Es ist: 29-03-2020, 00:50
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Aktuell befinden wir uns im Umbau. Sollte also etwas seltsam aussehen, sind wir gerade bei der Arbeit und strukturieren die Foren neu :)

Meine erste Operation
Beitrag #1 |

Meine erste Operation
Eine spontane Geschichte
Meine erste Operation
 
„ Schauen sie hier“, mein Oberarzt zeigte auf die Tafel im Untersuchungszimmer.

Mein Herz fing an zu rasen und ich sah gebannt auf den Namen, der dort stand.
Mein Name!
Meine erste Operation! Der Tag, auf den ich so lange gewartet hatte war gekommen!
„In den nächsten Tagen werde ich stolz, wie eine Königin, durch
die Klinik schreiten“
„Und freuen Sie sich?“ Ali, mein Oberarzt musterte mich neugierig.
Ich spielte die Coole, über alles Erhabene, ließ nicht zu, dass er meine riesige Freude bemerkte.
„irgendwann muss es ja mal sein“. Neutraler kann ich es wohl nicht sagen.
„Dann auf ein gutes Gelingen!“ Etwas verwundert ging er zur Tür.
Bevor ich nach Hause ging, las ich noch schnell die Akte der Patientin.
Eine kleine Routineoperation, eine Eierstockcyste, ein mit Flüssigkeit gefüllter Hohlraum am Eierstock.
„Es gibt keine kleine Operation“ dröhnte in meinem Kopf die Stimme meines Chefarztes.
Ich spürte die Angst in mir hochsteigen. „Hoffentlich wird alles gut gehen“.
Zu Hause war ich so aufgeregt, dass ich nicht einschlafen konnte.
Im Geiste vollführte ich jeden Schritt, den ich ausführen musste.
Immer wieder wiederholte ich die Handlung.
Um vier Uhr schlief ich endlich ein und saß senkrecht im Bett, als der Wecker klingelte.
Mein Frühstück ließ ich zur Hälfte stehen.
Stattdessen trank ich drei Tassen Kaffee.
In der Klinik angekommen zog ich meine Arbeitskleidung an und raste in den OP-Saal.
Ich begab mich zum Waschbecken.
Bruno, Chef der Abteilung und Ali saßen schon dort und wuschen sich die Hände.
„Ja, wo bleiben sie denn! zischte Bruno.
„Als Operateurin müssten sie als erste hier sein“
„Entschuldigen Sie bitte Herr Chefarzt, es wird nicht mehr passieren, erwiderte ich fast schon demütig.
„Und die Anästhesisten dort“, er ging zur Tür. „Könnt Ihr nicht mal eine Patientin richtig lagern? Es ist jeden Tag dasselbe. Wann kapiert Ihr es endlich“, brüllte er in den Raum hinein.
„Es sind doch keine dumme Menschen“, wetterte er weiter, „verhalten sich wie Analphabeten“.
„Mit Ihnen ist es auch immer wieder dasselbe Spiel“, lag mir auf der Zunge.
„Jeden Morgen eine Schimpf Tirade. Wir sind hier nicht beim Militär“
Ich kniff meinen Mund fest zusammen, damit die Worte nicht heraussprudelten.
Stattdessen kam ein Stöhnen über meine Lippen.
Ali vernahm dieses Geräusch, sagte jedoch nichts, schob es wahrscheinlich auf meine Aufregung.
„Ja Herr Chefarzt sie haben recht, verstehen kann man es nicht“.
Ich dachte „Mann oh Mann wann hörst Du endlich auf zu schleimen, Ali.“
„Mir soll es recht sein, vielleicht wirken Alis Worte wie eine Beruhigungstablette auf das Gemüt meines Chefarztes. Aufregung ist das letzte, was ich jetzt brauche“.
Wir gingen gemeinsam in den Raum, wo sich die Patientin schon im tiefen Schlaf befand.
Am liebsten hätte ich mich an Ihre Stelle gelegt!
Die Operationsschwester zog uns Kittel und Handschuhe an.
„Ihre erste Operation?“, flüsterte sie. Ich nickte nur.
Während ich zuschaute, wie der Bauch der Patientin desinfiziert wurde, gingen mir tausende Gedanken durch den Kopf.
Sie waren jedoch ohne Zusammenhang, einfach nur chaotisch.
Ich begab mich an meinen Platz am Operationstisch. Meine Beine zitterten.
Sie gehörten mir nicht mehr, ich konnte sie nicht kontrollieren.
„Wie wenn ich einfach umfalle?“
Stattdessen hörte ich mich sprechen.
„Skalpell bitte“.
Ich machte den ersten Schnitt.
„Tupfer bitte und klemmen“.
Meine Hand zitterte stark. Ich konnte es nicht verbergen.
Wie peinlich, spielte ich doch sehr gerne die „Über allem -stehende“.
„Warum nur habe ich soviel Kaffee getrunken“.
Ich merkte, dass ich vergessen habe zu atmen.
Einatmen, ausatmen, das hilft, habe ich mir sagen lassen.
Aber in meinem Fall hilft nichts. Das werde ich diesem „Atem Guru“ sagen.
Vorsichtig arbeitete ich weiter Schicht für Schicht.
Ich habe einen Krampf in den Fingern und meine Beine waren jetzt wie Blei.
Meine Hände bewegten sich wie im Zeitlupentempo. Nur im Wasser bewegt man sich doch so langsam.
Endlich, nach einer endlos langen Zeit war der Bauchraum offen.
Wie betäubt starrte ich auf eine braune Masse.
Bruno brüllte los, dass ich mein Skalpell fast fallen ließ.
„Das ist doch keine Cyste, es ist Krebs!“
Entsetzt sah ich auf das Geschwür im Bauchraum. Es fing an zu bluten.
Der Chef schob mich weg und nahm meine Stelle ein.
Klemmen noch mal Klemmen, Tupfer und Tupfer weiter, schnell!
Es hörte nicht auf zu bluten.
Wie ein Blitz ratterte es durch meinen Kopf.
„Falsche Diagnose, Eierstock Krebs in diesem Stadium darf man nicht operieren!“
Die Patientin hörte nicht auf zu bluten. Überall war Blut.
"Die Patientin atmet nicht mehr", hörte ich die Stimme des Anästhesisten.
Im Geiste sah ich schon den Sarg vor mir.
Dann fing ich an aus vollem Halse zu schreien, ich schrie und schrie.
Schweißgebadet wachte ich auf.
Ich lag, nein ich saß im Bett.  Langsam kam ich zu mir und begriff, dass alles nur ein Traum war.
Gottseidank!
Es war ein wunderschöner Sonntag.
Morgen ist mein erster Urlaubstag, und ich habe einen Flug in die Tropen gebucht.

Meine erste Operation steht mir nach dem Urlaub noch bevor.


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Beitrag #2 |

RE: Meine erste Operation
Hallo Sangkuni, 

Schön, wenn du unser Forum mit deinen Geschichten erfreust. Allerdings würden wir alle uns freuen, wenn du auch mal von deinen Kollegen etwas kommentierst, denn davon lebt Literatopia. Es ist ein Geben und Nehmen.  Icon_smile

Zitat:Der Tag, auf dem ich so lange gewartet hatte, ist gekommen!
den und war gekommen.  Icon_wink

Zitat:„ Und freuen sie sich?“ Ali mein Oberarzt musterte mich neugierig.
Anrede groß, Komma nach Ali

Zitat:Ich spielte die Coole,  über alles erhabene, ließ nicht zu, dass er meine riesige Freude bemerkte.

„ Irgend wann muss es ja mal sein“ neutraler kann ich es wohl nicht sagen.
Erhabene groß und Punkt nach sein. Neutraler dann auch groß. 

Ich weiß, dass deutsch nicht deine Muttersprache ist und deswegen verzeih ich dir die Fehler, aber daran solltest du echt arbeiten. Wenn ich die alle korrigieren müsste, säße ich die ganze Nacht an dem Text. Du hast doch bestimmt ein entsprechendes Schreibprogramm auf deinem Computer. 

Das Ende ist sehr überraschend, ansonsten könntest du noch mehr Adjektive einfügen. So wirkt das ein wenig hölzern und mehr beschreiben. 

Als kleiner Tipp: Lies mal fleißig von deinen Mitstreitern, da hat man den ein oder anderen Gedankenblitz. 

Viele Grüße Persephone

Den Stil verbessern, das heißt den Gedanken verbessern

(Friedrich Nitzsche)



Werkeverzeichnis

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Beitrag #3 |

RE: Meine erste Operation
Hallo Persephone,

vielen Dank für deine Korrekturen. Sehr nett von dir, dass du dir die Mühe machst und so schnell!
Was du bemängelst, kann ich gut nachvollziehen. Mit Kommatas werde ich wohl immer Probleme haben.
Manches weiss ich und habe es einfach übersehen. Ich werde nach einem Schreibprogramm umschauen.
Ich geistere die ganze Zeit schon im Forum und lese, traue mich  jedoch nicht zu kommentieren!

Liebe Grüße,
Sangkuni.


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Beitrag #4 |

RE: Meine erste Operation
Hallo Sangkuni,

deine Geschichte hat mir gut gefallen, vor allem das Ende. Einige Anregungen habe ich aber dennoch.

Zu den Fehlern muss ich eigentlich nichts mehr hinzufügen; Persephone hat dich schon darauf hingewiesen. Ich weiß nicht, welches Schreibprogramm du benutzt, aber für gewöhnlich gibt es bei diesen Programmen eine Rechtschreib- und Grammatikprüfung, mit der man das Dokument auf eben solche Fehler hin überprüfen kann. Das ist natürlich kein Garant für einen fehlerfreien Text, denn auch diese Funktionen haben ihre Grenzen.

Persephone hat schon recht, dein Erzählstil ist in gewisser Weise "hölzern", aber ich fand das bei dieser Geschichte gar nicht so schlimm, denn zumindest in dem Teil, wo es um die Operation geht, entspricht diese Erzählweise sehr gut der dargestellten Handlung. Wenn es also als Stilmittel eingesetzt wird, um eben den "Charakter einer OP" (präzise, emotionslos, mechanisch usw.) zu demonstrieren, finde ich es gelungen.
Dann würde ich die anderen Teile aber davon abgrenzen, damit es auch erkennbar ist.

Nun zum Ende. Ich mag das Ende. Generell mag ich solche Enden, denn sie lassen mich nachdenken, reißen mich aus den üblichen Gedankengängen und Erwartungen heraus. Aber was ich noch mehr schätze, ist es, wenn das Ende dann auch seinen Platz in der Konzeption der Geschichte hat. Bis auf wenige Ausnahmen, finde ich, dass es - wenn auch subtile - Hinweise geben muss, die auf das entsprechende Ende deuten bzw. andeuten, wo im Text die "Realität" endet und der "Traum" beginnt - um das einmal mit den gängigen Begriffen zu umschreiben. Wenn man das geschickt in den Text einzubauen vermag, dann ist das für mich Kunst.

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Beitrag #5 |

RE: Meine erste Operation
Hallo Garuda,

vielen Dank für Deinen Kommentar und Deine Korrekturen.
Die Erzählweise ist als Stilmittel eingesetzt. Ich werde schauen, wie ich die Abgrenzung gestalte.
Das ganze war ein Traum!

Viele Grüße,
Sangkuni


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Beitrag #6 |

RE: Meine erste Operation
Hallo Sangkuni,

gerne geschehen.

Wo beginnt der Traum? Das würde mich interessieren. Ist bereits der Beginn Teil des Traums oder beginnt der Traum zu dem Zeitpunk, wo die Protagonistin in der Geschichte zum ersten Mal erwacht?


Viele Grüße
Garuda

Bhinneka Tunggal Ika - Unity in Diversity

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Beitrag #7 |

RE: Meine erste Operation
Hallo Garuda,

ganz interessant zu lesen wie die Geschichte verstanden wird.
Das ganze war ein Traum, von Anfang an. Ich habe diesbezüglich auch schon Korrekturen gemacht um es klar zu stellen.
Die Geschichte habe ich auch spontan geschrieben, ohne nachzudenken.

Danke!

viele Grüße,
Sangkuni


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