Es ist: 16-06-2019, 14:47
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Geschichte: Die dunkle Macht
Beitrag #1 |

Geschichte: Die dunkle Macht
Hi Leute, 

ich bin neu hier und hoffe auf rege Kommentare zu meiner Story. Ich schreibe an der schon seit Ewigkeiten und daher ist sie schon entsprechend umfangreich. 
Sry im Voraus für den langen Post (ich hoffe es nicht zuviel). Erstmal lade ich nur ein Kapitel hoch. Falls dann mehr gewünscht sind kann ich noch Nachschb liefern (habe insgesamt momentan 4 komplette Kapitel).

Viel Spaß beim Lesen Icon_wink

Die dunkle Macht:
Band 1: Brut des Bösen


Prolog


Unerforschtes System, 108 Parsec von der Grenze der galaktischen Allianz entfernt, Mittagszeit


Tief in den unendlichen Weiten des Weltraums und ungefähr hundert Parsec von den Grenzen der galaktischen Allianz entfernt dümpelte ein Raumschiff in der Nähe eines gigantischen Gasplaneten einsam umher.
Wie alle Gasplaneten in diesem nicht kolonisierten System bestand die Atmosphäre zum größsten Teil aus rötlichen Gaswolken, die so schnell herumwirbelten, dass keine klare Struktur mehr erkennbar war und die ihn durch die Beleuchtung seines Zentralgestirns von der endlosen Schwärze des luftleeren Raumes abhob. Um ihn herum zog sich in den verschiedensten Formen und Größen ein Gürtel aus Gestein und Geröll.
Der Planet folgte beständig wie eine Uhr seiner epilleptischen Umlaufbahn durch das Sternensystem und wurde durch seine Position ein zufälliger Beobachter des erwähnten Raumschiffes, das sich knapp außerhalb seines Gravitationsbereiches befand. Die Außenhaut war in einer fast pechschwarzen Lackierung gehalten und nur sehr aufmerksame Augen vermochten den minimalen Unterscheid zur Schwärze des Wetraum zu erkennen.
Allein die leuchtenden Antriebsdüsen verrieten das Raumschiff, was sich gemächlich und langsam vom dem Planeten entfernte. Es hatte eine längliche Form und war in der Mitte relativ breit, um dort so viele Handelswaren wie möglich unterzubringen. Es sah allgemein gesagt typisch für diese Raumschiffklasse aus und hatte auch äußerlich in keinster Weise besondere Reize, wenn man von den Alterserscheinungen an seiner Außenhaut absah.
Eine Zeitlang passierte nichts. Der Gasplanet drehte sich weiter und schien kein näheres Interesse an diesem metallenen „Etwas“ zu haben.
Dann öffnete sich plötzlich nur wenige Parsecs vor dem Raumschiff ein riesiger Strudel aus rotierenden Strahlen, die sich verdichteten und einen Kreis aus wirbelnder Materie bildeten. Mit einem Plopp tauchte das Raumschiff in dieses „Etwas“ ein und verschwand darin ehe die Besatzung irgendetwas hätte machen können. Mit einem weiteren Plopp verschwand der Strudel wieder so schnell wie er gekommen war.
Alles war wieder wie vorher. Der Planet zog weiter seine Kreise durch den unendlichen Raum des Weltalls; so unbeteiligt wie Planeten das halt können. Nur das Raumschiff fehlte.
Und hier beginnt die Geschichte…












Kapitel 1: Eine unglückliche Entscheidung


Einige Zeit später; im vom Wurmloch gefangenen Raumschiff


Es war schwer ein Commander eines Raumschiffes zu sein, dass sich von einem Moment auf den Anderen von einem Handelsraumschiff in ein mobiles Gefängnis verwandelt hatte. Der Mann, der sich nun mit diesem Gedanken abfinden musste, war ein 45 Jahre alter Weltraumhändler und Commander namens Remus und dieser Gedanke schmeckte der genannten Person naturgemäß gar nicht.
Mürrisch lief er in seiner Kabine hin und her und hätte am liebsten jemanden vor sich gehabt um seinen Frust hinauszubrüllen. Leider war er aber in seiner Kommandantenkabine allein.
Zum wiederholten Mal fragte er sich, ob es vielleicht sämtliche Mächte in diesem verdammten Universum auf ihn abgesehen hatten. Eigentlich hatte er schon sämtliche Phänomene, die der galaktischen Wissenschaft bekannt waren, erlebt. Er war schon mal knapp einem schwarzen Loch entkommen, dass sein Schiff um ein Haar in die ewigen Jagdgründe befördert hätte und auch Beinahekollisionen mit gerade erst entstandenen Planeten, die zum größten Teil noch rotglühende Kugeln gewesen waren, hatte er schon erlebt.
Natürlich hatten auch schon Meteoriten und Asteroiden den Weg von ihm gekreuzt.
Aber so ein Phänomen, wie ihm vor knapp zwei Wochen begegnet war und was ihn immer noch fest im Griff hielt (wortwörtlich!) hatte er in seiner bisherigen Laufbahn noch nicht erlebt.
Stopp. Die Geschichte pausiert hier für einen Moment. Des Verständnis wegen muss ich sie, ja lieber Leser, genau sie etwas fragen. Wissen Sie überhaupt etwas mit Asteroiden oder Meteoriten im galaktischen Kontext anzufangen? Wenn ja, können sie die hier folgenden wunderschönen und natürlich äußerst informative Infotexte überspringen. Falls nicht, lesen Sie sie jetzt. Danach geht es selbstverständlich mit der Geschichte weiter.


Eintrag aus dem galaktischen Lexikon von Gabul Harjam
Kapitel 12: Meteoriten und Asteroiden - Die besten Freunde von Weltraumreisenden?


Meteoriten. Asteroiden. Begriffe, die einige Weltraumreisende sicher zum Schwärmen bringt. Oder Rachegefühle auslöst. Begriffe, die untrennbar mit dem ohne Zweifel faszinierenden und durchaus gefährligen Weltraum verbunden ist.
Um allen Weltraumabenteuern (und den geschätzten Lesern) einen ungefähren Eindruck zu verschaffen, was unter Meteoriten und Asteroiden zu verstehen ist, folgt eine kleine Erläuterung:
Stellt euch einfach mal einen Felsbrocken vor, den ihr auf tausende von Kilometern pro Stunde beschleunigt. Mit so einem Ding zusammenstoßen sollte man tunlichst vermeiden. Und wenn ihr euch diesen imaginären Felsbrocken nun noch extrem vergrößert vorstellt (beispielsweise auf die Größe des Mount Everest oder noch größer) dann habt ungefähr die Dimensionen erfasst, aus denen diese Geschosse bestehen.
Natürlich müssen diese außer Kontrolle geratenen Geschosse nicht unbedingt aus Fels bestehen, wie in unserem Beispiel ausgeführt. Es gibt diese gemeingefährlichen Brocken auch in Form von Eis oder noch halb glühend. Trotz solcher ohne Zweifel erschreckenden Fakten, gibt es noch Völker in der Galaxis, die sämtliche Warnungen in den Wind schlagen und diesen herumfliegenden Brocken völlig unverantwortlich und ohne Sinn und Verstand verdammt nahe kommen, wenn auch aus ganz unterschiedlichen Beweggründen.
So zum Beispiel die Valatarier.
Die Valatarier leben auf einem Planeten (Kiras 9) weit außerhalb der Weltraumhandelsrouten und das ist auch einer Gründe, warum die Valatarier auch heute noch jegliche Raumfahrzeuge meiden und jeden Besucher quer über den Planeten jagen, wenn er es wagt mit einem Raumschiff ihren Boden zu betreten. Es gibt verschiedene Theorien, warum die Bewohner dieses Planeten Raumschiffen so kritisch begegnen, aber keine schafft es die Experten zu überzeugen.
Bezüglich ihres merkwürdigen Verhaltens mit Asteroiden und Meteoriten gibt es folgende Erklärung:
Für Valatarier üben Meteoriten und Asteroiden eine unwiderstehliche Anziehungskraft aus, da sie fälschlicherweise davon ausgehen, dass das farbenfrohe Feuerwerk, was bei so ziemlich jeden vorbeischießenden Meteoriten auftaucht (sei's nun auf den Boden oder auf dem Himmel), nur von einer übernatürlichen Macht herrühren kann. Aus diesem Grund sind sie auch der festen Überzeugung, dass in diesen Geschossen der Schöpfer höchstpersönlich wohnt, der das Wasser, die Felder, die Blumen, die Bäume, die Felsen und so weiter erschaffen hat (Was der Schöpfer laut den Valatariern noch so alles erschaffen hat, können sie in deren Religionsbuch nachlesen, dass ungefähr mehrere zigtausend Seiten besitzt und das noch nie jemand ganz durchgelesen hat (was für eine Überraschung).
Aus diesem Grund ist es für diese Valatarier das Lebensziel schlechthin einen dieser Meteoriten (oder Asteroiden) in seiner vollen Größe zu erleben, da sie bedauerlicherweise davon ausgehen, dass sie damit dem Schöpfer höchst selbst in die Augen blicken. Bisher hat es keine Regierung geschafft die Valatarier von diesem Vorhaben abzubringen. Die Folge ist, dass sich viele Valatarier nach einer Weihung bei ihren Religionsgelehrten bei fast jedem kommenden Meteoriten (oder Asteroiden) in eins ihrer Raumschiffe setzen und bis auf wenige Kilometer an den Meteoriten (oder Asteroiden) ran fliegen. Natürlich würde jedem halbwegs normalen Menschen nicht im Traum einfallen sowas Riskantes auszuführen, aber die Valatarier sind in dieser Hinsicht echt hart in Nehmen.
Während der unglückselige Valatarier also mit dem vermeintlichen Schöpfer (Meteor/Asteroiden) nähere Bekanntschaft macht, werden auf dem Planeten sämtliche Fernseher eingeschaltet, um das nun folgende farbenfrohe Feuerwerk mitzuerleben. Das der ausgewählte Valatarier nun nicht mehr zurückkommen wird, scheint seltsamer kaum jemanden zu stören. Einige unabhängige Beobachter führen das auf die Religionsgelehrten zurück, die über die viele Gerüchte kursieren; beispielsweise sollen diese sehr gut Gedanken manipulieren können (auch über beträchtliche Entfernungen hinweg). Allerdings konnte niemand dafür Beweise liefern, da jeder, der dies erforschen wollte, auf mysteriöse Weise verschwand.
Stattdessen wird bei diesen Anlässen meistens der pangalaktische Donnergurgler gezückt und das ganze Ereignis bis tief in die Nacht gefeiert.


Natürlich gibt es jede Menge andere Völker, die ein ähnlich merkwürdiges Verhalten bezüglich von Meteoriten und Asteroiden pflegen. Hier verzichtet der Verfasser allerdings auf weitere Ausführungen, da er vor lauter Papierkosten schon längst Insolvenz angemeldet und nun von Hartz 4 leben müsste.
Und nochmal kurz auf die Kapitelfrage zurückzukommen:
Nein, Meteoriten und Asteroiden sind NICHT die besten Freunde von Weltraumabenteuern, außer man hängt Selbstmordgedanken nach oder hat erst kürzlich eine schwere Sinnkrise erlebt. In so einem Fall wünscht ihnen der Autor für ihr bevorstehendes Rendezvous mit dem kosmischen Geschoss viel Glück und lässt sie fragen, ob sie ihm nicht vorher sämtliche Bankdaten überlassen könnten. Danke sehr aufmerksam von ihnen.
Schließlich bräuchten sie die ja nicht mehr, oder?!


Ein letzter Zusatz noch seitens des Autors:
Aber falls einer dieser Brocken tatsächlich mal ihr Haus treffen sollte (und sie zufälligerweise grade in dem besagten Haus sind), sind mit ziemlich hoher Wahrscheinlichkeit mausetot.
Aber immerhin sind sie ihre Sorgen dann ein für alle Mal los. Echt beruhigend, nicht wahr?!








Nun zurück zur Geschichte:


Remus starrte missmutig auf seinen Schreibtisch an den er sich mittlerweile angelehnt hatte.
Genau aus diesen Gründen gab es Sternenkarten, die Weltraumreisenden dabei helfen sollten nicht blindlings in Planeten zu springen oder nähere Bekanntschaft mit schwarzen Löchern zumachen, die wie überdimensionale Staubsauger wirkten. Leider waren diese Sternkarten aufgrund einer elenden physikalischen Laune beim Lichtsprung, bei der sich Zeit je nach verwendeten Lichtsprungparametern änderte, häufig beim Erscheinen in dem betreffenden System schon längst zu antiquiert und veraltet, um sie noch sinnvoll benutzen zu können.
In den meisten Fällen landeten die Karten in solchen Fällen in den Tiefen des Weltraums oder man bot sie zum Verkauf an und verdiente wenigstens noch bisschen zusätzlich. Da einige Karten durch Lichtsprünge so sehr veraltet waren, als wären sie hunderte Jahre alt, konnte man sich mit dem richtigen Käufer (oder Doofen je nach dem) eine goldene Nase verdienen.
Remus seufzte.
Es war das erste Mal für ihn von diesem galaktischen Phänomen in Zwangsketten gelegt zu werden und schlimmerweise konnte man in einem Wurmloch nie mit Sicherheit sagen, ob und wann man je wieder rauskommen würde.
Zumal in einem Wurmloch immer das Risiko von Kollisionen bestand. Angefangen von noch harmlosen kleinen Steinchen, die an den Wänden eines Raumschiffs wie ein Klopfen an einer Tür klangen bis hin zu Felsbrocken mit einer Größe von Autos oder Lkws. Es war Remus auch schon einmal passiert, dass an seinem Raumschiff ein Astronaut in kompletter Ausrüstung vorbeigeflogen kam. Er wusste bis heute nicht, ob der Mann noch immer im Wurmloch herumvagadierte oder gerettet worden war.
Tatsächlich, so hatte Remus erst vor kurzem von einem seiner Geschäftspartner gehört, wurde das Hineingeraten in ein Wurmloch in irgendeinem System am Ende der Galaxis sogar inzwischen als Sport gehandelt. Einerseits wohl, weil die Bewohner sonst nichts zu tun hatten und nur das „Wir starren Löcher in die Luft und hoffen, dass mal etwas interessantes passiert“-Spiel praktizierten, anderseits aber auch, um sich den unmöglichen Steuergesetzen auf ihrem Planeten zu entziehen, weil der Pangalaktische Donnergurgler dort mehr versteuert wurde, als die Einnahmen der Superreichen, deren Tätigkeit darin bestand sich Tag ein Tag aus etwas hinter die Binde zu geben und anschließend über das Leben philosophierend eine Partie Schach zu spielen.
Remus lächelte hin sich hinein. Die Galaxis war schon sonderbar. Jeder, in welchem Beruf auch immer, ob als Weltraumforscher, Händler oder Söldner, schwärmte von seinen Erlebnissen, die ihm die vielen Reisen beschert hatten. Trotz der zweifellos vielen unentdeckten Gefahren im Weltraum, wo der Tod hinter jeder Ecke lauern konnte wie zum Beispiel durch Asteroiden, die einen in die Form von Atomen zerschlugen (je nach Größe des Asteroiden) oder auch durch geldgierige Piraten oder einfach durch unglückliche Umstände, waren Berufe, die in die unendlichen Weiten des Raumes führten im höchsten Maße beliebt. Wie Remus auf seinen Reisen festgestellt hatte, waren gerade Kinder von dieser Vorstellung irgendwann mit genug Ehrgeiz die Geheimnisse des Kosmos zu entdecken geradezu begeistert. Und davon gab es viele, denn es war grade erst ein kleiner Teil des Weltraums bekannt und erforscht, sodass es wohl noch viele Dinge gab, die die nächsten Generationen erforschen konnten.
Verärgert fuhr sich Remus mit der Hand über die Stirn. Dieses verdammte Wurmloch. Ausgerechnet jetzt, wo er einen wichtigen Geschäftstermin auf dem Planeten Ecaros II hatte; ein Planet, der die größten Shoppingcenter und Freizeitangebote im gesamtem Equaros-System besaß und deswegen berühmter war als der Präsident der galaktischen Allianz.
Ungeduldig trommelte Remus auf dem Sessel aus Teakholz herum, der vor seinem Schreibtisch stand und in dem er sich hingesetzt hatte, während sich in ihm eine stetige Unruhe breitmachte.
Verstohlen war er einen Blick auf seinen Computer, der ihm völlig unpassend ständige Werbeangebote von ach so tollen Geschäften an die Stirn knallte. Leider konnte er diese Meldungen auch nicht deaktivieren, da die VWH (Vereinigung der Weltraumhändler) vor ein paar Monaten die ganz fabelhafte Idee gehabt hatte, den Kommandanten, die Mitglieder in der Organisation waren, die Administratorrechte für ihre eigene Verkaufssoftware zu entziehen.
Das nannten sie wohl aggressives Marketing. Verärgert schüttelte Remus den Kopf. In solchen Momenten fragte er sich immer, warum er denn überhaupt noch Mitglied in dieser Organisation war. Denn außer, dass sie ihm seinen PC mit Werbeanzeigen und Spam in seinem E-Mail Konto zumüllten, bekam Remus von ihnen kaum etwas mit.
Wie so viele seiner Leidensgenossen war Remus auch nur Mitglied, weil die VWH eine Monopolstellung auf Handelspapiere hatte. Durch geschickte (und nicht immer ganz legale Geschäfte) hatte sich die VWH zum galaxisweiten Führer für Handel aller Art entwickelt. Wäre Remus kein Händler, sondern beispielsweise ein Pirat geworden, so hätte er diese Handelspapiere hochkant aus seinem Raumschiff geworfen und zuvor in hunderte kleine Stücke zerschnitten. Leider waren diese Handelspapiere für Weltraumhändler wie ihn überlebenswichtig, da man nur durch sie die Erlaubnis besaß mit Waren in VWH-Mitgliedssystemen zu handeln und dummerweise waren ein Großteil der zivilisierten Systeme VWH-Mitgliedssysteme. Durch geschickte Lobbyarbeit der VWH hatten sich nämlich fast alle Regierungen bewohnter Planeten zu einem Gesetz entschlossen, dass Handel ohne diese Handelspapiere unter Strafe stellte. Remus fand das Gesetz zwar unsinnig, aber leider wurde bei solchen Angelegenheiten nie nach seiner Meinung gefragt.
Zögernd warf Remus einen Blick auf die gegenüberliegende Wand, wo ein befreundeter Geschäftsmann ihm ein Bild mit den Grundsätzen der VWH aufgehängt hatte. Ein spöttisches Grinsen erschien auf Remus Gesicht, während er sich das Bild anguckte.
Hole aus jedem Geschäft das Größtmögliche heraus.“ (Sir John Peges, 2344-2385, Gründer der VWH)
Im Geiste wiederholte Remus den Satz mehrmals, während er an den Geschäftsmann dachte, der ihm das Bild vermacht hatte. Der Geschäftmann war ihm wie war wie einer dieser Ultrafans aus der Champions League vorgekommen. Wie konnte man eine einzelne Organisation nur so verehren? Remus fand das nicht normal und der einzige Grund, warum das Bild noch nicht im Müll gelandet war, war die Tatsache, dass die zwei Nägel, die das Bild an der Wand hielten, so verbogen waren, dass sie sich völlig in der Wand verkeilt hatten. Bisher hatte es keiner seiner Crewmitglieder geschafft, die Nägel aus der Wand zu holen.


Remus war ein Veteran unter den Weltraumhändlern. Schon früh als Kind hatte er den Traum gehabt zu den Sternen zu fliegen und auch schon um diese Zeit hatte er seinen Drang zum Entdecken gespürt. Trotzdem konnte er erst mit Anfang dreißig seinen Lebenstraum erfüllen, den er so lange gehegt hatte. Denn es war nicht einfach als Berufseinsteiger hier einen Fuß auf den Boden zukriegen. Allein einen Rang zu haben, der es ermöglichte sich ein eigenes Raumschiff zu kaufen (und somit genug Geld zu besitzen), war in etwa so schwer zu bekommen, wie einen Mann vom Alkohol wegzubekommen, der schon seit zehn Jahren oder mehr am Stück vier oder fünf Flaschen Wodka trinkt.
Man braucht also eine verdammt lange Zeit oder sehr viel Ehrgeiz, um sich in so einem Job innerhalb eines Leben den nötigen Respekt zu verschaffen nach dem jeder Weltraumabenteurer und -Händler strebt. Außer man hat das Glück schon gleich in die Familie von Weltraumabenteuern oder -Händlern hineingeboren zu werden, wo man nicht mal besonders viel Ehrgeiz oder einen bestimmten Rang braucht, da man eh schon als Nachfolger der Familientradition gehandhabt wird (und die Familie garantiert für alle Kosten aufkommen wird, egal wie extravagant sie auch sein mögen).
Weniger einfach und auch ziemlich riskant ist es, wenn man mithilfe von Söldnern oder Piraten versucht in einen dieser Weltraumberufe einzusteigen. Denn selbst wenn man sich in der Hierarchie hochgearbeitet, den alten Boss umgelegt und nun selber Kommandant ist und eventuell sein Schiff mit allem erdenklichen Luxus ausgestattet hat (und der Meinung ist die Mannschaft wäre hundertprozentig loyal zu einem), kann es ganz schnell passieren, dass man sich an wunderschönen Löchern in seinen Kopf erfreuen kann und Bekanntschaft mit dem lieben Gott macht.
Sie sehen werte Leser die erstgenannte Gruppe an Berufseinsteigern hat es wesentlich leichter.
Doch selbst wenn man es geschafft hat, sich einen Ruf zusammen mit dem nötigen Kleingeld zu erarbeiten und der Kommandant einer Mannschaft ist, steht man immer noch vor der schwierigen Frage: Welches Raumschiff soll man nehmen?
Schließlich gibt es tausende Variationen von den verschiedensten Raumschiffstypen, sodass in der gesamten Galaxis keiner mehr den Überblick behält. Die ganz Verwegenen, die sich trotzdem an die Mammutaufgabe gewagt haben und versuchten den Wust an Raumschiffen in Büchern zusammenzufassen, sind entweder schon lange wahnsinnig geworden oder haben als junge Männer angefangen und nähren sich jetzt schon beängstigend schnell dem gehobenen Rentenalter. Und selbst dann sind ihre halb fertigen Bücher längst wieder überholt, da schon wieder zig neue Raumschiffsvariationen auf den Markt geworfen sind. Sie sehen also, lieber Leser, dieser allseits gehasste Job (unter allen Lebensformen) in der Galaxis ist der größte Zeitfresser, der jemals in der Galaxis in Erscheinung getreten war.
Hierzu nun ein Ausschnitt aus einem der meistbeachtesten Werke, die die Verlage Mirsir Quaro je herausgebracht haben:


Eintrag aus dem galaktischen Lexikon von Gabul Harjam
Kapitel 16: Raumschiffbeschaffung für Anfänger


Es gibt mehrere Preisklassen für Raumschiffe. Da jeder Raumschiffhändler häufig ganz eigene Preisgrenzen festlegt sind die folgenden Aussagen verallgemeinert (es kann also noch viel schlimmer kommen als in diesem Kapitel beschrieben). Trotzdem versucht der Verfasser des galaktischen Lexikons angehenden Weltraumberuflern einen Überblick über die verschiedenen Leistungsklassen geben, sodass zumindest ein gewisses Grundwissen vorhanden ist.


  1. Niedriges Preisniveau (Ramschniveau):
Wie der Name schon sagt, sollte man als informierter und ehrgeiziger Käufer nie Raumschiffe dieser Klasse kaufen. Es besteht eine ziemlich hohe Wahrscheinlichkeit, dass einem das Raumschiff auf dessen Jungfernflug unter dem Arsch explodiert (und man selber in seine Ursprungsatome zerlegt wird) oder, wenn man etwas mehr Glück hat, nur ohne sein Raumschiff auf dem Landeplatz angeschnallt und auf dem Kommandositz des inzwischen entflohenen Raumschiffes sitzend eine lichterfrohe Show am Himmel sieht (und auf vielen Planeten zum Partyclown hoch drei wird). Tatsächlich sind diese Raumschiffe höchstens den Leuten zu empfehlen, die so unendlich am Boden zerstört sind, dass sie darüber nachdenken, Selbstmord zu begehen. Natürlich ist das für solche Leute, die sich mit Selbstmordgedanken herumplagen, ungeheuer attraktiv, da man schnell aus dem Leben scheiden kann und das auch noch ohne Schmerzen, da man in einem explodierenden Raumschiff so schnell tot ist wie man „Aua“ gerade mal denken kann. Andere Leute, vor allem aus dem kriminellen Milieu, schwören auf solche Raumschiffe, um lästige Konkurrenten loszuwerden, die ihnen zu gefährlich werden könnten oder Beweise haben, die sie ins Gefängnis bringen würden. Der Vorteil dieser Eliminierungsmethode liegt auf der Hand: Es ist für die jeweilige Regierung einfach viel zu teuer und aufwendig noch Beweise gegen einen Typen zu finden, der sich mit den Beweisen längst im Weltraum in winzige kleine Atome verdünnisiert hat.


  1. Mittleres Preisniveau (Vernünftiges Niveau):
Für alle angehenden Weltraumberufler, die weder an Größenwahn noch an besonders ausgeprägte Selbstmordgedanken leiden oder besonders extravagante Wünsche haben. Mit anderen Worten: Jede zivilisierte und halbwegs normale Spezies im Weltraum kann eigentlich nicht viel falsch machen, wenn sie ein Raumschiff dieser Preisklasse kauft. Allerdings sollte man trotzdem nicht jedem Händler blind vertrauen, auch wenn er ihnen noch so seriös vorkommt, da sich zwischen ehrbaren Händlern leider immer wieder solche verstecken, denen es nur ums Geld und so sehr lügen, dass sich die Balken biegen. Leider merkt dies der Käufer meist erst dann, wenn er schon im Weltraum ist und den Lichtsprung machen will. In 99% dieser Fälle werden die unglückseligen Käufer nie mehr gesehen. Ein Ratschlag nebenbei, um auf solche Händler nicht hineinzufallen: Bitten sie am besten jeden Händler, der mit Raumschiffen handelt, mal einen Probeflug mit ihrem auserkorenen Raumschiff zu machen. Sollte der Händler abwiegeln oder sie zu überreden versuchen, dass SIE doch die Flugtüchtigkeit austesten könnten, sollten sie sehr schnell einen anderen Händler aufsuchen. Und zwar sehr sehr schnell...


  1. Hohes Preisniveau (Das man's kann's auch übertreiben-Niveau):
Um es auf den Punkt zu bringen: Jeder normale Käufer kann diese Raumschiffklasse getrost links liegen lassen. Zum einen sind solche Raumschiffe extrem teuer und können sich durch optionale Zusatzeinbauten noch so sehr verteuern, dass Normalbürger allein bei dem Versuch sich den Preis ungefähr vorzustellen sofort zum Donnergurgler greifen, um ihre Nerven zu beruhigen. Tatsächlich gibt es für Raumschiffe unendlich viele optionale Zusatzeinbauten, die kaum noch einer auseinander halten kann. Daher ist es den Händlern von Luxusraumschiffen auf einigen Planeten schon jetzt per Gesetz verboten worden solche Raumschiffe zum Verkauf anzubieten.
Um diesem Wirtschaftszweig trotzdem eine Weiterexistenz zu ermöglichen vergeben die Regierungen auf den betreffenden Planteten Lizenzen, die den Händlern eine Maximalgrenze für Zusatzeinbauten vorschreiben und somit die Menge an optionalen Einbauten begrenzen. Auf anderen Planeten sind solche Händler inzwischen schon dermaßen unbeliebt, dass sie von der Bevölkerung mit allerlei Haushaltsgeräten dazu „überredet“ werden sich doch bitte schön zu verziehen und andere Leute um ihr hart verdientes Geld zu bringen.
Daher haben es Händler dieser Preisklasse in der Galaxis am Schwersten, da sie häufig von vielen Regierungen verdächtigt werden, die Reichen so sehr um ihr Geld zu bringen , dass es sich für die Regierungen gar nicht mehr lohnt speziell für Reiche Steuern zu erheben, da diese entweder nach solchen Käufen kein Geld mehr haben oder sich kurzerhand in andere System absetzen, um den Steuergesetzen zu entfliehen. Trotzdem sind solche Händler meistens ungeheuer reich, weswegen ihnen solche Kritik völlig egal ist, da sie sich in den meisten Fällen notfalls mit Geld Schweigen oder Zustimmung erkaufen.
Auszug Ende



Müde strich Remus sich über die Augen und ließ gedankenverloren seinen Blick durch seine Kabine an. Sie war so sauber wie es sich für einen Wohnort eines Kommandanten gehörte. Aber trotzdem… irgendwie störte ihn die Sauberkeit gerade massiv.
Nicht, dass es wirklich von Belang war. Aber trotzdem. Er fühlte sich gerade einfach nicht wohl und hatte solche Momente, wo ihm nichts gefiel und wo er am liebsten jeden auf den Mond geschossen hätte. Remus ließ den Blick durch die Kabine schweifen und musste unwillkürlich lächeln, als er daran dachte, wie andere Kommandanten ihre Kabinen einrichteten. Schmuck. Wertvolle Handreliefs in Möbeln und manchmal sogar noch einen eigenen Bedienungsroboter. Einige gingen sogar soweit, dass sie sich dem Status willen keinen Bedienungsroboter kauften, sondern gleich einen menschlichen Diener.
Remus hatte sowas nicht. Er verachtete es. Trotzdem musste er in einem kleinen Teil von sich zugeben, dass solche prunkvollen Einrichtungen durchaus etwas Reizendes hatten.
Allerdings kam ihm das wie ein Verrat an die Besatzung vor, die nur mäßige Unterkünfte besaß. Außerdem hatte er nur mit Schaudern bei einem Freund, der auch wie er Händler war, mit ansehen können, wie viel andere Kommandanten für diese luxuriösen Umbauten in ihren Raumschiffen ausgegeben hatten. Inzwischen gab es sogar eine eigene Zeitschrift, die die schrägsten und übertriebensten Komfortextras auflistete, die sich Kommandanten mit zuviel Geld gekauft hatten.
Er war sich hingegen bewusst, wie gefährlich und wechselhaft das Geschäft mit dem Geld war und sparte lieber an allen Ecken und Enden, um das Geld dann wenigstens sinnvoll auszugeben wie zum Beispiel für sein Raumschiff. Eine Ausnahme bildete nur sein Sohn Jaili, der schon seit seinem 6.Lebensjahr bei seinem Vater auf dem Raumschiff lebte. Momentan war der Junge knapp 11 Jahre alt. Freiwillig war der Umzug auf Remus Raumschiff leider nicht gewesen, was Remus schöner gefunden hätte. Aber die Umstände, die Remus gezwungen hatten seinen Sohn mitzunehmen und ihn von seiner restlichen Familie, seinen Freunden und überhaupt seinem vertrauten Umfeld zu trennen waren welche, die Remus noch heute Alpträume bescherten. Und das, obwohl dieses Ereignis schon Jahre zurücklag.
Es graute ihn immer noch vor der Vorstellung, was passiert wäre, wenn er nicht aufgetaucht wäre. Wahrscheinlich würde auch sein Sohn nicht mehr leben. Seine Spucke schmeckte bitter. Seine Frau, seine geliebte Bellatrix, die ihm ein so wundervolles Kind geschenkt hatte, hatte er nicht mehr retten können. Unwillkürlich rieb er sich die Augen.
Er konnte von Glück reden, dass er gerade noch rechtzeitig gekommen war, um seine Frau auf den letzten Stunden ihres Lebens zu begleiten. Ihre letzten schmerzerfüllten Worte und ihr bleiches Gesicht, ausgezehrt von der Krankheit, die auch Jaili bekommen, allerdings dank Remus Chefarzt überlebt hatte, brannten Remus immer noch in seinem Gewissen. Er glaubte nicht, dass er jemals in seinem Leben den Schmerz vergessen konnte. Es war als ob er tief in seinem Herzen einen Eiskristall stecken hatte, der sich einfach nicht löste.


Noch immer spürte eine drückende Wut auf die Galaktische Allianz, wenn er an diese Zeit dachte, weil ihn diese bis zu letzten Sekunde versucht hatte ihn von seiner Familie fernzuhalten und zwar mit immer der gleichen Ausrede: Der Planet steht unter Quarantäne. Immer noch war es für Remus ein Rätsel, wie die Bevölkerung, immerhin um die sechzig Millionen Menschen groß, innerhalb von nicht einmal zweieinhalb Wochen praktisch von einer einzigen Krankheit ausgelöscht werden konnte, obwohl dieser Planet einen der höchsten medizinischen Standards der Galaktischen Allianz besaß. Selbst für seinen Chefarzt, der Jaili behandelt hatte und ein anerkannter Mediziner war und sich mit dutzenden Krankheiten auskannte, war diese Krankheit gänzlich unbekannt gewesen. Damit hatte er sich in guter Gesellschaft mit den anderen Spitzenärzten befunden, denn auch die Ärzte, die die Krankheit im Auftrag der Planetenregierung und der galaktischen Allianz untersucht hatten, hatten nicht den blassesten Schimmer gehabt welcher Krankheit sie hier gegenüber gestanden hatten. Nur eines war sehr schnell klar gewesen: Sie war höchst tödlich und wahrscheinlich aus dem tiefsten Weltraum eingeschleppt worden.
Unter rationalen Gesichtspunkten war die Quarantäne damals sogar gerechtfertigt gewesen, aber Remus war kein rational veranlagter Mensch wenn es um seine Familie ging. Und nicht rationale Menschen neigen immer dazu alles für sie Wichtige zumachen, egal wie schwachsinnig oder töricht die jeweilige Aktion ist.
Und so war er trotz aller Vorbehalte seiner Crew mitten durch eine ganze Armada von Kriegsschiffen geflogen, hatte sich den oder anderen Schaden an seinem Raumschiff geholt, nur um festzustellen, dass mehr als die Hälfte der Bevölkerung schon umgekommen war, er seine Frau nicht mehr habe retten können, sämtliche staatliche Institutionen ausgefallen waren und er seine Familie selber finden musste.
Beinah hätte er auch seinen Sohn verloren, weil er Stunden gebraucht hatte seine Familie inmitten eines Hauses, dessen beste Tage auch schon vorbei waren, wiederzufinden.
Seine Frau, die durch die Krankheit praktisch nur noch aus Haut und Knochen bestand, konnte er nur noch auf dem Sterbebett sehen. Auch ein anständiges Begräbnis war ihm nicht möglich gewesen, weil er sich um Jaili kümmern musste, obgleich er schon manchmal nahe daran gewesen war aufzugeben. Denn der Junge hatte, nachdem er auf die Krankenstation seines Raumschiffes gekommen war, immer wieder Rückschläge erlitten. Koma und heftige Alpträume waren da die geringeren Sorgen.
Mehrfach hatte Remus damals schon gedacht sein Sohn würde auch sterben und hatte sogar schon ein Bestattungsunternehmen angerufen, damit er seinem Sohn die letzte Ehre erweisen konnte. Aber immer wieder hatte Jaili den Kampf mit der tödlichen Krankheit aufgenommen. Damals wurde Remus das erste Mal klar was für eine starke Kämpfernatur sein Sohn war.
Glücklicherweise konnte die Krankheit noch rechtzeitig eingedämmt werden, sodass sie Jaili nicht an den lebenswichtigen Stellen erwischt hatte. Nach ganzen zwei Wochen war Jaili erstmals wieder aus seinem komaähnlichen Zustand aufgewacht. Remus erinnerte sich noch mit Grauen und gleichzeitiger Freude an das Gesicht von Jaili. Zwar wurde Jaili wieder gesund, aber trotzdem nagte an Remus eine Furcht, die er nicht unterdrücken konnte so sehr er sich auch bemühte.
Noch immer wusste Jaili nichts davon, wieso er ohne Mutter aufwuchs, denn die Krankheit hatte einen grausamen Nebeneffekt, den nicht einmal sein salarianischer Chefarzt Liko Terres vorausgesehen hatte: Praktisch alle Erinnerungen vor dem Ausbruch der Krankheit waren irgendwie aus Jailis Kopf gelöscht. Ähnlich wie bei einem Zrücksetzen eines Computers. Der Junge selber merkte das nicht und Remus achtete auch darauf, dass keiner aus der Crew dieses Thema ansprach. So wusste der Junge nicht mal, was mit seiner Mutter passiert war.
Trotzdem war Remus völlig klar, dass er seinem Sohn diese Sache nicht ewig vorenthalten konnte. Irgendwann würde der Moment der Wahrheit kommen.
Und dann konnte er nur hoffen, dass er es dem Jungen schonend beibringen konnte. Ansonsten…gute Nacht.
Nicht dass Remus seinen Sohn fürchtete, aber es war bestand immer ein gewisses Risiko so ein emotionales Gespräch mit ihm zu führen. Der Junge war nämlich sehr scharfsinnig als auch sehr empfindlich was persönliche Dinge anging und konnte sich tagelang mit seinem Zorn im Raumschiff von Remus verstecken. Und wenn sein Sohn nicht gefunden werden wollte, wurde er das auch nicht.


Remus seufzte noch einmal und fuhr sich übermüdet über die Stirn. Mit leicht pochender Stirn warf er einen Blick auf die gegenüberliegende Standuhr neben seinem Befehlsterminal. Die Standuhr, die er mal als Ausgleich für nicht bezahlte Schulden angenommen hatte, tickte leise vor sich hin. Aufgrund der Tatsache, dass sie schon mehrere Jahre alt war, sah sie so aus, als wäre sie vom Sperrmüll. Es war halb drei.
Hatte sich der Schuldner damit nur eine blaue Nase statt einen Blasterschuss in den Kopf erkauft?! Remus wusste es nicht mehr. Genauso war im klar, dass er solche rüde Methoden nicht mehr anwenden würde. Nicht, wenn er jetzt eine Vorbildfunktion im Leben seines Sohnes einnahm. Und Jaili Angst zu machen war das letzte, was er wollte. Er wollte von seinem Sohn nicht als gefühlloses Monster abgestempelt werden.
Gelangweilt blätterte er durch die Seiten des Holopads, das im Laufe der Jahre mit allen erdenklichen Themen ausgefüllt worden waren. Da war Nützliches wie zum Beispiel eine komplette Galaxiskarte (leicht veraltetet, aber durchaus noch brauchbar) oder eine kurze Beschreibung, wie man ohne Strom auf einem Raumschiff mehrere Minuten überleben konnte, aber auch total unnütze Sache, die hauptsächlich von Jaili stammten, der eine Sammelleidenschaft für alles Lustige und Schwachsinnige entwickelt hatte. Zusätzlich fand sich im Holopad zu Remus Erstaunen eine Liste mit äußerst exquisiten und teuren Restaurants, die er, so nahm sich Remus fest vor,
mal besuchen musste, sofern er Zeit dafür fand. Eventuell beim nächsten Geburtstag seines Sohnes.
Leicht amüsierte verweilte er längere Zeit auf einer Seite, bis der Lautsprecher in der Ecke seiner Kabine aufkrächzte.
Wichtige Durchsage an den Kommandanten der Atlantia: Erbitte sofortige Anwesenheit auf der Brücke. Wichtigkeitsstufe: Gelb!“
Erschreckt fuhr Remus hoch… und knallte mit der Stirn an die Ecke des Wandregals, das über ihm hing. Heftiger Schmerz explodierte irgendwo oberhalb seiner Stirn. Wieso zum Donnerwetter wollte sein Sohn nicht, dass er das Wandregal umbaute?!
Eigentlich, so fand Remus, würde das Wandregal neben der Wanduhr oder dem Computer sehr viel besser passen.
Verdammtes Regal, warum muss so etwas immer mir passieren?“ Fluchend setzte er sich auf und rieb sich die schmerzende Stelle an seiner Stirn. Irgendwie hatte er das Regal noch nie gemocht. Dummerweise konnte er es nicht einfach abschrauben. Zwar befand sich das Werkzeug im Laderaum im hinteren Teil des Raumschiffs, aber er hatte nur eine theoretische Kontrolle über den Raum. Wie alle Räume auf dem Raumschiff war auch dieser eigentlich der Befehlsgewalt von ihm ausgeliefert; sprich er hatte die ganzen Codes und Zugriffsrechte. Offiziell. Denn inoffiziell war der Computer Eddie derjenige, der praktisch über alles bestimmen konnte. Remus hatte das nie vorgesehen, aber sein Sohn, der sich mit Eddie prächtig verstand, hatte einfach mal eines Abends, als keiner auf der Brücke war, sämtliche Zugriffsrechte für Eddie aufs gleiche Niveau gesetzt wie Remus Rechte als Kommandant. Obendrein hatte er sämtliche Codes in einen Ordner gesteckt, den nur er selbst öffnen konnte. Seine fixe Idee Eddie wäre doch auch ein halbes Lebewesen hatte dem Jungen mächtig Ärger mit Remus eingebracht. Remus erinnerte sich noch gut daran, dass er seinen Sohn, als er Wind von der Sache bekommen hatte, so sehr ausgeschimpft hatte, dass der beinah einen Weinanfall gekriegt hätte.
In einer Sache hatte Jaili aber trotz des Streits Recht behalten: Weder Remus noch der beste Techniker an Bord hatte diesen gesperrten Ordner knacken können. Seitdem musste Remus sich damit abfinden, ab und zu keine Autorität über sein Schiff zu haben und dass er sich mit Eddie arrangieren musste, da der Computer sonst gerne mal sämtliche Räume sperrte und das gesamte Schiff lahm legte. Ächzend stand Remus auf. Ein bisschen nagte das Leben, so wie er es führte, an seinen Nerven.


Bevor er sich in Richtung Kabinentür bewegte machte er noch einen Abstecher zum Kühlschrank. Mit einer routinierten Bewegung nahm er sich sein Lieblingsgetränk. Diese berühmte und berüchtigte Flüssigkeit hatte einen ganz eigenen Flair, den Remus auch blind erkannt hätte. Es handelte sich um den sogenannten pangalaktischen Donnergurgler.


Um dem geschätzten Leser das Verständnis zu erleichtern folgt vonseiten des Autors hier ein kleiner Infotext über dieses allseits beliebteste Getränk in der Galaxis.






Eintrag aus dem galaktischen Lexikon von Gabul Harjam
Kapitel 14: Dinge, die jeder Weltraumabenteuer unbedingt braucht.


Teil 1: Der pangalaktische Donnergurgler


Bei diesem Getränk handelt es sich um eine farblose und fast geruchsfreie Flüssigkeit, die mittlerweile nahezu jedes andere alkoholische Getränk ersetzt hat.
Das Gerücht, wie dieser unglaubliche Donnergurgler überhaupt entstanden war, ist genauso unglaubwürdig wie Eddies Persönlichkeit und sogar so unglaubwürdig, dass sich nicht einmal die größten Wissenschaftler der Galaxis, allgemein auch als die größten Drogen zu sich nehmenden Schwachköpfe genannt, sich einigen konnten woher denn der eigentümlicher Geschmack des Donnergurglers eigentlich herkam. Ihre Theorien sind genauso abwegig wie die anderen Gerüchte, die überall in der Galaxis kursieren (und davon gibt's es mehr, als es Sterne im gesamten Universum gibt).
Zum Beispiel diese hier:
So gibt es die Theorie eines alten Einsiedlers, der irgendwo am Ende der Galaxis lebt (auch wenn man wissenschaftlich gesehen das Ende der Galaxis nicht Ende der Galaxis nennen kann, weil die Galaxis einfach so unglaublich groß ist, dass man egal, wo man ist nie ein Ende sieht).
Dieser Einsiedler, der wohlgemerkt am sogenannten „Ende“ der Galaxis wohnt, schien vor dem Alkohol nicht ganz gefeilt zu sein, denn das ist laut dem Lexikon der unmöglichen Zustände und Geschichten die einzige halbwegs logische Erklärung für die Theorie des Einsiedlers.
Laut der Theorie dieses Einsiedlers, dessen Hütte so aussah, als hätte der verantwortliche Bauunternehmer irgendwann die Lust verloren und seinem vollkommen betrunkenen Gehilfen die weitere Arbeit überlassen, entstand die Urform des Donnergurglers erst auf einem fast unbewohnten Planeten, der eine Bevölkerung von ungefähr ein paar Dutzend Leute hatte, die schließlich darüber philosophierten, warum gerade auf ihrem Planeten so gut wie nie etwas passierte. Um an diesem Umstand etwas zu ändern begannen sie schließlich Zutaten zu mixen, die kein normaler halbwegs zivilisierter Mensch mixen würde. Allein, um die Grobmischung zusammen zu mixen, brauchten sie mehrere Jahrhunderte, da ständig irgendjemand die bis dahin aufgeschriebene Formel verlegte, obwohl diese auf einen dicken Felsen festgehalten wurden. Eventuell lag das ständige Verlegen der Formel auch an den Witterungsverhältnissen (viele Stürme etc.) und den geographischen Gegebenheiten, was allerdings nie bewiesen wurde, da keiner in der Bevölkerung bereit war seinen Kopf ein bisschen anzustrengen, um das Rätsel zu lösen.
Anmerkung des Verfassers dieses Artikels: Diese Sache ist vielleicht einfacher zu verstehen, wenn man dazusagt, dass diese Bevölkerung einen wissenschaftlich erwiesenen IQ von unter 50 hatte.
Das, so würden wohl einige meinen, wäre fast unmöglich. Dazu muss man wissen, dass die Gehirne von diesen Ureinwohnern ursprünglich ein schrecklich deformiertes Organ war, dass leider gar nichts mit dem Gehirn zutun hatte; nämlich der Magen. Das, so würden einige meinen, ist nicht nur fast unmöglich sondern vollkommen unmöglich.
Vielleicht ist diese Tatsache einfacher zu verstehen, wenn man dazu sagt, dass alle Leute, die diese Beurteilung vorgenommen haben, selber ihr ganzes Leben lang Unmengen an 80 % prozentigen Alkohol getrunken haben und denen man deswegen nicht wirklich zutrauen kann, dass sie im Vollbegriff ihres geistigen Denkvermögens waren.
Hört man sich die Theorie nun weiter an, auch wenn sie weiterhin schwachsinnig und ohne Sinn ist, dann haben es diese Ureinwohner trotz ihrer Probleme fertiggebracht den ersten Donnergurgler der Galaxis zu produzieren. Leider wurde just in diesem Moment die ohnehin kleine Population ausgelöscht und nur durch einen glücklichen Zufall kam der Prototyp dieses Getränkes auf das Raumschiff eines Händlers, dessen Schiff dann in einem Wurmloch verschwand und erst dreihundert Jahre später wieder austrat. Vom Händler fand man nur noch das Skelett, aber der Donnergurgler war durch die Jahrhunderte so weiter gereift, dass man schon nach ein paar Schlucken so zugedröhnt war, dass man nicht mehr oben von unten unterscheiden konnte. Einigen später berühmten Leuten wurde das zum Verhängnis. Diese ganze Theorie ist natürlich genauso haarsträubend wie die anderen Theorien, sodass es sich auch nicht lohnt weitere Theorien nähr zu beschreiben. Tatsache ist, das der Donnergurgler einen phänomenalen Aufstieg in der Galaxis hinlegte und inzwischen in jedem halbwegs ziviliserten System zu finden ist und den ordinären Alkohol fast vollständig verdrängt hat.


Auszug Ende


Nun kann es mit der Geschichte weitergehen.


Nachdem Remus sich ein paar Schlücke des Donnergurglers gegönnt und das Getränk wieder in den Kühlschrank gestellt hatte, machte er sich auf den Weg zum Fahrstuhl der Ebene 2 (mit einem leicht schummerigen Gefühl im Kopf).
Auf den Weg dorthin begegnete er Sarid, der hier als Systemanalytiker und Chefmechaniker arbeitete und eine innige Hassfreundschaft mit Jaili pflegte, der es als Lebensaufgabe sah den Systemanalytiker so weit wie möglich zu triezen, indem der Junge die Sicherheitsvorkehrungen zum Spaß umging und Sarid damit indirekt dazu aufforderte ihn als gleich gestelltes Crewmitglied zu betrachten.
Sarid wiederrum hatte sich noch nie mit dem Gedanken anfreunden können, Kinder auf solchen komplexen Raumschiffen zu haben. Er war der Meinung, dass Kinder egal welchen Alters nichts auf solchen Raumschiffen zu suchen hatten und schon gar nicht mit soviel Freiraum wie Remus seinem Sohn einräumte. Aus diesem Grund hatten er und Jaili sich noch nie sonderlich gut verstanden.
Remus Sohn wusste inzwischen sehr genau wo die Grenzen waren, die auf dem Raumschiff von Remus galten. Anfangs war das noch nicht der Fall gewesen, weswegen sich sich Remus Sohn viel Ärger eingehandelt hatte, da er noch nicht wusste, wo hier bei Remus Raumschiff die Grenzen waren. Aufgeschrieben waren sie nicht, denn Remus war der Auffassung, dass jeder Neuankömmling auf seinem Schiff selbst lernen sollte, was erlaubt war und wo der Spaß aufhörte.
Nicht, dass es Remus ab und zu keinen Spaß machte, wenn er sah, wie Jaili und Sardi den nächsten virtuellen Schlag gegeneinander schlugen; es durfte nur nicht übertrieben werden.
Manchmal konnte es sich Remus auch nicht verkneifen auf der Seite von Jaili etwas nachzuhelfen, der in solchen Fällen geflissentlich still hielt und höchstens mittels geheimen Chatkanal oder persönlich nachfragte, was Remus denn nun da gemacht hatte.
Sowieso musste sich sein Sohn in den ersten Monaten seinen Platz in der Crew teilweise erkämpfen. Denn der Junge, der ein Teil seiner Kindheit auf dem Planeten in der Obhut bei Remus Frau gelebt hatte, musste erst lernen, wie er es schaffte in der Crew akzeptiert zu werden. Leicht war ihm das nicht gefallen, aber dadurch, dass er zuerst auf die wichtigen Besatzungsmitglieder in Remus Crew zugegangen war hatte er sich ein Polster gebaut, dass ihn in Notzeiten auffing. Dies hatte ihm häufig gute Dienste geleistet und jetzt war Jaili bei vielen in der Crew als ein vollwertiges Mitglied anerkannt.
Nein, ich habe das Steuerprogramm der Triebwerke nicht umgeschrieben. Ich wollte nur eine Sicherheitslücke beheben. Lass mich los, verdammt nochmal!“ Jaili, fest im Griff vom Chefmechaniker des Schiffes gefangen, versuchte sich unwirsch los zureißen. Ohne Erfolg. Mittlerweile hatte Sarid mit Jaili im Gepäck Remus erreicht.
Remus, der den lauten Wortwechsel aufmerksam verfolgt hatte geworden setzte schnell sein Pokerface auf, für dessen Können er im ganzen Schiff beneidet wurde. Mit einem leichten angeklagenden Blick fragte er dann seinen Chefmechaniker: „ Sardi! Was ist denn nun schon wieder los? Ihr wisst, dass ich es nicht leiden kann, wenn ihr euch mal wieder in den Haaren habt!“ Für nicht mal eine Sekunde zwinkerte er Jaili zu, der immer noch mit mürrischem Gesicht im Griff des Mechanikers gefangen war.
Commander!“, fing Sardi wutentbrannt an, „Ihr Sohn hat sich schon wieder an der Software der Triebwerke vergriffen. Ich verlange, dass solche Taten auf ihrem Schiff nicht mehr vorkommen. Wo kämen wir da denn hin, wenn jeder überall an der Schiffssoftware herumbasteln würde?!“
Remus seufzte innerlich und gleichzeitig spürte er ein Zucken, dass er nur mit Müh und Not verstecken konnte. Dann schenkte er seinem Sohn einen langen leicht anklagenden Blick.
Haben Sie denn einen Beweis?“, fragte er Sardi mit hochgezogenen Augenbrauen.
Sardi nickte und hob demonstrativ sein Datapad hoch.
Nun gut. Dann zeigen Sie mal her!“, forderte Remus seinen Chefmechaniker auf, der das Datapad immer noch umklammert hielt. Obwohl die Daten für Laien ein reiner Buchstabensalat wären, war Remus klar, dass er diesmal den Hals seines Sohnes nicht aus der Sache herausziehen konnte. Da war wohl mal wieder ein ernstes Gepräch nötig.
Ausraster konnte er sich als Kommandant nicht erlauben, sodass er mit ruhiger Stimme seinem Sohn einen eindeutigen Befehl erteilte. Normalerweise versuchte er solche Situationen zu vermeiden.
Jaili, geh bitte sofort auf deine Kabine. Ich werde mich später noch mit dir unterhalten! Jetzt!“, fügt er noch hinzu, als Jaili den Mund aufmachte, um zu protestieren. Äußerlich veränderte sich Jailis Verhalten nicht, aber Remus erkannte deutlich die Wut in den Augen seines Sohnes. Nachdenklich sah er Jaili mehrere Sekunden nach, als dieser sich fluchend wie ein Rohrspatz auf den Weg zu seiner Kabine machte.
Brauchen sie das Datapad noch, Sir?“, wurde er dann von Sardis Stimme abgelenkt, „Ich wollte noch die Steuerungssoftware für die Repulser-Fusionstriebwerke konfigurieren, falls sie mich jetzt nicht gerade für etwas anderes brauchen.“ Die Zufriedenheit in Sardis Stimme war nicht zu überhören.
Nein, Nein, Sardi. Machen sie ruhig ihren Job. Ich muss sowieso noch zur Brücke; da scheint es wohl ein Problem zu geben.“
Verstanden, Commander.“, entgegnete Sardi und wollte sich schon umdrehen, als ihm die Beule am Kopf des Commanders auffiel. Er räusperte sich.
Haben sie daher Beule am Kopf?“
Remus grinste leicht. „Wie man’s nimmt. Die Brücke war eigentlich nur indirekt Schuld. Das Hauptproblem war der Schrank, der über meinem Bett hängt.“
Sardis Mundwickel zuckten verdächtig als er antwortete. „Sie sollten wirklich mehr aufpassen, Commander!“, meinte er dann und wandte sich ab, um in Richtung der Maschinenräume in den Aufzug zu gehen.
Remus sah noch kurz Sardi hinterher bevor er sich wieder in Bewegung setzte. Nach einer Weile hatten ihn seine Beine unbewusst zum Aufzug der Ebene A gezogen, wo die Fahrstühle durch eine Softwareaktualisierung plötzlich wie in einer Disko leuchteten, damit sie wenigstens die Illusion hatten sie würden sich nicht langweilen. Dank einer vollkommen verblödeten Organisation hatten die Dinger nun ein sogenanntes Menschlichkeitsbild.
Zwar hatte die ganze Galaxis aufgestöhnt, aber egal wie oft die Hotline dieser Chaostruppe angewählt wurden war, wurden die Anrufer gleich auf eine ellenlange AGB hingewiesen, die länger als die Bücher „Wie komme ich heil durch Galaxis“ und „Die Gesetze und Regeln in einem vollkommen verwirrenden Universum, die eh keiner versteht“ ist sowie länger als die Gedichte von den Panaischen Dichtern, wo es sowieso immer nur darum geht, dass ein Girlwesen mit einem Boywesen durchdreht, sich beide streiten und am Ende alle Selbstmord begehen (wobei die Macher immer wieder gerne darauf hinweisen, dass der Nachtrag nochmal zehnmal länger ist als das eigentliche Gedicht; aber dass, so betonen die Macher, ist natürlich vollkommen unwichtig).
Die allseits anerkannte Vermutung von den Bewohnern vieler Planeten war, dass die Organisation nur von ihrer eklatanten Geistesschwäche ablenken wollte, um nicht noch mehr Ärger zu beschwören und als Vollidioten abgestempelt zu werden.
Kurz entschlossen drückte Remus im Fahrstuhl ein paar Knöpfe und der Fahrstuhl machte sich langsam auf den Weg zur Brücke….


Zehn Minuten später; Brücke der Atlantia


Sir, sehen Sie sich das mal an. Wir haben den Ausgang des Wurmloches direkt vor unserem Schirm!“. Remus stand neben seinem Chefadjutanten James auf der Brücke und beobachtete mit verschränkten Armen das Bild, was der Computer zeigte. Die restliche Crew beachtete er nicht, denn es schien so, als hätten keine der hier anwesenden Brückenoffiziere Lust sich mit dem Kram zu beschäftigen oder, und das war für Remus Verstand die wahrscheinlichere Variante, das war ihnen alles zu hoch.
Und warum fliegen wir denn nicht einfach durch den Ausgang aus dem Wurmloch raus? Laut dem Computer ist das Ende des Wurmlochs doch schon in 25 Parsecs Entfernung. Ist das denn so kompliziert?“
Remus verschränkte mit grimmiger Miene die Arme vor seiner Brust und sah seinen Chefadjutanten James fragend an.
Wir arbeiten ja schon mit voller Kraft. Aber egal, wie stark wir die Maschinen belasten, wir werden vor dem Ausgang des Wurmlochs immer wieder zurückgeworfen!“. Sein Chefadjutant machte keinen Hehl daraus, zu zeigen, wie ihn das alles ärgerte.
Ah ja, mit anderen Worten wir sind am Arsch!“, ließ Remus eine treffende Bemerkung los. Sein Chefadjutant nickte und beide versanken in ein grimmiges Schweigen und achteten nicht auf den Rest der Mannschaft, die sich mit etwas anderem beschäftigten. Tatsächlich sah Remus aus den Augenwinkeln, wie zwei Offiziere ein Kartenspiel spielten, dass verdächtig nach dem Glücksspiel Karawane aussah.
Sehen sie mal, James!“, forderte Remus nach ein paar Minuten des Nachdenkens seinen Chefadjutanten auf und zeigte mit dem Finger auf eine bestimmte Stelle des Computerbildschirms, „Laut dem Computer ist die Wand des Wurmloches 8 Parsecs vor uns dünner als der Rest der Wand. Ich würde sagen, dort können wir aus dem Wurmloch rauskommen!“
Sind sie sicher, Sir?“
Ich hoffe es. Es gibt keine Garantie. Schließlich sind diese Wurmlöcher noch ein ziemlich unerforschtes Phänomen in der Raumfahrt. Aber nun gut, packen wir es an. Ich hab es satt noch länger zu warten.“, legte Remus die weitere Vorgehensweise fest.
James nickte und auf der Brücke wurde es schlagartig ungewöhnlich still. Jeder wusste, dass es jetzt ernst wurde.
Dann wollen wir die Besatzung mal über den nächsten Schritt informieren. Schalten sie die Lautsprecher ein.“, gab Remus mit rauer Stimme den mit Spannung erwarteten Befehl.








Zum besseren Verständnis des Lesers folgt hier nun noch ein kleiner Auszug aus dem galaktischen Lexikon von Gabul Harjam zum Thema „Wurnlöcher“:


Der Autor des galaktischen Lexikons definiert ein Wurmloch als ein Strudel verwirrender und durcheinander gebrachter Zeiten, die häufig irgendwo im unendlichen, mehr als unendlichen und furchtbar großen Weltraum entstehen (es wird zwar schon lange geforscht, ob man Wurmlöcher künstlich herstellen kann, aber wurden die Forschungen durch unglücksselige Umstände nie zuende gebracht: Der eine Forscher, der es versuchte, wurde von seinem Schüler umgebracht, da dieser den Ruhm selbst einheimsen wollte, aber nicht wusste wie er das von ihm erzeugte Wurmloch kontrollieren konnte und infolgedessen mitsamt seinem Planeten in seinem eigenen erzeugten Wurmloch hineingezogen und auch nie mehr gesehen wurde. Ein weiterer Forscher kam nicht einmal dazu, ein Wurmloch zu erzeugen, da er festgenommen wurde, weil die pannerlagische Regierung fürchtete sein Verstand wäre beschädigt und deshalb wollten sie das Experiment lieber still und unvollständig zum Abschluss bringen und steckten ihn das Gefängnis, wo er zeitlebens anfing Bücher zu schreiben, die nur um das eine Thema kreisten: „Warum krieg ich bloß nie Rum in meiner Zelle?“).
Auf die restlichen missglückten Forscherversuche verzichtet das Buch, da es sonst noch mal zehnmal mehr Seiten hätte und dies die Kopierkosten in der Galaxis sprengen würde. So kann man mittlerweile zwar mehr oder weniger künstliche Wurmlöcher erzeugen, aber nicht kontrollieren.
Zwar waren alle Forscher der Meinung dies wäre furchtbar ungünstig, aber keiner wollte sich aufraffen etwas zu ändern. Desweiteren können Wurmlöcher unendlich groß als auch klein (natürlich nur im Maßstab zum Universum, das ja keinen definierten Endpunkt hat) sein und in der ganzen Galaxis gibt es kein Mittel, Wurmlöchern auszuweichen. Sollte man doch mal in ein Wurmloch hineingeraten hilft nur eines: Abwarten und Tee trinken, wie der gebürtige Engländer sagen würde. Zu guter Letzt muss man noch hinzusagen, dass es eine schreckliche Dummheit ist einfach so durch die Wände eines Wurmlochs zu fliegen, da mit ziemlich hoher Wahrscheinlichkeit weder die Besatzung noch das betreffende Raumschiff so ein Manöver unbeschadet überstehen.
Wir fassen zusammen:
1. Das Wurmloch ist unberechenbar.
2. Es kann überall und ständig auftauchen (außer in Planeten)
3. Es kann unendlich groß als auch unendlich klein sein (obwohl viele meinen, dass letztere würde schon rein praktisch gar nicht möglich sein).
Um das Zusammengefasste zusammenzufassen:
Wurmlöcher sind gefährlich und es ist tunlichst zu vermeiden in diese hineinzugeraten.
Um die oben zusammengefasste Zusammenfassung zu vereinfachen:
Wurmlöcher sind die größte Plage der Galaxis (oder wie andere umgangssprachlich sagen würden: es ist das beschießensteste Phänomen in der gesamten dämlichen Galaxis!)


Ein letzter Zusatz seitens des Autors: Der Auutor nimmt keine Verantwortung auf sich, wenn infolge einer Warterei durch ein Wurmloch Leute zu Schaden kommen.








Kabine des Kommandanten, 1.Deck


Jaili, der auf seinem Bett saß und mit angewinkelten Beinen gelangweilt auf den Boden starrte, seufzte. Ihm war langweilig. Zum Lesen hatte er nichts mehr, denn alle Bücher, die er fast alle von seinem Vater bekommen hatte, waren entweder langweilig oder er hatte sie schon durch. Wenn es nach dem Jungen gegangen wäre, hätte er schon längst über das intergalaktische Internet Neue bestellt, aber sein Vater befand es wäre zu unsicher, da die Signale über so weite Strecken nur schwer verschlüsselt werden konnten und somit leicht von Kriminellen missbraucht werden konnten. Außerdem war im Wurmloch sowieso keine vernünftige Funkkommunikation möglich. Seine Wut über seinen Vater, der ihn in seine Kabine befohlen hatte, war mittlerweile verflogen. Trotzdem fühlte er immer noch eine gewisse Verärgerung in sich drin.
Ächzend stemmte sich Jaili auf und beendete den Stand-by Betrieb von dem Bordcomputer Eddie, von dem in fast jedem Raum ein Terminal installiert war.
Na, Kleiner?! Wie geht’s? Du siehst ja aus, als ob dir dreimal ne Laus über den Bauch gelaufen wäre!“, wurde er von Eddie begrüßt, der sich nicht mal die Mühe machte, seine visuelle Kamera anzuschalten. Jaili grinste; Eddie war der einzige, der es schaffte, egal wie Jaili sich gerade fühlte, ihn irgendwie immer zum Grinsen zu bringen.
Ist das ein Wunder?! Ich hab praktisch Stubenarrest!“, maulte Jaili und hängte sich schon mal den Kopfhörer um den Hals.
Eddie schwieg kurz. Zwar hatte er durchaus eine Software, mit denen er versuchte, die Bedeutung von Gefühlen bei Menschen rauszufinden, allerdings fiel es ihm gelegentlich immer noch schwer, eine Schlussfolgerung aus den Gefühlen des Gegenübers zu ziehen.
Das heißt, du willst…“
Jaili seufzte innerlich. Das Eddie immer so übertreiben musste.
Ja!“
Langsam und wohl betont führte Eddie den Gedankengang fort und ließ sich auch nicht von dem anklagenden Ton Jailis stören; „dich ablenken, indem du zockst, richtig?“
Jaili nickte kurz und setzte die Kopfhörer auf. Die Kopfhörer hatte er selber gebaut und waren so schalldicht, dass er nicht mal etwas gehört hätte, wenn neben ihm jemand mit einem bis auf den Anschlag aufgedrehten Megaphon auf ihn eingeschrien hätte.
Los geht’s!“, murmelte er und Eddie ließ das Spiel starten…


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Beitrag #2 |

RE: Geschichte: Die dunkle Macht
Hier mal mein zweites KapitelIcon_smile
Scheinbar sprengt mein Kapitel das Limit eines einzelnen Posts. Daher ist Kapitel 2 in Teil 1 und Teil 2 aufgeteilt.


Die dunkle Macht:
Band 1: Brut des Bösen


Kapitel 2: Eine Bruchlandung Teil 1
 
„An alle Mannschaftsmitglieder, hier spricht der Commander!“, tönte Remus Stimme durch das Schiff, „ich möchte alle Crewmitglieder informieren, dass wir in Kürze das Wurmloch durchbrechen werden. Zu eurer eigenen Sicherheit bitte ich alle Schiffsmitglieder sich in ihre Kabinen zu begeben und sich dort an stabilen Gegenständen festzuhalten. Es dient zu ihrer eigenen Sicherheit, da wir nicht wissen, inwiefern das Schiff die enorme Belastung aushalten wird. Wir werden in etwa in zehn Minuten den Ausbruch aus dem Wurmloch vornehmen. Vielen Dank!“. Die Lautsprecher im ganzen Schiff verstummten.
„Adjutant!“
„Ja, Sir?“
„Stellen sie eine Verbindung über den Expressrouter 377 zu Chefmechaniker Sardi her.“
Sein Adjutant nickte und während Remus darauf wartete, dass die Verbindung hergestellt war, wischte er sich über seine Stirn. Jetzt wurde es ernst. Nach ein paar Minuten erschien Sardis Gesicht auf dem Hauptdisplay der Bordcomputers, in denen vorher noch die Statusmeldungen des Schiffes angezeigt worden. Remus hätte auch eine Statusmeldung anfordern können, doch redete er lieber  von Angesicht zu Angesicht mit seinen Leuten.
Sardi schien gerade bei den Hydraulikpumpen gearbeitet zu haben, denn auf seinem Mechanikeranzug waren deutliche Ölspuren erkennen, die auch mit dem besten Spülmittel in der Galaxis nicht zu entfernen waren. Hatte man seine Kleidung einmal voll mit diesen Ölen, bekam man die praktisch nicht mehr weg. Wer also auf Äußerlichkeiten Wert legte, war in der Raumschiffbranche schlichtweg an der falschen Adresse.
Mit der einen Hand lehnte sich Sardi an das Terminal 1, während er leicht nervös mit dem ellenlangen Schraubenzieher herumfuchtelte, mit dem er die Stabilisatoren der Pumpen bearbeiten konnte. Unwillkürlich kratzte Remus mit den Fingernägeln auf der Plastoid-Tastatur herum.
„Sardi!“
„Ja, Sir?“
„Sind bei ihnen alle Systeme online und auf 100 Prozent gestellt?“
Sardi nickte, nachdem er kurz auf das Computerterminal geschaut hatte, dass an der Hydraulikpumpe 2 hing. „Die Stabilisatoren und sämtliche Antriebs- und Ausbalanciersysteme arbeiten mit voller Auslastung. Allerdings hat der Hilfsantrieb nur 80 Prozent der Normalgeschwindigkeit, aber ich denke nicht, dass das allzu große Auswirkungen auf das Schiff haben wird, sofern wir nicht unerwartet die Maschinen auf volle Leistung bringen müssen.“
„Verstanden, Sardi. Warten sie auf den Befehl von Chefadjutant James, dann bringen sie die Maschinen auf Höchstleistung.“
Sardi nickte und Remus kappte die Verbindung. Ein paar Sekunden kaute er auf seiner Lippe, dann drehte er sich zu Chefadjutant James um, der sich in weiser Voraussicht schon an den Kommunikationsstand begeben hatte.
„Gehen sie den Befehl, James!“
Der nickte. Langsam hörte Remus, wie die mächtigen Ionen-Tritium Antriebe ihre volle Schubleistung entfalteten. Nun gab es kein Zurück mehr.
 
Die Wand des Wurmloches kann näher…
 
 
 
Kabine des Kommandeurs,1.Deck
 
„Scheiße!“. Wütend ließ Jaili mit seinem Pixelsoldaten eine Salve auf einen unschuldigen Mülleimer los, der an der Ecke stand. Wie schon zum xten-Mal hatte er den Scharfschützen vergessen, der in dem Fenster des Hauses stand, wo Jaili hinmusste, um die Mission erfolgreich abzuschließen. Wütend schlug er auf den Rand des Sitzes.
„Bist du wieder gestorben?“, fragte Eddie den Jungen neckend. Jaili machte schon den Mund für eine weniger nette Erwiderung auf, als er plötzlich ein Vibrieren der aus Metall gefertigten Lehne spürte. Er stutzte.
„Sag mal, Eddie, laufen die Antriebe gerade an? Die Lehne vibriert so komisch.“
Eddie, der gerade noch dabei war, eine Fehlerstatistik des Gefechtes zu erstellen, koppelte ein Schaltrelais an die Schnittstelle des für die Antriebe vorgesehenen Chips an, der ihm zwei Statusmeldungen schickte.
„Ja, mein Freund, wie fahren gerade mit voller Kraft auf die Wand des Wurmloches zu. Mit genau 12-facher Lichtgeschwindigkeit!“. 
„Was?!“. Entsetzt starrte der 12-Jährige Eddie an. Würden das Raumschiff nur 12-fache Lichtgeschwindigkeit fliegen, wäre das ja nicht weiter schlimm, weil Jaili wusste, dass das Raumschiff sein Maximum erst bei 25-facher Lichtgeschwindigkeit erreichte, aber beim einem frontalen Zusammenstoß einer Wurmlochwand konnte alles passieren. Nicht selten kam es vor, dass ein Raumschiff komplett und in Sekundenschnelle in seine Einzelteile zerlegt wurde. Ein schöner Tod war was anderes. Was dachte sich sein Vater nur dabei?
Vielleicht…
Weiter konnte Jaili nicht philosophieren, denn genau in dem Moment ging ein gewaltiger Ruck durch Schiff, gefolgt von einem heftigen Schlag gegen die Schiffshülle, der wenn überhaupt nur von einer zentnerschweren Hand herrühren konnte. Im nächsten Moment wurde der Junge vom Sitz geschleudert. Die Welt drehte sich mehrfach um 360 Grad und verschwommen nahm er den Schrank wahr, an dem er vorbeisegelte und dann krachend gegen die Metallstäbe seines Bettes geschleudert wurde.
Ein höllischer Schmerz explodierte so heftig, dass sich Jaili auf die Lippen beißen musste, um nicht zu schreien. Mehrere Schmerzenstränen rannen ihm über das Gesicht. Polternd und krachend verabschiedete sich Stück für Stück der Inneneinrichtung und wurde, mehrfach in der Luft gewirbelt und in kleine Stücke geteilt durch den Raum geschleudert. Ein großer Teil flog mit hoher Geschwindigkeit über Jaili hinweg, doch zwei Stücke des zerstörten Regals trafen den Jungen am Bein. Jaili, voll mit Adrenalin, spürte den stechenden Schmerz fast gar nicht. Es knallte mehrfach und mehrere Nieten mit mehreren hundert Stundenkilometern rasten durch die Luft und pulverisierten alles, was ihnen im Weg stand. Während zwei krachend in den Wandschrank einschlugen und Splitter durch die Luft flogen, rasten die restlichen in den PC-Bildschirm, dessen Glas unter einem Krachen splitterte und rauchend seinen Dienst quittierte. Mehrere Alarmklingeln schrillten im ganzen Raumschiff und sofort wechselte die Zimmerbeleuchtung auf Notbeleuchtung. Irgendwo im Raumschiff hörte Jaili ein lautes Knirschen, was durch Mark und Beim ging.
 
Verzweifelt sah sich Jaili um. Voller Entsetzen bemerkte er, dass die beiden Heizkörper gefährlich rauchten und heiß geworden waren. Eigentlich hatte diese Bauart einen äußerst zuverlässig funktionierenden Kühlmechanismus, der allerdings nur so solange funktionierte, wie auch Strom vorhanden war. Und der war kaum bis gar nicht mehr vorhanden.
Jaili schluckte. Er hatte mal ein Buch gelesen, dass Explosionen von Heizkörpern durchaus tödlich enden können, sofern man zu nah dran war. Und Jaili war höchstens 4 Meter weg. Schnell weg, dachte er nur, bloß weg.
Aber konnte nicht. Verzweifelt versuchte er, sein Arm unter dem kiloschweren Regalstück wegzuziehen, aber sein Ärmel, der sich da drin verknotet hatte und sich partout nicht zerreißen lassen wollte, gab nicht nach. In diesem Moment hasste sich Jaili dafür, dass er seinem Vater gegenüber nicht standhafter geblieben war und nun diese äußerst reißfeste (und feuerfeste) Kleidung anhatte.
Suchend sah er sich um. Auf dem Boden, ungefähr 45 cm Meter von ihm entfernt lag sein Taschenmesser, dass er letzten Geburtstag von seinem Dad geschenkt bekommen hatte. Soweit seine es Körperstatur zuließ streckte sich Jaili nah dem Messer. Mit den Fingerspitzen versuchte er es weiter zu sich zu schieben.
„Komm schon! Bitte!“, flehte er in Gedanken und langsam, Millimeter um Millimeter, schob er das Messer zu sich hin. „Hab ich dich!“, murmelte der Junge erleichtert, als er das Messer in die Hand nahm und den Ärmel durchtrennte.
Seine Hände zitterten, sodass er höllisch aufpassen musste sich nicht in den Arm zu schneiden. Zwar dauerte es nicht lange, bis er seinen schmerzenden Arm frei gemacht hatte, aber Jaili kam es wie Jahrhunderte vor.
Ein plötzliches Zischen, ähnlich dem eines Wasserkochers sagte ihm, dass die Zeit abgelaufen war. Er schloss die Augen. Er wollte nicht die Explosion mit ansehen müssen.
„Oh, Dad, es tut mir leid. So leid!“, dachte er noch, als der Heizkörper explodierte. Feuer und eine gewaltige Druckwelle fegte durch die Kabine und verwandelten den Raum in eine Hölle aus Feuer und Hitze….
 
 
 
 
Brücke des Raumschiffs „Atlantia“, ein paar Sekunden vorm Eintritt in die Wand des Wurmloches
 
 
In dem Moment, als Remus mit seinem Schiff in die Wand des Wurmlochs eintrat wusste er, dass er einen Fehler gemacht hatte. Das Knirschen klang nicht gut.
Im nächsten Moment warf ein gewaltiger Schlag ihn und die restlichen Brückenoffiziere von den Füßen und es schien, als ob das Raumschiff fünfmal verbogen wurde. Es krachte laut und auf allen möglichen Stationen heulten die Alarmsignale los. Fluchend rappelte sich Remus auf wäre schon zum zweiten Male hingeflogen, hätte er sich nicht an dem Geländer festgehalten.
„Achtung, Feuer auf Deck vier, mehrere Explosionen in den Antriebsräumen, Stromausfall in den Sanktionen 3,7 und 9.“, bekam Remus von mehreren Offizieren zu hören.
„Vorsicht!“, schrie einer der Männer plötzlich auf, bevor Remus etwas erwidern konnte und im nächsten Moment knallte es und eine Stromleitung an der Decke der Brücke riss sich Funken spuckend von ihrer Befestigung los. Ein Schrei ertönte von einem der Offiziere, als das unter Hochspannung stehende Kabel dem Unglücksvogel ins Gesicht flog. Trotz des Lärms und den vielen Dingen, die ehr Remus Aufmerksamkeit verdient hätten, konnte sich Remus nicht von dem Anblick anwenden. Kleine Stromblitze krachten aus dem Kabel hervor und innerhalb von Sekunden brach der Offizier tot zusammen. Verbitterung und Wut stiegen in Remus hoch, als er sich bewusst machte, dass dieser Mann nie mehr seine Familie sehen würde. Bedauern stieg in ihm auf, denn er hatte sich mal mit dem Offizier unterhalten. Es war ein anständiger Mann gewesen.
„Sir! Siiiiiiiiir!“, schrie ihn sein Chefadjutant, der sich nur mühsam auf den Beinen halten konnte, an und Remus wurde abrupt wieder in die Wirklichkeit befördert. „Wir sind auf Kollisionskurs mit einem Planeten.“
„Was?“ Blitzschnell rannte Remus soweit es die Erschütterungen und Explosionen auf dem Schiff zuließen zu der Hauptkonsole, die für die Steuerung der Antriebe zuständig war.
Fluchend rempelte er mehrere Offiziere um, die wie Gipssäulen im Weg herumstanden und nicht mal Anstalten machten sich zu bewegen. „Wahrscheinlich starr vor Schreck!“, dachte er noch, während er sich schützend die Hand über den Kopf hielt und sich blitzschnell ducken musste, um einem losgelösten Metallstück auszuweichen. James rannte hinter ihm her.
Kaum an der Konsole angekommen, gab Remus hektische Kommandoparameter ein, die aber kein Resultat zeigten, außer, dass der Bildschirm flackernd „No Connection“  anzeigte. Nervös warf er einen Blick durch das Brückenfenster, wo der Planeten immer größer wurde.
„Scheiße!“, schrie er wütend und wandte sich James zu, der neben ihm auf der rechten Seite stand.
„Sie sind der Spezialist. Wissen sie irgendwelche manuelle Überbrückungen, die wir nutzen können, um die Verbindung wieder herzustellen?“
James warf nur einen Blick auf den Bildschirm und bückte sie sich dann zur der Metallverkleidung. Während er noch mit den Schrauben kämpfte, die die Metallplatte festmachten, sagte er keuchend in Richtung in Richtung des Commanders: „Das liegt nicht an den Verbindungsleiter zu den Triebwerken!“. Mit einem gewaltigen Ruck riss er die Metallplatte krachend los. Schweiß rann ihm über die Stirn.
Dann nach kurzem Schweigen murmelte er: „Sir, wir haben ein Problem!“
„Was ist denn?“, fauchte Remus und verschwand ebenfalls unter der Konsole.
„Hier!“. Mehr brauchte James nicht zu sagen. Auch für ungeübte Blicke war deutlich zu erkennen, dass diese Konsole nicht mal eben wieder in Gang zu nehmen war. Knisternde und teilweise stark geschmolzene Kabel hingen von der Innenseite der Konsole herunter. „Total verschmort!“, murmelte Remus und schlug wütend mit der Faust auf den Bildschirm.
„Jep!“, bestätigte James niedergeschlagen, „Und was jetzt?“ Zerknirscht betrachtete er den Planeten, der inzwischen das ganze Brückenfenster ausfüllte.
„Schalten sie alle Schild aufs Maximum, sofern das noch geht und machen sie eine Durchsage, dass sich jeder irgendwo festhalten soll. Wir machen eine Bruchlandung, eine sehr harte Bruchlandung!“
„Sir!“, nickte James und nachdem er den Befehl ausgeführt, hielt er sich an der Geländerstange neben seinem Commander fest, der mit grimmigen und einem leicht verspielten Lächeln durch das Brückenfenster auf den immer nähr kommenden Planeten blickte.
„Dann spielen wir mal dein Spiel!“, murmelte er herausfordernd. Und es ging abwärts...
 
Von außen machte das Raumschiff den Eindruck, als würde es von volltrunkenen Irren gesteuert werden. Was durchaus eine logische Vermutung sein würde, wenn man als Betrachter davon ausgehen könnte, dass das Raumschiff von den Stikaden gesteuert werden würde. Diese Stikaden, die auf einem weit entfernten Planeten voller Sümpfe namens Patis 13 wohnten und dünn wie Streichhölzer aussahen, woher auch der eigentümliche Name herrührte, hatten es sich zu ihrem Lieblingshobby gemacht, bei jedem Start ihrer Raketen vorher zehn Fässer hochprozentigen Alkohol zu konsumieren, um, wie sie behaupteten das Erlebnis der Beschleunigung bei einem Raketenstart zu vervielfachen und um noch cooler zu wirken und ihr Ego so lange aufzuputschen, bis die staatliche Irrenanstalt sie als gemeingefährlich einstufte und sie unter ihre Fittiche nahm; ein Schicksal, das für die Stikaden das Schlimmste ist, was sie erleben können. Nebenbei kann man noch anmerken, dass allein dieses verrückten Verhalten für Zweidrittel der Sterbefälle auf dem ganzem Planeten sorgt, da die Wahrscheinlichkeit für die Stikaden verschwindend gering ist lebend aus ihren Raketen zu kommen.
Die Regierung, ein Haufen Crack inhalierender Nichtstakiden waren hingegen der festen Überzeugung, dass die Stikaden nur deshalb vor jedem Raketenstart soviel tranken, weil sie sich um die Steuern drücken wollten, die die Nichtstakiden wiederum dazu benutzten noch mehr Crack oder andere wahrnehmungserhellende Mittelchen zu nehmen, um nach außen so zutun, als wären sie von Gott gesandte Herrscher. Den Stikaden, die sowieso genug damit zutun hatten genug Raketen nach zu produzieren, um weiterhin ihre haarsträubenden Manöver durchzuführen, war dies alles egal, solange sie nur genug hochprozentigen Alkohol zu Verfügung hatten. Bis heute ist es noch keinem in der Galaxis gelungen aus diesem Benehmen der Urbevölkerung eine logische Erklärung zufinden.
Nur kann das allein einem unbedarften Beobachter nicht sagen, ob in einem abstürzenden Raumschiff Stikaden oder Nichtstikaden sitzen, denn in den seltensten Fälle ist der Beobachter ein Hellseher und somit ist dem Beobachter mit diesen Informationen nicht wirklich geholfen.
Ein weiterer Zusatz über die Stikaden: Praktisch an jedem Gefährt, das Stikaden steuern, steht folgendes geschrieben: Alkohol forever (in ganz schlechten Buchstaben geschrieben und mit so viel Rechtschreibfehlern, dass jeder Lehrer vor Entsetzen vom Stuhl fallen würde sofern er diesen Spruch lesen würde).
Und dies steht an diesem abstürzenden Raumschilf nirgendwo drauf.
Man kann also mit nahezu 99-prozentiger Wahrscheinlichkeit sagen, dass dieses nun abstürzende Raumschiff mit normalen, nichtstikaden Leuten eine einigermaßen vernünftige Bruchlandung machen wird.
 
Von Feuer umgeben raste das Raumschiff durch die Atmosphäre des Planeten und zog einen Schweif aus Feuer und glühenden Metallstücken hinter sich, der bis in den Weltraum zu sehen war. Mit einem Drall nach links krachte das außer Kontrolle geratene Raumschiff in ein Waldstück, erzeugte eine große Schneise aus umgestürzten Bäumen und wäre wohl in alle Einzelteile zerlegt wurden, hätte es nicht einen Rumpf aus Titanstahl.
Rauchend und an einigen Stellen noch glühend kam es ächzend zum Stehen.
„Los, raus! Macht das ihr rauskommt!“, schrie Remus per Sprechanlage durch das sterbende Schiff, bevor er und die verbliebene Brückenbesatzung sich die  Feuerschutzanzüge anlegten und sich in Richtung des Ausgangs quälten. Gequält ließ er einen letzten Blick über seine Brücke wandern, die nur noch aus einer Ansammlung aus rauchenden und halb geschmolzenen Metall bestand. Eine tiefe Traurigkeit erfasste ihn, als er sah, dass auch mehrere Brückenoffiziere ihr Leben gelassen hatten.
„Sir!“, drängte ihn sein Adjutant sanft, „wir müssen los. Der Rest der Brückenbesatzung ist schon losgegangen!“
Remus schwieg kurz. „Findet euren Frieden!“, murmelte er und stand schweren Herzens auf, nachdem er die Namensschilder von den leblosen Körpern entfernt hatte und sie in seine Hosentasche gesteckt hatte. Auch wen dies keinen praktischen Sinn hatte, wollte Remus doch die Erinnerung von den Toten behalten, um sich der Opfer bewusst zu bleiben, die diese Landung gekostet hatte.
„Gehen wir!“.
Mit einem letzten traurigen Blick folgte Remus seinen Offizieren durch die Repulsertür. Mit Sauerstoffmasken kämpften sie sich in Richtung des Decks B, wo der Südausgang lag. Mehrfach mussten sie sich den Weg freiräumen oder auch Umwege einlegen, um dem Feuer zu entgehen, dass in einigen Teilbereichen des Schiffes diese vollkommen unbegehbar gemacht hatte. Praktisch während des gesamten Weges wurden sie von dem Knistern des Feuers begleitet und immer wieder hörte Remus, wie Gänge oder Metallbalken unter der enormen Hitze nachgaben.
Während Remus und sein Adjutant schweigend vor der Gruppe von Offizieren gingen, musste Remus unwillkürlich daran denken, wie viele Leben diese Landung gekostet haben musste. „Ich bin ein Narr gewesen. So viel riskiert, nur um aus dem Wurmloch herauszukommen und was hab ich denn davon? Ein zerstörtes Schiff, vermisste Offiziere und mehrere Tote!“.
Sie waren am Ende des Ganges angekommen, dessen Übergang zu Deck B von einer schweren Tür aus Duralstahl getrennt wird. Die Tür, an einigen Stellen von der Hitze verborgen, bewegte sich nicht, als James sich keuchend gegen sie stemmte.
„Verdammt! Sir, sie geht nicht auf!“
Remus, der gerade einen zerbeulten erste Hilfe Kasten nach Sauerstoffmasken für den Verwundeten durchwühlte, der im Gang lag, unterbrach sich in seinen Flüchen und pflanzte sich neben James, nachdem er einen verborgenen Balken, der in seinem Weg lag, beiseite geschoben hatte.
„Stang! Willst du mich verarschen, James?!“
James schüttelte den Kopf und wischte sich mit der rechten Hand Schweiß und Schmutz vom Gesicht. „Nein, Sir!“
Hektisch inspizierte Remus die aus Duralstahl bestehende Tür. „Außer diesen verborgenen Ecken scheint aber nichts bei der Türmechanik kaputt gegangen zu sein. Verdammt, wie sollen wir denn jetzt weiterkommen, wenn sich diese schwere Tür nicht richtig öffnen lässt?!“
Wütend schlug er gegen die Tür.
„Sir? Vielleicht ist drin etwas geschmolzen?“.
„Das lässt sich rausfinden.“ Mit diesen Worten fuhr Remus vorsichtig an der Türoberfläche entlang. Sie war nur leicht erwärmt, was die Möglichkeit weitgehend ausschloss, dass etwas in der Mechanik geschmolzen war.
„Nein, James! Dass diese beknackte Tür nicht aufgeht liegt wohl ehr an einem Kurzschluss in der Schalterplatine, der durch die Bruchlandung entstanden ist!“.
Unwirsch stand Remus auf und sah sich suchend nach der Kontrolltafel der Tür um. Er wusste, viele andere seiner Geschäftspartner verzichteten auf solche Kontrolltafeln, auch weil sie sich sicher genug fühlten oder, und das war wahrscheinlicher, um Geld zu sparen. Remus sah das im Falle einer Bruchlandung als sehr ungünstig an.
An der rechten Seite des Türrahmens wurde Remus fündig. Hektisch blickte er sich nach einem metallenen Gegenstand um, der zumindest eine gewisse Ähnlichkeit mit einem Brecheisen hatte, mit dem er das Kontrollpaneel herunterreißen konnte, das  sowohl als Bedienfeld als auch als Schutztafel der Elektronik diente.
„Geben sie mir mal die Stange, die hinter ihnen liegt, James. Wir müssen irgendwie die Schutzplatte des Kontrollkastens aufkriegen. Sonst fliegen wir noch alle miteinander in die Luft.“
Ein Grinsen stahl sich auf James Gesichts. „Das würde wenigstens schnell gehen! An Sauerstoffmangel oder so zu krepieren, zählt nicht gerade zu meinen Lieblingsbeschäftigungen.“
Remus schenkte James ein ironisches Lächeln, während er die Stahlstange entgegennahm, die James ihm hinhielt.
„Na so ein Glück. Ansonsten hätte ich mir ernsthafte Sorgen um deinen Verstand gemacht!“, erwiderte Remus und klemmte das platt gequetschte Ende der Stange zwischen den millimetergroßen Zwischenraum, der zwischen der Kontrollplatte und der Wand lag.
„Leute, helft mal mit anzufassen.“ Mehrere Arme legten sich um das Ende der Stange. Mit ihrem ganzen Gewicht drückten Remus und seinen kleine Gruppe aus überlebenden Crewmitgliedern die Stange nach unten. Mehrere Sekunden passierte nichts, außer das ihnen der Schweiß über die Stirn lief. Die Schutztafel sträubte sich hartnäckig gegen ihre Bemühungen.
„Fester!“, keuchte Remus, „drückt, als ob ihr dafür bezahlt werden würdet.“
Ein plötzliches Knatschen ließ sie alle aufhorchen. Irgendwo über ihnen schien einer der Metallbalken der starken Hitze, die im Schiffe herrschte nachgegeben zu haben. Ein plötzliches Rumsen ließ sie alle zusammenfahren.
„Wir sollten uns wohl lieber beeilen, sonst sind wir am Ende platt wie ein Pfannkuchen!“, murmelte Remus leise und verstärkte den Druck auf die Stange.
Im nächsten Moment knallte es und das plötzliche Nachgeben der Schutzplatte ließ Remus und seine Männer über- und nebeneinander auf den Boden plumpsen.
Mehrere Schrauben flogen Remus knapp am rechten Ohr vorbei und die Schutzplatte landete scheppernd auf dem Duralstahlboden.
„Na also geht doch.“, frohlockte Remus zufrieden, nachdem sie sich alle wieder aufgerappelt hatten und er die Elektronik mit kritischen Blick in Augenschein nahm.
Schnell wich seine eben gekeimte Hoffnung wieder der Ernüchterung.
Er schluckte. Es sah nicht gut aus. James, wohl durch die veränderte Körperhaltung von Remus aufmerksam geworden, kniete sich neben ihm und sah ihn fragend an.
Remus nickte in Richtung Platine und James, der seiner Geste folgte, fluchte leise. „Verdammt. Das sind ja zig Kabel verschmort. Dabei kann jeden Moment das ganze Schiff explodieren!“
„Leider. Und ich blicke nicht durch diesen Kabelsalat durch, schon gar nicht, wenn die Hälfte der Kabel nur noch geschmolzenes Kupfer ist. Kennt sich einer von euch mit Überbrückung von defekten Kabeln aus?“, wandte er sich nach kurzem Schwiegen an seine versammelten Offiziere, die alle sichtlich geschafft aussahen und inzwischen Sauerstoffmasken auf hatten. Zwar lag der messbare Gehalt von giftigen Gasen noch unter dem Niveau ab wann es lebensgefährlich wurde; allerdings konnten üble Langzeitfolgen auftreten, sofern sie längere Zeit eine gewisse Dosis einatmeten.
Remus Männer schüttelten schweigend nacheinander die Köpfe.
„Sir, ich weiß, wen wir bräuchten!“
Remus drehte sich so schnell zu James um, das er fürchtete sich den Hals zu gebrochen zu haben.
„Wen?“
„Ihren Sohn, Jaili. Aber...“, Ein plötzliches Entsetzen fiel auf James Gesichtszüge und auch Remus fiel es wie Schuppen vor den Augen, „Wo...?“
Keiner antwortete.
Im gleichen Moment versagten die Beine von Remus ihren Dienst. „Oh nein!“, flüsterte er bleich und voller Entsetzen, „Wie konnte ich ihn nur...?!“ Alptraumhafte Fantasien entzündeten sich in seinem Kopf, die schlimmer waren als je ein Horrorfilm sein konnte. Vor seinem geistigen Auge sah er seinen Sohn, hilflos und verlassen im Schiff herumirren, ohne jede Hoffnung auf Hilfe.
„Sir!“. James berührte vorsichtig die Schulter seines Kommandanten, „Sir, vielleicht lebt er noch, vielleicht hatte er Glück. Wir haben es ja schließlich auch geschafft, mehr oder weniger.“, fügte er nach kurzem Stocken noch hinzu.
Remus antwortete nicht. Wut und Trotz stieg in ihm auf. All die Mühen, die er sich für seinen Sohn aufgebürdet hatte sollten vergebens sein? Sollte er dazu verdammt sein auf ewig Schuldgefühle zu haben weil er seinen Sohn nicht hatte retten können?
Remus schluckte. Es war schon schwer genug gewesen sich damals von seiner Frau zu verabschieden, die er innerhalb kürzester Zeit verloren hatte und selbst jetzt, mehrere Jahre nach ihrem Tod, wachte er manchmal noch schreiend auf. Und nun auch noch sein Sohn?! 
Nur über seine Leiche. Zum ersten Mal spürte Remus, wie sehr er seinen Sohn liebte. Er wusste, sollte der Junge tot, würde er das niemals überwinden können. In seinem Geiste sah er Jailis schmales lachendes Gesicht und hörte seine Stimme in seinem Ohr hallen. Auch wenn es ein gefährliches Unterfangen werden würde stand für Remus fest: Er würde nach ihm suchen, koste es, was es wolle.
„Ich suche ihn!“, fauchte er und stand auf, „Sie halten hier die Stellung! Sollte ich nicht zurückkommen, gehen sie ohne mich.“
James schien die Vorstellung nicht zu gefallen. Sein Kommandant wollte sich wieder in die Löwe des Höhlen beigegeben und das auch noch allein?
„Sir, ich komme mit!“
„Herrgott, James. Sie sind hier viel wichtiger. Sollte ich nicht zurückkommen sind sie derjenige, der den Rest der Besatzung sicher aus dem Schiff bringen muss. Sie kennen sich am besten in den Gängen aus. Bitte, tun sie es für mich. Ich habe heute schon viele Leute verloren, geben sie mir wenigstens die Gewissheit, dass, sollte ich nicht zurückkommen, zumindest sie und der Rest der Crew überleben.“
Der Blick und die vom Herzen kommende Bitte von Remus, brach etwas in James.
Einen Moment schwiegen sie beide. Dann…
„Sir, falls sie nicht zurückkommen...ich...ich wollte ihnen noch sagen...“, James stockte kurz und fuhr fort, „Sie waren mein bester Kommandant bisher und mein Freund, also... machen sie es gut. Ich hoffe ich sehe sie wieder!“
„Ich auch, James!“, nickte Remus mit schmerzerfüllter Stimme und bog in den Gang rechts von ihnen. Ein paar Sekunden später hatte ihn der Rauch verschluckt.
James wandte sich an den Rest. „Jetzt können wir nur noch hoffen!“
Keiner antwortete...Es war auch nicht nötig.
 
 
                             
Der Rauch war dick und undurchsichtig wie eine Betonmauer. Remus Sicht beschränkte auch auf ca. 3 Meter und er musste sich halb voran tasten, um nicht irgendwo gegen zu laufen.
Obwohl die Richtungsschilder an den Gängen kaum noch zu erkennen waren, fand sich Remus trotz den sichtbehindernden Umständen ohne nennenswerte Probleme in den Gängen seines sterbenden Schiffes zurecht.
Ein Grinsen erschien auf seinem Gesicht. Jetzt machten sich seine vielen Stippvisiten durch sein Schiff bezahlt. Und natürlich auch seine Suchaktionen nach seinem Sohn, wenn der sich in seinem Zorn in die hintersten Ecken des Schiffes verkrochen hatte. Na, wenigstens eine positive Sache.
Der Rauch ließ ein Brennen in seinem Hals entstehen und obwohl er ein Tuch vor den Mund presste, kratzte der Rauch immer schmerzhaft in seinem Hals.
Wenn er Pech hatte, würde er allein schon wegen dem Rauch an einer Rauchvergiftung erlegen sein, ohne zu wissen, ob sein Sohn noch lebte. „Klasse, der Tag wird immer besser!“, fluchte Remus gepresst durch das Tuch und wischte sich mit der freien Hand über die Stirn.
Nach einer Weile stand Remus vor zwei sich gabelnden Gängen. Über einen im Weg liegenden Metallbalken hinübersteigend warf Remus einen Blick auf die Richtungsschilder. Es war nicht einfach die Schrift in diesem Rauch zu lesen, sodass Remus dreimal lesen musste, bis er die Wörter entziffert hatte. Nach kurzem Nachdenken nahm er den Gang zur seiner Rechten, der hinauf in die 2.Etage führte und in Richtung der Zimmer führte, wo er und sein Sohn gehaust hatten.
Remus brauchte nicht lange. Nach mehreren Biegungen kam er in den Gang, wo das Zimmer seines Sohns lag. Obwohl er noch gut zwei Meter von dem Zimmer entfernt war, spürte er schon hier eine enorme Hitze, die die Augen tränen ließ. Der Rauch, der ihm bisher die Sicht schwer beeinträchtigt war hier wesentlich weniger geworden.
Dafür war die Temperatur stark gestiegen.
Mit der Hand vor dem Gesicht tastete sich Remus vorsichtig so nah wie möglich an das Feuer an, das aus dem Zimmer wütete, wie es nur irgendmöglich war.
Die Tür lag in zwei Teile zerbrochen auf dem Boden.
Mit tränenden Augen wagte er den Blick in das in Flammen stehende Zimmer. Es war ein unglaublich hell und die Wände leuchteten beunruhigend orange.
Er schluckte. Trotz der Flammen, die aus dem Zimmer hervorleckten, konnte Remus erkennen, dass von der ursprünglichen Zimmergestaltung nichts mehr übrig war. Das Feuer, anscheinend von einer Luftquelle immer stärker angeheizt hatte ganze Arbeit geleistet. Die aus Plastik bestehenden Gegenstände waren vollkommen zu Klumpen geschmolzen und die aus Holz bestehenden Holzmöbel waren nur glühende, schwarze Reste, die einer nach dem anderen dem Feuer nachgaben und knisternd zusammenfielen.
„Jaili! Hörst du mich?“. Keine Antwort.
Die Augen zusammenkneifend versuchte Remus durch die lodernde Feuersbrunst durchzublicken, was alles andere als einfach war. Fieberhaft hielt er nach Umrissen Ausschau, die Ähnlichkeiten mit einem Körper hatten. Bange Sekunden vergingen. Noch immer kein Hinweis darauf, ob sein Sohn in dieser Flammenhölle war.
Remus schluckte. Sollte der Junge etwa schon  tot sein? Lebendig verbrannt? Qualvoll und voller Schmerzen? Nein, dass durfte nicht wahr sein, das durfte es nicht.
Plötzlich stutzte er. War da nicht eben etwas gewesen? Ein Umriss neben dem Bett? Sekunden später gab wieder eine Flamme kurz den Blick in das Zimmer frei und im selben Moment erkannte er jemanden neben dem zerbrochenen Bett liegen. Es war Jaili. Eindeutig. Die vertrauten Gesichtszüge.
Erleichterung durchströmte ihn, doch ein anderes Problem wurde ihm erst jetzt bewusst. Wie sollte er zu seinem Sohn kommen? Die Wand aus Flammen schien immer geschlossener zu werden und er hatte auch nichts, womit er sich wie Tarzan über die Flammen schwingen konnte. Es gab nur einen Weg. Er musste durch das Feuer. Ihm war bewusst, dass dies ein Spiel war, dass er mit dem Leben bezahlen konnte. Sollte er stolpern und sich noch in der Flammenwand befinden, wäre er wahrscheinlich sofort tot.
Aber es gab keine andere Möglichkeit.
Er rannte hinein.
Letztlich war er nur ein paar Sekunden in der Feuerwand, aber trotzdem schienen sich die Flammen über ihn zu stürzen, als wäre er die beste Nährquelle der Welt. Es schien fast als würden sich die Flammen vor Begeisterung frische Nahrung gefunden zu haben, sich selbst zerfleddern, um ihre Beute nicht davon kommen zu lassen.
Sekunden später stolperte Remus aus dem Flammenmeer; zwar mit mehreren Rußstellen, aber ohne größere lebensgefährliche Blessuren.
Es war so heiß, dass Remus der Schweiß in Sturzbächen über die Stirn lief. Er war sich sicher, sollte er noch viel länger hier blieben, würde er wahrscheinlich einen Hitzschlag bekommen. Und darauf konnte er dankend verzichten.
Hektisch sah er sich nach seinem Sohn und fand ihn Sekunden später anscheinend ohnmächtig zusammengekrümmt neben dem zerbrochenen Bett liegen. Sein Pullover war an der linken Hüfte voll mit Blut. Beinah wäre er vor Entsetzen hingefallen, riss sich aber im letzten Moment noch und zusammen und wankte wie betäubt zu Jaili. War er etwa schon tot? Nein, das durfte einfach nicht sein. Ein Leben ohne Jaili konnte sich Remus einfach nicht vorstellen.
„Verdammt, wach auf. Mach schon!“, flehte Remus seinen wie tot daliegenden Sohn an. Keine Reaktion. Mit wachsender Panik legte Remus seinen Finger an Jailis Hals, während er innerlich flehte, dass er noch etwas spüren würde.
„Bitte, Bitte, mein Sohn. Tu mir einen Gefallen und sei nicht tot!“, flüsterte er, während nach einem Puls wartete. Da. Ganz schwach spürte Remus einen Puls. Alle paar Sekunden. Erleichternd atmetete Remus aus. Zumindest ein Problem weniger. Beunruhigt warf er einen Blick in Richtung der Tür und bemerkte mit Entsetzen, dass sich das Feuer langsam und unaufhaltsam in seine Richtung arbeitete. Es würde nicht mehr lange dauern, bis Remus mit seinem Sohn in Flammenhölle ohne Chance auf ein Entkommen dort drin gefangen wäre. Remus schluckte. Sein Sohn lag immer noch wie tot da, aber er musste ihn irgendwie wachkriegen. Er schluckte. Es gab nur eine Möglichkeit.
 
Knall. Eine schallende Ohrfeige durchfuhr das Knistern des Feuers wie ein Samuraischwert. Immer noch keine Reaktion. Knall. Und noch einmal. Remus haste sich dafür und fühlte Übelkeit in sich aufsteigen, aber es half nichts, er musste es tun.
 
„Geht’s noch?“. Wutentbrannt sah sich Jaili nach demjenigen um, der ihm mehrere Ohrfeigen verpasst. Im gleichen Moment, wo er sich ruckartig aufsetzte, zog sich ein heftiger Schmerz durch seinen Körper; so als würde irgendjemand ihn fortwährend mit Messern attackieren.
Wimmern sank er zurück und kniff vor Schmerzen den Mund zusammen.
„Alles wird gut, mein Sohn! Ich hol dich hier raus.“
„Dad?“, fragte Jaili und schaffe es unter größten Anstrengungen sich an Remus geklammert aufzusetzen, „Was ist passiert?“ Sein Schädel brummte noch, als würden zig Hornissen um ihn herum fliegen.
„Wir haben eine Bruchlandung hingelegt, das Schiff kannst du vergessen. Und jetzt komm. Wir müssen hieraus, bevor uns das Feuer den Weg komplett abgeschnitten hat!“
Eine Unmenge von Fragen stürmte auf den Jungen ein. Was war genau passiert? Wo war der Rest der Crew? Und...
„Lebt James noch, Dad?“. Seine Stimme zitterte leicht.
Remus schluckte und vermied den Augenkontakt mit Jaili. „Ich hoffe es, aber genau kann ich es dir nicht sagen. Wenn er Glück hatte, hat er inzwischen die Schotttür überwunden und ist draußen mit den restlichen überlebenden Crewmitgliedern!“
„Ich hoffe, er hat es geschafft...wenn nicht..“ Wieder versagte bei Jaili die Stimme. Als Remus seinen Sohn traurig anguckte, wurde ihm zum ersten Mal bewusst, wie sehr der Junge an seinem Chefadjutanten hing. Auch wenn sein Sohn versuchte seine Gefühle nach außen hin häufig zu verstecken, war er doch ein sehr gefühlvoller Mensch.
Remus schwieg und wurde erst aus seiner Untätigkeit gerissen, als sich ein schwerer verkohlter Balken von der Decke löste und krachend das noch halbwegs heile Bett entzwei schlug. Rauch und Funken stoben ihm ins Gesicht.
„Komm, wir müssen hier weg. Ansonsten hat uns das Feuer endgültig eingekreist und wir kommen gar nicht raus. Kannst du aufstehen?“
Jaili schluckte. „Ich weiß nicht. Versuchen kann ich es ja mal.“
Schon beim ersten Versuch protestierte seine Verletzung gegen die Bewegung. Vor Schmerz biss er sich auf die Lippe und zusammen mit seinem Vater, der ihn stützte, schaffte er es dicht an ihn gepresst aufzustehen.
„Jetzt haben wir ein Problem!“. Jaili schluckte. Er wusste, was sein Vater meinte. Das Feuer, das auf den Gang wütete und schon gefährlich nah an der Tür gewesen war, als Remus reingekommen war, hatte sich, inzwischen von dem Luftzug erst richtig entfacht, heftig verstärkt und blockierte nun fast den gesamten Türrahmen, dessen Ränder auch schon vor der Hitze kapituliert hatten und sich tropfend auf den Boden verdünnisierten.
„Dad, werden wir sterben?“. Mühsam riss sich Remus von feuernden Anblick los und schluckte. Er warf einen Seitenblick auf seinen Sohn, dessen Gesicht auf gespenstische Art vom Feuer erhellt wurde. Die Todesangst war ihm nun deutlich anzusehen.
„Nicht, wenn ich es verhindern kann!“ Bei diesen Worten ging er vor seinem Sohn in die Knie und sah ihm die Augen. „Pass auf, du musst jetzt genau das tun, was ich dir sage.“ Jaili nickte mit zugeschnürten Mund.
„Wenn ich dir Bescheid sage, musst du innerhalb von Sekunden durch das Feuer rennen. Sind wir schnell genug, hat das Feuer keine Zeit uns zu verletzen. Ich komme nach!“.
„Aber, Dad...“. Das Gesicht des Jungen wurde vom dem Feuer beleuchtet und unwillkürlich rannen ihm Tränen über die Wangen.
„Keine Diskussion! Ich wünschte auch es gäbe eine andere Möglichkeit, aber es gibt nun mal keine andere. Hier!“. Remus hielt seinem Sohn ein Tuch hin. „Halt das vor dein Gesicht. Und jetzt los!“
„Los!“, schrie Remus seinen Sohn an, als der keine Anstalten machte sich zu bewegen. Als hätte sein Tonfall ein Schalter in dem Jungen umgelegt, sah sich der Junge noch einmal nach ihm um, bevor er mit dem Tuch vor dem Gesicht einmal tief Luft holte und in die wild herumflackernden Flammen rannte.
Er brauchte nur ein paar Sekunden. Trotz seines verletzten Beines, das schmerzhaft protestierte, schaffte er es ohne größere Verletzungen durch die Wand aus Flammen. Hustend und an einigen Stellen angesengt, taumelte er weg von der Hitze, nachdem er wieder aus der Flammenwand herausgekommen war und hielt sich stützend an der Wand des Ganges fest.
Erst jetzt spürte wieder den inzwischen starken Schmerz seiner Verletzung, der bisher vom Adrenalin in seinem Körper unterdrückt worden war. Hustend warf er einen Blick auf die Flammenwand und schluckte. Wo blieb sein Vater?
„Dad?“ Keine Antwort außer dem Knacken und Raschen des Feuers. Jaili schluckte. Eine heftige Angst bemächtigte sich ihm.
Endlose Sekunden verrannen, während er flehentlich hoffte, dass sein Vater unverletzt aus der Flammenwand kam. Plötzlich hörte er weiter hinten im Gang  laute Explosionen, die sich ständig wiederholten und mit jedem Knall lauter worden. Am Ende erkannte er mit Einsetzen eine gewaltige Feuersbrunst, gewaltig und gefährlich wie ein Tsunami, die mit unglaublich hoher Geschwindigkeit auf ihn zurollte. Mit sich kämpfend sah er zum immer noch vom Feuer umschlungenen Türrahmen. Die Hitze war inzwischen unerträglich geworden und brannte dem Jungen in seinem Hals.
Er wusste, sollte er nicht gleich weg sein, würde ihn die nähr kommende Explosionswelle innerhalb von Sekunden aus dem Leben reißen. Allerdings hatte er keinen Plan, wie er denn aus dieser Todesfalle rauskommen sollte. Zwar kannte er sich eigentlich gut im Raumschiff seines Vaters aus, aber nun mit den an allen Ecken und Enden versperrten Wegen, dem dicken Rauch und dem ganzen Feuerherden in den Gängen, war sein Lageplan in seinem Kopf längst nicht mehr zu gebrauchen.
Eine plötzliche Hitze ließ ihn mehrere Schritte zurückweichen. Am Ende des Gangs, ungefähr in ca. 150m Entfernung sah er die von der Explosion gewaltige Feuerwand direkt auf ihn zurasen. Sie machte einen unglaublich mächtigen Eindruck und fühlte den Gang komplett aus und obwohl die Wand aus Feuer noch etwas entfernt war, spürte Jaili schon jetzt die mörderische Hitze, die von den Flammen ausging. Nieten schmolzen und alles Brennbare zerfiel sofort zur Asche oder schmolz in unförmige Klumpen zusammen.
Jaili war wie erstarrt. Obwohl es nur noch eine Frage von Sekunden war bis die Flammenwand ihn erreichen würde, konnte er sich nicht bewegen. Sein Körper verweigerte ihm schlicht und einfach jede Bewegung.
Im nächsten Moment passierten mehrere Dinge in extrem kurzer Zeit. Die Feuerwand war nur noch Sekunden von ihm entfernt und innerlich hatte Jaili schon mit dem Leben abgeschlossen, als ihn jemand von den Füßen riss und ihn mehrere Meter in den gegenüberliegenden Gang warf. Aus den Augenwinkeln sah Jaili, wie jemand den Schalter an der rechten Wand des Ganges drückte, der die feuerfesten Nottüren aktivierte. Knallend schloss sich die Nottür und kappte die Verbindung zum anderen Gang. Selbst durch die geschlossene Tür spürte Jaili die Hitze von der Flammenwand, als sie gegen die dicke Tür raste und den abgeriegelten und verschlossenen Gang zur einer Hölle auf Erden machte.
 
„Ist mit dir alles in Ordnung?“
Zögernd stand Jaili auf und sah seinen Vater an, der neben ihm kniete und sich müde über die Stirn strich.
„Dad...Ich…Ich habe schon gedacht du wärst tot!“
Remus nickte. „Es gab Probleme. Ein Teil des Schranks hatte mich eingeklemmt und hätte mir beinah meinen Arm gekostet, hätte ich mich nicht im letzten Moment weggedreht.“
Bei diesen Worten hielt Remus grimmig inne und warf einen Blick auf seinen rechten Arm, der eine große Wunde aufwies. „Wir hätten wohl doch lieber die mondförmigen Schränke nehmen sollen!“. Leise vor sich hin fluchend stand Remus auf und drückte seinen Sohn beruhigend auf die Schulter.
„Komm, wir müssen jetzt gehen. Solange wir noch können.“
Jaili ließ sich inzwischen erschöpft mit seinen Vater mitziehen. Und er hoffte, dass dieser Alptraum bald ein Ende haben möge...
 
 
 
James schlug wütend gegen die nach wie vor regungslose Schotttür. Er versuchte schon seit einer halben Ewigkeit mit den noch einigermaßen unverletzten Crewmitgliedern die Tür dazu zu bewegen sich zu öffnen. Allerdings musste er zugeben, dass sich diese Tür bisher hartnäckig sämtlichen Bemühungen sich zu öffnen rigoros trotzte. So ein widerspenstiges Ding.
 Auch nicht mit dem Brecheisen hatte sich die Tür bewegt und dummerweise wurde keiner seiner anwesenden Leute aus der Steuerplatine schlau.
Betrübt warf James einen Blick auf die zwei am schwersten verletzten Crewmitglieder. Er bezweifelte, dass die beiden ohne medizinische Versorgung überleben würden. Auch wenn er nicht genau wusste, was für Verletzungen die beiden Männer hatten, war es eindeutig, dass diese lebensgefährlich waren.
Ein knirschendes Geräusch ließ ihn erschreckt umdrehen. Obwohl der mittlerweile dicke Rauch seine Sicht deutlich behinderte, erkannte kannte er deutlich zwei vom Rauch verdeckte Umrisse.
„Commander? Sind sie das?“, rief James leicht nervöus in den Rauch hinein.
„Ja, zum Himmeldonnerwetter. Wer ist denn wohl sonst noch übrig?“. Unwirsch kam Remus aus der Wand aus Rauch hervor, während er seinen Sohn stütze, der sich an ihm festklammerte.
„Ein Glück, dass sie noch leben. Wie geht es ihrem Sohn?“ Besorgt warf James einen Blick zu Jaili, der erschöpft am der Wand lehnte, wo ihn Remus hingelegt hatte.
Remus seufzte. „Nicht gerade gut. Aber das kann man glaub ich von allen hier behaupten. Ich hoffe, dass hier keiner wegen Rauchvergiftung tot umfällt.“ Er schwieg kurz. „Und? Sind sie wenigstens mit der Tür weitergekommen?“
„Keine Chance! Ich glaub, der einzige, der uns jetzt noch helfen könnte wäre Jaili. Schließlich ist der mit Abstand beste, wenns um Elektronik geht.“ James grinste. „Sogar besser als unser lieber Chefmechaniker Sardi.“
„Sei froh, dass er jetzt nicht gerade neben uns steht.“, gab Remus voller Ironie zurück, kniete sich neben Jaili und schüttelte ihn sanft an der Schulter.
Sein Sohn sah erschöpft zu ihm hoch.
„Was denn?“, fragte er mit erschöpfter Stimme.
„Fühlst du dich noch einigermaßen fit?“
„Wieso?“
Remus deutete mit der Hand auf die Schotttür und deren Kontrollplatine.
„Wir werden aus der Platine nicht schlau. Du bist der mit Abstand der beste von uns, der sich mit Elektronik auskennt. Ehrlich gesagt, wenn wir diese vermaledeite Tür nicht irgendwie aufkriegen können wir gleich unser Testament machen.“
Jaili nickte und während er sich mit zusammengekniffenen Lippen auf den Weg zur Schotttür machte, murmelte er leise in Richtung seines Vaters, sodass nur es hören konnte: „Gut, dass Sardi nicht hier ist. Der würde dich wahrscheinlich am liebsten kielholen!“.
Remus grinste und gab seinem Sohn einen freundschaftlich gemeinten Klaps auf die Schulter.
Ein kurzes Lächeln erschien auf Jailis Gesicht, was aber genau schnell verschwand wie es gekommen war, als er die Kontrollplatine der Schotttür ins Auge nahm.
„Übel!“, war sein einziges Kommentar, während er vorsichtig die verschiedenen nch intakten Drähte in Augenschein nahm. Remus und die anwesenden Crewmitglieder tauschten ein viel sagende Blicke.
Wenn Remus Sohn schon etwas als Übel bezeichnete, dann war es wirklich schlimm.
Das immer währende Knacken von nachgegeben Stahlträgern, erzeugte eine stetige Furcht davor, dass sie zu langsam sein könnten und ihnen das ganze Schiff um die Ohren fliegen könnte.
Keiner sagte etwas, während Remus Sohn mit zusammengekniffenen Lippen mit den aneinanderhängenden Drähten kämpfte. Eine drückende Anspannung hing in der Lift und alle hofften und warteten sehnsüchtig darauf, dass sich die Schotttür öffnete.
Minuten vergingen und einigen war anzusehen, dass sie schon nicht mehr glaubten, dass Jaili die Tür aufkriegen würde.
Ein leichtes Knarren der Türscharniere ließ die Männer aufhorchen.
„Ich glaub, ich hab es!“, murmelte Jaili und verband vorsichtig zwei Drähte miteinander. Sekunden später begannen sich langsam die Scharniere zu öffnen und Stück für Stück gab sie den Blick auf den dahinterliegenden Gang frei.
„Gut gemacht!“, sagte Remus zu seinem Sohn, während James und die Crewmitglieder  an ihm vorbeigingen und darauf warteten, dass Remus und Jaili nachkamen.
Jaili grinste und folgte seinem Vater und dem Rest der Crewmitglieder durch den nun frei gewordenen Gang. Als er nach ein paar Sekunden seinen Vater und die Crewmitglieder eingeholt hatte setzte sich die Gruppe aus Überlebenden langsam in Bewegung.
Überraschenderweise kamen sie in diesem Abschnitt des Raumschiffs wesentlich besser zurecht.
Remus vermutete, dass nur ein Teil des Schiffes Feuer gefangen hatte und der Rauch in diesem Schiffsteil durch einen Durchzug woandershin gesaugt wurde. Auf alle Fälle war hier wesentlich weniger Rauch, auch wenn die stark verborgenen und teilweise halb eingestürzten Gänge zeigten, dass auch dieser Teil einen gewissen Schaden davongetragen hatte.
Während sich die Gruppe um Remus durch die vielen Gänge in Richtung des Ausgangs kämpfte (Glücklicherweise konnten sie sich nun an Lageplänen orientieren, die noch halb an der Decke baumelten) sagte keiner viel. Alle hatten nur einen Gedanken: Endlich rauszukommen.
Jaili wurde von James gestützt, dem es durch seine Verletzung zunehmend schwer fiel mit den anderen Schritt zuhalten. Trotzdem beschwerte er sich mit keinen Wort, obwohl seine zusammengekniffenen Lippen deutlich machten, dass seine Verletzung ihm doch einiges an Schmerzen verursachte.
„Remus, wissen sie wie lang wir noch zum Ausgang brauchen? Ich glaube nicht, dass Jaili die Strapazen noch sehr lange aushält!“.
Remus riskierte einen kurzen Blick auf seinen Sohn.
Dann murmelte er James zu: „Nicht nur er hält nicht mehr lange durch.“ Bei diesen Worten nickte Remus zu den zwei schwer verletzten Crewmitgliedern, die jeweils von zwei noch halbwegs unversehrten Männern gestützt wurden, „Aber wir müssten auch in den nächsten Minuten beim Ausgang ankommen. Hoffentlich haben es noch ein paar andere geschafft.“
James nickte schweigend.
Der Weg schien endlos zu dauern. So in etwa, als würde die Zeit bis ins unendliche gedehnt und nie mehr fortschreiten. Jaili wusste nicht, wie lange er von James gestützt seinem Vater und dem Rest der Crew folgte. Nach der achten Biegung (er hatte mitgezählt) begann sich  eine plötzliche Unruhe in der Gruppe breitzumachen.
Hoffnungsvoll sah er seinen Vater an, der mit einem kraftvollen Tritt die Ausgangstür öffnete, die sich in Ermangelung von Widerstand ihrerseits scheppernd auf den Boden verabschiedete.
„Haben wir's geschafft?“
Remus lächelte seinem Sohn zu.
„Keine Sorge, wir habens geschafft!“, sagte er und half Jaili aus dem zerstörten Raumschiff zu steigen. Die anderen Crewmitglieder, unter ihnen auch die zwei schwerverletzten Männer, kniffen die Augen wegen der blendenden Sonne zusammen. Sie waren auf einer kleinen Lichtung umgeben von dichten Wald bruchgelandet. Die Luft roch holzig und die Blätter der Bäume wiegten sich leicht im  Wind.
Prüfend sah sich Remus mit James um. Tatsächlich hatte noch ein paar andere seiner Leute überlebt, unter ihnen auch sein salarianischer Arzt, der ihn noch gar nicht bemerkt hatte und tief konzentriert einen Mann behandelte, der allem Anschein nach eine starke Verbrennung fortgetragen hatte. Sardi konnte er allerdings nirgendwo erblicken.
Schnell zählte Remus die Köpfe.
„Fast der Hälfte unserer Leute haben wir verloren!“. Remus Stimme klang gedämpft und betrübt.
James nickte. Auch er fühlte sich, als wäre ihm der Boden unter den Füßen weggezogen wurden. Es war schockierend was diese Bruchlandung gekostet hatte.
„Wenigstes haben ein paar überlebt.“, murmelte er Remus zu, der traurig den Kopf schüttelte.
„Wenigstens...!“, wiederholte Remus und versank ein paar Sekunden lang in seiner eigenen Welt. Entschlossenen schüttelte er den Kopf. Nein, wenn er sich gehen lassen würde, wären sie gleich erledigt. Er überlegte kurz.
„Nun gut, trotzdem müssen wir etwas unternehmen. James, sie nehmen ein paar der unversehrten Männer und erkunden die nähere Umgebung. Ich will zumindest einen groben Überblick haben, wo wir hier gelandet sind.“
„Und wie weit sollen wir erkunden?“ Innerlich wieder beruhigter sah James seinen Commander fragend an. Die Entschlossenheit, die sich auf dem Gesicht seines Freundes zeigte, halfen ihm seine aufkeimende Verzweiflung wieder zu ersticken. Hier, so fand James, zeigte sich, wer wirklich den Platz eines Commanders verdient hatte. Nämlich solche, die auch in den scheinbar schlimmsten Situationen nicht den Kopf hängen ließen und voller Elan versuchten etwas an der Situation zu verändern.
 
Remus überlegte kurz. Zu weit weg war gefährlich, schließlich hatte weder er noch James eine ungefähre Ahnung wie der Planet geländetechnisch aussah und ob er bewohnt war oder nicht. Und wenn ja, wie die Einwohner ihnen gegenüber eingestellt waren. Neuen Ärger wollte er zumindest vorerst unbedingt vermeiden. Genauso unvorteilhaft wäre es den Erkundungskreis zu eng zu ziehen, da dann die Wahrscheinlichkeit stark anstieg, dass man etwas übersah. Und noch mehr negative Überraschungen konnte er nun wirklich nicht brauchen.
„Commander?“
Remus riss sich aus seinen Gedanken und sagte zu James: „Nennen sie eine Zahl!“
„Sir?“, fragte James Remus vollkommen perplex. „was hilft es uns jetzt Zahlenspiele zu machen? Haben wir denn nicht andere Sorgen?“
„Los, sagen sie schon!“
Auch wenn James anzusehen war, dass er grade sichtlich am Verstand von Remus zweifelte, antwortete er immer noch perplex: „ Fünf.“
„Okay, dann entfernen sie sich höchstens 2,5 Kilometer von unserem Lager. Ich werde, während sie weg sind, unser Lager hier erstmal notdürftig einrichten. Dann sehen wir weiter!“
James nickte und wollte sich schon umdrehen, als er Remus noch fragte: „Sir, warum denn eigentlich ausgerechnet 2,5 Kilometer?“
Remus grinste kurz und erklärte dann achselzuckend: „Das ist die goldene Mitte, wie man so schön sagt. Ich konnte mich halt nicht entscheiden!“
James grinste kurz und war schon mehrere Schritte von Remus entfernt, als diesem noch etwas einfiel.
„Und James?“
James, der schon losgegangen war, drehte sich nochmal um.
„Sir?“
„Nehmen sie nicht zu viele mit. Wer weiß wie das Gelände hier ist.“
„Keine Sorge, ich mach das schon, Commander.“, erklärte James mit Nachdruck, sammelte mehrere Leute sein und verschwand mit seiner Gruppe in der dichten Waldvegetation.
 
Remus sah ihm noch kurz nach, dann sah er sich suchend nach seinem Sohn um. Er brauchte ein paar Sekunden, bis er ihn erschöpft an einem Stein gelehnt sitzen sah.
Mit einem Wink holte er seinen salarianischen Chefarzt Liko Terres zu sich, der sich in einer der wenigen Verschnaufspausen etwas zu essen genehmigt hatte.
„Sir?“.
„Hätte sie einen Moment Zeit sich Jaili anzusehen? Ich weiß sie sind grade total beschäftigt, aber ich mache mir ernsthafte Sorgen um ihn.“
Der Arzt warf einen kurzen Blick vorbei an Remus zu Jaili. Ein Ausdruck von Besorgnis legte sich in sein Gesicht.
Remus schluckte. Und aus guten Grund. Wenn ein Arzt so einen Gesichtsausdruck machte, stand es die betreffende Person nicht gerade gut.
Besorgt folgte er seinem Arzt, der sich sofort zu Jaili aufmachte.
„Hey, hörst du mich?“, fragte der salarianische Chefarzt Jaili und schüttelte den Jungen sanft.
„Was denn?“. Jailis Stimme klang erschöpft und es war ihm anzusehen, dass seine Verletzung starke Schmerzen zufügte.
„Zumindest reagierst du noch. Das mehr als einige andere der Verletzten von sich behaupten können!“.
„Na wenigstens etwas.“, grinste Jaili schwach.
Remus spürte wie ein kurzes Lächeln auf seinem Gesicht erschien. Wenigstens seinen Humor hatte der Junge trotz des durchlebten Horrortrips behalten.
„Jaili, das könnte jetzt ein bisschen schmerzhaft werden.“, mischte Remus Stabsarzt sich in das kurze Gespräch ein, der währenddessen Jailis Verletzung am Pullover in Augenschein genommen hatte.
Jaili schluckte. Mit besorgten Blick fragte er: „Warum?“
Remus Arzt seufzte.
„Ich muss deine Wunde erstmal reinigen. Da leider ein Großteil der medizinischen Ausrüstung mit dem Raumschiff zerstört wurde, habe ich nur eine begrenzte Anzahl an Medikamenten. Das wird eine Weile wie die Hölle brennen.“
Jailis Stimme zitterte leicht, als er kläglich fragte: „Reicht nicht ein Verband?“
„Das ist mir bei deiner Wunde zu riskant.“
Der Arzt wechselte einen kurzen Blick mit seinen Commander. Beiden war klar, warum Jaili hoffte, dass ein einfacher Verband ausreichen würde. Remus kannte die Problematik aus eigener Erfahrung. Das Erlebnis war jetzt schon lange her, als er nach einem Gefecht mit mehreren Banditen auch verwundet wurde. Das Medikament, was sein Stabsarzt damals eingesetzt hatte, wirkte ohne Frage. Innerhalb von ein paar Tagen war Remus Verletzung so gut wie geheilt. Es hatte sogar inzwischen sogar einen eigenen Spitznamen in der Galaxis gekriegt: Hell of World (der wissenschaftliche Name ist schon lange des Vergessens anheim geraten). Zugegeben, jeder der sich die Zusammensetzung nähr anguckte, konnte sich getrost von seinen Verstand verabschieden, denn die Zutaten waren ohne Frage die geschmacklosesten, die je irgendjemand  in der Galaxis zusammengemixt hatte (wohl mit mächtigen Aussetzern seines Verstandes), aber es war trotz dieser Tatsache eines der besten Medikamente gegen Wunden. 
Aber es war besonders bei offenen Wunden extrem schmerzhaft. Das Gefühl beim Aufbringen auf eine Wunde war in etwa so, als würden tausende von Ameisen eine Attacke starten. Es war durchaus aushaltbar, aber die wenigsten Patienten hielten diesem Arzneimittel ohne Unterstützung von Angehörigen stand. Ein Vorteil war allerdings die Tatsache, dass es wenigstens schnell vorbei war.
„Kann's losgehen?“ Der Arzt sah den Jungen fragend an. Jaili nickte und suchte hilfesuchend Hand seines Vaters.
Keiner der anderen anwesenden Crewmitglieder sagte ein Wort und es herrschte auf der Lichtung nur ein andächtiges Schweigen, während der Arzt das Medikament aus dem erste Hilfekoffer nahm und damit vorsichtig die Wunde des Jungen reinigte.
Es brannte wie Hölle. Es war Jaili anzusehen, wie stark die Schmerzen waren, allerdings gab er  während der ganzen Prozedur keine Schmerzensworte von sich, sondern presste sich nur mit zusammengekniffenen Lippen an Remus ran, der ihn beruhigend an sich drückte.
Mehrere Minuten vergingen.
„So, das war's. Jetzt nur noch der Verband.“, riss der Arzt Jaili aus seinen Gedanken und drückte ihm anerkennend auf die Schulter, „Du bist ganz schön tapfer. Nicht viele ertragen dieses Medikament so souverän.“
„Na ja, irgendwie muss ja mal die Regel brechen!“. Jaili grinste und zuckte kurz zusammen, als der Arzt ihm den Verband festmachte.
Dann stand Remus Stabsarzt auf und sagte zu Remus gewandt: „So, Sir. Das war's. Jetzt sollte es eigentlich wie von selbst heilen. Vorausgesetzt.“, der Arzt schenkte Jaili einen strengen Blick, „Unser junger Mann hier schont sich in der nächsten Zeit ein bisschen. Oder?“
Mit gespielter Empörung entrüstete Jaili sich. „Tu ich das nicht immer?“
Remus grinste und klapste seinem Sohn sanft auf die Wange.
„Scherzkeks!“, war Remus einziger Kommentar, während Jaili grinsend vom Fels aufstand und sich zu zwei überlebenden Besatzungsmitglieder gesellte, die gerade versuchten einen Kommunikator wieder in Gang zu setzen.
Remus und sein Arzt sahen Jaili noch kurz nach. Dann murmelte Terres zu seinem Commander: „Gut, dass das ihr Sohn soviel Humor hat, Sir. Wenigstens einer, der der Sache noch ein bisschen Spaß abgewinnen kann!“.
Remus nickte. Humor war in diesen schwierigen Zeit nur noch schwer zu bekommen. Mit Nachdruck riss er sich von seiner trübseligen Stimmung los. Nun waren Taten angesagt.
„Okay, dann wollen wir mal. Sie können sich wieder um die anderen Verletzten kümmern. Ach ja, bevor ich's vergesse; teilen sie den anderen Crewmitgliedern bitte mit, dass wir uns exakt 19 Uhr hier treffen. Wir brauchen einen Plan, wie wir weiter vorgehen.“
„Warum erst heute Abend, Sir?“
Remus schwieg kurz und ließ seinen Blick auf die Bäume am Rande
der Lichtung gleiten.
Dann sagte er: „Weil ich noch auf James und seinen Stoßtrupp warten will. Was würde es denn helfen, wenn wir jetzt eine Lagebesprechung machen, obwohl wir noch nicht mal die nähere Umgebung kennen? Bis dahin können wir uns schon notdürftig einrichten.“
Remus Arzt nickte knapp und kehrte zu den Verwundeten zurück, die an der linken Seite der Lichtung von den Assistenten des Chefarztes versorgt worden.
Remus sah ihm kurz hinterher, dann wandte er sich an eine Gruppe von Crewmitgliedern, die gerade die geretteten ausfaltbaren Zelte aufbauten.
„Ich helfe euch mal, okay?“
„Wenn sie wollen, Sir.“, erwiderte Thomas; einer der überlebenden Crewmitglieder.
„Ein bisschen  Hilfe können wir gut gebrauchen.“
Remus nickte kurz, warf einen Blick in den dichten Wald und begann damit das Zelt mit aufzubauen...
 
 


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RE: Geschichte: Die dunkle Macht
Die dunkle Macht:

Band 1: Brut des Bösen

Kapitel 2: Eine Bruchlandung Teil 2


Ein lautes Knacken ertönte, als sich eine Machete aus gehärteten Duralstahl durch mehrere armdicke Lianen arbeitete. Der Besitzer dieser ganz und gar nicht jugendfreien Waffe, stieß einen designierten Fluch aus und wischte sich erschöpft den Schweiß von der Stirn.
„Ich bin ja schon auf einigen Planeten gewesen, aber dieser Wald toppt eindeutig alles, was ich bisher für möglich gehalten habe.“
„Kann ich kaum glauben, Sir!“, erwiderte der Leutnant neben ihm, der unwirsch einen Ast zur Seite bog.
„Glauben sie es ruhig. Ich frage mich langsam, ob es Menschen hier überhaupt ertragen können!“ Der Leutnant nickte und dachte grimmig an die nicht so netten Raubtiere, die sie schon mehrfach aus ihren Verstecken gescheucht hatten und die nicht sonderlich begeistert von dem unerwarteten Besuch waren. Nun ja, natürlich konnte er es verstehen, dass jemand, der auf Jagd war und grade ein Beutetier erspäht hatte in keine Begeisterungsstürme ausbrechen würde, wenn irgendwelche Trampel sein Beutetier verjagen würden, aber das war noch keine Grund gleich so auszurasten.
Hätte James diesem „Etwas“  nicht seine ganz speziellen Überredungskünste gezeigt (die natürlich nichts mit Laserpistole zutun hatten, oh nein, Gott bewahre), hätte es ihn und den Rest der Leute wahrscheinlich vollends in ihre Einzelteile zerlegt.
Trotzdem. Schon jetzt war sich James mit seinen Leuten einig, dass sie so schnell wie nur irgendmöglich von diesen Planeten weg wollten.
Die nächsten Minuten schwiegen sie, während sie einem kleinem Trampelpfad folgten, der von dicken Dornensträuchern umzäunt war.
Vereinzelt stachen Sonnenstrahlen durch die dichten Baumkronen, die von den Steinen teilweise reflektiert wurden.
„Interessante Steine gibt’s hier.“, sagte James, als ein besonders stark reflektierender Stein ihn fast blendete. Seine Leute nickten. Auch ihnen waren die länger am Wegesrand im Sonnenlicht blitzenden Steine aufgefallen. Glatt und von feinen blauen Adern durchzogen lagen sie ständig im Buschwerk verstreut; manche kaum ganz klein, andere so groß wie ein halber Fels.
James stoppte, als er einen Stein fand, der alle bisherigen Steinen in den Schatten stellte. Vergleichsweise klein und auch sonst von der Größe unscheinbar.
Staunend nahm James ihn nähr in Augenschein und auch seine Leute staunten nicht schlecht, als die Männer neben den altbekannten blauen Adern auch dünne goldene Adern in dem Stein fanden.
Es war als ob der Stein mit einzelnen Goldstücken durchsetzt war und als James ihn in die Sonne hielt, brachen sich die Lichtstrahlen atemberaubend in verschiedene Richtungen, sodass es den Eindruck machte, als würde er aus Glas bestehen.
Eine Weile schwiegen die Männer. Dann sagte James: „Den nehme ich mit. Das ist sicher was, was Jaili gefallen müsste.“
Der Leutnant sah ihn skeptisch an: „Sind sie sicher, Sir? Mir kam es bisher ehr so vor, dass Jaili hauptsächlich an Technik interessiert wäre.“
James zuckte wortlos mit den Schultern und ließ den Stein in seine Hosentasche gleiten. Es war ein wohlbehütetes Geheimnis von dem Sohn des Commanders, dass er sich durchaus für Kunst und dergleichen interessierte. Allerdings wussten nur wenige in der Mannschaft darüber Bescheid. James eingeschlossen.
Für James war ein fast eine Ehre, dass der Junge ihm so stark vertraute, denn das war bei ihm nicht der Regelfall. Schon immer war es so gewesen, dass sich der Junge fremden Leuten gegenüber stark zurückzog und erst Stück für Stück auf sie zuging. In gewisser Hinsicht glich Jaili einem Soldaten, der sich vorsichtig und die Situation auskundschaftend in ein bestimmtes Gebiet vorwagte.
Inzwischen wusste James auch woher diese zurückhaltende Haltung kam, die Jaili laut seinem Vater schon immer gehabt hatte. Hauptsächlich von seinem Heimatplaneten. Denn dort hatte es wohl, bevor die halbe Bevölkerung auf unerklärliche Weise umgekommen war  klare Erwartungen und Haltungen gegebenen und jeder, der dort eben nicht im Mainstream mitschwimmen konnte oder wollte, war sehr schnell als Außenseiter abgestempelt. Und Jaili war halt nie mainstreammäßig gewesen.
Statt wie seine Altersgenossen Football oder Basketball zu spielen wie es auf seinem Heimatplaneten von Jungen erwartetet worden war, hatte er sich lieber mit Technik und Büchern beschäftigt. Von seinen Altersgenossen wurde ihm kaum Verständnis entgegen gebracht, sodass Jaili ziemlich schnell mit seiner Mutter und seinem Vater am Rand der Gesellschaft stand. Zwar geduldet, aber immer argwöhnisch beäugt.
Irgendwann um diesen Zeitpunkt rum musste ihm wohl etwas passiert, dass ihn von Grund auf verändert hatte. Genaues wusste auch James nicht, da Remus aus Respekt vor seinem Sohn nicht mit ihm darüber reden wollte. Das bisschen, was James dann noch von Jaili selbst erfahren hatte, war dann auch nicht wirklich hilfreich. Er wusste nur, dass es irgendwas mit Jailis angeblichen Freunden zutun gehabt hatte, mit denen Jaili am Ende kein Wort mehr gewechselt hatte.
So gesehen war es kein Wunder, dass der Junge nur wenigen Leuten sein wirkliches Wesen zeigte und auch sein Interesse im Hinblick auf Kunst den meisten Leuten in Remus Crew vorenthielt.
Kunst galt nämlich bei den Leuten, deren Leben aus Raumfahrt bestand, nur wenig. Zumindest meistens, auch wenn es einige wenige Ausnahmen gab. Für die meisten Weltraumabenteuer und auch für deren Crews galt Kunst oder ähnliches als Zeitverschwendung. James konnte diese Haltung auch verstehen, schließlich war ein großes Wissen in Kunst oder ausschweifende Fantasie in dem Business der Weltraumabenteuer ehr hinderlich, da man dort, wenn sofortige Entscheidungen  gefordert waren, keinen brauchen konnte, der ewig über Antworten nachdachte oder sich von anderen Dingen ablenken ließ.
Remus Sohn hatte das schon sehr früh begriffen und hielt seine Neigung den meisten Mitgliedern in der Mannschaft seines Vaters geheim. James seufzte leise, während er mit seinen Leuten einem Trampelpfad folgte, der sich durch das dichte Gestrüb schlängelte. Es war wahrlich nicht einfach mit dem Jungen richtig umzugehen. Er war schon und das musste auch sein Commander zugeben, ein kompliziertes Kind.
 
Mehrere Minuten kämpften sich James und seine Leute durch den beinah undurchdringlichen Dschungel. Inzwischen lag eine leichte Schwüle in der Luft und die Sonne stand schon tief am Himmel.
Eine gewisse Unruhe machte sich in James breit.
„Wir sollten uns mal auf den Rückweg machen! Was sagt der Chronos?“.
Einer der Männer warf einen Blick auf seinen Arm, wo der Chronos befestigt war.
„Ungefähr kurz nach 4.“
James warf einen prüfenden Blick auf das Blätterdach, das nur begrenzt einzelne Lichtstrahlen durchließ. Es war wohl besser umzukehren, um nicht im Dunkeln durch den Wald stapfen zu müssen. Auch die jetzt einsetzende drückende Schwüle sorgte nicht dafür, dass James sich sicherer fühlte. Höchstwahrscheinlich würde es noch in absehbarer Zeit ein heftiges Gewitter geben und niemand seiner Gruppe wusste, wie stark Unwetter auf diesen Planeten werden konnten. Trotzdem würde James seinem Commander gerne etwas Interessantes berichten können.
 „Na gut, kehren wir um. Es wäre nicht vorteilhaft, wenn wir uns hier verirren!“, gab James leicht enttäuscht zurück und wollte sich schon umdrehen, als ihm plötzlich ein metallisches Blitzen in die Augen fiel und ihn so sehr blendetet, dass seine Augen tränten.
„Sir?“, ertönte hinter ihm die verwirrte Stimme des Leutnants, dem das Stolpern von James nicht verborgen geblieben war, „Was haben sie?“
James rieb sich nochmal die Augen. Dann griff er vorsichtig zu seinem Blaster. Seine Männer machten es ihm automatisch nach.
„Kleine Planänderung. Wir gehen ein Stück in diese Richtung.“ Mit diesen Worten zeigte er mit seinem Blaster etwas nördlich von ihrer Position aus in das Gebüsch.
„Irgendetwas hat mich geblendet. Und zwar etwas, was ganz eindeutig aus Metall bestehen müsste.“
Eine unruhige Stille breitete sich unter den Männern aus. Der Leutnant war der erste, der das aussprach, was allen hier durch den Kopf ging.
„Meinen sie, da könnte ein Haus oder sowas sein? Also, dass wir doch nicht auf einem völlig menschenleeren Planeten bruchgelandet sind?“. Ein hoffnungsvoller Schimmer blitzte über die Augen des Mannes. „Vielleicht können uns die Bewohner helfen, von diesem Planeten wegzukommen!“
James sah den Leutnant mit einem nicht deutbaren Blick an. „Könnte sein, aber eventuell sind sie uns auch feindlich eingestellt. Vielleicht war es auch nur eine Lichttäuschung. Wir müssen vorsichtig sein. Und mit Bedacht vorgehen!“
„Klingt vernünftig.“, kommentierte der Leutnant James Festlegung der weiteren Vorgehensweise. James ließ kurz seinen Blick über seine Leute schleifen, die alle mit entschlossenen Mienen und einer gewissen Beunruhigung darauf warteten, dass er den ersten Schritt tat.
„Okay, dann geht’s los. Folgt mir. Aber ganz leise.“ Mit diesen Worten setzten sich James und seine Männer in Bewegung. Vorsichtig bahnten sie sich mehrere Minuten lang einen Weg durch das Gestrüb, bis sie schließlich eine Lichtung entdeckten, auf der eine kleine aus angerosteten Metall bestehende Hütte stand. Ohne einen weiteren Ton verteilten sie sich hinter einem dicken umgefallenen Baumstamm. Mehrere kleine Vögel stieben aus den Baumkronen über ihnen heraus.
„Das soll ein Haus sein? Für mich sieht das ehr aus wie eine Bruchbude, bei dem ein völlig unfähiger Baumeister eingesetzt wurde.“, kommentierte einer von James Männern das Gebilde auf die Lichtung.
„Du tippst noch auf einen Baumeister? Respekt. Sowas kann jeder weltfremde Praktikant bauen!“, erwiderte im Flüsterton sein Nebenmann.
„Meine Herren, wir sollten nicht ehr urteilen, bis wir den Besitzer und seine Geschichte kennen!“, ging James zwischen die geflüsterte Konservation der beiden Crewmitglieder.
Die beiden angesprochenen Männer verstummten. Auch wenn James ihnen beinah zustimmen würde, musste er seine Meinung zurückhalten. Denn eine längere Unterhaltung war im Moment einfach zu riskant. Schließlich wusste er nicht, wer in dieser verfallenen Hütte wohnte. Natürlich könnte es ein alter unbewaffneter alter Mann sein, aber auch solche Leute konnten seiner Erfahrung nach gefährlich werden. Besonders, wenn man ohne Ankündigung einfach in deren Häuser reinplatzte. Und neue Feinde konnten sie im Moment überhaupt nicht brauchen. Schließlich waren sie auf die Hilfe der hier lebenden Menschen angewiesen, sofern sie wieder in absehbarer Zeit weiterfliegen wollten.
Langsam ließ James seinen Blick über die Lichtung gleiten. Neben der kleinen Hütte gab's nur noch einen Brunnen und einen gut gepflegten Garten, der sich hinter der Hütte erstreckte. Hinter der Hütte lief ein kleiner Bach entlang, auf dessen Steine Algen wuchsen. Für Kinder schien das Grundstück mit seinen großen Grünflächen ideal. Allerdings gab es keine Hinweise darauf, dass sich Kinder in letzter Zeit mal hier aufgehalten hatten. Weder konnte James Spielzeug entdecken noch Rutschen oder Sonstiges, was auf die Anwesenheit von Kindern hindeutete.
Dafür waren auch der Garten und die vereinzelten Beete viel zu ordentlich..
Was ihm aber auch noch auffiel: Dafür, dass die Hütte höchstwahrscheinlich nur einen Bewohner beherbergte, war der Garten auffallend groß. So eine Menge an Nahrungsmitteln, die hier anscheinend angebaut wurden, konnte kein einzelner Mensch verdrücken. Langsam machte sich ein ungutes Gefühl bei James breit.
„Sollen wir ausschwärmen?“, raunte der Leutnant ihm zu und die leichte Ungeduld in einer Stimme war nicht zu überhören.
James schüttelte den Kopf.
„Nein, das wäre nicht schlau. Falls der Bewohner des Hauses kommt könnte das zu schweren Missverständnissen führen, sofern er die anderen Männer bemerkt. Schließlich wissen wir nichts über ihn und ich nehme doch stark an, dass er bewaffnet ist. Schließlich wohnt er hier ziemlich in der Wildnis und es wäre töricht nicht eine Waffe zu haben, selbst wenn sie noch so alt ist. Nein, wir machen's anders. Sie, Leutnant suchen zwei weitere Männer aus, die mit mir das Haus erkunden. Der Rest macht sich wieder auf dem Rückweg und berichtet dem Commander Bericht. Wir kommen später nach.“
Der Leutnant Sal nickste und drehte sich zu den Männern um, um James Befehl aufzuführen.
 
Knarzend und quietschend öffnete James mit den drei Männern, die bei ihm waren (Sal, Hez, Greg) die dünne aus Wellblech bestehende Tür der kleinen Hütte. Alle drei Männer hielten ihre Blaster in der Hand, während sie vorsichtig das Innere der Hütte in Augenschein nahmen.
Mehrere Lichtstrahlen brachen sich in einem 90 Grad Winkel an dem Wellblech gegenüber, wodurch sich die Beklommenheit, die die Hütte ausstrahlte sich noch verstärkte. Keiner der drei Männer fühlte sich wirklich wohl; auch weil die Luft durch fehlenden Fenster stark stickig und voller Staub war. Prompt musste Hez heftig niesen.
„Sie ist doch etwas größer, als es von außen erkennbar war!“, bemerkte Sal überrascht, als sie die Hütte betraten. Ein frischer Windstoß fuhr an ihnen vorbei, als sie eintraten.
„Ziemlich luftig. Im Winter sicher kalt wie in einer Tiefkühltruhe.“, sagte Hez zu Greg und Sal, die beide zustimmend nickten.
Zögernd ließen die Männer ihre Blick schweifen. Die ganze Hütte machte einen völlig chaotischen Zustand. Es war ersichtlich, dass die Hütte für die vielen Gegenstände eigentlich viel zu klein war.
„Irgendetwas sagt mir, dass wer immer hier wohnt, keinen Sinn für Ordnung hat!“, bemerkte Hez und betrachtete den klapprigen Tisch, auf denen sich zig Gegenstände stapelten. Hinter dem Tisch stand ein reichlich ramponiertes Sofa, dass so aussah, als  wäre es direkt vom Sperrmüll hierher geschafft worden. Während die drei Männer vorsichtig ihre Blicke durch die Hütte schweifen ließen, versuchten sie einen Überblick zu bekommen, wo hier was stand.
Der Großteil des Platzes  in der Hütte wurde von einem großen Werkzeugtisch und einem spartanischen Küchenbereich ausgefüllt. Neugierig nährte sich Greg dem Werkzeugtisch, auf denen sich die verschiedensten Werkzeuge stapelten. Einige waren völlig verstaubt, während die anderen Werkzeuge teilweise angerostet waren.
Die einzige Ausnahme bildete ein großer Schweißbrenner, der an keinem Fleck vom Rost befallen schien und blank war, als hätte jemand jeden Tag fast jede Stunde das Gerät geputzt. Anerkennend nahm Greg ihn in die Hand und stieß einen anerkennenden Pfiff aus.
„Hey, Hez, sieh mal!“
Hez, der gerade dabei war das Chaos im Küchenbereich zu begutachten, schaute auf und stellte sich neben Greg.
„MZ 350 Python. Is ja abgefahren. Sowas nutzen meistens nur hochspezialisierte Mechanikergruppen. Die Dinger sind extrem teuer. So ein Ding findet man aber nicht an jeder Ecke. Ich frag mich, wo der Bewohner dieser Bruchbude dieses Hightech-Gerät aufgetrieben hat.“
Greg nickte und sah sich nach James um, den er auf dem Sofa sitzend fand.
„Sir!“.
James sah von dem Fotoalbum auf, was er gerade durchgeblättert hatte. Mit einem Knall machte er es zu; mit der Folge, dass er von einer dicken Staubwolke eingehüllt wurde und hustend versuchte den Staub aus seinem Hals zu kriegen.
„Furchtbar“, murmelte er, „ hier wäre Staub wischen wirklich mal angesagt.“ Dann stand er auf und sagte; „Ich denke wir können gehen. Remus wird sicher brennend auf unseren Bericht gespannt sein. Habt ihr noch irgendetwas Wichtiges gefunden?“
Die beiden Crewmitglieder tauschten Blicke aus und Hez nickte mit dem Kopf in Richtung des Werkzeugtisches. „Dort liegt eine MZ 350 Python. Extrem gutes Schneidgerät. Es ist schon merkwürdig, wie ein offensichtlich so armer Bewohner so ein Hightech-Gerät besitzen kann.“
„Das können wir noch auf die Liste der unbeantworteten Fragen setzen. Und jetzt weg hier. Ich habe keine Lust vom Besitzer der Hütte überrascht zu werden.“
 
 
(Frage Schneidgerät ergänzen)
 
„Sir, ich glaube dafür ist es jetzt zu spät!“, ließ Hez plötzlich vernehmen und wies mit dem Finger und dem Blaster in der anderen Hand auf die Eingangstür der Hütte.
Dort stand, halb im Schatten, ein Mann von vielleicht ungefähr 70 Jahren mit einem schussbereiten extrem beeindruckenden Gewehr. Obwohl es im halb im Schatten lag, konnte James trotzdem eine grobe Typenzeichnung entziffern und ihm war sofort klar, dass ihre Blaster gegen dieses Blastergewehr sofort den Kürzeren ziehen würden.
James schluckte und gebot Hez und Sal ihre Blaster wegzustecken, die diese reflexartig schon gezogen hatten. Unwillkürlich musste James zugeben, dass der Mann trotz seines Alters ungemein beeindruckend aussah. Seine langen grauen Haare hingen ungeordnet herab, was ihn mit dem langen Bart ein ziemlich wildes Aussehen verlieh. Oben auf dem Kopf trug er einen typischen, mit ein paar Löchern angeschlagenen Lederhut und auch sonst hatte er eine typische Kleidung eines Farmers an, die mittlerweile überall in der Galaxis ziemlich ähnlich aussah.
Nur der Gurt um seine Hüfte war noch eindrucksvoller. Neben des großen Gewehrs, was der Mann die ganze Zeit entsichert auf sie richtete, hingen an seinem Gürtel noch jede Menge Messer in den verschiedensten Größen und Formen.
„Wow!“, ließ Hez leise entnehmen und schien völlig überrumpelt.
Auch die anderen beiden Männer von James schienen angesichts dieser beeindruckenden Gestalt sämtliche Bodenständigkeit und Mut verlieren.
„Was machen sie hier in meiner Wohnung? Keiner hat euch erlaubt hier einzutreten!“,
fauchte der Mann die ungebeten Gäste an und seine Augen blitzten gefährlich, „ich warne euch. Ich habe ein durchaus noch funktionstüchtiges Gewehr und werde nicht zögern es auch einzusetzen. Also was wollte ihr und wo zum Donnerwetter kommt ihr her?“. Die letzten Worte des Mannes kamen mit einem so beeindruckenden Druck rüber, der Hez, Sal und Greg kurz zusammenzucken ließ.
James dagegen ließ sich äußerlich nicht beeindrucken und sagte mit ruhiger Stimme: „Hören sie zu uns bitte zu, bevor sie uns in die Luft jagen. Natürlich tut es uns leid, wenn wir sie verärgert haben sollten. Es war natürlich unschlau, einfach hier einzudringen.“, versuchte James die Situation zu entschärfen und fügte schnell hinzu, als er sah wie sich die Augen des Mannes kurz verengten, „ aber wir sind hier vor kurzem mit unserem Raumschiff bruchgelandet und haben gehofft hier Hilfe zu finden!“
Ein Schweigen entstand, in dem keiner wagte den ersten Schritt zutun. Dann nahm der Mann langsam sein Gewehr herunter und musterte die Männer.
„Und sie sind keine Piraten oder Kriminelle oder sowas?“. Etwas Lauerndes lag in seiner Stimme und James wurde klar, dass dieser Mann noch nicht vollends überzeugt war und sie ohne große Problem erschießen würde, falls er zur Annahme kommen würde, dass sie eine Gefahr für ihn darstellen würden.
„Gehen wir mal kurz davon aus wir wären Kriminelle. Hätten wir dann nicht längst auf sie geschossen, um Zeugen wie sie loszuwerden?! Außerdem wäre ihre Hütte dann bei weitem in einem noch in viel schlimmeren Zustand!“, ging James in die Offensive.
„Hier.“, sagte Hez plötzlich und trat neben James, „falls sie uns immer noch nicht glauben wollen hier sind unsere Zugehörigkeitsausweise. Wir sind nichts weiter als gestrandete Weltraumhändler!“
Prüfend nahm der Mann die Karte entgegen, die Hez ihm hinhielt.
„Scheint keine Fälschung zu sein.“, erklärte er, nachdem er die Karte gemustert hatte.
James und seine Männer tauschten einen überraschten Blick aus. Woher kannte der Alte solche Ausweise und konnte Fälschungen erkennen, wenn er hier doch scheinbar ohne jede Anzeichen von Zivilisation lebte.
Der ältere Mann schien die Frage aus den Gesichtern von James und seinem drei Männern gelesen zu haben, als er Hez den Ausweis wieder zurückgab. Dann sagte er abweisend: „ Ich habe meine Erfahrung.“
Hez wollte schon etwas erwidern, aber James fuhr ihm warnend über den Mund.
„Hez, nicht jetzt!“, wies er ihn zurecht und wandte sich wieder an den Mann, der nun mit einem grimmigen Lächeln die Waffe abnahm und sich durch das Durcheinander zum Küchentisch begab.
Am Küchentisch angekommen, drehte er sich kurz zu seinen Gästen um.
„Wollen sie einen Tee? Vielleicht kann ich ihnen einige ihrer Fragen beantworten. Da sie ja scheinbar keine Kriminellen sind, kann ich mal annehmen, dass sie nicht gleich auf mich losgehen werden, wenn ich ihnen den Rücken zudrehe, oder?!“ Er lachte rau.
James nickte höflich mit dem Kopf und meinte: „Wir hätten tatsächlich einige Fragen. Und ich denke keiner meiner Leute wird etwas gegen Tee einzuwenden zu haben, oder?“
Hez, Sal und Greg nickten, wobei man ihnen klar ansah, dass sie dem Mann noch nicht komplett über den Weg trauten.
„Ihr könnte euch schon mal auf das Sofa im Nebenraum setzen. Ich komme gleich nach. Der Tee dauert noch ne Minute. Besonders bei diesen alten Teegerät.“ Mit diesen Worten begann der Mann mit dem Tee zu hantieren, während sich James und seine drei Männer auf das zugewiesene Sofa setzten und versuchten Platz für den Tee zu schaffen.
 
Ungefähr zehn Minuten später saß auch ihr Gastgeber gegenüber von ihnen und schenkte jedem einen Tee ein.
„Brr!“, Hez schüttelte sich, als er vorsichtig den Tee probierte, „sagen sie mal, was ist das für ein merkwürdiger Geschmack? Das kriegt man ja kaum runter.“
Ihr Gastgeber lächelte. Dann meinte er: „Daran kann man sich gewöhnen. Muss man auch. Das Problem ist halt andere Teepflanzen wachsen hier einfach nicht. Keine Ahnung, woran dies liegt, aber auf alle Fälle ist diese Teeart die einzige, die es hier gibt und wächst. Und wie gesagt nach einer Weile gewöhnt man sich dran!“, setzte er noch hinzu.
„Okay, dann brauchen sie mir schon mal nichts mehr nachschenken. So sehr ich ihren Tee auch wertschätze, er trifft nicht wirklich meinen Geschmack.“. Hez stellte die Teetasse mit verzogener Miene wieder zurück auf den Tisch und entlockte damit ihrem Gegenüber ein amüsiertes kurzes Lachen, bevor dieser sich dann an James zuwandte.
„Nun denn, bevor ich eure Fragen beantworte, würde es mich interessieren mit wem ich es zutun habe. Ich kann euch ja nicht die ganze Zeit mit du und ihr ansprechen; dass macht man schließlich nicht.“
„Sie zuerst.“, schoss James den Verweis ihres Gegenübers zurück.
Ein amüsiertes Lächeln erschien im Gesicht des alten Mannes, als er James ein paar Sekunden musterte.
„Sie kennen sich aus. Ich nehme mal an sie stehen von ihrem Rang aus über ihren drei Freunden, oder?!“
„Woher wollen sie das wissen?“, fragte James forsch zurück und nahm, um Zeit zu gewinnen, ein Schluck des Tees zu sich.
„Nun.“, erklärte der Mann und beugte sich ein wenig vor, „ das kann man schon an ihrem Tonfall erkennen. Sehr tonangebend. So reden in der Regel nur Führungspersonen. Außerdem kann man trotz ihrer leidlich angeschlagenen Kleidung noch eine Offiziersmarke erkennen.“
Der amüsierte Unterton war nun nicht mehr zu überhören und James sah ein, dass der Mann ihm bei weitem überlegenen war. Zumindest, was die Lebenserfahrung anging.
Entschlossen stellte er die Teetasse zurück und wechselte einen kurzen Blick mit seinen drei Männern.
„Nun gut, ich sehe wir können ihnen nichts vormachen. Und da wir auch nicht die Absicht haben sie zu verärgern würde ich sagen wir machen reinen Tisch.“. James Stimme wurde eine Spur härter, „ das schließt sie auch mit ein. Entweder spielen wir alle mit offenen Karten oder gar nicht!“.
Ein Schweigen entstand in der Hütte, während James darauf wartete, dass der Mann zustimmte. Nach ungefähr einer halben Minute nickte dieser mit ernster Miene.
„Okay.“, fing James an, nachdem er sich der Aufmerksamkeit des alten Mannes versichert hatte, „mein Name ist James Correges, Chefadjutant von Commander Remus Revat und dies sind drei unserer Crewmitglieder, Hez, Sal und Greg. Wie schon erwähnt sind wir ungefähr 2 Kilometer westlich von hier mit unserem Raumschiff abgestürzt, nachdem wir versucht haben aus einem Wurmloch auszubrechen.“
„Seid ihr des Wahnsinns gewesen?!“, rief der Mann aus und Entsetzen machte sich auf seinem alten vom Wetter gegerbten Gesicht breit, „ Keiner kann einfach so aus dem Wurmloch ausbrechen, ohne in Stücke gehauen zu werden. Kein Wunder, dass das Raumschiff ihres Commanders das nicht ausgehalten hat!“
„Wir haben auch nicht alle retten können.“, gab James zu und seine Stimme wurde belegt. Ein kurzes bedrückendes Schweigen legte sich über die Hütte und
ein dunkler Schatten zeichnete sich im Gesicht des Mannes ab.
„Mein Beileid. Leute zu verlieren ist immer hart.“, erwiderte dieser dann mit schwerer Stimme, „und wieviele Verletzte?“
James schwieg kurz. Dann sagte er: „Insgesamt so um die fünfzehn. 4 davon schwer; der Chefarzt ist sich noch nicht sicher, ob sie durchkommen. Wir hoffen es natürlich, aber unsere medizinische Ausrüstung ist natürlich nicht gerade die Beste. Aber zum Glück sind die Meisten glimpflich davon gekommen einschließlich Jaili.“
Bei der Erwähnung von Jailis Namen merkte der Mann auf, der sich gerade eine neue Teetasse eingegossen hatte.
„Ihr Sohn?“, fragte er fachmännisch.
James schüttelte den Kopf.
„Nicht ganz. Jaili ist der Sohn des Commanders und er war der Schrecken der ganzen Schiffsbesatzung.“
„Hat er immer nur Quatsch gemacht?“.
James sah den Mann überrascht an. „Woher wissen sie das? Ich hab nur mal seinen Namen gesagt. Sind sie ein Gedankenleser, oder was?“
Der Mann setzte ein wissendes Lächeln auf und sah James dann amüsiert an.
„Reines Raten. Meine Nichte ist auch der Schrecken in der gesamten Gegend. Obwohl.“, er lächelte kurz, „wenn sie mal will, kann sie auch sehr nett sein.“
James und seine Leute tauschten überraschte Blicke.
„Ihre Nichte? Nachdem, was wir so bisher von ihrer Behausung gesehen haben, wohnen sie doch allein. Und Kinderspielzeug lag auch nirgends im Garten.“
Der ältere Mann nickte und setzte sich etwas bequemer hin,
bevor er antwortete.
„Da haben sie natürlich Recht. Ich wohne hier auch allein. Aber jedes Wochenende gehe ich zusammen mit meiner Nichte auf Wanderung in den umliegenden Wäldern. Wissen sie, meine Nichte lebt etwa zwanzig Kilometer von hier einer mittelgroßen Stadt mitten in einem Industriegebiet und da es dort praktisch keine Natur gibt, ist sie ganz froh an Wochenenden mit mir ein bisschen frische Luft zu schnappen.“ Plötzlich verfinsterte sich das Gesicht des Mannes. „Ich sag ihren Eltern schon seit langen, dass sie an den Stadtrand ziehen sollen, aber aus irgendeinem Grund wollen sie das nicht.  Keine Ahnung, was sie dort hält, aber gut tut ihnen die verdreckte Luft sicher auch nicht. Es ist ein Wunder, dass sie oder meine Nichte noch keine Lungenprobleme bekommen haben!“, setzte er noch finster hinzu und holte sich eine Pfeife aus dem Schrank hinter ihm, deren Rauch sein Gesicht völlig verhüllte.
„Sie heißt übrigens Jenny. Vielleicht können ihr sie ja mal mit diesen Jaili bekannt machen. Ich schätze mal es würde ihr gut tun, mal einen richtigen Freund zu haben. Keine Ahnung wieso, aber irgendwie ist sie nicht sonderlich beliebt bei den Kindern in ihrer Nachbarschaft. Dafür kümmerte sie sich rührend um ihre Meerschweinchen, was wohl ihre Art darstellt mit der Isolation klarzukommen.“
„Ähm.“, machte Hez, der dasselbe dachte wie James.
Eine Stadt in relativer Nähe. Eventuell konnte sie dort die dringend benötigte medizinische Versorgung und eine neues billiges Raumschiff finden, womit sie von diesem Planeten wieder weg konnten.
„ Haben sie vielleicht eine Karte, wo dieses Stadt einzeichnet ist? Wir bräuchten nämlich dringend Hilfe für unsere Leute und unter Umständen könnten wir dort uns auch nach einem Ersatzraumschiff erkundigen.“
„Irgendwo sicher.“, erklärte ihr Gastgeber und sah sich suchend um. „ Allerdings kann ich ihnen jetzt nicht sagen, wo die liegt.“
Unwillkürlich seufzte James. Sowas in der Art hatte er praktisch schon erwartet. Es war kein Wunder, dass ihr Gastgeber nicht sagen konnte, wo er die Karte wohl hin verlegt hatte. Wahrscheinlich fand er nicht einmal seine eigenen Socken in diesem Durcheinander, ohne dass er die ganze Hütte auf den Kopf stellen musste.
„Na keine Sorge. Ich finde die schon noch.“, erklärte der ältere Mann nachdrücklich, als er die Mienen seiner Gäste bemerkte. „Wie wär's, wenn ich in den nächsten Tagen mal zu ihrem Lager komme und ihnen die Karte übergebe? Dann kann ich ihrem Commander auch gleich nochmal ein paar Tipps bezüglich des Weges mitgeben.“
James und seine drei Männer tauchten einen resignierten Blick. Natürlich war es ihnen anzusehen, dass sie die Karte lieber jetzt sofort in der Hand hätten, aber so konnte sich zumindest auch ihr Commander ein Bild von dem alten Mann machen, was ja auch durchaus Sinn ergab.
„Ok. Dann machen wir es so, wie sie sagen. Hier sind die Koordinaten unseres Lagers.“, erklärte James und reichte dem Mann einen kleinen Zettel aus Papier rüber, auf denen er die Koordinaten des Lagers kritzelte, „ Es wäre schön, wenn sie so schnell wie möglich vorbeikommen könnten. Schließlich können die Verletzen nicht ewig warten.“
Der Mann nickte freundlich. „Kein Problem. Ich werde mich beeilen.“
„Nun, ich würde dann mal sagen, wir haben ihre Zeit lange genug in Anspruch genommen. Sie haben sicher heute auch noch was zutun. Von daher machen wir uns mal lieber auf den Rückweg. Schließlich wird es auch bald dunkel.“ James stand auf.
„Vielen Dank für den Tee.“, bedankte sich Hez, als er und seine Männer den letzten Schluck tranken und auch aufstanden.
„Keine Ursache. Es war wirklich nett, mal wieder mit neuen Leuten zu reden.  Übrigens mein Name ist Kabout.“
James nickte und verabschiedete sich mit Händeschütteln. Nachdem sich Hez, Greg und Sal auch verabschiedet hatten, begaben sie sich zum Ausgang der Hütte.
Sie waren schon ein paar Schritte von der Hütte weggegangen, als Kabout sie nochmal rief.
„Sagen sie mal, wäre es ok, wenn ich Jenny mitbringe? Dann könnten sich dieser Jaili und sie schon mal miteinander bekannt machen. Wie gesagt, es könnte Jenny wirklich nicht schaden, mal ein bisschen mehr unter ihresgleichen zukommen.“
James überlegte kurz. Sollte er die Frage verneinen und riskieren, den Mann wütend zumachen? Im Moment war er ihre einzige Chance wieder aus dem Schlamassel rauszukommen. Leise seufzend entschied er sich dagegen.
„Machen sie sich da mal keine Sorgen. Es ist ok, wenn sie Jenny mitbringen. Falls der Commander doch was dagegen hat, werde ich sie informieren. Andernfalls nehmen sie sie einfach mit.“
Kabout lachte kurz. „Alles klar!“, rief er und winkte ihnen zum Abschied kurz zu, bevor er wieder seine Hütte ging und die knarzende angerostete Tür hinter sich schloss.
 
James und seine drei neben ihm gehenden Männer gingen schweigend in Richtung des Lagers. Inzwischen war es spät geworden und die Sonne stand schon tief am Himmel. Aber zumindest hatte inzwischen die Hitze nachgelassen, auch wenn die  Schwüle nach wie vor geblieben war. Man konnte fast fühlen, wir ein Gewitter im Anmarsch war.
Keiner der Männer sagte viel, während sie sich durch den kleinen Pfad kämpften. Alle vier hingen ihren eigenen Gedanken nach und waren inzwischen war jeder von ihnen erschöpft. Erst hatten sie sich durch Dschungel kämpfen müssen und in der Zeit, wo sie Kabout kennengelernt hatten, war diese bedrückende Schwüle noch stärker geworden.
„Was meinen sie, Sir, können wir Kabout vertrauen?“, meldete sich Hez nach einer Weile zur Wort und stellte damit die Frage, die auch Sal und Greg die ganze Zeit in ihren Köpfen herumgespukt war, während sie dem dünnen vor sich hin windenden Weg folgten.
„Wir haben keine andere Wahl, selbst wenn er nicht vertrauenswürdig erscheinen würde.“, antwortete James knapp und schob einen herunterhängenden Ast aus seinem Gesicht, „wir sind auf ihn angewiesen. So oder So.“
„Das war keine Antwort auf meine Frage, Sir!“.
James sah Hez kurz von der Seite an. Als ihm klar wurde, das Hez es genau wissen wollte erklärte er: „Es wäre falsch zu sagen, dass ich ihm mein Leben anvertrauen würde. Schließlich kennen wir ihn erst seit heute. Aber auf mich macht er ganz guten Eindruck.“, James schwieg kurz und erklärte dann weiter: „ Und wenn er Hintergedanken haben sollte, wieso sollte er dann seine Nichte mitbringen wollen?! Schließlich scheint ihm seine Nichte wirklich was zu bedeuten. In diesem Fall hätte er nie und nimmer gefragt, ob sie mitkommen könnte. Zufrieden?“
Hez schien einen Moment mit sich zu ringen. Dann glättete sich sein Gesicht und er nickte James zu. „Zufrieden!“.
James wandte sich beruhigt von ihm ab und die vier Männer gingen schweigend den Pfad entlang. Es dauerte noch eine halbe Stunde, bis James und seine Männer am Ende des Pfades die Zelte ihres Lagers erkennen. Am Eingang des Lagers saßen zwei bewaffnete Crewmitglieder in Kampfmontur. Beide Männer nickten ihnen zu und als James und die anderen das Lager betraten, sahen sie sich überrascht um.
Sein Commander, wie James nun feststellte, war in ihrer Anwesenheit nicht untätig gewesen.
„Ruht euch aus!“, sagte James an Hez, Greg und Sal gewandt, die sich in eines der nun aufgebauten Zelte zurückzogen. James hingegen ging auf das mit einer Fahne ausgewiesene Zelt von Remus zu.
„Nicht schlecht.“, murmelte er, während er durch das Lager ging. Tatsächlich hatte sich seit heute Morgen viel verändert.
Ein leicht angeschlagener Zaun spannte sich rund um das Lager, während sich die Zelte rechts und links an der Seite der Lichtung anordneten. In der Mitte der Lichtung erkannte James eine improvisierte Feuerstelle, wo zwei Crewmitglieder mit dem Feuer kämpften, das scheinbar immer wieder auszugehen drohte.
„Das Holz ist viel zu nass.“, sagte einer Männer, worauf sein Gegenüber fluchte und verärgert auf den Feueranzünder schlug, der neben ihm stand.
James überlegte kurz, ob er den beiden helfen sollte, allerdings wollte er Remus so schnell wie möglich Bericht erstatten, weswegen er sich darauf beschränkte einem der Männer ermutigend auf die Schulter zu klopfen.
Das einzige Zelt, dass neben dem Zelt seines Commanders noch besonders war, war das Sanitätszelt an dessen Eingang ein großes rotes Kreuz prangte. James schluckte und vermied einen Blick in das Innere des Zeltes. Er würde schon noch früh genug sehen, wie es den verletzten Männern da drinnen genau ging.
Erstmal schien ihm das Gespräch mit seinem Commander die dringendere Angelegenheit zu sein. Eilig setzte er sich in Bewegung.
 
Camp von Remus, in Remus Zelt
 
Remus starrte frustriert sein Comlink an, als wolle er das Gerät zum Funktionieren zwingen. Leidigerweise schien er aber keine besonders große Drohwirkung auf das Gerät zu haben, dass noch immer unbeeindruckt eine kryptische Fehlermeldung anzeigte.
Verständnislos sah Remus die Meldung des Gerätes an und versuchte zu verstehen, was ihm das Gerät sagen wollte. Es war noch ein altes DN Performer X5 Comlink, das inzwischen so hoffnungslos veraltet war, dass es von 90 Prozent der Galaxis schon längst durch die neueren Geräte ersetzt wurden war. Remus hatte sich bisher standhaft geweigert sich eins dieser neuen Dinger zuzulegen, weil er auf Teufel komm raus nicht mit der neuen Benutzeroberfläche zurechtkam.
Sein Sohn würde mit den neuen Geräten wohl keine Probleme haben; da war sich Remus sicher. Der war nämlich generell extrem technikvernarrt und liebte es sich mit neuen Geräten auseinanderzusetzen.
Remus bewunderte immer wieder, wie gekonnt sein Sohn mit den Benutzeroberflächen moderner Geräte klarkam. Er selber hatte es schon lange aufgegeben sich ständig an neue Menüs zu gewöhnen und versuchte deswegen Geräte so lange wie möglich zu behalten. Natürlich führte das auf Dauer dazu, dass einige seiner technischen Helfer zunehmend Startschwierigkeiten hatten.
Das vor ihm linkende Comlink war in der Hinsicht bisher noch ziemlich zuverlässig gewesen, aber anscheinend hatte der Absturz das Comlink nun doch endgültig zerlegt.
Äußerst verärgert starrte Remus noch mal das Comlink an, schüttelte es und warf dann einen frustrierten Blick auf seine Armbanduhr.
16:00 Uhr.
Nachdem er kurz gerechnet hatte und feststellte, dass er schon seit einer geschlagenen  Stunde versuchte das Teil zum Laufen zu bringen verlor er den Geduldsfaden und  schrie es wütend an:„ Du Scheißteil. Wie kannst du es nur wagen dich mir zu widersetzen?! Glaubst du, du kannst es mir aufnehmen?“
Im nächsten Moment landete das Comlink scheppernd auf dem Boden. Ein paar Sekunden lang starrte Remus das auf dem Boden liegende Comlink an, dass nun gar nichts mehr anzeigte und scheinbar durch Remus rohe Gewaltanwendung völlig hinüber war.
„So das hast du nun davon! Schrottiges Teil. Ich glaub ich muss doch ein neues Comlink kaufen. Na das wird ein Spaß!“ Mit diesen Worten wandte sich Remus zum kleinen Notfallkühlschrank und nahm sich eine der wenigen Flaschen Cognac raus, die er nach dem Absturz gerettet hatte.
Mit grimmiger Miene goss er sich ein Glas Cognac ein. Für ihn hatte das Getränk eine magische Wirkung, denn es verursachte schon nach ein paar Minuten ein angenehmes warmes Gefühl der Geborgenheit. Allerdings war er der einzige, der diese Marke Cognac trank, was auch mit der starken Wirkung zusammen hängen mochte. Seine Crewmitglieder jedenfalls lehnten es immer dankend ab.
Ein paar Sekunden starrte er den Cognac an und hob gerade sein Glas an, als er hörte, wie der Zelteingang geöffnet wurde. Ein paar zaghaft wirkenden Sonnenstrahlen fielen auf den befehlsmäßigen Tisch.
„Ah James, sie sind wieder da!“, sagte Remus lächelnd und bot ihm ein Glas Cognac an, „wollen sie auch etwas?“
James schüttelte den Kopf, strich müde über die Stirn und rückte sich einen Stuhl zurecht.
„Später, Sir. Im Moment sehne ich mich nur nach einem Glas Wasser. Diese ganze Erkunderei den ganzen Tag über hat mich ganz schön geschafft. Ich bin eindeutig nicht mehr der Jüngste. Früher hätte mir sowas nichts ausgemacht.“ Remus nickte verständnisvoll und wandte sich dem Schrank zu.
„Und?“, fragte er, während er die Wasserflasche und das Glas aus dem Seitenschrank holte und James das Wasser einschenkte, „haben sie etwas gefunden?“
James nickte und setzte sich ein Stück bequemer hin.
„Einiges.“, sagte er und trank einen großen Schluck Wasser, „Ich hab mit meinen Männern ungefähr 2 Kilometer von uns aus gesehen in nördlicher Richtung einen alten Mann in einer Hütte gefunden. Sein Name ist Kabout und er scheint schon länger dort zu leben.“
„Ist er bewaffnet?“
„Halbwegs. Er hat eine ordentliche Schrotflinte mit denen sich wohl die ganzen Waldtiere im Zweifelsfall von sich fernhält. Ich kann nur froh sein, dass er nicht sofort auf uns geschossen hat. Das hätte einer von uns wohl nicht überlebt. Kaliber 7,66 mm, das ist schon ganz heftig für einen im Wald zurückgezogenen alten Mann.“
Remus, dessen Stirn in Falten lag, strich sich nachdenklich über das Kinn.
„Und hat er irgendetwas darüber verlauten lassen, ob es hier in der Nähe eine größere Stadt oder sowas gibt? Wir brauchen schließlich dringend ein neues Raumschiff und einige unserer Verletzten müssen dringend ins Krankenhaus.“.
Frustriert schlug Remus auf den Tisch. „Unsere medizinische Notfalleinrichtung ist einfach nicht gut genug. Und ich werde nicht dabei zusehen, wie die nächsten meiner Leute sterben!“
James nickte heftig.
Dann sagte er: „In den nächsten Tagen wissen wir Näheres. Ich habe mit ihm ausgemacht, dass er in den nächsten Tagen mal unser Lager aufsucht und seine Karte mitbringt, auf der eine größere Siedlung eingezeichnet ist.“
„Und warum erst in den nächsten Tagen?“
„Weil er sie nicht auf die Schnelle gefunden hat. Das hat mich allerdings auch nicht  überrascht. Seine Hütte ist ein einziges Chaos.“
Remus seufzte und gönnte sich noch einen weiteren Cognac. „Das erinnert mich an meinen Sohn. Der ist auch so ein Chaot.“ Remus grinste und schwelgte in einer Erinnerung, „Wissen sie noch, wie ich ihn einmal scherzhaft genannt habe, nachdem er sein Zimmer wochenlang nicht mehr aufgeräumt hat?!“
„ Der Junge des Chaos 2.0!“, lachte James und beide prusteten in ihre Gläser.
„Oh ja, und das fand er gar nicht lustig. Mehrere Stunden hat er nicht mehr mit mir geredet.“, lachte Remus und lehnte sich zurück. „Aber eins muss man ihm lassen. Er hat eine ziemlich gute Selbstdisziplin. Er hat mich mehrere Stunden ziemlich gut ignoriert, obwohl ich ihn immer wieder provoziert habe.“
James grinste. „Tja, so ist er halt. Apropos, da wir gerade von Jaili reden. Dieser Kabout hat auch eine Nichte in einem ähnlichen Alter wie Jaili. Ich hab ihm erlaubt sie bei unserem Treffen mitzubringen. Ich hoffe das ist für sie ok.“
„Kein Problem. Es kann nicht schaden, wenn Jaili mal neue Kontakte knüpft. Als Sohn eines Weltraumhändler hat da ja nicht soviel Gelegenheit zu.“
James hörte eine gewisse Wehmut in Remus Stimme. Natürlich konnte er es verstehen. Das war das Los, wenn man in diesem Beruf tätig. Alle Beteiligten, gleich welchen Alters mussten gewisse Opfer bringen. James seufzte.
„Sie hatten keine Wahl. Hätten sie ihn damals nicht mitgenommen, wäre er wahrscheinlich wie auch ihre Frau gestorben.“
Remus antwortete nicht sofort. Stattdessen nahm er noch einen weiteren Schluck Cognac und ein trauriger Gesichtsausdruck breitete sich auf seinem Gesicht aus.
„Ich weiß, ich weiß. Trotzdem gibt es immer noch Momente, wo ich wünsche, dass meine Frau noch lebt und auch Jaili mit ihr auf seinem Heimatplaneten leben könnte.
Es wäre wohl besser für ihn, als ständig durch die ganze Galaxis zu reisen. Natürlich ist es interessant, aber trotzdem. Einfach ist das nicht; schon gar für einen 11 Jährigen. Zumindest, was seine Kontakte angeht.“
James nickte und drückte mitfühlend Remus Arm. Er konnte Remus durchaus verstehen und er hatte Recht: Ein Weltraumhändler zu sein bedeutete, nur wenige Freunden zu haben, da man nur kurz auf Planeten bleiben konnte und danach die nächste Gelegenheit suchen musste, um Geld zu verdienen. Ein festes Gehalt wie in anderen Berufen kannte ein Weltraumhändler nicht und so konnte er sich nicht leisten auf den Planeten, die ihm vielleicht sogar gefielen, zu wohnen. Ein Weltraumhändler musste immer dort sein, wo es Geld hab.
Natürlich war das für die Kinder solcher Weltraumhändler ein Nachteil, denn sie konnten so kaum längere Freundschaften schließen. Das war auch einer der Gründe, wieso Remus seinen Sohn so sehr beispielsweise an James oder seiner Crew anvertraute. Er wollte einfach, dass der Junge einen Ersatz bekam für die entgangene Zeit, die er sonst hätte mit Freunden verbringen könnte. Und James war Remus dankbar dafür, dass er ihm mit Jaili soviel Freiraum gab.
James wusste, dass Jaili diese Freiheit auf Remus Schiff und der Mannschaft genoss, aber schwierig war die Situation trotzdem.
Schließlich fragte James, um Remus auf andere Gedanken zu bringen: „Wollen wir eine Runde Schach spielen? Das bringt sie auf andere Gedanken. Das Spiel habe ich noch vor dem Absturz gerettet.“
Ein Lächeln erschien auf Remus Gesicht. Ja, ein Schachspiel würde ihm sicher gut tun. Schließlich brauchte er dringend ein wenig Entspannung.
„Sind sie sicher, dass sie es mit mir aufnehmen wollen, James? Sie wissen, dass ich ein ziemlich guter Schachspieler bin!“
„Dann sind wir ja schon zwei. Ich hole mal das Spiel. Sie können ja in der Zeit mal zwei Cognacgläser füllen. Die brauchen wir garantiert, um unsere Nerven zu beruhigen.“ Ein breites Grinsen trat auf James Gesicht, als Remus nickte und sich dem kleinen Kühlschrank zuwandte, um den Cognac fertig zumachen.
„Ich bin gleich wieder da!“. Mit diesen Worten begab sich James zu seinem Zelt, um das Spiel zu holen. Er brachte nur drei Zelte weiterzugehen. Suchend sah er sich in seinem Zelt und entdeckte das Schachspiel auf seinem Tisch liegen.
Es war schon relativ alt und hatte vom Absturz mehrere angesengte Stellen, weil es noch aus Holz gemacht wurde, aber gerade das gefiel James an dem Spiel. Die neueren Schachspiele, die inzwischen in der Galaxis verwendet wurden, waren in den meisten Fällen Billigexemplare, die nach kurzer Zeit häufig den Geist aufgaben. Und feuerbeständig waren sie nicht im Geringsten.
Mit einer routinierten Armbewegung klemmte sich James das Schachspiel unter den Arm und machte sich auf den Weg zurück zu Remus Zelt.
Er war gerade aus seinem Zelt getreten, als ihn jemand am Ärmel zupfte.
„Hey, James. Wohin willst du denn mit dem Schachspiel hin?“
James drehte sich um und sah sich Jaili gegenüber, der das Schachspiel interessiert musterte.
„Wo warst du denn? Du hast ja lauter Öl an deiner Kleidung.“
Jaili sah kurz an sich runter und meinte dann: „Beim Wrack, was mal unser Raumschiff gewesen war. Ich habe einigen Crewmitgliedern geholfen die noch brauchbaren Sachen zu suchen und abzumontieren.“
„Das erklärt dein Aussehen.“, stellte James fest und sah ihn dann fragend an: „Sag mal, hast du Lust mit mir und deinem Vater eine Runde Schach zu spielen? Irgendwie muss man ja die Zeit totschlagen und selbst ein Commander muss mal auf andere Gedanken kommen.“
Ein Leuchten trat in Jailis Augen und James lächelte, während er sich langsam, in Bewegung setzte und Jaili ihm hinter ihm her lief. Gleichzeitig fühlte er sich an seine eigene Kindheit erinnert, als er die kindliche Begeisterung in Jailis Gesicht sah. Es war schade, dass diese Seite von einem Menschen mehr und mehr verschwand, wenn sie älter wurden. James hoffte, dass es noch eine Weile dauern würde, bis dieses Phänomen auch bei dem Jungen eintreten würde. Denn gerade die Tatsache, dass der Junge immer bereit war etwas Neues zu lernen und in so vielen Sachen wie möglich den Spaß sah, schätzte James an ihm.
„Hi Dad!“, begrüßte Jaili seinen Vater als er mit James in das Zelt kam. Remus, der gerade dabei war den Tisch aufzuräumen, sah lächelnd auf.
„Na, mein Sohn, wo bist du denn gewesen?“, fragte er und verwuschelte dem Jungen sein Haar.
„Lass das.“, erwiderte Jaili leicht verärgert und setzte sich an den Tisch, nachdem er sich ein Glas und die Brauseflasche genommen. Die Brause war sein Lieblingsgetränk und hieß mit vollem Namen „Dr. Hapas T-Rex Super Brause“. Jeder in der Galaxis kannte es und um dem Leser einen kleinen Überblick zu geben, folgt nun eine kurze Beschreibung des Getränkes aus dem galaktischen Lexikon von Gabul Harjam:
 
Auszug aus der galaktischen Enzyklopädie
Kapitel 10: Dr. Hapas T-Rex Super Brause
 
Das Getränk „Dr. Hapas T-Rex Super Brause“ ist neben dem pangalaktischen Donnergurgler eines der beliebtesten Getränke in der ganzen Galaxis. Der Erfinder, dessen unglaublich arrogant wirkendes Grinsen auf jeder der Getränkedosen zu finden ist, wohnte auf dem Planeten Kappas 7 am äußersten Rand der Galaxis. Der Planet ist sogar soweit von jedweder galaktischen Aktivität und Bedeutung entfernt, dass selbst die Bevölkerung auf den Nachbarplaneten dessen Namen nur noch zur Hälfte zusammenkriegen. Und das auch nur, wenn sie gerade mal nicht anderweitig beschäftigt sind.
Weder politisch noch strategisch von Bedeutung, gab es nur dieses Getränk (Dr. Hapas T-Rex Super Brause), wodurch der Planet und dessen völlig unwichtige Bevölkerung zumindest ein wenig Bekanntheit erlangte. Aufgrund des unverschämt großen Erfolges des Getränks hat sich der ganze Planet der Herstellung verschrieben und tatsächlich steht dieses Getränk in der Top Ten-Liste der galaxisweit beliebtesten Softdrinks auf Platz 2. Allein der Pangalaktische Donnergurgler ist noch eine Spur beliebter und steht seit Jahrzehnten trotz etlicher Angriffsversuche immer noch auf Platz 1. Trotzdem ist die Position der Dr. Hapa T-Rex Super Brause bemerkenswert; insbesondere im Hinblick auf die Tatsache, dass für dieses Getränk kaum bewusstes Marketing betrieben wird.
Betrachtet man nun die Zusammensetzung des Getränks genauer, würden einem sicher die wenigen Zutaten ins Auge fallen, aus denen es besteht.
Im Gegensatz zum pangalaktischen Donnergurgler besteht die Brause nämlich praktisch nur aus Wasser, ein paar Aromastofffen und zu 90 Prozent aus dem Extrakt der Zigelperle, die allein auf Kappas 7 wächst.
Zutatenmäßig ist diese Pflanze der einzige Zusatzstoff, der das Getränk vom pangalaktischen Donnergurgler unterscheidet; hat aber im Gegensatz zum Donnergurgler einen gewaltigen Vorteil:
Es beeinträchtigt nämlich weit weniger die sieben Sinne des Konsumenten als der Donnergurgler. Wie weiter oben schon erwähnt sorgt dieser immer wieder verlässlich  dafür, dass die Konsumenten arge Probleme mit ihrem Gleichgewichtssinn haben und auch sonst führt dieser durch den Totalausfall des Gehirns zu äußerst heftigen Nebenwirkungen, die in so gut wie allen Fällen nur zu Probleme führen. Laut einer Statistik gehen 80 Prozent sämtlicher in der Galaxis begangenen Ordnungsdelikte mehr oder weniger eindeutig auf Genuss der Donnergurglers zurück. Dass trotzdem so gut wie jeder (ausgenommen die Gruppe unter 15 Jahren) in der Galaxis diesem Getränk verfallen ist liegt an dem unglaublich guten Glücksgefühl, was der Donnergurgler auslöst.
Das ist auch einer der Gründe, warum die Konsumenten trotz der erwiesenen Nebenwirkungen weiterhin munter zu Flasche greifen.
Dr. Hapas T-Rex Super Brause ist im Vergleich dazu weit weniger radikal und hat bis auf eine gesteigerte Wachsamkeit keine weiteren Auswirkungen auf die Konsumenten. Allein der Geschmack ist für den Erstprobierer eventuell ein wenig gewöhnungsbedürftig, aber weit besser zu verkraften als der des pangalaktischen Donnergurglers.
Da nun beide Getränke nicht ganz ohne Tücken sind und die Hersteller Klagen um jeden Preis aus dem Weg gehen wollen, folgt hier nun noch ein kleiner Leitfaden für Eltern, die ihren Sprösslingen zwar Gutes tun wollen, aber kein Interesse haben ihrem Kind irrebale Schäden zuzufügen:
1.     Lassen sie sich wirklich niemals und unter keinen noch so verwegenen Umständen dazu verleiten ihrem Kind einen Schluck des pangalaktischen Donnergurglers zu gönnen. Selbst ein Glas kann bei einem Kind unter 15 Jahren ernsthafte Nebenwirkungen verursachen, an dessen Kurierung natürlich ein Arzt seine große Freude hat. Allerdings werden sie sehr schnell merken, dass ihre Finanzmittel in Lichtgeschwindigkeit verpulverisiert werden (bildlich gesprochen), sollten sie doch soweit kommen lassen.
2.     Grundsätzlich ist der Verzehr des pangalaktischen Donnergurgler erst ab einem Alter von 19 Jahren zu empfehlen. Vergessen sie das niemals!!
3.     Im Gegensatz zum Donnergurgler können sie Dr. Hapas T-Rex Super Brause auch schon Kindern ab ca. 9-10 Jahren ab und zu gönnen. Allerdings sollten sie niemals spät abends, wenn ihr Kind in nächster Zeit ins Bett gehen soll, diesem ein Glas der Brause geben.
Sollten sie dieser Versuchung doch einmal unterlegen sein, kann ihr Ehemann schon mal einen Seelenberater anrufen und den Tarif aushandeln, den ihre Frau danach ziemlich sicher benötigen wird. Denn, glauben sie mir, ein Kind Abends ins Bett zu bringen, dass Dr. Hapas T-Rex Super Brause getrunken hat, gleicht einem Ritt auf einem besonders störrischen Pferd, dass trotz ihres guten Zuredens garantiert nicht das macht, was sie von ihm wollen. Am Ende liegen ihre Nerven dann logischerweise blank.
Also liebe Eltern, ihr seid gewarnt.
 
Ein letzter Rat noch an Familienangehörige, die in solchen Fällen eventuell das Pech haben, in so einer Situation mit einem der Elternteile etwas bereden zu wollen: Lassen sie‘s!! Dies führt nur zu gegenseitigen Schuldzuweisungen.
Wirklich! Es ist zu ihrer eigenen Gesundheit das Beste.
 Eintrag Ende
 
 
„Kann ich anfangen?“, ließ Jaili sich vernehmen, als er sich ein Glas der Brause eingegossen und James die Schachfiguren rübergeschoben hatte.
James und Remus wechselten einen kurzen Blick. Es war klar diese Frage von kommen musste, denn Remus Sohn war ein guter Schachspieler und wer beim Schach als erster anfing hatte eine bessere Position als die anderen Spieler.
„Von mir aus.“, erwiderte Remus und James und Remus warteten auf Jailis Zug.
Der zögerte nicht lange und begann seinen Zug. Das Spiel begann...


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