Es ist: 16-06-2019, 14:46
Es ist: 16-06-2019, 14:46 Hallo, Gast! (Registrieren)


also bei uns..
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also bei uns..
Gott, das war vielleicht heiß heute, ach was heißt heute, seit er angekommen war. Er marschierte, dem Wetter entsprechend mit kurzen Hosen, einem kurzärmeligen Hemd, Sandalen, Socken und einem Strohhut auf dem Jo quiero Turó stand, die trubelige Strandpromenade entlang. 

„Nein. Nein danke. Nein. Nein, danke, nein ich möchte das nicht kaufen, nein, nein, das auch nicht, nein ich brauche keine Kokosnuss mit Strohhalm, danke sehr, nein.“

Das war wirklich immer ein schrecklicher Spießroutenlauf. Überall standen Händler mit Ständen, die Mist verkauften, Ketten, Armbänder, Hemden, Hüte, Badehosen, Handtücher und ominöse Getränke in ganzen Früchten. Nein, ein Bier war gut genug, im Glas bitte schön, und nicht in einer Wassermelone. 

Er blinzelte in den Himmel. Also diese Südländer konnten wirklich nichts richtig machen, sogar der Himmel war falsch, das Blau, das war regelrecht penetrant und außerdem gab es überhaupt keine Wolken. Pah, sowas nannten die hier Himmel? Zu Hause in Wassabada, da hatte man richtiges Wetter, da konnte es innerhalb einer Stunde regnen, schneien, stürmen und dann war es sonnig. 

Er manövrierte weiter durch das Menschengedränge am Strand. Strand, das war auch so was. Leg dich an den Strand, hatte man ihm gesagt, entspann dich, hatte man ihm gesagt, geh ein wenig Baden, das ist gut für die Nerven, hatten sie gesagt. Baden, im Meer, ha! Niemand hatte erwähnt, dass man schon nach einer halben Stunde den Sand in allen Körperritzen finden würde, und der dann später auch noch aus der Badehose auf den Zimmerboden rieseln würde. Scheußlich. Und zu heiß war es auch.

Die Verbrecher hier wollten doch tatsächlich Geld dafür haben, dass man sich so einen albernen Sonnenschirm auslieh. 25 Saque! Das war doch wirklich eine Frechheit. Gut, es waren nur 15 Pfennig, aber da ging es auch ums Prinzip. Die nahmen es hier wirklich von den Lebenden.

Das angepriesene Meer war eine laue Brühe und verschaffte einem kaum Abkühlung, dann gab es auch noch allerlei Viehzeug, das darin rumschwamm, von den kreischenden und plantschenden Kindern mal ganz abgesehen. Warum war das Meer eigentlich nicht gefliest? Das wäre auch viel hygienischer gewesen.

Aber der Pool an seinem Gasthaus, der war immer voller Gäste aus Cannok und Craigavan, da konnte man nicht reingehen. Die waren alle ständig betrunken und ganz rot verbrannt, und dann fingen sie Streit an. Wie an dem einen Tag: Er stand immer früh auf, man hatte ja schließlich keine kostbare Urlaubszeit zu verschwenden. Er hatte also noch vor dem Frühstück – das war auch so eine Sache – sein Handtuch auf eine der Holzliegen am Pool gelegt und so ein großer, großer Kerl mit Glatze und wilden Tattoos hatte es doch tatsächlich einfach auf den Boden geworfen. Und dann war er auch noch frech geworden. Er konnte nur froh sein, dass er ja so friedliebend war und dann kleinbeigegeben hatte.

 Jetzt musste er wieder an das „Frühstück“ denken, das war nun wirklich eine Frechheit. Es gab überhaupt keine Wurst! Gar keine. Nicht einmal Leberwurst!! Nichts! Und auch keinen Käse. Stattdessen gab es süßes Brot, süßes BROT, zum FRÜHSTÜCK!! Wo hatte man denn bitte sowas schon mal gehört! Er hatte einen der jungen Burschen die hier als Kellnerdarsteller „arbeiteten“ (eigentlich arbeitet hier niemand, man schlief ja den halben Tag, saß stundenlang im Restaurant herum oder vertrieb sich die Zeit am Strand) einmal gefragt, ob er nicht ein salziges Frühstück haben könnte. Der hatte nicht verstanden, obwohl er laut undlangsam gesprochen hatte. Frechheit, die lebten doch hier von den Touristen, da konnte man ja wohl erwarten, dass die ein bisschen Hesstisch sprachen, oder? Naja, Ausländer eben.

Er hatte dann irgendwann einen Kollegen dazu geholt und mit Händen, Füßen und einem Salzstreuer hatte er sich dann ganz unmissverständlich ausgedrückt. Der Kellner war verschwunden und kam dann Minuten später strahlend mit einem Teller wieder. Und was war da drauf? Ein getoastetes Brötchen mit … Tomatenmatsche drauf, alles voll mit diesem penetranten Olivenöl und bestreut mit etwas Salz. Wer sollte denn sowas essen??? Na, er ganz bestimmt nicht. 

Ach, er könnte sich stundenlang aufregen, alles hier war schlampig organisiert. Wenn man was einkaufen wollte, zu einer normalen Tageszeit, so gegen ein Uhr am Mittag, da hatten doch tatsächlich alle Geschäfte geschlossen!! Und ab zwei saßen die dann alle in den Restaurants und Cafés, stuuuundenlang, aßen und tranken, natürlich Wein, schon zum Mittagessen, „Kein Bier vor Vier“ kannte man hier offensichtlich nicht… und wenn die sich bei der Hitze alle schon Mittag den Wein in den Hals gossen, kein Wunder, dass hier alles so langsam voranging. 

Und was die alles aßen, alle Viecher, die man im Meer finden konnte, Es schüttelte ihn. Gebratener Fisch. Garnelen mit ihren vielen Füßen und den monströsen Köpfen, diese schlabberigen Muscheln, alles mit Knoblauch, das ganze Land stank danach… bäh. Und dann immer nur weißes Brot, immer, ständig, zu allem. Und Oliven, wer mochte denn bitte Oliven? Und das Öl, oh bei der Heiligen Mutter, dieses penetrante, grüne Öl, das man zu allem verwendete. Jetzt, nach vier Tagen, war er schon ganz ausgehungert nach einem normalen Mittagessen, etwas ganz Einfaches, ein Stück Schweinskopfsülze, Blutwurst, eine schöne gebratene Leber mit Zwiebeln und Äpfeln, dazu Kartoffeln. Nicht mal die konnten die hier zubereiten!! Statt einfach Bartkartoffeln zu machen, schön mit Speck und Zwiebeln, matschte man hier die Kartoffeln zusammen mit Eiern und nannte es dann protzig Turtilla oder so ähnlich. Er mochte so ein Gematsche gar nicht erst probieren.

Trotzdem hatte er jetzt Hunger. Er wollte nicht in das Gewirr der Altstadt gehen, da aßen eh nur die Ausländer, äh, also, die, die Einheimischen. Da gab es keine Speisekarten in Hesstisch, da war er sich sicher. Und bei dem, was die Leute hier aßen, wollte er nichts riskieren. Er blieb daher die meiste Zeit an der Strandpromenade und aß in einer der kleinen Buden. Das war nicht besonders gut – und er fand es auch ziemlich teuer. Aber was sollte man von denen auch erwarten. Heute aß er ein Stück gebratenes Fleisch – also was auch immer Filete eigentlich heißen mochte, ein Filet war das nicht, eher ein trauriges Schnitzel ohne Panade, mit einem Spiegelei und Salat. 

An dem Grünzeug war nicht mal Sauce dran. Da stand nur ein Gestell mit zwei kleinen Flaschen drin, Essig und das schreckliche Öl. Also das war ja die Höhe, er war der Gast und sollte jetzt quasi selbst sein Essen zubereiten? Er aß aus Trotz deswegen nie den Salat. Triumphierend schob er den Teller zum Rand. Ha! Das hatten sie davon. Sollten sie ihr Kaninchenfutter doch selbst essen. Er trank noch einen Kaffee, aber auch das konnten sie eigentlich nicht richtig. Die machten Milch in den Kaffee, keine Sahne und dann war die Milch auch noch heiß. Gott hatte er sich am ersten Tag das Maul verbrannt. Aber er hatte sich ordentlich beim Manager des Hotels beschwert! So nicht Freunde, so nicht! Er musste sich jetzt fast sputen, denn er hatte heute eine Besichtigung der Altstadt gebucht, so richtig mit einem Führer. Gott sei Dank einer, der Hesstisch sprach.

Die kleine Gruppe, vier Pärchen, eine Dreiergruppe von jungen Männern und zwei junge Frauen und er warteten schon eine ganze Weile auf den Führer. „Typisch wieder, oder?“ „Ja, mit der Pünktlichkeit haben die es hier nicht so!“ „Ach, das sind eben die Südländer, die sind alle so rassig und heißblütig, da kommen die eben manchmal mit der Zeit durcheinander!“ „Ja und die Männer sind auch heiß…“ „Naja, ein bisschen haarig find ich die ja schon…“ „Haben sie hier schon etwas Essbares gefunden?“ „Wir essen im Ausland ja immer nur ausländisch, ich finde das ganz spannend. Waren sie schon mal allein in der Altstadt? Das ist, als wäre man gar kein Tourist, das ist ganz spannend!“

Die Frau mit dem kleinen Rucksack, eine dürre, braungebrannte Lederhandtasche mit viel zu großen Zähnen, keinem Busen und blonden Locken, trug einen Wickelrock, den es zu tausenden am Strand zu kaufen gab, aber sie versicherte, dass ihrer ganz traditionell und einheimisch war. Authentisch. Ihr Mann hatte so ein Hemd an, wie es die Männer hier trugen, wenn sie ihre Frauen ausführten, nur das bei ihm statt einer haarigen Brust zwei weiße Männerbusen aus dem Hemd ragten. Das war ja lächerlich. „Ach, sprechen sie die Sprache?“ „Ach, nur ein wenig, wir haben uns zu Hause ein Buch gekauft! Woher sind sie denn?“ 

Die Gespräche gingen noch ein wenig weiter. Das seltsame Pärchen war aus Meenz, kein Wunder, die Leute da hatten doch sowieso alle einen Vogel!! Irgendwann, sicherlich ganze 10 Minuten nach der vereinbarten Zeit, trudelte dann auch der Führer ein. Ganz ohne Schuldbewusstsein. So einer von den schlanken, braungebrannten Männern mit haariger Brust, schütterem Haar, zurückgegelt und einem kleinen Kinnbärtchen. In dem Brustfell schimmerte eine goldene Kette. Er hörte einige der jüngeren Damen Seufzen. Pah, Ausländer. Der sollte mal schön seine Griffel von den Mädchen lassen. Und beschweren würde er sich auch – und wenn der die verlorene Zeit nicht wiederaufholen würde, dann müssten die ihm auch was von dem Preis erstatten! Er würde denen schon noch zeigen, wie man das richtig machte. Der Kerl begrüßte sie mit einem erstaunlich guten Hesstisch, aber… naja, das r rollte er schon ein wenig heftig und außerdem…

Sie streiften durch die engen Gassen der überraschend schönen, schattigen und kühlen Innenstadt. Die Leute hatten über den größeren Straßen Tücher als Sonnensegel gespannt, soviel Sinn für Praktisches hatte er denen gar nicht zugetraut. Ziemlich laut und mit viel Pathos erklärte der Führer was sie sahen, hier einen Stadtpalast von irgendeinem Kerl mit unaussprechlichem Namen, der in irgendeiner Kolonie irgendwas gemacht hatte, weswegen ihm König Sowieso ein Stück Land in Wasweißichwo zugewiesen hatte… ach Gott, niemand konnte sich all die Namen merken. Warum hatten die hier eigentlich immer zwei?? In Hesstien hatte man nur einen, und wenn ihnen einer reichte, wäre das für die Leute hier doch wohl auch genug. Nach weiteren endlosen Geschichten über Leute, die doch sowieso kein Mensch kannte, kamen sie auf einen großen Platz, auf den die Sonne knallte.

 „Das hier ist die Plaça del rei, der größte Platz in L’Aleixar. Der Platz wurde in 1534 durch König Jaume II. völlig neu im Stil des Menig Abstracte i Colonial gestaltet. Beachte sie bitte dem Ajuntament dort links mit seiner aufwendigen Fassade, daneben das Mercat de Valors aus dem Jahr 1679, das einzige Gebäude im Stil des explotant da bogeria. Der Architekt Manuél Batty i Boig hat dem ganze Fassade mit Muscheln bedecken lassen, ein sehr außergewöhnlicher Bauwerk. Direkt vor ihnen sehen sie die Porta del Poder, die zum Königpalast führt. Der erste Palast wurde bereits in 1123 errichtet worden, brannte aber in 1546 ab und wurde dann ebenfalls im Stil des Menig Abstracte i Colonial durch Jaume II. wieder aufgerichtet. Er ist bis heute der Wohnsitz der königliche Familie. Und zu ihrem Links sehen sie den großen Temple de la família sagrada i honorable, das größte Gotteshaus im ganzen Land. Besonders beeindrucken ist der zentrale Tor, die Porta de la Rectitud mit den zahlreichen Basreliefs von gläubigen Menschen.”

Während sie langsam auf das große Gotteshaus zugingen – nicht so groß wie der Tempel der Heiligen Mutter von Meenz, soviel stand schon mal fest! – notierte er auf seinem kleinen inneren Block, dass er dem Führer mal erklären müsste, dass man nicht “in” vor einer Jahreszahl sagt und ihn auch sonst auf seine grammatischen Fehler hinweisen. Da wäre er ihm sicher dankbar, denn das war ja sonst peinlich.

Widerwillig musste er zugeben, dass das Portal wirklich sehr beeindrucken war und er musste seine Größenschätzungen des Tempels deutlich nach oben korrigieren. Aber das Innere, das gefiel ihm dann wieder doch nicht. All der Kram der hier herumstand! Immer dieses ganze Geglimmer und Geglitzer, nein, das gab es so nicht in Hesstien. Und die Statue der Heiligen Mutter, ja die hatten hier offensichtlich auch eine, war über und über behängt mit Schmuck, Ketten, Perlen und einer überdimensionalen Krone. Guuut. Das war schon beeindrucken. 

Der Tempel war ein riesiges Gebäude mit fünf Schiffen, einem gigantischen goldenen Altar und einem aufwendig geschnitzen Gestühl für die Priester. Der Altarraum, der komischerweise zentral im Mittelschiff stand, war durch hohe, goldene Gitter abgetrennt, der Altar dahinter eine Wand aus Gold, voll mit Statuen und Bildern. Der Führer erzählte irgendwas, aber er hörte nur mit halbem Ohr hin. Der Tempel war der erste Ort in Turó, den er nicht ganz schrecklich fand. Der Weihrauchgeruch war etwas zu stark und er empfand es als penetrant, dass überall Leute herumknieten und beteten, ohne Rücksicht auf die zahlenden Besucher, die Tempelwachen schwatzten miteinander und wirkten so gar nicht wachsam und man müsste mal die Blumen auswechseln, da in der kleinen Vase, ganz hinten im Seitenschiff. Aber das Gebäude war wirklich ganz beeindruckend... wie schön es wohl hätte sein können, wäre es nicht in diesem Chaosland sondern in Hesstien gebaut worden...

Nach ihrer Tour durch den Tempel und den großen Tempelgarten – etwas langweilig, vor allem Wasserbecken und Orangenbäume – hatten sie noch ein paar Statuen irgendwelcher Helden von Irgendwas in der Stadt betrachtet und waren dann in eine Markthalle gegangen.

 Das war ja auch so eine Institution, die er nicht verstand. Hier war doch immer gutes Wetter, warum baute man denn Hallen, in denen man den Markt aufbaute? Völlig bescheuert. Und unhygienisch. Es war bestimmt unhygienisch. Er fand sowieso, dass die das mit dem Putzen hier nicht so genau nahmen. Die Halle roch etwas fischig, aber die meisten anderen Gruppenmitglieder – allen voran das irre Paar aus Meenz – jauchzten regelrecht. „So authentisch. Das ist ja so, als ob man dazu gehören würde. Oh, ich möchte unbedingt ganz authentische Gewürze kaufen, und authentischen Wein und authentisches Olivenöl und…“ Wenn die noch einmal „authentisch“ sagte, dann würde er sie mit einer Ananas erschlagen, oh ja! Sie wanderten ein wenig durch die Gänge der Hallen, die überraschenderweise nach Gewerben sortiert war. Das war ja… eigentlich ganz praktisch. 

Aber was angeboten wurde, war ihm grundsätzlich alles suspekt, auch wenn die meisten anderen Mitglieder der Gruppe sich auf die Auslagen stürzten. Fisch. Fisch. Fisch. Dann dieses Meeresgetier. Das Obst war auch komisch. Ja, es gab normales Obst, Äpfel, Birnen, Erdbeeren, Kirschen, aber dann auch das ganze exotische Zeug, von dem man gar nicht wusste, was man schälen, ausspucken oder abschneiden musste. Ananässer oder wie auch immer mehrere der nassen Annas hießen, diese seltsamen Bananen, die man auch im Süden von Aerath aß, Mangos – hatte er einmal zu Hause probiert, war sauer und hart gewesen und hatte nach Seife geschmeckt, nein, nie wieder. Melonen, na gut, die gabs auch zu Hause, manchmal, aber nicht so komische Gelbe und grüne, kleine mit harter, rauer Schale. Zu Hause gab es nur gute alte Wassermelonen. Und dann noch andere Früchte, die er noch nie gesehen hatte. Dinger mit violetter Schale und weißem Fleisch voller kleiner schwarzer Kerne (musst man das ausspucken??), große, grüne Früchte, die innen orange waren und lauter dicker, schwarzer, runder Kerne hatte. Kerne waren hier wohl ein großes Thema. Er hatte gesehen, dass die Leute Sonnenblumenkerne kauften um sie zu essen! Verrückt.

Zwar priesen auch hier die Händler wie zu Hause ihre Waren an, aber es gab überall kleine Tellerchen zum Probieren, man wurde angehalten und dann quatschten einen die Verkäufer direkt voll in ihrer völlig unverständlichen Sprache. Jeder durfte von dem Obst einfach probieren, es gab aufgeschnittenes Obst und die Leute nahmen sich einfach hier mal eine Kirche oder da eine Traube. Frechheit! Und unhygienisch.

Nach gut einer Stunde trafen sie sich alle an einer Art Bar, von der es auch hier drin mehrere gab, und der Führer gab ihnen „Tappas“ oder so aus, er erklärte, dass das Deckel heißt und man früher so verhindert hätte, dass Fliegen in das Getränk gefallen sind. Wieso früher? Gab es heut etwa keine Fliegen mehr? Wenn diese Tapeten – oder wie hieß das noch mal? – jetzt eigentlich kleine Teller mit Essen waren, was legte man denn dann jetzt auf die Gläser… und wenn das dann auch Tapedingsbums hieß, was man da auf die Gläser legt, woher wusste denn der Kellner dann, ob man was essen wollte, oder nur auf Fliegen im Getränk verzichten wollte. Äußerst unpraktisch. Er bekam auf Wunsch ein Bier, das, zugegeben, eiskalt war, aber zu leicht, zu dünn, kein Vergleich mit dem guten alten Bier aus Hesstien. Und dazu Oliven auf einem Tellerchen. Pfui. Dann gab es Käse, aber der schwitzte ja schon… und der Schinken, der roch so streng, nein er würde das lieber nicht essen, auch wenn sich die anderen Gruppenmitglieder schon auf das „oh wie authentische“ Essen stürzten.

Es war gratis, also eigentlich nicht, sie hatten es bestimmt mit der Tour zusammen bezahlt, aber viele seiner Landleute waren, ging es um Gratisessen, wie Cocker Spaniel – sie konnten einfach nicht aufhören zu essen, selbst wenn es nicht schmeckte oder sie schon satt waren.

 „Ach, das ist ja ganz wunderbar, so ganz unter den Eingeborenen hier. Gratzis Sengnior! Ganz lecker, molto gut!“ dröhnte die Stimme des Meenzers durch die Halle. Der Händler konnte ein völliges Entgleisen seines Gesichts nach diesem Sprachdurchfall gerade noch verhindern und lächelte schief.

Aus Versehen probierte er einen Tintenfischring. Bevor er ihn ausspucken konnte, stellte er fest, dass die gar nicht so schlecht schmeckten, nein, es ging eigentlich… und an den Kaffee mit der heißen Milch hatte er sich jetzt schon fast gewöhnt, er pustete und beobachtete mit großer Schadenfreude wie sich die Alte aus Meenz ordentlich die Schnüss verbrannte. Heheh, jaja, die kannte sich ja so gut aus hier. Ha!

Die Tour endete nach der kleinen Stärkung und die meisten der Gruppe applaudierten artig. Er nicht. Das war doch sein Job. Wie diese Wahnsinnigen, die beim Anlegen eines Schiffs klatschten. Und ein Trinkgeld wollte er erst auch nicht geben, aber alle gaben etwas und wie hätte das dann ausgesehen, wenn er nichts gab? Also gab er mehr als alle anderen, man musste ja mal zeigen, dass man es sich leisten konnte. Unverständlicherweise war der Führer übrigens an seinen Hinweisen bezüglich der Grammatik nicht besonders interessiert, ganz im Gegenteil wirkte sein Lächeln dann doch sehr verkniffen und er ging ziemlich schnell. 

Vor der Tür sah er ihn dann mit einer der jungen Frauen, er rauchte eine Zigarette, sie lachte. Pff, ja klar, nur Nichts lernen, lieber flirten. Diese Leute hier!! Bestimmt würde er das großzügige Trinkgeld gleich in die Touristin investieren.

Das war noch so eine Sache, die er ganz schrecklich fand hier. Er hatte sich mit Büchern schlau gemacht über das Land, das gehörte sich ja wohl so. Also kannte er alle relevanten Fakten, Staatsverschuldung, Haushalt, Wirtschaftsleistung, Arbeitslosigkeit, wichtigste Exportprodukte, Infrastruktur. Was man eben wissen musste, wenn man ein fremdes Land besuchte. Und die Zahlen waren nicht so rosig, das Nachbarland Llerída stand viel besser dar wirtschaftlich, die Leute verdienten nicht besonders viel, etwa ein Drittel weniger als in Hesstien, dazu kam, dass in den Küstenstädten die Lebenshaltungskosten enorm gestiegen waren und viele staatliche Subventionen in den letzten Jahren weggefallen waren. Die Arbeitslosigkeit war moderat, aber stieg, besonders unter den Jungen in der Stadt. Und obwohl das also alles nicht so richtig rosig war, schmissen die Menschen hier ihr Geld regelrecht aus dem Fenster, gingen ständig in Cafés und Restaurants. Das könnte man ja wirklich sparen dieses Geld!

Er war kaum zwei Tage zurück in Wassabada, nach einer schrecklichen Tortur von Rückreise und starrte aus dem Fenster seines großen Hauses in der Altstadt. Es regnete. Es regnete schon fast in einer Tour seit er wieder da war, dazu ständig ein kühler Wind. Er zog die Schultern hoch, als er aus seiner Eingangstür loslief, zum Markt. Warum war der eigentlich nicht überdacht?? Das wäre doch wirklich mal eine gute Idee… 

Und auf dem Markt wollte er eine Weintraube probieren, das musste doch wohl erlaubt sein, aber die dicke, unfreundliche Marktfrau bekam bei dem Anblick fast einen Hirnschlag. Geifernd erklärte sie, dass er jetzt die Trauben kaufen müsste, er habe sie ja angefasst. Pff. Dabei schmeckten die nicht mal besonders. „Haben sie auch Mangos?“ fragte er triumphierend, denn natürlich hatte sie so etwas nicht. Sie hatte überhaupt sehr wenig, und das, was sie hatte, wirkte irgendwie farblos. Ananas gab es nicht, keine Bananen, keine Mangos, keine Lila-was-auch-immer. Furchtbar langweilig die Auswahl.

Als er den Fischhändler nach Tintenfischringen fragte, schaute der ihn an, als ob er den Verstand verloren hätte. Gut, dann eben nicht! Muscheln gab es auch nicht und erst recht keine Garnelen – Saftladen. Der Tag ging genauso öde weiter.

Er setzte sich, da er noch einige Tage Urlaub hatte, am Nachmittag in ein Café – und hatte das Gefühl die Leute würden ihn anstarren. Es war gerade mal 14:30, da müsste ein Mann im besten Alter doch arbeiten. Spießer! Er bestellte einen Kaffee mit heißer Milch, was ihm ein Augenbrauenrunzeln der Kellnerin einbrachte. Er bekam ein Glas heiße Milch und einen dünnen Kaffee, schmeckte auch zusammengemischt nicht halb so gut wie im Urlaub.

Im Café saßen nur ältere Damen und ein alter Zigarrenraucher mit Hut. Die Gespräche waren äußerst leise und er kam sich vor wie in einem Mausoleum mit Kuchentheke. Und als er dann das Geld auf den Tisch legte und gehen wollte, da rannte die ältliche Frau im schwarzen Kleidchen und weißer Schürze panisch hinter ihm her. Er deute auf das Geld auf dem Tisch. „Aber das Geld liegt doch da, sogar mit Trinkgeld!“ „Aber das geht doch so nicht. Was, wenn das jetzt jemand vom Tisch genommen hätte?“ „Sie denken also, dass in ihrem Café Diebe verkehren, sehr aufschlussreich!“ „Nein, so meinte ich… ach Herrgott und zugenäht!“ Er verließ wütend den Tatort.

Och, jetzt war es warm, kein Regen mehr, die Jacke war viel zu dick und er musste sie öffnen um nicht zu schmelzen Auf das Wetter war wirklich kein Verlass. Schnell noch eine Kerze anmachen, im Tempel. Der war innen heute irgendwie dunkel und sah so leer aus, seltsam, das war ihm noch nie aufgefallen. Die Statue der Heiligen Mutter war irgendwie…nackig, nur bemaltes Holz, nicht einmal ein kleines Perlenkettchen. Er war beim Aufsagen des Dankgebetes ganz unkonzentriert heute und fühlte sich durch die Tempelwachen beobachtet. Als er wieder vor den Tempel trat, wehte ein kräftiger Wind und es zog sich schon wieder zu, hatte er einen Entschluss gefasst. Im nächsten Jahr würde er wieder nach Turó fahren und da Urlaub machen. 


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Beitrag #2 |

RE: also bei uns..
Hi Aerath

Erstmal muss ich sagen, dass dein Text mich an manche meiner Familienmitglieder erinnert hat. Dein Text ist gut geschrieben, allerdings ließt er sich für mich etwas schleppend. Bereits nach den ersten beiden Absätzen haben ich etwas übersprungen. 
Zitat:Gott, das war vielleicht heiß heute, ach was heißt heute, seit er angekommen war. 
 Hier würde ich den Satzbau etwas ändern. Gott, das war vielleicht heiß heute. Ach was, schon seit er hier angekommen war, lief ihm der Schweiß wie ein Wasserfall den Rücken hinab. So in der Richtung. Das ist mir gleich als erstes aufgefallen. 


Ich bin ein großer Fan von detaillierrten Angaben. Davon fehlt mir hier persönlich noch etwas. Du könntest vielleicht etwas mehr auf seine Umgebung eingehen, aber vielleicht ist das auch gewollt. 
Was mir gefällt, ist das du auf die Gedanken von solchen Leuten eingegangen bist, die ständig irgendwas zu Meckern haben. 
Also diese Südländer konnten wirklich nichts richtig machen, sogar der Himmel war falsch, das Blau, das war regelrecht penetrant und außerdem gab es überhaupt keine Wolken. Pah, sowas nannten die hier Himmel? Zu Hause in Wassabada, da hatte man richtiges Wetter, da konnte es innerhalb einer Stunde regnen, schneien, stürmen und dann war es sonnig. 
 
Das hat mir wirklich gut gefallen und es liest sich gut. 
Vielleicht solltest du noch etwas an deiner Textform feilen. Diese Blockabschnitte sind nicht besonders Vorteilhaft, für meinen Geschmack. Es liest sich viel flüssiger, wenn du einen einheitlichen Text schreibst und nur an manchen Stellen einen Absatz mit einbeziehst.

Ansonsten ein dickes Lob :D


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Beitrag #3 |

RE: also bei uns..
Hallo! Erst einmal Danke für den Kommentar! Ich fange mal hinten an: Also die Einteilung in Blöcke oder nicht ist ja fast eine Philosophie... ich habe den deswegen so stark gegliedert, weil das an anderer Stelle immer mal wieder gefordert gewesen ist.

Es gibt tatsächlich wenig Umgebungsdetails, das ist erst einmal so beabsichtigt. Ich schreibe nebenbei an zwei Büchern, die mit dieser und meinen anderen Kurzgeschichten verschränkt sind, die Geschichten sollen vor allem schon mal ganz leicht den Vorhang anheben, sozusagen. 

Zu deiner Verbesserung: Ich wollte im Grunde einen Bewusstseinsstrom abbilden, daher die etwas ungewöhnliche Syntax. 

Wo war es denn schleppend? Ich nehme sowas ja immer sehr gerne auf!

Liebe Grüße


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Beitrag #4 |

RE: also bei uns..
Hi
Wenn es so beabsichtigt war, dann ist es ja gut. Ich kenne mich mit solchen Texten nicht aus, deswegen meine Verwunderung. Für mich hat es sich nach dem zweiten Absatz schleppend gelesen, weil er sich immer wieder über irgendwas aufgeregt hat. Aber da du das ja so gewollt hast, ist ja alles in Ordnung. 
Ich bin gespannt auf deinen nächsten Text :D
Lg


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Beitrag #5 |

RE: also bei uns..
Hi, hier sind ja noch ein paar von mir drin


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