Es ist: 23-06-2018, 09:08
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Dystopie/Cyberpunk-Indonesien (Teil I bis III)
Beitrag #1 |

Dystopie/Cyberpunk-Indonesien (Teil I bis III)
Hallo Literatopia,

ich habe schon lange keine Geschichte mehr eingestellt, das möchte ich jetzt gerne mal nachholen.

Vor vielen Jahren, ich glaube, es muss jetzt gut 14 oder 15 Jahre her sein, da habe ich damit begonnen, mir ein von dystopischen und dem Cyberpunk entlehnten Elementen geprägtes Indonesien auszudenken, da mich damals dieses Genre sehr interessiert hat und ich noch keine Bücher kannte, in denen es versucht worden war, meine zweite Heimat, auf diese Art und Weise darzustellen.
Einige Ideen, die so im Laufe der Jahre entstanden sind, und die ich z. B. für meine Rollenspielgruppe verwendet habe, habe ich in letzter Zeit zu einer zusammenhängenden Geschichte verwoben. Diese Geschichte ist noch nicht abgeschlossen, aber ich möchte sie gerne hier veröffentlichen, weil ich schon so lange nichts mehr zum Literatopia-Forum beigesteuert habe (von wenigen Kommentaren zu den Geschichten anderer abgesehen).

Meine Motivation, diese Geschichte zu schreiben, war und ist es (wie auch damals) verschiedene Eigenheiten und Entwicklungen Indonesiens, die sich teils bereits heutzutage ereignen, in diesem Setting aufzuzeigen und damit zu spielen.

Einen Titel hat die Geschichte noch nicht.
...

I
 
Der Mann, der ihnen gegenübersaß, trug eine Kette, die aus menschlichen Fingerknochen gefertigt war. Zum wiederholten Male fragte sich Sadewa*, wem diese Finger wohl einst gehört haben mochten. Sadewa war der Ansicht, dass die Finger eines Menschen viel über diesen aussagten. Ihre Beschaffenheit, und auch die Art und Weise, wie sie sich bewegten. Er hatte gelernt, diese Zeichen zu deuten. Ihnen zu entlocken, was sein Gegenüber zu verbergen versuchte, seine Finger aber verrieten. Doch die Finger, die dort auf dem Tisch ruhten, verrieten ihm nicht das Geringste. Er war unfähig, sie zu lesen, wie es ihm überhaupt unmöglich schien, diesen Mann zu deuten. Er war groß, von muskulöser Statur, und unter seinem schlichten, kurzärmligen grauen Shirt breiteten sich seine schwarzen Stammestätowierungen aus, die – wie Sadewa aus Erzählungen wusste – den Großteil seines Körpers bedeckten. Er war ein Dayak, ein Stammesmann aus dem Norden des Archipels. Einst waren die Dayak gefürchtete Kopfjäger gewesen – Gerüchten zur Folge waren sie dies noch immer, hatten ihre Jahrhunderte alte Tradition trotz des Einzugs moderner Technologien und Wertesysteme niemals gänzlich aufgegeben. Und deshalb war der Mann in dieser Nacht zu ihnen gekommen, hatte Nakula ihn hierher beordert. Dabei war sich Sadewa nicht einmal sicher, ob der Dayak diese delikate Mission, die für sie, Nakula und ihn, von solch großer Bedeutung war, überhaupt meistern würde. Er selbst zweifelte stark daran, aber Nakula hatte da wie immer ganz andere Vorstellungen.

Sadewa erinnerte sich noch gut an das Gespräch, das Nakula und er zuletzt geführt hatten. Wie immer hatten sie in einem der klaustrophobisch kleinen Separees über dem ‚Bintang‘* in der Jalan Jaksa, der Straße der Sünde, bis weit in die Morgenstunden hinein hitzig diskutiert. Die Straße lag nicht weit vom Merdeka Square* entfernt, dem Zentrum des endlosen Sprawl, der unter dem Akronym ‚Jabodetabek‘ bekannt war, den die nach Abkürzungen gierenden Indonesier aber meist einfach nur ‚Jabo‘ nannten. Einst hatte die Stadt ‚Jakarta‘ geheißen, und auch schon damals war sie eine Mega City gewesen.
Jetzt dachte Sadewa wieder an den Raum, das Separee, das den Regierungsgebäuden am Merdeka Square so nahe war und doch inmitten eines Kosmos aus Prostitution, Drogen und kriminellen Machenschaften ruhte. Sadewa fand diesen Umstand äußerst bezeichnend.

Der Raum war nur spärlich möbliert gewesen, und durch das einzige abgedunkelte Fenster, das zur Straße hin zeigte, war verwaschen das grell-bunte Licht der Hologramme in das Separee gefallen, hatte Nakulas Gesicht wie damals das nächtliche Mündungsfeuer des Krieges einer Fratze gleich erscheinen lassen, die ihn auf die Grundzüge dessen reduzierte, was er war – ein Mann, der dem Krieg niemals entkommen war. Sadewas Augen hatten bereits getränt durch den beißenden, süßlichen Rauch der unzähligen kretek, der Nelkenzigaretten, die Nakula und er im Verlauf ihres Gespräch konsumiert hatten. Auch vermochte es die altersschwache, wie ein im Sterben liegender Mann röchelnde Klimaanlage kaum, die rauchgeschwängerte, trotz der nächtlichen Stunde aufgeheizte Luft auf ein erträgliches Maß herab zu kühlen.

Sadewa hatte halb versunken in dem alten, aufgerissenen Ledersessel gehockt, der nahe der Tür gestanden hatte. Nakula hingegen hatte, wie er es üblicherweise tat,  mit seinem massigen Rücken direkt an der nackten Wand geruht. Sie hatten sich schon immer gut zu streiten gewusst, schon damals, als sie beide noch wesentlich jünger gewesen waren und das Blut einen ständigen Begleiter dargestellt hatte. Nur in einem Punkt waren sie beide sich stets vorbehaltslos einig: die Republik Indonesien, dieses gewaltige, aufgedunsene Gebilde, ihre geliebte Heimat, war nur noch ein halbtoter Moloch, der in seinen letzten, verzweifelten Zuckungen lag, in den die Demokratie ihn gebracht hatte. Nach einem halben Jahrhundert ‚Herrschaft des Volkes‘ war die Zeit gekommen, Indonesien zu seiner alten Größe und Stabilität zurückzuführen, es aus den Fängen der Parteienwirtschaft zu befreien, die immer nur bis zur nächsten Wahlperiode dachte, an die nächste Runde auf dem großen Glücksrad, das von einer Masse leicht zu manipulierender und politisch völlig unerfahrener Wähler in Schwung versetzt wurde. Und die Menschen gingen auf die Straße, demonstrierten, weil es ihr Recht war zu demonstrieren. Doch niemand wusste genau, warum. Sie waren unwissend. Sie alle.

Unfähig, rechtzeitig auf die rasanten technologischen Entwicklungen und ihre gesellschaftlichen Auswirkungen zu reagieren, geschwächt durch die Bildung von Oppositionen und im Deckmantel der Meinungsfreiheit agierender radikal-islamistischer Gruppierungen, die insgeheim oder zunehmend auch immer offener den Gottesstaat forderten, und halb erstickt an seiner eigenen, überkommenen Bürokratie war dieser sterbende Gigant, die Demokratie Indonesien, ein wahres Ungetüm, dem sie den Todesstoß zu versetzen gedachten.

„Ein Dayak?“, hatte Sadewa seinen Kampfgefährten zweifelnd gefragt. Und Nakula hatte ihm dieses Lächeln gezeigt – eine Mischung aus hinterlistiger Gerissenheit und verachtungsvoller Arroganz. Er beherrschte es gut, dieses Lächeln.
„So ist es. Ein Dayak, ein Stammesmann. Sein Name lautet Sarak. Und er ist ein erfahrener Krieger.“
„Daran zweifele ich nicht, Nakula. Aber warum muss es ein Dayak sein? Noch dazu ein einzelner Mann? Warum nehmen wir nicht ein Team aus Männern, die wir sonst für so etwas anheuern?“
Nakula hatte sich eine neue Nelkenzigarette angezündet, und für kurze Zeit waren nur das Knistern der neu entzündeten Zigarette und das Rattern der Klimaanlage zu hören gewesen.
„Abgeordneter Raharjo ist ein abergläubischer Mann, wie überhaupt viele in unserem Volk noch immer dem Aberglauben anhängen. Er hat einen einflussreichen Dukun damit beauftragt, über sein Anwesen zu wachen. Zusätzlich zu den Sicherheitskräften, versteht sich. Magie muss man mit Magie bekämpfen. Sarak kennt sich damit aus. Er wird uns die Prinzessin bringen. Und dann, mein Freund, werden wir unserem Ziel einen bedeutenden Schritt näher sein.“
Und Nakula hatte gelächelt – gelächelt wie ein Dämon aus dem wayang kulit, dem Schattenspiel javanischer Tradition.

Vor ihnen flammte der kleine Holoprojektor auf, der in den Tisch installiert war. Sarak, der Dayak, starrte in das dreidimensionale, gestochen-scharfe Bild seiner Zielperson. Samayanti, die Tochter des Abgeordneten, war eine junge Frau von großer Schönheit, aber ihre schmalen Lippen und der funkelnde Blick ihrer tiefbraunen Augen zeugte gleichermaßen von einem eigensinnigen wie auch starken Wille, den ihr Inneres in sich barg und der sie keinesfalls so gefügig und verletzlich machte, wie es ihr zartes Äußeres suggerieren mochte. Sadewa hatte gelernt, diesen Umstand nicht zu unterschätzen. Neben dem Holo Samayantis öffnete sich ein Informationsfenster über dem Tisch, das die Privatadresse der Familie offenbarte. Nakula bestand darauf, dass man Samayanti aus dem Anwesen entführte und nicht etwa, wenn sie unterwegs war. Wir müssen dem Abgeordneten Raharjo zeigen, dass es ihn überall treffen kann, selbst in den innersten Winkeln seines Herzens. Und Sadewa wusste, dass Nakula – wie so meist – recht hatte. Aber das Anwesen war schwer bewacht. Der Abgeordnete war wohlhabend. Der Dienst für den Staat hatte ihm nicht nur Privilegien, sondern auch üppige Bestechungsgelder beschert, von denen er sich ein erstklassiges Sicherheitsteam leisten konnte. Männer und Frauen, die dafür Sorge trugen, dass all die angenehmen Dinge, die der Abgeordnete in seinem Anwesen hortete, auch die seinen blieben.

„Das Anwesen ist schwer bewacht. Eine Truppe der KerisCombat Inc. ist rund um die Uhr vor Ort“, sprach Nakula in Richtung des noch immer völlig bewegungslos dasitzenden Dayaks. Ein weiteres Hologrammfenster öffnete sich in der Luft, zeigte einen Mann der KerisCombat Inc. in seiner gepanzerten, schwarzen Sicherheitsuniform mit dem Logo, das einen silbernen Kris, einen javanischen Dolch mit gewellter Klinge, zeigte, eine FN P120 vor der Brust verschränkt. Die Weiterentwicklung der berühmten P90 des belgischen Waffenherstellers vereinte wie ihr Vorgängermodell ein vergleichsweise geringes Gewicht und die Handlichkeit des schlichten und kompakten Designs mit einer hohen Kadenz und einer ehrfurchtgebietenden Durchschlagskraft.

Der Dayak musterte das Hologramm, doch er stellte keine Fragen. Weder wollte er wissen, über wie viele Personen die Sicherheitstruppe, die für die Bewachung des Anwesens zuständig war, verfügte, noch mit welcher technischen Sicherheit, Sensoren, Drohnen oder ähnliches, die Residenz selbst ausgestattet war. Er sprach nur einen einzigen Satz.
„Wenn die kamang tariu einmal erwacht sind, dann kann nichts sie aufhalten.“
Diesen einen Satz sprach der massige Mann mit einer Sicherheit und Selbstverständlichkeit, als sei er ein ehernes Naturgesetz. Die kamang tariu, die Geister des Krieges. Sadewa erinnerte sich an alte Aufzeichnungen in den Militärarchiven. Dayak in Trance, besessene Krieger mit ihren Mandau, ihren wie Macheten geformten  Schwertern, die wie Geister aus dem nächtlichen Urwald aufgetaucht waren, um einen Militärposten zu überfallen. Und die Kugeln der Gewehre waren an ihren mit Tätowierungen übersäten Körpern abgeprallt, als würde eine übernatürliche Macht sie beschützen. Eine Nacht voller Blut und Schmerz. Und dann waren da natürlich noch die Gerüchte über die kannibalischen Sitten der Dayak, dem Glaube, dass der Verzehr der Organe ihrer Feinde ihnen deren Kraft verleihe. Sadewas Blick glitt zu seinem Partner hinüber, und an Nakulas Lächeln erkannte er, dass der Mann dieselben Gedanken hatte. Nur waren diese von einer Düsternis getränkt, die Sadewa fast erschauern ließ. Er konnte es deutlich vor seinem geistigen Auge erkennen, wie Nakula sich selbst in dieser Szenerie verortete, ein dämonisches Lächeln auf seinen mit Blut besudelten Lippen, froh darüber, endlich einen Gegner gefunden zu haben, der seiner würdig war.

„Wir brauchen die Person lebend. Das ist von größter Wichtigkeit“, sprach Sadewa in den Moment der Stille hinein, um Nakula wieder in das Hier und Jetzt zurückzuholen.
„So ist es“, fügte Nakula hinzu und blickte den Dayak dabei an. Der Mann nickte unmerklich. Sadewa erhob sich, nickte Nakula zu und dann auch Sarak. Wortlos verließ er den kleinen, stickigen Raum. Nakula würde den Rest erledigen. Als Sadewa das Ende des Flures erreichte, der mit den Türen zu den Separees gesäumt war, stieß er die zerkratzte Metalltür am Korridorende auf und trat auf den kleinen Balkon, der zu einer der Gassen zeigte, welche die Jalan Jaksa* schnitten. Aus der Ferne konnte er den Verkehrslärm vom nahegelegenen Merdeka Square hören, während aus der Jalan Jaksa selbst das Treiben der Nacht zu vernehmen war. Gruppen an Bule, Ausländern, die es hier nach Sex und Alkohol gierte. Die liebreizenden Stimmen der kupu-kupu malam*, der Nachtfalter, die in ihren aufreizenden Aufmachungen um die Gunst zahlungskräftiger Kunden warben. Sadewa lehnte sich an das Geländer und zündete sich eine Zigarette an, die er der halbzerknüllten Schachtel entnahm. Über der Jalan Jaksa zog ein Paar Drohnen seine Bahnen, erfasste das Treiben in der schmalen Straße mit seinen elektronischen Augen. Und überall war diese Werbung. Sie strahle von Hologrammen in die verwinkelten Straßen hinab, füllte die Displays entlang der Gehwege, die im Neonlicht schimmernde Haut der kupu-kupu malam und die Kleidung der Nachtschwärmer.

Sadewa zog an seiner Zigarette, stieß den Rauch in die Nacht hinaus. Wenn sie Samayanti in ihrer Gewalt hatten, dann war Abgeordneter Raharjo ihnen ausgeliefert. Er würde es nicht wagen, die Behörden einzuschalten. Das konnte er sich im Moment nicht leisten. Nicht in dieser aufgeheizten Atmosphäre, wo im MPR, dem Parlament der Republik, über Fragen entschieden wurde, die die Zukunft des Landes bestimmen würden. Eine feste Zahl an Sitzen für das Militär, so wie in der alten Zeit, und eine Wiedereingliederung der POLRI, der nationalen Polizeikräfte, in die Armee – das war es, was Nakula und er, und die Organisation, für die sie standen, erreichen wollten. Vorerst. Es würde der erste Schritt zum Ende dieser ohnehin schon toten Demokratie sein.
 
 
II
 
Zum wiederholten Male zog Siti fest an Kadeks Arm, da ihr kleiner Bruder wieder einmal stehengeblieben war. Irgendetwas musste seine Aufmerksamkeit geweckt haben. Meist waren es die Wartungsdrohnen, die an den Hausfassaden und Masten entlang krabbelten, Kabel flickten und andere Reparaturen durchführten, für die sich Siti nicht im Geringsten interessierte. Ganz im Gegenteil natürlich zu Kadek, der gar nicht genug davon bekommen konnte. Aber sie waren spät dran. Wenn sie jetzt nicht sofort aus dieser Gasse heraus- und auf die Hauptstraße kamen, dann würden sie ganz sicher zur spät zur Schule kommen.

„Kak*, Kak, du tust mir weh!“, beschwerte sich ihr Bruder, als sie weiterzog. Siti schnaubte frustriert.
„Das mache ich nur, weil du ständig stehenbleibst! Wir kommen noch zu spät und dann wird Pak* Heryanto dir die Ohren langziehen!“

Erschrocken fasste sich Kadek mit der freien Hand an sein Ohr. Er schien sich die Szene bildlich vorstellen zu können, was Siti an seinem angstvollen Gesichtsausdruck erkennen konnte. Endlich setzte er sich in Bewegung, nur um plötzlich einen Schrei aus seiner Kehle loszulassen und dabei natürlich wieder stehenzubleiben.

„Was ist denn nun schon …“, begann Siti, erstarrte dann aber plötzlich mitten im Satz, als sie das Bein sah. Es war ganz sicher das Bein eines Menschen, das da aus dem Spalt zwischen den beiden kleinen Verschlägen in die Gasse hinausragte. Die Gasse war ihr Schleichweg. Auf einer Seite führte sie an einer alten, aus übereinandergelegten Blöcken rissigen Betons bestehenden Mauer entlang, auf der anderen Seite standen kleine, halb verfallene Hütten, zwischen denen sich noch kleinere Gassen wanden, die letztlich nach unten zum Kanalufer führten, das voller Plastikmüll und anderem Kram war. Dort unten wühlte Kadek immer und hoffte darauf, irgendwelche „Ersatzteile“ für seine Basteleien zu finden, was Siti aber für Zeitverschwendung hielt.

Kadek deutete auf das Bein, dann riss er sich plötzlich los, als die Neugier über den anfänglichen Schreck den Sieg davon trug. „Dik*! Warte!“, rief sie ihm hinterher, aber er ließ sich nicht stoppen. Mit pochendem Herzen jagte sie ihm hinterher. Bitte lass es kein abgetrenntes Bein sein, betete sie zu Gott. Sie hatte schon einmal einen zerstückelten Körper gesehen, unten am Kanalufer. Danach hatte sie wochenlang nicht mehr richtig schlafen können. In der schwülen Nacht, dicht gedrängt an Kadek, waren die Einzelteile des menschlichen Körpers, auf bizarre Weise falsch zusammengesetzt, in ihren Träumen gewandelt und hatten nach ihr gegriffen, um sie sich einzuverleiben. Sie wollte keine Biodrohne werden!
Kadek hatte den Spalt zwischen den Verschlägen erreicht und war stehengeblieben. Fasziniert blickte er auf das hinab, was dort lag. Siti verlangsamte ihre Schritte, atmete tief durch und zählte in Gedanken eine Zahlenreihe ab, was sie immer beruhigte. Dann schaute sie selbst in den Spalt. Dort lag jemand, und das Erste, was sie mit großer Erleichterung feststellte, war, dass es sich nicht um Einzelteile handelte. Es war eine Frau. Komplett. Mit Kopf, Armen und Beinen und so weiter. Sie konnte ihr Gesicht nicht erkennen, denn es war unter einem fließenden Schwall schwarzer Haare verborgen, die wegen ihres Grades an Perfektion auf Siti einen solch unwirklichen Eindruck machten, wie die Haare der Frauen in den Holo-Werbungen, die sie sich so gerne anschaute. Und obwohl die Frau mit Blut besudelt war und ihre Kleider zerschlissen, bestaunte Siti mit offenem Mund die makellose Haut ihrer Arme. Siti verspürte den unbändigen Drang, diese Haut berühren zu wollen. Sie war hell wie der am Himmel leuchtende Mond und sicher so zart wie … nun, Siti konnte sich nicht vorstellen, dass sie in ihrem Leben schon einmal etwas so Zartes berührten haben sollte. „Ist sie tot?“, fragte Kadek plötzlich neben ihr.

„Pssst … so was sagt man nicht, Dik“, ermahnte Siti ihn sofort, flüsterte dabei aber, so als habe sie Angst davor, den Schlaf der Frau zu stören. Da war Blut, aber die Frau sah auf den ersten Blick nicht verletzt aus.
„Was sollen wir denn jetzt machen, Kak?“, fragte Kadek weiter.
„Du gehst jetzt erst mal zur Schule. Und keine Widerworte“, wies sie ihn mit strenger Stimme an. Kadek schmollte. Sie sah, wie er sich auf die Lippe biss. Ihr Bruder konnte ganz schön stur sein, aber das konnte sie auch. Dabei wollte Siti ja nur das Beste für ihn. Er musste in die Schule. Sie selbst fehlte oft, da ihre Tante sie brauchte, um zusätzliche Einkünfte zu erwerben. Das Geld, das ihre Tante verdiente, reichte einfach nicht aus, ganz egal, wie lange sie auch wegblieb, um zu arbeiten. Deshalb musste Siti helfen. Sie war immerhin die Älteste. Aber Kadek sollte zur Schule gehen. Sie würde nicht zulassen, dass er arbeitete. Denn sie wusste genau, dass diese Arbeit zu nichts führte. Sie machte ihre kleine Familie satt, sie half ihnen, das Schulgeld zu bezahlen, aber sie war immer auf den Tag gerichtet und niemals auf die Zukunft. Kadek sollte einmal an ein Morgen denken können und nicht immer nur an den gegenwärtigen Tag. Er war ein kluger Junge und wissbegierig. Er würde es schaffen.
„Schaffst du es alleine?“, fragte sie ihn. Kadek nickte trotzig.
„Natürlich. Ich bin doch schon groß“, erwiderte er ein wenig beleidigt. Aber Siti hatte genau den richtigen Nerv getroffen. Jetzt würde er ihr beweisen wollen, dass er sie nicht brauchte. Und deshalb würde er zur Schule gehen.
„Du musst mir später alles erzählen, Kak“, drängte er dann aber noch. Siti versprach es ihm.
„Beeil dich. Und erzähl niemandem von unserem Geheimnis.“ Dabei blickte sie wieder auf die Frau, die dort noch immer regungslos lag. Kadeks Augen leuchteten, als sie ihn wieder anschaute. Er konnte es jetzt bereits kaum erwarten, wieder nach Hause zu kommen. Dann lief er los, so schnell ihn seine kleinen Beine trugen.

Siti seufzte und wischte sich den Schweiß von der Stirn. Obwohl es noch früh am Morgen war, war es schon jetzt fast unerträglich heiß. Am Mittag würde die Sonne unnachgiebig auf die Stadt herabbrennen und alle, die sich kleine Klimaanlage leisten konnten oder im Freien sein mussten, würden erneut darunter leiden. Siti hatte das Gefühl, dass es von Jahr zu Jahr schlimmer mit dieser Sonne wurde. Aber wenn die Sonne mal nicht schien, dann gab es Stürme und solche Regenmassen, das alles unter Wasser stand. Da ertrug sie doch lieber das Feuer, das auf sie alle hinabschien. Konnte das vielleicht alles etwas mit der Flut aus dem Norden, dem Ansteigen des Meereswassers, zu tun haben? Hätte sie doch in der Schule nur besser aufgepasst. Aber meist war sie einfach zu müde gewesen, da sie ihrer Tante auf dem pasar malam, dem Nachtmarkt, hatte helfen müssen.

Konzentriere dich, Ti. Du musst dich jetzt um diese Frau kümmern. Sie ließ sie nur ungern hier alleine liegen, hatte sie doch Angst, sie könne sich doch nur als seltsamer Traum herausstellen. Aber es half nichts. Sie musste das MedTech von Zuhause holen, damit sie mehr über den Gesundheitszustand der Frau herausfinden konnte. Hoffentlich funktioniert es noch, dachte Siti. Es war ein altes Gerät, aber neben ihrem kleinen, pinkfarbenen Konek* ihr wertvollster Besitz. Mit diesen Gedanken im Kopf, lief sie zurück in die Richtung, aus der sie gekommen war. Und wieder betete sie innerlich. Betete zu Gott, der sie hoffentlich erhören würde.
 

III
 
Ajun Komisaris Polisi, Chief Inspector, Tika Suryono blickte fassungslos auf das blutige Spektakel, das sich ihren geschulten Augen bot. Es war sicherlich nicht das schlimmste Blutbad, das sie in ihrer Karriere zu Gesicht bekommen hatte, aber ganz sicher das heikelste. Sie spürte die Nervosität ihres jungen Untergebenen, AIPTU* Chang, der neben ihr stand und damit dasselbe sah wie sie. Vor ihr in der Luft flimmerte die Datenflut aus dem abgeschirmten Netzwerk der POLRI*, die auf ihre Kontaktlinsen projiziert wurde und sie ständig auf dem neuesten Stand der Ermittlungen hielt. Außerdem konnte sie auf diese Weise auf das Sensorium ihrer Untergebenen vor Ort zurückgreifen, wenn das für sie erforderlich war.
„Ich möchte Zugriff auf alle Kamera- und Sensoraufzeichnungen. Von der Sicherheit und auch privat“, sprach sie in die Stille des Raumes hinein, ohne Chang dabei anzusehen.
„Auch die privaten Daten, Chief Inspector?“, versicherte sich Chang neben ihr, und sie kannte seine Stimme gut genug, um zu erkennen, dass er sich jetzt schon dafür verfluchte, heute überhaupt zum Dienst erschienen zu sein.
„Stellt das ein Problem dar? Die Bevölkerung wird von uns doch auch rund um die Uhr ausspioniert. Sind die Rechte des Herrn Abgeordneten auf Privatsphäre etwa mehr wert?“, fragte sie und versuchte gar nicht erst, den bissigen Ton in ihrer Stimme zu kaschieren. Es war allgemein bekannt, dass sie stets nach ihren eigenen Spielregeln spielte. Und außerdem kann sich der Abgeordnete Raharjo sowieso nicht mehr darüber beschweren, dass wir seine Rechte verletzen, fügte sie noch in ihren Gedanken hinzu, behielt diese aber lieber für sich. Sie musste es ja nicht gleich auf die Spitze treiben.

Der Tod des Abgeordneten war ihnen vom System der Jiwa Corp. mitgeteilt worden, bei der Raharjo einen Direktvertrag zur Überwachung seiner Vitalfunktionen besessen hatte. Aber selbst die modernste Medizintechnik des Konzerns hätte dem Mann in diesem Zustand nicht mehr weiterhelfen können. Noch einmal ließ sie ihren Blick zu dem toten Abgeordneten in seinem Bürosessel gleiten. Blut war ihm auf das penibel ordentliche, braune Batik-Hemd getropft. Es war das Blut, das ihm aus den Augenhöhlen ausgetreten war, nachdem man ihm beide Augen mit dem Familien-Kris, der noch immer auf der schweren Marmorplatte des Schreibtisches ruhte, aufgestochen hatte. Die Klinge war tief eingedrungen und musste dabei das Gehirn erreicht haben. Die Spurensicherung würde den Kris, den konservative javanischen Familien noch immer als Familienheiligtum besaßen, einer genauen Untersuchung unterziehen.

„Und informieren Sie mich sofort, wenn man etwas über den Verbleib der Tochter des Herrn Abgeordneten herausgefunden hat“, ergänzte sie noch, nachdem sie ihren Blick wieder von der Szenerie abgewandt hatte. Für heute hatte sie genug gesehen.
„Jawohl, Chief Inspector“, gab Chang zurück, und sie vernahm noch seinen Seufzer, nachdem sie sich umgedreht hatte und bereits auf dem Weg nach draußen war.
Genau wie die meisten größeren Anwesen dieses Ranges, hatte auch die Villa des toten Abgeordneten einen eigenen Garten mit perfekt gepflegten Blumenbeeten und schweren, kunstvollen Vogelkäfigen, in denen erlesene, vielleicht sogar schon als ausgestorben geltende Arten ihr Piep-Konzert von sich gaben. Tika hatte für Vögel nicht viel übrig. Fische waren ihr lieber. Die waren wenigstens leise. Fische und Vögel – wohlhabende Indonesier schienen sie nach wie vor zu lieben. Sie galten als offensichtliche Zurschaustellung ihres Status.

Tika griff in ihre Hosentasche und holte Feuerzeug und Zigaretten heraus. Ein einheimischen Produkt, nicht diese überteuerten ausländischen Marken, die ihre ranggleichen Kollegen rauchten. Status. Er war überall präsent, selbst bei den Suchtmitteln, die sie konsumierten. Tika zog eine Zigarette aus der Schachtel, legte sie zwischen ihre Lippen und zündete sie mit dem Feuerzeug an. Als sie den Rauch der Zigarette inhalierte, dachte sie an das, was hier, im Anwesen des Abgeordneten, passiert war.

Ein Trupp aus fünf Sicherheitsleuten der KerisCombat Inc. war für die Sicherheit der Villa zuständig gewesen. Nun waren sie alle tot. Ein Schusswechsel hatte nicht stattgefunden. Alles musste in nächtlicher Stille abgelaufen sein. Keine Schusswunden. Der Tod war in Form einer Hiebwaffe gekommen, die den vier Männern und der einzelnen Frau die Hälse und Köpfe gespalten hatte. Die einzigen nicht-gepanzerten Stellen in der hochwertigen Montur der Sicherheitsleute. Niemand von ihnen hatte auch nur einen Schuss abgegeben. Wie war das möglich gewesen? Tika kannte den Sicherheitskonzern und seine Ausbildungspraxis. Das waren Profis, alle fünf. Teuer, aber effizient. Und dann der grausige Mord am Abgeordneten selbst. Ein politisch motivierter Mord oder die Tat eines Wahnsinnigen? Eines verdammt fähigen Wahnsinnigen, wie Tika bei ihren Überlegungen hinzufügen musste. Und Raharjo war durch den Kris gestorben, nicht durch die Hiebwaffe. Das musste von Bedeutung sein.

Es würde nicht einfach werden, und man würde ihr Steine in den Weg legen, sollte es hier irgendetwas geben, das gewisse Leute nicht gerne ausgegraben wussten. Tika lächelte grimmig. Das war genau das, was sie jetzt brauchte. Ihr eigenes Leben stagnierte bereits seit geraumer Zeit. Für ihre Eltern war sie mittlerweile eine persona non grata. Fast Mitte 30, und noch immer unverheiratet. Was konnte sie dafür, wenn keiner der Männer, mit denen ihre Mutter sie bisher bekannt gemacht hatte, damit zurechtkam, dass Tika nach ihren eigenen Regeln spielte? Und dass sie dabei auch noch verdammt gut in diesem Spiel war? Tika schnaubte. Heirat. Was war das schon. Eine völlig veraltete Institution. Genauso veraltet wie der Brauch, sich teure Vögel und Fische im Garten zu halten. Mit diesem letzten Gedankenfetzen in ihrem Kopf, drückte sie die Zigarette auf dem massiven Geländer der Veranda, die sich vor dem Hauseingang erstreckte, aus und schnippte den Stummel in das nächste Blumenbeet.

Als sie das Haus wieder betrat, meldete sich Chang über ihre Zweiwegeverbindung.
„Chief Inspector, es wurde bestätigt, dass sich die Tochter des Abgeordneten Raharjo nicht im Anwesen befindet“, teilte ihr Chang mit.
„Demnach lebt sie vermutlich noch“, stellte Tika fest. Ob man sie entführt hatte? Aber weshalb dann dieser Massenmord? Ein Lösegeld ließ sich auf diese Weise nicht mehr erpressen. Auch ein Unterdrucksetzen des Abgeordneten war demnach auszuschließen. Vielleicht ist sie über Nacht einfach nicht daheim gewesen, ermahnte sich Tika. Sie sollte die Sache nicht komplizierter denken, als sie es ohnehin schon war.
„AIPTU Chang, finden Sie heraus, wo die Tochter steckt. Lokalisieren Sie zuerst ihr Konek. Und besorgen Sie mir ihre Nummer.“
„Jawohl, Chief Inspector. Da ist noch etwas, Chief Inspector.“
Changs Tonfall gefiel ihr gar nicht. Er klang nach schlechten Nachrichten.
„Ich höre“, bedeutete sie ihm weiterzusprechen.
„Alle Sensoren und Kameras haben für die Tatzeit nichts aufgenommen“, fuhr er fort, und sie konnte es den Nuancen seiner Stimme entnehmen, dass er sich in der Position des Überbringers schlechter Nachrichten eindeutig unwohl fühlte. Fürchtest du etwa um deinen Kopf, AIPTU Chang? So wichtig bist du mir nicht, dachte sie.
„Wurden sie gehackt?“, hakte sie nach.
„Nein, Chief Inspector. Sie waren einfach nicht aktiv. Man hat sie zuvor abgestellt.“
„Das kann doch nicht ihr ernst sein, AIPTU“, fuhr sie ihn an. Natürlich war es nicht seine Schuld. Er berichtete ihr nur, was die Leute der Spurensicherung ihm mitteilten. Aber irgendwohin musste sie ihren Frust ja entladen. Und Chang hatte für ihren Geschmack einfach zu wenige gute Ideen. Sicherlich ein Resultat aus dieser verdammten Hörigkeit, die bei der POLRI herrschte. Eigenes Denken war gefährlich, denn damit konnte man natürlich irgendjemand Mächtigerem in der Hackordnung auf die Füße treten. Möglicherweise einen Korruptionsfall in der Behörde aufdecken, von denen es dort mindestens genauso viele gab wie zu bearbeitende Fälle.

Sie musste noch einmal einen Schritt zurück. Wenn alle Sinne des Anwesens mutmaßlich abgestellt worden waren, dann konnte das nur bedeuten, dass der Mörder entweder ein geheimer Gast des Abgeordneten gewesen war oder dass Raharjo in derselben Nacht noch einen anderen Gast hatte empfangen wollen, über den es keinerlei Aufzeichnungen geben sollte. Beide Szenarien waren sehr paranoid, aber nicht auszuschließen.

„Also gut. Dann besorgen Sie mir die Kameraaufzeichnungen und ID-Datenscans aus der Straße und dem Checkpoint in die Enklave“, wies sie ihn an. Das Anwesen war – wie vieler seiner Art – Teil einer Enklave, in der diejenigen wohnten, die sich diese Abgeschiedenheit leisten konnten. Um auf legalem Wege in die Enklave hineinzugelangen, musste man einen Checkpoint passieren. Allerdings machte es das verwinkelte Gassennetz des Sprawl unmöglich, alle möglichen Zugangswege auf diese Weise zu beschränken. Für Einzelpersonen gab es deshalb immer eine Möglichkeit, sich auch in diese Gebiete der Stadt zu begeben.
„Die Daten sind nicht verfügbar, Chief Inspector. Der dafür zuständige Sicherheitskonzern hat keine Freigabe erteilt“, teilte ihr Chang weiter mit. Seine Stimmung war nun sicher auf einem Tiefpunkt angekommen. Hätte sie Mitleid mit ihm empfunden, dann hätte sie ihm nun einige aufmunternde Worte zugesprochen. Ein Beschwören der Harmonie, die ihren Mitmenschen so wichtig war. Der Ansicht, dass alles seine Ordnung habe, jeder seinen Platz im Gefüge der Gesellschaft. Ich scheiß auf die Harmonie, ich will einfach nur diese Daten.
„Selbst für unsere Sicherheitseinstufung?“, wunderte sie sich, mehr an sich selbst gewandt, als an Chang. Die Freigabe für das Anwesen selbst hatten sie bei KerisCombat Inc. anstandslos erhalten. Aber immerhin war hier auch ein Massenmord geschehen. Das konnte auch ein Sicherheitskonzern nicht ignorieren.
Zeit, denen mal einen Besuch abzustatten. Sie brauchte diese Daten. Und sie brauchte sie schnell.
„Gut. Machen Sie hier weiter. Stellen Sie das gesamte Anwesen auf den Kopf. Lassen Sie keine Stelle aus. Ich mache eine kleine Spazierfahrt.“


___
* Sadewa und Nakula: Zwillingsbrüder aus den Reihen der pandawa lima, der fünf Heldengestalten aus der javanischen Mythologie, die den Stoff für das wayang kulit, das Schattentheater, bildet.
* Bintang = Indonesisch für „Stern“
* Merdeka Square = „Platz der Freiheit“
* Jalan = Indonesische für „Straße“
* kupu-kupu malam = Indonesisch für „Nachtfalter“ (Bezeichnung für die Prosituierten)
* Kak (Kurzform für „Kakak“) = Anredeform u. a. gegenüber älteren Geschwistern
* Dik (Kurzform für „Adik“) = Anredeform u. a. gegenüber jüngeren Geschwistern
* Pak (Kurzform für "Bapak") = Höfliche Anredeform gegenüber Männern: "Herr" (wörtlich "Vater")
* AIPTU = Akronym für „Ajun Inspektur polisi satu“ (First Class Sub-Inspector)
* POLRI = Akronym für „Kepolisian Republik Indonesia“ (Nationale Polizeikräfte der Republik Indonesien)
* Konek = "Koneksi" bedeutet im Indonesischen "Verbindung".

Bhinneka Tunggal Ika - Unity in Diversity

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Beitrag #2 |

RE: Dystopie/Cyberpunk-Indonesien (Teil I bis III)
Hallo Garuda,

ich hab in der Werbepause kurz ins Forum geschaut und deinen Text entdeckt - und bin spontan dran hängengeblieben. Da ich die Story auf dem Handy gelesen habe, gibt es keine genauen textlichen Anmerkungen, außer eines vielleicht:

Die Leerzeilen erleichtern das Lesen am Bildschirm ungemein, aber ich finde sie in den Dialogen unpassend bzw. in Abschnitten, die inhaltlich zusammenhängen. Mir erschien der Einsatz der Leerzeilen etwas willkürzlich.

Zur Geschichte: Ich mag deinen Stil sehr gern, auch wenn er für Cyberpunk untypisch "ruhig" ist. Aber du erzeugst viel Atmosphäre und das Setting in Indonesien ist wahnsinnig interessant. Asien und Cyberpunk passt einfach und ich finde es toll, dass wir nicht in Japan oder China sind, sondern in einem kulturellen Raum, der in Europa wesentlich unbekannter und damit exotischer und spannender ist!

Bei den Charakteren sticht Siti für mich etwas hervor, obwohl sie die "normalste" der Protagonisten ist, ein einfaches Mädchen, das sich mit alltäglichen Problemen eines Lebens in eher prekärer finanzieller Situation herumschlagen muss. Sie ist mir auf Anhieb sympathisch und ist am schwersten einzuschätzen, da sie durch den Fund der verletzten Frau zufällig in die Story hineinschliddert.

Von Tika als Ermittlerin hingegen weiß man in etwa, was man erwarten darf. Sie wirkt taff und wird sicher nicht so schnell lockerlassen ^^ ... und starke Frauenfiguren mag ich sowieso.

Die Brüder Sadewa und Nakula sind für mich noch etwas blass, allerdings treten sie gleich zu Beginn auf, wo man als Leser noch sehr mit dem ersten Eindruck der Welt beschäftigt ist. Zudem verrätst du noch nicht viel über sie. Dennoch interessiert mich ihr weiteres Schicksal, vor allem, da sie sich in den Schatten herumtreiben (bei beiden erinnern mich spontan an Shadowrun).

Ich hoffe, du hast noch mehr davon? Icon_wink
Wie gesagt, das Setting ist ungemein spannend und ich denke, man kann viel daraus machen.

Viele Grüße

- Zack

“Die Farben sind der Ort, wo unser Gehirn und das Universum sich begegnen.” (Paul Cézanne)

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Beitrag #3 |

RE: Dystopie/Cyberpunk-Indonesien (Teil I bis III)
Hi Zack,

danke für deinen Kommentar! Es freut mich, dass dir der Anfang der Geschichte gefallen hat Icon_smile

Ja, Indonesien ... für mich hat das natürlich einen sehr persönlichen Bezug, aber ich glaube, ich könnte auch von gar nichts anderem mehr schreiben. Immer wieder zieht es mich beim Schreiben dorthin. Ich fühle mich in dem Setting sicher, und sofort sprudelt es aus mir heraus, wenn sich meine eigenen Erfahrungen mit der Fiktion, die ich erschaffen möchte, verbinden.

Mit den Leerzeilen hast du natürlich recht. Ich habe da gestern nicht mehr so drauf geachtet, war schon zu spät für mich Icon_wink
Ich werde es aber korrigieren, damit es mehr Sinn macht.

Sadewa und Nakula definieren sich zu Beginn eher durch ihr Ziel, als durch ihren Charakter, das stimmt. Aber das ist bei mir ja immer so, dass die Charaktere sehr funktional besetzt sind. Ich werde aber versuchen, dass es mir gelingt, wenigstens den Ausgleich zu schaffen.

Tatsächlich habe ich einige der Ideen - wie ja eingangs geschrieben - für meine Rollenspielgruppe verwendet. Ich leite Shadowrun für meine Freunde jetzt seit knapp 20 Jahren und habe mittlerweile ein gewaltiges Asien-Setting dort geschaffen mit eigenem wiki, Forum, google maps und Aberhunderten von entsprechenden Artikeln und Geschichten. Aber ich schweife ab Mrgreen 

Weitere Teile der Geschichte lade ich noch hoch. Danke für's Lesen!


Viele Grüße
Garuda

Bhinneka Tunggal Ika - Unity in Diversity

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