Es ist: 22-11-2019, 08:50
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Könige der Prärie - 12. Teil
Beitrag #1 |

Könige der Prärie - 12. Teil
Schon bei ihrer Ankunft hatte sie den Blick schweifen lassen und aus den Augenwinkeln glaubte sie, irgendwo Stäbe einer Gefängniszelle gesehen zu haben. Auch wenn niemand zu ihr ein Wort über die Gefangenen gesagt hatte. Fort Brannigan war verhältnismäßig klein und so war Katie zuversichtlich, ihre Freunde bald zu finden. Sie hielt sich stets im Schutz der Dunkelheit, um nicht von den Soldaten gesehen zu werden.
Im Lichtkegel einer Öllampe würfelten an einem grob gezimmerten runden Tisch zwei Soldaten. Sie beschimpften sich gegenseitig als Betrüger und lachten roh. Ihren schleppenden Stimmen nach zu urteilen, sprachen sie schon längerer Zeit dem Branntwein zu. Katie lächelte insgeheim triumphierend, die Finger ihrer linken Hand umklammerten eine kleine Phiole in der Hosentasche. Alkohol würde die Wirkung nur noch verstärken.
In der Dunkelheit konnte sie nur schemenhaft die beiden Gestalten in der Gefängniszelle ausmachen, doch Sina schien sie bemerkt zu haben. Katie hörte die Stimme der Freundin, als die beiden wachhabenden Soldaten in ein Gespräch verwickelte.
Die indianischen Mokassins, die sie in der Truhe gefunden hatte und die sie trug, waren ihr etwas zu groß. Sie waren eher für Männerfüße gemacht, dennoch taten sie ihren Dienst. So war es ihr möglich, sich lautlos an den ihr am nächsten sitzenden Soldaten heranzupirschen. Fest presste sie ihm einen Stofflappen auf Mund und Nase. Ein beißender Geruch erfüllte die Luft und Katie musste aufpassen, nicht selbst ohnmächtig zu werden. Sie hatte ein wenig viel von dem Chloroform erwischt. Augenblicklich sank der Soldat zu Boden und rührte sich nicht mehr. Katie zog während seines Fallens den Revolver aus dem Gürtel und entsicherte die Waffe mit einem leisen Klicken. Als der zweite Soldat aufblickte, schaute er geradewegs in den Lauf des Colts seines Kameraden.
„Du da“, Katie verschwendete keine Zeit. Sie warf dem Soldaten das Chloroform getränkte Tuch hin. „Halte dir das vors Gesicht und schön tief einatmen.“ Sie grinste. „Na, wird’s bald?“
Als der Angesprochene zögerte, winkte sie nachdrücklich mit dem Revolver. Ihr Zeigefinger spannte den Abzugshahn. Widerspruchslos kam der Soldat dem Befehl nach und einen Moment später sank auch er zu Boden. Katie sicherte die Waffe und steckte sie in den Gürtel. Inständig hoffte sie, dass die etwas zu weite Hose nicht rutschte.
„Katie. Gott sei Dank“, mit einem erleichterten Aufatmen schoss Sina vor zu den Gitterstäben, hinter denen man sie und Yuma gefangen hielt.
Der Apache gesellte sich dazu. „Aber wie?“, fragte er verwundert.
„Erzähl ich euch später.“ Eifrig machte Katie sich daran, den am Boden liegenden Soldaten ein Schlüsselbund abzunehmen. Sie erhob sich und hielt ein wenig ratlos den schweren Bund mit den vielen Schlüsseln in Händen. „Die genügen ja für eine ganze Stadt“, meinte sie resigniert.
„Schieß doch einfach das Schloss entzwei“, schlug Sina vor.
„Nein, das verursacht zu viel Lärm.“ Katie drückte der Freundin die Öllampe in die Hand. „Halt die mal, dann kann ich besser sehen.“ Sie stutzte kurz, als der Lichtkegel auf die Handgelenke des Indianers fiel. „Warum trägt Yuma Ketten?“
„Er hat einen Offizier geschlagen. Morgen soll er deswegen erschossen werden“, antwortete Sina. „Jetzt beeil dich doch bitte. Die Sonne geht ja gleich auf.“
Katie entging die Panik in der Stimme ihrer Freundin nicht. Sie ahnte bereits, dass der Erschießungsbefehl nicht nur dem Apachen galt. Hastig suchte sie einen Schlüssel heraus, der vom Augenmaß passen konnte. Es war der Falsche. Katie fluchte. Der nächste war zu klein. „Warum braucht man tausende Schlüssel an einem Bund.“ Endlich fand sie den richtigen. Mit einem rostigen Schaben drehte er sich im Schloss. Katie gestattete sich ein erleichtertes Aufatmen, hatte sie doch befürchtet, das Schloss tatsächlich durchschießen zu müssen. Schnell fand sie auch den Schlüssel für Yumas Ketten. Gerade als die beiden Gefangenen ihr Gefängnis verlassen wollten, erstarrte Sina. Der zweite Soldat, den Katie betäubt hatte, erwachte aus seiner Bewusstlosigkeit. Schwankend stemmte er sich auf die Knie und fand Halt an dem runden Tisch, wo er zuvor mit seinem noch schlafenden Kameraden gewürfelt hatte. Die Holzplatte knarrte unter seinem Gewicht, doch am meisten erschreckte die Drei die Pistole, die auf sie zeigte. Der Soldat grinste hämisch. Er wusste, dass er nicht einmal treffen musste. Es genügte, den Revolver abzufeuern und innerhalb kurzer Zeit würde es hier von blauen Uniformen nur so wimmeln. Eine Flucht war damit dann völlig ausgeschlossen.
Er fasste nach Katies Knöchel, die ihm am nächsten stand. „Schön hiergeblieben, kleines Fräulein“, lallte er mit schwerer Zunge, die nicht nur vom Alkohol herrührte.
Reflexartig trat sie zu. Der Soldat verlor den Halt und für einen Moment sah es so aus, als würde er zu Boden stürzen, doch fing er sich wieder und umklammerte mit der freien linken Hand die Tischkante. „Hilfe!“, zuerst kam das Wort nur schleppend und kaum verständlich aus seinem Mund. Doch je mehr die Wirkung des Chloroforms nachließ, desto besser war er zu verstehen.
„Überfall! Hilfe! Indianer!“
Katies Herz begann zu rasen. Ihr wurde heiß und kalt zugleich. Wut kochte in ihr hoch. An einem betrunkenen Yankeesoldaten sollte die Befreiung ihrer Freunde ganz bestimmt nicht scheitern. Sie wandte sich um und hieb dem Soldaten ihren eigenen Colt an die Schläfe. Er war ein großer, kräftiger Mann. Der Schlag einer zierlichen Frau, der ihm unter gewöhnlichen Umständen wenig ausgemacht hätte, brachte ihn zum Schwanken, aber noch nicht zu Fall. Er hob seinen Revolver hoch, bereit einen Warnschuss abzugeben.
Plötzlich hielt Katie die eisernen Ketten, die Yuma um die Handgelenke getragen hatte. Sie ließ die schweren Glieder einmal kreisen und schmetterte sie mit aller Kraft an den Kopf des Soldaten. Wie ein gefällter Baum stürzte er zu Boden und rührte sich nicht mehr.
Katie lehnte einen Moment an die Gefängnisstäbe und fing hysterisch an zu lachen. Sie presste beide Hände auf den Mund. Tränen liefen ihr übers Gesicht und ihr Körper wurde regelrecht geschüttelt.
Yuma und Sina, die immer noch in der Gefängniszelle standen, schauten sie verständnislos an.
„Ihr…ihr hättet.“ Atemlos rang sie nach Luft. Immer wenn sie versuchte ein Wort zu sagen, wurde sie von neuen Lachanfällen geschüttelt. „Ihr hättet eure Gesichter sehen müssen, als ihr da im Stroh saßt.“ Lachend schüttelte sie den Kopf. „Köstlich, einfach zu köstlich.“
„Du bist völlig verrückt“, konstatierte Sina.
„Die Sonne geht bald auf“, warf der Indianer mit einem Blick an den Himmel ein, wo sich ein schmaler silberner Streifen zeigte. „Bald wird hier alles voller Soldaten sein.“
Sina drängte sich an Yuma und Katie vorbei. Sie packte den bewusstlosen Soldaten an den Armen. „Wir müssen die beiden einsperren.“ Sie begann, den schlaffen Körper in die Gefängniszelle zu zerren.
Die Pferde warteten geduldig, bis ihre Reiter sie abholten. Yuma hatte die beiden Soldaten in der Zelle nicht nur gefesselt, sondern auch Fetzen ihrer Uniform als Knebel in den Mund geschoben, sodass sie nicht schreien konnten.
Katie bestieg ihr Pferd und ritt ruhigen Schrittes zu dem großen Tor. Bei den beiden wachhabenden Soldaten, die noch sehr jung zu sein schienen, wollte sie sich höflichst für die empfangene Gastfreundschaft bedanken. Ihren Freunden, die sich im Schutz der Dunkelheit aufhielten, wollte sie ein Zeichen geben, sobald das Tor weit genug offen war, es zu passieren. Die Wache schien im Schlaf zu dösen, doch sobald sie Katie gewahr wurden, schreckten sie auf. Die Schirmmützen waren ihnen fast über die Augen gerutscht.
„Wohin des Weges, junge Dame?“, fragte einer freundlich.
„Ich möchte mich für die Gastfreundschaft, die mir Fort Brannigan gewährt hat, bedanken“, antwortete Katie wohlerzogen und hoffte, dass ihr Gegenüber das leichte Zittern in ihrer Stimme nicht bemerkte.
Der Soldat wurde hellhörig. Er schob die Schirmmütze in den Nacken. „Es ist früher Morgen. Wollt Ihr Euch nicht noch vom General verabschieden?“
„Ach nein, bitte keine Umstände. Ich vermisse meine Familie“, antwortete Katie. „Würdet ihr mir bitte das Tor öffnen?“
„Eure Familie ist doch bei dem Überfall der Indianer ums Leben gekommen“, fasste der Soldat zusammen. Sein Misstrauen war geweckt. Er nahm sein Gewehr fester in die Hand. „Wenn ich es mir recht bedenke, seht Ihr sehr frisch aus, dafür dass Ihr gerade erst Eure gesamte Familie verloren habt.“ Er war erstaunlich scharfsinnig.
Katie suchte schnell nach einer passenden Antwort. Genau das hatte sie befürchtet. „Nun ja, mein Vater ist ja auf unserer Farm geblieben und…“
„Man kann ihm jederzeit eine Nachricht zukommen lassen“, unterbrach sie der Soldat. „Für eine junge Frau ist es zu gefährlich, allein in der Prärie zu reiten. Die Rothäute habt Ihr doch schon fürchten gelernt.“ Er stellte sich in den Weg und packte Harlekins Zügel.
„Lassen Sie sofort mein Pferd los“, forderte Katie barsch und stieß Harlekin die Fersen in die Flanken. Der Hengst riss den Kopf hoch und rollte mit den Augen, doch der Soldat hing fast mit seinem gesamten Körpergewicht in den Zügeln des Tieres.
„Du bleibst hier, Mädchen und deine Indianerfreunde auch.“ Er gab seinem Kameraden das Zeichen, Alarm zu schlagen. Katie stieß einen schrillen Schrei aus. Mit aller Kraft trat sie dem Soldaten in die Kehle und zog den Colt aus ihrem Gürtel. Ein scharfer Knall und ein kurzer Blitz, dann sank er getroffen zu Boden. Die nächste Kugel traf seinen Kollegen. Eilig kamen Sina und der Apache herbei. Sie sprangen von den Pferden und stemmten sich zu dritt gegen den schweren Riegel. Sie schoben das Tor so weit auf, dass sie gerade durchreiten konnten.
Am Himmel ging die Sonne auf. Katie half ihren Freunden auf die Pferde. Die Soldaten des Forts waren alarmiert. Plötzlich wimmelte es von blauen Uniformen wie in einem Ameisenhaufen.
Sie konnte die Gefahr körperlich im Rücken spüren. Sina und Yuma zögerten einen Augenblick, sahen sich nach Katie um. Sie gab ihnen unwirsche Handzeichen, weiter zu reiten und die beiden passierten das rettende Tor.
„Ich will sie lebendig“, bellte eine raue Stimme irgendwo in dem Getümmel, während sie sich bemühte, auf ihren nervösen Hengst zu steigen. Gefolgt von dem Apaloosa galoppierte Silver mit eng an den Kopf gelegten Ohren in die Freiheit. Mit aller Kraft klammerte sich Sina am Sattelhorn fest. Ihre schimmernde Stute glich in der aufgehenden Sonne einem Lichtstrahl.
Langsam schwang das Tor wieder nach innen. Verzweifelt versuchte Katie sich einen Weg durch die Menge der Soldaten zu bahnen, die sie umringten. Sie spürte grobe Hände, die von hinten packten und aus dem Sattel zerrten. Einen Moment wehrte sie sich noch voller Verzweiflung, doch wusste sie, dass sie hoffnungslos unterlegen war. Das Tor schwang zu und Katie war gefangen. Ihre Freunde hatten es in die Freiheit geschafft. Brutal wurde sie herumgerissen und im gleichen Augenblick schlug ihr jemand hart ins Gesicht. Katie verlor die Besinnung.
Sie saß in dem gleichen Gefängnis, aus dem sie ihre Freunde befreit hatte. Vor den Gitterstäben saß der ihr bekannte Soldat, den sie mit Chloroform betäubt hatte und spielte Karten. Sein Spielgenosse war ein anderer. Sein Vorgänger hatte den Schlag mit den eisernen Handschellen nicht überlebt. Katie lehnte mit dem Rücken gegen die Wand. Ihre Hände waren gefesselt. In wenigen Stunden sollte sie nach Roswell gebracht werden, wo man ihr den Prozess machen wollte. Die Anklage lautete auf dreifachen Mord, Befreiung von Gefangenen und Widerstand gegen die Armee. Sie hatte nur wenig Hoffnung, falls nicht ein Wunder geschah, war ihr der Galgen sicher oder auch die Kugel. Das lag ganz im Ermessen des Richters. Sie wurde lediglich nur deshalb nicht vor ein Militärgericht gestellt, weil sie eine Frau war.
Rostig drehte sich der Schlüssel im Schloss, die Tür ging mit einem leisen Quietschen auf. Zwei Soldaten flankierten den Ausgang. Katie trat heraus, unbarmherzig stach ihr die Sonne grell in die Augen.
Ein Blaurock eilte herbei und führte ein braunes Pferd am Zügel, wenigstens durfte sie ihr eigenes Pferd reiten. Die Stricke, mit denen man ihre Hände gefesselt hatte, schnitten ihr in die Haut. Sie warf einen Blick zum Tor. Die Apachen lagerten gut einen halben Tagesritt entfernt, wenn alles gutgegangen war, sollten Yuma und Sina wohlbehalten im Stamm angekommen sein. Bis der Häuptling dann aber entsprechend Krieger mobilisiert hatte, mit denen er zu ihrer Rettung im Fort eintraf, verging noch einmal mindestens ein Tag. Falls Taim sich diese Mühe für ein Mädchen überhaupt machte und ihr Vater war mit Sicherheit froh, sie auf so elegante Art loszuwerden. Katie hätte gerne beruhigend über den Hals ihres Pferdes, der vor Aufregung ganz dunkel vom Schweiß war, gestrichen, doch ließen ihre gebundenen Hände das nicht zu. Sie musste sich sogar schwerfällig in den Sattel helfen lassen. Ein Captain, Katie war sein Name entfallen, entrollte ein Dokument und las es mit nasaler Stimme vor. Seine Worte drangen wie durch Watte an ihr Ohr. Sie hörte zwar, was er sagte, doch verstand sie kaum den Sinn. Der Captain rollte das Schriftstück wieder zusammen und überreichte es einem salutierenden Korporal, dessen Gruß er erwiderte.
Der Corporalstieg auf eine nervöse braune Stute. Drei seiner Kameraden, die ihn und Katie begleiten sollten, warteten schon. Er beugte sich zu dem Mädchen und krallte die Finger in ihren Oberarm. Mit zusammengebissenen Zähnen unterdrückte sie jede Regung des Schmerzes, man hatte sie schon genug gedemütigt.
„Solltest du einen Fluchtversuch wagen, erschießen wir dich sofort. Hast du verstanden?“, zischte er ihr zu. Katie starrte durch ihn hindurch, als wäre er gar nicht vorhanden. Sein Griff wurde fester, sie spürte jeden einzelnen Fingernagel. Schließlich nickte sie kaum merklich und überlegte, ob sie es nicht darauf anlegen sollte. Eine Kugel war sicherlich besser als der Strick. Der Corporal schien ihre Gedanken zu erraten, er wollte noch etwas hinzufügen, doch sein Captain gab ihm das Zeichen zum Aufbruch.
Der schwere Riegel wurde zurück geschoben, die Flügeltüren schwangen weit auf und gaben voller Zynismus den Weg frei. Vor wenigen Stunden hätte Katie noch alles dafür gegeben, hier durchreiten zu dürfen, doch am Ende des Weges wartete der Tod auf sie.
Die Sonne stand schon tief am Himmel. Bald würde die Nacht hereinbrechen. Bis Roswell waren es noch fast zwei Tagesritte. An einem kleinen Fluss unter ein paar schattigen Bäumen richteten sich die Soldaten ein Lager für die Nacht her. Katie wurde unter eine junge Pappel gesetzt und an den Stamm gefesselt. Ein Soldat, bewaffnet mit einem langen doppelläufigen Gewehr, blieb zu ihrer Bewachung. Anscheinend wollten die Blauröcke kein Risiko eingehen. Der Corporal trat zu dem Mädchen uns musterte es mit lüsternem Blick. Seine Zungenspitze fuhr über die aufgesprungenen Lippen: „Vielleicht sollten wir mit der Kleinen noch ein wenig Spaß haben, bevor sie“, er fuhr sich mit dem Zeigefinger über die Kehle, „das hübsche Hälschen langgezogen bekommt.“ Er lachte hämisch. Sein am Boden sitzender Kamerad schob sich die Schirmmütze in die Stirn. „Ach, Joe , du weißt doch wie das ist. Nachher redet sie und auf den Ärger habe ich wirklich keine Lust.“
Joe ging in die Hocke. Er starrte Katie auf unverschämte Art an, fast zog er sie schon mit Blicken aus. Das Mädchen wurde unruhig. Die starken Seile, mit denen man sie gefesselt hatte, hielten sie so fest, dass sie lediglich den Blick abwenden konnte.
„Wir haben unseren Spaß mit ihr und danach kriegt sie eine Kugel.“ Er grinste widerlich. „Auf der Flucht erschossen.“
Joe erhob sich aus der unbequemen Stellung. „Binde sie los“, befahl er seinem Kameraden.
„Was?“, schreckte der aus seinem Dösen auf.
„Losbinden“, wiederholte Joe seinen Befehl.
„Aber…?“ Unsicher huschten die Blicke des noch recht unerfahrenen Soldaten zwischen seinem Vorgesetzten und dem Mädchen hin und her.
„Willst du dich meinem Befehl etwa widersetzen?“ Der Corporal zog seine Pistole und entsicherte sie. Augenblick sprang der Soldat auf. Eine Kugel wegen Befehlsverweigerung wollte er sich wegen der kleinen Hure nicht einfangen. Er löste die Stricke um Katies Handgelenke und Körper.
Der Lauf der Waffe zielte auf Katies Stirn. „Steh auf!“ Sie zögerte. „Wird’s bald oder soll mein Kamerad dir Beine machen?“
Nicht ohne den Colt aus den Augen zu lassen, erhob sie sich. Arme und Beine brannten wie Feuer, als die Blutzirkulation wieder in Gang kam.
„Komm her“, forderte er sie auf. Zögerlich machte sie einen Schritt. Die Beine drohten fast, unter ihr wegzuknicken.
„Schneller“, blaffte der Korporal. Seine drei Kameraden schauten stumm und ohne jede Regung zu. Als Katie auf Armlänge bei ihm war, packte er sie und zog sie eng an sich. Sein nach Branntwein riechender Atem streifte ihr Gesicht. Sie schloss die Augen und betete stumm, es möge schnell vorbei sein. Seine Finger glitten über ihren Rücken wie Spinnenbeine. Katie verspürte den Drang, sich zu übergeben. Er streichelte einen Moment ihren Po, bevor seine widerlichen Finger unter den Saum ihres Hemdes glitten und bloße Haut berührten. Er presste seine Lippen auf ihren Hals, biss leicht in die zarte Haut. Sie spürte, wie er erbebte. „Wir werden viel Freude miteinander haben, meine Hübsche“, versprach er. „Deine roten Freunde werden dich schon so einiges gelehrt haben.“
Wieder presste er seinen Mund auf Katies Lippen. Seine Zunge glitt zwischen ihre Zähne wie eine Schlange durch Felsspalten. Unwillkürlich musste sie an ihren Traum denken. Der Corporalatmete schwer.
Plötzlich hörte sie langgezogene, hohe Schreie. Der Blaurock ließ von Katie ab und gab ihr einen unerwarteten Stoß, so dass sie zu Boden fiel. Einer seiner Kameraden sank mit einem leisen Stöhnen ins Gras. Ein gefiederter Pfeil ragte aus seiner Brust. Die drei verbliebenen Soldaten duckten sich hinter die Bäume und schossen, was die Pistolen hergaben, ohne sich weiter um ihre Gefangene zu kümmern.
Katie rettete sich hinter einen Busch, wo sie in Sicherheit das Geschehen beobachten konnte.

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Beitrag #2 |

RE: Könige der Prärie - 12. Teil
Hallo Persi,

Action!  Mrgreen
Mal sehen, wie oft sie sich noch gegenseitig retten dürfen.

Wieso drückt sie dem zweiten Soldaten das Tuch nicht im Überraschungsmoment ins Gesicht? Die Gefahr, dass er zuerst schießt statt zu gehorchen, wäre viel zu groß. Überhaupt hätte sie den Lappen doch zerreissen um jedem Betäubten einen Chloroformfetzen in den Mund schieben können.
Egal, es funktioniert - aber kurz darauf fehlt mir ein Zwischenstück:
(14-05-2017, 19:16)Persephone schrieb: Katie half ihren Freunden auf die Pferde.
Haben sie das wirklich nötig? Eben haben sie noch von alleine auf ihre Pferde gefunden. Katie soll sich lieber beeilen, ihr eigenes Pferd zu besteigen ... Insofern wird mir nicht klar, warum sie drinnen zurückbleibt. Sie war zuerst am Tor, hätte also zuerst hindurch reiten müssen, schon um den anderen beiden Platz zu machen. Der Grund, weshalb sie aufgehalten wird und nicht ihre Freunde, kommt irgendwie nicht rüber.

(14-05-2017, 19:16)Persephone schrieb: An einem betrunkenen Yankee Soldaten
Den Yankee-Soldaten würde ich mit Bindestrich schreiben.

(14-05-2017, 19:16)Persephone schrieb: Plötzlich hielt Katie die schweren Ketten, mit denen Yumas gefesselt waren.
Yumas Hände, Arme, Füße? Hier fehlt ein Wort.

(14-05-2017, 19:16)Persephone schrieb: höflichst für die empfangene Gastfreundschaft bedanken und. Ihren Freunden, die sich im Schutz
Der arme Satz wird einfach zu zerteilt... Icon_wink

(14-05-2017, 19:16)Persephone schrieb: Der Captain rollte das Schriftstück wieder zusammen und überreichte es einem salutierenden Korporal, dessen Gruß er erwiderte.
Wenn du den "Captain" englisch schreibst, dann bitte auch den "Corporal".

(14-05-2017, 19:16)Persephone schrieb: unterdrückte sie jede Regung des Schmerzes, man sie schongenug gedemütigt.
Hatte?

(14-05-2017, 19:16)Persephone schrieb: Bis Roswell waren es noch fast zwei Tageritte.
Tagesritte

(14-05-2017, 19:16)Persephone schrieb: „Losbinden“, widerholte Joe seinen Befehl.
Wiederholte kommt auch von "wieder", wenn es widerlich ist.

LG
coco


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Beitrag #3 |

RE: Könige der Prärie - 12. Teil
Hallo Coco,

Erst einmal natürlich vielen Dank für deine Ausdauer. Die Hälfte ist ja schon einmal geschafft, aber ich freue mich natürlich sehr, das meine Indianergeschichte so gut ankommt und erwäge, noch davon zu schreiben. 

Zitat:Mal sehen, wie oft sie sich noch gegenseitig retten dürfen.
Das hat jetzt ein Ende. Aber ich musste ja was schreiben, damit sie sich sehen. Bei den Apachen hat Sakima ja leider Hausverbot  Icon_lol

Zitat:Wieso drückt sie dem zweiten Soldaten das Tuch nicht im Überraschungsmoment ins Gesicht? Die Gefahr, dass er zuerst schießt statt zu gehorchen, wäre viel zu groß. Überhaupt hätte sie den Lappen doch zerreissen um jedem Betäubten einen Chloroformfetzen in den Mund schieben können.
Weil er genau vor ihr sitzt. Er hat natürlich mehr in die Karten als auf seinen Kameraden geschaut und plötzlich liegt der am Boden. Katie müsste sich über den Tisch beugen und dann könnte er sie ganz leicht packen und so naiv ist selbst eine ehemalige Klosterschülerin nicht.  

Zitat:Haben sie das wirklich nötig? Eben haben sie noch von alleine auf ihre Pferde gefunden. Katie soll sich lieber beeilen, ihr eigenes Pferd zu besteigen ... Insofern wird mir nicht klar, warum sie drinnen zurückbleibt. Sie war zuerst am Tor, hätte also zuerst hindurch reiten müssen, schon um den anderen beiden Platz zu machen. Der Grund, weshalb sie aufgehalten wird und nicht ihre Freunde, kommt irgendwie nicht rüber.
Eilig kamen Sina und der Apache herbei. Sie sprangen von den Pferden und stemmten sich zu dritt gegen den schweren Riegel. Sie schoben das Tor so weit auf, dass sie gerade durchreiten konnten. 
Da ist die Antwort. Sie steigen noch einmal von ihren Pferden ab und Katie bleibt absichtlich zurück, damit sie weiß, ihre Freunde sind in Sicherheit. Sie lässt ihnen den Vortritt, aber ich werde mir diesbezüglich noch was überlegen, damit das deutlicher wird.

Die Fehler habe ich schon berichtigt. Man sieht sich im nächsten Teil

LG Persephone

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Beitrag #4 |

RE: Könige der Prärie - 12. Teil
Hallo Persi,
 
mal sehen, wie Katie die beiden jetzt rettet. Icon_smile
 
Zitat:und aus den Augenwinkeln glaubte sie, irgendwo Stäbe einer Gefängniszelle gesehen zu haben.
 
Ich würde den Satz etwas umstellen, weil es jetzt klingt, als ob sie „aus den Augenwinkeln glauben würde“
Vorschlag: „sie glaubte, aus den Augenwinkeln, irgendwo Stäbe einer Gefängniszelle gesehen zu haben“
 
Zitat:Fort Brannigan war verhältnismäßig klein und so war Katie zuversichtlich, ihre Freunde bald zu finden.
 
Ich meine du hättest im vorherigen Teil, was von einer kleinen Kirche im Fort geschrieben? Icon_confused Aber, wenn doch das Fort klein ist, wieso haben die dann Platz für eine Kirche mit einer Glocke? Mit einer Glocke die zumindest so groß sein muss, dass Katie sie im Gebäude hören konnte.
 
Zitat:Katie hörte die Stimme der Freundin, als die beiden wachhabenden Soldaten in ein Gespräch verwickelte.
 
Ich wollte jetzt echt fragen, wo denn plötzlich jetzt Sina herkommt. Irgendwie fehlt mir ein Satz, dass sie nun auch tatsächlich zu dem Gebäude hingeht, wo sie die Gitterstäbe zu sehen geglaubt hat. Vielleicht ist auch der Satz, wo sie die Stäbe zu sehen glaubte zu schwammig, so dass ich nicht mitbekommen habe, dass sie es so schnell gefunden hat. Noch eine Möglichkeit wäre mal wieder eine Leerzeile und zwar nach dem Satz, wo sie durch die Dunkelheit schleicht. Dann merke ich sofort, dass etwas Zeit vergeht, während sie sucht und vorallem, dass sie das Gebäude wechselt.
 
Zitat:Als der Angesprochene zögerte, winkte sie nachdrücklich mit dem Revolver.
 
Sind Colts und Revolver echt dasselbe? Icon_confused Ich dachte immer „Colt“ wäre eine spezielle Waffe …
 
Zitat:Inständig hoffte sie, dass die etwas zu weite Hose nicht rutschte.
 
Ich meine mich zu erinnern, dass du was von „sie passten optimal“ geschrieben hast, als sie die Klamotten anzieht und jetzt plötzlich sind Schuhe und Hose zu groß. Ich würde das mit „optimal passen“ ändern.
 
Zitat:„Katie. Gott sei Dank“, mit einem erleichterten Aufatmen schoss Sina vor zu den Gitterstäben, hinter denen man sie und Yuma gefangen hielt.
 
Das „schoss“ klingt so Umgangssprachlich und ich bin irgendwie keine Freundin von dieser Formulierung. Mal abgesehen davon, dass ich beinahe glaube das Sina schon die ganze Zeit vorne bei den Gitterstäben gestanden haben könnte, um zu sehen, wie Katie mit den Soldaten fertig wird. Sie wird ja wohl die Stimme der Freundin gehört haben, wie Katie vorher auch, denn ich stelle mir das echt als einen Raum vor, der eben durch die Gittertür abgeteilt ist und die Soldaten eben davor an einem Tisch sitzen. Icon_wink
 
Zitat:Ihren Freunden, die sich im Schutz der Dunkelheit aufhielten, wollte sie ein Zeichen geben, sobald das Tor weit genug offen war, es zu passieren.
 
Ich weiß ja nicht, wo Sina und Yuma sich verstecken, aber wenn sie sehen können, wie Katie winkt, dann können sie auch sehen, wie weit das Tor offen ist.

Zitat:Ein scharfer Knall und ein kurzer Blitz, dann sank er getroffen zu Boden. Die nächste Kugel traf seinen Kollegen.
 
Hier hätte es mir wieder gut gefallen, wenn du sie nur knapp treffen lässt und nochmal das mit ihren schlechten Schießkünsten aufgreifst. Auch ein schlecht treffender Schuss reicht ja, um die erstmal außer gefecht zu setzten. Außerdem erhöhst du dann die Spannung, weil ich mich ja frage, ob sie trifft und wenn ja, ob es zum Entkommen reicht. Mit einem perfekten Schuss verschenkst du wieder Spannungspotenzial. Icon_wink
 
Zitat:Katie half ihren Freunden auf die Pferde.
 
Wieso macht sie das? Icon_confused  Keiner ist verletzt und das vergeudet Zeit.
 
Zitat:Sie spürte grobe Hände, die von hinten packten und aus dem Sattel zerrten.
 
Genau genommen müsste es heißen: „… die sie von hinten packten und …“ Das klingt dann aber ein bisschen doof, wegen dem doppelten „sie“, aber mir fällt grad nix gescheiteres dazu ein.
 
Zitat:Katie verlor die Besinnung.
Sie saß in dem gleichen Gefängnis, aus dem sie ihre Freunde befreit hatte. Vor den
 
Ich glaube auf die Sache mit den Leerzeilen, musst du überall mal achten …
 
Jetzt kapier ich auch, warum sie ihren Freunden auf die Pferde helfen sollte, aber ich finde, du kannst dafür einen glaubwürdigeren Grund finden. Zum Beispiel könnte einer von den Torwachen, tatsächlich noch so fit sein, dass er Katie irgendwie aufhalten kann, zumal sie ja mit dem Tor beschäftigt ist, würde das vielleicht klappen. Icon_confused
 
Zitat:überreichte es einem salutierenden Korporal, dessen Gruß er erwiderte.
Der Corporalstieg auf eine nervöse braune Stute.
 
Corporal oder Korporal, für eine Schreibweise solltest du dich entscheiden. In jedem Fall fehlt aber ein Leerzeichen.
 
Zitat:Augenblick sprang der Soldat auf.
 
Augeblicklich
 
Zitat:Der Corporalatmete schwer.
 
Irgendwie scheint dein Corporal ein Problem mit Leerzeichen zu haben. Vielleicht eine Allergie? Icon_lol
 
Oh nein, schon wieder brichst du an so einer spannenden Stelle ab.
Ja, ein Kapitel wo tatsächlich viel passiert ist, das gefällt mir gut. Pro  Und zwischenzeitlich habe ich mich echt gefragt, wie Katie nun entkommen will. Das nun Indianer kommen werden um sie retten, kann ich mir zwar denken, aber ob es Apachen oder Lakota sein werden, weiß ich noch nicht. Ich bin jedenfalls gespannt. Icon_smile
 
Ja, ansonsten finde ich die Befreiungsaktion recht clever gemacht mit dem Chloroform, aber bei den Soldaten am Tor stellt sie sich bisschen blöd an, mit dieser Lügengeschichte. Vielleicht könntest du was einbauen, dass sie nach der aufregenden Nacht schon müde ist und ihr deshalb diese Fehler unterlaufen. Und halt eben, warum sie am Tor zurückbleibt. Das klingt auch sehr konstruiert, dass sie ihren Freunden auf die Pferde hilft, zumal sie kurz vorher noch selbst einwandfrei aufspringen konnten. Die halbtoten Soldaten sehe ich da echt als Lösung, es würde ja für die Verurteilung reichen, wenn einer von ihnen stirbt. Wobei ja allein das Angreifen eines Soldaten vielleicht auch schon ein guter Grund ist. Icon_wink

Liebe Grüße,
Lady

Wer nicht kann, was er will, muss das wollen, was er kann. Denn das zu wollen, was er nicht kann, wäre töricht. -Leonardo da Vinci-
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Beitrag #5 |

RE: Könige der Prärie - 12. Teil
Hallo Lady, 

Vielen Dank für dein fleißiges kommentieren. Ich muss dazu sagen, dass ich diese Geschichte in Etappen geschrieben habe und dass auch schon vor einem Jahr. Natürlich habe ich dann den Fehler gemacht, und mir nicht wieder alles durchgelesen. Deswegen sind da auch ein paar Logikfehler drin. 
Ich werde, so fern ich Sonntag dazu komme, mir alles komplett durchlesen und überarbeiten. Auch den nachfolgenden Teil der Geschichte, der noch nicht veröffentlicht bzw kommentiert ist. Ich war da zugegebener Maßen echt bisschen schnell mit der Veröffentlichung. Konnte es eben kaum erwarten  Icon_jump

Liebe Grüße Persephone

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