Es ist: 27-01-2022, 09:14
Es ist: 27-01-2022, 09:14 Hallo, Gast! (Registrieren)


Starke Frauen in der Phantastik (und anderswo)
Beitrag #11 |

RE: Starke Frauen in der Phantastik (und anderswo)
Hallo D.,


das Kommende ist so respektvoll wie möglich formuliert und ich hoffe, dass dir der Ton nicht zu scharf erscheint.

Zitat:    Und es zeigt ja bereits Wirkung bei mir: Man braucht mich nicht anzugreifen, mich nicht scharf anzuschauen, aber wenn ich eine Idee im Kopf habe, dann habe ich schon automatisch ein schlechtes Gewissen, ob ich die richtigen Geschlechter als Hauptdarsteller genommen habe. [...]

    Von daher kann die Welt da draußen sich die Lippen zerreißen über dieses Thema einer tollen Super-Duper-Wohlstandsgesellschaft. Ich habe mir vorgenommen, dass es mir am Allerwertesten vorbeigehen kann. Ich werde kein schlechtes Gewissen mehr haben.



Ich bin dieser Einstellung schon so oft begegnet und ich bin sie leid. Die des armen Mannes, der sich als Opfer des bösen Feminismus sieht, sich in fremden und eigenen Anschuldigungen suhlt, seine Wunden leckt und dann als geläuterter Phönix aus der Asche steigt, mit der beflügelnden Erkenntnis: Ihm kann der (sic [es gibt mehrere Feminismen]) Feminismus nichts.

Feminismus zielt nicht darauf ab, die Männer dafür zu geißeln, dass sie an einer Menschheitsgeschichte mitgewirkt haben, in der Frauen kategorisch unterdrückt wurden. Feminismus zielt auf die Stärkung von Randgruppen ab, um Gleichberechtigung zu erzielen (auch wenn das Männern nun so vorkommen muss, als würden sie für die Verfehlungen ihrer Vorfahren büßen müssen).

Nur weil es nun „in“ ist, starke weibliche Figuren zu schreiben, musst du nicht auf den Zug aufspringen, der eindeutig nicht deine Destination anfährt. Ob das ein Grund ist, stolz zu sein? Du machst nichts anderes als tausende Leute vor dir.

Wäre es nicht schön, in einer Welt zu leben, in der Geschlecht keine Rolle spielt? Wir leben (noch) in Gesellschaften, die dein Schicksal abhängig von Geschlecht (und Orientierung, aber das ist ein anderes Thema) machen. Nur jemand, der keine Diskriminierung aufgrund seines Geschlechtes erfährt, kann die Meinung vertreten, es würde aus einer Maus ein Elefant gemacht.

Ich glaube, es war das Autorenpaar Ilona Andrews, das die Charakterfindung so handhabt, dass sie ihrer Figur jeweils das andere (binäre) Geschlecht zuweisen, wenn sie im ersten Brain Storming ein gewisses Geschlecht vor Augen haben. Versuch das Mal als Übung, um zu sehen, wie wohl du dich noch mit deinen Figuren fühlst und frag dich, was sich verändert hat.

Zitat:->Wer eine Geschichte nur liest, um zu sehen, ob die Quoten erfüllt sind, und ob alles schön gendermäßig und politisch korrekt ausgearbeitet ist - der braucht in Wirklichkeit keine Bücher zum Lesen.

Du verwechselst da Aktion mit Reaktion. Das Ungleichgewicht zwischen Frauen und Männern besteht und nicht zufällig, sondern hat instrumentalen Charakter. Zack hat dir in der Zwischenzeit nähere Zusammenhänge in Mainstream und abseits des Mainstreams dargelegt. Ich lese alles (= alle Genre), was mir in die Finger kommt und ich kann die Quote zuungunsten von Frauen bestätigen. Und was, wenn ich jetzt sage, ich lese extra Bücher, von denen ich mir erhoffe, sie drehen die Quote um und setzen eine Idee nicht zum xten Mal so um, dass der Prinz in der goldenen Rüstung die Maid aus der Not errettet? Gerade solche Bücher geben Hoffnung auf Besserung der Umstände, denn diese Stereotype werden nicht nur im Phantastik-Genre angewendet, sondern überall in den Medien, auf der Straße, in den eigenen vier Wänden.

Wenn für dich diese Thematik ein Punkt ist, um den du einen Bogen machen kannst - Glückwunsch! Genieße dieses Privileg, solange es hält.

Eine kleine Sniffu-Dröhnung

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Beitrag #12 |

RE: Starke Frauen in der Phantastik (und anderswo)
Liebe sniffu.

(Und das meine ich ernst.)

Ich habe meine Meinung - extra genauso radikal - dargestellt, die sich hauptsächlich auf mein Innenleben, meine Gedanken, meine Gefühle dazu stützen. Von daher kann ich diesem Satz ...

Zitat:Ich bin dieser Einstellung schon so oft begegnet und ich bin sie leid. Die des armen Mannes, der sich als Opfer des bösen Feminismus sieht, sich in fremden und eigenen Anschuldigungen suhlt,

... gar nichts abgewinnen, da ich diesen Satz - bei dieser Thematik - aus den Mündern von eben diesen Frauen immer wieder gehört habe.
Ich glaube auch gar nicht mehr, dass es diesen Frauen um Feminismus, um 'Randgruppen' oder ums Gendern geht.
Ich denke, es geht um was anderes.
Da schwingt jedesmal so viel Zorn, Hass, Wut, Enttäuschung, der unbändige Wille der Gerechtigkeit, und der unbändige Wille des Willen-Aufdrückens, oder aber das Nieder-argumentieren der anderen Meinung mit, dass ich das nicht glauben kann.

Beispiel für Hass und Intolleranz?
->*klick*

Und warum ich persönlich gegen Gendern bin?
->*klick*
(Wenn etwas mit schwerer Körperverletzung inklusive verzögertem Suizid anfängt, kann das nichts Gutes sein.)

In einer Gesellschaft, die wir (noch) darstellen, sollte man argumentieren und akzeptieren können. Ich habe meine Gefühle und Gedanken geäußert. Im Gegenzug soll ich aber akzeptieren und ein devotes kleines Männchen werden.
Sorry.
Und dieses Sorry wird sich sehr wahrscheinlich in den nächsten Jahren vervielfältigen: Das, und diese Vorgehensweise, wird sich nicht ewig halten. Und danach, wenn es nicht mehr 'in' ist, wird das Pendel der Geschichte wieder zur anderen Seite ausschlagen. Es liegt im Heute daran, ob das Pendel vielleicht nur bis zur Mitte kommt.

Und damit es noch komplizierter wird, was dieser Mann namens D. da so von sich gibt:
Ich bin bei diesem Thema nicht bei Dir. Ich bin bei diesem Thema mit meiner Meinung sogar gegen Dich. Aber ich würde immer (!) dafür sorgen, (mit allem, was mir zur Verfügung steht), dass Du Deine (das D groß geschrieben) Meinung sagen kannst. Und zwar immer. Auch wenn wir uns vorher erbarmungslos "verbal" gefetzt hätten.

VGD.


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Beitrag #13 |

RE: Starke Frauen in der Phantastik (und anderswo)
Wow okay.
damit bin ich hier raus.
Ich bin hier zum diskutieren, nicht zum duellieren.
'Fanpost" bitte an mein Postfach weiterleiten.

Eine kleine Sniffu-Dröhnung

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Beitrag #14 |

RE: Starke Frauen in der Phantastik (und anderswo)
Aye, ich bitte darum, dass sich die Gemüter beruhigen, denn wir driften gerade vom eigentlichen Thema etwas zu weit weg Icon_smile  ... 

Back to topic: Habe gerade "Die Herren von Nebelheim" von Susanne Pavlovic (klick) gelesen und bin sehr angetan von der harten Protagonistin: Krona ist eine gealterte Kriegerin, trockene Alkoholikerin, schlachtet Monster und rettet ihren Spielmann, flucht wie ein Grubenarbeiter und zeigt ab und an ihre sensible Seite. Eine sehr authentische, unterhaltsame Dame, die Männern und Frauen gleichermaßen den Arsch aufreißt ^^ ...

“Die Farben sind der Ort, wo unser Gehirn und das Universum sich begegnen.” (Paul Cézanne)

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Beitrag #15 |

RE: Starke Frauen in der Phantastik (und anderswo)
Hallo zusammen,

ich persönlich mag "starke" Frauen in der Literatur sehr gerne. Wobei ich auch sagen muss, dass "Stärke" nicht eine Eigenschaft oder körperliche Fähigkeit sein muss. Wenn eine unterdrückte Frau sich aus Ihrer Situation durch ihren Werdegang befreit oder sonst durch irgendwas überzeugen kann, dann ist auch das "stark".

vorweg: folgendes entspricht nur meinem Gefühl. Mich auf Definitionen, "Fachgebrabbel" etc. zu beziehen liegt mir nicht...

Zum Thema Unterdrückung: Ich finde, dass dieses Thema vielzusehr aufgebauscht wird. Denn scheinbar scheint es keine "Grenze" für Feministinnen zu geben. Klar ist da ein Unterschied, ob man selbstbestimmt und frei leben kann oder von Männern "beherrscht" wird. Aber zu erwarten, dass man nur weil man eine Frau ist das Recht auf Sonderbehandlung hat...
Heutzutage muss man sich soviel anhören, von allen Seiten. Ob es nun die Veganer sind die alles für "böse" erklären was Ihnen nicht in den Kram passt oder Aktivisten von Irgendwas.
Ich finde einfach, dass sich jeder Mensch seinen Respekt verdienen muss, unabhänig von Geschlecht, politischer Zugehörigkeit oder sonstwas. 
Bei einigen Frauen könnte man mittlerweile denken es müsste einen entgegengesetzen Feminismus geben. Ihr wollt frei sein und die Freiheit haben andere zu unterdrücken? Was macht euch dann besser? Die Vergangeheit etwa?
Ich habe generell den Eindruck das, egal ob es Frauen, Juden, dunkelhäutige Menschen etc. sind, alles nurnoch auf die Vergangenheit bezogen wird. Jeder behauptet im Recht zusein, nur weil "er" soviel Leid erfahren musste. Es scheint ein immer anwesender Vorwand zusein, der dich frei macht von jeglicher Schuld bzw. der keine Kritik erlaubt.
Nervig...


Was ich nahezu abartig finde in der heutigen Gesellschaft ist das "Schubladendenken". Du hast Ausländische Wurzeln? > Schublade
Du bist eine Frau? > Schublade
Du bist ein Mann? > Schublade
Du bist religiös? > Schublade
Du bist homosexuell? > Schublade
...

Um mal zum Thema zurückzukommen:

wiegesagt, ich mag "starke" Frauen in der Literatur und empfinde das Verhältnis eigentlich relativ ausgeglichen (z.B. im Genre Fantasy). In einigen Genres kommt mir der "Frauenanteil" zuweilen sehr hoch und zu hoch vor. Gefühlt 90% der Liebesromane handeln von Frauen richtig? Es sollte klar sein, dass wenn man nur eine spezielle Nische liest, welche sich konserative Klischees zu Nutze macht ein "Männerüberhang" entstehen kann. Aber allgemein betrachtet wiegsagt sehr ausgeglichen.

Allerdings finde ich es extremst schade, dass männliche Protagonisten nie "wahre" Gefühle zeigen dürfen. Man folgt scheibar immer nur den Klischees und Erwartungen. Nennt mir mal einen "bekannten" Roman wo ein Mann tiefergehendere Gefühle hat, die nicht unbedingt den Klischees entsprechen...begegnet ist mir bisher leider noch keiner.

LG


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Beitrag #16 |

RE: Starke Frauen in der Phantastik (und anderswo)
Guten Morgen zusammen.

Es geht hier um "starke" Frauen in der Phantastik. Ich schreibe in diesem Bereich. Und ich habe hier nur von mir in meiner Eigenschaft als Hobby-Tipper geschrieben.
(Und ja, warum nicht mal genauso radikal?)

Um es noch provokanter zu machen:
Auch eine schwache Frau kann in der Phantastik bestehen, besonders dann, wenn ihre Vorgeschichte klar und nachvollziehbar dazu führt, dass sie sich beispielsweise (im Verlauf der Geschichte) wandelt. Beispielsweise (aus einem anderen Genre) angemerkt, dass John McClane nie von Anfang an ein Held war - er ist da hineingerutscht. Und er hat sich dabei entwickelt.

Genauso gut kann eine starke, aber scheiß böse Frau bestehen - die ich nicht deshalb verwende, weil ich gegen diese Auswüchse bin, sondern einfach weil sie so in meinem Kopf ist. Wobei es mir sehr wichtig ist darzustellen, warum manche Charaktere so geworden sind. Denn jeder dort in meinem Kopf, und auch jeder hier (!) macht nichts ohne einen Beweggrund.

Abseits davon, und ich schreibe es diesmal anonymisiert:
Ich habe vor der Beantwortung dieses Themas ein anderes gelesen, das ähnlich ist. Dort wurde ein weibliches Mitglied von einem anderen weiblichen Mitglied - für meine Begriffe - derart angefahren, dass ich echt nur den Kopf geschüttelt habe. Da wurden Sachen unterstellt und versucht, seine Meinung durchzudrücken, dass ich echt ...  sprachlos war.

Das vielleicht als "Erklärung", warum ich derart vorbelastet dieses Thema beantwortet habe. Vielleicht hätte ich das anders lösen sollen. Mag sein.
Aber es ist "2018".

VGD.


Edit @Jan:
Der Zeitreisende aus der Fortsetzung "Zeitschiffe" von Stephen Baxter. (Er kommt darin sogar doppelt vor.) Desgleichen Cheradenine Zakalwe aus Iain Banks "Einsatz der Waffen".

VGD.


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