Winter Soldier Megaband Bd.1 - Der längste Winter (Ed Brubaker, Butch Guice, Michael Lark)

Verlag: Panini (Mai 2014)
Broschiert, 300 Seiten, 28,00 Euro
ISBN-13: 978-3862019908

Genre: Marvel, Superhelden


Klappentext

Aus dem Schatten von Captain America

Im zweiten Weltkrieg kämpfte er als Bucky an der Seite von Captain America. Dann wurde er zum KGB-Killer Winter Soldier umprogrammiert. Nachdem ihn sein Freund Steve Rogers aus den Klauen dieser Programmierung gerettet hat, nimmt James Barnes freiwillig wieder die Identität an, die ihn zu einem modernen Mythos machte: Der Winter Soldier ist zurück! Als ehemalige russische Schläfer-Agenten erwachen, sind Barnes und Black Widow gezwungen, Spione zu jagen, die der Winter Soldier selbst trainiert hat. Die Spur führt sie zuerst zu einem gefährlichen Gegner…dem finsteren Dr.Doom!

US-Winter Soldier 1-14! Die hochgelobte Serie über Marvels Filmstar in einer opulenten Ausgabe! Unnachahmlich erzählt vom preisgekrönten Erfolgsteam Ed Brubaker (Captain America), Butch Guice (Iron Man) und Michael Lark (Daredevil).

Die von Ed Brubaker geschriebenen Storys komplett in einem Band.

14 US-Ausgaben auf 300 Seiten!

„Der wahre Nachfolger von Ed Brubakers Captain America.“ (Entertainment Fuse)


Rezension

Bevor die Fortsetzung von Captain America im Kino anlief, dürfte Bucky Barnes alias der Winter Soldier, einem großen Teil der Kinogänger und gelegentlichen Comic-Leser eher unbekannt gewesen sein. Eigentlich schade, denn der Winter Soldier hat Einiges zu bieten und verdient durchaus mehr, als ein bloßer Schatten des berühmten Captains zu sein. Aus diesem Grund haben sowohl Panini als auch Marvel die komplette Storyline von Ed Brubaker zusammengetragen und alles in einen dicken Sammelband gesteckt. Und diese Geschichten haben es in sich. Action, Hintergrundwissen und viele Begegnungen.

Eine sehr lange Zeit glaubte die Öffentlichkeit, dass Bucky Barnes, der Winter Soldier, schon längst gefallen und nicht mehr am Leben sei. Was keiner bisher wusste, Bucky arbeitet für Nick Fury und ist somit ein Teil von SHIELD. Dort kann er u.a. zusammen mit Natasha Romanov, besser bekannt als Black Widow, arbeiten, die nicht nur den Job, sondern auch ihre Liebe zueinander teilen. Doch nichts ist perfekt und die Dinge nehmen ihren Lauf. Die Vergangenheit wird aufgearbeitet und das ein oder andere kommt ans Licht, nämlich das Bucky beispielsweise nicht der einzige Auftragsmörder der Sowjets war, der damals ausgebildet wurde. Zudem wurden mehrere, gefährliche Kammern gestohlen, die lebensbedrohliches Material beinhalten, bei dem man sich das Ausmaß der Konsequenzen und den einhergehenden Schäden gar nicht vorstellen kann. Buckys Gegenspieler erweist sich als nicht von schlechten Eltern und zieht sehr viele Register, um SHIELDs Arbeit zu behindern. Doch es tauchen noch weitere Feinde auf, die den Winter Soldier nicht als ihren besten Freund bezeichnen würden. Auf diese Weise kommt Black Widow ins Spiel, denn sie ist die sichere Achillesferse des Superkämpfers. Sie wird durch eine Falle entführt und einer Gehirnwäsche unterzogen, sodass ihr Gedächtnis gelöscht wird und neue Informationen eingepflanzt werden können. Nach der Behandlung kann sie sich weder an Bucky, noch an eine Beziehung mit ihm erinnern. Das trifft den Winter Soldier und er sinnt nach Rache. Den finden und zur Strecke bringen, der für alles verantwortlich ist. Im Zuge der Geschichte tauchen noch einige andere Superhelden auf, wie die gut bekannten Wolverine, Daredevil und Captain America, die hier und da noch ein Wörtchen mitreden möchten. Zwischen den Helden, die charakterlich nicht unterschiedlicher sein könnten, herrscht nicht unbedingt immer Harmonie und Einheit. Bei den gemeinsamen Aufträgen ist also Zündstoff genug vorhanden. Letztlich muss und kann jeder Akteur über seinen Schatten springen, denn das große Ganze hat Priorität: Natascha und wie so oft, die Welt retten.

Der Inhalt des ersten, großen Megabandes zu Captain Americas Pendant,  hat unglaublich viel Inhalt und zeigt dem Leser dadurch sehr viel aus der Vergangenheit eines ehemaligen Sowjet-Kämpfers, der mittlerweile die Seiten gewechselt hat und für den manchmal schon allgegenwärtigen Nick Fury arbeitet. Was von Seite zu Seite immer deutlicher wird, ist dass Bucky im Gegensatz zu Steve Rogers um Einiges radikaler, pragmatischer und manchmal auch handlungsschneller ist; er fackelt nicht lange und führt Aufträge mit knallharter Präzision durch. Interessant ist dieser Umstand schon, denn er teilt sich mit Rogers alias Captain America eine Vergangenheit, die den ein oder anderen dazu animiert hätte, solche Dienste an den Nagel zu hängen. Doch einmal Agent, immer Agent und der Winter Soldier bildet da keine Ausnahme. Zwar versteht er sich, wenn es unbedingt sein muss, mit Wolverine und Co., doch wird trotzdem deutlich, dass er den Charakter eines starken Einzelgängers hat, der realisieren muss, dass er irgendwann einmal Hilfe brauchen wird. Dieser Zeitpunkt scheint gekommen zu sein als Black Widow verschwindet und durch eine experimentelle Behandlung ihr Gedächtnis mehr oder wenige verliert. Bucky ist für sie ein Fremder, genau wie alle anderen von SHIELD. Sehr schön: Die Jäger werden zu Gejagten. Die Gegner haben es in sich, denn sie entwickeln Kräfte, bei denen man als Kämpfer für das Gute schon verzweifeln darf. Der Winter Soldier bekommt in diesem Teil der Geschichte einen Wesenszug, den man sonst bei jemandem erwarten würde, der keine Superkräfte hat und seinem täglichen Beruf nachgeht. Harte Schale, weicher Kern. Bucky kommt nur schwer damit zurecht, dass Natascha nichts mehr von ihm weiß und zu allem Übel gegen ihn agiert. Sein Gewissenskonflikt wird durchgehend immer zum richtigen Zeitpunkt in Szene gesetzt und der Leser fiebert und trauert mit. Selten empfindet man für einen Superhelden derartiges Mitgefühl; obwohl sich hin und wieder die Frage stellt, ob der Winter Soldier wirklich ein Superheld per se ist. Diese Frage stellt sich auch den Zuschauern des aktuellen Captain America Films, in dem man gut beraten ist, sich beide Parteien näher anzuschauen; denn eindeutig ist dabei keine Seite.

Die Zeichnungen in diesem Band sind lobenswert, denn selten schafft es ein US-amerikanischer Comic Gefühle so zu transportieren, wie es hier der Fall ist. Es scheint als wüssten Szenarist und Zeichner, wie sie ihren Einklang durchgängig bewahren. Melancholische Momente zum Nachdenken sind detailreich und farblich stimmungsvoll, Actionszenen hingegen sind rasant, schnell und mit kräftigeren Farben bestückt. Doch heben sich die Panels nicht stark voneinander ab, sodass man nicht von einem Qualitätsverfall sprechen muss. So wie es ist, ist es perfekt durchdacht und sowohl authentisch als auch glaubwürdig umgesetzt worden. Interessant ist zudem, dass sich der Zeichenstil immer ein wenig am Charakter der jeweiligen Superheldenfigur orientiert. So gibt es Unterschiede zwischen beispielsweise Wolverine, Daredevil oder Captain America. Etwas das noch mehr Freude bereitet, denn so bleiben weder Geschichte, noch Bildmaterial monoton. Hingucker sind in diesem Falle natürlich auch die Cover der Einzelhefte, die als Bonusteil am Ende der Geschichte zu finden sind, und die großflächigen Panels, die dafür sorgen, als Leser hin und wieder vor Staunen die Luft anzuhalten. Wie erwähnt hat dieser erste Band viel an Hintergrundwissen. Dank an die Autoren, die an keiner Stelle den Leser mit zu viel Text überschwemmen und die Geschichte langsam, dennoch dynamisch erzählen. Fast schon ein Kunststück, da die Geschehnisse um den Winter Soldier herum sehr verwoben sind, nicht immer gänzlich erfassbar. Dieser und viele andere Gründe lassen eine Berechtigung für die Neuauflage des unbekannteren Klassikers finden. Das Marvel Universum hat somit auch eine seiner dunkleren Seiten ausgepackt. Gewohnt ist man dies eigentlich vornehmlich von DC, das im Prinzip viel mehr an Düsternis zeigt.


Fazit

Der von Panini präsentierte erste Megaband, rund um Bucky, den Winter Soldier, ist sein Geld wert. Niveauvolle Unterhaltung auf allen Ebenen, die Gefühl, gleichzeitig auch Action zulässt und teilweise verbindet. Komplettiert wird das durch ein stimmiges Szenario, das mehr bietet als ein paar Bilder mit Superhelden. Gehört in jede Marvel-Sammlung, die auch mal düstere, ernsthaftere Comics beherbergen möchte.


Pro/ Contra

+ immenses Erzählpensum
+ viel Hintergrundwissen
+ Bucky als interessanter Pendant zu Steve Rogers
+ Winter Soldier: authentisch, cool, liebenswert und kompromisslos
+ Szenario überdurchschnittlich gut für eine US-Produktion
+ Zeichnungen immer passend, Text ordentlich portioniert
+ Wolverine & Co. sind dabei

Bewertung:

Handlung: 4,5/5
Charaktere: 4/5
Zeichnungen: 5/5
Lesespaß: 4,5/5
Preis/Leistung: 5/5                                             


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