Es ist: 05-12-2020, 09:23
Es ist: 05-12-2020, 09:23 Hallo, Gast! (Registrieren)


An die handskizzierten Tage / lyrische Prosa
Beitrag #1 |

An die handskizzierten Tage / lyrische Prosa
An die handskizzierten Tage, die nach Blei
und Angstschweiß rochen, erinnert noch die Trage-
tasche aus Papier. Aus der Walachei
brachtest du die filterlosen Kippen.
 
 
(Von Brücken schattiert, und skelettiert die vielen Gedanken an anarchische Gesellen, die schon im Hellen wie Falter flattern. Hier, wo stupide Fähnchen knattern und Banner drohen, Geist zu verkaufen. Bei denen, die überlichtet verrohen und die Finsternis saufen, die Luft ins Räderwerk pumpen, ans Delirium gewöhnt, in erlesenen Lumpen mauerhaft erstarren, und, mit Schattenfall versöhnt, doch nur in einem Abgesang verharren.
 
Von Brücken schattiert und eregiert in höhlenden Seufzern einer verwaisten Gestalt, wo schon friert, wer kalt ruft nach heißen Brüsten, nach versalzenem Fleisch. Hier, bei denen, die wüßten, wie’s Leben nulleben verhallt, heischt empathisch die Scheuche nach Krähen. Die Wirklichkeit knallt die Hacken zusammen, da Utopien nur um Gnade flehen, ihre Schrammen als Souvenirs verscheuern, und ihren Abgesang erneuern.
 
Von Brücken schattiert und imitiert von selbstlosen Rufern nach Freiheit und Mengenrabatt, die an beiden Ufern Flaschenpost spielen. Wer hier schon speit, bleibt satt, zielen Regenschüsse auch aufs Giftgesträuch. Fielen Sonnengüsse selbst in wüstes Land, die Opfersuche ist satellitisch exakt. Und ein Flaschenpostpfand. Nackt tanzen die Sterne über’m fluoreszierenden Seismographen, während die Enten den Abgesang verschlafen.
 
Von Brücken schattiert und ausstaffiert mit Nesselstauden für die Symbiose aus Schmerz und Natur, wo sich den Fessellauten Fischgetose beimischt, wie dem Elfenbeinherz eine Kalkgravur. Hier ist nicht, wo die Spur der Steine zur Revolte führt. Auch kein freies Geleit für ermüdete Beine, die zerschlissene Leibgeister tragen. Kaum jemand rührt die Hand, um den brandenden Applaus während des Abgesangs zu hinterfragen.
 
Von Brücken schattiert und observiert von Nachbararmeen, die nachts den Ratten Fährten legen, wo vorher nur die Katzen pissten. In den Überlandalleen hängen Matten an Bäumen, Gehegen, wo den Lebensvermissten Freitodkreuze wuchern. Vom Wald her drängen Wurzeln den Beton, Ohnmacht zuzugeben. Und zwischen mörderischen Giftpilzsuchern und Hitlerjüngern wird hier niemand das Ende des Abgesangs erleben.)
 
 
Dunkelheit war keine Aussicht, nur ein Schwur.
Den Speichel kochen, an dessen Nebel nippen
und ölgepfützte Farbe sein. Bloß die Spur
handskizzierter Tage nicht verwischen.


Webseite des Benutzers besuchen Alle Beiträge dieses Benutzers finden
Diese Nachricht in einer Antwort zitieren
Beitrag #2 |

RE: An die handskizzierten Tage / lyrische Prosa
An dem Kleister im Format mag ich haften bleiben. Zornige Brauen aus wolkigen Gestümen und Geheuern zerren den Nebel zur Taufe des stillen Gebets.
Aber Tragetaschen mit Kippen aus Papier?
Das Marktweib hält die Säge hoch. Salz regnet aus dem Fluss hinauf und Fische fliegen durch den Gulli weg. Die Bären schmecken köstlich am Spieß des Lebens, wenn man sie nur endlich würzen könnt'. Querverdenkt, gradgekrümmt, was mag Jesus dazu nur sagen, als die Biegung der Gleise den Bann nun brachen? Landschaften aus Edelton und Western, in mattem Silber, zerrahmt mit Milch von gestern? Wo ist die Indoktrination, wenn man sie mal jagen möcht'?
Raus, raus, kraus, nur rein und fein, bin zerblendet von all dem Nichts, erschüttert von Lawinen aus Still. Synapsen synopsen, hopsen, springen wie Gullidackel um mich rum, und twitschern sich ihre Arien selbst zurecht.

Und da steh ich nun ...
am Strand des Blitzes
wiehernd
mit dem Einrad
immer ein Herz weiter
schnellend -
und im Schenkel des Kreises
auf Flucht gepolt.


***

Hallo poLet.

Was auch immer, wie auch immer, es ist nimmer schwer.

LGD.


Alle Beiträge dieses Benutzers finden
Diese Nachricht in einer Antwort zitieren
Beitrag #3 |

RE: An die handskizzierten Tage / lyrische Prosa
Hej Dread',

tja...so kleisterhaft formatiert sich Geisterschaft durch die Narretei des Lebens.

Ähem.

Ich sage mal: Das wichtigste Wort hier ist "Abgesang".
Was immer man damit verbindet.

An Bedeutungslosigkeit zu glauben, gebärdet sich immer schwer.


Zitat:Und da steh ich nun ...
am Strand des Blitzes
wiehernd
mit dem Einrad
immer ein Herz weiter
schnellend -
und im Schenkel des Kreises
auf Flucht gepolt.


- hej, Lyriker, Du!!!
"...auf Flucht gepolt." ist großartig!
Du solltest Gedichte schreiben hin und wieder...,
oder die Kommentare zu meinen Schreibversuchen
unter Lyrik einstellen. Das obige ist echt cool!

Danke für die Entgegnung!
Alles Gute,
poLet


Webseite des Benutzers besuchen Alle Beiträge dieses Benutzers finden
Diese Nachricht in einer Antwort zitieren
Beitrag #4 |

RE: An die handskizzierten Tage / lyrische Prosa
Hallo poLet.

Zitat:Du solltest Gedichte schreiben hin und wieder...,
oder die Kommentare zu meinen Schreibversuchen
unter Lyrik einstellen. Das obige ist echt cool!

Die lyrischen Kommentare sind wegen Dir entstanden und nur deswegen stehen sie da: Wegen Dir.
Sobald ich sie einzeln einstelle, würde nicht nur der Bezug fehlen, sondern auch der Ursprung und die Huldigung an die Werke, die sie ausgelöst haben.

Es ist okay, wenn sie nicht schlecht geworden sind. Das reicht mir.

Zitat:Danke für die Entgegnung!

Deine Werke berühren, und ich finde es schade, dass sie genauso versanden, wie der alte Ostanleger auf Wangerooge, von dem kaum noch etwas zu erahnen ist.

LGD.


Alle Beiträge dieses Benutzers finden
Diese Nachricht in einer Antwort zitieren
Beitrag #5 |

RE: An die handskizzierten Tage / lyrische Prosa
Hej Dread',

joah, ich nochmal:

Habe ernsthaft überlegt, ob ich zu diesem stück "lyrische Prosa" noch etwas 'erklärendes' oder beiläufig wichtiges anfügen könnte.
Aber wohl eher nicht.
Es soll (und ich hoffe doch, es ist) eine art 'füllhorn' an bildersprache; eine art film, ein videoclip, in dessen vordergrund natürlich eine brücke gezeigt wird, eigentlich ein symbol für verbindung.
Wobei die brücke wiederum nicht im mittelpunkt des gesamtwerks steht...???...ähem, davon ausgehend und am ende zurückkehrend sind die "handskizzierten Tage" das wesentliche. Wie jemand sie und alles deuten soll, kann ich nicht festlegen.
Ebensowenig, ob die bilder der brücke sinn ergeben oder nicht. Ein solcher text ist und bleibt immer eine verkettung von assoziationen, die spontan durch mein fenster blinzeln, und einem gewissen schema von reimen oder wiederholungen, die den autor (irgendwann) zwingen, sich am riemen zu reißen.
Eine art spiel.

Tja Dread',
inspirare humanum est,
oder so.

Alles gute,
poLet


Webseite des Benutzers besuchen Alle Beiträge dieses Benutzers finden
Diese Nachricht in einer Antwort zitieren


Gehe zu:


Benutzer, die gerade dieses Thema anschauen: 1 Gast/Gäste

Deutsche Übersetzung: MyBB.de, Powered by MyBB, © 2002-2020 MyBB Group.

Design © 2007 YOOtheme