Es ist: 22-11-2019, 08:46
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Wundersam und das Vogelsterben
Beitrag #1 |

Wundersam und das Vogelsterben
Wundersam und das Vogelsterben

Faul räkelte sich die Elfe auf ihrer Blüte und drehte sich auf den Rücken.
Noch halb träumend, lächelte sie, und duschte sich mit den sanften Strahlen der Morgensonne.
Es war ein traumhaft schöner Tag.
Die Tauben gurrten, die Bienen summten, während sie fleißig Nektar sammelten.
Es wäre eine  Schande, wenn sie liegen bliebe.
Singend flog sie von ihrer Blüte herunter.
„Hi! was machst Du da?“, hörte sie eine Piepstimme.
Überrascht schaute sie sich um, und blickte in zwei große, runde, braune Augen.
„Ach, Du bist es“, gelangweilt drehte sie sich um.
Es war Timmie, der Hund.
Sie mochte Hunde, aber dieser hier war so was von nervend und vor allem, man wird ihn nicht mehr so schnell los.
„Was machst Du, kann ich mitmachen?“ fragte der Hund.
Er merkte nicht, dass er unwillkommen war.
„Oh!“ dachte die Elfe, „das fehlt mir noch. Er kann nicht mal bis drei zählen. Angenommen, ich nehme ihn mit um Puzzi die Katze zu ärgern, er wurde uns sofort verraten.“
„Ich habe Bauchschmerzen, jaulte sie, ich glaube, ich lege mich wieder hin.“
Sie flog zu ihrer Blüte und schloss die Augen.
Aus den Augenwinkeln jedoch beobachtete sie den Jack Russell.
Dieser schaute eine Zeitlang enttäuscht vor sich hin und schlich sich dann weg.
„Ob er jetzt beleidigt ist?
Es ist mir auch schnupp egal“, sagte sie laut, „er ist halt blöd!“
„Mit dem kann man nichts anfangen.“
Als der Besuch außer Sichtweite war, setzte sie sich hin und dachte angestrengt nach.
Der Tag lädt zu einem Abenteuer ein.
Gerade, als sie wegfliegen wollte, hörte sie ein Geräusch.
„Piep, Piep.“
Da, war es wieder!
„Piep, Piep.“
Sie flog um ihre Blüte herum und suchte die Gegend ab.
Etwas Ungewöhnliches konnte sie jedoch nicht entdecken.
Als sie wieder zurückfliegen wollte, fiel ihr Blick auf etwas Kleines, Braunes.
Neugierig flog sie näher.
„Liegt dort ein Vogel?“ Tatsächlich lag eine kleine Meise, bewegungslos auf dem Sand.
Wundersam hockte sich hin, ihre Flügel zitterten vor Aufregung.
Ganz sachte fasste sie den kleinen Vogel an.
„Wach auf, wach bitte auf“, flüsterte sie.
Nach einer Weile fing die Meise an, heftig zu zittern, und schlug die Augen auf.
Mit trübem Blick schaute sie die Elfe an.
„Was ist mit Dir?“ fragte diese sanft.
„Ich- ich  fü-ühle mich so schwach, ta-ta-gelang habe ich ni-icht gefressen.“
Es dauerte eine Zeit, bis Wundersam sich wieder gefangen hatte, so sehr erschütterte sie der Anblick des Vogels.
Dann fiel ihr ein, dass die Meise Futter braucht.
„Ach, Du ärmste, warte, ich hole Dir etwas!“
Die hilfsbereite Elfe flog so schnell sie konnte, und sammelte alles, was sie fand.
Insekten, Beeren, für genauere Überlegungen war die Zeit zu knapp.
„Die Kleine wird sich freuen, wenn sie sieht, was ich alles gefunden habe!“
Fröhlich pfeifend  flog sie zurück.
„Hallo, schau mal, was ich alles für Dich gesammelt habe!“ schrie sie von weitem.
Der kleine Vogel lag aber noch genauso auf dem Boden, wie vorhin. Böses ahnend, nahm sie die Meise in die Arme.
Sie lebte nicht mehr! Erschüttert, setzte sich die Elfe hin. Sie konnte  ihre Tränen nicht einhalten.
Schluchzend, streichelte sie die Meise ganz zärtlich.
Lange blieb sie sitzen und trauerte.
Gedanken über Gedanken gingen durch ihren Kopf.
„Wie kann das passieren?“ dachte sie, „wieso kann sie verhungern?“
Dann fiel ihr Rusa ein, die Tierkommunikatorin.
„Ich muss zur ihr  fliegen. Bestimmt kann sie erklären, was hier los ist.“
Sie fand eine Stelle, an der viele Gänseblümchen wuchsen. Dort legte sie die Meise hin, verabschiedete sich wehmütig von ihr, und begab sich auf den Weg.
Sie hatte keine Augen für die Schönheit der Natur, sie sah nur das Bild der kleinen Meise vor sich.
Rusa und ihre Gefährten, die Hunde, waren zu Hause.
Wundersam erzählte ihr alles, was vorgefallen war.
„Warum verhungern die Vögel?“, fragte sie.
„Die Menschen sprühen mit giftigen Stoffen, um die Insekten zu töten.
Der Lebensraum für Vögel und andere Tiere wird immer kleiner, weil immer mehr Natur zerstört wird.
Viele Hecken werden beseitigt.
Die Plätze, an denen sie nisten können, sind rar geworden.
Auch Igel und andere Kleintiere finden hier kein zu Hause mehr.“
„Hast Du denn unterwegs keine tote Seevögel gesehen?“, fragte Rusa.
„Viele Albatrosse fressen Plastikmüll, und sterben.
Durch die Masse an Plastik passt nichts mehr in ihre Mägen, und die Vögel verhungern.“
„Aber warum fressen sie Plastikmüll?“, fragte die Elfe verwundert.
„Weil sie es nicht von Meerestieren unterscheiden können, und der Müll ein Geruch absondert, der an Plankton erinnert.
Im Meer zerfällt dann der Plastikmüll zu Mikroplastik.
Der ist so klein, dass er nicht mehr sichtbar ist.
Dieser Mikroplastik wird auch von den Fischen gefressen.
Das ist sehr gefährlich.
Die Menschen, die, diese Fische essen werden auch geschädigt.“
„Ich kann nicht mehr!“, rief Wundersam. „Das ist ja grauenhaft!“
„Ja, leider!“
„Aber wir müssen doch etwas dagegen unternehmen! So kann es nicht bleiben. Das ist unser Untergang.“
Rusa schaute die Elfe liebevoll an.
„Ich bewundere Dich“ sagte sie.
„Du bist immer so positiv und gibst nicht auf.“
„Ich liebe das Leben mit allem was dazu gehört und möchte gerne noch etwas weiter auf dieser Welt bleiben.“
„Ich werde mir auch Gedanken machen was wir tun könnten.“
Mit diesen Worten verabschiedete sich Rusa. Sie würde sich melden, sobald sie Neuigkeiten erfuhr.
Auf dem Wege über das Meer hielt Wundersam Ausschau nach den Seevögeln.
Es war erschreckend, wie viele tote Vögel am Strand zu sehen waren.
Als sie herunterflog, um die Gegend genauer zu inspizieren, sprach sie ein Seevogel an.
„Wer bist Du?“ „Hallo, ich heiße Wundersam und Du?“
„Ich bin Nori.“ „Es ist wirklich sehr schlimm, jeden Tag sterben mehrere meiner Freunde.
Und wir wissen nicht warum!“
„Es kommt durch den Plastikmüll“, antwortete Wundersam.
„Wie, Plastikmüll?“ „Die Menschen werfen überall Plastik weg. Der gelangt dann über Bäche und Flüsse, und durch den Wind ins Meer und die Vögel fressen ihn dann.“
„Das ist ja schrecklich!“, Nori war außer sich vor Wut und Hilflosigkeit.
„Die Vögel müssen lernen nicht immer alles aufzufressen was sie finden,
Erst genauer prüfen, ob es Fische sind oder nicht.“
„Diese Neuigkeit muss ich so schnell wie möglich weitergeben“, sagte Nori ganz aufgeregt.
„Am besten haltet Ihr eine Vogel Versammlung ab“ schlug die Elfe vor.
„Unterwegs kann auch ich diese Nachricht weitergeben, wenn ich die anderen treffen sollte“, versprach sie.
„Das wäre ja toll“, damit könnten wir viele vor dem sicheren Tod bewahren.
Ich kann Dir gar nicht sagen, wie dankbar ich Dir bin.“
Nachdenklich flog die Elfe nach Hause.
Von weitem sah sie schon ihre schöne Heimat. Noch nie zuvor war sie so erfreut, ihre Bleibe zu sehen.
„Wenigstens dort ist alles in Ordnung“ dachte sie.
Als sie sich noch über dem Meer befand, sah sie etwas, das sie nicht einordnen konnte.
Neugierig, wie sie war,  flog sie im Sturzflug herunter.
Von Nahem sah sie ein Schiff, das zur Hälfte schon unter Wasser lag.
Eine schwarze Flüssigkeit breitete sich aus.
Die Menschen auf dem Deck, liefen entsetzt hin und her.
„Das Öl ist ausgelaufen, und das Schiff sinkt. Wir müssen hier weg“, brüllten sie.
Eine Möwe, die nahe am Strand gelandet war, wo das Öl sich ausbreitete, klebte fest und konnte nicht mehr wegfliegen.
Mit großen, ängstlichen Augen sah sie die Elfe an.
„Oh, oh!“ schrie Wundersam, „wie schrecklich!“
„Vielleicht kannst Du mich hier herausziehen“, rief die Möwe.
„So viel Kraft habe ich nicht!“, erwiderte die Elfe.
„Was machen wir jetzt?“
Aufgeregt flog sie hin und her.
Nicht weit entfernt sah sie ein Brett im Meer treiben.
Ein rettender Gedanke schoss ihr durch den Kopf.
„Ich kann das Brett zu Dir schieben und Du, muss versuchen raufzuklettern!“
Sofort flog sie zu dem Brett, und versuchte es mühsam zu der Möwe zu schieben.
Es dauerte eine ganze Weile, bis sie es endlich geschafft hatte.
Danach half sie der Möwe auf das Brett.
„Jetzt müssen wir nur noch versuchen, den Strand zu erreichen.“
Das Meer war auf ihrer Seite. Es war Flut, und sie wurden innerhalb kurzer Zeit auf den Strand gespült.
„Und jetzt?“ „Wie werde ich das Öl los? fragte die Möwe.
„ Sachte, sachte“, antwortete Wundersam, „freuen wir uns erst mal, dass wir es bis hier geschafft haben.“
„ Aber ich bin doch noch ganz verklebt“, quakte die Möwe.
„ Ich habe nicht vor, Dich im Stich zu lassen“, erwiderte die Elfe etwas unwirsch.
Sie schlug mit ihren Flügeln und überlegte eine ganze zeitlang.
„Ich muss erst einmal ein paar Runden fliegen, meistens habe ich dann eine Idee.“
Die Elfe kreiste in der Luft um die Möwe herum. Ein paar Achten, eine Looping.
„Ich habe es!“, rief sie, nach einiger Zeit.
„Ich werde versuchen, die andere Vögel zu rufen, vielleicht könnten wir die Menschen auf Dich aufmerksam machen, und Du bekommst Hilfe.
Solange musst Du hier warten.“
„ Aber komm bitte schnell zurück!“
Wundersam  machte sich auf den Weg, auf die Suche nach Nori und ihren Kameraden.
Diese und eine ganze Menge anderer Vögel waren unterwegs zur Versammlung.
Für die Elfe war es nicht schwer, sie ausfindig zu machen, so laut waren ihr Gekreische zu hören.
„Hallo Nori, Ihr müsst alle sofort mitkommen“, rief Wundersam aus der Ferne.
„Was ist jetzt wieder los?“, fragte Nori.
„Euer Kamerad liegt auf dem Strand, seine Flügel sind durch Öl verklebt.
Er kann nicht wegfliegen, ohne unsere Hilfe wird er sterben.“
„Kommt alle schnell mit, unterwegs erkläre ich alles, wir haben keine Zeit zu verlieren“, drängte sie.
Auf dem Flug erzählte die Elfe alles, was sie gesehen hatte.
„Und wie sieht Dein Plan aus? “fragten die Seevögel.
„ Als ich eure Gekreische gehört habe, kam ich auf eine  Idee.“ Wundersam schaute die Vögel schelmisch an.
 „Im Schnattern seid ihr ja Weltmeister. Das müssen wir nutzen.
Unsere einzige Möglichkeit wäre, die Menschen auf uns aufmerksam zu machen.
Ihr könnt alle in mehreren schönen Formationen um Eurem Freund fliegen und sehr laut kreischen.
Die Menschen werden dann neugierig sein und nachschauen was los ist.
Vielleicht, werden sie helfen.“
„Und wenn nicht?“ „Ach, am besten gar nicht darüber nachdenken. Ihr musst immer nur denken:  Sie werden uns helfen.“
„Und Du meinst, das hilft?“ Die Vögel schauten die Elfe mit großen Augen an.
Sie wussten nicht recht, was sie davon halten sollten.
„Ja“, sagte diese, „dass einzige, was wir können, ist handeln und hoffen.
Also los!“
Mit lautem Geschrei flogen die Vögel im Kreis um die Möwe.
Zunächst reagierte niemand darauf.
Doch nach einer Weile schauten mehrere Leute auf dem Strand befremdet hin, und kamen angerannt.
„Ach die armen Vogel!“, riefen sie.
„Wie kann man das Öl entfernen?“
„Ich nehme die Möwe mit nach Hause“, sagte eine Frau ganz entschieden.
Sie hob die Möwe hoch und ging fort.
Wundersam und die Seevögel schauten sich gegenseitig an.
Jede dachte dasselbe „Wir hoffen, dass sie es schafft!“
Die Elfe legte den Vögeln ans Herz, dieses Geschehen weiter zu erzählen, und das Öl Gebiet zu vermeiden.
„Jetzt muss ich aber wirklich weg“, sagte sie.
Voller Dankbarkeit verabschiedeten sich Nori und ihre Freunde von ihr.
Sie versprachen, sich gegenseitig zu informieren und zu helfen.
„Es steckt doch noch viel Gutes in den Menschen“, dachte die Elfe.
„Ich darf die Hoffnung nicht aufgeben.“
Zurück auf Ihrer Blüte bemerkte sie erst ihre Erschöpfung.
Kaum hingelegt schlief sie sofort ein.
 


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