Es ist: 23-01-2020, 05:18
Es ist: 23-01-2020, 05:18 Hallo, Gast! (Registrieren)


Wer viel liest, schreibt besser - oder weniger?
Beitrag #1 |

Wer viel liest, schreibt besser - oder weniger?
Hallo zusammen,

es heißt ja immer, wer gut schreiben will, sollte erstmal viel lesen - und ich kann bestätigen, dass viel lesen durchaus hilfreich ist, wenn es darum geht, herauszufinden, was man schreiben will, in welche Richtung der Stil gehen soll und um herauszufinden, was funktioniert und was nicht. Außerdem formuliert man oftmals sicherer, wenn man viel liest ...

Aber mich hemmt das inzwischen eher. Seit ich mehr lese und rezensiere, schreibe ich selbst weniger, weil ich ständig Vergleiche ziehe und meine eigenen Sachen einfach nur furchtbar schlecht finde. Ich war schon immer selbstkritisch, aber inzwischen ist es mir oft unmöglich, länger an einem Text zu arbeiten - das klappt nur noch, wenn mich eine Idee richtig packt und ich einfach schreiben MUSS. Aber wenn was längeres draus wird, sitze ich oft vor dem Dokument, weiß eigentlich, wie es weitergehen soll, aber finde alles so mittelmäßig bis schlecht, dass ich keinen Satz mehr tippe, weil ich innerlich so frustriert bin.

Was kann man tun? Weniger lesen? Hemmt lesen wirklich?
Und wie kann man die eigenen Ansprüche runterschrauben?

Viele Grüße

- Zack

“Die Farben sind der Ort, wo unser Gehirn und das Universum sich begegnen.” (Paul Cézanne)

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Beitrag #2 |

RE: Wer viel liest, schreibt besser - oder weniger?
Hey Zack,

bei mir ist es etwas anders: Viel Lesen weckt die Lust, selbst auch wieder mehr zu schreiben. Nebenbei beeinflusst das Buch, von dem ich gerade sehr begeistert war, auch immer meinen Schreibstil. Die Erfahrung, dass ich mich die ganze Zeit mit den Autoren messe, habe ich dagegen nicht gemacht.

Ich vermutete deshalb - allerdings kann ich dabei nur von meinen eigenen Erfahrungen ausgehen - dass es nicht das Lesen an sich ist, das dich hemmt, sondern, dass du einfach sehr hohe Ansprüche an dich selbst stellst. Vielleicht zu hohe Ansprüche.

Ich denke, es is ganz normal, dass wir gute Texte schreiben wollen. Aber ich finde, dass wir dabei nicht aus den Augen verlieren dürfen, dass wir schreiben, weil es uns Spaß macht und wir etwas ausdrücken wollen. Beides verlangt nicht zwingend von uns, dass wir literarische Meisterwerke hervorzaubern. Man könnte versuchen, sich beim Schreiben mehr auf die Handlung selbst zu konzentrieren. Als Ziel könnte man sich setzen, nicht den perfekten Text zu schreiben, sondern sich kontinuierlich zu verbessern. Irgendwann programmiert man sich damit selbst um. Mrgreen

Liebe Grüße
WW

Die meisten Menschen haben überdurchschnittlich viele Arme und Beine ...

Wanderer zwischen den Welten und der
Weltenknoten

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Beitrag #3 |

RE: Wer viel liest, schreibt besser - oder weniger?
Hallo,
mich inspieren Bücher auch, zumeist. Aber je länger man von der eigenen Literatur weg ist, desto schwieriger wird es, wieder anzufangen. Und mir geht es wie Zack, ich bin überkritisch. Bei der Fantasy ist es am schlimmsten. Als Fan von GOT denke ich mir jedes Mal, boah, nur 5 Charaktere, zu wenig. Boah, kein kompletter Weltentwurf. Wo sind deine 20 Seiten Charakterbogen? usw Icon_ugly .
Darum geht es da auch kaum voran.
Ich glaube, man sollte daher einfach andere urteilen lassen. Vielleicht hemmt man sich selbst zu sehr, da kann ein frischer Blick Wunder wirken.

LG
Addi

"I wish a car would just come and fucking hit me!"
"Want me to hail a cab?"
"No, I'm talking bus!"  (The four faced liar)

Da baumelt die kleine Doktorspinne in ihrem Seidenreich und träumt von ihren Silberfäden.
[Bild: riverdance.gif]

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Beitrag #4 |

RE: Wer viel liest, schreibt besser - oder weniger?
Hallo,

Das Selbstkritische kenne ich nur zu gut. Ich denke auch immer, alles was ich schreibe, ist dumm, kindisch zu einfach und zu klischeehaft. Das hindert mich auch stark dran, etwas richtig zu veröffentlichen über Verlage oder so, obwohl meine Familie mir dazu rät.
Trotzdem lese ich weiter, weil ich mich ja auch verbessern möchte und Inspiration suche.

Aber Leute: Vieles auf dem Markt, das angeblich DER Bringer ist, ist wesentlich schlechter, als das was wir hier abliefern.

Gruß Persephone

Den Stil verbessern, das heißt den Gedanken verbessern

(Friedrich Nitzsche)



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Beitrag #5 |

RE: Wer viel liest, schreibt besser - oder weniger?
Dem stimme ich zu.

Wie wäre es mit einem Geschichtenband aus Literatopia? Wir können das kostenlos über Amazon vertreiben - so mache ich es mit meinem Buch - und den Gewinn aufteilen. Wer hat Lust?

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Beitrag #6 |

RE: Wer viel liest, schreibt besser - oder weniger?
Ich finde Addis Idee sehr gut, allerdings sollten wir den Erlös spenden. 
Zu verlieren haben wir alle nichts. 
Vielleicht um Buchprojekte für benachteiligte Kinder oder so zu unterstützen. Da wäre ich sofort dabei.

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Beitrag #7 |

RE: Wer viel liest, schreibt besser - oder weniger?
Hallo zusammen,

um mal wieder auf das eigentliche Thema zurück zukommen: Ich denke wir sind uns da einig, dass man um zu schreiben, auch lesen muss. Allein schon um herauszufinden, was funktioniert und was nicht.

Ich glaube, ich selbst, werde natürlich auch von Büchern, die ich gerade lese beeinflusst. Aber eigentlich nicht im negativen Sinn, sondern eher, dass ich zum Beispiel eine tolle Formulierung lese, die wiederum meine Muse anlockt und mich so wieder zu meinem eigenen Text führt. Zum Glück ist es nicht so, dass ich dann Formulierungen übernehme, oder so, sondern eher mein Schreib-Flow angekurbelt wird.  Mrgreen

Das mit den Erwartungen an den eigenen Text kenne ich natürlich auch. Überarbeiten fällt mir unheimlich schwer, zum einen, weil ich die ein oder anderen Formulierung einfach mag, zum anderen, weil ich aus eingefahrenen Strukturen dann einfach nicht mehr herauskomme. Icon_ugly  Beim Schreiben hemmt mich dann eher der Gedanke, dass ich die Kommis aus dem Forum schon vor mir sehe und Persi schreibt: "Von dir hätte ich eine clevere Lösung erwartet." oder in dieser Art etwas. Icon_wink

Mir hilft es da echt sozusagen von vorne anzufangen und einfach zu schreiben. Wenn ich erstmal drin bin, kommt auch dieser innere Kritiker nicht so sehr durch. Das Lesen hilft mir dann manchmal dabei, die Gedanken mal wieder in eine andere Richtung zu lenken. Daher der Tipp von mir: Erstmal Kopf leer machen und dann einfach schreiben. Klingt einfach, ist es aber nicht. Icon_smile 

Liebe Grüße,
Lady

Wer nicht kann, was er will, muss das wollen, was er kann. Denn das zu wollen, was er nicht kann, wäre töricht. -Leonardo da Vinci-
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Beitrag #8 |

RE: Wer viel liest, schreibt besser - oder weniger?
Das mit dem Kopf leer machen klappt bei mir momentan gar nicht, liegt aber vor allem am Stress auf der Arbeit. Ich ärgere mich einfach zu vieles, das tötet jede Kreativität ab.

Aber ich lese wieder etwas mehr als eine Zeit lang, dafür schreibe ich wieder mal wenige. Hänge gerade irgendwie fest und bin genau an dem Punkt, den ich im Einfangsposting beschrieben habe. Eigentlich weiß ich, wie es weitergehen soll, aber ich zweifle so sehr an dem ganzen Text, dass ich das Gefühl habe, es lohnt sich gar nicht, jetzt weiterzuschreiben. Ich weiß, ist doof, aber ich bin einfach sehr gut darin, den Kopf in den Sand zu hauen.

Mir hat es immer geholfen, wenn ich Leute hatte, die mitgelesen haben und die wissen wollten, wie es weitergeht ... dabei sollte man das doch auch alleine hinbekommen.

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Beitrag #9 |

RE: Wer viel liest, schreibt besser - oder weniger?
Nachdem ich mich mit Keksen gestärkt habe, kanns mit dem Staubwedeln losgehen. Mrgreen

Zuerst dachte ich, Zack, du meinst die Überschrift so, dass dir die Zeit, die du zum Lesen brauchst, beim Schreiben fehlt. Denn das trifft auf mich zu. Ich komme automatisch weniger zum Schreiben, wenn ich in einem Buch stecke, v.a. wenn es mich so fesselt, dass es schwer ist, aus der fremden Welt wieder aufzutauchen und die Reste fremden Weltenstaubes abzuklopfen, damit ich nicht unbeabsichtigt fremdes Material in mein Universum einschleuse (ungefähr wie vor ein paar Tagen am Mond passiert).

Je nach Buch wächst der Reiz, selbst zu schreiben. Je schlechter oder je besser das Buch ist, desto mehr will ich schreiben. Bei Ersterem denke ich mir, "geh bitte, das kannst du besser! Mach was draus!", bei Letzterem, "wow, schaffst du das auch? Komm, probiere es!"
Nur Bücher, die im Mittelfeld liegen und bei denen ich mir nach Ende der Lektüre denke, "ja, okay, soooo schlecht waren sie auch nicht, aber nochmal lese ich das fix nicht", demotivieren mich. Dann frage ich mich, wie konnte das veröffentlicht werden, wenn es so etwas zur Veröffentlichung schafft, schaffen es meine Texte nie.
Klingt das komisch, dass mich ein mittelmäßiges Buch eher demotiviert als ein grottiges? Icon_confused Das liegt daran, dass Geschmäcker verschieden sind. Wenn ich ein Buch unterirdisch finde, kommt das meistens davon, dass die (weiblichen) Rollenbilder widerlich sind, der etwaige "Humor" darauf abzielt, bestimmte (Minderheiten-)Gruppen zu erniedrigen oder narrative Struktur nicht vorhanden ist. Die ersten zwei Punkte werden von einer Leser*innenschafft präferiert, mit der ich nichts zu tun haben möchte, der letzte Punkt zeugt von mangelndem Handwerk, worauf nicht alle Leser*innen achten, diese also andere Ansprüche als ich haben. Solche Bücher, die all das in sich verbinden, hätte ich eh nie geschrieben, aber es gibt nun mal Leute, die drauf stehen, wie es immer Leute gibt, die in ihren Ansichten so vollkommen an meinen vorbeigehen, dass mich das nicht wirklich tangiert. Ich werde höchstens zappelig und sauer während des Lesens, weil ich größtenteils jeden Schmarrn zu Ende lese. (Insgesamt habe ich, glaube ich, nur 4 Bücher abgebrochen, weil mir da meine Zeit eindeutig zu schade war. Genre und Auffassung von Grammatik waren so gar nicht meins).

Richtig gute Bücher beflügeln mich. Ich lese seit Jahren  Smiley_emoticons_blush am "Mann ohne Eigenschaften" von Musil. Das ist extrem schwere Kost, sollte also dementsprechend aufmerksam gelesen werden, dennoch lese ich es immer wieder vor dem Schlafengehen, weil mich selten ein Buch zu so lebhaften Träumen inspiriert hat wie dieses.

Wenn meine Lust aufs Schreiben gerade am Boden ist, dann nütze ich die Zeit, um zu lesen. Am besten Bücher, die mich aus meiner Komfortzone locken. Genres, die mir bis jetzt fremd waren, zum Beispiel. Ein so neuer Input hilft, die Dinge aus einer anderen Perspektive zu sehen und kann der eigenen Schreiblust einen Schubser geben.

Wenn du zB. vermehrt Phantastik oder Sci-Fi schreibst, Zack, wo doch der Beschreibung der (modernen) Umgebung und dem Weltenbau sehr viel Platz eingeräumt wird, würde ich mal zu Libretti von sogenannten Klassikern aus der Reklamreihe greifen. Da geht es dann hauptsächlich um den Dialog, von dem du dich insiprieren lassen kannst, wie Handlung allein durch Gesprochenes transportiert wird.
Oder Fachbücher zu unterschiedlichsten Themen. Am besten natürlich zu einem Thema, das relevant für deine eigene Geschichte ist. Solche harten Fakten setzen bei mir sofort die Zahnräder im Hirn in Gang, wenn ich mir vorstelle, wie ich gewisse Details in die Story einflechten kann und worauf ich achten muss, um Glaubwürdigkeit und Logik beizubehalten.

Puh. Das hat jetzt Kraft gekostet. Ich glaube, ich hole mir noch einen Keks. Mrgreen

Eine kleine Sniffu-Dröhnung

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