Es ist: 22-11-2019, 08:04
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Könige der Prärie - 11. Teil
Beitrag #1 |

Könige der Prärie - 11. Teil
Sie rieb Harlekin gerade mit einem Büschel trockenen Grases ab. Im Licht der Mittagssonne glänzte das Fell des braunen Hengstes wie geölt. Hin und wieder hob er den Kopf und stieß ein schrilles Wiehern aus. Beruhigend tätschelte sie ihm dann den Hals. „Du vermisst deine Stute. Stimmt’s mein Großer? Silver ist ja bald wieder da.“
Feste Schritte ließen Katie aufhorchen. Sie wandte sich um. Mit wütend gesenktem Kopf kam ihr Vater auf sie zu. Seine Miene verriet, dass er mehr als zornig war. „Wohin sind die beiden geritten?“, brüllte er auch schon, kaum dass er in Hörweite war.
Katie gab sich überrascht, während das Blut in ihren Adern zu brodeln begann. „Was meinst du?“
Grob packte er sie am Arm. „Du weißt genau, von wem ich rede.“ Er drosselte seine Lautstärke nicht um eine Oktave. „Sina und Yuma. Und sag mir jetzt nicht, sie wären zu den Bärenflüssen geritten.“
Erzürnt riss Katie sich los. Aufgeschreckt trabte Harlekin zu der Herde der Indianerpferde zurück und verscheuchte mit angelegten Ohren einen zierlichen Fuchs mit heller Mähne. „Sie sagten mir, dass sie zu den Bärenflüssen geritten sind“, gab Katie ebenso impulsiv zurück und damit sagte sie auch teilweise die Wahrheit. „Wenn sie nicht dort sind, dann haben sie ihre Pläne vermutlich unterwegs geändert. Was kann ich dafür?“ Trotzig schaute sie ihren Vater an.
„Sie sind niemals dort angekommen. Zwei Krieger, die Taim auf Kundschaft geschickt hat, gaben uns Nachricht, dass die beiden in Fort Brannigan gefangen gehalten werden.“
Katie verzog keine Miene, obwohl die Nachricht sie mehr als nur erschreckte, aber das durfte ihr Vater nicht wissen. „Vielleicht sind sie ja auf dem Weg dorthin gefangen genommen worden“, schlug sie harmlos vor.
„Lüg mich nicht an“, brauste ihr Vater auf. „Das Fort liegt in der entgegengesetzten Richtung.“
„Dann wollten sie vielleicht ein paar Tage allein in trauter Zweisamkeit verbringen.“ Katie gab nicht nach. „Warum sind sie denn überhaupt gefangen genommen worden?“ Sie ahnte die Antwort bereits.
„Wir vermuten, dass Yuma auf der Suche nach einem Dokument war, dass die Banditen ihm abgenommen haben und das von beträchtlichem Wert ist.“ Ihr Vater schien seinen Zorn ausgetobt zu haben.
„Ich dachte, er sei bei dem Häuptling in Ungnade gefallen“, antwortete Katie und hätte sich im gleichen Augenblick ohrfeigen können. Jetzt hatte sie sich verraten.
„Was weißt du darüber?“, fragte ihr Vater auch im gleichen Augenblick scharf.
Sie fasste sich wieder. „Nicht viel. Yuma hat uns nur erzählt, dass die Banditen ihm dieses Dokument angenommen hätten, bevor sie ihn ermorden wollten. Waren übrigens die gleichen Kerle, die Sina und ich verdroschen haben“, sagte sie mit Triumph in der Stimme.
„Weißt du noch, wie sie ausgesehen haben?“ Ihr Vater wurde versöhnlicher.
„Sicher. So wie Banditen eben aussehen“, antwortete sie ruhig und dachte daran, dass dies die längste Unterhaltung mit ihm war, seitdem sie im Dorf der Apachen zu Gast weilte.
„Willst du mich zum Besten halten?“, explodierte er sogleich wieder.
„Nein, aber ich habe sie nur einmal gesehen und das liegt auch Wochen zurück. Ihre Gesichter werde ich wohl wieder erkennen.“
„Dann ist es wohl das Beste, du sprichst mit dem Häuptling. Taim ist außer sich vor Sorge.
Ich mir auch, dachte Katie. Zog es aber vor, zu schweigen.
Katie sprach lange mit dem Häuptling in dessen großen Zelt, das extra für Beratungen aufgebaut worden war.
„Ich schicke Krieger, um die beiden zu befreien“, sagte Taim. Katie schüttelte den Kopf und ignorierte den warnenden Blick ihres Vaters. „Das halte ich für keine gute Idee. Es wird nur in einem Blutvergießen auf beiden Seiten enden und der Vertrag wird für nichtig erklärt. Dann wird das Land der Apachen beschlagnahmt und doch an die Siedler verteilt. Damit ist deinem Stamm auch nicht geholfen.“
„Was schlägt meine junge Schwester stattdessen vor?“, fragte der Häuptling und brachte seinen weißen Bruder mit einer Handbewegung zum Schweigen. In den letzten Stunden schien er um Jahre gealtert.
„Lass mich sie befreien“, schlug Katie vor und wandte den Blick von ihrem Vater ab, der aufgebracht dazwischen fahren wollte. Der Häuptling runzelte skeptisch die Stirn, ließ das Mädchen aber weitersprechen. „Ich weiß, das klingt jetzt ungewöhnlich und ist mit Sicherheit auch sehr gefährlich, doch ich habe mir das gründlich überlegt. Eine einzige Frau ist wesentlich unauffälliger als ein ganzer Stamm Krieger. Mir wird man wohl kaum zutrauen, dass ich in der Lage bin, die beiden zu befreien. Das ist mein Trumpf.“
Der Häuptling nickte. Ein listiges Lächeln stahl sich auf seine Lippen. Katies Plan gefiel ihm. „Kein übler Plan.“ Mit Freuden hörte Katie die Anerkennung hinter seinen Worten. „Trotzdem ist es sehr gefährlich für eine junge Frau, allein durch die Prärie zu reiten.“
„Da hast du Recht“, stimmte Katie zu und dachte an ihre ersten Abenteuer, bis sie hier im Stamm eintraf. Sie und Sina hatten mehr Glück als alles andere gehabt. „Gib mir zwei Krieger mit. Alt genug, reich an Erfahrung zu sein, aber so jung, dass man es ihnen nicht ansieht.“
Verschwörerisch grinste sie den Häuptling an, der lächelnd erwiderte.
„Und was ist, wenn dein toller Plan nicht aufgeht? Das ist Wahnsinn, was du da vorhast“, warf Katies Vater hitzig dazwischen. „Dann sitzt du zusammen mit den beiden in einer Zelle.“
In Katie kochte erneut der Zorn hoch, doch sie beherrschte sich. Ihre Freunde waren ihr wichtiger, als die ewigen Diskussionen mit ihrem Vater. „Wie weit ist es bis zu Fort Brannigan?“, wandte sie sich stattdessen an den Häuptling.
„Nicht ganz einen Tagesritt“, lautete die Antwort.
Schön blöd, dass sie sich fast vor der Haustür fangen lassen, dachte Katie. Sie zählte an den Fingern ab. „Drei, nein besser vier Tage. Gib mir vier Tage und dann stehen Sina und dein Sohn vor deinem Zelt. Sollte das nicht der Fall sein, komm sie mit deinen Kriegern holen.“
Taim nickte. „So sei es.“
„Wenn das mal gut geht“, hörte sie ihren Vater sagen und auf Deutsch: “Genau wie ihre Mutter.“
Der Tag war heiß. Die Sonne brannte vom Himmel, als wolle sie alles Leben auf der Erde versengen. Kein Wölkchen am Himmel. Irgendwo ganz oben im Blau kreisten Geier, die man nur als schwarze Punkte ausmachen konnte und die darauf warteten, dass am Boden unter ihnen ein Stück Wild verendete. Nicht einmal eine kleine Brise verschaffte etwas Abkühlung.
Katie zügelte ihren Hengst. Harlekin schlug heftig mit dem Kopf nach den Fliegen, die sein Gesicht wie eine schwarze Wolke umschwärmten und trat sich immer wieder mit dem Hinterbein unter den Bauch. Seine Reiterin klopfte ihm den Hals, auf dem schaumiger Schweiß stand. Auch Katie rann das Wasser in Strömen über den Rücken und die Stirn und ließ das Haar unter dem Stetson kleben. Ihre Kleidung klebte wie eine zweite Haut am Leib. Zum wiederholten Male nahm sie den Hut ab und wischte sich mit dem Ärmel übers Gesicht, nur dass frischer Schweiß sofort nach rann. Harlekin schüttelte sich und Katie musste sich am Sattelhorn festklammern, um nicht vom Pferd zu stürzen.
Die Apachenkrieger, die sie begleiteten, schlossen zu ihr auf. Selbst die abgehärteten Roten schienen unter der Hitze zu leiden.
„Ihr wartet bitte unten am Fluss auf mich“, sagte sie, als die drei neben ihr standen. „Dort könnt ihr und eure Pferde ausruhen und euch erfrischen.“ Bedauernd, dass ihr diese Pause nicht vergönnt war, zupfte sie an ihrem Hemd.
„Was ist mit Euch?“, fragte der Älteste der drei. Sein Name lautete übersetzt so viel wie „Schwarzer Adler“ und er hatte Katie mehrfach erzählt, dass er auf der Suche nach einer guten Ehefrau war.
„Viel Glück. Im Stamm herrscht ja kein Mangel“, hatte sie geantwortet. Ihre Augen schweiften über die Weite der Steppe und im Geheimen musste sie sich eingestehen, dass sie immer noch nach Sakima Ausschau hielt. Doch das Dorf der Lakota befand sich mehr als zwei Tagesritte in der entgegengesetzten Richtung, wie sie durch geschickte Fragen von dem redseligen Schwarzen Adler erfuhr. Also bestand kaum Hoffnung, Sakima zu treffen. Höchstens Sioux, aber da machten die Apachen sich die wenigsten Sorgen, denn dieser Stamm zählte zu ihren Verbündeten.
Katie setzte ein schwesterliches Lächeln auf. Allzu sehr durfte sie den Schwarzen Adler nicht ermuntern, sonst sah er sie im Geiste schon als seine Squaw im Wigwam. „Ich sollte nicht zu frisch aussehen und mein Pferd auch nicht.“ Sie schwang sich vom Pferderücken und der Apache tat es ihr gleich. „Gib mir bitte dein Messer“, bat sie und hielt die ausgestreckte Hand hin. Verwirrt runzelte der Indianer die Stirn. „Wozu brauchst du mein Messer?“
Enerviert verdrehte Katie die Augen. „Es soll doch so aussehen, als wäre ich knapp einem Überfall entkommen. Also, ich erkläre dir noch einmal meinen Plan, wie ich in das Fort komme.“
Die beiden anderen Krieger, Harlyn und Kleiner Bär kicherten hinter vorgehaltener Hand. Seitdem ihr Stammesbruder sein Herz an das weiße Mädchen verloren hatte, war er nicht mehr ganz bei der Sache.
„Ich gebe vor, dass ich knapp einem Überfall durch Indianer entkommen bin, die mich und meine Begleiter angegriffen haben. Meine Freunde sind tot und nur ich habe als Einzige überlebt. Dafür muss ich schmutzig und blutig aussehen. Nur darf an meinem Messer – das lasse ich am besten hier- kein Blut kleben. Deswegen brauch ich deines.“
„Wo willst du das Blut hernehmen?“ Er klang besorgt, doch Katie war nur genervt, dass sein Verstand offensichtlich ein wenig langsam zu arbeiten schien. Wortlos zog sie das scharfe Messer aus seinem Gürtel und fügte sich selbst einen Schnitt am Oberarm zu. Den Ärmel ihres Hemdes zerriss sie. Sie gab dem Indianer sein Messer zurück. „Glaubtest du etwa, wir nehmen Tierblut? Ich blute, aber ich bin nicht verletzt, das ist doch unmöglich.“
Die beiden anderen Apachenkrieger unterdrückten nur mühsam ein Grinsen. „Schnauze“, kommentierte Katie. Sie schwang sich wieder in den Sattel. Als Waffen führte sie nur ein Messer und eine indianische Streitaxt mit sich, die sie beide sorgsam im doppelten Boden ihrer Satteltasche versteckt hielt. Falls nötig, wollte sie Schusswaffen borgen, ohne den Besitzer vorher zu fragen.
Reinkommen sollte kein Problem sein, die Geschichte vom kleinen, verfolgten Mädchen würde man ihr bestimmt abkaufen. Allein raus musste sie wieder und das samt ihrem Anhang. Sie wunderte sich ohnehin, wie die beiden, Sina und Yuma, es geschafft hatten, hinter Gitter zu landen. Vor allem Sina. Die Indianer, gleich welcher Stamm, erfreuten sich keiner großen Beliebtheit unter den weißen Soldaten, wie Katie von dem Schwarzen Adler erfahren hatte.
„Wenn die Sonne zum zweiten Mal aufgeht, bin ich zurück. Sollte dies nicht der Fall sein, benachrichtigt eure Stammesbrüder.
„Was ist, wenn du Hilfe brauchst?“, wandte Harlyn ein. Eine durchaus berechtigte Frage. So ganz ohne Hilfe würde es sicherlich nicht gehen. Plötzlich hatte Katie einen Einfall. Aus der kleinen Ledertasche, in der sie ihr Operationsbesteck aufbewahrte, zog sie einen Spiegel und hielt ihn gegen die Sonne. „Damit werde ich euch ein Zeichen geben bei Tag. Dreimal wird der Spiegel aufblinken. Bei Nacht wird es eine Fackel sein.“
Die drei Roten nickten zufrieden. Die Tochter ihres weißen Lehrers war genau so klug wie ihr Vater, allerdings schien sie auch seinen Wahnsinn geerbt zu haben. Selbst diese tapferen Apachen, die sich im Kampf mehrfach bewährt hatten, trotz ihrer jungen Jahre, wussten nicht, ob sie Katies Vorhaben sehr mutig oder schlichtweg verrückt heißen sollten.
Sie wendete ihr Pferd. Auf ihrem Gesicht spiegelte sich die innere Aufruhr nicht. „Wünscht mir Glück“, sagte sie nur knapp zum Abschied.
„Möge Manitu seine schützende Hand über dich halten“, rief ihr der Schwarze Adler nach.
Harlekin galoppierte an. Kurz bevor sie in Sichtweite der wachhabenden Soldaten kam, parierte Katie zu einem gemächlichen Schritt durch.
Die Soldaten in den schmucken blauen Uniformen waren erschüttert über das Schicksal des hübschen, jungen Mädchens, das scheinbar seine ganze Familie durch diese schrecklichen Rothäute verloren hatte. Man brachte Katie Wasser und Essen. Der General persönlich schenkte dem erschöpften Kind ein Glas Branntwein ein. Nach einem Bad fand sie sich, bekleidet im spitzenbesetzten Nachthemd aus zartem Stoff, im weichen Federbett wieder. Ihren verwundeten Arm hatte der Militärarzt fachgerecht genäht und verbunden. „Ein sauberer Schnitt, junge Dame“, stellte der ergraute Mann fest. „Mit etwas Glück bleibt auch keine Narbe zurück.“
Katie war es herzlich egal, ob sie ein Wundmal behalten sollte. Sie hatte lediglich eines im Sinn, nämlich möglichst schnell ihre Freunde zu finden. Aber dafür musste sie bis zum Einbruch der Nacht warten. Im Schutz der Dunkelheit und wenn alles schlief, konnte sie sich auf die Suche nach den beiden machen. Immer wieder kämpfte sie gegen die Müdigkeit an und wehrte sich vehement gegen das Einschlafen, als die Lider schwer wie Blei wurden. Schon lange hatte sie nicht mehr in einem richtigen Bett geschlafen und ihr Körper merkte den Unterschied schnell.
Katie befand sich auf einer grünen Wiese. Blumen blühten und dufteten in Hülle und Fülle. Schmetterlinge gaukelten träge durch die warme Sommerluft. Kein Wölkchen an einem azurblauen Himmel. Sie trug nur ein dünnes weißes Kleid, dessen Stoff fast durchsichtig war. Ihr Haar floss ihr offen über den Rücken und glänzte kastanienrot. Sie war nicht überrascht, als sie Sakima sah. Er lächelte sie auf die ihr so bekannte Art an. Seine dunklen Augen blitzten und im Haar trug er drei Adlerfedern. Sie rannte auf ihn zu, spürte das kurze, weiche Gras unter ihren nackten Fußsohlen. Er breitete die Arme aus, bereit sie aufzufangen.
Plötzlich verdunkelte eine Wolke die Sonne. Katie fror. Schauer jagten wie Blitze über ihren Körper. Eine Schlange erhob sich aus dem Gras. Ganz deutlich sah sie den schmalen braunen Kopf und die gespaltene Zunge, die immer wieder aus dem Maul hervorzuckte. Wie gelähmt stand Katie da, unfähig sich auch nur zu rühren, starrte sie auf das Tier.
Sakima schien die Schlange nicht zu bemerken. Immer noch forderten seine weitausgebreiteten Arme sie auf, zu ihm zu kommen. Im gleichen Augenblick stieß die Schlange vor und bohrte ihre todbringenden Zähne in seinen Leib.
Mit einem lauten Schrei schreckte Katie auf. Sie saß aufrecht im Bett. Ihr Herz raste in der Brust. Kalter Schweiß perlte von ihrer Stirn.  
Es dauerte einige Augenblicke, bis sie sich gewahr wurde, dass sie sich in einem Himmelbett in einem Zimmer befand. Immer noch hielt der Traum sie gefangen, in dem Sakima von einer Schlange gebissen worden war.
Schwer atmend ließ sie sich auf den Rücken fallen und wartete, bis die Erregung wieder verebbte. „Es war ein Traum. Nur ein verdammter Traum“, flüsterte sie immer wieder, um sich selbst zu überzeugen. Sie setzte sich auf und lauschte angestrengt. Ihr Schrei, von dem man hätte annehmen können, er erwecke Tote, hatte vermutlich niemanden in seinem Schlaf gestört.
Auf bloßen Füßen tappte sie zur Tür und legte das Ohr an die Tür aus massivem Eichenholz. Draußen auf dem Flur war es totenstill. Katie eilte ans Fenster. Gerade war Wachablösung. Der Mond stand schon hoch am Himmel, hatte sein Zenit fast überschritten. „Verdammt, ich bin eingeschlafen“, knurrte sie unnötigerweise.
Eine Waschfrau hatte ihre Kleidung mitgenommen, um sie zu reinigen, doch in dem Zimmer, in dem man sie untergebracht hatte, befanden sich eine Truhe und ein Schrank. Katie riss zuerst die Tür des Schrankes auf. Er war leer. Nicht einmal Motten flogen ihr entgegen. Lediglich ein schwacher Duft von Verbene entströmte dem Holz. Sie zischte einen Fluch, der ihr im Kloster mindestens fünf Schläge mit dem Rohrstock eingebracht hätte. Die Truhe war nicht so einfach zu öffnen. Sie musste sich mit ihrem ganzen Körpergewicht gegen den schweren Deckel stemmen. Mit einer Hand hielt sie die Truhe offen. Die Muskeln ihres Oberarms verkrampften sich schmerzhaft, während sie mit der freien Hand hastig wahllos Kleidungsstücke herauszerrte. Tapfer ignorierte sie den Schmerz der sich verkrampfenden Muskeln.
Mit beiden Händen hielt sie schließlich den schweren Deckel und schloss langsam und lautlos die Truhe.
„Uff“, entfuhr es ihr. Rasch stieg sie in die Kleidung. Es handelte sich um Männerkleidung, die aber offensichtlich für einen Jungen geschneidert worden war, denn sie passte Katie optimal. Wie ein Schatten huschte sie durch die Dunkelheit, an der Tür des Büros des Generals vorbei. Katie hörte, wie er drinnen auf und ab ging. Die Uhr der kleinen Kirch im Fort schlug zwei Uhr morgens. Viel Zeit hatte sie nicht mehr. Bald würde die Sonne aufgehen.
Im Stall stand wohlversorgt Harlekin und kaute genüsslich sein Heu. Müde schaute er seine Herrin an, als wolle er sagen: „Musst du schon so früh hier auftauchen?“
Zwei Stände weiter standen Sinas schimmernde Stute Silver und der Apaloosa des Apachen. Schnell sattelte Katie die Pferde und umband ihre Hufe mit Lappen, die sie in einer verstaubten Ecke der Sattelkammer fand. Fast lautlos konnte sie die drei Pferde aus dem Stall führen und betete im Stillen, dass die Tiere sie nicht durch ein Schnauben verrieten. Auch wenn der Stall nicht bewacht wurde, konnte jederzeit ein Soldat hier nach den Rechten schauen und dann musste ihr eine passende Antwort einfallen. Die Pferde band sie hinter dem Stall an.
 

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Beitrag #2 |

RE: Könige der Prärie - 11. Teil
Hallo Persi,

eine Geheimaktion bei Mondlicht, das fehlte gerade noch!  Icon_cool
Und wenn sie ihre Freunde nicht findet, dann vielleicht das gestohlende Dokument.

Was Katies Verehrer angeht - der muss doch Angst vor einer so coolen Frau kriegen. Ich könnte mir vorstellen, dass sie ihn gerade durch diese Aktion abschütteln kann. Aber Moment ... muss nicht eigentlich Sakima auftauchen und alle zusammen retten? Aber vielleicht taucht auch Dixon im Fort auf und befreit nur Sina, so dass Katie mit allen sich dort ansammelnden Jungs ... ach, ich mache besser mit dem Tipp-Ex weiter!

(13-05-2017, 17:59)Persephone schrieb: „Wir vermuten, dass Yuma auf der Suche nach einem Dokument war, dass die Banditen ihm abgenommen haben und das von beträchtlichem Wert ist.“
Das marktierte "das" kommt mit nur einem s aus.

(13-05-2017, 17:59)Persephone schrieb: „Nicht viel. Yuma hat uns nur erzählt, dass die Banditen ihm dieses Dokument angenommen hätten
Abgenommen meint sie wohl.

(13-05-2017, 17:59)Persephone schrieb: Taim ist außer sich vor Sorge.
Ich mir auch, dachte Katie.
Das "mir" passt irgendwie nicht.
"Taim ist außer sich ... ich auch" hätte grammatisch Sinn, oder eben "Taim mach sich Sorgen ... ich mir auch".

(13-05-2017, 17:59)Persephone schrieb: ihre ersten Abenteuer, bis sie hier im Stamm eintraf.
Zeitform: eingetroffen war. Es war ja vor der Erzählzeit.

(13-05-2017, 17:59)Persephone schrieb: Nur darf an meinem Messer – das lasse ich am besten hier- kein Blut kleben.
Autokorrektur: Ich finde es schade, dass es immer noch keine Gedankenstrich-Taste gibt. Dabei braucht man das Zeichen so oft! Also verlässt man sich auf die Autokorrektur, die aber nur greift, wenn davor und danach ein Leerzeichen steht... Icon_wink

(13-05-2017, 17:59)Persephone schrieb: wie die beiden, Sina und Yuma, es geschafft hatten, hinter Gitter zu landen.
Müsste das nicht "hinter Gittern" heißen?

(13-05-2017, 17:59)Persephone schrieb: Auf bloßen Füßen tappte sie zur Tür und legte das Ohr an die Tür aus massivem Eichenholz.
Zweimal Tür klingt seltsam. Vielleicht lässt sich das umformulieren, zum Beispiel so:
"Auf bloßen Füßen tappte sie zur Tür aus massivem Eichenholz und legte das Ohr daran."
"Auf bloßen Füßen tappte sie zum Ausgang und legte das Ohr an die Tür aus massivem Eichenholz."

(13-05-2017, 17:59)Persephone schrieb: Die Uhr der kleinen Kirch im Fort
Kirche?

Gute Nacht
coco


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Beitrag #3 |

RE: Könige der Prärie - 11. Teil
Hallo Coco,

Zitat:Was Katies Verehrer angeht - der muss doch Angst vor einer so coolen Frau kriegen. Ich könnte mir vorstellen, dass sie ihn gerade durch diese Aktion abschütteln kann. Aber Moment ... muss nicht eigentlich Sakima auftauchen und alle zusammen retten? Aber vielleicht taucht auch Dixon im Fort auf und befreit nur Sina, so dass Katie mit allen sich dort ansammelnden Jungs ... ach, ich mache besser mit dem Tipp-Ex weiter!
Der Schwarze Adler ist ein moderner selbstbewusster Mann, der steht auf so coole Frauen und Sakima 1. Sitzt der gerade in seinem Stamm, regiert und weiß von nix
            2. Dem Apachen würde er nicht den Popo retten (glaub mir, überhaupt nicht  Mrgreen)

Blöde Tippfehler  Icon_motz ich werde noch genauer drüber gehen.

Wir sehen uns 

Liebe Grüße Persephone

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Beitrag #4 |

RE: Könige der Prärie - 11. Teil
Hallo Persi,
 
und weiter. hurra
 
Zitat:Yuma hat uns nur erzählt, dass die Banditen ihm dieses Dokument angenommen hätten, bevor sie ihn ermorden wollten
 
abgenommen
 
Zitat:Ich mir auch, dachte Katie. Zog es aber vor, zu schweigen.
 
Sie meint wohl: „ich auch“ Icon_wink
 
Zitat:Mir wird man wohl kaum zutrauen, dass ich in der Lage bin, die beiden zu befreien.
 
kaum jemand zutrauen
 
Zitat:Ihre Freunde waren ihr wichtiger, als die ewigen Diskussionen mit ihrem Vater.
 
So ewig können die Diskussionen gar nicht sein, sie spricht doch kaum mit ihm. Icon_rolleyes Außerdem ist seine Frage durchaus berechtigt. Es wäre nachvollziehbarer, wenn sie wütend wird, weil das alles jetzt Zeit verschwendet oder sowas.
 
Zitat:Mutter.“
Der Tag war heiß. Die Sonne brannte vom Himmel, als wolle sie alles Leben auf der Erde

Hier bitte auch wieder eine Leerzeile. Achte einfach auf die Szenenwechsel, oder wenn (inhaltlich) mal ein wenig Zeit zwischen den Sätzen vergeht, dann ist eine Leerzeile sinnvoll, damit ich als Leser merke, dass jetzt was neues/anderes/späteres kommt. Icon_wink
 
Zitat:„Schwarzer Adler“ und er hatte Katie mehrfach erzählt, dass er auf der Suche nach einer guten Ehefrau war.
„Viel Glück. Im Stamm herrscht ja kein Mangel“, hatte sie geantwortet.
 
Ich würde das mit einer indirekten Rede lösen. Also: "er hatte ihr erzählt, dass er auf der Suche nach einer Frau wäre, worauf sie antwortete das kein Mangel im Stamm herrsche.“ Sowas halt, damit es nicht so wirkt, als ob sie das Gespräch jetzt gerade führen.
 
Zitat:Nur darf an meinem Messer – das lasse ich am besten hier- kein Blut kleben.
 
Ihr Messer hat doch Sakima mitgenommen, oder hat sie ein Neues? Icon_confused
 
Zitat:Auf bloßen Füßen tappte sie zur Tür und legte das Ohr an die Tür aus massivem Eichenholz.
 
Dopplung von „Tür“
 
Zitat:konnte jederzeit ein Soldat hier nach den Rechten schauen und dann musste ihr eine passende Antwort einfallen
 
dem Rechten
 
Und schon wieder hört es so spannend auf. Aber ich find's toll, wenn so wieder Action in die ganze Sache kommt und springe sofort zum nächsten Kapitel. Wave

Liebe Grüße,
Lady

Wer nicht kann, was er will, muss das wollen, was er kann. Denn das zu wollen, was er nicht kann, wäre töricht. -Leonardo da Vinci-
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Beitrag #5 |

RE: Könige der Prärie - 11. Teil
Hallo Lady, 

Zitat:Ich würde das mit einer indirekten Rede lösen. Also: "er hatte ihr erzählt, dass er auf der Suche nach einer Frau wäre, worauf sie antwortete das kein Mangel im Stamm herrsche.“ Sowas halt, damit es nicht so wirkt, als ob sie das Gespräch jetzt gerade führen.
Dein Vorschlag ist wirklich der bessere  Icon_confused wird so übernommen. 

Ansonsten, die Tippfehler. Im Saarland heißt das "gestruddelt"  Mrgreen

Danke für dein fleißiges Lesen

Gruß Persephone

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