Es ist: 26-10-2020, 14:09
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Red und Maze (Teil 16)
Beitrag #1 |

Red und Maze (Teil 16)
Reza lockte mit seinen Prothesen jede Menge zwielichtiger Händler aus ihren schäbigen Buden. Boten dem Söldner Waffen, Drogen und Software an und ignorierten Red, der hinter Rezas breitem Rücken verschwand. Er kam sich in seinem gewaltigen Schatten wie ein kleiner Junge vor. Und er hatte Schiss, dass Alterreal auf sie aufmerksam wurde, auch wenn Wave meinte, dass sie sich um Überwachungstechnik keine Gedanken machen mussten. Sie und Maze hätten alles im Griff. Aber sie konnten nicht überall sein.
„Woher kennt einer wie du eigentlich den alten Ming?“, fragte Reza, als sie vor dem Asiashop des Chinesen standen. Im Schaufenster saßen drei dicke, goldene Katzenfiguren, die ihnen eifrig zuwinkten. Und jede Menge anderer Kitsch, der verschleiern sollte, was Ming seinen Kunden wirklich anbot. Auch wenn das ein offenes Geheimnis war.
„Connection von einem Arschloch, das mich verraten hat.“
Der Söldner hob eine Augenbraue. „Sollte mir das Sorgen bereiten?“
„Ming verrät seine Kunden nicht“, sagte Red.
„Normalerweise nicht“, brummte Reza und trat in den Laden.
Der Chinese stand an der Kasse und diskutierte mit seiner Angestellten. Eine blonde Asiatin in einem so knappen Fummel, dass sie vermutlich zur Ware gehörte. Als Ming sie erblickte, grinste er sie mit seinen gelben Zähnen an und deutete auf die Kellertür, die sich wie von Geisterhand entriegelte.
Reza ging vor und Red wunderte sich über die stumme Kommunikation zwischen den beiden. Offensichtlich kannte der Söldner Ming.
„Nicht dein Neuer, oder?“, fragte der Chinese, als er ihnen nachkam.
Red verzog das Gesicht. „Nein, er hilft nur.“ Reza sah auf seine grobschlächtige Art gut aus, aber er konnte mit Typen, die ihm alle Knochen brechen konnten, nichts anfangen.
„Du steckst also immer noch tief in der Scheiße“, stellte Ming fest. Seine Augen funkelten in Erwartung des kleinen Vermögens, das Red hierlassen würde.
„Hat jemand nach mir gefragt?“
„Nein.“
Seltsam. Decan musste wissen, dass Red bei dem Chinesen einkaufte. Er hatte den Kontakt hergestellt. Vielleicht war der Hacker doch kein so großes Arschloch, wie er dachte. Oder Alterreal wartete auf etwas. Kein gutes Gefühl. Es war gefährlich, auf dem Schwarzmarkt einzukaufen, aber Reza meinte, dass es bei Ming die beste Ware gab und dass er Sachen anbot, die man nirgendwo sonst bekam.
„Was braucht ihr?“, fragte der Chinese. Mit einem leisen Klacken schwangen die Türen seiner Waffenschränke auf und die Beleuchtung sprang an. Wie in einer verdammten Edelboutique.
„Der Junge braucht eine anständige Panzerung“, erklärte Reza. „Eine, mit der er in den Krieg ziehen kann. Und was von dem Stoff, den du mir letztes Jahr besorgt hast. Du weißt schon.“
Ming zog eine Augenbraue hoch. Fragte aber nicht, wofür sie den Kram brauchten, sondern holte eine zweiteilige, schwarze Panzerung bestehend aus Hose und Langarmshirt. Er reichte sie Red. „Probier‘ sie an. Dyneemafasern, sehr leicht, unsichtbar unter der Kleidung. Schuss- und schnittfest.“ Während Red die Schutzkleidung anprobierte, kramte Ming in einer seiner Auslagen. Schließlich reichte er ihm mehrere Platten aus blauem Plastik. „Hochmolekulares Polyethylen. Zur Verstärkung.“ Er zeigte ihm, wo er die verschiedengroßen, gebogenen Platten in die Panzerung schieben konnte.
Reza brummte zufrieden. „Steht dir.“
Red musste zugeben, dass er das Gewicht der schusssicheren Kleidung kaum spürte. Lediglich die Kanten der Platten drückten leicht gegen seine Haut. „Nehmen wir.“
„Für mich auch die Hose, aber zwei Nummern größer. Dort, wo wir hinwollen, schießt man gern auf die Beine.“
„Woher weißt du das?“, wunderte sich Red. Er hatte gedacht, der Söldner wollte mit der Sekte nichts zu tun haben.
„Kumpel von mir hat’s erwischt. Sie zerschießen dir die Beine, damit du nicht zu schnell verreckst und noch befragt werden kannst.“
Ming ließ sie kurz allein. Während Red seine Klamotten über die Panzerung zog, betrachtete Reza einige Waffen. Als der Chinese zurück war, überreichte er dem Söldner zwei Blister mit rosafarbenen Tabletten. Der verstaute die Pillen in einem getarnten Fach in seinem rechten Oberarm.
„Ihr solltet das bei ihm testen.“ Ming nickte in Reds Richtung. „Und zwar bevor ihrs braucht.“
Reza lachte rau. „Machst du dir etwa Sorgen um den Jungen?“
Der Chinese zuckte die Achseln. „Guter Kunde.“
Red war gerührt.
 
Inzwischen war es tiefe Nacht und mehr und mehr Neonfunken erblühten inmitten des kalten, weißen Lichts. Sie nahmen einen Umweg durch Wohngebiete, wo sie weniger auffielen. Stimmen und Musikfetzen hallten durch die engen Gassen.  Die Plattenbauten reihten sich in verschiedensten Winkeln aneinander. Als wären sie ein eigenständiges, gigantisches Wesen mit tausenden hell leuchtenden Augen. Auf den freien Plätzen dazwischen stachen einzelne Hochhäuser in den nächtlichen Himmel. Irgendwann hatte man sie bunt angemalt, damit die Gegend weniger trist wirkte. Doch inzwischen war die Farbe von den oberen Stockwerken abgeblättert, während von unten neue Farben in Form von kunstvollen Graffitis nach oben wucherten.
Vor vielen Hauseingängen lungerten Jugendliche herum. Betranken sich und zockten VR-Spiele mit riesigen, veralteten Datenbrillen. Manche davon mit Panzertape geklebt. Nur einer hatte ein richtiges Deck und hielt es im Arm wie eine Geliebte, während er angestrengt die Augen zupresste. Hatte Red auch gemacht, als er die ersten Male in den Cyberspace eingetaucht war.   
Die Leute auf der Straße wichen Reza instinktiv aus. Auch Red fühlte sich von dem Söldner eingeschüchtert, obwohl er ihm keinen Grund dazu gegeben hatte. Aber allein sein muskulöser Körper und die Militärprothesen flößten einem Respekt ein. Und Angst. Der Kerl hatte im Krieg gekämpft. Grausamkeiten erlebt und begangen, die sich keiner der blassen Gestalten um sie herum vorstellen konnte.
„Was ist das eigentlich für ein Zeug?“, fragte Red.
„Die rosa Pillen?“
„Ja.“
Reza blieb stehen. Schaute ihn an, als überlege er, ob er es ihm überhaupt sagen sollte. „Eine Kampfdroge, aktiviert Kräfte, von denen du nicht mal was ahnst. Aber danach geht’s dir schlecht. Sehr schlecht.“
Red schluckte. War ihm schon oft genug beschissen gegangenen am Tag danach. Manchmal auch Wochen danach. Aber ihm war klar, dass der Mercer nicht von einem Kater oder psychischen Kollaps sprach.
„Ist nur für den Notfall“, schob Reza nach und lächelte, was bei ihm irgendwie unheimlich aussah.
„Du hast es genommen?“
Sein Blick verdüsterte sich. Driftete davon, in eine Vergangenheit, die sich schmerzvoll in seinen verhärteten Gesichtszügen spiegelte. „Manchmal“, sagte er nur und ging weiter.
Red spürte, das er vermintes Terrain betrat. „Woher kennst du eigentlich Shay?“, lenkte er ab.
Reza grinste breit. „Sie hatte Ärger mit zwei Typen.“
„Und du Held hast sie gerettet?“
Der Söldner lachte. „Wollte ich, ja. Aber bevor ich bei ihr war, hatte sie dem einen schon die Nase gebrochen und trat dem anderen so hart in die Eier, dass sie ihm  in den Hals hochrutschten.“
„Autsch.“
„Shay kann sich wehren und sie weiß, was sie will. Damals wollte sie mich, heute sind wir Freunde. Ich passe auf, wenn sie wieder Ärger sucht. Sie trägt zu viel Wut in ihrem Herzen.“
Das hatte Red auch schon bemerkt. In ihren Augen brannte die gleiche Sehnsucht nach Rache, die auch ihn von innen heraus auffraß. Der gleiche Hass auf Alterreal. Die Sekte hatte ihre Herzen zertrümmert. Doch bald würden sie zurückschlagen.
Maze unterbrach seine Gedanken. „Jemand wartet auf dich.“ Fühlte sich immer noch komisch an, dass der Wirehead ihn übers Headcom begleitete und die Umgebung checkte. Die meiste Zeit war er still und Red vergaß, dass er da war.   
 Er bedeutete Reza, langsam zu machen. „Wo?“
„Bei der nächsten Kreuzung rechts, fünfzig Meter. Du wirst ihn erkennen.“
„Okay.“
Reds Hand glitt in seine Jacke, umfasste die Desert Eagle. Er hielt sich nah an der Wand, spähte vorsichtig an der schmutziggrauen Fassade vorbei. Gegenüber stand ein Typ, dessen platinblondes Haar einen heftigen Adrenalinschub durch seine Adern sandte. Decan. Verflucht. Also war er doch ein mieses Arschloch. 
Reza war alarmiert. „Kennst du den?“
Red nickte. „Der Typ, der mich verraten hat.“
„Scheiße.“ Der Sölder machte einen großen Schritt nach vorne. Hob den Arm mit der verborgenen Schusswaffe.
Red packte ihn an den Schulter und hielt ihn zurück. „Ich will mit ihm reden.“
„Er ist allein“, sagte Maze. „Noch.“
Red nickte. Auch wenn der Wirehead das nicht sehen konnte. „Bleib in der Nähe“, bat er Reza und ließ ihn zurück. Marschierte schnurstracks auf Decan zu. Der Hacker erwartete ihn. Lehnte lässig an der Hauswand und grinste ihn an. Red hätte ihm am liebsten eine verpasst.
 „Bist schwer zu finden.“
„Was. Willst. Du?“, knurrte Red. Er verließ sich drauf, dass Reza ihnen ungebetene Gäste vom Hals halten würde. Und dass Maze sie rechtzeitig warnte.
„Reden.“ Decan hob die Hände. „Ehrlich.“
„Okay. Rede.“
„Nicht hier.“
Er nickte Richtung Haustür. Eins von seinen Verstecken? Eine Falle? Reds Magen rebellierte. Trotzdem folgte er Decan in einen düsteren Flur.  Lauschte in die Stille, ob noch jemand ihn erwartete. Von den Wänden war der Putz längst abgeblättert und einige dunkle Flecken sahen verdächtig nach Blut aus. Die Luft war warm und stickig. Lebte hier überhaupt jemand?
Decan führte ihn in eine leere Einzimmerwohnung im Erdgeschoss. Decke, Wände, der Boden: Blanker Beton. Durch die schief hängenden Jalousien fiel kränklich das kalte Licht der Straßenbeleuchtung. Der Hacker ging zum Fenster, spähte durch die Schlitze und sagte nichts.
Red wurde ungeduldig. „Jetzt mach schon das Maul auf.“
Er verschränkte die Arme und wartete auf eine Reaktion. Decan ließ sich jedoch Zeit und als er sich endlich zu ihm umdrehte, sah er totunglücklich aus. „Das ist echt blöd gelaufen, Red.“ Eher katastrophal. Verdammter Wichser. „Ich wollte dich nicht ans Messer liefern.“
„Genau das hast du aber getan“, stellte Red fest. Verflucht, sie waren Freunde gewesen. Er hatte diesem Scheißkerl vertraut. Hatte oft bei ihm gepennt und stundenlang mit ihm reden können. Oder schweigen.
„Ich war wütend. Du wolltest nicht auf mich hören.“ Der Hacker kam zu ihm. Streckte die Hand aus. Strich ihm langsam über den Hals und ließ die Finger seinen Nacken hinabwandern. Verflucht, er wusste immer noch, welche Knöpfe er bei Red drücken musste. Kurz war er abgelenkt und bemerkte zu spät, dass der Hacker nach seinem Headcom griff. Er riss es ihm vom Ohr. Ließ das kleine Gerät fallen und trat mit seinen Stiefeln drauf, sodass es zersplitterte.
„So, jetzt sind wir ungestört.“ Decan scannte sein wütendes Gesicht. „Du steckst so richtig in der Scheiße. Aber noch kann ich dich da rausholen.“ Er beugte sich vor. Wollte ihn küssen. Aber Red stieß ihn von sich. Verflucht, er hatte nicht gecheckt, dass Decan ernsthaft was von ihm wollte. Sie hatten ab und zu Spaß gehabt, aber er hatte nie was Ernstes darin gesehen. Nun sah er in seinen Augen, wie verletzt sein Freund war. Ex-Freund.
„Du hast mich verraten, weil du eifersüchtig bist?!“
Die Miene des Hackers verzerrte sich. „Du hast keine Ahnung, wie gefährlich Maze ist. Er benutzt dich nur für seinen Krieg gegen Alterreal.“
Red kochte innerlich, gab sich jedoch betont gelassen. „Erzähl‘ mir was Neues.“
 „Scheiße, tu nicht so verdammt cool!“, keifte Decan. „Willst du den Kerl schützen? Bist du verknallt?“ Er starrte Red sekundenlang an und schüttelte lachend den Kopf. „Oh shit, er hat dir das Hirn verdreht.“
„Er hat mich nicht an Alterreal verkauft.“
„Weil er dich für sein Spiel noch braucht.“ Der Hacker gestikulierte hilflos, ballte die Hände zu Fäusten. Fast hätte Red ihm abgekauft, dass er sich Sorgen um ihn machte. „Hat er dir auch erzählt, wie viele er kaltgemacht hat auf seiner Flucht? Er hat bei Alterreal alle verarscht und eine komplexe KI gestohlen. Deren Entwicklung Jahre gedauert hat und die nicht reproduzierbar ist. Der Typ ist abgezockt und brutal. Glaubst du wirklich, ihn beschützen zu müssen?“ Sprachen sie über dieselbe Person? Red versuchte, den wieder aufkeimenden Zweifel zu ignorieren.
„Diese KI hat ein Bewusstsein“, konterte er.
Decan schnaubte belustigt. „Glaubst du das? Diese KI hat kein Bewusstsein, sie hat Fehlfunktionen. Sie ist außer Kontrolle.“
Du hast keine Ahnung. Wave war eine eigenständige Persönlichkeit, sie hatte  ein Bewusstsein. Und Phage auch. Red sah es in ihren Augen und er spürte es, wenn er in Maze’ Gedanken eintauchte. Das war echt. Mit diesen KIs war etwas passiert und jetzt waren sie mehr als das, was irgendjemand mal programmiert hatte.
„Ich hab keinen Plan, warum das so ist, aber Phage ist definitiv kein fehlerhaftes Programm. Er ist echt, ich habs selbst erlebt“, beharrte Red.
Decans Miene erstarrte. „Wie meinst du das?“
Das ging den Hacker einen Scheiß an. Red hatte keine Lust, es ihm zu erklären, aber sein alter Kumpel kam selbst drauf. Weil Red es ihm damals erzählt hatte. „Du hast dich mit ihm verbunden.“ Eins musste er Decan lassen, er spielte den Fassungslosen perfekt. „Wie bescheuert bist du eigentlich?! Hast du dir ernsthaft einen Zugang ohne Sicherungen implantieren lassen? Ich hatte dir doch gesagt …“
„Und wenn schon?“ Dass er so aufbrauste, verunsicherte Red.
„Jetzt ist mir einiges klar. Maze hat dich codiert.“
„Bullshit.“
Niemals würde er so weit gehen. Zwischen ihnen war etwas. Etwas Irrsinniges und Echtes, das ihn in den Wahnsinn trieb. Außerdem hatte der Wirehead das gar nicht nötig. Red war ihm sowieso verfallen, trotz der Zweifel, die wie Geschwüre in seinen Gedanken wucherten. Er versuchte sie zu ignorieren. Denn genau das wollte Decan erreichen. Dass er Maze misstraute. Und ihn verriet.
 „Ist das alles, was du mir sagen wolltest?“, fragte er kühl.
„Alterreal interessiert sich nur für dich, weil du mit Maze und dieser Emo-KI rumhängst. Wie nennt sie sich jetzt? Wave?“
Red zuckte die Achseln. Er hatte das dringende Gefühl, ab jetzt besser nichts mehr zu sagen.
Decan kam dagegen erst richtig auf Touren. „Du vertraust ihr, oder? Wave wurde darauf programmiert, die Bedürfnisse von Menschen zu erkennen und sie zu beeinflussen. Du lässt dich manipulieren, kapierst du das nicht?“
Auch wenn er Scheiße laberte, verunsicherte Red die Verzweiflung in seinen Augen. Der Kerl meinte das alles tatsächlich ernst. „Du kennst sie nicht“, erwiderte er lahm.
„Aber du kennst sie?“ Der Hacker lachte verbittert. „Scheiße, Red, du hast keinen blassen Schimmer vom Code. Wave ist gefährlich. Sie wurde von einem Abtrünnigen umprogrammiert. Sie ist nur ein Überbleibsel einer gescheiterten Rebellion.“
Decan gab seinen Zweifeln Antwort. Er klang so überzeugt. Früher war er immer für Red da gewesen. Er hatte ihm geholfen, Liz aus diesem widerlichen Alterrealpuff zu befreien. Aber er hatte sie auch sterben lassen. Der Gedanke an seine tote Schwester ließ den Widerstand in Red neu aufflammen.
„Genug geredet“, entschied er.
Decan knirschte mit den Zähnen. Er bemühte sich sichtlich, gelassen zu wirken. „Noch kannst du heil aus dieser Sache rauskommen.“
Red konnte sich denken, was jetzt kam. „Vergiss es.“
„Ich habe einen Deal für dich ausgehandelt.“
„Ich sagte, vergiss es!“
„Hör dir doch wenigstens …“
„Nein.“ Niemals würde er Maze verraten. Oder Wave. Sie waren seine einzige Hoffnung auf Rache. Auf eine Zukunft. „Sag ihnen, sie sollen sich ihren Deal in den Arsch schieben.“
„Verflucht, wenn du nicht kooperierst, machen die dich kalt! Ich kann dich nicht länger schützen. Das ist nicht dein Krieg, Red.“
„Doch“, knurrte er und packte den Hacker am Kragen seines Shirts. „Die haben Liz ermordet. Sie haben sie zerstört. Dafür werden sie bezahlen.“
Decan schluckte hart. „Tut mir wirklich leid. Das mit Liz.“
„Nein, tut es nicht. Es ist dir scheißegal.“ Red ließ ihn los. „Du bist ein eiskaltes Arschloch. Früher warst du anders …“
Plötzlich flog die Tür auf. „Scheiße, warum ist dein Headcom aus?“, schimpfte Reza. „Wir haben Besuch. Abflug!“
War ja klar. Red warf Decan einen langen Blick voller Verachtung zu, dann drehte er sich um. Fuck. Fast hättest du ihm geglaubt. Er ging zurück und holte aus. Schlug seinem alten Freund mit der Faust ins Gesicht, riss ihn damit von den Füßen. Er wartete nicht, bis der Hacker umfiel, sondern rannte los. Der Söldner wartete bereits auf ihn. Sprintete die Treppe hoch und Red hinterher. Darauf hoffend, dass Reza einen Plan hatte und sie nicht in eine Sackgasse liefen. Während er sich noch fragte, warum sie nicht den Aufzug nahmen, erschütterte ein ohrenbetäubender Knall das Gebäude.
„Kleine Überraschung für unsere Verfolger“, erklärte Reza. „Im achten Stock gibt’s ne Verbindung zum Nachbargebäude.“ Er klang kein bisschen außer Atem. Red dagegen kämpfte gegen das Brennen in seiner Lunge an. Unter ihnen polterten Schritte durchs Treppenhaus. Unweigerlich fragte er sich, ob nicht längst alle Fluchtwege versperrt waren. Warum auch musste er unbedingt mit diesem Penner reden. Du bist so ein Idiot.
Im achten Stock angekommen, hielt Red die Desert Eagle im Anschlag. Reza ging voraus, hielt seine Metallarme wie einen Schutzschild vor sich. Kaum hatten sie den Verbindungsgang betreten, fetzen ihnen Kugeln entgegen. Prallten an Rezas Prothesen ab. Der Söldner streckte ungerührt die Rechte vor und ein Stakkato aus mindestens zwanzig Schüssen streckte zwei schwarze Gestalten am Ende des Verbindungsgangs nieder. Die Typen hatten keine Chance. Reza ging unbeirrt weiter, während Reds Herz schmerzhaft gegen seinen Brustkorb donnerte. Das Adrenalin trieb ihn vorwärts und er versuchte, nicht auf die beiden Leichen zu schauen, während sie an ihnen vorbeihetzten.
„Beweg deinen Arsch, Junge“, schnauzte Reza.
Red stolperte hinter ihm her. Zwei Stockwerke tiefer sprangen sie aus dem Fenster auf ein Flachdach und rannten zu einem weiteren Wohnturm. Der Söldner hatte offensichtlich eine Fluchtroute berechnet, während Red seine Zeit mit Decan verschwendet hatte. Vielleicht war es auch Maze, der Reza in einem aberwitzigen Zickzackkurs durch das Labyrinth aus Plattenbauten führte. Eine gefühlte Ewigkeit rannten sie durch schmale Gassen, Unterführungen und zugemüllte Hinterhöfe. Kaum jemand schenkte ihnen Beachtung. War ohnehin nicht viel los auf den Straßen. Erst als sie in die Nähe des Betonwalls kamen, wurde es heller und lauter.
„Die haben schnell aufgegeben“, keuchte Red, als sie die Verbindungsröhre zum Kern erreichten.
Reza warf einen langen Blick zurück in die Düsternis. „Scheint, deinem Kumpel liegt noch was an dir.“

“Die Farben sind der Ort, wo unser Gehirn und das Universum sich begegnen.” (Paul Cézanne)

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Beitrag #2 |

RE: Red und Maze (Teil 16)
Hallo Zack,

...und wenn man denkt, es geht nicht schlimmer, meldet sich der Ex. Steht das Wohngebäude nur drei Häuser vom Kern entfernt? Anscheinend laufen sie am Ende durch die Verbindung zum Nachbarhaus, dann übers Flachdach zu dessen Nachbarhaus und dann ist da schon die Röhre zum Kern. Dann waren sie gar nicht mehr allzu weit draußen, oder?

Cybergrüße
coco


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Beitrag #3 |

RE: Red und Maze (Teil 16)
Hey coco,

es wurde Zeit, dass Decan sich mal wieder meldet. Ich wollte ihn nicht in der Versendung verschwinden lassen und er wird auch noch wichtig für den weiteren Verlauf ... ich hab auch noch ein bisschen was eingefügt, Decan äußert sich noch zu Wave.

Auch am Ende hab ich noch was eingefügt. Sie waren in der Tat schon relativ nah am Kern, aber die Flucht dauert doch etwas länger als übers Dach zum Nachbarhaus direkt zum Kern ^^

Viele Grüße

- Zack

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Beitrag #4 |

RE: Red und Maze (Teil 16)
Ah, jetzt macht die Flucht einen vollständigen Eindruck, das gefällt mir viel besser!
Und Wave ist also auch gefährlich umcodiert, so wie Phage und so wie Red und... jawoll, alle gehackt!


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