Es ist: 08-08-2022, 06:00
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Landschaftsschilderung: Saphirwolken
Beitrag #1 |

Landschaftsschilderung: Saphirwolken
Zwei Artikel über den Exoplaneten HAT-P-7b haben mich zu dieser kleinen Szene inspiriert:
Spektrum: Hier könnte es Edelsteine regnen
BDW: Exoplanet mit wirbelnden "Saphir-Wolken"
Diesen Planeten musste ich mir aus der Nähe anschauen ... sorry, ohne Investor hätte ich mir das leider nicht leisten können. Icon_wink


Hier gibt es erstmal keine große Handlung. Es geht mir mehr uns Sachliche: Wäre die Atmosphäre so wirklich möglich? Weiß jemand besser, wie es dort bei Tages-/Dämmerlicht aussehen würde?
Bevor ich eine Handlung dort starte, muss die Umgebung logisch schlüssig sein.


Saphirwolken


Glitzernd fiel ein Schnee, soweit das Auge reichte. Kein Boden begrenzte den Horizont, nichts drängte sich in Rubys Blickfeld. Nur der endlose Sturm schillernder Korundflocken wirbelte um die Erntekapsel. Sie lag bäuchlings auf dem einzigen Polster, den Blick an der Scheibe klebend, und konnte nicht wegschauen. Ein erster Lichtstrahl blitzte durch den Nebel - Reflexionen von der Tagseite, zwei Minuten vor Sonnenaufgang.

Wenn das klappt, dachte Ruby, wenn das wirklich funktioniert ...

1500 Grad Celsius, behauptete das Kontrollfeld. Kaum vorstellbar, fand Ruby. Die winzige Erntekapsel, in der sie nur liegen konnte, sauste geschmeidig durch die Wolke. Kein Klirren war zu hören, obwohl unzählige Partikel auf die Außenhülle einprasselten. 2000 Grad Celsius, Schneeflocken schmolzen hinter der Scheibe. Ihr Frontscheinwerfer malte einen irrealen Tanz von Lichtpunkten.

Endlich überflog die Kapsel einen Chromstrand. Nicht im Sinne von Festland; eher eine örtliche Ansammlung von Chrom in der tieferen Atmosphäre. Ruby wartete, beide Hände konzentriert auf den Kontrollen, auf den berechneten Moment. Tatsächlich wirbelte der Sturm eine Sandwolke auf, während am Himmel die Korundwolken in der Morgensonne dahin schmolzen.
Wenn das wirklich klappt ...
Die sichtbaren Schlieren sahen eigentlich aus wie Schmutz. Glanzloser Grünspan, der sich zwischen den Planeten und seinen edlen Schnee drängte.
Jetzt!
Mit der rechten Hand drückte Ruby den Auswurfknopf, während die linke sich aufgeregt ins Polster krallte. An der Unterseite ihrer Kapsel sprang eine Luke auf. Für eine Minute spürte sie nur noch das Rütteln des Kristallsaugers, während der eingefangene Nebel in die Gussform gepresst wurde. Das Kontrollfeld bot nun einen Blick ins Robot-Labor unter ihrem Liegeplatz. Status grün, Ergebnis rot: Als die Gussform sich öffnete, stand dort eine mannshohe Skulptur aus reinstem Rubin.

Wenn das wahr ist, dachte Ruby, wenn das wirklich so leicht geht, wird man in Zukunft ganze Städte aus dem Nebel heben. Kristallpaläste zogen vor ihren Augen entlang, farbenfroh schillernde Brücken, seidig glänzende Wände. Unzerstörbar aus einem Guss.

Die Kapsel zündete ihren Antrieb, um der Dämmerungslinie hinterher zu jagen. Es kam nicht darauf an, ob man der Sonne folgte oder vor ihr floh. Im kurzen Übergang zwischen Tag und Nacht ergoss sich der Korundregen über den Planeten. Wie ein scheues Reh das sich nur bei Dämmerlicht aus dem Wald wagte. Doch zuverlässig wie ein Uhrwerk. Keine Minute mehr bis zur großen Wüste, dem nächstgrößeren Versuch.

Aus der Wüstenebene wirbelte der Morgenwind grau-braunen Staub auf, verdreckt mit Rost, Spuren von Kobald. Eine Schmutzwolke die sie niemals hier drinnen haben wollte. Kaum wurde es richtig hässlich, presste sie wieder den Knopf bis zum Anschlag. Das Rütteln und Vibrieren der Erntekapsel blendete jeden vernünftigen Gedanken aus, als ihre Maschinen den flüssigen Saphir in seine Gussform zwangen. Diese Form kühlte langsamer aus, Ruby wartete ein paar Minuten auf den Erfolg. Umso besser konnte er sich sehen lassen: Ein Roboterarm hob die blau-grüne Halbkugel durch die Luke, hielt sie in fünf Metern Abstand neben die Erntekapsel.
Nach einem weiteren Saugguss-Einsatz folgte eine ovale Wanne. Der Roboter presste die Teile aufeinander, so dass sie in der Sonne anschmolzen. Kaum waren die Stücke verschweißt, machte der Antrieb einen Satz in die Nacht.

Die frisch gegossene Saphirglas-Flugkapsel zog sie nun an einer Stange hinter sich her. Eine Frontscheibe aus transparentem Korund komplettierte das Kunstwerk, bevor Ruby die stürmische Atmosphäre unter sich zurück ließ. Zufrieden warf sie einen Blick durch die Kameras. Ins Labor, wo der erste Versuch, die blutrote Statue, vor sich hin glänzte. Hinter die Raumfähre, wo die erste sonnengeschweißte Kapsel aus Saphirglas hing.

Alles schien in Ordnung. Ja, es hatte geklappt! Damit legte ihre unverwüstliche Selbstkontrolle eine Pause ein. Wie ein Ameisenvolk kribbelte die Freude vom Bauch bis in die Fingerspitzen, während ihre Nase fast das Kontrollfeld berührte. Sie presste die zuckenden Hände ins Kissen, damit sie nichts Falsches berührten. Hier drinnen war alles zu empfindlich, um aufrichtig zu jubeln.

Endlich konnte sie den Beweis vorführen, dass sich nahezu unzerstörbare Saphirobjekte direkt aus der Atmosphäre des Gasriesen gießen ließen. Volle Auftragsbücher rasselten durch ihren Hinterkopf. Wie viele irre Millionäre würden eine Villa aus Kristall bestellen? Gab es einen Markt für voll transparente Raumschiffe?
Ruby war gespannt darauf, was die Industriellen anstellen würden, denen ihr Chef das Patent verkaufte. Und froh darüber, so viel Glitzerkram nicht selbst vermarkten zu müssen. Jedenfalls würde ihr Prototyp einer Saphirglas-Flugkapsel im Unternehmen bleiben, aufgerüstet für die nächste Expedition, die nächste bunte Welt.


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Beitrag #2 |

RE: Saphirwolken
Hallo Coco,

Da steht deine Geschichte schon eine ganze Weile ein und wird nicht beachtet Icon_nosmile 

Ich muss ja leider gestehen, ein bisschen mehr habe ich schon erwartet. Deine Geschichte wirkt wie die Einleitung oder der Auftakt zu einer Fortsetzung. Die ganze Zeit über habe ich auf den Höhepunkt gewartet, der leider nicht kam. Der Spannungsbogen fehlt da komplett.  Icon_nosmile

Zitat:Glitzernd fiel ein Schnee, soweit das Auge reichte. Kein Boden begrenzte den Horizont, nichts drängte sich in Rubys Blickfeld.
Glitzernd fiel der Schnee oder Schnee fiel glitzernd, wie ...
Der zweite Satz ist unglücklich gewählt, musste überlegen, was du meintest. Besser wäre: Der Horizont dehnte sich endlos aus, Ruby hatte unendlich freie Sicht oder Ruby genoss die  freie Sicht in einen sich endlos ausdehnenden Horizont.

Auch Rubys inneren Monolog könntest du mehr ausarbeiten und stärker drauf eingehen, damit der Leser sich besser in sie hinein versetzen kann, so wirkt sie eher hölzern und uninteressant.

Ich weiß, es ist nicht unbedingt das, was man unter seiner Geschichte lesen will, aber dein Thema ist an sich nicht schlecht, müsste nur etwas mehr ausgearbeitet werden auch in Bezug auf Konflikte oder Hindernisse, die die Protagonistin dann überwindet, denn das würde deine Geschichte spannender machen.

Bis dahin Grüße Persephone

Den Stil verbessern, das heißt den Gedanken verbessern

(Friedrich Nitzsche)



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Beitrag #3 |

RE: Saphirwolken
Hallo Persephone,

danke fürs Lesen, besonders weil es keine Handlung hat. Icon_smile

Solche Szenen, in denen nur ein Ort erkundet wird, sehe ich mehr als "Prosa-Gedicht", nicht als Geschichte. Ich hatte eben erfahren, dass dieser Exoplanet entdeckt wurde, auf dem es Saphire statt Eis hageln könnte. Um die Idee festzuhalten, musste erstmal ein kurzer Überflug herhalten. Landen konnte ich noch nicht, weil ich dem Planeten nicht zusammenhanglos eine feste Oberfläche andichten wollte.

Erst jetzt, wo die "Landschaft" notiert ist, kann ich eine Geschichte mit Handlung daraus ableiten. Das wird dann irgendwann als "Saphirwolken B" oder so auftauchen. Leider finde ich bis auf Weiteres absolut keine Zeit, mich da dran zu setzen... Smiley_frown

Bis zum Handlungsteil
coco


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Beitrag #4 |

RE: Landschaftsschilderung: Saphirwolken
Noch was ... sorry, das hätte ich gleich dazu schreiben sollen; habe ich jetzt oben über dem Beitrag nachgeholt.
Dass es hier weder Personen noch Action gibt, war durchaus beabsichtigt. Es geht mir mehr uns Sachliche:
Wäre die Atmosphäre so wirklich möglich?
Weiß jemand besser, wie es dort bei Tages-/Dämmerlicht aussehen würde?
Bevor ich eine Handlung dort starte, muss die Umgebung logisch schlüssig sein.


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Beitrag #5 |

RE: Landschaftsschilderung: Saphirwolken
Hi, coco!

Wow, es muss eine gefühlte Ewigkeit her sein, seit ich das letzte Mal einen Text von dir gelesen habe. Allerdings war ich auch ziemlich lange nicht mehr hier.

Dein kurzer Text gefällt mir richtig gut. Mein Lieblingsabschnitt ist folgender:
"Im kurzen Übergang zwischen Tag und Nacht ergoss sich der Korundregen über den Planeten. Wie ein scheues Reh das sich nur bei Dämmerlicht aus dem Wald wagte."

Klasse!

Der Name der Protagonistin passt natürlich auch wie die Faust aufs Auge ;-)

Mir gefällt der Flow der Geschichte - einfach dieses Erkunden des Raumes, dieses Staunen über einen Ort, der eigentlich zu exotisch für unseren Verstand ist, den du aber - meiner Ansicht nach - dennoch überzeugend dargestellt hast.

Viele Grüße
Garuda

Bhinneka Tunggal Ika - Unity in Diversity

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Beitrag #6 |

RE: Landschaftsschilderung: Saphirwolken
Hallo Garuda,

vielen lieben Dank fürs Aufwecken! Ich nahm mir schon ewig vor, mal wieder hier rein zu schauen.

(17-01-2018, 20:33)Garuda schrieb: Mir gefällt der Flow der Geschichte - einfach dieses Erkunden des Raumes, dieses Staunen über einen Ort

Endlich kann mir mal jemand folgen. Icon_smile  Einfach durch den Raum treiben, eine Welt erkunden, sich umschauen und Dinge entdecken - das mache ich total gerne. Ich lese auch gerne ruhige Weltenbeschreibungen anderer Schreiber. Wenn eine Welt genug strahlt, braucht sie keine großartige Handlung.
Anders gesagt: wenn ich Stress will, gehe ich in die Realität. Beim Lesen will ich friedlich abtauchen.

Danke fürs Lesen und einen schönen Abend

coco


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Beitrag #7 |

RE: Landschaftsschilderung: Saphirwolken
Hallo Saphirwolken,

eigentlich bin ich ja ganz froh, daß die Geschichte nicht so lang ist wie viele andere hier. Ich gehöre noch zu der Generation, die gerne ein Buch in den Händen hält und liest, insbesondere auf der Couch, wo ich mich gelegentlich auch bei hinlegen kann beim Lesen. Irgendwie kann ich mir die Situation, die Coco beschreibt, auch ganz gut vorstellen, auch ohne daß es viel Handlung gibt.

Andreas


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