Es ist: 17-04-2021, 22:24
Es ist: 17-04-2021, 22:24 Hallo, Gast! (Registrieren)


Mitgefühl
Beitrag #1 |

Mitgefühl
Hmmm. Das rumpelt noch ein wenig und normal würde ich es noch nicht einstellen. Aber vielleicht könnt Ihr mir ein bissie weiterhelfen.

Nehmen wir uns fremder Sorgen zu sehr an-
werden es unsere Sorgen.

Fühlen wir Schmerz zu sehr mit-
wird es unser Schmerz.

Versuchen wir, Schwäche zu begreifen-
wird es unsere Schwäche.

Wollen wir Hilflosigkeit verzeihen-
wird es unsere Hilflosigkeit.

Stehen wir Problemen dann gegenüber,
sind wir wehrlos.

Haben uns die Waffen selbst aus der Hand geschlagen.

Glück ist eine Zuchtpflanze aus Ehrgeiz und Fleiss,
gesät in eine Mischung von Geduld und Beharrlichkteit,
regelmäßig gedüngt mit Humor. (Xelanja)

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Beitrag #2 |

RE: Mitgefühl
Hallo Nanita,
nun, ich finde eigentlich nicht, dass da was rumpelt.
Es klingt für mich inhaltlich nur so, als wären wir total verloren, wenn wir uns für fremdes Leid interessierten. Wahrscheinlich habe ich aber etwas missverstanden. Vielleicht meintest Du eher, man sollte einen gewissen neutralen Abstand halten, um wirklich helfen zu können, sich quasi nicht zu sehr einbringen wäre besser? Mit eigener Stärke auftreten, ohne die Sorgen der anderen zu sehr anzunehmen. Aber wie soll das gehen? Ich verstehe es nicht ganz. Ich kann zwar gut begreifen, dass das Mitjammern oder Weinen nicht sehr hilfreich ist, wenn wir es denn dabei belassen. Aber verstehen, verzeihen, begreifen, mitfühlen hätte ich immer für nötig gehalten, um wirksam zu helfen.
Eine kleine Erklärung dazu wäre vielleicht für mich hilfreich. Ist sie plausibel, fände ich das Gedicht gut.

Viele Grüße
Helga

Erkennen wollen
ist der erste Schritt des Verstehens.
Zunächst im Selbstversuch!

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Beitrag #3 |

RE: Mitgefühl
Hallo Helga!
Erstmal natürlich danke für den Kommentar, er bestätigt, was ich selbst schon empfand - das kommt einfach noch falsch rüber. Was ich meinte, war:
Der Vorteil, einem Außenstehenden seine Probleme zu erklären hat zwei Seiten.
Einerseits sieht ein "Fremder" die Sache von außen, kann objektiv urteilen. Andererseits muss man, indem man jemandem anders die Schwierigkeit erklärt, sie sich selbst verdeutlichen, was auch sehr hilfreich sein kann, wenn man im Grübelkreis gefangen ist.
Soweit, denke ich, ist das klar.
Was ich meine ist nicht, wegzusehen, oder nichts zu tun, eiskalt zu bleiben oder sowas in der Art (wer mich kennt, weiß auch, dass das für mich so wäre, als nicht mehr atmen zu dürfen).
Aber wie lange sind wir "Außenstehende"? Und damit objektiv?
Das Motto unter dem ich die Sorgen all meiner Freunde betrachte ist das oft zitierte "Das schlimmste Problem ist immer das eigene". Und das kann verflucht schwer sein, wenn man selbst seit Jahren arbeitslos ist und ein befreundeter Arzt über den neugeforderten Papierkrieg in seiner Praxis heult. Da denkt man schon ganz schnell mal "Mensch, Deine Sorgen hätte ich gern."
Doch was wie Neid erscheinen mag, ist gleichzeitig wichtig. Es ermöglicht uns nämlich, Seiten der Sache zu sehen, für die der Andere betriebsblind ist. Deshalb gilt es da ein Mittelmaß zu finden. Einerseits nicht vergessen, dass der Andere unter diesen Dingen leidet, auch zu verstehen versuchen, warum das so ist. Sich aber andererseits auch nicht auf seine Position zu begeben, die Dinge aus seiner Warte zu sehen.
Das ist besonders wichtig, wenn man bei verfahrenen Beziehungskisten um Hilfe gebeten wird, denn dort besteht die Gefahr, "parteiisch" zu werden, besonders wenn man die Sachlage nur von einem der beiden kennt und gleich verinnerlicht.
Was ich ausdrücken wollte und womit ich noch nicht zufrieden bin ist, dass es wichtig ist, ein wenig Distanz zu wahren, eben bis zu einem gewissen Grad "außen" zu bleiben, Probleme nicht zu seinen eigenen zu machen.
Nebenbei, wenn man es tut - und das habe ich viele Jahre - tut man dem Betreffenden auch nichts Gutes. Völlig selbstverständlich kommt er wieder und wieder und wieder an, wenn man ihm einmal geholfen hat, ein Problem zu lösen. Und dann wirds schwierig, noch etwas zu ändern.
Der berühmte Schimpfsatz "Bekommst Du nicht EINMAL was allein auf die Reihe?", stammt sehr oft aus dieser Konstellation.
Hihi - und genau um diesen Text nicht immer dazulegen zu müssen, gehts mir. Irgendwie habe ich es noch nicht geschafft, das verständlich rüber zu bringen.

Ninita

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Beitrag #4 |

RE: Mitgefühl
hallo Ninita,

dankeschön für deine ausführliche Erklärung. Ich verstehe, was Du meinst. Im Prinzip war es mir schon klar, was Du zum Ausdruck bringen möchtest. Du hast es nur noch einmal vertieft. Die "gefährliche" Sache mit der Einmischung etc., des eigenen Einsinkens in den Sumpf der "fremden" Probleme, die leider all zu oft folgende Ausnutzung, ja Ausbeutung unserer Person, das kommt mir auch sehr bekannt vor. Ich möchte nicht Sprüche bedienen (vom kleinen Finger...) Es ist nur sehr, sehr schwierig, wenn man sich einmal entschlossen hat zu helfen, sich wieder zurückzuziehen. Die Betreffenden sehen es selten ein und zum Schluss wird man noch mit Vorwürfen belegt. Das richtige Maß zu finden, dass alle Beteiligten zufrieden sind, ist in dem Fall äußerst schwierig aber nötig. Du sagst es, das Mittelmaß ist oder scheint nur die Lösung zu sein. Es zu finden, eine Kunst.

Was Dein Gedicht betrifft: vielleicht baust Du dieses notwenige Maß der Mischung aus Verstand, Vernunft und Gefühl irgendwie ein, um Deine Botschaft auch im Gedicht deutlicher zu vermitteln.
Deine Idee, diese Problematik einmal im Gedicht aufzugreifen, finde ich nach wie vor interessant und durchaus noch ein paar Überlegungen wert. Die Thematik ist aktuell und allgemeingültig, wenn Du sie noch mehr als Poet verdeutlichen könntest, wäre es m. E. sehr gelungen, auch einmal einen neueren Aspekt anzubieten und zwar mit klaren, deutlichen Worten, für jeden verständlich. Das mag ich.

Grüße von Helga

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Beitrag #5 |

RE: Mitgefühl
Hallo Ninita!

Mitgefühl - du zeigst sehr deutlich, was bei zu viel verstehen, helfen, dasein passiert. Und mir scheint, man redet darüber eher nicht, sondern diskutiert über Zivilcourage. Erstmal Mitgefühl haben, zeigen, und dann irgendwann können wir ja sehen, was mit den Menschen passiert.
Ich habe gelesen, was du mit deinem Gedicht ausdrücken wolltest und auch bei mir kam das beim Lesen nicht in allen Facetten an. Vor allem der Aspekt, die Objektivität zu verlieren, ist nicht ganz deutlich geworden. Das "zu viel" dagegen schon, da du es in den ersten beiden "Strophen" wiederholst. Da kann man also reinlesen, dass hier nicht die Sache an sich, sondern die Schmerzgrenze kritisch betrachtet wird.
Zitat:Stehen wir Problemen dann gegenüber,
sind wir wehrlos.
In den Versen zuvor ist klar, dass es um die Sorgen, den Schmerz, ... der anderen geht, hier dagegen klingt es, als würde das Mitgefühl für andere einen daran hindern, die eigenen Probleme zu lösen. Die Waffen verloren, den eigenen Kampf zu kämpfen. Dabei sind die Probleme ja andere als die, bei denen man durch Empathie und Verständnis Schwäche gezeigt hat. Andere als die, die man verstanden hat. Sondern welche, bei denen vor allem man selbst zählt, das eigene Ego also die beste Lösung für sich findet. Was du meinst, scheinen aber eher die Probleme der anderen sein, eben die Objektivität, das Nicht-mehr-helfen-Können. Da würde ein Adjektiv wie "fremden" vielleicht schon helfen.

Es regt zum Nachdenken an, dein Gedicht. Es liest sich wie ein Rucksack, den man schnürt, ohne zu wissen, dass er einen beim Aufsetzen zu Boden drückt.
Liebe Grüße,
Libertine

... und von den wundersamsten Wegen bleibt uns der Staub nur an den Schuhen. (Dota Kehr)
Avatar von Eddie Haspelmann

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Beitrag #6 |

RE: Mitgefühl
Hallo Libertine!
Erstmal danke. Jo, hast Recht, auch wenn das eine sehr zweischneidige Sache ist. Wenn man sich fremder Sorgen zu sehr annimmt, sich zu sehr involviert, kann man tatsächlich irgendwann auch die eigenen nicht mehr lösen, weil es keine Grenzen mehr gibt, man das gar nicht mehr "wirklich" unterscheidet und die Grenze der eigenen Kraft und Leidensfähigkeit auch überschritten ist.
Doch das war es nicht, was ich ausdrücken wollte, mir gings schon ausschließlich um die Probleme "anderer".
Da werd ich noch dran basteln müssen.

Ninita

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