In der Kategorie Jugendbuch wurde «Es war einmal Indianerland» von Nils Mohl mit der Momo ausgezeichnet.
Aus der Jurybegründung: Mohls
in raffinierten Zeitsprüngen konstruierte Erzählung lebt unter anderem
von dem konzisen Einsatz filmischer Gestaltungsmittel, wie schnelle
Schnitte, Vor- und Rückblenden – typographisch mit den Zeichen für die
Vor- und Rückspultasten von DVD-Playern markiert –, die den Leser immer
wieder in einen anderen Kontext katapultieren. Die gesamte Handlung in
ihrer chronologischen Abfolge fügt sich erst am Ende des Romans zu einem
vollständigen Bild. Das ist literarisch anspruchsvoll und verlangt
genaues Lesen.
Auch die Sprache des Romans will genau erfasst
werden: Mohl versteht es, Ellipsen und Parataxen an den richtigen
Stellen mit Nebensatzkonstruktionen zu versehen. Ausgiebig nutzt er
Parenthesen und Einschübe für eine zweite Textebene, die man zum einen
wie Drehbuch-anweisungen lesen kann oder die ein anderes Mal der
Atmosphäre erst ihre gänzliche Fülle verleihen. Dabei erweist sich Mohl
als ein Meister des Erzählens für alle Sinne: Der Leser riecht das Chlor
des Schwimmbades, empfindet die drückende Hitze eines wolkenlosen
Sonnentages, sieht die Stadtansichten leibhaftig vor sich, hört den Lärm
eines Open-Air-Festivals mit seinen unterschiedlichen Geräuschkulissen
am Tag und in der Nacht. Viel zum dichten Flair des Romans trägt der
kreative Umgang mit sprachlichen Bildern und Vergleichen bei, die
Eskalation bekannter Redewendungen wenn zum Beispiel aus regnenden
Katzen und Hunden Säbelzahntiger und Dobermänner werden, und schließlich
der sichere Einsatz von filmischen Motiven aus Western und
Indianerfilmen.
«Es war einmal Indianerland» ist ein kunstvoll
gebauter Roman, der mit seinen zahlreichen Neologismen auch sprachlich
innovativ und überzeugend ist. Er bietet dem Leser eine neue und
aufregende Variante aus Bildungsroman und Liebesgeschichte. Mohl gelingt
es, anspruchsvolles literarisches Erzählen thematisch dicht bei seinen
jugendlichen Lesern zu realisieren – und das mit viel Herz und Ohr für
seine Adressaten.
(Quelle: Rowohlt)