Dienstag, 31. März 2020

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Ich fand das Buch von der ersten bis zur letzten Seite super spannend. Konnte es nicht aus der ...

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Habe das Buch vor einigen Jahren gelesen. Nun, 2019, in einer Welt voller Unruhe lebend, denke ich ...

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Sehr interessant
Ich habe eine frage zu dem Buch die sabrina hat die eigendlich denn max von der strasse geschupst ...

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Ich bin begeistert von Ihren Arbeiten als Kabarettists und Autor. Immer weiter so.
Der Krieg der Knirpse: Bd.1 – 1914 Das Haus der Findelkinder (Régis Hautière, Hardoc)
Geschrieben von Markus
Montag, der 16. November 2015

Verlag: Panini; (November 2015)
Gebundene Ausgabe: 56 Seiten; 13,99 €
ISBN-13: 978-3957984555

Genre: Historik/ Drama


Klappentext

August 1914

Im Ersten Weltkrieg startet die deutsche Kriegsmaschine ihre Offensive auf den Nordosten Frankreichs. Die Einwohner der Dörfer und Städte entlang der Front fliehen vor den Aggressoren. Die Findelkinder Lucien, Lucas, Luigi und Ludwig haben sich heimlich aus dem Waisenhaus, in dem sie leben, geschlichen, als ihr Dorf evakuiert wird, und werden zurückgelassen. Als die deutschen Truppen einrücken, beginnt für die Knirpse ein abenteuerlicher Kampf ums Überleben und eine Zeit des schnellen Erwachsenwerdens.


Rezension

Der Erste Weltkrieg, die Urkatastrophe des 20. Jahrhunderts, bildet für die, von Régis Hautière und Hardoc geschriebene und gezeichnete, Geschichte über die vier Lulus den Hintergrund. Mittlerweile ist viel über diesen Krieg geschrieben und berichtet worden, aber trotzdem ließ sich ein weiterer Ansatz finden, die Auswirkungen dieses Krieges auf die Menschen zu schildern. Dementsprechend stehen mit den Lulus vier Waisenjungen im Zentrum des Geschehens.

Es beginnt eigentlich alles recht beschaulich. Ludwig, Lucien, Luigi und Lucas leben in einem Waisenhaus in Valencourt. Jeder von ihnen hat seine Eltern verloren und sie genießen mehr oder minder ihr Leben auf dem Land. Immer wieder verlassen sie das Waisenhaus, um im Wald zu spielen und sich dort ein eigenes Heim im Form eines Baumhauses zu schaffen. Ein erster Vorbote, das etwas nicht stimmt, ist die Abreise eines ihrer Lehrer. Den Jungen wird erzählt, er würde zu seiner Familie reisen, in Wirklichkeit zieht er in den gerade ausgebrochenen Ersten Weltkrieg gegen Deutschland. Dabei ist er so optimistisch zu glauben, der Krieg wäre bald vorbei, da die französische Armee so stark sei. Ein Irrglaube, wie die Geschichte lehrt. Stattdessen hält im Herbst der Krieg auch in Valencourt Einzug. Französische Soldaten treffen in dem kleinen Dörfchen ein und fordern die Bewohner auf, ihre Heimat zu verlassen, da schon bald die Front Valencourt erreichen wird. Auch das Waisenhaus wird evakuiert. Die Lulus befinden sich zu diesem Zeitpunkt mal wieder im Wald und bekommen deshalb von der Evakuierung nichts mit. Als sie zurückkehren, ist alles einsam und verlassen. Sie wissen nicht, was los ist, da der Abt den Kindern nie gesagt hat, dass Krieg herrscht und so verbringen sie die erste Nacht alleine im Waisenhaus. Erst ein Besuch im Dorf schafft Klarheit über ihre Lage und fortan müssen sie alleine ums Überleben kämpfen. Im weiteren Verlauf stößt ein Mädchen zu ihrer Gruppe und beschert den Jungen neue Probleme.

Der Erste Weltkrieg ist mittlerweile aus so gut wie jeder Sichtweise beschrieben worden, allerdings geht es meistens um die von Erwachsenen. Hautière und Hardoc widmen sich in ihrem Comic einem anderem, neuem Blickwinkel, nämlich dem eines Waisenkindes und von Kindern und Jugendlichen, die auf sich gestellt in einer solchen Zeit überleben müssen. Und dies ist schon ohne einen Krieg, der alles in den Abgrund zu stürzen scheint, nicht gerade leicht. Régis Hautière nimmt sich anfangs die Zeit, die Charaktere vorzustellen und sie in ihrer gewohnten Umgebung zu zeigen. Nur langsam schleicht sich der Krieg in den Alltag der Kinder. Zunächst ist die neue Situation für die Lulus nicht so schrecklich, wie vermutet werden könnte, denn das ganze Dorf ist ihr Spielplatz, dennoch erkennen sie durchaus ihre Lage und handeln in einem gewissen Rahmen vorsichtig und bedacht. Vor allem Lucien als Ältester ist in diesem Zusammenhang hervorzuheben, er scheint die Lage richtig einzuschätzen zu können. Richtig interessant wird die Geschichte dann dadurch, dass ein Mädchen auftaucht, um das sich die Lulus kümmern müssen und die Begegnung mit einem deutschen Soldaten, die in weiteren Bänden, einige Wendungen verspricht und vor allem eine differenzierte Darstellung des Krieges und der Kriegsparteien, ohne in Schwarz-Weiß-Malerei zu verfallen. Das Haus der Findelkinder bildet somit eine hervorragende Einführung in die Welt der Lulus, der hoffentlich ebenso gute Bände folgen werden. Aber dies scheint selbstverständlich, so wie Hautière seine Geschichte bisher aufbaut. Charaktere, Geschichte und Hintergrund sind hervorragend konzipiert und passen einfach gut zusammen.

Hardoc hat die Zeichnungen für Der Krieg der Knirpse gestaltet. Seine Figuren haben alle ihre Eigenheiten, die ihr Inneres repräsentieren. Egal ob groß oder klein, jede Figur ist liebevoll gestaltet. Die leichte Überzeichnung der Figuren, die normalerweise für die Darstellung von Humor genutzt wird, trägt hier zur Ernsthaftigkeit bei. So erhalten die Zeichnungen eine gewisse Leichtigkeit, die den Inhalt umso besser unterstreicht. Das Haus der Findelkinder ist damit wunderbar gestaltet und einfach schön anzusehen.


Fazit

Hautière und Hardoc liefern ein hervorragendes Comicalbum ab. Die Lulus und ihr Überlebenskampf im Ersten Weltkrieg scheint eine hervorragende Serie zu werden. Dieser Auftaktband ist zumindest rundum als gelungen zu bezeichnen.


Pro & Contra

+ einzigartige, individuell gestaltete Charaktere
+ tolle Zeichnungen
+ gute Geschichte

Bewertung:

Charaktere: 4/5
Handlung: 4/5
Zeichnungen: 4,5/5
Lesespaß: 4,5/5
Preis/Leistung: 5/5


Literatopia-Links zu weiteren Titeln von Régis Hautière und Hardoc:

Rezension zu Der Krieg der Knirpse Bd.2
Rezension zu Der Krieg der Knirpse Bd.3
Rezension zu Der Krieg der Knirpse Bd.4

 

Zuletzt aktualisiert: Samstag, der 26. August 2017
 

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