Samstag, 07. Dezember 2019

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Todesengel (Andreas Eschbach)
Geschrieben von Dennis
Sonntag, der 01. Dezember 2013

Lübbe Verlag (September 2013)
gebunden, mit Schutzumschlag
541 Seiten, € 19,99
ISBN: 978-3-7857-2481-1

Genre: Thriller


Klappentext

Was, wenn der Staat seine Bürger nicht mehr schützen kann?

Muss es dann nicht jemand Anderes tun?

Ein strahlend weißer Racheengel geht um in der Stadt, heißt es, der überall dort auftaucht, wo Unschuldige in Gefahr sind, und diejenigen, die ihnen Gewalt antun, brutal bestraft: Ist das wirklich nur die Schutzbehauptung eines alten Mannes, der Selbstjustiz geübt hat? Ein Journalist deckt auf: Es gibt diese Gestalt tatsächlich – und er kann es beweisen. Und damit nimmt das Verhängnis seinen Lauf …


Rezension

„Selbstjustiz versus staatliches Gewaltmonopol“: Was der Klappentext so plakativ formuliert, ist ein Thema, mit dem Eschbach wieder einmal genau den Nerv der Zeit trifft. Denn obwohl es wahrscheinlich so alt ist wie das Prinzip des Rechtsstaates selbst, scheint es heute aktueller und brisanter denn je. Dafür braucht man nur an die Meldungen über brutale Gewalt gegen Wehrlose zu denken, die immer mal wieder in den Medien auftauchen. Hier setzt Eschbach mit seiner Handlung an: Eine geheimnisvolle Gestalt geht um in der Stadt – und sie hilft den Opfern auf die denkbar endgültigste Art und Weise. Mit gezielten Kopfschüssen verabreicht der „Racheengel“ seine „Gerechtigkeit“ in bleierner Form. Und auch im weiteren Verlauf begegnen dem Leser immer wieder Situationen, die auf ähnliche – wenn auch nicht so krasse Weise – im Gegensatz zu rechtsstaatlichen Prinzipien stehen. Sehr gekonnt zieht Eschbach im Laufe des Romans den Leser immer weiter in jenes Lager, das für weniger Toleranz für Gewaltbereite – auch im Rechtssystem – steht. Und auch, wenn es hierbei mal polemisch zugeht, so ist diese für einen Roman überraschend offene Darstellung von nonkonformen Ansichten allemal erfrischend direkt.

Als der abgehalfterte Journalist Ingo Wind von der Sache bekommt, steht für ihn fest: Dies ist das Thema, das ihn aus dem Karrieretal hinausbefördern soll. Immer wieder bekommt er es bei seinen Recherchen mit Leuten zu tun, die sich gegen Gewalt gewehrt haben – und nun deswegen selber am Pranger stehen. Sehr geschickt skizziert Eschbach ein Bild von einem Rechtssystem, das Täter verharmlost und Opfer vergisst. Das jene, die aufstehen und Zivilcourage zeigen, noch zusätzlich straft. Leider kommt er hierbei nicht umhin, oftmals arg überspitzte Fälle zu präsentieren, die nur so in die Geschichte passen. Und auch, wenn diese ihre aufrüttelnde Wirkung nicht verfehlen, schmälern sie doch die Glaubwürdigkeit – alles fügt sich so, wie es für die Geschichte gerade passt.
Dennoch ist „Todesengel“ wieder einmal eine brillante Geschichte. Mit seinem bewährten erzählerischen Talent entwickelt Eschbach eine tolle und spannende Story, die ohne Längen und mit einem soliden Spannungsbogen sowie einer exakt abgestimmten, großstädtisch-anonymen Atmosphäre für sich allein genommen schon eine Menge Lesespaß bereithält. Hierfür greift er auf sein Können zurück, eine recht komplexe Geschichte so zu präsentieren, dass sie für den Leser klar nachvollziehbar bleibt: Aus verschiedenen Perspektiven – in Form von verschiedenen Point-of-View-Charakteren - nähert man sich der Auflösung, bekommt man verschiedene Blickwinkel auf die Geschichte, sodass, wenn alle Fäden zusammenlaufen, ein elegantes Gesamtbild entsteht, von dem man im Laufe des Buches immer nur Ausschnitte wahrgenommen hat.
Immer wieder geraten hierbei die „Fronten“ aneinander: Die Polizei, deren Anstrengungen einzig der Aufspürung und Verhaftung des Racheengels gelten auf der einen Seite, sowie Ingo und all jene, die vom „Racheengel“ gerettet wurden auf der anderen Seite. In beiden Lagern positioniert Eschbach überwiegend glaubhafte Charaktere – auch, wenn er das ein oder andere Mal offenbar etwas zu viel Vergnügen daran findet, dem „guten“ Lager regelrechte Idioten entgegen zu stellen. Das stört zwar nicht übermäßig, hinterlässt aber einen etwas faden Beigeschmack: Denn eigentlich hat Eschbach es nicht nötig, seinen Protagonisten auf diese Weise in die Hände zu spielen.


Fazit

Ein brisantes Thema überzeugend aufgearbeitet und in einer spannenden Handlung präsentiert. Dass Eschbach seine Sicht - zuweilen plakativ – regelrecht zelebriert, stört dabei kaum.


Pro & Kontra

+ brisantes Thema, sehr gut und gewohnt informativ aufgearbeitet
+ spannend und ohne Längen
+ überzeugende Atmosphäre

- einige Teile fügen sich zu glatt
- hin und wieder arg plakativ

Wertung:

Handlung: 4/5
Charaktere: 4/5
Lesespaß: 4,5/5
Preis/Leistung: 4/5


Zum Interview (2008)

Rezension zu "Blackout"

Rezension zu "Eine unberührte Welt"

Rezension zu "Ein König für Deutschland"

Rezension zu "Herr aller Dinge"

 

Zuletzt aktualisiert: Sonntag, der 01. Dezember 2013
 

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