Es ist: 27-06-2022, 21:32
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Grundsätzliches zur Literatur
Beitrag #1 |

Grundsätzliches zur Literatur
An dieser Stelle könnte ich einige Gedanken zum schriftstellerischen Schaffen, der Bedeutung von Sprache und Schrift, quasi ein "à propos" zu dem, was ich so zu schreiben hätte, sammeln… und natürlich stellt sich zu allererst die Frage wie bzw. womit beginnen? Ich habe relativ früh zu lesen begonnen, als Großstadtkind in etwas beengter elterlicher Wohnung stellte sich dies als gleichermaßen nützliche und anregende Beschäftigung heraus… die örtliche Leihbücherei war nicht weit entfernt, ein Buchhändler auch auf halbem Wege zu den Geschäften, wo meine Eltern ihre täglichen Einkäufe erledigten, ansässig… 

Dennoch ist es nicht die früheste Lektüre, auf die ich jetzt näher einzugehen beabsichtige, sondern eher die im Teenageralter einsetzende Initialzündung, mich von vormaligen Lesegewohnheiten und Vorlieben eben doch zu lösen - und vom linearen Lesefluss zum gewissermaßen interaktiven Umgang mit dem Medium Buch zu wechseln. 

Neben Büchern füllten also bald auch Landkarten, Reiseführer, Ausstellungskataloge, touristische Werbemittel, historische Ansichtskarten und Verlagskataloge meine Regale, und da in jener Lebensphase mich auch Baukunst, Malerei und Musik zu interessieren begannen, gesellten sich bald Künstler- und Komponistenbiographien hinzu, Es dauerte nicht lang, bis mir auffiel, dass Biographien eher bei relativ berühmten Persönlichkeiten leichter aufzutreiben waren, weswegen ich meine Wissbegier gegenüber weniger bekannten Meistern in diversen (oft älteren) Lexika, die ggf. in der Universitätsbibliothek zu finden waren, zu stillen gezwungen war. 

Natürlich hätte es mich gereizt, selbst mit der Biographie eines wenig bekannten Künstlers oder Schriftstellers als Autor zu debütieren, und so begann ich, meine Recherchen auszudehnen und auch in diversen Archiven gezielt nach Dokumenten zu suchen, die von der "Fachwelt" nicht mit dem m.E. nötigen Interesse beachtet worden sind… gefunden habe ich etliches - aber wirklich interessiert hat's selbst jene Fachwelt denn doch nie.

Mitte der 90er Jahre habe ich dann diese Materialsuche weitestgehend eingestellt und ein Romanfragment mit allerlei versteckten Zitaten und Anspielungen gebastelt, dessen Hauptmotiv die Unmöglichkeit, eine für einen Roman taugliche fiktionale Person zu ersinnen, in heiterer Weise durchspielte - das Büchlein war eine verwegene Mischung von Humor à la Alphonse Allais, Marcel Bénabou, der surrealen Suche nach einer verlorenen Romanfigur, wie sie Raymond Queneau in "Der Flug des Ikarus" durchgeführt hatte, Thorne Smith's "Das Nachtleben der Götter" und diversen anderen - und fand natürlich keinen Verleger… 

Nach der Enttäuschung darüber versuchte ich doch noch einmal, eine biographische Pionierarbeit zu realisieren, und begann nach dem Werk eines ziemlich vergessenen Londoner Architekten zu forschen - aber von einigen seiner Bauten, die der Zahn der Zeit weggenagt hat, sind nicht einmal Fotos zu finden, es existieren keine 30 originalen Zeichnungen mehr und leider wohl auch keine Briefe oder Tagebücher.


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Beitrag #2 |

RE: Grundsätzliches zur Literatur
Lieselotte Buchholz, die Gründerin des persona Verlags, hat in einem offenen Brief die Gründe dargelegt, weswegen die Dynamisierung des Buchmarktes, die Gier nach Neuerscheinungen, das Wesen der Literatur schädigt. "Die Back­list war früher der Kron­schatz der Ver­lage, unser Rück­grat", heißt es in diesem Brief, während dieser Kronschatz längst nurmehr als Altlast des nicht verkauften und somit auch weiterhin unverkäuflichen Warenbestandes betrachtet wird. Die Ware Buch braucht jedoch Zeit, einen Zeitraum über mehrere Generationen, um überhaupt ihre eigentliche Wirkung erzeugen zu können. Es hat Zeiten gegeben, in denen ambitionierte Buchhändler im Nebenerwerb selbst verlegerisch tätig gewesen sind - um in Kleinauflage Pretiosen zugänglich zu machen, die von den Großverlagen "übersehen" worden sind. Elwert & Metzler in Berlin brachten zeitweilig gar ein Jahrbuch heraus, dessen frühe Bände Selbstzeugnisse von Autoren und Verlegern publizieren, wie jene miteinander in Geschäftsbeziehung getreten sind. In einem der späteren Bände findet man etliche Betrachtungen (in der zweiten Hälfte der 70er Jahre) über die destruktive Funktion des Buchmarktes in Hinblick auf die kulturelle Bedeutung der Literatur.

Zu meinen Lieblingsautoren zählt u.a. Bryan Stanley Johnson, der formal recht eigensinnige Werke geschaffen hat - aber hier im deutschen Sprachraum ist sein Werk weitgehend unbekannt, obwohl es zwei Titel auch schon als Fischer-Taschenbuch gegeben hat, die später bei Argon nochmals aufgelegt wurden. Der auch längst von der Bildfläche verschwundene Schneekluth-Verlag hatte sogar eine siebenbändige Werkausgabe realisiert, die leider vergriffen ist. 
Bei anderen, wie etwa Marc Saporta, ist es gar unmöglich, eine deutschsprachige Übersetzung seiner Werke aufzutreiben. 


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