzt hat sie auch noch diese unbequemen Schuhe angezogen und stolpert dann... so was ist in der Art. Ich glaube der Eindruck mit dem jungen Alter kommt auch durch den Titel "Moonshine" und diese "Retter-Szene", die beide sehr typische Romantasy-Merkmale sind und dort geht es ja meistens um Teenies (oder zumindest in denen, die ich gelesen habe).

Sonst kann ich zu den Frauen nicht viel sagen. Noch erscheinen sie etwas flach, aber wir haben ja auch noch nicht viel zu lesen bekommen. Ich weiß nicht, ob ich mich mit "Delphine" als Name anfreunden kann. Sie muss schrecklich gehänselt worden sein in ihrer Kindheit... Vielleicht ist sie ja deswegen Psychologin geworden Icon_confused . Aber ich finde, du kannst so einen Namen nicht einfach in den Text werfen, ohne einen Kommentar dazu zu geben. Er schon extrem ungewöhnlich. 

Zum Liebesinteresse:


Zitat:Beim Anflug eines Lächelns bildeten sich Grübchen in seinem männlich markanten Kinn

Diese Beschreibung finde ich etwas klischeehaft und ich stelle mir so einen unsympathischen Supermodeltypen vor. "Männlich" würde ich auf jeden Fall rausnehmen. Wir wissen ja schon, dass er ein Mann ist und dass ein markantes Gesicht einem Mann Männlichkeit verleiht, ist auch klar. Ich würde im ersten Satz sagen, dass er ein markantes Gesicht hat. Im zweiten Satz kann er dann lächeln und Lydia ist überrascht, dass er Grübchen hat – was ihn wahrscheinlich wiederum ein wenig niedlich macht, ein Kontrast zu seinem markanten Gesicht. Und dann eben ein wenig mehr darauf eingehen. Überhaut ist die ganze Beschreibung von ihm voller Wiederholungen. Die würde ich an deiner Stelle überarbeiten. Wie schon am Anfang erwähnt, würde ich die "starken Arme" rausnehmen und den Lesen erst mal zweifeln lassen, ob da jetzt ein sexy Unbekannter oder ihr ekliger Stalker kommt. Und das "angenehm" bei der rauen Stimme würde ich auch rausnehmen. Wer findet eine raue männliche Stimme schon unangenehm? Icon_lol  Stattdessen würde ich blauen Augen etwas mehr beschreiben. Es ist ja bestimmt irgendetwas Magisches, Ungewöhnliches daran und sie kann sich kurz darüber wundern. Die Augen haben ja einen starken Effekt auf sie. Das verdient mehr als einen kurzen Satz.

Zu der Handlung:

Da gibt es ja nicht viel zu sagen. Da muss man gucken, was sonst noch kommt. Aber du hast uns in dem kurzen Abschnitt gut in die Geschichte eingeführt. Wir kennen die Figuren, wir kennen das Fantasyelement, wir wissen, was in ihrem Leben so passiert, wir wissen, dass der hübsche Unbekannte noch wichtig werden wird. Ich habe jetzt viel gemeckert Icon_lol . Ich hoffe das wirkt alles nicht viel zu negativ, sondern konstruktiv. Aber ich denke, wenn du die paar Sachen überarbeitest, wird es ein guter Anfang für eine Geschichte sein.

Liebe Grüße
Meluse


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Beitrag #5 |

RE: Moonshine - 1. Kapitel
Zitat:Also, die Damen sind so Anfang dreißig. Dachte eigentlich, dass ich das nicht extra erwähnen muss, weil Delphine  die Psychiatrische Abteilung der hochmodernen Mondscheinklinik leitet und Lydia ihre eigene Tierarztpraxis hat und Mädchengespräche führt man doch mit der besten Freundin immer. Es macht halt Spaß, mal abends zusammen wegzugehen, Cocktails trinken und über Männer zu reden.

Ich habe grade das gelesen. Anfang dreißig hätte ich nie vermutet. Ich glaube es liegt wirklich hauptsächlich am Genre. Man erwartet da einfach junge Mädchen. Bringe das mit der eigenen Praxis am besten gleich am Anfang ein. Dann gibt es keine Missverständnisse. Icon_smile


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Beitrag #6 |

RE: Moonshine - 1. Kapitel
Hallo Persephone,
bitte nochmal zwei Kommentare zurückgehen. Meluse hat nämlich das Kapitel gelesen und gegrüßt, sie hat nur zwei Kommentare geschrieben!

Zum Text wurde in der Abteilung Kleinkram von Lady und Meluse reichlich gesagt. Da will ich mich nicht doppeln. Inhaltlich schließe ich mich allerdings den Damen an. Deine Charaktere wirken nicht wie gestandene Frauen. Dazu ist mir ihr Dailog zu flach und die Wortwahl zu jugendlich - auch in der Beschreibung. Grundsätzlich tue ich mich schwer, wenn gleich am Anfang so geschwärmt wird: der Retter mit seinen starken Armen, maskulinen Zügen und dem markanten Kinn. Da fehlt mir das subtile. Gleiches gilt für den Dialog. Gerade die Stelle, in der Delphine über ihr Werwolfdasein spricht, liest sich so, als hättest du das nur für uns, die Leser, geschrieben. Wenn ich ein Geheimnis von meinen Freunden kenne, und sie darauf anspreche, im Sinne von Hast du es schon gesagt, dann leiern meine Freunde auch nicht erst das Geheimnis nochmal runter. Das wirkt in der Literatur wie Infodumping, oder als würde da gleich jemand um die Ecke springen, der gelauscht hat. Auch bei dem zukünftigen Ehemann ist mir alles etwas einen Ticken zu viel. Mondscheinklinik, Antrag im Mondschein.
Auf der anderen Seite fehlt mir bei Nik etwas Info - die Andeutungen finde ich hier zu wage, gerade weil du vorher so überinformativ warst, wirkt das in meinen Augen so, als wolltest du uns ködern, weiterzulesen.

LG
Addi

"I wish a car would just come and fucking hit me!"
"Want me to hail a cab?"
"No, I'm talking bus!"  (The four faced liar)

Da baumelt die kleine Doktorspinne in ihrem Seidenreich und träumt von ihren Silberfäden.
[Bild: riverdance.gif]

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Beitrag #7 |

RE: Moonshine - 1. Kapitel
Hallo Meluse,

Ich möchte mich an dieser Stelle bei dir entschuldigen, habe deinen ersten und sehr hilfreichen Kommentar leider nicht gesehen, sondern bin direkt auf den letzten Beitrag. Es tut mir aufrichtig leid Smiley_frown .
Jetzt, wo ich mit der Nase drauf gestupts werde, muss ich sagen,d ass ich da wirklich einige Sachen stark verbessern muss.


Zitat:Ich finde "umfingen" klingt so dramatisch [Bild: icon_panik.gif]  und dadurch irgendwie ironisch. Ich würde "fingen sie auf" bevorzugen. Ich weiß auch nicht, ob das "stark" hier notwendig ist. Ich weiß nicht, ob man die "Stärke" von Armen in so einem Moment wirklich einschätzen kann, außer die Hauptfigur ist selbst sehr schwer und kann nur von "starken Armen" aufgefangen werden. Es klingt ein wenig wie so eine Standardbeschreibung, die uns ein heißes Liebesinteresse einleiten soll. Vielleicht kannst du einfach sagen, dass sie "aufgefangen" wurde und es dabei belassen. Sonst musst du mit etwas Augenrollen seitens der Leser rechnen.
Da hatte ich einen extremen Anfall von Romantismus und das wird natürlich alles entschärft, werde mir Gedanken machen müssen, weil heiß ist der Kerl auf alle Fälle. Ich denke bis auf die tollen stahlblauen Augen, die er hat, werd eich den Rest streichen. Write

Zitat:"seines Zeichens"? Würde ich wegnehmen. Chefarzt der Neurologie reicht schon. Aber der Satz ist echt verwirrend und muss irgendwo aufgeteilt werden. Sag zuerst das mit der großen Liebe und erzähl dann im zweiten Satz vom Heiratsantrag. Persöööönlich finde ich es ein wenig zu viel, gleich zu sagen, dass er Chefarzt der Neurologie ist. Ich weiß nicht, ob nur ich das so empfinde, aber es klingt ein wenig so, als wäre Lydia (aus deren Perspektive wir das ja erzählt bekommen) einer dieser Menschen, die andere nur durch ihren Status definieren. Weißt du was ich meine? Und dann noch die Begeisterung über den großen Diamanten. Das klingt für mich so nach gold digger. Aber so sind die beiden ja sicherlich nicht.
Delphine ist mit ihm verlobt, Lydia ist -noch-Single. Ja er ist der Chefarzt und nein, kein Statuskram, sondern ernsthaft, aber das kommt noch auch wie und warum er da Chefarzt wurde, aber ich möchte nicht spoilern.

Moonshine und Mondschein sind bisher nur Arbeitstitel, bis mir etwas Besseres einfällt mit Bezug auf die die Werwölfin. Das männlich markante Kinn und nette Lächeln werde ich komplett streichen, hat Gründe. Das ist alles wieder zu romantiosch aus den Fugen geraten und sollte nicht so sein Icon_motz Icon_aufsmaul

Die beiden Ladies werden nur für die Bar so bleiben, denn ich gehe immer von mir aus, wenn ich mit meinen Freundinnen ausgehe, so einen Mädelsabend und wir einen im Tee haben sind wir noch alberner und die hatten ja nicht den ersten Cocktail (sollte ich noch reinschreiben)

Ich möchte auch die Charaktere nur Schritt für Schritt aufdecken, um die ganze Sache ein wenig spannender zu machen, sonst wird es langweilig.

Du warst nicht böse zu mir, sondern wahnsinnig hilfreich und ich werde das bei der Bearbeitung auch berücksichtigen

Bis dahin noch einmal Danke
Herzlichst Persephone

Hallo Adsartha,

Die Geschmäcker sind verschieden und ich schreibe viel aus dem Bauch heraus. Die beiden wirken ein wenig verrückt, aber sie haben auch jede Menge Spaß zusammen und nach ein paar Cocktails drückt sich niemand mehr gewählt aus. Ich oder meine Freundinnen zumindest nicht mehr, aber das weiß jede, die einmal einen solchen Abend hinter sich hatte. Icon_ugly
Zum zweiten, ich möchte niemand ködern, meine Geschichten zu lesen, das kann jeder selbst entscheiden, ich mag es nur nicht zu spoilern und dann schon zu Beginn alles zu erzählen, da muss ich mich nicht hinsetzen und eine achtzig odermehr Seiten lange Geschichte schreiben. Ich werde das Aussehen und die Infos zu den Personen nach und nach aufdecken.

Gruß Persephone

Edit: Delphine ist ein französicher Name und damit auch wieder Bezug zum Saarland, das ist ja an der Deutsch-franzöischen Grenze. Ich fand ihn eigentlich ganz schön.

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Beitrag #8 |

RE: Moonshine - 1. Kapitel
Hallo Persephone,


Zitat:Ich möchte mich an dieser Stelle bei dir entschuldigen, habe deinen ersten und sehr hilfreichen Kommentar leider nicht gesehen, sondern bin direkt auf den letzten Beitrag. Es tut mir aufrichtig leid [Bild: smiley_frown.gif] . 
Ja, hab ich mir schon so gedacht. Icon_lol Hätte mich sonst echt gewundert.

Zitat:Edit: Delphine ist ein französicher Name und damit auch wieder Bezug zum Saarland, das ist ja an der Deutsch-franzöischen Grenze. Ich fand ihn eigentlich ganz schön.
Ach so okay, mit französischen Namen kenne ich mich gar nicht aus. Vielleicht ist es ja dort normal. Ich dachte es ist so ein Fantasyname. 
Dann viel Spaß noch beim Überarbeiten.
Liebe Grüße
Meluse


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Beitrag #9 |

RE: Dunkel geboren - Liliths Kinder - 1. Kapitel
Hallo Persephone.

Und mache einfach mal weiter. Allerdings bleiben hier die technischen Anmerkungen aus. Entweder sie sind nicht da, oder ich habe sie überlesen.

Bezüglich der Kommentare vor mir möchte ich hinzufügen, dass das Alter tatsächlich nicht genannt wird. Im Zuge des Dialogs können sie allerdings nicht mehr Teenager sein, somit sind sie eher im 'gestandenen' Bereich anzusiedeln. Die hier vertretene Sprache klingt für mich nicht unbedingt nach 'Heititaiti', sondern schon erwachsen. (Am Rande erwähnt: Es gibt auch Menschen, die immer noch ihr jüngeres Ich im Herzen tragen, aber in dem Fall müsste es erwähnt werden.)

Und als Beispiel für Frauen/Damen an einem 'Weiberabend' muss ich mich daran erinnern, wie wir mal beim Billardspielen waren und sehr stark angetrunkene Ladys aus Good old England hereinkamen. Sie waren so enthemmt, dass das übliche Schema an diesem Tag umgekehrt wurde. Wir Männer waren es, die aufpassen mussten, dass diese Ladys nicht sogar bis aufs Klo mitkamen. (Von räkelnden Leibern auf unserem Tisch, die anfingen mit den Kugeln zu spielen, ganz zu schweigen.)

Insgesamt vermag ich nicht zu sagen, wieviel Zeit zwischen Prolog und erstem Kapitel vergangen ist. Die Nennung von Saarbrücken scheint mir kein Anhaltspunkt zu sein, da die Stadt ja auch schon asbach-uralt ist und Kirchen nebst Stürmen zeitlich keine Eckdaten liefern. Interessant allerdings ist, dass wir uns nicht in einer Fantasywelt befinden, sondern in der realen, die aber dafür mit phantastischen Elementen ausgestattet ist. Und hier komme ich zum Punkt, an dem Delphine im Dialog sich als Werwölfin 'outet'.
Denn das ist meiner Meinung nach etwas unglücklich konstruiert, da es Elemente vorweg nimmt und die Spannung minimiert. Gerade am Anfang bietet es sich an, mehr mit Andeutungen, Vermutungen oder Zweideutigkeiten zu arbeiten, um den Leser bei der Stange zu halten. So weiß er recht schnell, wohin diese Fantasygeschichte hingeht: Werwölfe, wahrscheinlich noch Vampire. Kampf um die Vorherrschaft auf der Erde etc. (Das ist das, was der Leser denken könnte.)

Ich will Dir das Konzept beileibe nicht schlechtreden, bei Gott nicht. Nur wenn man sich schon für gewisse Formen entscheidet - ich erinnere an die Stereotypen, die gewiss nicht negativ gemeint waren - sollte man auch den Mut und das Herz haben, ausgetretene Pfade zu verlassen und Neuland zu suchen. Gerade Vampire, um dies als Beispiel zu nehmen, waren schon bei Blade, bei Twilight, bei was weiß ich noch alles. Und gerade bei dem Werk von Stephanie Meyer gab es diesbezüglich eine Neuerung, nämlich das Glitzern, auch wenn dies - subjektiv - höchst kitschig ist.

Um dies zu verdeutlichen möchte ich - ausnahmsweise, trotz meines großen Egos - auf einen meiner Texte aufmerksam machen, der in einer nahen (Parallel)zukunft angesiedelt ist. Ort ist die beschauliche Insel Wangerooge, die nach einer Katastrophe die letzten Menschen beherbergt. Zwischen Insel und Festland liegt das Wattenmeer mit seinen Prielen, die dort künstlich mittels eines Baggerschiffs vertieft werden. Leider notwendig, denn die anderen, die auch überlebt haben, sind zu Untoten mutiert, die bei Nacht (oder diesigem Wetter) versuchen durch die Wattlandschaft zur Insel zu gelangen. (Gerade bei Ebbe gibt es ja hunderte Wege trockenen Fußes, dorthin zu gelangen.)
Also hatte ich Untote a.k.a. Zombies an Bord, die am Anfang der Katastrophe die Toten ausgesaugt, sie später jedoch auch gefressen hatten. (Als eine Weiterentwicklung von Blutsauger/Vampir zu Fleischfresser/Zombie/Untoter gedacht.) Schlussendlich musste auch noch das Glitzern aus Twilight hinein, dass hier allerdings für einen Vorgang verwendet wurde: Das Wegbeamen eines Zombie-Vampirs (Siehe Star Trek.)

Im Grunde war alles, was dieses Teil-Genre des Phantastischen ausmachte, vertreten, nur anders und miteinander verschachtelt. Man könnte auch sagen: Reloaded und remixed.

Ich muss das hier so deutlich schreiben, weil ich auf keinen Fall möchte, dass bei Dir nur die Botschaft 'Alles scheiße, deine Elli' ankommt. Das soll es nicht, Du kannst schreiben. Nur - um etwas Neues/Innovatives zu keieren - ist es heutzutage unabdingbar mit einigen Elementen die trauten Pfade zu verlassen. Und deswegen - um den Faden wieder aufzunehmen - rate ich davon ab, die Identität von Delphine fürhzeitig zu verraten. Man kann es auch indirekter lösen ohne es anzusprechen, was auch zu Fragen seitens des Lesers führt.

Als Beispiel: (Ich hab die wörtliche Rede mal eindeutiger positioniert.)

Unbewusst drehte sie den Ring als sie antwortete.
„Ich weiß nicht wie“, bekannte sie kleinlaut. Und nach einer schweigenden Minute lachte sie kurz auf.
„Ich könnte ja sagen: Hör mal zu, Alex. Ich kann bei Vollmond leider sehr schlecht schlafen.“
"Das wäre ja nicht gelogen", meinte Lydia.
"Oh, und Du solltest besser liegenbleiben, denn ich schlafwandel und bin dabei meistens sehr ... mürrisch?"
"Oder so schlecht gelaunt, wie wenn Dich morgens jemand anspricht, bevor Du Deinen Kaffee hattest."
Stille.
"Meinst Du, er glaubt das?", fragte Delphine.
Lydia schmunzelte.
"Wenn nicht, dann sperrt er Dich auf seiner eigenen Station ein."
"Na toll."
"Was denn?", meinte Lydia. "Dann seht ihr euch den ganzen Tag und keiner ist allein."
Delphine seufzte.
"Außer bei Vollmond."

(Als Beispiel. Warum sollten Werwölfe nicht auch ein bisschen Humor haben?)

Frohes Schaffen.

LGD.


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Beitrag #10 |

RE: Dunkel geboren - Liliths Kinder - 1. Kapitel
Hallo Dread,

Danke noch mal für deinen lieben Kommentar und auch negative Kritik nehme ich nie persönlich. Also, ich habe bewusst, Delphines Identität entlockt, denn es geht nicht in der Hauptsache darum, dass sie eine Werwölfin ist und um es vorab schon mal zu sagen. Sie hat auch gar keine Probleme damit, eine Werwölfin zu sein.

Wie gesagt, in meinem Kopf ist eine Idee, die hoffentlich, die ausgetretenen Pfade einw enig verlässt und ich denke schon, dass ich die Leser doch noch überraschen kann, aber wartet bitte einfach ab.

Solltest du oder die anderen dann immer noch zu meckern haben Icon_lol Icon_lol Icon_lol Icon_lol  werde ich das selbstverständlich abändern, nur jetzt möchte ich mal was testen.

Drittes Kapitel folgt, das ist in Arbeit, aber da kann man sich auch bei Meluse bedanken, alles Meluse seine Schuld, die wo mir das Brett von den Augen genommen hat Icon_ugly Icon_ugly Icon_ugly  (das schlechte deutsch ist gewollt)

Den Text mit der Insel Wangerooge will ich unbedingt lesen. Ich liebe die Nordsee  Icon_cuinlove Icon_cuinlove Icon_cuinlove 

Bis demnächst Wave  Persi

Den Stil verbessern, das heißt den Gedanken verbessern

(Friedrich Nitzsche)



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