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Mika Murstein: I'm a queerfeminist cyborg, that's okay.
Beitrag #1 |

Mika Murstein: I'm a queerfeminist cyborg, that's okay.
Mika Murstein

I'm a queerfeminist cyborg, that's okay. Gedankensammlung zu Anti/Ableismus. Münster: edition assemblage 2018. 464 Seiten.

Klappentext:

"I’m a queerfeminist Cyborg, that’s okay!" verknüpft Theorien mit biographischen Erzählungen und Formen des Aktivismus, insbesondere des Netzaktivismus. Zudem werden
• das Verhältnis von Be_Hinderung und Geschlecht jenseits der cis-Normativität
• Verschränkungen von Klassismus und Ableismus
• Diskussionen über Empowerment, (vermeintliche) Schutzräume und institutionellen Ableismus
sowie
• mediale Darstellungen von Krankheit und Be_Hinderung
in den Fokus genommen.
Ein Interview mit der Schwarzen, queeren Autor*in und Aktivst*in SchwarzRund vertieft die Ausführungen über die Verwobenheiten von Rassismus und Ableismus.
Die Gedankensammlung verdeutlicht: Ableismus erschöpft sich nicht “nur” in Be_Hinderten-Feindlichkeit, sondern ist fester Bestandteil anderer Unterdrückungen und Teil des herrschenden Wertesystems.

Erhältlich beim Verlag direkt oder beim großen A.

Es handelt sich hierbei um eines jener Bücher, die schwer im Magen liegen, da es die Realität vieler abbildet, die von der Mehrheit (gerne) ausgeblendet werden: marginalisierte Personen durch Behinderung, Prekarisierung, sowie durch die Abweichung von der voherrschenden cis (=Identifikation mit dem bei der Geburt zugeschriebenen Geschlecht) hetero Normativität. Mika Murstein "darf" sich zu all dem zählen und ist dadurch anhaltender intersektionaler Diskriminierung ausgesetzt.

Wie ich zu dem Buch gekommen bin? Vielleicht ist die Antwort darauf für einige Personen hier interessant, denn immer öfters stolpere ich in Filmen, Büchern und Texten (auch in meinen eigenen) über Ausdrücke wie "Du bist doch verrückt!", "Du bist dumm!", "Bist du blind?" etc. und frage mich, inwiefern ist es okay, diese Wörter zu verwenden und ob ich es mir dadurch nicht zu einfach mache.

"Verrückt" ist oftmals ein Platzhalter, um ein Verhalten zu beschreiben, das in der Situation unangebracht ist, weil es irrational/bösartig/gemeingefährlich/übertrieben/etc. ist, doch ist auch klar, dass dieses Wort auf die Diffamierung von psychisch erkrankten Personen abzielt? Sowie "dumm" und "idiotisch" im Zusammenhang mit den Praktiken des NS-Reiches stehen? Dann frage ich mich, will ich wirklich diese unüberlegten, aber doch mitgedachten Werte verbreiten, indem ich selbst die Verwendung vorantreibe? Es ist so leicht zu sagen, ach war doch nicht so gemeint, künstlerische Freiheit und so, bis ich über einen Begriff stolpere, der meine Lebenswelt kennzeichnet und nur dazu dient, eine Figur und/oder ihr Verhalten als negativ abzustempeln. V.a. das Kapitel "More than (just) words - Warum Sprache Handlung ist" liefert ein paar wichtige Denkanstöße in diese Richtung.

Das Buch ist harter Tobak, auch wenn man sich glücklich schätzen kann, nicht mit derselben Realität wie Mika Murstein konfrontiert zu sein. Bestenfalls kann das Buch zu einer Sensibilisierung bei Themen wie Behinderung, white privilege, Prekariat und/oder Abweichung von der cis hetero Norm führen und verstehen lassen, dass vermeintliche "Luxusprobleme" für andere der Kampf ums nackte Überleben bedeutet. Dieses Buch ist auch deswegen beachtenswert, weil hier einmal eine betroffene Person zu Wort kommt, anstatt dass über sie geredet wird.



Ps.: Ich habe es nicht geschafft, das Cover als Link einzubinden ...

Eine kleine Sniffu-Dröhnung

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