Es ist: 27-06-2022, 22:32
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Wettsucht
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Wettsucht
Als ich am Morgen des 8. Januars meine Augen aufschlug, fröstelte ich unter meiner Bettdecke.

Mehrere Tage davor hatte ich den Heizregler auf 15 Grad heruntergedreht und inzwischen nahm die Kälte jeden Quadratmeter meiner Wohnung in Beschlag..

Mit dieser Maßnahme plante ich, im ersten Monat des neuen Jahres 40 Euro an Heizkosten zu sparen. Den Kühlschrank und das Tiefkühlfach hatte ich ebenfalls vom Netz genommen. Laut meinen Berechnung würden mir diese beiden Entscheidungen im Jänner weitere fünf Euro an Einsparungen bringen. Das klingt nach wenig Geld, aber für Personen am Rande des Bankrott zählt jeder einzelne Euro.

Wie so viele Menschen brauche ich Kaffee, um in den Tag zu starten. Sie verstehen, dass ich mich damals nicht einfach in ein Kaffeehaus setzen konnte, um 4 Euro für einen Kleinen Braunen auszugeben. Ich schüttete deshalb eine Packung Instant Coffee in meine Tasse, goss Wasser in meinen alten Wasserkocher von Bosch und betätigte den Schalter am Kopf des Geräts.

Wasser zu kochen, kostet ebenfalls Geld. Die dafür zu veranschlagenden drei Cent betrachtete ich jedoch als eine akzeptable Ausgabe, die es mir ermöglichte, meine Koffeinsucht am Morgen zu bändigen.

Damals an diesem Morgen war es für mich bitter nötig, Geld zu sparen, denn das neue Jahr hatte noch schlechter begonnen als das ohnehin schon erbärmliche vorherige Jahr geendet hatte.

Es fing damit an, dass meine Eltern über Weihnachten jeden Kontakt verweigerten: “Wir zahlen dir eine Therapie, Kosten spielen keine Rolle, aber solange du unsere Hilfe nicht in Anspruch nimmst, wollen wir dich nicht mehr sehen.”

Ich hatte mir von ihnen über die letzten acht Monate 15.000 Euro ausgeborgt und war natürlich nicht in der Lage, diese Summe zurückzuzahlen. Ich muss meinen Eltern zugute halten, dass sie das Geld gar nicht zurückhaben wollten. Sie heuchelten Mitleid mit mir, ich dachte jedoch nicht, dass sie mir Vorschriften machen sollten. Dagegen hatte ich mich seit meiner Pubertät gewehrt und ich würde jetzt im Alter von 29 Jahren keine Ausnahme machen.

Anders als meine Eltern zeigte Stefan kein Mitleid mehr, ihm ging es inzwischen nur noch um’s Geld. Ich kannte ihn seit dem ersten Semester an der Universität. In seinem WG-Zimmer verbrachte ich die meiste Zeit meines Studiums: Wir hörten Musik, er war ein großer Fan von The Doors. Tranken Bier, meist Stiegl und niemals Ottakringer. Und rauchten Joints. Ich hatte nie einen besseren Freund in meinem Leben. Es gab in den fast 30 Jahren, die ich schon auf dieser Welt verbrachte, keinen anderen Menschen, mit dem ich über meine Probleme offener sprechen konnte.

Dennoch konnte ich Stefan nicht die Wahrheit sagen als ich ihn letzten September um 10.000 Euro anpumpte. Ich sagte, dass ich das Geld für Therapien benötige, um vom Alkohol und der Wettsucht loszukommen. In Wahrheit wollte ich damit die Schulden bei Maria zurückzahlen.

Vermutlich wäre das in den Augen von Stefan sogar in Ordnung gewesen. Als ich jedoch Ende September seine Wohnung im achten Wiener Gemeindebezirk verließ, in meinen Händen einen Briefumschlag haltend, in dem sich 10.000 Euro befanden, überrumpelte mich mein Verlangen wieder einmal mit voller Wucht.

Maria sollte an diesem Tag keinen einzigen Cent bekommen. Ich verbrachte die Nacht stattdessen im Volkspalast, dem größten Puff von Wien, und fickte mir die Seele aus dem Leib. Als ich das Etablissement müde, glücklich aber ausgelaugt verließ, hatte ich noch 8.000 Euro in der Tasche. Damit ging ich zu einem dieser vielen Wettbüros, die außerhalb des Gürtels wie Pilze aus dem Boden sprießen.

Es soll ja Leute geben, die Glückspiel betreiben, weil sie wirklich glauben, dass sie damit Geld gewinnen können. Ich empfand diesen Glauben nie, denn seit mich die Wettsucht vor vier Jahren mit ihren kalten Fingern packte, verließ ich kein einziges mal ein Wettbcafé mit Gewinn in den Taschen. Dennoch überkam mich regelmäßig das Verlangen, diese Orte aufzusuchen und auf mein Glück und und meine Intuition zu spekulieren, aber ich kann ihnen keinen einzigen rationalen Grund nennen, warum ich das immer wieder tat.

8.000 Euro hatte ich jedoch noch nie an einem Abend verspielt. Dieser ungewöhnlich warme Tag im September war der bisherige Tiefpunkt meines Lebens, aber mir war durchaus bewusst, dass der tiefstmögliche Tiefpunkt noch lange nicht erreicht war. Dass ich noch viel tiefer fallen könnte, denn noch hatte ich Freunde und Familie.

Das neue Jahr startete damit, dass sich nach meiner Familie nun auch meine Freunde von mir lossagten. Stefan schrieb mir im Zwei-Tages-Takt WhatsApp-Nachrichten, die alle sehr ähnlich klangen: ”Du dummer Säufer, gib mir mein Geld zurück” oder “Was hast du mit meinem Geld gemacht? Du Idiot!”

Den Bruch mit Stefan hätte ich überwinden können. Wirklich weh tat es, dass sich Maria von mir distanzierte. Sie war meine große Liebe und wir waren vier Jahre zusammen, bis unsere Beziehung vor sieben Monaten kollabierte. Sie wusste, dass ich zu viel trank, dass der Alkoholismus durchaus ein Problem darstellte, sie hatte jedoch keine Ahnung von den Wetten und Automaten. Ich borgte mir nie Geld von ihr aus, denn das wäre mir zu peinlich gewesen und ich wollte vor ihr keine Schwäche zeigen. Ich hob jedoch regelmäßig Geld mit ihrer Bankomatkarte von ihrem Konto ab.

Anfangs nur kleine Summen, in der Höhe von 30 oder 50 Euro pro Monat, am Ende mehrere hundert Euro pro Woche. Es überraschte mich, dass Maria zwei Jahre benötigte, um das zu bemerken. Vermutlich, weil sie sich kaum um ihren Kontostand kümmerte. Geldsorgen waren ihr fremd, und ich glaube, sie hatte in ihrem gesamten Leben nie irgendeine Form von Geldmangel gespürt.

Während unserer Beziehung wohnte sie in einer Eigentumswohnung ihrer Eltern und sie verdiente schon während des Studiums viel mehr als sie ausgab. Meine Abhebungen fielen ihr also nie auf, bis ich es schließlich am Ende übertrieb: “Du, ich hab da so merkwürdige Abbuchungen auf meinem Konto, das war ich doch alles nicht.” Als sie diesen Satz sagte, wusste ich, dass es vorbei war. Ich muss ihr zugute halten, dass sie sehr lange brauchte, um zu akzeptieren, dass ich die Person war, die das Geld von ihrem Konto plünderte. Sie hatte eine hohe Meinung von mir, aber vermutlich machte das die Situation für sie nur noch schlimmer.

Sie war nicht wütend als sie mich zur Rede stellte. Eher traurig. Kleine Tränen rollten still ihre Augen hinab, in ihrem Gesichtsausdruck sah ich Entsetzen. Ich wollte sie trösten, sie sagte jedoch nur ”Berühr mich nicht”. Ich gestand ihr alles und teilte ihr mit, dass ich ein Problem hätte.

“Ich verstehe, ich verstehe” meinte sie und ich glaube auch, dass sie mich und meine Probleme in diesem Moment verstand. Wir einigten uns darauf, dass sie Abstand bräuchte, aber sie versicherte mir auch, dass sie alles tun würde, um mir zu helfen. Immerhin war sie jahrelang in mich verliebt und vermutlich liebte sie mich noch immer.

Am 3. Jänner sprach sie mir auf’s Telefon: “Stefan hat mir gesagt, dass du noch immer keine Therapie angefangen hast und ich habe mir ausgerechnet, dass du mindestens 12.500 Euro von mir gestohlen hast, vermutlich sogar mehr, weil ich kann nicht alle Abhebungen zuweisen, vor allem diejenigen nicht, die schon vor mehr als einem Jahr passiert sind. Ich will mein Geld zurück haben, sonst muss ich zur Polizei gehen. Ich will das nicht tun, sehe aber keine andere Wahl, und denke, dass würde dir im Endeffekt sogar helfen. Bitte lass dir helfen!”

Am nächsten Tag kündigte mich mein Chef. Ich war schon den gesamten Dezember krankgeschrieben, hatte jedoch vergessen, mein Fernbleiben für den Jänner ärztlich zu bestätigen. Im Endeffekt ging es um zwei Tage, die ich unentschuldigt fehlte, vermutlich gab es auch noch andere Gründe. Meine Arbeitsleistungen der letzten 24 Monaten ließen durchaus zu wünschen übrig. Ich wollte gegen diese Kündigung klagen, aber war mir nicht sicher, ob ich Recht bekommen würde.

Ehrlich gesagt, tat es mir nicht Leid um meine Arbeit, die sehr monoton war, und mir im Monat nur 1.400 Euro netto einbrachte. Zu langweilig für meine Talente und viel zu wenig Geld für meinen Lebenstil.

Nachdem ich all diese schlechten Nachrichten verarbeitet hatte, wusste ich, dass mein Leben in Trümmern lag. Ich spürte das Verlangen ein Wettcafé aufzusuchen, hatte jedoch kein Geld mehr am Bankkonto, vielmehr hatte ich meinen gesamten Überziehungsrahmen schon längstens ausgenutzt, und ich hatte auch keine Freunde mehr, die mehr Geld leihen würden. Verzweifelt holte ich eine Flasche Smirnoff hervor und begann zu trinken. Ich verzweifelte an der Erkenntnis, dass es die letzte Vodka-Flasche in meiner Wohnung war und ich mir keine neue leisten konnte. Doch im Vodka Rausch kam mir schließlich eine Idee und ich beschloss, sie am kommenden Montag, diesen schicksalshaften 8. Jänner, umzusetzen.

Nachdem ich am Morgen des 8. Jänners meinen Instant-Kaffee getrunken hatte, leerte ich noch den verbliebenen Inhalt der Smirnoffflasche in meine Kaffeetasse und gurgelte den Vodka mit einem beherzten Schluck hinunter. Dann verließ ich meine kalte Wohnung, holte mein Fahrrad aus dem Innenhof und fing an in Richtung Gürtel zu radeln.

Das Fahrrad quietschte bei jeder Lenkbewegung, ich war nicht stolz auf dieses Gefährt, konnte mir aber logischerweise kein besseres Rad leisten. Einige Wochen davor hatte ich es auf Willhaben gefunden und kaufte es schließlich um 4 Euro einem syrischen Asylwerber ab. Anfangs hegte ich den Verdacht, dass er das Rad gestohlen hatte. Wie sonst hätte er diesen Preis rechtfertigen können? Als ich jedoch das erste Mal in die rostigen Pedale trat, verstand ich, dass er es vielmehr auf einem Schrottplatz gefunden hatte.

Mit meinem verrosteten Fahrrad erreichte ich nach kurzer Fahrzeit die Mariahilferstraße und bog nach links Richtung stadtauswärts ab. Jetzt war mein Ziel schon sehr nahe: Das große Wettcafé gegenüber des Westbahnhofs. Ich wollte mir hier mein Geld zurückzuholen. Das Geld das mir sowieso zustand! Nicht mit wetten. Nein, mit einem Spiel bei dem ich die Regeln bestimmte, denn ich plante, dieses Wettcafé auszurauben.

Sie mögen jetzt einwenden, dass es sich heutzutage im Zeitalter des Plastikgeld nicht mehr lohnt, einen Raub zu begehen. Das ist nicht ganz falsch, trifft aber eher auf Banken zu.

Die Gewinnmargen für Banküberfälle befinden sich schon seit der Jahrtausendwende im freien Fall. Einige Ostbanden konnten noch Anfang der Nuller-Jahre bei jedem ihrer Raubzüge beachtliche Summen erbeuten. Sie veranlassten die österreichischen Banken jedoch dazu, effektive Gegenmaßnahmen zu ergreifen:

Bewaffnete Securities, Tür-Schleusen, Alarmpakete und die Limitierung der Bargeldsumme innerhalb einer Filiale. Im Durchschnitt beträgt die Beute heutzutage nur noch 2.000 Euro pro Überfall. Eine zu kleine Marge für ein doch sehr hohes Risiko, weshalb die Raubzüge der Ostbanden inzwischen der Vergangenheit angehören.

Für Wettcafés trifft das alles nicht zu: Die meisten Kunden zahlen noch immer mit Bargeld, denn sie wollen ihre Spielsucht anonym halten, und vermeiden, dass der Ehepartner am Bankauszug sehen kann, wofür das Geld verprasst wurde. Teure Alarmsysteme implementierten die meisten Wettcafés nicht und auch Securities werden nur selten engagiert. Dazu sind die Eigentümer zu geizig und im Endeffekt verdienen sie das große Geld sowieso mit Geldwäsche.

Ich glaubte deswegen, dass ein Wettcafé der beste Ort sei, um einen Überfall durchzuführen. Während dieser Januartage war ich darüber hinaus davon überzeugt, dass ich das moralische Recht hatte, mir einen Teil des Vermögens zurückzuholen, das ich in den Jahre zuvor verwettet hatte. Wie viel ich genau in all den Jahren verwettet hatte, wusste ich nicht mehr. Vermutlich verprasste ich insgesamt mehr als 70.000 Euro, aber doch weniger als 100.000 Euro.  

Ich rechnete damit bei meinem Coup ungefähr 10.000 Euro erbeuten zu können, aber mit etwas Glück sogar bis zu 20.000 Euro. Mit dieser Summe hätte ich Maria ihr Geld zurückgeben und vielleicht sogar Stefan auszahlen können.

Ich dachte, dass ich mir dann einen neuen Job suchen, mit dem Trinken aufhören und nicht mehr in die Wettcafés gehen würde. Es würde dann alles besser werden. Ich war davon überzeugt, dann auch keine Prostituierten mehr zu benötigen, weil Maria mir verzeihen würde, sobald alle meine Schulden zurückgezahlt wären. Ich würde die Beziehung mit ihr fortsetzen und gemeinsam würden wir all meine Probleme überwinden.

Die Prostituierten waren wirklich eine dumme Angewohnheit. Nachdem sich Maria von mir getrennt hatte, war ich nicht in der Lage mir eine neue Frau zu suchen, Ich war ja auch davon überzeugt, dass sie zu mir zurückkehren würde. Warum also nach einer neuen Beziehung ausschau halten? Natürlich hatte ich wie jeder Mann Bedürfnisse. Gewiss, das Internet bietet heute schon sehr viele Möglichkeiten, diese Bedürfnisse zu befriedigen, aber diesen ganzen Pornos fehlt leider das Menschliche. Ein Bildschirm ist kein Ersatz für ein lebendiges, warmes und atmendes Wesen. Im Übrigen will ich nicht einen fremden Mann dabei zusehen, wie er in eine Muschi fickt, ich will selbst in eine Muschi ficken.

Deshalb fing ich an, Laufhäuser zu besuchen. Anfangs schaute ich mir die Mädchen nur an. Ich glaube, dass ich erst bei meinem vierten Besuch mit auf ein Zimmer ging und 70 Euro für einen Quickie zahlte. Mit der Zeit wuchsen meine Ansprüche und leider auch die Geldsummen. Anfangs reichten zwei Stunden Girlfriend-Sex für 200 Euro aus, um mein sexuelles Verlangen für einige Tage zu befriedigen. Außerdem fühlte ich mich danach so gut, dass ich in der gesamten darauf folgende Woche nicht ein einziges mal das Bedürfnis verspürte, ein Wettcafé zu besuchen.

Doch mit der Zeit befriedigte mich der Girlfriend-Sex mit Prostituierten immer weniger. Ich benötigte nun Gangbangs mit zwei bis drei Frauen, um mich besser zu fühlen, und das ging dann wirklich ins Geld. Anfangs bis zu 500 Euro pro Besuch und schließlich kosteten mich der Septemberabend im Volkspalast 2.000 Euro.

An diesem Abend fühlte ich mich zweifellos glücklich, aber das Verlangen Geld zu verwetten, überkam mich dennoch nur wenige Minuten nach meiner Ejakulation. Die Prostituierten waren nun kein Ersatz mehr für meine bisherigen Süchte, sondern eine neue Sucht, die parallel zu meiner Spielsucht und dem Alkoholismus bestand.

Inzwischen war ich mit meinem Fahrrad schon in Sichtweite des Wettcafes geradelt, ich musste nur noch den Gürtel überqueren. An der Ampel holte ich meine Sturmhaube hervor und stülpte sie über meinen Kopf. Als Radfahrer sollte ich damit keine Aufmerksamkeit erregen, da es ein typisch wienerischer Wintertag war: Temperaturen um die 3,5 Grad, Wind und Regen.

Ich stellte mein Fahrrad an der Ecke Gürtel und Äußere Mariahilferstraße ab. Nach dem Raub wollte ich damit den Gürtel hinunter brausen und dann nach eineinhalb Kilometern in die U-Bahnstation Längenfeldgasse einkehren und von dort mit der U-Bahn Linie 4 stadteinwärts flüchten.

Ich ging zum Eingang des Wettcafés, bevor ich jedoch die Tür aufmachte, um hinein zu rennen, zögerte ich für ein paar Sekunden. Diese paar Sekunden sollten mein weiteres Leben auf den Kopf stellen. Ich dachte an Maria, an die ganze Scheiße, in die ich da hineingeraten war, und atmete mehrmals tief durch. Adrenalin schoss durch meine Adern und meine Hände fingen an zu zittern. Ich nahm mir vor, bis drei zu zählen und dann in das Café mit den Worten “Das ist ein Überfall, bleiben sie bitte ruhig, geben sie mir ihr Geld” hinein zu stürmen.

Ich schaffte es nur bis zwei zu zählen. Plötzlich bremste ein Mannschaftswagen der Polizei neben mir ab. Die Seitentür öffnete sich und drei uniformierte Gestalten sprangen mir in den Rücken. Ich spürte einen stechenden Schmerz im Kreuz und schmetterte mit meinem Kinn auf den Asphalt. Ich hatte das Gefühl, dass die drei Polizisten mir den Arm ausrenkten als sie mich am Boden fixierten und mit Handschellen fesselten.

Eine weibliche Polizistin kniete sich neben mir nieder. Sie war eine dieser Frauen, die versuchte, in allen Belangen männlicher als ein Mann zu agieren, und dabei all diejenigen Eigenschaften verlor, die eine Frau so viel interessanter als einen Mann machen.

“Da sind wir ja im richtigen Augenblick vorbeigefahren, das hättest du dir leichter vorgestellt, du Arschloch” schimpfte sie mir ins Gesicht. Mit einer brutalen Handbewegung streifte sie mir meine Sturmhaube vom Gesicht.

“Das ist ja ein Bobo” sprach einer der Polizisten, während er mir sein Knie ins Kreuz drückte, und mein Outfit begutachtete, das mich als Bewohner der inneren Wiener Gemeindebezirke auswies.

Ich bejahte seine Feststellung und sagte, dass ich in der Tat ein Bobo sei. Dann erklärte ich, dass ich keine Absicht hege einen Überfall durchzuführen, sondern vielmehr wettsüchtig sei. An den genauen Wortlaut erinnere ich mich nicht mehr, ich weiß nur, dass mir währenddessen Blut aus dem Mund quoll.

Die Frau ordnete an, mich den Bobo nach Waffen zu durchsuchen und ihre beiden Kollegen führten ihren Befehl ordnungsgemäß durch. Ich hatte Glück, dass ich vorhatte den Überfall unbewaffnet durchzuführen, hauptsächlich weil ich mir keine adäquate Bewaffnung leisten konnte. Die Polizisten fanden aus diesem Grund nichts verdächtiges in meinen Taschen, am Ende ließ es sich die Polizistin aber nicht nehmen, mit ihren Händen kräftig zwischen meine Beine zu fahren und meine Geschlechtsteile zu befühlen.

“Der Bobo ist wirklich unbewaffnet” sprach sie und fragte mich, warum ich mit einer Sturmhaube vor dem Wettcafé stehe.

Ich erwiderte, dass ich mit dem Fahrrad gefahren sei und mich mit der Sturmhaube vor der Kälte schützen wollte. Dabei deutete ich mit dem Kopf auf meinen Drahtesel, der nur wenige Meter entfernt an der Hauswand lehnte.

“Du Tina, ich glaub der ist wirklich kein Krimineller” sprach der Polizist auf meinem Rücken und lockerte sein Knie.

Die Polizistin, die offenbar Tina hieß, schaute mich kurz an und und bestätigte, dass ich tatsächlich nicht wie ein Krimineller wirke. Der dritte Polizist ließ es sich aber nicht nehmen, zu sagen: “Wir müssen Sie trotzdem anzeigen, wegen des Verstoß gegen das Vermummungsverbot, das gibt eine Organstrafverfügung in der Höhe von 150 Euro.”

“Können wir sonst noch etwas für Sie tun?” fragte mich der Polizist auf meinem Rücken, während er mit Bedacht meine Fesseln löste.

Ich spuckte Blut auf den Boden und wies darauf hin, dass ich verletzt sei und einen Notarzt benötige.

Dieser Vorfall erregte ein überraschend großes Aufsehen in den Boulevardmedien. Ich hatte mir zwei Zähne ausgeschlagen und eine Rippe gebrochen. Entscheidender war, dass ich die Polizistin wegen sexueller Belästigung anzeigte, da sie mir während der Amtshandlung zwischen die Beine griff. Ich glaube, dass der Boulevard vor allem wegen dieses Vorwurfs, auf die Geschichte aufsprang, und schließlich mit großer Erregung die Entlassung der Polizistin forderte.

Diese Forderung wurde nicht ganz erfüllt: Im Endeffekt wurde sie für 6 Monate in den Innendienst beordert. Die Landespolizeidirektion Wien bot mir außerdem einen außergerichtlichen Vergleich in der Höhe von 50.000 Euro an, um die Sache rasch aus den Medien zu bekommen.

Das war genügend Geld um meine Schulden bei Maria, Stefan und sogar meinen Eltern zu begleichen. Am gleichen Tag als das Geld auf meinem Konto eingelangte, zahlte ich alles zurück. Danach hatte ich noch etwas übrig und gönnte mir einen Gangbang im Volkspalast, diesmal gab ich aber nur 1.000 Euro aus.

Ich hatte berechtigte Angst davor, wieder in meine alten Suchtgewohnheiten zurückzufallen. Diese Angst erwies sich jedoch als unbegründet: Als ich nach dem vollzogenen Gangbang vom Volkspalast nach Hause ging und zufällig an einem Wettcafé vorbeispazierte, wollte ich reflexhaft durch die Eingangstür gehen. Sofort spürte ich jedoch einen stechenden Schmerz in meinem Rücken, der erst wieder nachließ, nachdem ich mich zwanzig Meter vom Eingang entfernt hatte. Ich versuchte in den nächsten Tagen immer wieder ein Wettcafé aufzusuchen, aber jedes Mal durchkreuzte der Phantomschmerz meine Pläne.

Meine beiden einzigen Laster waren nun Prostituierte und Alkohol. Mein Leben war noch immer ein Trümmerhaufen, aber den absoluten Tiefpunkt hatte ich an diesem 8. Jänner erreicht. Nun konnte es langsam bergauf gehen.

Mit Maria kam ich nie wieder zusammen. Einige Tage nachdem ich ihr das Geld zurückgezahlt hatte, fragte ich sie, ob sie mich auf einen Kaffee treffen wolle.

Sie antwortete mir auf Whatsapp, dass sie in den letzten Wochen einen netten Mann kennengelernt hätte, mir jedoch alles Gute im weiteren Leben wünsche.

Am folgenden Abend gönnte ich mir wieder einen Gangbang.


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