
Verlag: Panini; (Juli 2026)
Gebundene Ausgabe: 152 Seiten; 29 €
ISBN-13: 9783741650833
Genre: Thriller
Klappentext
Zuhause ist, wo das Herz aufhört zu schlagen.
Töte. Die Einheimischen. Nicht. Das ist die wichtigste Regel für Samantha Strong, eine liebenswerte Braunbärin, die ein Doppelleben als Serienmörderin in einer Kleinstadt führt. Schließlich findet man gleich hinter dem Wald, in der nahegelegenen Großstadt, zahlreiche potenzielle Opfer. Und wer wie Sam hart gearbeitet hat, um sich in einer Gemeinde wie Woodbrook, einem kleinen Paradies voller freundlicher Tiere, ein komfortables Leben und ein florierendes Geschäft aufzubauen, will die Ruhe auf keinen Fall stören.
Man kann sich Sams Wut vorstellen, als eine Bewohnerin von Woodbrook unter grausamen und mysteriösen Umständen stirbt – und scheinbar ein Serienmörder dahintersteckt. Es ist ihr kaum zu verdenken, dass sie Jagd auf ihren Rivalen macht, bevor die Zahl der Opfer steigt …
und Sheriff Patterson an Orten nach Hinweisen sucht, wo er nicht hingehört.
Das packende Debüt des aufstrebenden Autors Patrick Horvath: ein verstörender und düsterer Krimi, der sprechende Tiere (endlich) in einem ganz anderen Licht erscheinen lässt.
Rezension
Die Braunbärin Samantha Strong genießt ihr Leben in Woodbrook. Dort ist sie aufgewachsen und irgendwann hat sie das Geschäft ihrer Eltern übernommen. Das Leben verläuft in geruhsamen Bahnen und niemand käme auf die Idee, Samantha als Serienmörderin zu verdächtigen. Tatsächlich ist sie aber eine. Ein Mal im Monat fährt sie in die Großstadt und sucht sich ein Opfer, dessen Einzelteile sie in Farbtöpfen im Wald vergräbt. Nur Woodbrook ist für sie tabu, denn jeder unnatürliche Tote könnte den Sheriff auf ihre Spur bringen. Doch dann wird ihr ruhiges Leben erschüttert. Irgendjemand tötet nicht nur den armen alten Martin Brand, sondern er präsentiert die Leiche auch noch hoch oben auf einem Umzugswagen zur Feier des 200-jährigen Stadtjubiläums. Für Samantha ist sofort klar, dass jemand in ihrem Revier wildert und um zu verhindern, dass der Sheriff über die falschen Leichen stolpert, beginnt sie zu ermitteln, bevor der Killer zu viel Angst in der Stadt verbreitet. Doch ihr Gegner ist schlau.
Die Niedlichkeit von Kinderbuchillustrationen trifft auf Das Schweigen der Lämmer/ Dexter und etwas Psycho. So dürfte Beneath the Trees von Patrick Horvath am besten beschrieben sein. Gleichzeitig erinnert der Comic auch an die Spielberg-Filme der 70er bzw. frühen 80er-Jahre. Denn genau wie dort bricht in die Idylle der Vorstadt das Grauen ein. Nur ist es bei Patrick Horvath so, dass dieses Grauen auf ein ebenso großes trifft. Denn mit Samantha Strong ist bereits ein Monster in Woodbrook und dieses hat ein ganz eigenes Interesse, die Morde aufzuklären.
Im Prinzip erzählt Patrick Horvath hier mit der Jagd nach einem Serienmörder also einen klassischen Krimi bzw. Thriller. Aber er wandelt, wie bereits Dexter vor ihm, die üblichen Genrekonventionen etwas ab, indem er Serienkiller gegen Serienkiller stellt und dies gelingt ihm ausgesprochen gut. Seine Geschichte ist spannend und vor allem auch verwickelt genug, um den Leser bei der Stange zu halten. Immer wieder gibt es Überraschungen und so offenbaren sich auch die Abgründe hinter den verschlossenen Türen der Stadt und die erwähnte Vorstadtidylle wird eingerissen. In dem beschaulichen Städtchen Woodbrook ist eben dann doch nicht alles so beschaulich.
Die tragende Rolle hat dabei Samantha aus deren Sicht Beneath the Trees erzählt wird und die als unfreiwillige Ermittlerin diesen Fall lösen muss. Die auf den ersten Blick freundliche und sympathische Bärin, offenbart recht schnell ihre psychopathischen Abgründe und es ist gleichzeitig faszinierend und erschreckend mit welcher Distanz, Kaltblütigkeit und Gleichgültigkeit sie vorgeht. Sie trägt ständig eine Maske, die ihr hilft, ihr wahres Wesen zu verstecken. Und genau dies nutzt sie dann auch, um in den Morden zu ermitteln. Wie sie auf den Täter kommt, ist vielleicht etwas klischeehaft, aber dafür gut umgesetzt. Mit ihr hat Patrick Horvath auf jeden Fall eine ikonische Serienkillerin geschaffen, so viel steht bereits fest. Ihr Gegenspieler ist nicht ganz so gelungen wie sie, aber auch wenn es um die Jagd auf ihn geht, steht er nicht im Zentrum und damit fällt es nicht so ins Gewicht, dass er nicht ganz so gut ausgearbeitet ist, wie Samantha selbst.
Die Zeichnungen von Patrick Horvath tragen sehr viel zur Wirkung der Geschichte bei. Seine Zeichnungen fangen das Gefühl der späten 70er-/ frühen 80er Jahre sehr gut ein. Die heile Welt der Vorstadt war damals noch scheinbar intakt und eigentlich wirkte alles etwas gemütlicher und sicherer. Dadurch wird das Grauen, welches in Woodbrook einbricht, nur schrecklicher und Patrick Horvath zeigt dies auch in seinen Bildern. Die Morde sind brutal und die teils verstümmelten Leichen zeigt er explizit, was den Kontrast zu den eigentlich schönen und niedlichen Zeichnungen verstärkt und damit auch ihre Wirkung auf den Leser. Aber Patrick Horvath auf seinen Stil, der an Kinderbuchzeichnungen erinnert, aber dennoch erwachsener ist, zu reduzieren, wäre ein Fehler. Er ist eben auch ein sehr guter visueller Erzähler und führt den Leser allein durch seine Inszenierung und die Abfolge seiner Bilder immer mal wieder auf eine falsche Spur. Das ist teilweise wirklich klever von ihm gemacht. Ohne diese gelungene Gestaltung und Erzählweise, wäre Beneath the Trees nur ein weiterer Serienkillerthriller, wenn auch mit einer sehr guten Grundidee, mit ist Beneath the Trees allerdings eine spannende Serienkillerhatz, die auf allen Ebenen überzeugt.
An Bonusmaterial gibt es leider nicht viel. Bis auf ein paar Charakterskizzen und Cover gibt es da leider nichts.
Fazit
In Beneath the Trees trifft Serienkiller auf Serienkiller und das wird von Patrick Horvath mit niedlichen Zeichnungen spannend erzählt. Die gemütliche Braunbärin Samantha Strong ist bereits jetzt eine der bemerkenswerten Serienkillerinnen der Comicgeschichte.
Pro & Contra
+ Kontrast zwischen Zeichnungen und Handlung
+ spannend bis zum Schluss
+ Samantha Strong ist als Charakter interessant
Bewertung: ![]()
Handlung: 4,5/5
Charaktere: 4,5/5
Zeichnungen: 4,5/5
Lesespaß: 5/5
Preis/ Leistung: 4,5/5