Grimm (Kai Lüftner, Wiebke Rauers)

grimm

Verlag: Coppenrath; (Juni 2026)
Gebundene Ausgabe: 56 Seiten; 18 €
ISBN-13: 978-3-649-65143-7

Genre: Horror/ Drama


Klappentext

Und als sein Tagewerk vollbracht,
kam schon die Nacht,
in der Grimms Träume ihn umfassten,
bis dann -
ein neuer Tag begann …

Grimm – die Geschichte eines Wolfes, der sich im Wahn verliert. Ein poetischer Albtraum über Macht, Hybris und die zerstörerische Gier nach Kontrolle. Kraftvoll, berührend und schonungslos erzählt von Kai Lüftner und Wiebke Rauers -
ein düsteres Gesamtkunstwerk für Erwachsene, das lange nachhallt.


Rezension

Dem Wolf Grimm Gräulich kommt eines Tages ein gefährlicher Gedanke. Er will probieren, einen der anderen Prädatoren zu töten. Er versucht sein Glück beim Raben und tatsächlich gelingt es. In der Nacht plagen ihn seine eigenen Gedanken und Träume und dennoch macht er sich am nächsten Tag, Dienstag, erneut auf den Weg, einen weiteren Konkurrenten aus dem Weg zu räumen. Und so geht es jeden Tag in der Woche weiter. Jedes Mal werden seine Träume schlimmer, bis er sich am Samstag dem Bären stellen muss und am Sonntag dem gefährlichsten Prädator gegenübersteht.

Kai Lüftner ist eigentlich für seine verspielten Kinderbücher bekannt, weswegen zuallererst eine Warnung in Bezug auf Grimm ausgesprochen werden muss. Auch wenn Kai Lüftner es geschrieben hat, ist es definitv nicht für Kinder. Dafür ist es zu düster, zu komplex.
Denn in Grimm beschäftigt sich Kai Lüftner mit Themen wie Macht und Gier und deren Auswirkungen auf eine Weise, die Kinder eher verstören dürften. Grimm ist kein Wohlfühlbuch! Stattdessen stellt es dar, was das Streben nach Macht in einem Selbst und anderen auslösen kann. Was es für die Umwelt bedeutet, wenn jemand zügellos nach Macht giert, allein weil er eine Sonderstellung einnehmen will. Grimm Gräulichs Geschichte beginnt dabei verhältnismäßig klein in seiner Welt. Er will nur wissen, wie es ist der gefährlichste Prädator zu sein und tötet zunächst „nur“ einen Raben. Aber dann steigert er sich in seinen Wahn hinein und verliert komplett die Kontrolle über seine Taten, die Gier überwältigt ihn und gleichzeitig werden seine eigenen Träume seine größte Qual. Diesen Abstieg in den Wahn und die Gier beschreibt Kai Lüftner in düster-poetischen Reimen. Lange ist das Ende nicht abzusehen, weswegen es schließlich so effektiv den Menschen den Spiegel vorhalten kann. Kai Lüftner hat hier eine Geschichte zwischen Märchen, Fabel und Parabel erschaffen, die eine wichtige Aussage besitzt.

Genauso wichtig wie Kai Lüftners Text sind Wiebke Rauers Illustrationen. Bereits das Cover zeigt an, dass diese Geschichte sehr düster werden wird, auch wenn der Wolf so wirkt, als könnte er noch zu einem Buch für ältere Kinder passen. Das ist dann aber im Inneren vorbei. Praktisch sofort schütteln die Zeichnungen im Zusammenhang mit dem Text den Eindruck eines Kinderbuches ab. Sie erzeugen eine sehr dunkle, einschüchternde Atmosphäre, die weit entfernt von jeglichem leichten Schauer ist. Der Wolf wird von Wiebke Rauer immer wahnhafter dargestellt und sein immer schlechter werdender geistige Zustand spiegelt sich in den Zeichnungen. Diese laden zudem zum längeren Betrachten ein, da Wiebek Rauers viele Detail einarbeitet. Zusammen ergeben Text und Zeichnungen eine wirkungsvolle Einheit.


Fazit

Grimm ist ein düsteres Märchen, eine Studie der Psyche und eine Fabel gleichzeitig. Wiebke Rauers und Kai Lüftner legen ein beklemmendes Werk vor, das trotz seiner Kürze, seine Wirkung nicht verfehlt.


Pro & Contra

+ Zeichnungen
+ bringt die Geschichte auf den Punkt

0 wenige Seiten

Bewertung: sterne4.5

Handlung: 4,5/5
Charaktere: 4/5
Zeichnungen: 4,5/5
Lesespaß: 4,5/5
Preis/Leistung: 5/5