Der Versipuls: Damals und Heute ...

Liebe LeserInnen,

kürzlich ist in unserem Forum der 11te Versipuls angelaufen und hat bereits einige unserer Lyriker inspiriert. Wenn man es genau nimmt, müssten wir eigentlich beim 16ten Versipuls sein (bitte nagelt mich nicht darauf fest), aber dazu später mehr. Der eine oder andere Leser, der nicht regelmäßig ins Forum schaut, mag sich nun fragen, was denn bitteschön ein Versipuls sein soll - nun, hier eine kleine Erklärung:

Unter dem Titel "Lyrik für den Blumentopf" hat unsere Forenmoderatorin Libertine eine wunderbare Erklärung zum Versipuls geschrieben, aber vereinfacht ausgedrückt geht es bei diesem Lyrikprojekt schlichtweg darum, aus einzelnen Zeilen ein Gedicht zu basteln. Meist stammen diese Zeilen aus Büchern oder Liedern und je Versipuls werden verschiedene Zeilen vorgegeben, die Bestandteil des entstehenden Gedichtes sein sollen. Dabei ist es erlaubt, die Zeilen leicht abzuändern, um sie dem eigenen Gedicht anzupassen - und so mancher hat es sich inzwischen zur Disziplin gemacht, nicht nur eine, sondern gleich alle aktuellen Versipulszeilen zu verarbeiten.

Doch wie und wann hat alles angefangen?

Und wer hat sich das eigentlich ausgedacht?

Tatsache ist, dass der Versipuls schon so alt ist, dass nicht einmal alle aktuellen Forenmoderatoren über seine Ursprünge bescheid wissen. Tatsache ist außerdem, dass der Versipuls durch Interaktion zweier lyrikbegeisterter Menschen entstanden ist, zu einer Zeit, in der ein anderes Forum noch dunkelgrün war und Literatopia nicht einmal ein Flüstern im Wind. Damals war ich Forenmoderator in Grün und vor allem für die Lyrikecke zuständig, wo ich es mir zum Ziel gesetzt hatte, jedes einzelne Gedichte zu kommentieren. Das hatte ich phasenweise sogar fast geschafft, allerdings lieferte ein begabter Lyriker ständig Nachschub. Ich muss sagen, seine Gedichte entsprachen oft nicht ganz meinem Geschmack, aber sie besaßen stets viel Herzblut, das mich immer wieder berührte. Aus Kommentaren wurden persönliche Nachrichten und irgendwann bat mich D. (nein liebe Forengemeinde, nicht der D.!) ihm irgendeine Inspiration zu liefern, er wolle etwas ausprobieren. Spontan schickte ich ihm eine Liedzeile mit der Aufforderung ein Gedicht daraus zu schreiben, was auch prompt geschah. Es folgten weitere Liedzeilen, vornehmlich meinem Musikgeschmack entlehnt und dementsprechend oftmals melancholisch-düster. Andere Forenuser haben Wind von der Sache bekommen und wollten auch mit Zeilen beliefert werden - man könnte sagen, damit war der Versipuls geboren, allerdings noch namenlos.

Zur gleichen Zeit trug es sich zu, dass ich mit einer anderen Moderatorin, die sich damals noch Nachtfalter nannte, bereits am Schreibimpuls mitgewirkt habe. Wir sprachen via ICQ über die Liedzeilen-in-Gedichte-umwandeln-Idee und suchten nach einem passenden Namen. Relativ schnell landeten wir beim Versimpuls - was unserer Meinung nach blöd klang, irgendwie. Und irgendwie klang doch Versipuls viel schöner. Also wurden ein paar Zeilen zusammengesucht und der erste Versipuls ging in dem damals noch dunkelgrünen Forum online.

Als Literatopia dann ins Leben gerufen wurde, war klar, dass der Versipuls mit umziehen wird, weil er für unsere Lyriker immer wieder eine schöne Inspiration war. So mancher glaubte auch dann, als das Forum sandfarben geworden war, noch, dass es Versimpuls hieß. Zwischen die Liedzeilen mischten sich mehr und mehr Buchzitate. Es gab Themenversipulse zu Farben, Fernweh, Gegensätze und Nacht. Hin und wieder gab es englische Zeilen. Der Lyriker, der damals den Anstoß zu diesem Projekt gab, hat uns leider verlassen - mit der Begründung, er schreibe einfach keine Gedichte mehr. Vielleicht tut er es heute wieder? Ich selbst, (inzwischen schon so lange rot, dass ich nicht mehr weiß, wie ich in grün aussah), bin immer noch dabei, habe den Versipuls allerdings längst in andere treusorgende Hände gegeben. Und statt alle Zeilen selbst auszusuchen, bin ich nun immer ein wenig stolz, wenn es einer meiner Zeilenvorschläge in einen Versipuls hineingeschafft hat. Und manchmal schreibe ich auch ganz frech Gedichte zu meinen selbst vorgschlagenen Zeilen ...

Zurückgerechnet existiert der Versipuls schon seit sechs Jahren und ich weiß selbst nicht mehr genau, welche Zeilen am Anfang standen und wie viele Versipulse es vor Literatopia gab. Ich glaube, es waren fünf, vielleicht auch sechs. Tendenziell aber eher fünf. Leider kann ich euch von den ersten Versipulsen kein Best Of bieten, aber von den elf Literatopia-Versipulsen möchte ich meine persönlichen Highlights präsentieren:

 

Wundlidpassepartout und Sonnengrat von poLet

den Träumen bar und Nachatem von Libertine

Immerherz von Lanna

Rostklopfen von Trinity of Chaos

Schlangenjäger vom Weltenwanderer

Du gabst mir keine Hand von Porter

 

Das sind die, die ich besonders gelungen finde, die mich überrascht haben und die mir irgndwie einfach in Erinnerung geblieben sind, auch wenn ich manche davon nie kommentiert habe. Und hier noch meine fünf Lieblingeszeilen der bisherigen Versipulse:

 

Der Horizont bleibt für uns uferlos

die Sterne ragen spitz / aus der Nacht

der himmel ist einsilbig blau

mich zerrt's vor Durst ans Licht

die fiebrigen Lichter der Stadt

 

So, ich hoffe, der ein oder andere Forenuser fand die Entstehungsgeschichte des Versipuls lesenswert und dass sich vielleicht ein paar Leser der Mainpage nun im Forum nach Versipulsgedichten umschauen!

Herzliche Grüße von Eurer

- Judith

 

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