Es ist: 27-11-2020, 19:07
Es ist: 27-11-2020, 19:07 Hallo, Gast! (Registrieren)


Überall Blut
Beitrag #71 |

RE: Überall Blut
hi addi,

nettes bild! ich hab auch noch eins:

Eine Badewanne voller Blut, aber keine Leiche!

so jetzt haben wir eine kleine auswahl. Icon_smile

lg

Lady

Wer nicht kann, was er will, muss das wollen, was er kann. Denn das zu wollen, was er nicht kann, wäre töricht. -Leonardo da Vinci-
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Beitrag #72 |

RE: Überall Blut
Da will ich mich mal mit einer Auflösung versuchen (Ich habe es doch richtig verstanden, dass jeder einfach eine kleine Geschichte als Auflösung eines Bildes schreiben kann, nicht?)


Er tritt mir wieder ins Gesicht. Ich höre das Knirschen meines Nasenbeins und spüre, dass warmes Blut über meine geplatzten Lippen läuft. Die Sohlen seiner schwarzen Lederstiefel zeichnen sich als rote Abdrücke in meinem geschwollenen Gesicht ab. Den Schmerz spüre ich nicht mehr, er ist nun ein Teil von mir, fühlt sich an, als wäre er schon immer da gewesen.
Er dreht sich um, geht ein paar Schritte durch das kleine Badezimmer mit den einstmals weißen Fliesen, dreht sich auf seinem Absatz um und kehrt zu mir zurück. Blickt mir in die Augen, eindringlich, als könnte er mich allein mit seinen Blicken verschwinden lassen. Er senkt seinen Kopf zu mir hinab, kommt meinem Gesicht so nahe, dass ich es berühren könnte, wenn meine Hände nicht an den Schlauch gefesselt wären. Ich sehe die Bartstoppeln, die sein Gesicht überziehen, höre den rasselnden Atem, der durch seine Nase geht. Sein Gestank ist beinahe unerträglich, alles in mir will sich ihm entziehen, jede Faser meines Körpers empfindet Abscheu und Ekel für ihn.
Ich rutsche ein Stück zurück, drücke mich an die kalte Wand der Badewanne, befleckt mit meinem Blut, verdreckt von etlichen Jahren, in denen dieser Ort kein Putztuch sah. Ich sinke tiefer, versuche ihm zu entkommen, obwohl ich mir längst sicher bin, dass die grelle Leuchtstoffröhre über dem Waschbecken das letzte Licht sein wird, was meine Augen je erreicht. Keine Sonnenstrahlen auf nackter Haut im Sommer, kein Mondenschein einsamer Herbsnächte. Nur diese Leuchtstoffröhre, grell, weiß.
Ich wende mein Gesicht ab, blicke auf den Boden der Wanne, versuche, seinem durchdringenden Blick auszuweichen. In der Vertiefung um den Abguss hat sich mein Blut zu einer kleinen Pfütze gesammelt. Nur langsam fließt sie ab. Wie viel des süßlichen Saftes habe ich hier bereits verloren?
Ich spüre seine Zunge auf meiner Wange, rau, feucht. Sie hinterlässt eine dünne Schicht Speichel auf der offenen Wunde unter meinem Augen. Was im ersten Moment noch brannte, verschafft nun etwas Milderung.
Er leckt sich mit seiner Zunge über die Lippen, lächelt voll Hohn, geht einen Schritt zurück. Der grüne Toilettendeckel schließt sich über der braunen Kloake. Er lässt sich darauf nieder, beugt sich nach vorne und grinst mich unverwandt an.
»Du meinst also, dein Widerstand könnte uns interessieren? Die Anderen haben sich ihrem Schicksal ergeben, weißt du. Und wir wissen, dass auch du dich diesem nicht entziehen kannst.«
Seine Zähne sind weiß, strahlend im grellen Licht der Leuchtröhre. Er schüttelt in gespieltem Bedauern den Kopf, während er weiterspricht. »Du hättest von großem Nutzen sein können. Dein Wissen hätte alles längst entscheiden können. Zum Positiven, auch für dich! - Aber du warst zu verblendet von Malceths Lügen, von seiner Ideologie.«
»Keine Lügen...«, eher ein Röcheln, denn eine Erwiderung.
Ich kann kaum noch sprechen, die Fleischfetzen meiner Lippen sind meiner zerrissenen Zunge im Weg.
»Nicht?«, seine Augen weiten sich in vorgetäuschter Überraschung, »Was macht dich da so sicher? Sind es seine Worte, die dir Sicherheit geben? Seine inhaltlosen Versprechungen? Oder hat der dich mit Vertrauen und Liebe geschwächt? Du glaubst also wirklich ihn zu kennen?«
Sein kaltes Lachen erfüllt den schmalen Raum. Gefühlslos schallt es von den blanken Wänden zurück.
»Hunderte sind durch seine Hand gestorben, seinen Befehl. Unsere, wie auch die Euren. Ja, richtig! Denn paranoid ist er, sieht überall Verräter und Gegner. Es war nur Glück, dass sein Verdacht nicht auf dich fiel. Glück für mich, sonst hätten wir beiden jetzt nicht so viel Spaß miteinander...«
Wieder dieses Grinsen.
»Hätte er in unserem Clan keinen Verrat gefürchtet, wäre es nie zu dieser Fehde gekommen. Er ist alt, sogar für seine Verhältnisse. Selbst ein Narr muss erkennen, dass er nicht mehr bei Sinnen ist! Wie oft mussten wir versuchen zu vertuschen, anstatt uns zu schützen, nur damit die Sterblichen nichts von den Zwischenfällen bemerkten? Wie lange ist es her, dass ein Vampir einen Vampir getötet hat? Ein Verräter ist nur er selbst! Ein Verräter eigener Rasse!«
Er war aufgestanden und wieder an die Wanne herangetreten. Lügen, durchfährt es mich, niemals würde Malceth Unrecht tun. Ihr Clan war es, der die Schuld trug. Sie hatten uns verraten, verkauft, sich heimlich an uns gesättigt. Malceth würde nie die Seinen belügen, nie Verrat an ihnen begehen.
»Lese ich in deinem Gesicht etwa Widerspruch?«, er schüttelt erneut den Kopf, schiebt seine Eckzähne zwischen den Lippen hervor.
»Möchtest, du dass ich deinen Schmerzen ein Ende bereite? Ja? Ist es das?«, er spricht wie ein Vater mit seinem Kind, streicht mir mit seinen Klauen über den Hals. Seine Augen geweitet von Gier.
»Soll ich dich trinken, hm? Soll auch dein Blut einem Anderen zu Leben verhelfen? Nein... nein, das wollen wir ja nicht, Verrat begehen an unserer Rasse. Wir sind ja nicht wie Malceth!«, sein Gesicht spielt mir Brüskierung vor.
Ich will antworten, ein Röcheln ist alles, was meine von seinen Zähnen aufgeschlitzte Mundhöhle zustande bringt. Lange klaffende Wunden ziehen sich von innen nach außen über meine Wangen.
»Du wirst langsam sterben, dein eigenes Blut schmecken, während es dir die Lungen füllt.«, er verstärkt den Druck seiner Klauen, bis ein paar Tropfen meines schwarzen Blutes von ihnen heruntertropfen.
Sein Mund senkt sich auf meinen Arm, seine Zunge streicht daran hinauf, streichelt meinen Hals, befeuchtet meine geplatzten Lippen. Er steckt sie durch die Wunde in meiner Wange, lässt sie in meiner Mundhöhle tanzen. Gierig leckt er an meiner zerfetzten Zunge. Der Schmerz betäubt, er ist ein Teil von mir.
Schwach nehme ich noch wahr, dass seine Zähne meine Kehle durchstechen und das Blut in die Wanne fließen lassen. Er tritt zurück. Verstopft den Abguss, bindet meine Hände los.
Ich sacke zusammen, rutsche an der Wanne hinab und spüre, dass mein Blut langsam die Wanne füllt, während meine Haut immer dünner wird. Ich fange bereits an, mich aufzulösen. Wie alle Vampire nach ihrem Tod.

A poet is a nightingale who sits in darkness and sings to cheer its own solitude with sweet sounds.
~Percy Bysshe Shelley

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Beitrag #73 |

RE: Überall Blut
hallo lars,

schön, dass du dich herbgetraut hast. herzlich willkommen in unserer kleinen runde. Icon_smile

du hast das schon ganz richtig verstanden: einfach ein bild aussuchen und eine kleine auflösung dazu schreiben.
deine hier gefällt mir übrigens sehr gut. ein sich auflösender vampir ist wirkich geschickt ausgedacht. am besten finde ich ja, dass man erst so spät erfährt, dass der verletzte ein vampir ist. ich hab nämlich die ganz zeit überlegt, wie der den nun am ende verschwindet.
am liebsten hätte ich noch ein bisschen mehr über diese vampire erfahren, die sich an ihrer eigenen rasse vergreifen, aber hier dürfen es gerne auch kürzere texte sein.
wenn du möchtest darfst du auch gerne ein neues bild in die runde werfen, oder dich gerne auch von den bisherigen bildern inspirien lassen.

lg

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Beitrag #74 |

RE: Überall Blut
Zitat:am liebsten hätte ich noch ein bisschen mehr über diese vampire erfahren, die sich an ihrer eigenen rasse vergreifen, aber hier dürfen es gerne auch kürzere texte sein

Das hatte ich selber auch vor und mir spukt auch eine recht umfangreiche Hintergrundgeschichte im Kopf herum, aber ich wollte es eben in diesem Falle kurz halten. Vielleicht schreibe ich da ja mal etwas mehr zu, irgendwann. Icon_smile

Ein neues Bild kommt mir auch grade in den Sinn:

'Eine Tastatur und darauf zwei Hände, jedoch ohne dazugehörigen Körper.'

Bin gespannt, was dabei herauskommt...

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Beitrag #75 |

RE: Überall Blut
Hallo Lars,
dann will auch ich dich mal in dieser Runde begrüßen und mir anschauen, was du geschrieben hast. Vorher aber noch ein kleiner Tipp. Wie haben mittlerweile schon so viele Bilder, ich persönlich fänd es schön, wenn du über einen Text das Bild angeben würdest.
Ist meine persönliche Meinung.

Zitat: Er tritt mir wieder ins Gesicht. Ich höre das Knirschen meines Nasenbeins und spüre, dass warmes Blut über meine geplatzten Lippen läuft.
- schöner Einstieg.

Zitat: Er trägt schwarze Lederstiefel. Ihre Sohlen zeichnen sich als rote Abdrücke in meinem geschwollenen Gesicht ab.
- der erste Satz steht hier irgendwie ohne Sinn und das "er" dopplet sich mit dem Anfang. Warum verbindest du nicht einfach die beiden Sätze: Die Sohlen seiner schwarzen Lederstiefel haben tiefe Abdrücke auf meinem Gesicht hinterlassen."

Zitat:Er dreht sich um, geht ein paar Schritte durch das kleine Badezimmer mit den einstmals weißen Fliesen, dreht seinen Absatz auf der dunkelgrünen Matte und kehrt zu mir zurück.
- das klingt irgendwie komisch. Man kann sich auf dem Absatz umdrehen oder den Absatz eines Schuhs drehen, doch deins geht nicht. Ich denke aber, du meinst Ersteres. Icon_wink

Zitat:Sein Gestank ist beinahe unerträglich, alles an mir will sich ihm entziehen, jede Faser meines Körpers empfindet Abscheu und Ekel für ihn.
- "eher alles in mir"
und Abscheu und Ekel sind okay, doch wo ist die Angst? Hat er keine? Find ich etwas schwer nachzuvollziehen.

Zitat:Ich rutsche ein Stück zurück, drücke mich an die kalte Wand der Badewanne, befleckt mit meinem Blut, verdreckt von etlichen Jahren, in denen dieser Ort kein Putztuch sah.
- hm, das ist jetzt Geschmackssache, aber du schreibst in der "ich"-Perspektive, also direkt aus der Sich des Prots, da find ich es unlogisch und auch unschön, wenn da so über die Umgebung philosophiert wird. In dieser Situation würde wohl kaum jemand über die Farbe der Fliesen oder das Aussehen der Badewanne kümmern. Aber wie gesagt, das ist Geschmackssache.

Zitat: Ich sinke tiefer, versuche ihm zu entkommen, obwohl ich mir längst sicher bin, dass die grelle Leuchtstoffröhre über dem Waschbecken das letzte Licht sein wird, was meine Augen je erreicht. Keine Sonnenstrahlen auf nackter Haut im Sommer, kein Mondenschein einsamer Herbsnächte. Nur diese Leuchtstoffröhre, grell, weiß.
- schöner Absatz-

Zitat:Ich wende mein Gesicht ab, blicke auf den Boden der Wanne, versuche seinem durchdringenden Blick auszuweichen.
- Hinter "versuchen" kommt fast immer ein Komma, hier aber auf jeden Fall.

Zitat:In der Vertiefung um den Abguss hat sich mein Blut zu einer kleinen Pfütze gesammelt. Nur langsam fließt sie ab. Wie viel des süßlichen Saftes habe ich hier bereits verloren?
- unpassende Gedanken - siehe oben.

Zitat:Was im ersten Moment noch brannte, verschafft nun etwas Milderung.
- ich weiß gar nicht, ob es das Wort gibt, fände hier aber auf jeden Fall Linderung besser.

Zitat:Er leckt sich mit seiner Zunge über die Lippen, lächelt voll Hohn, geht einen Schritt zurück. Der grüne Toilettendeckel schließt sich über der braunen Kloake. Er lässt sich darauf nieder, beugt sich nach vorne und grinst mich unverwandt an.
- Mir fällt auf, dass du sehr oft "er" an den Anfang setzt. Das kannst du durch Verknüpfungen oder Füllwörter vermeiden. Hier zum Bespiel: "Nachdem er den Toillettensitz ... grinst er mich unverwandt an."

Zitat:»Du meinst also, dein Widerstand könnte uns interessieren? Die Anderen haben sich ihrem Schicksal ergeben, weißt du. Und wir wissen, dass auch du dich diesem nicht entziehen kannst.«
- an dem Teil könntest du noch etwas arbeiten. So wirkt "er" etwas platt. Das ist unschön, nachdem du ihn so gut eingeführt hast. Die Fomulierunge mit dem Interesse und dem Schicksal passt zudem irgendwie nicht.
So in der Art vielleicht: "Was denkst du, wie lange du das noch durchhalten kannst?, erkundigte er sich milde. "Bisher haben noch alle aufgeben, warum ersparst du mir und dir nicht den Rest und gibst auf?"

Zitat:Seine Zähne sind weiß, strahlend im grellen Licht der Leuchtröhre. Er schüttelt in gespieltem Bedauern den Kopf, während er weiterspricht. »Du hättest von großem Nutzen sein können. Dein Wissen hätte alles längst entscheiden können. Zum Positiven, auch für dich! - Aber du warst zu verblendet von Malceths Lügen, von seiner Ideologie.«
- ist die Ähnlichkeit von Malceth und Macbeth gewollt?

Zitat:»Keine Lügen...«, eher ein Röcheln, denn eine Erwiderung.
Ich kann kaum noch sprechen, die Fleischfetzen meiner Lippen sind meiner zerrissenen Zunge im Weg.
- auch hier würde ich wieder verknüpfen: ... versuche ich zu erwiedern, doch es kommt nur ein gequältes Löcheln über die Fleischfetzen meiner Lippen. Gefolgt von einem weiteren Schwall Blut.

Zitat:»Hätte er in unserem Clan keinen Verrat gefürchtet, wäre es nie zu dieser Fehde gekommen. Er ist alt, sogar für seine Verhältnisse. Selbst ein Narr muss erkennen, dass er nicht mehr bei Sinnen ist! Wie oft mussten wir versuchen zu vertuschen, anstatt uns zu schützen, nur damit die Sterblichen nichts von den Zwischenfällen bemerkten? Wie lange ist es her, dass ein Vampir einen Vampir getötet hat? Ein Verräter ist nur er selbst! Ein Verräter eigener Rasse!«
- Das ist mir alles zu viel. Du reißt hier Sachen an, die dann doch nicht geklärt werden. Ist eher was für nen Roman, als für ne KG.

Zitat:Ich sacke zusammen, rutsche an der Wanne hinab und spüre, dass mein Blut langsam die Wanne füllt, während meine Haut immer dünner wird. Ich fange bereits an, mich aufzulösen. Wie alle Vampire nach ihrem Tod.
- hm, ich kann mir aber nicht helfen, aber das Ende find ich schal. Da fehlt der letzte Knall.

So, abschließend, bleibt zu sagen, dass die Idee viel für sich hat. Bis auf die vielen "Er" am Anfang gefällt mir auch dein Stil, besonders die beschreibungen der Wunden. Im Mittelteil lässt du deine Leute zu viel reden - eine Hintergrundgeschichte, die dann doch nichts bringt, da sie ja nur angedeutet bleibt. Da solltest du einsparen und das Ende könnte etwas pfiffiger sein.

LG
Adsartha

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Beitrag #76 |

RE: Überall Blut
Danke für den Kommentar, Adsartha Icon_smile
Einige der Vorschläge übernehme ich mal einfach so, da gibt es nichts zu zu sagenIcon_wink

Zitat:und Abscheu und Ekel sind okay, doch wo ist die Angst? Hat er keine? Find ich etwas schwer nachzuvollziehen.
Du musst bedenken, dass er ein Vampir ist - großartige Angst vor dem Tod oder dem Kerl vor ihm hat er nicht.

Zu den 'Philosophien' über das Aussehen des Raumes: Ich hielt es für wichtiger, den Leser ein wenig über den Raum und die Atmosphäre zu informieren, als in dem Falle auf das Einhalten der Ich-Perspektive zu achten.

Zitat:an dem Teil könntest du noch etwas arbeiten. So wirkt "er" etwas platt.[...]
Stimmt ... da ich mir ja mehr Hintergrundgedanken zu ihm gemacht habe, ist mir das gar nicht so aufgefallen ... Smiley_emoticons_blush

Zitat:ist die Ähnlichkeit von Malceth und Macbeth gewollt?
Nein, das ist Zufall^^

Zitat:Das ist mir alles zu viel. Du reißt hier Sachen an, die dann doch nicht geklärt werden. Ist eher was für nen Roman, als für ne KG.
Hab ich ja in meinem letzten Post schon gesagt: Die Hintergrundgeschichte ist definitiv viel zu groß, kann ich dir zustimmen, vielleicht kürze ich da ein wenig Icon_smile

Danke für die Vorschläge, ich werde die Geschichte zu gegebener Zeit noch mal überarbeiten Icon_smile

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Beitrag #77 |

RE: Überall Blut
Hi Lars,
du könntest ja auch nen Roman draus machen, dann würd es wieder passen mit der Geschichte. Icon_wink
Und das mit den Beschreibungen geht natürlich, aber wie gesagt, bei Ich-Perspektiven bin ich da immer etwas vorsichtig mit, da die Sicht ja doch sehr eingeschränkt ist. Icon_wink
Der Erklärung mit der Angst ist akzeptiert. Icon_wink
Freue mich schon auf mehr von dir in diesem Thema.

LG
Addi

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Beitrag #78 |

RE: Überall Blut
Zitat:du könntest ja auch nen Roman draus machen, dann würd es wieder passen mit der Geschichte.

*grins* Die Geschichte steht schon, ich hatte vor, im Weihnachtsurlaub in Bayern damit anzufangen Icon_smile

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Beitrag #79 |

RE: Überall Blut
Zitat:Bild: Eine Tastatur und darauf zwei Hände, jedoch ohne dazugehörigen Körper.

Sir John MecCartney flog flüchtig über die aufgeschlagene Zeitung und runzelte die Stirn.
Sein Blick tastete sich über die aufgelisteten Namen, neben denen immerzu ein schwarzes Kreuz abgebildet war. Kopfschüttelnd strich er mit dem Finger um den einen Namen, der ihm etwas auf dieser Seite sagte. Zum einen wollte er sich vergewissern, dass seine Augen wirklich lasen, was real dort stand, zum anderen musste er einfach über das leicht raue Papier streichen. Als er noch gelebt hatte, war er es gewesen, der es mit diesen Druckbuchstaben besetzt hatte. Jetzt übernahmen andere, diese - seine - Aufgabe. Dabei war er der Beste darin gewesen, wenn es hieß, die Worte lebendig werden zu lassen, sie zu verschlingen, verästeln, Atem in sie hineinzuhauchen. Nun, die Zeiten änderten sich. Jetzt war er einer dieser schrecklichen Geister, ein Toter, der statt zu schreiben, las und sich dabei über den schlechten Stil seiner Kollegen ärgerte. Ihm wären niemals diese Fehler passiert: Wortwiederholungen, Adjektivlawinen ...
Seufzend legte er die Zeitung beiseite und schleppte sich hinüber zu seinem Computer. Ein altes Ding, das ihm immer treu gedient hatte, jetzt stand er in dem Zimmer eines zehnjährigen Jungens, der seinen kostbarsten Besitzt auf dem Flohmarkt erworben hatte. Er hatte Kinder schon immer gehasst. Und vor allem, war er es Leid, hier untätig herumzusitzen, während die Zeit mehr durch ihn hindurch, als an ihm vorbei flog.
Sir John MecCartney hatte immerhin eines in seiner Zeit als Toter gelernt. Er war nicht ganz so formlos, wie er geglaubt hatte. Nein, mit den Wochen, es waren jetzt um die dreiundfünfzig, hatte er seine Fähigkeiten vervollkommnet. Nun konnte er auch Dinge berühren, sie bewegen, fühlen ... genau wie die Zeitung.
Er setzte sich auf den Schreibtischstuhl des Jungens - ungemütlich und viel zu klein für seinen Geschmack - und startete den Computer. Wenig später erklang ein vertrautes Surren, der Bildschirm leuchtete auf und führte ihn in sein altes Schreibprogamm. Wenigstens das hatte der Junge nicht mit seinen Computerspielen verseucht ... undankbares Pack. Sir John MecCartney ließ die Finger über die Tastatur gleiten, verweilte hier und da auf einer Taste, die besonders oft und gerne benutzt hatte und lächelte matt. Insgeheim hoffte er, dass der kleine Junge nicht irgendwann in sein Zimmer stürmen und vor Schreck umfallen würde, weil sein Computer wie durch Geisterhand Wörter auf den Bildschirm zauberte. Aber was dachte er da? Der Kleine war noch fleißig die Spaghettis in sich hineinstopfen und würde den Schreck noch verdienen. Sir John MecCartney konnte sich ein gehässiges Augenfunkeln nicht verkneifen.
Da ihm keine Idee in den Sinn kam, worüber er schreiben konnte, begann er einfach, die Worte ein wenig über sich selbst erzählen zu lassen. Er begann mit seiner Geburt, davon, wo er gelebt, geliebt und betrogen hatte. Schließlich kam er an die leidige Stelle, in der er sich selbst beschrieb. Er berichtete, wie seine Finger aussahen, die kleine Falten um seine Knöchel, wie seine Muskeln sich an den Handgelenken verschoben, wenn er über die Tastatur flog. Sir John MecCartney stutzte, als er plötzlich auf die Tastatur blickte. Nein ... Normalerweise war er ein Geist, er sah sich nicht, er war praktisch nur ein Gedanke, der glaubte, er besäße einen eigenen Körper ... Aber da waren Hände, Finger, Sehnen, festes Fleisch auf der Tastatur!!! Sollte .... ? Ja, er konnte sich selber wieder ins Leben rufen. Er schrieb weiter, beschrieb seine Arme so detailgetreu, wie er sie in Erinnerung hatte, sein Gesicht, seine Augen, seine Brauen, das schüttere Haar .... Doch außer seinen Händen erschien kein weiterer Körperteil von ihm. Bedauerlich ...
Aber was brauchte er schon mehr, außer den Händen?

"kein Mann ist so stark wie eine Frau, die schwach wird" (Hans Holt)
Biancas kleine Werke

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Beitrag #80 |

RE: Überall Blut
Zitat:Eine Tastatur und darauf zwei Hände, jedoch ohne dazugehörigen Körper.

eine Pink Floyd inspirierte Lösung

no dark sarcasm ...

Teacher, leave those kids alone!
Schrien wir die Wände hinab, aus den Fenstern, zwischen den Fassaden hindurch bis zum gegenüberliegenden Anbau, von dem aus sich der Schall reflektierte und auf uns zurückfiel. alone, alone, alone, ...
Wir sahen nicht genau, was auf der anderen Seite geschah, schlugen nur die Fäuste auf die Fensterbretter, quetschten uns allesamt an den winzigen Ausguck aus dem Klassenzimmer. Ein Lärm, ein unvorstellbarer Lärm, entrang sich uns, dabei hörten wir unsere eigenen Stimmen nicht, nur die Masse, zu der sie verschmolzen waren, dieses mantraartige Leave those kids alone, von dem wir nicht einmal genau wussten, gegen wen es sich richtete.
Uns gegenüber bewegten sich nur Schatten, hektisch durcheinander, wir fühlten nur diese Unruhe, Vorgewitterunruhe, dieses Aufbäumen dagegen. Eine Hand am Fenster, ein Körper, der sie fortriss, ein Kopf, der statt ihrer erschien, ein weiterer Körper, der auch ihn fortriss, und vielleicht hätten wir Schreie gehört, wären wir selbst nicht so laut gewesen.
Ich weiß nicht mehr, weswegen wir uns schließlich vom Fenster lösten, weswegen wir nicht mehr nur zuschauten, sondern uns durch die schmale Tür auf den Flur drängten, losrannten, die Treppen hinab und über den Schulhof, immer noch diesen Lärm in uns, der sich sonst eher in unsere Körper fraß, als aus ihnen herauszubrechen. Wir stürmten in den zweiten Stock des Anbaus, warfen Blicke durch die Türen in die Zimmer, hinter denen selten Klassen saßen. Alle schienen ausgestürmt zu sein.
No dark sarcasm in the classroom.
Schließlich erreichten wir das Zimmer, in dem sich die Schatten zuvor bewegt hatten. Wir traten die Tür ein, nein, traten nicht, es war mehr die Gewalt, die aus uns kam, die sie förmlich zum Einbrechen zwang, noch bevor wir sie überhaupt berührt hatten. Hinter der Tür fanden wir
Stille.
Eine alles umfassende Stille, eine Stimmlosigkeit, die selten in einem Raum lag, wenn wir ihn betraten. Wir waren ebenfalls sofort verstummt, im Eingang stehen geblieben. Mittlerweile waren die Jalousien heruntergelassen worden, der Raum war menschenleer. Ein paar von uns wagten sich weiter vor. So schnell verkommt Wut zu Angst, so schnell verliert sich Geräusch in nichts. Ich lachte kurz und erntete einen Schlag auf den Hinterkopf, kein Zischen, keine Mahnung, manchmal ist selbst flüstern zu viel.
Am Ende des Klassenraums, vor der Tafel, stand ein Lehrcomputer, der Bildschirm war in Richtung der umgeworfenen Stuhlreihen gedreht, schien leicht zu flimmern. Als der erste von uns die Tastatur erblickte, schrie er auf, zerschrie die Luftblase, die uns umgeben hatte, und übergab sich.
Auf der Tastatur lagen zwei Hände, sie wirkten wie abgerupft, die Tasten getränkt in Blut, der Tisch ebenfalls rotgefärbt. Es sah aus wie ein Kunstwerk, dem niemand gesagt hatte, dass das hier eine Schule war und keine Ausstellung, wie fehlplatziert.
Wir ließen die Hände liegen, erneutes Drängen durch die Tür, plötzlich galt der Raum als unbetretbar, wieder nur die Angst, die uns antrieb.
Als wir auf dem Flur standen, ging die Klotür gegenüber des Klassenraums auf. Ein Lehrer erschien, von schmaler Statur, ein Blondschopf, den wir nur als Pausenaufsicht kannten.
Leave those kids alone, zischten wir, flüsterten eine Welle aus Lauten vor uns auf und er lachte.
Gut, nicht wahr?, fragte er und deutete mit einem Wink auf den Raum. Eine Konstruktion, noch nicht ganz fertig, irgendwas fehlt noch, ich weiß nur nicht was.
Wir wichen zurück, die Welle brach, und ließ uns bloßgestellt in plötzlicher Stille zurück.
Ein, ein Kunstwerk?, fragte jemand.
Er nickte. Aber ein sehr ... nun, wie drückt man das aus? Ein sehr lebensnahes ...
Sein Grinsen im Nacken rannten wir aus dem Anbau.

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neues Bild von lu: ein Kieselsteinlabyrinth, in dessen Mitte ein Kopf liegt


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... und von den wundersamsten Wegen bleibt uns der Staub nur an den Schuhen. (Dota Kehr)
Avatar von Eddie Haspelmann

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